Notizbuch: Honigfrauen heizen

11 05 2017

Donnerstag, 11. Mai 2017

Nostalgie oder Neugier – das ist hier die Frage. Die Antwort ist den Ungarn egal: Sie freuen sich über den neuerlichen Gästezustrom aus Deutschland. Der Dreiteiler „Honigfrauen“ hat ihn ausgelöst. Seit der Ausstrahlung „stiegen die Ungarn-Buchungen sprunghaft an“, berichtet Bernd Muckenschnabel, der Aufsichtsratsvorsitzende des Ferienhausvermittlers Novasol, „die Serie um Liebe, Flucht, Verrat und das Glück eines Sommers am Balaton scheint eine Lawine von Gefühlen losgetreten zu haben.“

Für die Urlauber der DDR war es ein Sehnsuchtsziel: Ungarn, der Balaton, das „Mallorca des Ostens“. Jetzt, ein Vierteljahrhundert nach der Wende, entdecken immer mehr Deutsche den größten Binnensee Europas neu. Seit 2010 steigt die Zahl deutscher Urlauber in Ungarn konstant, allein 2016 kamen 32 Prozent mehr Gäste aus Deutschland – Orbáns Politik hin, Orbáns Politik her.

Das viele Grün ist eine große Überraschung für alle, die zum ersten Male am Balaton Ferien machen. Sie erleben einen Dreiklang von Wäldern, Weinbergen und weiten Stränden. Wer den Plattensee von früher kennt – so wie er vor zehn Jahren war oder gar vor dem Mauerfall, als sich hier Urlauber aus Ost- und Westdeutschland zu gemeinsamen Familienferien trafen -, ist ebenfalls überrascht: Mit Hilfe von EU-Geldern hat sich der gigantische Binnensee prächtig herausgeputzt.


Ein paar Beispiele: Tihany, der Hauptort der gleichnamigen Halbinsel, wurde komplett saniert, und die vielen Touristenbusse sind auf Parkplätze vor den Toren der Stadt verbannt. Städten wie Siofok oder Keszthely wurde eine ganz neue Innenstadt-Gestaltung verpasst. Auch Balatonfüred, der prominenteste Badeort des Balaton, hat sich vom K.u.K.-Charme zu einem properen Ferienort gemausert. „Das Schönste ist“, schwärmt Csilla Mezösi, langjährige Chefin des [aufgelösten] Ungarischen Tourismusamtes in Deutschland, „Sie bekommen am Balaton 5-Sterne-Service zum 3-Sterne-Preis.“


Der Plattensee ist 79 Kilometer lang und im Schnitt knapp acht Kilometer breit. Nur die Halbinsel Tihany verkürzt die Strecke von Ufer zu Ufer auf 1,3 Kilometer. Da der See nicht sehr tief ist – im Durchschnitt nur 3,25 Meter -, erwärmt er sich im Sommer sehr schnell. Am schilfbestandenen Nordufer gehen die Orte nicht nahtlos ineinander über wie am Südufer. Die Strände sind oft steiniger, bieten für geübte Schwimmer aber einen Vorteil: Spätestens nach 30 Metern können sie schwimmen. Wegen der vielen Weinberge und der unzähligen Ausflugsziele im Hinterland ziehen Kenner das Nord- dem Südufer des Balaton vor. „Es gibt tolle neue, kleine Weingüter, “ sagt Csilla Mezösi, „architektonisch so beeindruckend, dass sie es in Japan und New York auf den Titelseiten geschafft haben.“
Das Südufer bietet sich für Familienferien an. Vor allem Familien mit kleinen Kindern sind von den Sandstränden und den Strandbädern begeistert, denn an vielen Stränden reicht das Wasser auch nach einem Kilometer nur bis zu den Knien. Badevergnügen steht im Süden im Vordergrund, Sehenswürdigkeiten und Ausflugsmöglichkeiten sind rarer als am Nordufer.


Keine fünf Kilometer vom Westzipfel des Sees entfernt liegt der berühmte Traditions-Badeort Heviz. Auch hier hat sich in den vergangenen fünf Jahren viel getan. Der Ort wurde komplett renoviert, die Fußgängerzone ansprechend umgestaltet. Am berühmten Thermalsee gibt es jetzt mehr Ruheplätze, und auch Wellness-Behandlungen werden angeboten. Heviz ist die beliebteste ungarische Stadt außer Budapest, die Übernachtungszahlen tendieren zu einer Million im Jahr. Jeder vierte Gast kommt aus Deutschland und Österreich. Jetzt heizen die „Honigfrauen“ das Geschäft weiter an.

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