Notizbuch: vom Kuhstall zum Kulturstall

28 10 2016

Freitag, 28. Oktober 2016

Wer weiß schon, wo und was die Hufeisensiedlung ist? Was gibt es in Schloss Britz zu entdecken? Und warum weint das Milchmädchen bitterlich? Berlin ist eine Reise, die nie endet. Seit 1972 wohne ich nun schon hier und entdecke im Berliner Kaleidoskop immer neue Facetten. Kürzlich hat mich eine Freundin durch Britz geschleppt, ihren Kitz. Ich war und bin hellauf begeistert – und der Dame dankbar.

Eine Standortbestimmung: Britz war ein Dorf, als 1920 Großberlin geschaffen wurde und Britz dem neuen Bezirk Neukölln zugeschlagen wurde. Neukölln wiederum war bis dahin eine selbständige Stadt, die übrigens bis 1912 Rixdorf hieß. Vom ländlichen Dasein zeugt noch das Schloss Britz, früher das Herrenhaus des Ritterguts Britz. Der prächtige Bau erhielt 1880 eine Fassade im damals modernen Neorenaissance-Stil. Wer schon immer wissen wollte, was denn eigentlich die „Gründerzeit“ ist und wie die Leute damals wohnten, wird in den Museumsräumen fündig. Sie sind der Wohnkultur der Gründerzeit gewidmet. Wer die fünf Räume durchstreift, begibt sich in eine Zeitmaschine.

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Schloss Britz

Vom Gut Britz sind noch zahlreiche Gebäude erhalten. Das Ensemble ist – dem Krongut Bornstedt in Potsdam vergleichbar – im italienischen Landhausstil gestaltet. Uhrenturm, Schmiede, Haus des Verwalters, „Schweizer Haus“, Ochsenstall, Pferdestall, Kuhstall – die Gebäude werden alle genutzt. Im Verwalterhaus sitz die Musikschule Neukölln Paul-Hindemith, im „Schweizer Haus“ empfängt ein Restaurant seine Gäste, im früheren Pferdestall erstreckt sich das Museum Neukölln [mit der sehenswerten Dauerausstellung „99 X Neukölln“] über zwei Etagen, der Kuhstall ist heute Kulturstall mit angeschlossener Freilichtbühne. Und in weiten Gehegen werden historische Nutztierrassen gehalten.

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Museum Neukölln [oben], [überdachte] Freilichtbühne des Kulturstalls

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Historisches Nutztier [links]

Zu einem Gut gehört ein Gutspark, so auch hier. Der Park, übrigens mit dem ältesten Gingkobaum der Stadt, steht unter Denkmalschutz und wurde schon ausgezeichnet, weil er so gut gepflegt ist. Im Park treffen Besucher auf die anrührende Plastik eines kauernden Milchmädchens, das bittere Träne über seinen zerbrochenen Krug weint. Die Plastik ist eine Kopie der Brunnenfigur, die 1860 ein Künstler namens Pawel Sokolow für den Park des Katharinenpalastes in Zarskoje Selo, dem heutigen Ort Puschkin, schuf.

Ein kleiner Spaziergang vom Schloss führt zur berühmten Hufeisensiedlung, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die Siedlung, die tatsächlich die Form eines Hufeisens hat, wurde als sozialer Wohnungsbau zwischen 1925 und 1933 errichtet. Architekten waren Bruno Taut, Martin Wagner und Leberecht Migge [als Gartenarchitekt].

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Tauts Meisterwerk: die Hufeisensiedlung

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Auch die Bebauung der nicht hufeisenförmig gebogenen Straßenzüge rund um das Hufeisen ist sehenswert, Berlin verdankt Bruno Taut viel – neues Denken, neue Formen, neue Farben…

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