Notizbuch: bedingt berühmt

14 07 2017

Freitag, 14. Juli 2017

Was für eine Zauberinsel! Immer wieder haben meine Kollegin Maria Menzel und ich bei unserer Reise über die Kykladeninsel Paros – bei der ich eine Reise von vor 53 Jahren eins zu eins wiederholt habe – Überraschendes entdeckt: Kirchen und Klöster, Hotels und Hotelchen – und immer wieder kleine Museen. Eines davon war dem berühmten Bildhauer Nikos Parantinos gewidmet.

Das muss ich vielleicht relativieren: So richtig berühmt, ich meine europaweit, war und ist Parantinos nicht. Aber in seiner Heimat kam er zu ziemlichen Ehren. Er lebte von 1910 bis 1991, und noch wenige Monate vor seinem Tod ehrte ihn die Athener als ausgezeichneten Bildhauer. Als er 80 war, hat er 200 seiner Figuren dem Geburtsort seines Vaters geschenkt, Marpissa auf Paros. Das Museum, für das die Schenkung den Grundstein bilden sollte, wurde 1991 in einem kleinen Raum eröffnet und zog erst 2009 in die frühere Volksschule des Ortes. Auch dieses Haus ist eigentlich für so viele Kunstwerke zu klein. Einige Figuren stehen so dicht an der Wand, dass Museumsbesucher sie nicht von allen Seiten betrachten könnten, wie sie es eigentlich verdient hätten.

[Foto: Maria Menzel]

Parantinos wurde nicht auf Paros geboren, sondern in Athen, wo er auch aufwuchs. Nach seiner Hochschul-Ausbildung zum Bildhauer ließ er sich in Paris fortbilden. 1941 wurde er im Archäologischen Nationalmuseum angestellt, wo er mit seinen gestalterischen Fähigkeiten meisterhaft antike Kunstwerke rekonstruierte. Seine wohl größte Tat ist die Rekonstruktion der berühmten Figur des Jockey von Artemision, einer hellenistischen Bronzeplastik von 150 bis 140 vor Christus.

1964 siedelte Parantinos nach Paros über. Dort gründete er ein Atelier, um Leute zum Bildhauer auszubilden. Auch Freunde kamen aus Frankreich und anderen Ländern, um mit ihm als Bildhauer zu arbeiten. Parantinos erledigte in seinem Leben zahlreiche Auftragsarbeiten: Bildnisse bekannter Zeitgenossen und solcher, die sich dafür hielten. Der künstlerischer Anspruch hält sich in Grenzen.

Auch die meisten Statuen, die ausgestellt sind, sprechen mich nicht an. Bis auf eine Ausnahme: eine meisterhafte Büste des kretischen Malers Domínikos Theotokópoulos, der als El Greco im Gegensatz zu Nikos Parantinos Weltruhm erlangte.

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