Notizbuch: „Nicht nur der Preis zählt“ – Studiosus mit empfindlicher Klientel

26 07 2016

Dienstag, 26. Juli 2016

Die Studienreisen-Klientel reagiert anders als klassische Badetouristen. Und empfindlicher, wie Studiosus-Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch jetzt bei der Präsentation von zwei Jahreskatalogen betonte.

kubschBeispiel Sri Lanka: Dass sich die Insel derzeit so gut verkaufe, liege nicht nur am Nachholeffekt nach dem Ende des Bürgerkriegs, sondern „auch daran, dass Indien nicht so gut läuft“. Seit 2012 gehen nach den Nachrichten über Vergewaltigungen die Buchungen für den Subkontinent zurück. „Wir stellen immer wieder fest: Nicht nur der Preis zählt“, sagt Kubsch, „unsere Kunden denken auch stärker über Politik nach oder die Stellung der Frau“.

Eindeutige Verlierer bei Studiosus sind derzeit Nordafrika und der Nahe Osten. Die Buchungen für Studienreisen in die Vereinigten Arabischen Emirate gehen zurück, Marokko wird nur halb so gut gebucht wie gewohnt, Tunesien „kommt fast zum Erliegen“ (Kubsch). Das alles habe „nichts mit Sicherheitsbedenken zu tun, sondern mit Sympathie“.

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„Fast zum Erliegen“: Tunesien

Mit 16 neuen Fernreisen geht Studiosus ins Rennen um die Gunst des Studienreise-Publikums im Reisejahr 2017. Allein sechs der Reisen führen durchs südliche Afrika. Neu sind unter anderem eine 18-tägige Natur-Studienreise mit Schwerpunkt auf der Tierbeobachtung und eine Wanderreise, die Südafrika mit dem Königreich Lesotho kombiniert. Das südliche Afrika erfährt auch im aktuellen Reisejahr „eine starke Wiederbelebung“, Ausgebaut wurde für 2017 auch das Angebot für Australien, Indochina, Sri Lanka und Kuba.

Kuba liegt als großes Boomziel auf Platz eins der diesjährigen Gewinner. „Alle wollen noch einmal den Soziaslismus life erleben“, erklärt Kubsch den Run auf die Insel, „deren Hotelkapazitäten voll sind und deren touristische Infrastruktur überlastet ist“. Auch der Iran, “in den letzten zwei, drei Jahren explosionsartig gewachsen“, ist ein solches Boomziel, aber dort hält die Entwicklung auf dem Hotelsektor der Nachfrage stand.

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Boomziele: Kuba [oben] und Iran. Fotos: Studiosus

Pavilion over the Tomb of Hafez in Shiraz, Iran

Pavilion over the Tomb of Hafez in Shiraz, Iran

Für die sehr unterschiedliche Preisentwicklung hat Kubsch einleuchtende Erklärungen. Dass Kuba im kommenden Jahr zehn Prozent teurer wird, überrascht nicht. Aber wieso wird das gut gebuchte südliche Afrika sechs Prozent preiswerter? Kubsch: „Vorteilhafter Wechselkurs.“ Und „viele neue Kapazitäten und gesunkene Nachfrage“ drücken den Preis für Chinareisen im kommenden Jahr um 16 Prozent.

41 Reisen, 15 mehr als dieses Jahr, enthält der Katalog „small & small“ für Studiosus-Kunden, „denen Badeurlaub zu langweilig ist, Studienreisen aber zu anstrengend“ (Kubsch). „Auszeit mit Kultur“ lautet denn auch die Unterzeile des neuen Kataloges, dessen Reisen von kleinen Gruppen und familiären Hotels geprägt sind. Neu diesmal sind die Ziele Sardinien, Schottland, Myanmar und Iran. Im Oktober liefert Studiosus weitere Studienreise-Kataloge für 2017 aus: Europa-Angebote, Reisen für Singles & Alleinreisende, Familienurlaub und Städtereisen.

„Das schmeckt mehr nach Urlaub“, sagt Holger Baldus, Produktleiter der Marke Marko Polo – die ebenfalls zur Studiosus-Gruppe gehört – zu seinem Angebot, „wir sind Mainstream im besten Sinne.“ Gereist wird bei Marco Polo in kleinen Gruppen mit durchschnittlich 18 Teilnehmern. Dabei stehen Kultur- und Naturhighlights der Destinationen auf dem Programm, der Studienreise-Charakter ist im Vergleich zu Studiosus deutlich zurückgefahren.

IMG_000521 neue Rundreisen enthält der Katalog für Erlebnis- und Entdeckerreisen, den Marco Polo jetzt mit dem Katalog für Minigruppen 2017 vorgelegt hat. Anfang Oktober erscheinen zwei weitere Kataloge: Young Line Travel und Individuelle Reisen ohne Gruppe. Die neuen Erlebnis- und Entdeckerreisen führen durch Südafrika, China, den boomenden Iran und Südthailand.

Drei neue Reisen bietet der Minigruppen-Katalog an, und zwar nach Costa Rica, Südindien und Kambodscha/Vietnam. Die Gruppen sind maximal zwölf Personen groß, aber „auch schon mal neun“ (Baldus). Übernachtet wird ausschließlich in kleineren Unterkünften mit besonderem Flair. Baldus: „Uns ist ein wichtiger Punkt, dass die Reiseteilnehmer den Gastgeber persönlich kennenlernen können.“

Im Jubiläumsjahr – Marco Polo ist schon seit 60 Jahren auf dem Markt – liegt die Nachfrage laut Baldus „deutlich im Plus“. Besonders beliebt sind Kuba, das südliche Afrika und Südostasien. Jahrelang, so erzählt Baldus, habe Marco Polo bei Reisebüroexpedienten mit dem Image zu kämpfen gehabt, ein besonders teurer Veranstalter zu sein. „Seit der Neuausrichtung vor zwölf Jahren sind wir das längst nicht mehr“, versichert Baldus. Im Gegenteil: Marco Polo ist der preiswertere Anbieter der Studiosus-Gruppe. Eine zehntägige Marokko-Reise ist bereits ab 1199 Euro buchbar.

[Dieser blog-Eintrag basiert auf zwei Berichten von mir in der aktuellen Ausgabe von touristik aktuell, Ausgabe 29-30, Seite 6]

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