Notizbuch: Sollers Abschied

17 09 2019

Der Leiter des Fachbereichs Tourismus der Hochschule für Wirtschaft und Recht [HWR Berlin] geht in den [Un-]Ruhestand

Mittwoch, 18. September 2019

Keine zwei Wochen mehr – und eine Epoche geht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht [HWR Berlin] zuende: Prof. Dr. Dr. habil Jörg Soller, Professor für Tourismusbetriebswirtschaft und Fachleiter des Dualen Studiengangs BWL/Tourismus geht in den Ruhestand. Oder anders und besser formuliert: Aus Altersgründen verlässt er den Hochschulbetrieb. Um sich richtig zur Ruhe zu setzen – dafür ist er viel zu jung.

Ich weiß nicht mehr, wann wir uns kennengelernt haben, aber wie: Auf einem feucht-fröhlichen, durchaus lustigen Berlin-Abend im Adlon am Rande eines Tourismusgipfels. Kristiane Klemm, Wissenschaftliche Leiterin des – damals noch existierenden – Instituts für Tourismus der Freien Universität, machte uns miteinander bekannt. Schon bald darauf hatte ich einen sich Jahr für Jahr wiederholenden Lehrauftrag an der HWR auf meinem Schreibtisch.

Jörg Soller hat sich natürlich viele Gedanken über seine Zeit als Hochschul-Prof. gemacht. Wenn ich auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicke, sehe ich viele Entwicklungen und Impulse, die wir gemeinsam initiiert und umgesetzt haben.

Ich hatte eine fantastische Zeit, habe Chancen bekommen, wurde gefordert und gefördert und konnte innerhalb der Tourismusbranche viel bewegen und erreichen.

Auf diese Zeit sei er stolz, schreibt Jörg Soller in seinem Abschiedsbrief an die Branche, Weggefährten, Freunde und Studierende. Vor allem bin ich dankbar für das Kennenlernen von vielen interessanten Menschen, die Begegnungen mit Ihnen, den wunderbaren Momenten und wertvollen Gesprächen. Es sei ihm stets um mehr als den Studiengang BWL/Tourismus gegangen: Durch meine Wahlfunktionen konnte ich die HWR Berlin – insbesondere den Fachbereich 2 Duales Studium Wirtschaft und Technik – mit prägen und darüber hinaus unsere Studierenden für die Übernahme von Managementfunktionen in der Tourismuswirtschaft befähigen. Es sei eine tolle Aufgabe, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten, sie zu führen und zu lehren, aber genauso interessant ist es, von ihnen zu lernen. Für ihn, so Soller, sei das stets eine positive Herausforderung und große Freude zugleich gewesen.

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Was bleibt? Das gute Gefühl etwas bewegt zu haben und einen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der HWR Berlin und des Tourismus gehabt zu haben.

Was kommt? Auch dazu nimmt Prof. Soller Stellung: Ich werde weiterhin im Aufsichtsrat der H-Hotels AG und für das Institut für Tourismus Berlin e.V. tätig sein sowie meine Kenntnisse und Erfahrungen in der Unternehmensberatung DICON und das Hotel4Youth einbringen. Auch werde ich meine Leidenschaft des Publizierens im touristischen Fachverlag „Erich Schmidt Verlag“ in Berlin weiter fortführen und in den Fachverbänden unserer Branche tätig sein. Natürlich hat sich Jörg Soller auch vorgenommen, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Ab dem 1. Oktober übernimmt Prof. Dr. Regina Baumgärtner die Fachleitung des Studiengangs BWL/Tourismus. Gemeinsam mit der neuen Kollegin Prof. Dr. Sandra Rochnowski wird sie, davon ist Soller überzeugt, unseren Studiengang hochengagiert führen und dabei auch Akzente zur weiteren positiven Entwicklung unseres Studiengangs setzen.

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Notizbuch: geschluckt, aber nicht verschluckt

14 09 2019

Wie es dem Anbieter Windrose Finest Travel unter dem Dach von FTI geht

Samstag, 14. September 2019

Mit 26 neuen Vorschlägen für Individualreisen und sieben neuen „Lebensart“-Gruppenreisen, dargestellt in den beiden optisch hervorragend gestalteten Travel Books „Individualreisen“ und „Gruppenreisen“, startet der Veranstalter Windrose Finest Travel in die neue Saison. Den wenigsten Kunden wird bewußt sein, dass die Edel-Marke seit zwei Jahren zur mächtigen FTI-Gruppe gehört, deren Image nicht gerade dem eines Luxusveranstalters entspricht.

Windrose-Chef Stephan Braun neben einem Werbebanner

Produkte wie die von Windrose produzierten Reisen – edel, mit das Beste, was es auf dem Markt gibt, hochpreisig – , nennt man High End. „High End Reisen wachsen überproportional“, betont der Windrose-Geschäftsführer Stephan Braun mit Stolz. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Braun mit einem „deutlich zweistelligen Wachstum“. In der Zwischenbilanz beträgt das Plus bei „Lebensart“-Gruppenreisen 16,7 Prozent, bei den Deluxe Individualreisen 15,7 Prozent.

Interessant: Der Umsatz, der über den Stationären Vertrieb, also über Reisebüro generiert wird, beträgt 60 Prozent vom Gesamtumsatz. „Wir werden den Reisebüro-Vertrieb weiter sehr stark ausbauen“, erklärt Braun das Ziel der Aktionen. Etwa 400 bis 500 Reisebüros verkaufen regelmäßig Windrose-Produkte, darunter „50, die richtig Gas geben“ (Braun). Der Einsatz lohnt sich: Schon bei der ersten Buchung – Durchschnittspreis einer Buchung: 8.100 Euro – zahlt der Veranstalter zehn Prozent Provision. Der Umsatz über Reisebüros stieg im noch laufenden Geschäftsjahr 2018/2019 um knapp 38 Prozent.  Dieser Erfolg fällt Windrose nicht in den Schoß. Mit einem wahren Feuerwerk an Events wendet sich der Veranstalter beispielsweise zur Zeit und in den kommenden Wochen an den stationären Vertrieb. Damit will der Luxus- und High End-Veranstalter bestehende Reisebüro-Kontakte vertiefen und neue Vertriebspartner hinzugewinnen.

Schon vorletzte Woche startete ein Buchungswettbewerb, der bis zum 15. Oktober läuft.  Die fünf umsatzstärksten Reisebüros gewinnen je eine Freikabine für zwei Expedienten auf der Star Clipper für eine zehntägige Segelkreuzfahrt von Phuket nach Singapur. Gemeinsam mit dem Tourism Board Barbados und Silversea Cruises hat Windrose für heute zu einem „Finest Places“-Abend in Hamburg unter dem Motto „Taste of Barbados“ eingeladen. Am 14. und 15. November findet das Event „Windrose Behind The Scenes“ in Berlin statt. „Wir wollen wir uns den Expis persönlich in unseren Räumen in Berlin vorstellen und über Trends sprechen und Tipps für die Beratung am Counter geben“, erklärt Windrose-Geschäftsführer Stephan Braun. Danach gibt’s ein nobles Dinner  und am zweiten Tag noch „eine große Überraschung“, die der Windrose Chef natürlich noch nicht verrät. Zum Start des neuen Geschäftsjahres werden den Agenturen zudem zahlreiche neue eLearnings und Webinare angeboten.

Windrose führt so etwas wie ein Eigenleben unter dem FTI-Dach. „Es gibt eine klare Trennung“, versichert Braun, das zeigt sich schon am Firmensitz: FTI hat den Hauptsitz in München, der vor 46 Jahren gegründete Veranstalter Windrose durfte mit seinen 50 Reise-Designern in Berlin bleiben. Windrose ist laut Braun „soviel Autonomie geblieben wie möglich“. Die Synergien werden im Hintergrund wirksam. Brauns Urteil nach zwei Jahren: „Die Strategie ist richtig.“ Mit anderen Worten: FTI hat Windrose Finest Travel geschluckt, sich aber daran nicht verschluckt.





Notizbuch: Hotel auf dem Dach

9 09 2019

Warum das Berliner Hotel Niu den Beinamen „Hide“ führt

Mittwoch, 11. September 2019

„Unser Publikum ist so bunt wie das Leben“, sagt Ute Zachow, Managerin des kürzlich eröffneten Berliner Hotels the niu. Und so bunt wie die Ausgestaltung des 152 Betten-Hauses an der Frankfurter Allee, wo sich die beiden Bezirke Friedrichshain und Lichtenberg treffen.

Das Design ist in der Niu-Hotelgruppe stets standortbezogen – in Berlin halt berlinerisch: Modernes Design mit einer Prise Ostschick, hier und da ein Hauch von Vintage und vor allem für Berlin typische Murials, also Wandbilder, des bekannten Künstlerduos „Giggi & Amando“ sollten das Haus in erster Linie – so eine Presseerklärung – zum “Hideway für Millenials und Digital-Nomanden“ machen. Aber das Hotel wird auch von älteren Berlin-Besuchern und Geschäftsleuten gut gebucht, liegen doch S- und U-Bahnhöfe buchstäblich direkt vor der Haustür.

Wie alle the niu-Häuser hat das Berliner Hotel einen Zusatznamen: Hide. Es liegt versteckt, wo es kaum jemand sucht – auf dem Dach des Parkhauses des Einkaufszentrums Ring-Center II.

Hotels auf Hausdächern gibt es mehrfach, aber dies ist weltweit das erste modular errichtete Hotel auf dem Dach eines Einkaufszentrums.

So ungewöhnlich wie Standort und Ausstattung ist auch das Angebot. Die Rezeption mit mehrsprachigen Mitarbeitern und Bar sind rund um die Uhr geöffnet. Ein Gemeinschaftsraum, bestückt mit Trabi, Tischkicker und Fotoautomat, ersetzt die klassische Lounge. „Möchten Sie eine Begleitung aufs Zimmer?“ werden die Gäste an der Rezeption gefragt. Das Angebot entpuppt sich als höchst moralisch: Gemeint sind Zimmerpflanzen, die sich Gäste zum Preis von einem Euro – der in ein karikatives Projekt fließt – zur Kleinklima-Verbesserung mit auf Zimmer nehmen können.

Die drei Doppelzimmer-Kategorien tragen Namen, die an junges Publikum erinnern: „Tripster“, „Towner“ und  „Hipster“. Zwei der „Hipster“-Zimmer sind barrierefrei. Nur die Größe unterscheidet die Kategorien, die Ausstattung ist gleich. Dazu gehören Satelliten-TV, Soundbox, kostenloses Highspeed-WLAN, Badezimmeer mit Dusche, Klimaanlage und schallisolierte Fenster, die geöffnet werden können.

Mit Events wie eine Art-Night, Barbecu oder sonntägliches Katerfrühstück soll auch die Friedrichshainer oder Lichtenberger Nachbarschaft angelockt werden. „Leider ist die Auffassung immer noch weit verbreitet, dass man an solchen Ereignissen oder am Frühstück nur teilnehmen darf, wenn man auch im Hotel wohnt“, bedauert die Hotelchefin.

Apropos Frühstück: Das ist wie manch anderer Service im the niu an externe Dienstleister ausgelagert. So kommt das Berliner Haus mit 13 Mitarbeitern aus.

Die dürfen sich die Sprüche, mit denen das Haus verziert ist, selbst ausdenken – und beweisen damit eine gehörige Portion Witz.

Die 2017 gegründete Hotelkette ist – wie die Novum- und die Select-Hotels – eine Marke der Novum Hospitality, die 175 Hotel mit über 23.000 Zimmern an 65 Standorten in Europa betreibt.

Zur Zeit gibt es zehn the niu-Häuser, die im Prinzip gleich ausgestattet sind, deren Nach Berlin ist der Standort Lübeck neu hinzugekommen. Von den zehn Hotels liegen zwei im Ausland, in Haarlem/Niederlande und Wien. Mit schier unglaublicher Geschwindigkeit soll die niu-Gruppe wachsen. Im August wird das the niu Fury in Aschheim eröffnet. Im September folgen dann das the niu Ridge in Halle sowie das the niu Mesh in Stuttgart. Zudem sind noch fünf weitere Eröffnungen für dieses Jahr geplant, darunter eines in Großbritannien und eines in den Niederlanden. Über 50 Hotels der Marke the niu mit über 10.000 Zimmern sind derzeit europaweit in der Pipeline.

Mein Bericht über das Hotel Niu ist am Montag dieser Woche in leichter Änderung, aber mit viel weniger Fotos in der Ausgabe 35/2019 von touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: Reisebürocafémöbelladen

3 09 2019

Wie Thomas Cook mit einem neuen Brandstore junge Kunden ansprechen will

Dienstag, 3. September 2019

Nur sieben Monate brauchte der Veranstalter Thomas Cook, um sein neues Reisebüro-Konzept in der Berliner East Side Mall zu realisieren. Mit traditionellen Reisebüros hat das neue Brandstore-Konzept nur wenig gemein.

Klar, Urlauber in spe können sich hier beraten lassen und auch buchen. Aber die Atmosphäre ist ganz anders: Die Kunden sitzen in dem Loungecafé auf Hockern an der (Café-)Bar, nehmen auf bequemen Sofas Platz oder lümmeln sich in Liegestühlen. „Die Expedienten folgen ihnen dorthin, wo sie sitzen wollen“, sagt Thomas Kloss, Leiter des Eigenvertriebs von Thomas Cook. Zur Beratung bedienen sie ein Spezial-Tablet.

Das Design des ersten Brandstores ist den erfolgreichen Hotelmarken Casa Cook und Cook’s Club entliehen. Es soll gezielt „eine neue Generation von Reisenden ansprechen“, wie es Carsten Seeliger [Foto links] formuliert, Geschäftsführer Vertrieb, E-Commerce und Services Thomas Cook. Er setzt auf Livestyle-affines jüngeres Publikum und ist aus zwei Gründen optimistisch: In den Häusern beider Hotelmarken machen Neukunden 80 Prozent aus, und „Studien belegen, dass auch junge Leute über Reisebüros buchen“. Bei allen Unterschieden zu üblichen Reisbüros ist für ihn das neue Konzept „ein klares Bekenntnis zum Reisebüro-Vertrieb“.

Eine putzmuntere Schar von fünf Reisebüro-Expedientinnen wurde für den ersten Brandstore ausgewählt. Sie mussten sich mit den beiden stylischen Hotelmarken gut auskennen,  kontaktfreudig sein und einen Barista-Kurs absolvieren: Cappucino, Americano oder Espresso zu servieren ist ihnen schon in Fleisch und Blut übergegangen. Nicole Bley, die Chefin – Store Manager und nicht Reisebüroleiterin genannt, weil der Begriff Reisebüro im neuen Store strikt vermieden wird – ist überzeugt, dass Servieren und Beraten auch dann gut klappt, wenn der Laden proppenvoll ist. Das war in den sieben Wochen des Soft Opening noch nicht der Fall, aber „der Laden läuft“ laut Nicole Bley. Wer andere Häuser als die der Marken Casa Cook und Coo’s Club buchen möchte, wird natürlich nicht abgewiesen. Und auch älteres Publikum, so versichert Thomas Cloos, ist willkommen.

An Accessoires, an Tischen und Stühlen und auch an Lampen hängen diskrete kleine Preisschilder: Wie in den Hotels der jungen Hotelmarken kann die gesamte Ausstattung gekauft werden. „Wir sind jetzt auch Möbelhändler“, lacht Nicole Bley. „Unser Konzept ist etwas für Metropolen“, erklärt Carsten Seeliger die Kombination von Café, Reisebüro und Möbelladen. Wenn die Rechnung aufgeht, kann er sich weitere Brandstores „in Hamburg oder München“ vorstellen, ohne sich auf Städte und einen Zeitplan festzulegen. Stefanie Berk, Vorsitzende der Geschäftsführung von Thomas Cook und eigens zur Store-Eröffnung nach Berlin angereist, legt noch einen drauf: „Ich kann mir vorstellen, das dieses Konzept auch für andere Länder geeignet ist, in denen Thomas Cook tätig ist.“

Dieser Text von mir ist – in leicht veränderter Fassung – am Montag dieser Woche in der Ausgabe 34/2019 von touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: Rezeption im Untergrund

30 08 2019

Wie das neue Berliner Hotel AMO by Amano einen unkonventionellen Weg geht, um mit der Platznot fertig zu werden

Freitag, 30. August 2019

Der erste Weg führt in den Untergrund. Gäste des neuen Berliner Hotels AMO by Amano finden die Rezeption im Untergeschoss, also im Keller. Auch die Lounge, der Frühstücksraum und die große Hotelbar liegen dort. Noch nie hat in Deutschland ein Hotel diesen Weg gewählt.

Dennoch ist das im Juni soft eröffnete Hotel an der pulsierenden Friedrichstraße nicht „Deutschlands erstes unterirdisches Hotel“, wie immer wieder kolportiert wird: Die 93 Zimmer verteilen sich auf fünf überirdische Stockwerke eines 1873 errichteten Hauses. Hier lag das Problem: Der Denkmalsschutz erlaubte keine Aufstockung eines Seitenflügels und – nebenbei – auch nicht die gläserne Überdachung des Innenhofs. Deshalb musste der renommierte Architekt Sergei Tchoban, der mit dem Ausbau des Hauses beauftragt war, in die Tiefe gehen.

Die Idee sei ihm beim Besuch des unterirdischen Empfangsraums des Apple Store am Central Park in New York gekommen, sagt Ariel Schiff, Betreiber der Amano-Gruppe. Und so wurde ein Jahr lang im Untergrund gebuddelt. „Mühsam musste der Aushub Schubkarre für Schubkarre rausbefördert werden“, erinnert sich Mathias Schmidt, der stellvertretende Hoteldirektor.

Wie alle Häuser der Amano-Gruppe liegt das AMO in der Drei-Sterne-Kategorie. „Wir wollen drei Sterne attraktiv machen“, sagt dazu Mathias Schmidt. Das ist gelungen: Die gesamte Ausstattung besitzt einen Touch von Luxus, nicht zuletzt durch Rückgriffe auf Gestaltungsmittel der 20-er Jahre. Ein Hauch von Art-déco durchzieht das gesamte Hotel. Das gilt auch für die Zimmer, die in der Größe allerdings exakt dem Drei-Sterne-Standard entsprechen.

Zum neuen AMO gehört das – von außen zugängliche – Restaurant „Joseph“, das israelische Küche serviert. Als kulinarischen Berater konnte Ariel Schiff den Starkoch Yossi Elad gewinnen, der in London das Restaurant „The Palomar“ und in Frankfurt die „Bar Shuka“ betreibt. „Joseph“, so hoffen die Betreiber, soll „einen Hauch des Lebensgefühls von Tel Aviv nach Berlin bringen“ (Schmidt). Die Hotelgesellschaft setzt auf eine gute Mischung von Geschäftsreisenden und Touristen. Bisher haben zwei Reiseveranstalter das Haus unter Vertrag. Erst später soll entschieden werden, ob weitere hinzukommen.

Die vor zehn Jahren mit Sitz in Berlin gegründete Hotelgruppe Amano wächst rasant. Das AMO ist das sechste Haus in Berlin. Das größte der Berliner Hotels, das Amano Grand Central, steht in der Nähe des Hauptbahnhofs und besitzt 250 Zimmer. Andere Häuser tragen Kurznamen wie MANI, MIO oder ZOE. Im kommenden Jahr wird in Berlin ein weiteres Haus mit dem Namen Eastside eröffnen, das Hotel mit 180 Zimmern liegt in der Nähe des Ostbahnhofs.  In Düsseldorf betreibt die Amano-Gruppe das Amano Düsseldorf-Mitte. Im August wird ein weiteres Hotel in München in der Sendlinger Straße in Betrieb gehen, das MIO by Amano mit 114 Zimmern. Ein Haus in Leipzig ist für 2021 geplant.

Dieser – mein – Beitrag erscheint mit anderen Fotos kommenden Montag, 2. September, in touristik aktuell.





Notizbuch: Zur Behandlung nach Serbien

20 08 2019

Wie eine Pressereise zum Gesundheitstourismus das negative Image des Landes zerstört

Der Mörder ist immer der… Gärtner? Falsch. Sondern: ein Serbe. Das ist das Bild, das viele Krimis zeichnen. Es ist für Autoren so leicht, sich der Negativ-Schublade zu bedienen. Bürgerkrieg, Bomben, Banden haben diese vollgestopft. Zum Lachen, so der weit verbreitete Eindruck, muss ein Serbe erst das Messer aus dem Mund nehmen, das er zwischen den Zähnen trägt. Auf einer intensiven Pressereise durch Serbien habe ich kürzlich erfahren, dass Image und Realität weit auseinanderklaffen. Auf kaum einer Reise ist mir mehr Herzlichkeit begegnet.

Dabei war das Thema durchaus mit Ernst belastet: „Gesundheitstourismus Serbien“ hieß es. Anders ausdrückt: Wie kann Serbien mehr Deutsche zum Gesundheitstourismus verlocken? Was wir vor Antritt der Reise nicht wussten: Das serbische Gesundheitsministerium hatte Milliarden in das nationale Gesundheitssystem gepumpt, Kliniken erweitern lassen, Privatinitiativen mit Zuschüssen versorgt und strenge Vorschriften erlassen.

Und zum ersten Male hatte das Ministerium eine ausländische Pressereise stricken lassen. Die Stricknadeln hielten eine serbische Beratergruppe, der Berliner Tourismusberaster Peter Becker von Tourmas und Damir Radic vom Berliner Reiseunternehmen medinatur, das auf Gesundheitstourismus nach Serbien spezialisiert ist.

Was Ungarn, Tschechien und auch Polen so gut gelingt, soll nun auch in Serbien funktionieren: medizinische Behandlung, auch Ersatzteilbeschaffung wie Zahnimplantate, Kuren und Wellnessurlaub mit zahlungskräftigen deutschen Patienten – bzw. deren Kassen, was allerdings noch zu regeln ist, da Serbien nicht in der EU ist. Der serbische Gesundheitsminister persönlich empfing uns [Foto oben] und schwor uns auf das Thema ein.

Die Reise war höchst anstrengend, denn das Ministerium wollte, dass wir all die „Lieblingskinder“ des Ministers sahen – und das waren viele, weit übers Land gestreut. So gurkten wir im Kleinbus quer durch Serbien, mal rauf, mal runter. Die versprochene Frei- und Erholungszeit schrumpfte tagtäglich. Aber es lohnte sich aus drei Gründen: Was wir sahen war sehenswert. Mitunter kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Und uns wurde mit einer Offenheit begegnet, die wir nicht erwartet hatten. Kein Raum blieb uns verschlossen, keine Frage blieb unbeantwortet. [Leider fehlten oft schriftliche Unterlagen, und es war schwierig, diese im Nachhinein zu erhalten.] Dritter Erfolgsgrund: die Herzlichkeit, mit der wir empfangen wurden. Irgendwann kam uns der Verdacht: Die freuen sich ja richtig auf uns! Auch Klinikchefs verzichteten auf jegliche Chefarztattitüde und widmeten uns viel Zeit.

Das Wort Gastfreundschaft ist oft missbraucht, aber hier – hier traf es wirklich zu. [Typisch Balkan äußerte sich die Gastfreundschaft auch in dem, was auf den Tisch kam. Lecker, lecker – aber viel zu viel. Die Bilanz: zwei Kilo plus.]

Geschickt warb das Gesundheitsministerium für das Ziel auch nach innen: Ständig trafen wir auf Fernsehteams und sagten in die Kamera, was wir für einen Eindruck hatten. Parallel dazu raschelte es im serbischen Blätterwald.

Zwei Großkliniken haben wir besichtigt, eine in Nis, eine in der Hauptstadt Belgrad. Diese hat 3600 Betten. Zum Vergleich: Die Charité in Berlin, eine der größten Universitätskliniken Europas, besitzt 3000 Betten.

Großklinik Belgrad

7.100 Ärzte sind im Belgrader Klinikum beschäftigt, das gerade gigantisch erweitert wird: um 930 Betten, zuzüglich 200 Betten für die Intensivstation und 72 Betten im Tageskrankenhaus. Und 30 neue OP-Säle werden gebaut.

Im Großklinikum Nis

Eine [private] Zahnklinik haben wir besucht, eine „Schönheitsfarm“,  zwei Kurorte. Der eine war der 160 Jahre alte, grüne Kurort Banja Koviljaca, der andere Vrnjaćka Banja. Nach und nach werden in diesem Blog Berichte über jede einzelne Station erscheinen. Und das Best Ager Special, das ich für touristik aktuell betreue und das am 23. September erscheint, wird einen großen Bericht über Serbien als Gesundheits-Reiseland enthalten.

 

Im Kurort Banja Koviljaca

 

 

 

 





Notizbuch: 50 Jahre touristik aktuell

12 08 2019

Auf welch merkwürdigem Weg ich Reisejournalist bei „test“ wurde

Montag, 12. August 2019

Wenn ich gefragt werde, wem denn die größte Leidenschaft meines Lebens gegolten habe – und damit nicht Frauen gemeint sind oder meine Kinder, sondern so etwas wie zwischen Hobby und Lebensziel -, dann heißt die Antwort seit mehreren Jahrzehnten: touristik aktuell. Ich liebe diese Fachzeitschrift und bin stolz darauf, zu denen zu gehören, die dafür schreiben. Jetzt ist das Blatt 50 geworden. Eine Sonderausgabe enthält einen Riesenschatz an Erinnerungen und Informationen.

Zwei Beiträge von mir sind dabei: einer über das Historische Archiv für Tourismus [„Das Gedächtnis des Tourismus“] und einer mit meinen Erinnerungen an den ungewöhnlichen Start als Reisejournalist, an die Arbeit bei der Stiftung Warentest und an 38 Jahre Redaktionsbüro Schwartz. Er trägt den Titel „Tourismus büffeln“. Hier ist der Text:

Als ich mich in Berlin vorstellte, um dort bei „test“ als Reisejournalist und nicht mehr bei den Aachener Nachrichten als Lokalredakteur zu arbeiten, war das der erste Flug meines Lebens. Das war 1972. Auch sonst war der Start in den Reisejournalismus ungewöhnlich. Sie suchten „einen erfahrenen Reisejournalisten“, schrieb die Stiftung Warentest in ihrer Anzeige. Ich sei ganz und gar kein erfahrener Reisejournalist, aber ein guter Journalist, räumte ich in meiner Bewerbung ein – und legte als „Beweis“ meine ganzseitige Reportage über die Geburt meines ersten Sohnes bei.

Ich bekam die Stelle. Und hatte drei Monate Zeit all das zu lernen, was ich über Tourismus nicht wußte. Welche Inseln gehören zu den Balearen? Was sind die Kanaren? Kann man in Kenia Strandurlaub machen? Ich büffelte Abend für Abend über den Prospekten, die ich mir von allen in (West-)Deutschland vertretenen Fremdenverkehrsämtern schicken ließ. Neun Jahre war ich bei der Stiftung Warentest. Wir inspizierten 3000 Hotels pro Jahr, um den Ist-Zustand mit den Katalogbeschreibungen zu vergleichen. Zu der Zeit gab es – heute undenkbar – eine regelrechte Katalogsprache. Da wurde eine sechsspurige Schnellstraße zum „Boulevard“. Und ein Hotel, in dem wegen der Diskothek die halbe Nacht Remmidemmi herrschte, wurde als „Haus für Unternehmenslustige“ bezeichnet. Eine „Zeit“-Reiseredakteurin hat damals über diese Täusch-Sprache eine Doktorarbeit geschrieben.

Dass ihr plötzlich derart auf die Finger geschaut wurde, gefiel der Branche natürlich nicht. Auf meiner ersten ITB – im nächsten Jahr ist es die 48. – wetterte der damalige Hauptgeschäftsführer des DRV von der Bühne gegen „Test“ und namentlich gegen mich. Und am letzten ITB-Tag verwüsteten Vertreter Berliner Reiseveranstalter den ITB-Stand der Stiftung Warentest.

Wie die Zeit vergeht. Und wie sie an einem nagt. So sah ich aus, als ich 1983 bei touristik aktuell anfing…

Als ich nach neun „Test“-Jahren mein Redaktionsbüro gründete, hatte die Branche längst ihren Frieden mit mir gemacht. Seit fast 30 Jahren ist das Redaktionsbüro eine GbR mit Sabine Neumann als Mitinhaberin. Es war der damalige Chefredakteur Werner Claasen, der mich 1982 als Berliner Korrespondenten für touristik aktuell verpflichtete. Viele Auftraggeber kamen und gingen seitdem, ta blieb immer meine große Leidenschaft. Dabei war es in den 80-er Jahren gar nicht so leicht zu recherchieren. Nicht wegen des noch fehlenden Internets, sondern weil es in West-Berlin viele Closed Shops gab. Ein Beispiel: „Wir wollen unter uns bleiben“, wurde mir beschieden, als ich mich zur Jahrespressekonferenz der Flughafengesellschaft anmelden wollte.

Ich habe mal versucht aufzulisten, welche Reiseveranstalter in den letzten Jahren verschwunden sind – weil sie Pleite gingen oder weil ihr Markenwert als zu gering eingeschätzt wurde. Die meisten Namen habe ich vergessen, nur nicht die Berliner: Berliner Flugring, Flugunion Berlin, Ischia Reisen, Unger Flugreisen… Scharnow ist mir natürlich auch in Erinnerung geblieben, Touropa, Twen Tours – und Tjaereborg. Als die Firma des dänischen Pfarrers Eilif Krogager aus dem Ort Tjaereborg Ende der 70-er Jahre auf den deutschen Markt drängte, hatte so mancher Veranstalter Angst vor dieser Konkurrenz. Mit ungewöhnlichen Marketing- und Vertriebsmethoden – Sonderangebote hingen vor der Düsseldorfer Zentrale auf Wäscheleinen – jagte ihnen der Newcomer viele Kunden ab. Bis er selbst an Bedeutung verlor, eine Marke der Rewe Touristik wurde und vor ein paar Jahren von der Bildfläche verschwand.