Notizbuch: Biosphäre ohne Lobby

17 05 2017

Mittwoch, 17. Mai 2017

Was für eine verrückte Welt: Ausgerechnet die Grünen [ich verzichte jetzt mal auf die Anführungszeichen…] haben sich in Potsdam für den Abriss der Biosphäre ausgesprochen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. In den Kopf will er sowieso nicht, der Gedanken, dass die dem Natur- und Umweltschutz verpflichteten Parteisoldaten einer der größten Attraktionen der Stadt Potsdam den Garaus machen wollen.

                                   Zukunft ungewiss: die Biosphärenhalle Potsdam                                                 [Alle Fotos: Biosphäre Potsdam, Merkau]

Wer je die Biosphäre besucht hat, schwärmt regelrecht von dieser Attraktion. Sie bildete das Tüpfelchen auf dem i zur Bundesgartenschau 2001, heute der Volkspark Potsdam. Die Biosphäre ist kein Botanischer Garten, sondern ein Tropenhaus mit 20.000 tropischen Pflanzen und 130 Tierarten, darunter Leguane und Geckos, Schlangen, Frösche, Spinnen und Schmetterlinge. Jede Stunde kommt ein Gewitter über die Dschungellandschaft mit Blitz und Donner und Tropenregen. Ein Höhenweg führt durch die Kronen der 14 Meter hohen Tropenbäume, ein Wasserfall verzaubert ebenso wie das Schmetterlingshaus.

Höhenweg [oben] und Regenwald

Die Biosphäre hat einen Bildungsauftrag, der über das bloße, durchaus packende Erlebnis hinausreicht. Ihm kommt sie auch in Sonderausstellungen und Veranstaltungen nach, und dies perfekt. Wo also ist das Problem, ihr lieben Grünen?

Es ist, wie so oft, das Geld. Die Biosphäre hat 29 Millionen Euro gekostet. Dazu hat das Land Brandenburg 21,5 Millionen zugesteuert. Die Bedingung: Die Biosphäre sollte bis 2016, also 15 Jahre lang, als touristische Bildungseinrichtung zur Verfügung stehen. Die Zeit ist abgelaufen. Seit Jahren schon sucht die Stadt, die die Attraktion über den städtischen Unternehmensverbund Pro Potsdam betreibt, einen neuen Betreiber. Sie will weg vom jährlichen Zuschuss in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Die Biosphäre hat in Potsdam keine Lobby. Abenteuerliche und auch unsinnige Pläne wurden schon diskutiert: Integration des Naturkundemuseums, Sporthalle, Schule… Und: Abriss.

Das Aus für die Biosphäre würde wohl weltweit mit Unverständnis quittiert. Was sind 1,5 oder meinetwegen 1,9 Millionen Euro im Jahr zur Erfüllung eines klaren Bildungsauftrags – und dies in einer Stadt, in der von Mäzenen und Zuschüssen Millionen und Abermillionen für die Wiederherrichtung „historischer“ Bauten ausgegeben werden. Was für eine verrückte Welt.

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One response

17 05 2017
Christa Hebestreit

Das muß ja eine wundervolle Biosphären-Halle sein, Horst! Ich habe mal eine in Canada besichtigt. Das war eher eine trostlose Angelegenheit. Aber dieses Projekt ist ja mit Leben erfüllt. Schon das stündliche Tropengewitter ist ja schon ein Erlebnis für sich. Schade, wenn das Projekt eingestellt würde.

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