Notizbuch: der Museums-Präsident

9 11 2016

Wenn der Begriff nicht so abgedroschen wäre, würde ich Dimitrios Pandermalis einen feinen alten Herrn nennen. Der Präsident des Athener Akropolis-Museums – eine merkwürdige, offensichtlich als Ehrung verliehene Bezeichnung für einen Museumschef – ist in der Tat ein Gentleman, ein freundlicher Herr, klug und weise. Mit ihm zu sprechen war der Höhepunkt meiner Reise, die ich kürzlich nach Athen unternommen habe.

prof-dimitris-pantermalisProfessor Pandermalis und das weltberühmte Akropolis-Museum, von Anfang an unter die zehn besten Museen der Welt gelistet – das ist eine Erfolgsgeschichte. Das im Juni 2009 eröffnete Museum wurde von Pandermalis mitgeplant und von Anfang an geleitet. Seitdem wurden schon über zehn Millionen Besucher gezählt. „Seit der Eröffnung haben wir keinen Cent vom Staat erhalten“, sagt der Chef mit Stolz, „Tickets, Shops und Restaurants bringen uns das Geld.“ Dafür hat das Museumsteam „mehr freie Hand“, als das bei staatlichen Museen sonst üblich ist. 250 Mitarbeiter hat das Museum, darunter einen eigenen Arzt.

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„Die Zeiten sind schwierig“, sagt der 76-jährige Professor, der in Freiburg promoviert hat und fließend Deutsch spricht. Damit meint er nicht nur die finanzielle Situation seines Landes: „Die Leute wissen heute nicht viel über Archäologie und Mythologie.“ Deshalb ist das Museum extrem besucherorientiert. Die Werke frei und großzügig aufgestellt. Wenig Schrift muss gelesen werden, ausgezeichnete Videos setzen die Besucher – buchstäblich – rasch ins Bild. Pandermalis: „Wir suchen als Museum des 21. Jahrhunderts den echten Dialog mit den Besuchern.“

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img_0020Die permanente Ausstellung wird ständig durch neue Exponate ergänzt. Zudem werden temporäre Ausstellungen arrangiert, bei meinem Besuch war das eine Schau über Dodona, dem ältesten Orakel Griechenlands. Im Foyer lockt ein einzelnes Exponat mitsamt einem spektakulären Video die Besucher an, das bei Kalymnos gefundene Oberteil einer Rüstung.

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Endlich kann Dimitrios Pandermalis den alten Plan verwirklichen, im Untergeschoss des Museums zwei Räume für die 50.000 Funde herzurichten, die beim Museumsbau am Fuß der Akropolis gemacht wurden. „Das Geld dafür hatten wir schon mal vor zwei Jahren zusammen“, schmunzelt der Museums-Präsident, „aber die Bank of Greece hat es genommen.“ Die Zeiten sind wirklich schwierig.

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2 responses

23 11 2016
Cihan Ata

Griechenland begeht Massenmorde in dem Sie Flüchtlingsboote versenken.
Herr Schwartz wo ist Ihr Gewissen…

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23 11 2016
Cihan Ata

Rechtsruck in Europa…
Zurück zu alten Tugenden…

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