Notizbuch: auf Bayerns Heiligem Berg

5 01 2017

Donnerstag, 5. Januar 2017

Als meine bayerische Bekannte Angelika auf dem Weg von Herrsching am Ammersee zum Kloster Andechs vom „Heiligen Berg“ sprach, hielt ich das für bodenständige Ironie. Heiliger Berg, haha! Aber der Berg, auf dem das berühmte Kloster thront, zählt wirklich per definitionem zu den Heiligen Bergen – wie der Olymp in Griechenland oder Adam’s Peak in Sri Lanka. Die Menschenmassen, die an schönen Tagen zum Heiligen Berg der Bayern pilgern, haben nicht  Beten im Sinn, sondern – Bier!

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Apropos pilgern: Das Kloster Andechs ist in der Tat ein Wallfahrtsort, und zwar einer der ältesten in Bayern. Jahr für Jahr zieht er immerhin 30.000 Pilger an. Kloster Andechs ist ein Benediktiner Kloster. Benediktiner – das sind die mit dem Wahlspruch: ora et labora. Bete und arbeite.
Ein Großteil der Arbeit hat mit den Wirtschaftsbetrieben zu tun, dessen Einnahmen die soziale, seelsorgerische und kulturelle Arbeit der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München, zu der Kloster Andechs gehört, finanzieren. Neben den Mönchen gehören 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu den Wirtschaftsbetrieben des Klosters Andechs. Am bekanntesten ist die Klosterbrauerei – womit wir wieder beim Thema Bier wären.

img_3066Im Bräustüberl des Klosters – das nun wirklich kein Stüberl ist sondern eine Flucht von Räumen – geht es zu wie in einem Taubenschlag. Wir ergattern einen freien Tisch, und glücklich schaue ich mich um: Einheimische und Fremde bevölkern die Räume, alte und junge, viele mit kleinen Kindern und sogar Babys. Was für ein Geplapper! Herrlich. Manchmal dringen bayerische Urlaute durch das Stimmengewirr. Selbstbedienung! sagt Angelika und schleppt drei Bierkrüge für meine Freundin, mich und natürlich für sich selbst heran. „Das ist Winterbier“, sagt Angelika, „das gibt es nur zwischen Martini und Josefi.“ Übersetzt: vom Martinstag bis St. Joseph, also vom 11. November bis zum 19. März. Ich bin nun gar kein richtiger Biertrinker – und bin begeistert.

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Angelika: „Am besten isst Du hier Kalbshaxe!“ Ein Blick auf den Nachbartisch überzeugt mich. Also zum Tresen, einmal Kalbshaxe mit Kartoffelsalat bitte. Die Kalbshaxe ist sündhaft teuer – und sündhaft lecker. Wie sich herausstellt, ist die Portion für zwei Personen gedacht, deshalb hat der Mann hinterm Tresen auch gleich unter den Teller mit der Kalbshaxe einen zweiten Teller geschoben. Ein köstliches Mal, und ein Winterbier kommt selten allein.

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Entsprechend beschwingt machen wir uns auf zu einer kleinen Besichtigungstour. Meine Freundin biegt ab in den Klosterladen, Angelika und ich stapfen hinauf zur Klosterkirche. Wow! Ein Fest fürs Auge. Hochbarock, schon auf dem Weg ins Rokoko. Solche Kirchen, von denen es in Bayern so viele gibt, sind Gesamtkunstwerke.

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Die Krippe in einer Seitenkapelle, Schmerzhafte Kapelle genannt, erinnert mich an die Weihnachtskrippe im Dom zu Aachen, meiner Heimatstadt. Die veränderte sich alle paar Tage, und das Jesuskind wurde immer größer. „Hinter der Tanne da liegt das Grab von Carl Orff“, sagt Angelika. Der ist auf eigenen Wunsch in der Schmerhaften Kapelle begraben.

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Es gibt bestimmt noch viel zu entdecken, aber die Zeit drängt zur Rückreise nach München. Darf man den Heiligen Schatz des Klosters besichtigen? Das Internet sagt ja, „im Rahmen von Kirchenführungen“. Also muss ich wiederkommen. Nicht allein wegen meiner Freundin oder wegen des köstlichen Klosterbieres.

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