Notizbuch: Kurreisen nicht sexy

9 08 2018

Donnerstag, 9. August 2018

„Kurreisen sind nicht sexy“, sagt Rainer Löwenberg, Geschäftsführer des Kurreisen-Spezialisten MediKur, „aber sie machen Spaß, wenn man sie verkaufen kann.“ Und das macht er, seit  jetzt genau 20 Jahren.

Löwenberg begann 1992 in der Touristik bei einem Seniorenveranstalter. Mittlerweile besitzt die Firma zwei Reisebüros in Berlin (Löwenberg: “Das ist der Ursprung“)  und seit 2010 das Hauptgebäude im grünen Berlin-Kaulsburg. Dort ist auch eine Wellnessoase mit einer Salzlounge untergebracht, damit die Kunden gleich am eigenen Leib erfahren können, wie wohl es tut, den eigenen Körper zu verwöhnen. Der MediKur-Katalog enthält nicht nur klassische Kurdestinationen wie Polen und Tschechien, Deutschland oder Ungarn, sondern auch Ziele wie Israel und Jordanien, Spanien und Andorra. Fluss- und Familienreisen „runden marginal das Angebot ab“.

Und da gibt es noch das Tochterunternehmen Touristik und Kontakt, das Special Interest-Reisen für Vereine und Gruppen aufbereitet. „Das Thema ist dabei egal“, sagt Löwenberg, der insgesamt 33 Mitarbeiter hat.

Deutschland, klagt der Geschäftsführer, sei für Kuranbieter ein schwieriges Feld: „Viele Häuser sind nicht auf Selbstzahler eingestellt und bevorzugen Autofahrer ohne Kur.“ Er werde „immer schwieriger, da vernünftige Verträge zu bekommen.“ Aber „irgendwann gibt es ein Überangebot.“ Die zweite Hypothek, mit der sich Kuranbieter herumschlagen müssen, sei der Fremdvertrieb: „eine Crux“.  Löwenberg: „Wir haben alle das Problem, am Beratungsbedürfnis der Kunden zu scheitern.“ Deshalb müsse der Katalog ständig verbessert und intensiv auf hervorragende telefonische Beratung – auch der Reisebüros – gesetzt werden.

Interessant ist, dass die Kundschaft mit der Zeit jünger wird. „Bei den Älteren sind natürlich die alte Probleme geblieben“, erläutert der MediKur-Manager, „aber bei den jüngeren treten ganz andere Krankheiten auf“ – Hautkrankheiten beispielsweise, Fettleibigkeit und „unglaublich viele Allergien“.

Trotz aller Skepsis ist MediKur mit den Reisebüros aus der ganzen Republik gut im Geschäft: Sechs von zehn verkauften Arrangements gehen über den Counter. Die Provisionshürden sind niedrig angesetzt. Ab 5.000 Euro Jahresumsatz gibt es zehn Prozent, die höchste Provisionsstufe beträgt zwölf Prozent. Neben den üblichen Aktionen für Reisebüropartner wie Buchungswettbewerbe organisiert der Veranstalter Saisoneröffnungs- und Abschlussfahrten zu Kundendestinationen z.B. in Polen und Tschechien, die dann von den Reisebüropartnern begleitet werden. Natürlich gibt es auch Informationsfahrten für Reisebüros zu bekannten und neuen Reisezielen. Noch mehr: „Zu bestimmten Messen stellen wir unseren Ausstellungsstand und die Mietfläche kostenlos den Reisebüros vor Ort zur Verfügung, sie repräsentieren damit MediKur Reisen und sich selbst als kompetenten Partner für Kurreisen.“

Schon bald wird MediKur ein neues Geschäftsfeld eröffnen, das wenig mit Kur, aber viel mit Betreuung, Beratung, und Therapie zu tun hat: Trauerbewältigung. „Das werden nur kleine Gruppen von fünf oder sechs Leuten sein“, versichert Rainer Löwenberg, dem bewusst ist, dass bei der TUI Trauerreisen schon mal gefloppt sind.

Mein Bericht ist – in leicht gekürzter Fassung – am Montag dieser Woche in touristik aktuell erschienen.

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