Tagebuch: Organisiertes Chaos in Hanoi – Vietnam III

1 06 2016

Mittwoch, 1. Juni 2016

Wie ist Hanoi? Wenn mir diese Frage gestellt wird, kann ich keine kurze Antwort geben. Die Stadt, die Berlin wie ein größeres Dorf erscheinen lässt, ist ein Moloch. Eine Stadt voller Gegensätze. Eine Stadt mit durchaus idyllischen Flecken. Eine Stadt, die Besuchern die Begegnung mit den Bewohnern leicht macht. Nein, eine kurze Antwort kann es nicht geben.

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Nebenbei: Dieser Text ist nicht der Versuch, ein Reiseführer-Kapitel über die Hauptstadt Vietnams zu schreiben. Dies sind Tagebuch-Notizen, ziemlich ungeordnet und ziemlich subjektiv. Eine objektive Beschreibung der Stadt ist unmöglich.

Der erste Eindruck: Chaos. Wie in Saigon soll es hier fünf Millionen [!] Motorräder, Motorroller, Mopeds und Mofas geben. Sie stehen im Pulk an Ampeln – und brausen bei Grün los, als würden sie verfolgt [von wem auch immer]. Irgendwelche Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben. Auf manchem Motorrad wird eine ganze Familie transportiert, Kind und Kegel auf einem Fahrzeug. Einmal sah ich einen Fahrer, der ein [lebendes] Schwein geladen hatte. Es passiert erstaunlich wenig. Das war nicht immer so. Wie unser Reiseleiter Quang erzählte, gab es einmal in Vietnam 20.000 Verkehrstote pro Jahr, über fünfmal so viele wie in Deutschland. Die Helmpflicht senkte die Zahlen erheblich. Denn sie tragen alle brav ihren Helm, nur die mitreisenden Kinder nicht…

Ungewohnt ist für uns auch der Anblick der Autobahn: Alle Verkehrsteilnehmer nutzen sie, die langsamen und die schnellen, auch die wenigen verbliebenen Radfahrer. Frühmorgens kurven die Motorradfahrer mit ihrer Familie herum, um an einer der 200.000 [!] Garküchen das Frühstück einzunehmen. Übrigens: Eine schmackhafte, kräftige Nudelsuppe gehört dazu.

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Manchmal dachte ich, die Motorradmeute sei unterwegs zu einem gemeinsamen Bankraub. Denn fast jeder trägt eine Gesichtsmaske – dies laut Quang nicht nur wegen der Abgase, sondern um das Gesicht auch vor Sonnenstrahlen zu schützen. Es könnte ja sonnengebräunt werden. Geht nicht! Weiße Haut erscheint Vietnamesen, Männern, Frauen und Kindern, erstrebenswert. Weshalb so manche Frau auch bei fast 40 Grad eine Strickjacke trägt, die die Arme bedeckt…

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Abenteuerlich ist die Verkabelung: Stromleitungen, Telefonleitungen und vieles mehr werden nicht unter die Erde verlegt, sondern überirdisch von Haus zu Haus, von Straße zu Straße gespannt.

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Bei Fahrten mit der Fahrradrikscha sollten Besucher öfter mal in die Höhe schauen – sie werden staunen, wie so etwas funktionieren kann. Und es funktioniert! Während man sich hierzulande über vereinzelte öffentliche W-Lan-Netze freut, wird W-Lan in Vietnam überall kostenlos angeboten: in Hotels, in jedem Café, in Restaurants.

Wird fortgesetzt. Weitere Themen: Stadtbild voller Kontraste, Flughafen, Mosaikmauer, Literaturtempel, Wohnsituation.

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