Notizbuch: Stadtschloss-Enttäuschung

26 08 2018

Sonntag, 26. August 2018

Meine Vorbehalte gegen das Stadtschloss – die wollte ich heute loswerden. Deshalb reihte  ich mich ein in die Warteschlange. Die Stimmung war gut, das Sprachengewirr babylonisch, die Organisation perfekt. Und als ich dann schließlich im Schlüterhof des Schlosses stand – war ich tief enttäuscht. Nichts passt hier wirklich zusammen.

Das sehen nicht alle Besucher so. Ich glaube sogar, die allerwenigsten. Denn geradezu heiter genossen die Besucherscharen das Unterhaltungsprogramm des Tages der offenen Tür. Kauften Souvenirs [links], um die Vollendung des Baus zu unterstützen. Viele genossen das Angebot der Kaffee- und Kuchen-Stationen. Die beiden „Tage der offenen Baustelle“ waren die letzte Möglichkeit, das Schloss- und Humboldt-Forum-Projekt vor der Eröffnung im kommenden Jahr zu besichtigen.

Besser hätte der Förderverein Berliner Schloss e.V. die beiden Tage nicht organisieren können. Schon in der Warteschlange, die mitunter vom Schloss bis zum Alexanderplatz reichte, wurde [hervorragendes] Informationsmaterial verteilt. Freundliches Personal stand überall für Informationen bereit. Und die Security-Leute überstanden gelassen und höflich den Massenansturm.

Alt und neu, so finde ich, passen nicht zusammen

Der Schlüterhof

Warum war ich gegen den „Wiederaufbau“ des Stadtschlosses? Erstens bin ich prinzipiell gegen den Wiederaufbau [nicht gegen die Sanierung] zerstörter historischer Bauten. Eine Ausnahme lasse ich bei der Marienkirche zu, weil der Wiederaufbau identitätsstiftend für die Bewohner der Stadt war. Zweitens frage ich mich seit Jahren, warum Berlin einen solchen Klotz überhaupt braucht.

Und dann stehe ich auf einer Baustelle, die mich eher erschreckt als ergötzt. Die nachgebildeten Barockelemente erscheinen mir seelenlos, uninspiriert. Der Schlüterhof, benannt nach dem berühmten Baumeister Andreas Schlüter, hat einen Touch von Hollywood. Die Neubautrakte finde ich architektonisch einfallslos, und sie passen nicht zum Pseudo-Barock.

Eine Menge Material muss noch verbaut werden

Negativ-Stimmen von Schloss-Besuchern

Kurze Schlossgeschichte: 1442 im Auftrag der Markgrafen und Jurfürsten von Brandenburg erbaut. Bis 1702 barock erweitert, gilt es als Hauptwerk von Andreas Schlüter. Das war allerdings ein Barockbau nordischen Stils, relativ kühl, nicht von der überbordenden Pracht südlichen Barocks. 1702 war der Bau königliche, ab 1871 kaiserliche Residenz. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Berliner Schloss beschädigt, doch der von der SED beschlossene Abriss wäre nicht erforderlich gewesen. Teile des Schlossportals wurden 1963 in das nebenan liegende Staatsratsgebäude der DR eingebaut. 1973 wurde auf dem Schlossgelände derPalast der Republik errichtet, nach der Wende geschlossen und ab 2006 abgerissen. Da bestand schon längst der größenwahn- sinnige Plan für den Schlossneubau.

Wenn dieser Bau wenigstens ein großer architektonischer Wurf geworden wäre…

 

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