Tagebuch: Der Mann von der Leuphana – Prof. Dr. Edgar Kreilkamp

12 06 2016

Sonntag, 12. Juni 2016

Es ist noch lange hin bis zu dem Tag, an dem Prof. Dr. Edgar Kreilkamp in Pension geht. Aber die Älteren unter den Lesern wissen, wie schnell die Zeit rast – und mit fortschreitendem Alter immer schneller. Mit dem Ende des Wintersemesters 2017/2018 ist es so weit, also am 31. März 2018. Aber zur Ruhe setzen wird sich Dr. Kreilkamp dann noch lange nicht.

imagesEr ist einer der bekanntesten Tourismuswissenschaftler der Republik. Noch leitet er den Schwerpunkt Tourismumanagement an der Leuphana Universität Lüneburg. „Leuphania – das klingt wie ein Pharmaprodukt“, hat er mal auf einer Tagung zu diesem merkwürdigen Namen gesagt. Aus Wikipedia: „Der Name Leuphana leitet sich von einer antiken Siedlung an der Elbe her, die im Weltatlas des Geografen Ptolemäus aus dem 2. Jahrhundert erwähnt wird.“ Aber: „ Es ist strittig, ob der eingezeichnete Ort dem heutigen Lüneburg entspricht. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die historische Siedlung dem heutigen Hitzacker − ca. 45 km östlich von Lüneburg − entspricht.“ Ob der Name der beste Einfall der Werbeagentur Scholz and Friends war, den diese sich 2006 ausdachte? Ich bezweifle das.

Und was macht der – übrigens sehr freundliche, dem Gesprächspartner stets zugewandte – Professor an seiner Uni? Zitat aus deren Website [http://www.leuphana.de/universitaet/personen/edgar-kreilkamp.html]: Im Leuphana Bachelor bi¬tet er Veranstaltungen zum Tourismusmanagement im Major Kulturwissenschaften und im Masterstudiengang Management & Entrepreneurship im Major Marketing zu Dienstleistungmarketing und Tourismusmanagement an.“ Ein schöner Satz folgt: In der Forschung liegen die Schwerpunkte im Bereich der Tourismusforschung.“ Ja, wo denn sonst, Leute, wenn ein Tourismus-Prof forscht!

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Edgar Kreilkamp hat an der FU Berlin studiert, wo ich ihn kennenlernte. Da war er schon Akademischer Rat am Institut für Tourismus, dessen Ergänzungsstudium er mit aufbaute. Fast drei Jahrzehnte habe ich dort in Lehrveranstaltungen über „Pressearbeit im Tourismus“ referiert. Eines Tages erzählte mir Dr. Kreilkamp eine abstruse Geschichte: Im Rahmen eines Forschungsprojekts – wie ich erst jetzt von ihm erfuhr, war das eine Auftragsuntersuchung des Bundesgesundheitsamtes zur Aids-Prävention – reiste er nach Thailand, wo er an einem Strand den männlichen Bums-Touristen [empfindliche Seelen sehen mir dieses Wort nach…] einen Fragebogen überreichte. Als er am Ende des Strandes angekommen war, ging er den Weg zurück und sammelte die Fragebögen wieder ein. Das Ergebnis, das er mir ins Mikrofon für einen Beitrag des „Reisemagazins“ des Senders Freies Berlin [SFB] erzählte, war verblüffend: Die meisten Männer, denen die Aidsgefahr durchaus bewusst war, waren der festen Überzeugung, dass „ihre Mädchen“ sauber seien. Mit anderen Worten: Sie fühlten sich mächtig, unter all den jungen Frauen, die sich am Ferienstrand anbieten, die richtige auszusuchen: ohne Aids, überhaupt rein an Körper und Wesen, eine Person zum Verlieben…

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Von 1986 bis 1992 lehrte Dr. Kreilkamp an der FU Berlin, dann wurde er Professor in Lüneburg. Furore machte er auch in der Branche als Mitbegründer [und jetzt Wissenschaftlicher Leiter] vom PROJEKT M, einem Beratungsunternehmen für die Tourismus- und Freizeitbranche. Wie oft habe ich Edgars kluge Vorträge und Analyse in dieser Funktion gehört! Ich werde nie vergessen, wie er bei der Jahrestagung einer Landes-Tourismusorganisation Prospekte der Region zerpflückte und sie den Tagungsteilnehmer symbolisch um die Ohren klatschte. Sie dankten mit donnerndem Applaus. Die Logik dahinter: Schlechte Prospekte, klar gibt es die – aber das sind die der Kollegen.

Die Liste der Mitgliedschaften umfasst nahezu ein Dutzend Positionen. So ist Edgar Kreilkamp Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft [DGT], Mitglied im Beirat von Forum AndersReisen e.V. und Mitglied im Travel Industrie Club, um nur drei zu nennen. Aber nicht nur deshalb wird nichts mit dem Ruhestand des Professors. „Es ist ja nicht so, dass ein Uni-Prof von heute auf morgen aufhört“, sagte er mir; er macht z.B. weiter mit Forschungsprojekten und wird weiter Doktoranden betreuen.

Und sein Institut? Das steht auf der Kippe. „Die Stelle wird dann wahrscheinlich nicht neu besetzt“, heißt es in einer Mitteilung der Lüneburger Universität, „so dass der Schwerpunkt Tourismusmanagement an der Leuphana dann eingestellt wird.“ Derzeit laufen noch Bemühungen zur Einwerbung e¬ner Stiftungsprofessur, aber das klappt nicht so richtig. „Wir bekommen wichtige Briefe aus Ministerien, die sagen, die Professur müsse erhalten bleiben“, erzählt Kreilkamp, „aber Geld gibt keiner.“

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