Notizbuch: Palaverland

11 07 2018

Mittwoch, 11. Juli 2018

Es ist gute Sitte des Deutschen Reiseverbandes, ein paar Monate vor der jeweiligen Jahrestagung eine Schar Journalisten in die jeweilige Destination einzuladen. So sollen sie Land und Leute kennenlernen und den Tagungsteilnehmern vorab erzählen, was sie erwartet. Diesmal war es Kalabrien. Ich war wieder – wie schon in mehreren Jahren – dabei. Mein Urteil: herrliche Landschaften, anheimelnde Städtchen, gastfreundliche Menschen. Nur eine Schwäche haben – zumindest – die Funktionäre. Es wird zu viel geredet. Oder sagen wir es salopp: palavert.

Blick in den Duden: palavern – sich lange in wortreichem, meist überflüssigem Gerede ergehen. Ein Beispiel: Da sollen wir um 9 Uhr am Bus sein. Alle sind da. Aber der Bus fährt nicht. Es wird geredet und geredet. Deutsche DRV-Funktionäre und italienische Gastgeber. Italiener unter sich. Noch einmal andere Italiener und die von vorhin. Wer kein Italienisch kann, wird nie erfahren, warum so lange palavert wird. Und wer des Italienischen mächtig ist, verrät es nicht. Wenn wir Glück haben, führt der Bus um 9:30 Uhr. Und so kam es, dass wir am ersten Abend erst gegen ein Uhr nachts, am zweiten Tag um 1:30 Uhr nachts im Hotel ankamen. Das Palavern hat die Tagesordnung wie ein Dominospiel stürzen lassen.

Hier das Ergebnis der Reise, wie es in meinem Bericht am Montag dieser Woche – allerdings mit nur einem Bild – in touristik aktuell erschienen ist:

Kalabrien ist im Aufbruch. In Tropea beispielsweise, wo der Wandel im Tourismus am deutlichsten spürbar ist, sind in den letzten beiden Jahren 100  B&B-Quartiere entstanden. Da trifft es sich gut, dass die süditalienische Region jetzt Austragungsort der diesjährigen Auslandstagung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) ist. Kalabrien, viele Jahre von der großen Politik vernachlässigt, braucht dringend mehr Touristen, um den Anschluss an den viel bekannteren Norden des Landes nicht zu verlieren. Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle, Industrie gibt es kaum. Letztes Jahr reisten 63.000 deutsche Touristen nach Kalabrien – zu wenig, aber immerhin fast 30 Prozent mehr als 2016. „Der deutsche Markt ist für uns der wichtigste,“ betont Gerardo Mario Oliverio, Präsident der Region Kalabrien.

Malerische Orte – hier das Städtchen Scilla – säumen die Küste Kalabriens. Unten: Tropea

Die Tagungsteilnehmer werden schnell den Zwiespalt entdecken, in dem sich die Tourismusregion Kalabrien befindet. Da es nie Massentourismus gegeben hat, ist das Land noch unverdorben. Die Gastfreundschaft ist überwältigend. Andererseits hapert es oft an der Infrastruktur, viele Straßen sind marode, es fehlt an Radwegen und vor allem am Küstenschutz.  Hier wird nachgebessert: 100 Millionen Euro sollen in die touristische Erschließung kleinerer Dörfer fließen, und  150 Millionen Euro wird der Ausbau des kalabrischen Abschnitts des Magna Grecia-Radweges kosten; Magna Grecia nannten die Römer den südlichen Teil Italiens mit bedeutenden griechischen Ansiedlungen. Von diesen zeugen auch viele Funde im Archäologischen Museum von Reggio Calabria, dem Austragungsort der DRV-Tagung. Stars sind die beiden  nach ihrem Fundort benannten, überlebensgroßen Bronzestatuen von Riace aus klassisch-griechischer Zeit.

Bild oben links: Gerardo Mario Oliverio, Präsident der Region Kalabrien [links], setzt auf den deutschen Markt. Rechts im Bild: DRV-Präsident Norbert Fiebig. Im Hintergrund eine der beiden Bronzestatuen von Riace.

Ob der DRV sich auf eine perfekte, reibungslose Organisation der Tagung verlassen kann, wird erst die Praxis zeigen – zum Beispiel bei den vielen Transfers. Da die Hotellerie in Kalabrien ziemlich kleinteilig ist, werden die Teilnehmer in mindestens 14 verschiedenen Hotels untergebracht. Wie der DRV mitteilt, läuft es mit den Anmeldungen so gut, dass sogar noch weitere Hotels unter Vertrag genommen werden.

Kalabrien-Urlauber sollten mobil sein, denn die Region hat mehr zu bieten als Sonne und Strand. 700 Kilometer Küste stehen zur Verfügung und alle nur denkbaren Wassersportmöglichkeiten. Mit drei Nationalparks, einem Regionalpark, verschiedenen Reservaten und einem Meeresschutzgebiet ist Kalabrien die Region Italiens mit dem größten Anteil an geschützten Gebieten. Wandern, Trecking, Mountainbiking, Canyoning und Rafting, das Aktivitätsangebot lässt kaum einen Wunsch offen.

Zum Dreiklang, der Kalabrien zu einer Destination für Wohlfühltourismus macht, zählen neben Natur und sportlichen Aktivitäten das gute Essen. Es muss ja nicht gleich die Villa Rossi in Santa Cristina d’Aspromonte sein, in der Gourmetkoch Nino Rossi [kleines Foto]Traummenüs kredenzt. In fast jedem Ort machen ausgezeichnete Restaurants dem für dieses Jahr ausgerufenen „Jahr des italienischen Essens“ alle Ehre.

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Wer sich auf kulinarische Entdeckungsreise begibt, findet Spezialitäten, die es nur in Kalabrien gibt: die roten Zwiebel, die auch zu süßer Marmelade und mildem Schnaps verarbeitet werden, die Zitrusfrucht Bergamotte, aus der nicht nur Parfümöle gewonnen werden, sondern deren gesundheitsförderndes Fleisch in Form von Saft angeboten wird. Das pittoreske Fischerdorf Pizzo ist berühmt, weil dort das kalorienmächtige Tartufo-Eis serviert wird. Dem ist sogar ein eigener Zielgebietsworkshop gewidmet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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