Tagebuch: Von Klippen und Rillen – Malta III

22 06 2016

Mittwoch, 22. Juni 2016

Über 250 Meter hoch erheben sich an der Südküste Maltas die Dingli Cliffs übers Meer – ein Blick von dort oben lässt einem den Atem stocken. Wer von hier einmal gesehen hat, wie die Sonne untergeht, wird diesen Anblick nie vergessen. Ist die Neugier einmal geweckt, wollen viele Besucher mehr über die Klippen wissen: Wie alt sind sie? Aus was für einem Gestein bestehen sie? Wie sieht es aus mit Fauna und Flora?

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Beliebtes Ausflugsziel: die Dingli-Klippen

Das brachte zwei Brüder auf eine gute Idee. Sie betreiben oberhalb der Klippen das Restaurant The Cliffs, übrigens ganz in der Nähe der markanten Radarstation; sie gehört früher der Royal Air Force und heute der maltesischen Flugsicherung. Das Restaurant besitzt eine schöne Terrasse und hat sich auf lokale Produkte spezialisiert – Wein und Käse, Honig, wilder Spargel und Knoblauch.

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Früher Air Force, heute Flugsicherung: die markante Radarkuppel

Und als „lokales Produkt“ bezeichnen die Wirte auch ihr Klippe-Informationszentrum, das sie im Restaurant unterhalten. Für ihr Projekt haben die beiden Brüder Fördergelder kassiert – und die Naturschutz-Organisationen verfügen um ein gutes Informationbszentrum. Mit Hilfe von Aufstellern, Plakaten und Broschüren informiert es lückenlos über alles, was mit den Dingli Cliffs zusammenhängt. Wer dennoch mehr wissen will, erhält Antwort von einer jungen Geografin, die an ihrem Leptop im Gastraum sitzt.

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Auskünfte für jedermann: die junge Geografin

Übrigens: Die Dingli-Klippen haben ihren Namen vom kleinen Ort Dingli, der kaum 200 Einwohner hat – aber eine der für Malta und Gozo typischen, überdimensionierten Pfarrkirchen mit riesiger Kuppel. Und der Ort Dingli wiederum ist nach einem englischen Ritter namens Sir Thomas Dingley aus dem 16. Jahrhundert benannt.

Wie sind die geheimnisvollen Spurrillen entstanden, von denen auch einige nördlich von Dingli zu sehen sind? Archäologen haben die Theorie entwickelt, dass die Baumaterialien und vor allem die Monolithen für die geheimnisvollen Tempel auf Malta und Gozo auf Karren transportiert worden sind, die diese Spuren hinterlassen haben.

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Wo kommen sie her, die geheimnisvollen Spurrillen?

Alles Quatsch, meint Erich von Däniken. Erich wer? Zur Erinnerung ein npaar Zeilen aus Wikipedia: Erich Anton Paul von Däniken (* 14. April 1935 in Zofingen) ist ein Schweizer Autor, der den pseudowissenschaftlichen Zweig der Prä-Astronautik einem breiten Lesepublikum bekannt machte. Seine Bücher wurden in 32 Sprachen übersetzt und haben bei einer Gesamtauflage von 63 Millionen verkauften Exemplaren teilweise Bestseller-Status erreicht. Zwei seiner Bücher wurden verfilmt, weitere Filme sind an Dänikens Ideen angelehnt. Seine stets aus archäologischen Funden und Befunden abgeleiteten Thesen werden durch von Däniken nicht wissenschaftlich bewiesen, sondern lediglich im Stil „narrativer Sachbücher“ präsentiert und daher auch als „phantastische Wissenschaft“ bezeichnet.

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Bis 20 Tonnen [!] sind die „Bausteine“ der Tempelanlagen schwer

So, dieser Erich von Däniken führte an, dass die „Gleise“ unterschiedliche Spurbreiten haben. Ganz gleich, ob es sich bei den Abdrücken von Kufen oder Rädern handle – variable Achsbreiten habe es damals sicherlich nicht gegeben. Wenn die, wie Theorien besagen, auf Astgabeln befestigten Steine von Tieren gezogen worden seien, hätten laut von Däniken die Astgabeln aus Stahl und die Tiere Dinosaurier sein müssen. Außerdem hätten die Tiere im Boden eigene Spuren zwischen diesen Rillen hinterlassen müssen.

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Modell des „Kugellagers“ – laut von Däniken alles Unsinn

Auch die Kugeln aus Kalkstein, die man überall in der Nähe der Tempelanlagen findet und die als Erklärung zum Transport der Monolithen herhalten müssen, können nach Däniken nicht als Kugellager zum Transport benutzt worden sein: Sie wären unter dem Gewicht der Steine „wie ein Schneeball zerbröselt“. Von Dänikens drittes [Gegen-]Argument ist der Hinweis auf die nicht wegzudiskutierende Tatsache, dass die Spuren nie direkt auf eine Tempelanlage zuführen. Sie ziehen sich kreuz und quer über die Insel.

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