Notizbuch: Von Blau zu Grün

30 06 2018

Samstag, 30. Juni 2018

Fernbus bin ich schon gefahren, ehe die Liberalisierung 2013. Damals galt der Fernbus noch als Transportmittel für arme und alte Leute. Heute ist das ganz anders: Fernbusse sind zur preiswerten Reisealternative für jedermann geworden.

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass zum ersten Mal ein Flixbus über deutsche Straßen rollte, und zwar auf der Kurzstrecke von München nach Nürnberg. Heute ist das Unternehmen unbestrittener Marktführer auf dem Fernbus-Reisemarkt, und das nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in einer Handvoll europäischer Länder. Flixbus hat sich sogar aufgemacht, den US-Markt zu erobern und dem Platzhirschen Greyhound den Kampf anzusagen.

Die drei Gründer und Erfinder von Flixbus,  André Schwämmlein [Foto], Daniel Krauss und Jochen Engert, sitzen noch heute in den Chefsesseln des Unternehmens. Die Geschäftsidee kam ihnen 2011 auf der Rückfahrt von einem gemeinsamen Skiurlaub. Sie hatten von der bevorstehenden Regulierung des Fernbusmarktes gelesen. Wie wäre es, ein Busunternehmen aufzuziehen, ohne einen einzigen Bus zu kaufen? Sondern mittelständische Busunternehmen mit der Bedienung der Strecken zu beauftragen und die Fahrten über ein Internetportal zu planen, zu koordinieren, zu überwachen und zu bewerben? Zwei Jahre hatten die Jungunternehmer Zeit, ihre Pläne zu konkretisieren – und vor allem, hochkarätige Investoren zu gewinnen. Und als die Liberalisierung Anfang 2013 kam, war Flixbus am Start.

In den ersten zwei Jahren war Blau die dominierende Farbe der Flixbus-Busse

Das war ein rasanter Start. Schon zwei Jahre später fusionierte Flixbus mit dem größten Konkurrenten Mein Fernbus. Auch Postbus wurde geschluckt. Andere Anbieter wie das der Bahn gehörende Traditionsunternehmen Berlin Linien Bus blieben auf der Strecke. Rollten die Busse bis dahin blau lackiert durch Deutschland, wurde sie nach der Fusion grün lackiert.

Nach der Fusion mit Mein Fernbus wurden die Fernbusse grün lackiert

„Europa wird grün!“ verkündete damals André Schwämmlein. Wie hartnäckig das Führungstrio die Europa-Pläne verfolgte, ahnte niemand. Heute ist Flixbus Marktführer auf europäischen Inlandnetzen in den Benelux-Ländern, in Dänemark, Italien und Kroatien. Das internationale Streckennetz von Flixbus bietet tägliche Verbindungen zu 1.700 Zielen in 27 Ländern. Europaweit kooperiert Flixbus mit 250 Buspartnern, die auf 1.600 Bussen 7.000 Fahrer einsetzen. Der Firmenwert wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Über 500 Ziele werden in Deutschland angesteuert. Jetzt kommen 140 neue Haltestopps hinzu – Todtnau im Schwarzwald beispielsweise oder Nossen in Sachsen. Eine solch rasche Expansion bringt auch Probleme mit sich: In vielen Destinationen fehlt es an geeigneten Haltepunkten, von ZOBs ganz zu schweigen. Und die Vertragsunternehmen suchen händeringend Busfahrer.

Flixbus unterhält einen Stab von 200 Entwicklern, um das Angebot auszubauen und zu verfeinern. Neuerdings lassen sich Plätze in den Bussen reservieren. Zubringer-Linien zu den Flughäfen München, Stuttgart, Memmingen, Leipzig, Memmingen und Hamburg sind schon an der Tagesordnung oder werden spätestens im Sommer realisiert. Verhandlungen mit Airlines sollen dazu führen, dass künftig nur noch ein Ticket für Buszubringer und Flug ausgestellt wird.

Seit kurzem hat Flixbus das Angebot auf die Schiene ausgedehnt: Einmal am Tag verkehrt der Flixtrain zwischen Hamburg und Köln und zwischen Berlin und Stuttgart. Es ist damit zu rechnen, dass die Frequenzen schon bald erhöht und auch neue Linien in Betrieb genommen werden. Für Flixbus liegt das  der Hand: „Ein Zug ist für uns nichts anderes als ein großer Bus“, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Mein Beitrag ist – mit nur einem Foto – in der Ausgabe 24-25/2018 von touristik aktuell am 25. Juni erschienen

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