Tagebuch: Ich muss mal wieder nach Hanoi – Vietnam IV

15 06 2016

Mittwoch, 16. Juni 2016

In Hanoi herrschte nicht nur auf den Straßen Chaos, als ich die Stadt kürzlich besuchte. Auch in meinem Kopf ging’s hoch her: Ich weigerte mich partout, mit dem Umrechnungskurs klarzukommen. Wollte ich beispielsweise irgendwo einen Euro Trinkgeld geben, musste ich 25.000 [in Worten: fünfundzwanzigtausend] Dong hinblättern. Dong. Nicht Dingdong. Aber 25.000…

555

Natürlich haben die zwei Tage, die wir in Vietnams Hauptstadt waren, nicht gereicht, um nur annähernd all die Sehenswürdigkeiten zu sehen, die Hanoi bietet. „Runter vom Pferd“ steht auf einer Stele am Eingang des Literaturtempels: Reiter mussten am Eingang absteigen, um Respekt zu zeigen; wenn sie das Tor passiert hatten, durften sie wieder aufsteigen. Der Literaturtempel ist eigentlich kein Tempel, sondern eine Akademie, die erste des Landes übrigens. Die Anlage wurde im elften Jahrhundert geschaffen und wurde von der Elite des Landes bis 1915 besucht.

888

Dennoch ist der Literaturtempel so etwas wie das Nationalheiligtum des Landes. Täglich strömen ungezählte Menschen dorthin und legen für Verstorbene Essen hin – oder Armbanduhren, ein Handy, gar ein Auto und viel, viel Geld. Alles aus Pappe. Die Spender sind überzeugt, dass die Toten weiterleben und die Gaben benötigen. Es gibt in Hanoi eine Straße, in der man all diese Pappsachen kaufen kann. Später werden sie verbrannt [s. Foto unten]. „Viele Vietnamesen glauben nicht an Gott“, sagt unser Reiseleiter, der allwissende Quang, „aber sie glauben an Geister.“

333

Wir gehen durch die quirlige Stadt, vorbei an einem unglaublichen Stilmix: Prachtbauten aus französischer Kolonialzeit, supermoderne Bürokomplexe, traditionelle, typisch vietnamesische Wohnhäuser. Diese sind schmal, tief und hoch. Die Front ist oft nur drei bis fünf Meter breit, häufig erstrecken sich die Häuser 20 Meter tief – und manchmal sechs oder gar sieben Stockwerke hoch. Seit 2007 muss ein Haus eine Grundfläche von mindestens 30 Quadratmetern haben, sonst gibt’s keine Baugenehmigung.

Licht und Luft erhalten die Stockwerke aus einem Lichtschacht mit Glasdach oder Glaskuppel oben. Mehrere Generationen wohnen in einem Haus, die jüngeren Leute oben. „Ganz unten liegt die Küche, in der gemeinsam gekocht wird“, sagt Quang. Er meint übrigens, diese traditionelle Lebensweise finde man eher im Norden des Landes, „die im Süden sind moderner – das ist der Einfluss der USA“.

666

222

999

Mitten im größten Trubel überrascht die Stadt durch idyllische Flecken und in ihr Spiel versunkene Menschen. Liebespaare am Ufer, Schachspieler…

10

777

Hanoi wäre nicht die Stadt, in die man wiederkommen muss, begegnete man dort nicht den Menschen, die sie beleben. Kontakte sind leicht zu knüpfen, freundliche Gespräche schnell begonnen. Und da ist das Lächeln, so offen, so von Herzen kommend. Ich muss wieder hin, auch wenn ich mit der Währung wieder durcheinanderkomme.

111

111111

121212

Advertisements

Aktionen

Information

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: