Notizbuch: Nonnen hinter Gittern

14 01 2019

Montag, 14. Januar 2019

Sie ist es gewöhnt, übersehen zu werden. Schon seit Jahrhunderten. Denn sie versteckt sich unscheinbar und bescheiden im Gassengewirr der Altstadt von Palma, Mallorcas Hauptstadt. Dabei ist die Klosteranlage Santa Clara es wirklich wert, gesucht und besucht zu werden.

Die Anlage an der Carrer Santa Clara ist noch nicht einmal so klein, aber wenn das Eingangstor verschlossen ist, kann sie leicht übersehen werden. Das Kloster ist ein wie aus dem Baukasten zusammengesetzter gotischer Bau, die schlichten, klaren Formen – nur der Turm wirkt ein wenig zierlicher – haben nichts gemein mit der Pracht hochgotischer Kirchenbauten.

Santa Clara ist das älteste Kloster der Insel, 1256 gegründet und seitdem immer bewohnt. Heute lebt noch gut ein Dutzend Nonnen in dem Kloster – Klarissinnen, die in strenger Klausur und in Armut leben und ein Schweigegelübde abgelegt haben. Im Normalfall bekommt sie niemand zu Gesicht. In der Klosterkirche sitzen sie auf einer Empore hinter Gittern.

Aber berühmt sind die Nonnen des Klosters. Wegen ihrer Kekse. Aber auch bei deren Verkauf zeigen sie sich nicht. Die Kekse werden in einem Seitengebäude verkauft. Auch hier sind die Nonnen hinter Gittern. Wenn man in dem kleinen Raum im Inneren des Gebäudes klingelt, öffnet sich ein Drehgestell. Man sagt seinen Wunsch, bekommt die Summe gesagt und legt das Geld in das Karussell. Wenn es wieder erscheint, liegen darin die köstlichen Kekse.

Ich habe den Verdacht, dass die Nonnen gar nicht mehr selbst backen, sondern backen lassen. Als wir das Kloster besichtigten, erschien auf dem Hof ein Lieferwagen. Ein junger Mann trug Keksschachteln ins Gebäude. So wie er schleppte, waren diese mit Sicherheit nicht leer…

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Notizbuch: Pflichtbesuch für Neonazis – Schindlers Fabrik

8 01 2019

Dienstag, 8. Januar 2019

Wer kennt ihn nicht, Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Oskar Schindlers Fabrik, die im Mittelpunkt der wahren Filmerzählung stand, gab es wirklich und gibt es heute noch. In ihr ist auch streckenweise Spielbergs Film gedreht wurden. Sie steht in Krakau in der Ulica Lipowa – in der Lindenstraße. In dem schneeweißen, restaurierten, zweistöckigen Gebäude ist heute das staatliche Museum Fabryka Emalia Oskara Schindlera untergebracht, Teil des Historischen Museum der Stadt. Sie ist ein Muss für jeden Krakau-Besucher.

Für 3,7 Millionen Euro ist die interaktive Multimedia-Ausstellung über die Besetzung Krakaus durch die Deutschen von 1939 bis 1945 eingerichtet und 2010 eröffnet worden. Es ist keine leichte Kost. Leider sind die Beschriftungen nur in Polnisch und Englisch, nicht in Deutsch. Die vielen Fotos und Filme aus dieser Zeit, die Bilder der Geknechteten und Gequälten und der Erhängten, sind erschütternd. Irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem jeder Besucher sagt: Ich kann nicht mehr, ich will nichts mehr sehen – und doch weitergeht.



Die Überlebenden, deren gefilmte Interviews gezeigt werden, singen ein Hohelied auf Oskar Schindler, diesen durchaus mehrschichtigen, gespaltenen Mann. Er war Parteigänger der Nazis, Mitarbeiter des Amtes Canaris, Opportunist – und konnte das Leid der Juden nicht mitansehen. Was für eine Leistung: Obwohl mehrfach zum Verhör bestellt und der Judenfreundlichkeit  verdächtigt, ließ der Unternehmer in seiner Emaillewarenfabrik nicht davon ab, „seine“ Juden zu schützen. Keiner von ihnen wurde im Unterlager des Konzentrationslagers Plaszów, das er auf dem Werksgelände einrichten durfte, gequält oder umgebracht.

Viele Besucher, das erzählen deren Einträge in den Sozialen Medien, sind enttäuscht vom Museum. Sie haben einen viel tieferen Einblick in die Bedingungen erwartet, unter denen die Juden schuften mussten – im Extremfall vielleicht sogar ein KZ im Mickymaus-Stil. In der Schindler-Fabrik war aber nicht das Lager, sondern die Fabrikverwaltung untergebracht.

Auf dem Schwarzmarkt kaufte Schindler Lebensmittel und andere Waren, um das Los der Juden zu verbessern. Geschickt ließ er die Fabrik als kriegswichtige Produktionsstätte einstufen, die SS-Wachleute des Lagers durften die Fabrik nicht betreten. Schindler besaß noch eine Fabrik, und zwar eine Textilfabrik in Brünnlitz/Brněnec. Als die Russen immer näher kamen, wurden das KZ Plaszów und die Unterlager geräumt. Das bedeutete für viele der sichere Tod.  Wieder gelang Schindler etwas Unvorstellbares: Er erlangte die Erlaubnis, seine Fabrik mit der kriegswichtigen Produktion nach Brünnlitz zu verlegen – und seine Arbeiter mitzunehmen. Wer mitreisen durfte  und somit gerettet wurde, stand auf Schindlers Liste.

Hauch von Ahnung, wie Schindler die Bürokratie der Nazis nutze, um Menschenleben zu retten und welche gefährliche Wanderung auf dem Grad Leben-Tod er dabei machte,  bekommen Besucher des Museums, wenn sie vor Schindlers Schreibtisch stehen. Auch die Schreibmaschine, auf der Schindlers Sekretärin die Liste tippte, ist ausgestellt.

Der Besuch in Schindlers Fabrik ist ein Muss für jeden, der sich mit unserer Geschichte auseinandersetzt. Ich habe mehrere Schulklassen gesehen, die ernst und konzentriert versuchten, das Unfassbare zu begreifen – wobei manche Kinder und Heranwachsende, die  wie ich Tränen in den Augen hatten.  Jeder mit dem Gesetzt in Konflikt gekommene Neonazi – nein: JEDER Neonazi müsste zum Besuch verpflichtet werden. Auch dieses Museums gehört zur Städtereise nach Krakau. Viele Rundreise-Gruppen, vor allem Schulklassen, machen von Krakau noch den relativ kurzen Abstecher nach Auschwitz. Der Genuss dieser zauberhaften, lebendigen, so südländisch wirkenden und heiteren Stadt ist dadurch allerdings stark gestört. Und das ist gut so.





Notizbuch: Fotoverbot

3 01 2019

Donnerstag, 3. Januar 2018

Hugh, der Bundesgerichtshof hat gesprochen. Das Fotografierverbot in Museen ist rechtens. Benutzerordnung und entsprechende Hinweise und Piktogramme seien Teile des privatrechtlichen Besichtigungsvertrages. Sie stellen laut BGH „keine unangemessene Benachteiligung der Museumsbesucher“ dar. Ich bin da, zumindest in gewissen Fällen, ganz anderer Ansicht. Ein Fallbeispiel:

Jahrzehntelang sahen Staatsgäste, die vom jeweiligen Bundespräsidenten empfangen wurden, Deutschland von einer der schönsten Seiten: Schloss Augustusburg in Brühl, unweit von Bonn. Das gemeinhin „Schloss Brühl“ genannte Baujuwel, das zum Unesco Weltkulturerbe gehört, konnten Queen Elisabeth II., Michail Gorbatschow, Nelson Mandela, Papst Johannes Paul II. bewundern, um nur einige wenige der Staatsgäste zu nennen. Barock- und Rokoko-Architektur, Plastik und Malerei der Innenausstattung und Gartenkunst – das alles bildet ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.

Fünf Minuten [Kunst-]Geschichte. Schloss Brühl war die Lieblingsresidenz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August aus dem Hause Wittelsbach [1700 bis 1761]. 1725 gab er den Auftrag, auf den Ruinen einer mittelalterlichen Wasserburg eine Sommerresidenz zu errichten. Sommerresidenz! Auch wenn Augustusburg so gigantisch geriet – es war „nur“ eine Sommerresidenz, die der Kurfürst nur für kurze Zeit im Jahr bewohnte.

Ab 1728 machte sich der kurbayerischen Hofbaumeister François de Cuvilliés an die  Ausgestaltung des Schlosses, die insgesamt 40 [in Worten: vierzig!] Jahre dauerte. Geniale Künstler kamen zum Einsatz, darunter Balthasar Neumann mit seinem atemberaubenden Entwurf des Prunktreppenhauses. Die barocke Gartenanlage legte Dominique Girard nach französischem Vorbild an, sie gilt heute als eine der authentischsten Gartenanlagen des 18. Jahrhunderts in Europa.

Rolf & Eva, sie wohnen „im Schatten“ des Schlosses

Später, ab 1840, legte Peter Joseph Lenné – wer denn sonst?! – die Waldbereiche abseits des Barockgartens nach dem Muster englischer Landschaftsgärten an. Ich kann mir kaum schönere Spaziergänge denken als die, die ich hier mit meiner Schwägerin Eva und meinem Bruder Rolf unternommen haben.

Zurück zum Schloss [das nur im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann]. Als der Kurfürst starb, war er stark verschuldet. Alles Mobiliar wurde in seiner Nachfolge versilbert, nur ein Stück aus seinem  Besitz blieb zurück. Warum habe ich keine Fotos von der Innenausstattung gemacht? Weil das Fotografieren verboten ist. Das hat mich sehr geärgert, BGH hin, BGH her. Es ist schon ein Unterschied, ob eine Ausstellung mit Leihgaben verschiedener Besitzer das Fotografieren untersagt oder eine mit Steuermillionen gepäppelte Schlossanlage.

Also schrieb ich an die Deutsche Unesco-Kommission: Ich würde gerne Gründe für das Fotografierverbot wissen. Fotografieren bremst Verkauf von Postkarten und Büchern? Wohl kein Besucher hätte etwas gegen eine Fotografier-Gebühr. Schutz vor Fotoblitzen? Selbst in den Museen der Berliner Museumsinsel mit ihren viel wertvolleren, weil empfindlicheren Objekten, darf fotografiert werden, natürlich ohne Blitz. Und: Muss nicht alles dafür getan werden, dass der Weltkulturerbe-Gedanke in die Welt hinaus getragen wird? Dem widerspricht das Fotografier-Verbot, wie es in Schloss Augustusburg herrscht…. Konkrete Frage an Sie: Ist es nicht auch eine Aufgabe der Deutschen Unesco-Kommission, auf die Weltkulturerbe-Stätten Deutschlands einzuwirken, Fotografierverbote abzuschaffen?

Indirekt gab mir Pressesprecherin Katja Römer in ihrer Antwort Recht: Wir stehen immer wieder in Kontakt mit Welterbestätten, um eine weitest mögliche Fotografie der Orte zu ermöglichen. Nicht zuletzt haben wir gemeinsam mit Wikimedia den Fotowettbewerb „Wiki loves Monuments“ durchgeführt und in dem Rahmen Welterbestätten in Deutschland gebeten, den vielen professionellen und Hobbyfotografen ihre Türen zu öffnen.

Und dann das Versprechen: Ich leite Ihre Informationen zu den Schwierigkeiten mit dem Schloss Augustusburg an die Fachkollegen zur Kenntnis weiter. Auch in Zukunft werden wir uns für die Zugänglichkeit der Welterbestätten einsetzen.

Und Christiane Winkler vom Stab des Schlosses Augustusborg schreibt mir: Das Fotografieren war in der Vergangenheit eine Zeitlang gestattet. Dabei hatte sich aber herausgestellt, dass zurückbleibende fotografierende Gäste, die z.T. für eine gute Aufnahme über Absperrungen geklettert sind oder sich auf den  historischen Sitzmöbeln platziert hatten, ein Sicherheitsrisiko darstellten, das die Gästeführer/innen – nicht zuletzt aufgrund des erfreulich hohen Besucheraufkommens in den Schlossführungen  – nur unzureichend im Blick behalten konnten. Daher hatte man sich von Seiten der Schlösserverwaltung dazu entschlossen, das Fotografieren generell nicht mehr zu gestatten. Basta!

Ich bekam dann noch ein Trostpflaster: Für eine touristische Berichterstattung über die Schlösser räumen wir selbstverständlich die Möglichkeit ein, nach vorheriger Voranmeldung im Rahmen eines gesonderten Termins und in Begleitung durch eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter der Schlösser (in der Regel an besucherfreien Montagen) Fotografien anzufertigen. Da bin ich aber glücklich.





Notizbuch: in eigener Sache…

3 01 2019

Donnerstag, 3. Januar 2019

Seit Mitte November laboriere ich mit einem Bandscheibenvorfall herum – einschließlich Operation. Dies ist der Grund für mein langes Schweigen. Das ist jetzt vorbei… Ab heute gibt es wieder mindestens einen Post pro Woche, normalerweise sogar zwei!





Notizbuch: Wege zu jüngeren Kunden

1 12 2018

Wie schaffen es eigentlich gestandenen Anbieter von Studienreisen, jungen Nachwuchs für ihre Kundschaft zu generieren? Die Veranstalter gehen dabei höchst unterschiedliche Wege. Ein paar Beispiele:

Gebeco setzt auf den richtigen Angebots-Mix. „Auch wenn es sicher richtig ist, dass die Mehrzahl der Studienreisenden zu den Empty Nesters  jenseits der Familienphase gehören, ist die Studienreise als Reiseform für alle Generationen offen und wird auch durchaus im Familienverband genutzt, häufiger sind das Großeltern und Enkel,“ sagt Gebeco-Abteilungsleiter Rulf  Treidel. [Das Foto zeigt Gebeco-Gründer und -Geschäftsführer Ury Steinweg.] Auffallend ist die Nachfrage nach flexibleren Reisen – dies bei allen Generationen. Treidel: „Dazu gehört zum Beispiel die Freiheit, Programm-Alternativen auszuprobieren.“ Die Modernisierung der Studienreisen, die auch jüngeres Publikum mitbringt, sei ein ständiger Prozess, betont Treidel.

Ebenfalls auf eine gute Programm-Mischung setzt der Wanderreisen-Spezialist Wikinger Reisen, um jüngeres Publikum zu gewinnen. [Foto links: Wikinger Reisen] „Die jüngeren buchen vor allem sportliche Touren“,  stellt Eva Machill-Linnnenberg fest, die Pressesprecherin des Unternehmens. Für deren Ansprache nutzt der Veranstalter Social-Media Kanäle, Videoclips und die Teilnehme an Events, z.B. an der European Outdoor Film Tour. Neben diesen sportlichen  Programmen sind es vor allem Wanderstudienreisen in Europa und aktive Fernreisen mit Kulturanteilen, die jüngere Zielgruppen interessieren und bei denen das Teilnehmer-Alter deutlich unter dem allgemeinen Schnitt liegt. Bei der Linie „Natur & Kultur“ spricht jüngere Teilnehmer vor allem der Mix aus Bewegung und Besichtigung an.

Einen ganz anderen Weg ist Studiosus/Marco Polo gegangen. Schon vor Jahren wurde das Angebotssegment Young Line Travel geschaffen, das am Gesamtaufkommen einen „beachtlichen Anteil“ hat. Das versichert Holger Baldus [Foto oben rechts], der für das Produkt verantwortlich ist. „Entdecke die Welt in einer kleinen Gruppe von Travellern, zwischen 20 und 35 Jahren, die alle das Gleiche im Sinn haben: Abenteuer, Action und andere Länder kennenlernen“, heißt es auf der website. In den ersten Jahren gehörte das Young Liner-Programm zu Studiosus, seit 2004 ist es als Rundreiseprogramm bei Marco Polo angesiedelt. Dass es sich rasant entwickelt,  liegt auch an der konsequenten Nutzung der Social Media-Kanäle. Die Reisenden schließen sich schon vor der Reise zusammen,  „die Angst vor Gruppenreisen geht verloren (Baldus)“.

Anders macht das Ingo Lies, Geschäftsführer des Studienreisen-Anbieters Chamäleon Reisen. Für jüngeres Publikum von 20 Jahren bis Mitte 40 – altersmäßig gibt keine strenge Begrenzung – hat er einen eigenen Veranstalter gegründet: Yolo Reisen, ohne es dabei beim Marketing mit dem renommierten Unternehmen Chamäleon in Verbindung zu bringen. Yolo [Foto oben] steht in der Jugendsprache für „You only live once“ – Du lebst nur einmal. Das setzt Mut zum Abenteuer voraus. 45 Studienreisen – geführte Aktivreisen und Rundreisen – in 28 Ländern werden entweder deutschsprachig oder englischsprachig mit internationalen Teilnehmern angeboten.  „Zum besonders authentischen Erlebnis trägt auch die Auswahl der Unterkünfte bei“, sagt Therese Block, die für das Programm verantwortlich ist.“ Es wird weniger Komfort geboten, dafür tieferes Eintauchen ins Gastland. Zwei Drittel der Buchungen kommen über Reisebüros. Dort hat Yolo Chamäleon im Rücken.

Meinen Bericht habe ich für touristik aktuell geschrieben. Er ist dort – ohne die Fotos – in der Ausgabe 44/2018 vom 12. November 2018 erschienen.





Notizbuch: Ganz Korfu all inclusive?

25 11 2018

Sonntag, 25. November 2018

Als vor Jahrzehnten die All Inclusive-Angebote aufkamen, waren sich Reiseveranstalter und Gastgeber in Hellas schnell einig: Diese Variante der Pauschalreisen wird in Griechenland kaum Erfolg haben. Viel zu kleinteilig sei das Angebot, viel zu viele Tavernen hätten sich rings um die Hotels angesiedelt und lockten die Urlauber aus den Resorts. Beide Seiten haben sich geirrt. Schon längst tragen viele Hellas-Angebote den All Inclusive-Stempel.

Dabei treiben es die luxuriösen Ikos Resorts auf die Spitze. In den zwei Anlagen auf der Halbinsel Chalkidike und dem im Mai dieses Jahres eröffneten Resort Ikos Dassia auf Korfu – ein viertes Resort wird im kommenden Jahr auf Kos aufgemacht – lässt das „Infinite Lifestyle“-Konzept kaum einen Wunsch offen: Mit Spitzengastronomie, Rundum-Service, vielen Aktivitäten und Wellness-Arrangements werden die Resorts dem Begriff all inclusive völlig gerecht. „Wir erhalten Buchungen von Gästen, die sonst nur die Karibik buchen“, freut sich denn auch Andreas Andreadis, Chef der Ikos-Gruppe.

Mit all inclusive treiben es die Ikos Resorts – hier  das neueste Resort, Ikos Dassia auf Korfu – auf die Spitze

Andreadis [kleines Foto unten] ist sich der Gefahr eines perfekten All Inclusive-Angebots bewusst: Dass die Gäste das Resort kaum verlassen. Um das zuzulassen, ist er viel zu sehr Grieche, der sein Land – und vor allem die griechischen Inseln – liebt. So hat er mit seinem Team das „Lokal Discovery“-Konzept entwickelt. Es soll „die Gäste ermutigen, Korfu und seine Kultur auf eigene Faust zu entdecken“ (Andreadis). Es wurden 30 Kleinwagen der Marke Mini Cooper angeschafft, die jeweils einmal pro Aufenthalt den Gästen kostenlos für einen Tagesausflug zur Verfügung stehen. Damit sie auch die schönsten Punkte der Insel finden, werden die Urlauber von einer Ikos-App geführt.

Auch ein Museumspass wird den Gästen angeboten, dies ebenfalls kostenlos. Er erschließt das Museum Kapodistrias, das Landhaus des ersten Präsidenten Griechenlands, das Museum Casa Parlante, ein Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, und das Antivouniotissa Museum, ein byzantinisches Museum in einem Kirchengebäude aus dem 15. Jahrhundert. Es fehlt das meistbesuchte Museum der Insel, das Achilleion, jener Palast, den die Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“) erbauen ließ. „Wir weiten unser ‚Lokal Discovery‘-Programm immer mehr aus“, versichert Andreas Andreadis.

Korfu-Stadt: Hier soll es noch viel mehr All inclusive-Angebote geben

Wer das vorher anmeldet kann als Ikos-Gast auch in einem lokalen griechischen Restaurant ohne Zuzahlung tafeln. Das ist beispielsweise in der Edel-Taverne „Rex“ in Korfu-Stadt möglich, in der Taverne „Karyda“ in Dassia und im „Vido Island“-Restaurant auf der gleichnamigen Privatinsel, die in 15-minütiger Speedboot-Fahrt von Dassia aus zu erreichen ist. Die lokalen Partner des Resorts Ikos Dassia unterliegen einer strengen Qualitätskontrolle des Resorts. Deshalb ist es nicht einfach, das Dine-out-Angebot ohne weiteres auszuweiten. Dennoch hat Andreas Andreadis große Pläne: „Ich will die ganze Insel Korfu all inclusive machen.“

Mein Bericht über Korfu und die Ikos-Pläne ist in touristik aktuell, Ausgabe 43/2018 vom 5. November 2018 erschienen.

 

 





Notizbuch: die Möwe Hitchcock

15 11 2018

Donnerstag, 15. November 2018

Broken wings – das ist wohl das Schlimmste, was einer Möwe passieren kann. Das dachte auch die Künstlerin Adriana Meunié, als sie am Strand von Mallorca eine Möwe mit gebrochenem Flügel fand. Seitdem ist diese ihr Hausgenosse. Ihr Freund hält das für keine gute Idee.

Adriana Meunié, 33 Jahre jung, stammt aus Barcelona und hat Textil-Design studiert. Sie ist dem Material regelrecht verfallen und schafft [Kunst-]Werke, die allesamt etwas mit textilen Stoffen zu tun haben – aparte Gemälde, Wandbehänge, Gebilde, die man kaum beschreiben kann, sondern gesehen haben muss.

Das ist schon eine Überraschung, wenn man Adrianas winziges Atelier – gefühlte 15 Quadratmeter klein – in Palmas Altstadt betritt. Linker Hand steht neben der Tür eine große Plastikkiste. Und darin hockt die Möwe, fast so groß wie ein Terrier. Adriana hat sie Hitchcock getauft. Hitchcock wird von Adriana mit Hingabe gepflegt. „Ich muss immer ihren Schnabel öffnen und sie füttern“, erzählt sie. Und was frisst man so als Möwe in der Rekonvaleszenz? „Carpaccio!“ erwidert die Tierpflegerin. Na prima, einmal möcht‘ ich Möwe sein.

Hitchcock hat Adriana ihre Möwe getauft. Hitchcock ist für die gute Pflege nicht immer dankbar, sondern hackt ab und zu mit seinem riesigen Schnabel in Adrianas Hände. Aber die Pflege bekommt ihm gut, es geht ihm Tag für Tag besser. Aber was heißt schon: Es geht ihm besser?! Einer der beiden Flügel ist und bleibt zerbrochen, zerstört. Die Möwe namens Hitchcock wird nie mehr fliegen können. Ohne menschliche Hilfe ist der Vogel nicht mehr lebensfähig. Wie denkt sich Adriana das? Sie zuckt nur mit Achsen, lächelt ein wenig verlegen. Diese Frage hat sie offensichtlich schon oft gehört und kennt keine Antwort darauf.

Warum hat sie den Vogel nicht zum Tierarzt gebracht? „Kein Tierarzt in Spanien würde sich um eine Möwe kümmern“, sagt Adriana, „Möwen sind wie Ratten“. Das bestätigt auch ihr Freund Jaume Roig. Der ist Keramikkünstler und hat sein Atelier ein paar Straßen weiter. Über die aktuelle Tierliebe seiner Freundin schüttelt er den Kopf. „Einmal ging es der Möwe ganz schlecht, und ich dachte, das würde das Problem lösen“, sagt er. Dass Adriana sich noch jahrelang um die Möwe kümmert, die auf ihre Hilfe angewiesen ist, hält er für nicht praktizierbar. Aber Jaume weiß auch, wie traurig Adriana sein wird, wenn sie selbst – oder wer auch immer dabei hilft – das Kapitel Hitchcock beenden muss.

Broken wings…