Notizbuch: die Erfahrung

2 08 2017

Donnerstag, 3. August 2017

Patsch, da lag ich da. Auf einer harmlosen Wanderung durch die Berge bei Rosa Khutor bin ich gestürzt. Gejault habe ich wie ein Hund, der getreten wird. Treten, auftreten konnte ich nicht mehr. Das hätte das Ende meiner Recherchenreise nach Sotchi am Schwarzen Meer sein können. Stattdessen war der Sturz, so paradox das klingt, der Beginn einer Kette angenehmer Erfahrungen.

Foto 1 & 2: Jürgen Grosche

Da waren erst einmal die Kollegen und eine Kollegin, die Gruppe unserer Pressereise unter der Regie von Lutz Schönfeld. Mir wurde ein kleines Kissen oder was es sonst war unter den Kopf geschoben. Ein paar Kollegen breiteten eine PR-Fahne mit der Aufschrift „Rosa Khutor“ aus, um mir Schatten zu spenden. Und damit das Ganze nicht zu dramatisch aussah, bat mich ein Kollege, ein Victory-Zeichen zu machen, ehe er mich fotografierte.

Von da an war ich in professionellen Händen. Ein Buggy brachte mich zur Bergstation eines der vielen Seilbahnen der Region; zwei Sanitäter schleppten mich regelrecht hin. Sie waren lustig und versuchten, mich bei guter Laune zu halten. Jelena Korniyuk, unsere Reiseleiterin und Dolmetscherin [rechts], die nicht von meiner Seite wich, übersetzte alle Scherze. Nach der Benutzung von drei Seilbahnen wurde ich in einen Krankenwagen umgeladen und ins nächste Krankenhaus gebracht, die Sanitäter und Jelena immer dabei.

Höflich, gar eine Spur herzlich war die Behandlung im Krankenhaus – und sehr professionell. Beinschiene und Krücken, die mir verpasst wurden, konnte ich sogar mit EC-Karte bezahlen. Und die Sanitäter waren weiter lustig. Als einer versuchte, mir die – recht enge –  Hose wieder anzuziehen und ihm das nicht gelang, meinte er lakonisch: „Der ist zu dick.“ Und später, als ich verarztet war: „Der läuft heute keine Frau mehr nach.“

Von da an begegnete ich nur Hilfsbereitschaft, und zwar von der ganz selbstverständlichen Art: im Hotel, in Restaurants, auf den Flughäfen von Sotchi und Moskau. Mir war vorher nicht bewusst, was für ein warmherziges Volk die Russen sind und wie sie aufeinander achten.

Und meine Kollegen, die Kollegin und Jelena betütelten mich regelrecht. Sie brachten mir Frühstück ins Zimmer, halfen mir beim Anlegen der Schiene, stützen mich beim Ein- und Aussteigen und schoben den Rollstuhl. Das muss man sich einmal vorstellen: Mit ihrer Hilfe und Lutz Schönfelds perfekter Organisation war die Recherchenreise für mich nicht zuende. Danke!

Das i-Tüpfelchen erwartete mich dann in Berlin. Ich befürchtete nach all den Negativberichten der letzten Zeit über Tegel das Schlimmste, als schon alle aus dem Flieger ausgestiegen waren, ich aber noch nicht abgeholt worden war. Und dann erschienen zwei Mitarbeiter der Firma Gegenbauer, entschuldigten sich für die Verspätung, waren gut gelaunt, brachten mich zum Terminal, kümmerten sich um das Gepäck, schleppten Rollstuhl und Koffer an den Straßenrand, telefonierten mit meiner Abholerin, die sich verfahren hatte, und verfrachteten mich und Gepäck dann ins Auto. Und dann winkten sie noch zum Abschied…

 

 

 

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