Notizbuch: Tsunami der Preise

17 03 2017

Freitag, 17. März 2017

Es ist jedes Jahr zur ITB, der größten Tourismusmesse der Welt, das gleiche. Ein Tsunami an Preisen und Auszeichnungen brandet über die Fachbesucher und das Reisepublikum hinweg. Ich habe mich geduckt, sonst hätte ich vielleicht noch einen Preis bekommen. Ich weiß zwar nicht wofür, aber das spielt [fast] keine Rolle.

Wer jetzt den Verdacht hat, ich sei neidisch auf den einen oder anderen Preisträger, liegt falsch. Neid kenne ich nicht. Und was soll ich mit einer Palme, einem Stadttor, einer gerahmten Urkunde – es gibt meines Erachtens viel zu viele davon. Natürlich gibt es Ausgezeichnete, die diese Auszeichnung verdient haben. Aber bitte, wie will wer feststellen, dass ein Blatt besser ist als das andere, eine Zeitschrift eine Auszeichnung verdienst hat und die andere nicht, eine Agentur bessere Arbeit leistet als die andere, ein Reisebuch zehn andere übertrumpft, ein Messestand origineller ist als 10.999 andere…

Ich habe viele Jahre in der Jury zum Prix ITB gesessen, dem früheren Reisefilmwettbewerb der Messe Berlin. Und ich habe viele höchst zweifelhafte Entscheidungen mitgetragen. Seitdem sind mir Wettbewerbe ein Ärgernis. Weil es einfach keine gerechte Entscheidung geben kann. Journalisten leiden besonders unter der Wettbewerberitis. Denn wenn in einem der vielen Wettbewerbe zehn Teilnehmer ausgezeichnet werden, schreiben zehn eine freudig erregte Pressemeldung, posten Nachrichten in Facebook und schreiben Hurra-ich habe-gewonnen-Blogs.

Die 100 besten Blogs

Apropos: Dieser mein Blog wurde einmal – ohne dass ich mich darum beworben hätte – zu einem der „100 besten Blogs Deutschlands“ gekürt. Ich habe, wenn es mir in den Kram passte, ein wenig damit aufgetrumpft. Dabei habe ich über mich selbst gelächelt. Denn wie will man unter all den Blogs mit Schminktipps, mit Einkaufshilfen, all den Iss-Dich-Gesund- und Schnäppchen-Blogs, den Reisehinweisen und Familienblogs die hundert besten auswählen. Was für ein Unsinn.

Es gibt einen – zugegeben: sehr gemeinen – Spruch: Preise sind wie Hämorrhoiden [ich musste erst mal googeln, wie man das schreibt…], irgendwann kriegt sie jeder Arsch. Ich bitte um Verzeihung.





Notizbuch: Küsschen, Küsschen!

9 03 2017

Freitag, 10. März 2017

ITB 2017: Der Tourismus ist eine Küsschen-Küsschen-Branche. Das fällt mir auf dieser ITB, meiner 45., wieder deutlich auf. Dabei unterscheide ich vier Kategorien. Kategorie 1: Frauen, die ich eigentlich nicht besonders gut leiden kann, die aber auf Wangenküssen praktisch bestehen. Kategorie 2: Frauen, die ich einfach gerne umarme und denen ich zwei oder gar vier Wangenküsschen schenke. Kategorie 3: Frauen, bei denen ich das Küsschen-Küsschen sooo gerne wiederhole, weil… Na, warum wohl?! Kategorie 4: Männer. Die küssen sich in unseren Breiten nicht.

Wenn ich hier einen Teil meiner Fotoausbeute von den ersten beiden ITB-Tagen preisgebe, verrate ich natürlich NICHT, wer in welche Kategorie gehört… Also:

Nicht als Konkurrenz-, sondern als Komplementär-Veranstaltung zur ITB Berlin ist das Berlin Travel Festival gedacht, das im kommenden Jahr zum ersten Mal stattfindet. Zur diesjährigen ITB Berlin wird für Fachbesucher im Marshall-Haus eine Preview arrangiert. Die Vorschau ist konzeptionell eine gelungene Mischung aus interaktiver Ausstellung und einem Bühnenprogramm unter dem Motto „People, Places and Memories”. Zu den im Laufe der Fachbesuchertage dargebotenen Programm-Punkten wie „New Ways of Traveling“ oder „Wednesday is the New Saturday“ sind Experten aus aller Welt geladen, die den Vertretern der Zielgruppe etwas zu sagen haben. Die Zielgruppe des Berlin Travel Festivals ist klar definiert: Es sind die Millennials, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, andere Bedürfnisse ans Reisen haben als herkömmliche Urlauberschichten und „deren Online-Welt wir ins Reale bringen wollen“, wie es Bernd Neff [Bild oben] formuliert, einer der drei Partner der neugegründeten I love Travel GmbH. Diese ist Initiator und Träger des Berlin Travel Festivals, das von der Messe Berlin – die stets auf der Suche nach touristischen Innovationen ist – unterstützt und gefördert wird. Das erste Festival findet im kommenden Jahr vom 9. bis 11. März in Berlin in der Arena statt, einer bei der angepeilten Zielgruppe beliebten Event-Location in Kreuzberg. Es ist eine Mischung aus Concept Store für Endverbraucher und neuartiger Fachmesse für die Branche. Der erste Festival-Tag ist auch der letzte Fachbesuchertag der ITB Berlin; für Fachbesucher werden Kombitickets aufgelegt. Der zweite und dritte Festival-Tag ist den Berlinern und Berlin-Besuchern gewidmet.

2017 ist für mich ein Griechenland-Jahr. Da ist es gut, dass ich diese drei Grazien auf der ITB getroffen habe [oben]: Caudia Stöhr, Fels in der Brandung in der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt, Areti Prinou, Zentrale der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Athen, Maria Zarnakouoi, ebenfalls Frankfurt [von links].

Unsere Uralt-Freundin [Dörte, damit meine ich, dass wir uns schon sooo lange kennen!] Dörte Behrmann, Pressereferentin der Erlebnis Bremerhaven GmbH.

Nun sind wir schon alte Bekannte: Elena Kountoura, die griechische Tourismusministerin – ehemalige Spitzensportlerin, internationales Model, Herausgeberin einer Frauenzeitschrift und jetzt Politikerin mit Leib und Seele.

Nein, betont Dawid Lasek  [Foto oben], stellvertretender Minister im polnischen Ministerium für Sport und Tourismus und zuständig für den Sektor Tourismus, seine Regierung werde keinesfalls den Fehler der ungarischen Kollegen machen, die Fremdenverkehrsämter in verschiedenen europäischen Märkten abzuschaffen. Doch es sei legitim, über die Neuorganisation des Tourismus in seinem Land nachzudenken. Schließlich seien die rechtlichen und organisatorischen Entwürfe für die heutige Struktur vor 16 Jahren entstanden. Lasek: „Das war eine andere Zeit.“ Bisher, so der Vizeminister, „ist das Fundament des Tourismus in unserem Land nicht genügend unterstützt worden.“

Auch in einem anderen Punkt versucht Dawid Lasek bei Fachgesprächen auf der ITB Berlin die Wogen zu glätten: Die Befürchtung, dass das eventuelle Unbehagen an der aktuellen polnischen Politik und deren Deutschland-Kritik zu einem Besucherrückgang führen könne, habe er nicht: „Ich verstehe diese Befürchtungen“, erklärt er, „aber sie sind unbegründet.“ Deutsche Besucher seien nach wie vor herzlich willkommen. 37 Prozent der ausländischen Touristen in Polen kommen aus Deutschland. Dafür, dass das so bleibt, sorgen laut Lasek zwei Faktoren: „die gefährlichen Tourismus-Destinationen und die deutschen Krankenkassen“. Gesundheitstouristik sei ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Meine Kollegin Alena Zielinski. Dreimal darf geraten werden, in welche Kategorie sie fällt beim ITB-Küsschen-Küsschen-Zirkus…

 





Notizbuch: ITB 2017 – alles fließt!

7 03 2017

Dienstag, 7. März 2017

Tag 0 der ITB 2017: Der große Vorsitzende zitierte den Vorsokratiker Heraklit: „Alles fließt!“ Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin, stimmte auf der Eröffnungs-Pressekonferenz der ITB Berlin die Scharen von Journalisten auf die Veränderungen der diesjährigen Weltmesse des Tourismus ein. Vor allem die Hallenpläne müssen sich die Besucher neu einprägen.

Warum überhaupt das Umsortieren der Aussteller und Hallen? Ganz einfach, laut Göke: „Um dem anhaltenden Druck der arabischen Länder und des Bereichs Travel Technologie gerecht zu werden.“ Auch die verstärkte Nachfrage nach zweistöckigen Ständen erforderte die neue Hallenverteilung. Zudem gibt es neue Aussteller – Airbus zum Beispiel – und Wiederkehrer nach längerer Abstinenz: Togo, Senegal, Andorra. Alles fließt.

Neu ist der Bereich Medical Travel, der nach Göke Weltweit einen Markt von 439 Milliarden US-Dollar ausmacht. Insgesamt stellen über 10.000 Unternehmen aus 184 Ländern auf 1.092 Messeständen und einer Fläche von 160.000 Quadratmetern aus. Der Parallel zur Ausstellung laufende Kongress hat „400 Top-Referenten“ (Göke).

Messechef Dr. Christian Göke. Links Julia Wegener, Pressesprecherin der ITB

Messechef Göke, Meister im freien Reden und Jonglieren beeindruckender Zahlen, sieht die ITB Berlin als Plattform für 10 Millionen persönliche Kontakte. „Es geht immer ums persönliche Treffen“, sagt Göke. Und: „Nirgendwo auf der Welt wird an einem Tag die gesamte Wertschöpfungskette des Tourismus dargestellt wie auf der ITB.“

Das lockt unter anderem 5.000 Journalisten an, darunter – wie Dr. Christian Göke nicht ohne Stolz anmerkt – 800 TV- und 300 Hörfunkjournalisten. Auch 400 Travel-Blogger reisen an, auf die die Messe Berlin seit Jahren ein besonderes Auge hat. Vor zehn Jahren noch hätte kaum jemand gewusst, wie man das schreibt und was Blogger eigentlich machen. Alles fließt.





Notizbuch: Bulgarien boomt

7 03 2017

Montag, 7. März 2017

Sieger und Verlierer im aktuellen Tourismusgeschäft treffen sich jetzt auf der ITB Berlin, der größten Tourismusmesse der Welt. Zu den Gewinnern gehören Griechenland und Bulgarien. Vor allem Bulgarien profitiert von der schwächelnden Nachfrage der Reiseländer Ägypten und Tunesien und wohl auch der Türkei.

Dies bescherte dem Land – in erster Linie natürlich der Schwarzmeerküste – in den vergangenen zwei Jahren einen Riesenerfolg. Die Zahl der deutschen Touristen, die traditionell hinter Rumänien und Griechenland rangiert, stieg im Vorjahr von Januar bis November um über 32 Prozent auf 812000 Feriengäste.

Begehrte Schwarzmeerküste: Albena. Foto: JT Touristik

Noch ist kein Ende des Booms abzusehen. Davon haben vor allem die Anbieter von Badeurlaub etwas. „Als Veranstalter von Studienreisen profitieren wir nicht von einer Nachfrageverschiebung“, sagt Area Manager Manfred Schreiber von Studiosus. Alltours dagegen, Anbieter von klassischem Badeurlaub, hat nach einem Plus von 37 Prozent im Vorjahr noch einmal kräftig aufgestockt. Die Rechnung geht auf: Der Veranstalter liegt derzeit im zweistelligen Buchungsplus. Noch ein weiteres Beispiel: Fast 100 Hotels in allen wichtigen Regionen bietet ETI an. Michael Nickel, Leiter der Produktabteilung: „Mehr als 40 Flüge die Woche deutschlandweit nach Varna und Burgas runden das Angebot ab.“

Wie seine Kollegen ist Nickel davon überzeugt, dass die Situation rund ums Mittelmeer nicht der einzige Grund für den Bulgarien-Boom ist: „Bulgarien besticht durch ein hervorragendes Preis-/Leistungs-verhältnis und mit einem Produkt, das hervorragend auf die Bedürfnisse der deutschen Kunden zugeschnitten ist.“ Zu diesem Produkt gehören für Omid Haghighat, Head of IT & Product bei JT Touristik auch „das All Inclusive-Angebot und die langen Sandstrände.“ Daher könne man die Beliebtheit der Destination „nicht alleine auf eine Verschiebung durch sogenannte Krisenländer rechtfertigen“, betont auch Halina Strzyzewska, Senior Commercial Manager für Südosteuropa bei FTI. Der Beweis: „Neben den Regionen Gold- und Sonnenstrand entwickelt sich auch in bisher weniger bekannte Küstenorte die touristische Infrastruktur mit einem hochwertigen Hotelangebot.“ Zudem besitzt Bulgarien Weltklasse-Golfplätze und zieht mit diesem Angebot neue Gäste an.


Unisono weisen die Bulgarien-Anbieter in der Branche kolportierte Gerüchte zurück, mit dem Boom sei auch die Reklamationsquote in die Höhe geschnellt. Omid Haghighat spricht für alle Mitbewerber, wenn er feststellt: „Wir haben keine besondere Reklamationsquote bei Bulgarien-Urlaubern feststellen können und haben auch selber keinen Grund. etwas zu beanstanden.“

Ein Punkt bereitet Thomas Grober vom Alltours Hoteleinkauf allerdings Unbehagen: „Die Hotels leiden unter der Abwanderung von touristischem Fachpersonal ins Ausland, das ist vor allem für Bulgarien ein Problem.“ Die Konsequenz, so assistiert Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer der DER Touristik Köln, sei „die Beschäftigung minder ausgebildeter Saisonarbeitskräfte aus Nachbarstaaten.“ Und der Touristiker warnt: „Mittel- und langfristig könnten daher Qualitätsdefizite entstehen.“

Mein Bericht ist am 6. Februar im Osteuropa-Schwerpunkt der Zeitschrift touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: im Osten schlechtes Image

27 02 2017

Montag, 27. Februar 2017

Zum Osteuropa-Special von touristik aktuell [das schon vor drei Wochen erschienen ist, aber das Thema brennt mir immer noch unter den Nägeln…] habe ich viele Reiseveranstalter, die großen und die kleineren Spezialisten, befragt. Ich wollte nicht nur die Neuigkeiten zur Saison erfahren, sondern auch wissen, was sie an ihren osteuropäischen Destinationen zu kritisieren haben. Hier das erstaunliche Ergebnis [wie es auch in touristik aktuell veröffentlicht worden ist]:

In einem Punkt sind sich die Anbieter von Reisen nach Osteuropa einig: Das Angebot ist meist erheblich besser, als der Ruf der Destinationen vermuten lässt. Die Länder haben also ein Imageproblem. „Wir wünschen uns von unseren osteuropäischen Nachbarländern mehr Imagewerbung in Deutschland“, sagt denn auch Constanze Köhler, Leiterin des TUI Produktmanagements Europas Osten.

Ins gleiche Horn stößt Diana Ruttar, Produktmanagerin Osteuropa von Wikinger Reisen: „Länder wie Albanien und Rumänien kämpfen leider noch immer mit einem negativen Image.“ Sie würde es begrüßen, wenn die Fremdenverkehrsämter noch stärker an einer Verbesserung arbeiten würden“. Das dürfte den Destinationen eigentlich nicht schwer fallen, denn – so Diana Ruttar – „Gäste, die diese Ziele besucht haben, sind stets begeistert.“

„Bis dato gibt es nur schwache Marketingaktivitäten, eine Verstärkung von Werbemaßnahmen wäre wünschenswert“, kritisiert Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer der DER Touristik Köln, „zudem fehlt es an langfristigen Tourismuskonzepten, einhergehend mit schwacher Unterstützung der Branche seitens der staatlichen Tourismusbehörden.“ Konkrete Kritik äußert Jörg-Dietrich Meltzer, für Russland zuständiger Area-Manager von Studiosus: St. Petersburg boomt, gerade auch bei Kreuzfahrtreisen, ist aber dem Ansturm von den Kapazitäten her – etwa bei Besichtigungen – nur begrenzt gewachsen.“ Außerdem wünscht sich Meltzer „mehr Flugverbindungen von Deutschland nach Russland“.

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Budva: Montenegro in der Kritik

Auf Montenegro schießt sich Wolfgang Schneider ein, Produktmanager Ost- und Südosteuropa & Kaukasus von Ikarus Tours: „Die Flugverbindungen sollten verbessert werden: Au-ßerhalb des Charters haben wir weiterhin ein sehr begrenztes Flugangebot.“ Denn „der Direktflug ab/bis Frankfurt ist nur mit Montenegro Airlines möglich, die Maschinen sind klein und daher schnell ausgebucht.“ Austrian Airlines habe „leider überhöhte Preise und ist daher kaum eine echte Alternative im Veranstalter-Bereich“.

„Rumänien habe „einen nahezu unerschöpflichen Reichtum an Natur- und kulturellen Highlights“, findet Dertour-Produktmanager Matthias Klar, dies spiegele auch die Nachfrage nach Rundreisen wider. Klar: „Leider hakt es nach wie vor an der Infrastruktur.“ Auch die Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis der Hotels an der Schwarzmeerküste fallen laut Klar im Vergleich zu den anderen Destinationen ab.

img_0085Nicht osteuropäischen Destinationen, sondern der EU gibt Jochen Szech, Geschäftsführer von Go East Reisen, einen Rat: „Sie sollte sich schnellstens auf ein pragmatisches Visumsver-fahren einigen und ihr jetziges Verfahren unverzüglich überarbeiten.“

Denn dies führe zu großen Problemen im Deutschland – und im Outgoing-Tourismus, da Länder wie Indien, China und Russland „nachziehen und die Visumbedingungen verschärfen.“





Notizbuch: Berliner Lächeln

22 02 2017

Mittwoch, 22. Februar 2017

Die Chemie scheint zu stimmen. Die bisherige Wirtschaftssenatorin gab in Pressekonferenzen zum Berlin-Tourismus immer die eiserne Lady. Ramona Pop von den Grünen dagegen, die neue Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, ist dem Geschäftsführer von visitBerlin, Burkhard Kieker, an Charme durchaus ebenbürtig. So wurde auf der Pressekonferenz zur Berliner Tourismus- und Kongressbilanz für das Jahr 2016 so viel gelächelt wie schon lange nicht mehr. Das Gespann Pop/Kieker signalisierte: Wir werden das Kind Berlin-Tourismus schon schaukeln. Und dies auch in schwierigen Zeiten.

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Moderat hat sich der Berlin-Tourismus im vergangenen Jahr entwickelt. Die Übernachtungen der Berlin-Besucher sind um 2,7 Prozent auf mehr als 31 Millionen gestiegen. „Es gibt nur zehn Städte in der Welt mit über 30 Millionen Übernachtungen“, betonte Kieker durchaus mit Stolz. Die Zahl der internationalen Gäste lag zum ersten Mal über der Fünf-Millionen-Marke. Die meisten Auslands-Besucher kamen aus Großbritannien [Kieker: „Das sind noch nicht die Brexit-Flüchtlinge!“], gefolgt von US-Amerikanern und Spaniern.

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Zum ersten Mal befindet sich auch Israel unter den Top-10 Ländern, aus denen die meisten Übernachtungen gezählt wurden. Mit 54,4 Prozent haben die deutschen Gäste nach wie vor den größten Anteil an den Übernachtungen. Mehr als 240.500 Menschen in Berlin gibt der Tourismus Lohn und Brot.

„Berlin hat sich in einem schwierigen internationalen Umfeld als Top-3-Destination in Europa behauptet“, freute sich Burkhard Kieker. Aber um weiterhin erfolgreich zu sein, müsse die Anbindungen für interkontinentale Besucher verbessert werden. Sprich: Der Flughafen BER muss endlich her.

Nicht die Easy-Jetter bilden das Gros der Berlin-Touristen. Kieker: „Die 40- bis 60-jährigen sind die Kernzielgruppe.“ Der klassische Berlin-Besucher ist im Durchschnitt 39,3 Jahre alt. Im Schnitt bleiben die Gäste 2,4 Tage, Besucher aus dem Ausland bleiben mit 2,8 Tagen wie-derum länger als die deutschen Berlin-Urlauber. Die drei wichtigsten Gründe für eine Reise in die deutsche Hauptstadt sind die Sehenswürdigkeiten, das Kunst- und Kulturangebot sowie Stadtbild und Architektur. Mehr als die Hälfte aller Besucher kommt wegen Kunst und Kultur. Oder andersherum betrachtet: 40 bis 60 Prozent der Nutzer von Kulturangeboten sind Touristen. „Die deutsche Hauptstadt hat als Kultur- und Veranstaltungsort im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen eine herausragende Bedeutung“, betonte die Wirtschaftssenatorin.

Wirtschaftssenat und visitBerlin hüten noch einen anderen Schatz: Ein Viertel aller Übernachtungen wird durch Kongressbesucher generiert. Es reisten im vergangenen Jahr mehr als 11,5 Millionen Teilnehmer zu rund 137.500 Veranstaltungen in die deutsche Hauptstadt.

Soweit die Bilanz. Das alles hätten die Berlin-Werber auch via E-Mail verkünden können, deshalb benötigt man keine Pressekonferenz – wären da nicht Kiekers kluge und auch humorvolle Anmerkungen, die allein die Anreise lohnen. Vom Auftritt der Wirtschaftssenatorin dagegen war ich – bis auf ihr Lächeln – enttäuscht. Ich hatte nicht nur die Ankündigung eines neuen Tourismuskonzepts erwartet, sondern konkrete Eckpunkte, Forderungen an die Akteure, Erklärungen in einer flammenden Rede, wie sich rotrotgrüne Tourismuspolitik von der bisherigen unterscheiden soll.

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Klar, Ramona Pop ist noch neu im Geschäft. Sonst wäre ihr der Fauxpas nicht passiert, das derzeit so populäre Couchsurfen mit „Verwandtenbesuchen“ gleichzusetzen. Frau Senatorin, das ist etwas ganz anderes. Wer als Couchsurfer reist, kommt bei wildfremden Menschen unter, dies meist kostenlos. Das aber ist bei den meisten nicht der Grund zum Couchsurfen, sondern das Eintauchen in das Leben der Einheimischen, soziale Kontakte, Stadtführungen von Insidern, das Leben im Kiez.

vb3Noch etwas fiel mir an Ramona Pop – außer ihrem Lächeln – auf: Während der Kommissarische Vorstand des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg in der gebührenden Langatmigkeit [diese ist systemimmanent] Zahlen vortrug, widmete sich die Wirtschaftssenatorin ausgiebig ihrem Handy.

Das geht gar nicht.

Den Hinweis, dass unsere Kanzlerin das auch macht, lasse ich nicht gelten. Ramona Pop ist nicht die Kanzlerin. Noch nicht.





Notizbuch: studierte Weltenbummler

15 02 2017

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die „Studierten Weltenbummler“ starten in die nächste Runde. Die alljährliche Vorbereitung des Messeauftritts der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) auf der ITB Berlin läuft bereits seit August 2016 auf Hochtouren. Und ich mische da – beratend – mit.

Dual Studierende des 5./6. Semesters des Fachbereiches BWL/Tourismus überneh-men wie auch die Jahre zuvor die Standgestaltung und -betreuung, das Marketing, die Pressearbeit sowie die Finanzierung. „Lediglich die Rahmenbedingungen sowie Hilfestellungen haben wir von unseren Dozenten erhalten, die mit ihrer jahrelangen Erfahrung das ITB-Projekt betreuen“, sagt Mariana-Theresa Jürgens, die Sprecherin der Pressegruppe.

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Das sind sie – die studierten Weltenbummer

Das Projekt läuft unter dem Motto „studierte Weltenbummler“, das von ehemaligen Tourismusstudenten ins Leben gerufen wurde und auch in diesem Jahr fortgeführt wird. Jürgens: „Der Namenszug studierte Weltenbummler ist sogar werberechtlich geschützt.“

Auf der ITB Berlin werben die Studierenden für die Tourismusbranche sowie für alle dualen Bachelor- und Masterstudiengänge, die an der HWR angeboten werden.

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Oben: die Marketinggruppe [links im Bild: AUMA-Referent Hendrik Hochheim]. Unten: ein Teil der Pressegruppe [dritte von links: Mariana-Theresa Jürgens, die Sprecherin]

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„Das duale BWL/Tourismus-Studium zeichnet sich dadurch aus, dass parallel zur Vermittlung betriebswirtschaftlicher und touristischer Kenntnisse im Rahmen eines Hochschulstudiums eine fachspezifische Ausbildung in einem touristischen Betrieb stattfindet“, betont die Sprecherin der Studierenden, „diese vermittelten Kenntnisse sollen dann direkt während der Praxis¬einsätze angewendet werden.“ Die Vorbereitung des Messestands schafften „somit einen Praxisbezug auch in der Theoriephase und bietet uns Studierenden die Möglichkeit, einzigartige Erfahrungen für unser späteres Berufsleben zu sammeln“ [Jürgens].

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Ein Foto aus dem Votrjahr: zwei Studentinnen mit Schärpe

Während in den Vorjahren die Pressemeldungen auf Papier gedruckt und in einer Pressemappe den Journalisten überreicht worden, werden sie diesmal auf einen Stick gezogen, der wiederum in eine niedliche kleine Box gepackt wird. Diese werden vor der Eröffnungspressekonferenz [Dienstag, 7. Februar, 10 Uhr Palais am Funkturm] und auf Rundgängen der Pressegruppe während der ITB verteilt. Zudem liegen sie im Pressefach „Studierte Weltenbummler“ in Halle 5.3 aus.
Zu finden sind die Studierten Weltenbummler auf der ITB Berlin in der Halle 11.1 am Stand 312 oder verteilt auf dem Messegelände mit ihrem unverwechselbaren Erkennungszeichen, der roten Schärpe mit dem Schriftzug „studierte Weltenbummler“.