Tagebuch: Pladoyer für Dubai

30 04 2016

Freitag, 30. April 2016

Dubai brummt. Die Destination verzeichnet Besucherrekorde, auch und gerade aus Deutschland. Sind alle dieser Besucher Ignoranten? Das wären sie in der Tat, würde man den Dubai-Kritikern bedingungslos glauben. Ein Plädoyer pro Dubai.

„Warum tust Du Dir das an?“ werde ich von Freunden und Bekannten immer gefragt, wenn ich erzähle, dass ich mal wieder nach Dubai fliege. Wie bitte? Ich tue mir etwas an mit einer Reise in die Vereinigten Arabischem Emirate? Aus der Frage, die schon wie eine Behauptung klingt, spricht eine ziemliche Portion Überheblichkeit. Eine Abneigung alles Arabischen.

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„Nein, nein, ich meine nur die großkotzige Architektur“, sagte eine Freundin, die mir im selben Atemzug versicherte, „keine zehn Pferde“ würden sie nach Dubai bekommen. Aha, die Architektur. Wir sind ja ein Volk von Architektur-Kritikern, wie wir ein Volk von Fußball-Trainern sind. Die so daher reden, sollten sich einmal einige der tausend Wolkenkratzer Dubais anschauen. Darunter gibt es kühne Entwürfe, einige Hochhäuser sind wahre Kunstwerke und nicht so einfallslose, peinliche Kastenbauten wie das Hotelhochhaus [Waldorf Astoria] in der Berliner City West. Auch den Architekten, die das Gebiet rund um den Berliner Hauptbahnhof mit [Hotel-]Neubauten verschandelt, würde ich gerne eine Studienreise nach Dubai finanzieren.

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Architektur also abgehandelt. Bleibt der Kritikpunkt Menschenrechte. Ich habe nie behauptet, dass Dubai ein Hort der Freiheit ist, ein Bollwerk der Demokratie. Vieles ist dort gut geregelt, vieles mit unserem Demokratieverständnis nur schwer unter einen Hut zu bringen. Aber dann dürfte auch keine Reise in die Türkei unternommen werden, nach Kuba oder gar – jetzt ganz modern – in den Iran. Zudem unternehme ich, was Dubai betrifft, keine Urlaubs-, sondern eine Dienstreise.

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Ja, aber was willst Du beim Arabian Travel Market [ATM]? werde ich immer gefragt. Diese Messe ist bisher immer der Anlass für meine vier Dubai-Reisen gewesen, im Auftrag von touristik aktuell und auf Einladung von JT Touristik. Der ATM sei doch viel kleiner und unbedeutender als die ITB Berlin, und da hätte ich doch Fachleute aus aller Welt zum Gespräch. Stimmt, die ITB ist größer. Aber gerade wegen ihrer Größe kann sie das nicht leisten, was den ATM so faszinierend macht. Er ist eine Brücke von West zu Ost, Gesprächspodium, Kontaktbörse. Die Aussteller und Fachbesucher sind aufgeschlossen, freundlich, ja herzlich. Ich liebe das Gewusel von arabischen Besuchern, Fachleuten aus westlichen Ländern, Fernost-Touristikern.

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Ja, ich interessiere mich auch für die Vertreter der arabischen Länder. Und ich bin nicht so überheblich, in jedem ATM-Teilnehmer aus Saudi Arabien einen Scharia-Schlächter zu sehen, in jedem Gast aus dem Libanon einen Kriegstreiber. Und nicht jeder Mann, der einen Kaftan trägt, ist ein Unterdrücker von Frauen und Angestellten, nicht jede Trägerin einer Jalabija ein armes, unterdrücktes, geknechtetes Weib. Wie viele kluge und glückliche Kolleginnen ganz in Schwarz habe ich kennen gelernt!

Wenn ich dann noch lebe, fliege ich auch nächstes Jahr wieder nach Dubai. Und ich werde das genießen.

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