Notizbuch: Waffensammlung

7 07 2018

Samstag, 7. Juli 2018

Mit gemischten Gefühlen habe ich das Fürstliche Zeughaus Schwarzburg besucht, ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Pressereise durch das Schwarzatal in Thüringen. Es ist erst im Mai dieses Jahres [wieder-]eröffnet worden. Beeindruckend sind sie, die ausgestellten 4.000 Waffen und Ausrüstungsgegenstände – Schwerter und Helme, Pistolen, Büchsen und vieles mehr. Bei aller beeindruckender Pracht sollten Besucher nicht vergessen, dass es sich bei den Waffen um – Tötungsgeräte handelt, mahnt der Museumsdirektor.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gab es eine Rüstkammer auf der Schwarzburg. Das heutige Zeughaus ist hundert Jahre jünger. Als die militärische Nutzung der Waffen im 18. Jahrhundert nicht mehr gegeben war, wurde daraus eine fürstliche Schausammlung. Voller Stolz präsentierte das Fürstenhaus diee Sammlung, die rasch eine Touristenattraktion wurde. Das blieb sie auch, nachdem Günther Victor von Schwarzburg-Rudolfstadt und Schwarzburg-Sonderhausen 1918 als letzter deutscher Fürst abgedankt hatte.

Fürstin Anna erhielt lebenslanges Bleiberecht – bis die Nazis sie 1940 gegen eine finanzielle Entschädigung zum raschen Ausdruck zwangen. Sie wollten aus der Schwarzburg ein Reichsgästeheim machen. Die Abriss- und Umbau- und Ausbau-Arbeiten wurden 1942 eingestellt, weil sie zu teuer wurden. Da war das Zeughaus schon geschlossen und die Waffensammlung im Keller der Heidecksburg in Rudolfstadt eingelagert.

Wie die Sammlung vor den Russen gerettet wurde, ist eine eigene, [zu] lange Geschichte. Ein Teil der Sammlung wurde auf der Heidecksburg ab 1962 gezeigt. Heute ist das Zeughaus eine Außenstelle des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg.

„Das ist das originale Gebäude und die originale Sammlung“, erklärt Dr. Lutz Unbehaun, Direktor des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg bei seiner Führung nicht ohne Stolz, „das ist einzigartig im deutschsprachigen Raum“.

Was haben die Menschen nicht alles an Waffen erfunden, um sich gegenseitig vom Diesseits ins Jenseits zu bringen. Die rasante Entwicklung der Waffentechnik lässt sich im Zeughaus gut verfolgen. Nicht wenige der Waffen sind reich verziert und kostbar ausgestattet. Die Prunkrüstungen der Fürsten gleißen im Sonnenlicht. [Rekonstruierte] Fahnen verleihen der Zeughaus-Halle eine fast heitere Atmosphäre.

„Uns muss bewusst sein, dass das alles Gegenstände zum Töten sind“, sagt der Museumsdirektor. Damit – bei aller Pracht der Sammlung, bei aller Kostbarkeit – dies ins Bewusstsein der Besucher dringt, wurde zur Mahnung in der museumsdidaktisch hervorragenden Ausstellung ein eigener Raum eingerichtet. Eine Schauwand zeigt einen Jungen, ein Kind, mit Uniform, Pickelhaube unbd Gewehr – harmlos im Vergleich zu den Filmen, die auf mehreren Videowänden laufen. Sie zeigen kleine und kleinste US-Amerikaner beim Schießen mit echten Waffen, angefeuert und von ihrem Eltern bei Treffern gelobt. Was für eine Welt!

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