Tagebuch: Facelifting für Valletta – Malta I

5 04 2016

Dienstag, 5. April 2016

Valletta, die von Kreuzrittern gegründete Hauptstadt der Insel Malta, hat ihr Gesicht verändert, und das gewaltig. Das ist das Fazit, das ich in einem Bericht gezogen habe, der gestern in touristik aktuell erschienen ist. Er gehört zu einem der gleich zwei Specials von mir in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift. Das eine ist Zypern gewidmet, das andere eben Malta.

Valletta, Maltas 450 Jahre alte Hauptstadt, überrascht Besucher mit einem Bauensemble des Architekten Renzo Piano. In Vorbereitung auf 2018 hat der Stararchitekt das einstige City Gate durch zwei mächtige Betonquader ersetzt. Sie bilden den Eingang, hinter dem Piano eine kühne Treppe aufsteigen lässt, die geschickt Licht und Schatten des Parlamentsgebäudes spiegelt. Auch das hat Piano neu erdacht und ihm eine klare, eindrucksvolle Linie verpasst. Der Quader schließt sich an den Eingangsbereich an. Und an Stelle der benachbarten Opernruine auf dem großen Platz davor – das Operngebäude fiel im Zweiten Weltkrieg dem Bombenhagel zum Opfer – schuf Piano ein Freilichttheater für tausend Gäste.

Eingng eins

Treppe 2

Nicht nur die Architektur hat Valletta in den letzten Jahren verändert.„In den letzten vier Jahren hat sich so viel getan“, schwärmt Guide Mariella Bose, „es gibt so viele Feste und Festivals, soviel Musik und Kultur, dass man jeden Tag etwas unternehmen kann.“ Das neue, breite Kulturangebot wurde honoriert: 2018 ist die kleinste Hauptstadt der EU, in der nur 9000 Bewohner leben, Kulturhauptstadt Europas. Eine andere Auszeichnung besitzt die Stadt schon seit 1980: Sie steht als Gesamtheit auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Jedes Haus genießt Denkmalschutz. Das macht den Erhalt schwierig, manches Gebäude könnte eine Generalsanierung vertragen. Andererseits verhindert der konsequente Denkmalschutz eine Gentrifizierung. Besucher können sich so an vielen kleinen Läden erfreuen, die sich spezialisiert haben – Victor Galeas Kurzwarenhandlung beispielsweise, Mazzareno Haders Laden für Bilderrahmen oder George Zammits kleines Reich für Kaffe und Kräuter, Salz und Süßigkeiten.

Valletta drei

In kerzengeraden mit dem Lineal auf dem Reißbrett gezogenen Gassen lässt es sich von einem Café wie Piadinas Kaffeestube zum nächsten bummeln.

Valletta sechs

Mittlerweile hat sich in Valletta eine stattliche Zahl guter Restaurants etabliert. Vorbei sind die Zeiten, in denen Maltas Küche den – schlechten – Ruf als Truppenversorger der Briten hatte. Der Familienbetrieb Palazzo Preca in der Strait Street ist eine dieser ersten Adressen. Junge Schwestern kochen traditionelle maltesische Gerichte wie Stuffat Tal-Fenek, Kaninchen, Bragoli, maltesische Rinderroulade oder Tigiega, geröstetes, gefülltes Hühnchen.

Für größere neue Hotelbauten hat Valletta keinen Platz. Doch werden mehr und mehr traditionelle Häuser zu vornehmen Boutiquehotels restauriert. Eines ist Palazzo Prince d’Orange, das fünf ganz unterschiedlich eingerichtete Appartements für zwei bis vier Personen vermietet. Gemeinsam nutzen Gäste Bar, Bibliothek, Lounge und Dachterrasse.

Valletta vier

Das 400 Jahre alte Haus, seit 1888 in Besitz einer niederländischen Familie, wurde von ihr mit Stil und hohem Aufwand zum Boutiquehotel umgebaut. „Das ist ein echter Trend“, sagt Mariella Bose, „bald werden wir in Valletta viele solcher Hotels in historischen Häusern haben.“

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