Notizbuch: Zeppelin

31 08 2017

Donnerstag, 31. August 2017

Soviel Zeppelin war schon lange nicht mehr: Horst Kleinert, einst Professor für Tourismusmarketing an der FU, glaubt fest an die Rückkehr der stolzen Luftschiffe als Reisevehikel. Deshalb hat er seinem Buch „Traumreise mit dem Luftschiff“ auch den Untertitel gegeben „Aufstieg, Fall und Rückkehr der Zeppeline“ – sic: …und Rückkehr.

Ich habe die Bilder mit Luftschiffen nicht gezählt, die der Autor auf die 104 Buchseiten verteilt hat. Aber ganz gleich, ob der Leser an eine Renaissance der Luftschiffe glaubt oder nicht, nehmen ihn diese Fotos gefangen: Luftschiffe in und über den Wolken, Luftschiffe auf Plakaten, Luftschiffe auf Postkarten, das komfortable Innenleben der Luftschiffe. Immer schwingt ein Hauch von großer Freiheit mit – und ein „Schade, dass es sie nicht mehr gibt“.

Luftschiffe, so schreibt der Autor, „haben seit eh und je die Menschen fasziniert.“ Wer Kleinerts Buch liest [Thurm Verlag, 14,90 Euro] wird Seite für Seite zum Luftschiff-Experten. Akribisch, gar detailversessen beschreibt der Autor die frühe touristische Luftfahrt und den Aufstieg der Zeppeline, dann deren große Zeit mit der „Graf Zeppelin“ und der „Hindenburg“ – bis zu der Hindenburg-Katastrophe in Lakehurst im Mai 1937.

Viel Raum gibt Kleinert den Visionen – was wäre, wenn es Lakehurst nie gegeben hätte? Was ist dran an den Gerüchten über den Bau neuer touristischer Luftschiffe? Wie viel wert sind die konkreten Pläne?

Noch vor einer Woche hätte ich auf das Thema „Luftschiffe“ mit einem Achselzucken reagiert. Aber Kleinerts Buch macht regelrecht süchtig nach den gigantischen Luxuslinern am Himmel. Aus einem Traum könne eine Vision werden und aus einer Vision Wirklichkeit. Horst Kleinert: „Wer weiß, möglicherweise blicken Sie und ich eines Tages aus dem Panoramafenster eines Kreuzfahrtschiffs des Himmels auf die Wunder dieser Welt.“

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Notizbuch: Waschweiber

29 08 2017

Dienstag, 29. August 2017

Na, zuerst war ich ja ein wenig beunruhigt, als wir beim abendlichen Spaziergang durch Bad Wildungen auf zwei waschechte Waschweiber trafen. Sie standen auf einer Mauer hoch über uns, im Hintergrund malerisch die gotische Stadtkirche. Ein wenig grimmig guckte eine von ihnen auf uns herab. Was hatten die Waschweiber mit uns vor? Schütten Sie uns vielleicht Waschwasser über den Kopf? Aber alles blieb harmlos. Die Waschfrauen-Führung wurde ein köstliches Erlebnis.

Von April bis September führt das Waschweiber-Quintett von Bad Wildungen diese Gästeführung durch, eine Art „Open-Air-Theater-Show“ unter dem Motto „Seifenschaum und Weibergewäsch“. Und Weibergewäsch gab es mehr als genug. Die fünf reizenden, ich möchte fast sagen: süßen älteren Damen schnatterten und tratschten.

40 Jahre Stadtgeschichte aus der Blütezeit des Heilbades zwischen 1880 und 1920 zogen an uns vorbei. Es wurden amüsante, peinliche und auch intime Begebenheiten aus dem Leben der erlauchten Gäste, also der Auftraggeber unserer Waschweiber, erzählt. Das Leben der Bediensteten in jener Zeit war hart. Leider haben wir erst am Ende der eineinhalbstündigen [und damit mindestens eine halbe Stunde zu langen] Show erfahren, dass es sich bei den Klatschgeschichten ausnahmslos um – wahre Begebenheiten [!] handelte.

Nach dem Zug vom Marktbrunnen aus durch die Gassen der Altstadt landeten wir mit dem Waschweiber-Quintett auf dem Hof des Stadtmuseums, wo Wäsche auf der Leine hing und weiter gewaschen und natürlich getratscht wurde. Ich wünsche mir, dass die Wildunger Waschweiber auf der nächsten ITB Berlin auftauchen und derart originell für Bad Wildungen und Nordhessen werben.





Notizbuch: der Bumm

26 08 2017

„Es war ein Bumm“, sagt Giannis Vasiliopoulos. Der frühere Seemann, heute 72 Jahre alt, meint damit die touristische Entwicklung der Insel Paros. Diese setzte um 1980 ein, fast explosionsartig. Vor 53 Jahren, als ich zum ersten Male nach Griechenland reiste und auf Paros strandete, befand sich Kykladeninsel noch im Dornröschenschlaf.

Naussa, wo Giannis seit 20 Jahren ehrenamtlich das – nach dem Sammler Dr. Othonas Kaparis benannte – kleine Folklore- und Heimatmuseum leitet, war damals ein kleines, traditionelles Fischerdorf. Es gab zwei kleine Hotels, in der Hauptstadt Parikia vier. Das frühere Xenia-Hotel in der Hauptstadt dient heute als Rathaus. Heute stehen den Touristen 138 Hotels zur Verfügung, darunter drei Häuser mit fünf und 18 mit vier Sternen. Dass die Gastgeber der Insel auf dem Teppich geblieben sind, zeigt der Rest der Quartiere: 30 Häuser haben drei Sterne, 71 nur zwei Sterne, 16 einen Stern. Wie viele Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Gäste-Villen es gibt, weiß niemand. Aber jetzt ist Naussa nicht nur voll von Restaurants und Bars, sondern auch voller Rooms to let und Studios. Gebaut werden darf maximal zweistöckig, und kein Quartier darf mehr als 50 Zimmer haben. Der Durchschnitt liegt bei 20 bis 25 Zimmern.

Naussa auf einer alten Postkarte [Foto: Maria Menzel]

Giannis Vasiliopoulos [rechts] zeigt mir seine Schätze [Foto: Maria Menzel]

Giannis hortet einen wahren Schatz von Belegen aus der Zeit vor dem großen Bumm: Fotos, Postkarten, alte Bücher. „Alles passiert so schnell“, philosophiert er, „alles war damals ruhig und klein“. Strom gab es früher nur von 21 bis 2 Uhr nachts. Giannis: „In zwei, drei Jahren ist Naussa dann ein bekanntes Dorf geworden.“

Eines aber ist gleich geblieben: Wie Orte auf anderen Kykladeninseln auch, strahlen die Häuser in beeindruckendem Weiß. Heute ist die traditionelle Farbe gesetzlich vorgeschrieben. Dazu ist Paros ein Blumenmeer. Die „Nähte“ zwischen den Steinplatten, mit denen die Gassen in den Orten auf Paros ausgelegt sind, wurden früher einmal im Jahr weiß nachgestrichen – heute machen sich die Inselbewohner viermal im Jahr die Mühe.

Ja, die Inselbewohner: Sie sind offen und kontaktfreudig. Die Parianer, früher alle Seeleute und Fischer, sind „bisher freundlich geblieben, vor allem die alten Leute“, sagt Giannis Vasiliopoulos. Auf Paros wohnen und arbeiten viele Leute, die nicht von der Insel kommen. „Die nicht lokalen Leute hier auf der Insel“, sagt Giannis, „sind vielleicht nicht so freundlich.“

 

 





Notizbuch: …wenn Europas Studenten reisen

22 08 2017

Dienstag, 22. August 2017

Wenn Studenten reisen, leben sie sparsam. 77 von 100 geben am Tag weniger als 50 Euro aus. . Hostels und Buchungen über Airbnb sind dabei die beliebtesten Unterkünfte. Das hat eine repräsentative Umfrage von Uniplaces ergeben, ein führendes Onlineportale für die Vermittlung von Studentenunterkünften. Untersuchung wurde europaweit und per Facebook durchgeführt.

Weniger als 30 Euro pro Tag auszugeben, gaben 44 Prozent der Befragten an. Die Portugiesen (54 Prozent) und die Spanier (51 Prozent) haben das kleinste Reisebudget. Nur knapp jeder Zehnte (9 Prozent) leistet sich tägliche Ausgaben zwischen 50 und 100 Euro, und lediglich 4 Prozent der Befragten haben mehr als 100 Euro zur Verfügung. Vor allem die Franzosen (9 Prozent) haben eine überdurchschnittlich prall gefüllte Reisekasse und verfügen über ein tägliches Budget von mehr als 100 Euro.

Die Umfrage zeigt:  Das Reisebudget europäischer Studenten wird am meisten durch Ausgaben für die Unterkunft und für Essen belastet, nämlich mit 47 Prozent. Die Portugiesen (34 Prozent) investieren mit Abstand am meisten Geld in die Unterkunft. Platz zwei belegen die Franzosen (22 Prozent). Auch beim Essen lassen sich die Südländer nicht lumpen: Fast jeder Vierte (24 Prozent) Franzose greift für kulinarische Genüsse besonders tief in die Tasche, dicht gefolgt von portugiesischen Studenten (20 Prozent). 19 Prozent geben ihr meistes Geld für kulturelle Aktivitäten und 16 Prozent für Verkehrsmittel aus. Laut der Umfrage mindern Ausgaben für Parties (8 Prozent), Outdooraktivitäten (8 Prozent) und fürs Shopping (2Prozent) die Urlaubskasse hingegen nur gering. Die Franzosen (29 Prozent) und die Spanier (20 Prozent) sind hingegen echte Shoppingliebhaber.

Die Unterkunftskosten stellen zwar für fast ein Viertel (24 Prozent) die höchste Ausgabe im Urlaub dar, dennoch bevorzugen Studenten eher kostengünstige Schlafmöglichkeiten wie Hostels oder Privatunterkünfte über Airbnb – 61Prozent. Vor allem Portugiesen (37 Prozent) übernachten gerne in Hostels, Privatunterkünfte über Airbnb sind vor allem bei Franzosen (40 Prozent), Italienern (38 Prozent) und Spaniern (29 Prozent) beliebt. Im Vergleich: Nur jeder Fünfte der Befragten (20 Prozent) bucht ein Hotel. Auch Camping (8 Prozent), Couchsurfing (7 Prozent) sowie Übernachtungen bei Freunden oder der Familie (4 Prozent) stellen für Studenten echte Alternativen dar. Besonders die Deutschen (7 Prozent) kommen gerne bei Freunden und Verwandten unter.

Noch ein Wort zu Uniplaces: Das ist nach eigener Darstellung „die am schnellsten wachsende internationale Website zur Buchung von Studentenunterkünften“. Der Online-Marktplatz ermögliche Studenten, „einfach und sicher eine Unterkunft zu finden und zu buchen“. Vermietern biete Uniplaces „eine vertrauensvolle Plattform, um internationalen Studenten ihre Mietobjekte anzubieten“. Uniplaces arbeitet eng mit Universitäten und professionellen Anbietern von Unterkünften zusammen. Gegründet im Jahr 2013 unterhält das portugiesische Unternehmen heute Büros in Berlin, Lissabon, London, Madrid und Mailand und beschäftigt über 130 Mitarbeiter.





Notizbuch: Schneewittchens harter Kern

15 08 2017

Dienstag, 15. August 2017

Kinderarbeit, das ist das Thema, das den pensionierten Berufsschullehrer Eckkard Sander aus Borken in Nordhessen seit vielen Jahren umtreibt. Und das kam so: Als das frühere Kupferbergwerg im Bad Wildunger Ortsteil Bergfreiheit nach zehnjähriger Planungs- und Sicherungsarbeit 1974 für Besichtigungen freigegeben wurde, war auch Eckhard Sander mit seinen Kindern unter den Besuchern. Sie bekamen einen Schrecken, als der Bergwerksführer dem staunenden Publikum erzählte, dass früher auch Kinder in dem 1561 gegründeten und wohl schon Ende des 16. Jahrhunderts aufgegebenen Bergwerk geschuftet hätten.

„Das hat mich erschüttert“, sagt Eckhard Sander [kleines Foto] heute. Aber das sei doch nur Spaß gewesen, um den Besuch interessanter zu machen, versicherte ihm der Bergwerksführer auf Nachfrage. Doch da hatte sich die Vorstellung schon in Eckhard Sanders Kopf eingebrannt und seitdem nicht mehr losgelassen. Bei einer Führung durch das Besucherbergwerk erscheint logisch, dass auch Kinder in dem Bergwerk arbeiten mussten, um das Erz aus den teilweise nur 30 Zentimeter hohen Schürfgängen herauszuholen. Im Laufe der Jahre hat der Amateurhistoriker viele Belege für Kinderarbeit gefunden, das Besucherbergwerk in Bergfreiheit war kein Einzelfall: „Die Kinder sahen in den Bergwerken 14 Stunden lang kein Sonnenlicht, arbeiteten liegend im Feuchten und waren schlecht ernährt.“ Sie blieben im Wachstum zurück, wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, „dass sie im Berg zum Greis wurden“ (Sander).

Zum Schutz gegen Steinschlag trugen sie eine Art Zipfelmütze. Wem fielen da nicht die sieben Zwerge aus dem Märchen Schneewittchen ein. Im Märchen, das die Brüder Grimm ja nicht erfunden haben, sondern von denen ihnen verschiedene Fassungen zum Sammeln zugetragen wurden, leben sie in einem „Zwergenhaus“: „Da stand ein weißgedeckter Tisch, …und ferner waren an der Wand sieben Bettchen“ – an der Wand im Wohn- und Esszimmer und nicht in einem eigenen Schlafzimmer. Das ist genau der Grundriss der Bergmannshäuser, die es in Bergfreiheit gab – und des historischen „Schneewittchenhauses“ im Ort, in dem eine bildhübsche Schneewittchen-Darstellerin mit sieben Zwergen – goldigen Kindern mit angeklebtem Bart und roter Zipfelmützen – an einem weißgedeckten Tisch sitzt.

Apropos: Schneewittchen fehlt noch auf der Suche nach historischen Quellen zum Märchen. Auch die hat Eckhard Sander gefunden. Der Gründer des Bergwerks in Bergfreiheit war Graf Samuel von Waldeck, der auf Schloss Friedrichsstein in Bad Wildungen residierte. Der hatte eine schon in zeitgenössischen Dokumenten als wunderschön beschriebene Schwester, Margarethe von Waldeck. Mit 16 wurde sie zur standesgemäßen Erziehung nach Brüssel an den Hof der Königin Maria von Ungarn und Böhmen geschickt, Schwester Kaiser Karls V. und dessen Statthalterin in den spanischen Niederlanden. Eckhard Sander: „Zieht man von Wildungen nach Brüssel eine Linie, führt diese durch das Siebengebirge“ – Schneewittchens sieben Berge.

Eckhard Sanders hat in den Archiven „in Brüssel, Wien und Spanien viele Belege gefunden“, die vermuten lassen, dass sich zwischen der schönen, blutjungen  Margarethe und dem Infanten Philipp von Spanien eine romantische Liebesgeschichte entwickelte. Doch diese konnte am Hof keinen Gefallen finden: Philipp war katholisch, Margarethe protestantisch, er der Sohn des Kaisers, sie eine kleine Gräfin. Zudem hatte der Kaiser seinen Sohn der Maria Tudor versprochen, der Tochter Heinrich VIII. Margarethe starb mit 21 Jahren und wurde wahrscheinlich vergiftet, wie nicht nur die zittrige Unterschrift unter ihrem Testament zu belegen scheint. Margarethe schrieb: „Mein Gemüt und mein Kopf sind gesund, mein Körper ist blöd…“ Die Vermutung der Nachwelt: Arsen!

Nordhessen, die Heimat der Brüder Grimm, ist reich an märchenhaften Orten. Aber nur selten lässt sich der harte Kern eines Märchens so präzise herausschälen wie bei Schneewittchen.  „In der Berglandschaft des Hohen Meißner sind die Märchen und Sagen der Frau Holle noch lebendig,“ verrät Annemarie Huck, die seit drei Jahren in Hessisch-Lichtenau und Umgebung die Frau Holle gibt. Sie führt Groß und Klein über den knapp zwei Kilometer langen Frau Holle-Rundweg mit zwölf Erzähl-Stationen. Station Nummer 9 ist das im Historischen Rathaus 2011 eingerichtete Holleum, eine museumsdidaktisch hervorragende Ausstellung mit den „vier Welten der Frau Holle“: Die Meißnerwelt zeigt die Orte um den Hohen Meißner, über die Frau Holles Sagen berichten; in der Kräuterwelt werden die heilenden Kräuter vorgestellt, die mit Frau Holle in Verbindung gebracht werden; in der Märchenwelt haben die Figuren des berühmten Grimm-Märchens von Frau Holle das Sagen; im vierten Bereich beherrscht der wilde, wüste Zug der Frau Holle während der Rauhnächte, die Nächte um den Jahreswechsel, den Raum. Annemarie Huck: „Frau Holle ist nicht nur Märchenfigur, sondern auch Sagengestalt und Göttin und Riesin.“

Eine andere Märchenfigur hat in der Sababurg ihr Zuhause gefunden, die sich „Dornröschenschloss“ nennt. Es ist genau 60 Jahre her, dass die Großeltern des heutigen Pächters Günther Koseck die damalige Schlossruine im Reinhardswald zum Dornröschenschloss wachgeküsst haben. Seitdem ist es anheimelndes Hotel, hochfrequentiertes Ausflugsziel und begehrte Eventlocation in einem. Das Schloss hat keinerlei direkten Bezug zum Dornröschen-Märchen – aber man könnte sich gut vorstellen, und die Besucher tun das auch gerne, dass die Märchenfigur in solch einem Schloss gelebt und hundert Jahre geschlafen hat. Dabei überlässt der Schlossherr nichts dem Zufall. Er arrangiert Theaterspiele in der beeindruckenden Pallas-Ruine und Auftritte von Dornröschen mit ihrem Prinzen beim Dinner. Geliebt sind die Dornröschen-Führungen durch den Schlossgarten, und wenn die Gäste ein Erinnerungs-Centstück in den Schlossbrunnen werfen, hat er ihnen vorher nietundnagelneue, blinkende Ein-Cent-Münzen in die Hand gedrückt. Die hat er sich bei der Europäischen Zentralbank besorgt. Auch Rosen spielen in seinem Marketingkonzept eine große Rolle – in beeindruckender Vielfalt im Schlossgarten und als Rosen-Konfitüre, Rosen-Likör, Rosen-Tee oder Rosen-Schokolade beim Souvenirverkauf. Mit solchen Andenken vom Tartan-Kissen, bestickt mit dem Motiv „Dornröschenschloss Sababurg“, bis zum Rezeptbuch „Grimm’sche Kochereien“ macht er zwölf Prozent des Umsatzes.

Noch viel Märchenhaftes ist in Nordhessen zu entdecken, der Urwald Sababurg beispielsweise mit seinen gewaltigen Eichen,  um die sich Legenden ranken; Dieter Usselmann als Ritter Dietrich erweckt sie auf seinen Führungen wieder zum Leben. Oder eine Führung durch Hofgeismar mit Dr. Claus Schubert als stolzer Hauptmann der Stadtwache, der Dorothea Viehmann erzählt, einer ganz wichtigen Quelle für die Märchensammlung der Brüder Grimm. Dieser hat ihr Großvater Märchen aus der Zeit der hugenottischen Einwanderung erzählt. Und sie hat, wie der Hauptmann der Stadtwache weiß, „die Märchen, die immer einen historischen Kern haben, weiterentwickelt und in sie pädagogische Botschaften verpackt“.

Die Reise durch das nordhessische Märchenland darf nicht ohne einen Besuch der Grimmwelt in Kassel enden. Architektonisch ein großer Wurf und seit der Eröffnung vor knapp zwei Jahren ein Publikumsmagnet, erschließt dieses Grimm-Museum die Geisteswelt der beiden Sprachforscher, die unermüdlich am Deutschen Wörterbuch gearbeitet haben. Ihre Sammlung von Kinder- und Hausmärchen ist nur ein kleiner Teil ihres Lebenswerkes. Eine der Höhepunkte der Ausstellung ist ein wundersamer Spiegel, dem der Besucher die Frage stellen soll: „…wer ist die schönste im ganzen Land“. Die Antwort aus dem Spiegel wird er sein Leben lang nicht vergessen.

Information: http://www.nordhessen.de/de/ferienregionen

Unter http://www.meinecardplus.nordhessen.de/de/gastgeber-meinecardplus sind die Gastgeber der Region aufgelistet, die ihren Gästen die Gästekarte MeineCardPlus schenken. Diese Karte kann nicht gekauft werden. Sie gilt vom Anreisetag bis zum Ende des Abreisetages, ermöglicht freien Eintritt in zahlreiche Freizeiteinrichtungen und Sehenswürdigkeiten und ist zudem das Ticket für die freie Fahrt mit Bussen und Bahnen des nordhessischen Verkehrsverbundes.

Dieser – mein – Text ist bis auf wenige Kürzungen vergangenen Samstag in der deutschlandweit erscheinenden Tageszeitung „Neues Deutschland“ erschienen.





Notizbuch: auf jeden Hotelgast kommt ein Couch-Tourist

10 08 2017

Donnerstag, 10. August 2017

Jetzt weiß ich auch, warum es am Tauentzien immer so voll ist: Jeden Tag strömen 300000 Tagesbesucher in die Stadt, und die besuchen bekanntlich in erster Linie die Einkaufsstraßen. Das ist nur eine Zahl aus den erstaunlichen Informationen, die Wirtschafts-Senatorin Ramona Pop und Burkhard Kieker, Chef der Berlin-Werber visitBerlin, heute herausgaben.

Die Tourismuswirtschaft Berlins hat einen neuen Umsatzrekord erzielt: Der Bruttoumsatz durch Berlin-Besucher ist in den letzten zwei Jahren um rund eine Milliarde Euro auf 11,58 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. Das ergibt die neue Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus 2016, die im Auftrag von visitBerlin von der dwif-Consulting GmbH erstellt wurde. Im ersten Halbjahr 2017 setzte sich der positive Trend fort: Die Zahl der Übernachtungen in den Hotels und Pensionen stieg moderat auf  14,7 Millionen. Die wachsenden Zahlen schlagen sich natürlich in steigenden Umsätzen nieder. „ Berlin wird international als Stadt der Freiheit und der Toleranz wahrgenommen“, betonte die Wirtschaftssenatorin – und versprach: „Wir werden für Akzeptanz und Stadtverträglichkeit weiterarbeiten.“

Ein näherer Blick auf das Zahlenwerk: 56 Prozent der Berlin-Gäste im ersten Halbjahr kamen aus dem Inland, 44 Prozent aus dem Ausland. Burkhard Kieker: „Die Zahlen aus unserem wichtigsten Markt, Deutschland, wachsen stabil.“ In den Auslandsmärkten spiegelt sich die weltweite Verunsicherung wider. Während im ersten Halbjahr 2017 die Besucherzahlen aus Frankreich und Großbritannien stiegen, waren die Zahlen aus Dänemark, den Niederlanden und Italien rückläufig. Von Übersee kamen aber mehr Besucher nach Berlin. Die Zahl der Übernachtungen aus den USA stieg um 8,7 Prozent, die chinesischer Gäste sogar um 17,3 Prozent.

Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der Gäste, die zu einem Kongress nach Berlin reisten. Im ersten Halbjahr 2017 kamen 4,96 Millionen Kongress- und Fachbesucher zu 64.000 Veranstaltungen Die Business-Gäste übernachteten 3,9 Millionen Mal in Berlin – ein Plus von 8 Prozent. Damit wurde ein Viertel aller Hotelübernachtungen in der Hauptstadt von Kongressteilnehmern gebucht.

Es reisen nicht nur mehr Gäste in die Stadt – sie geben auch mehr Geld aus als noch vor zwei Jahren. Im Durchschnitt lässt jeder Berlin-Besucher pro Tag 64,89 Euro in der Stadt. Bei Hotelgästen liegt der Betrag sogar bei 205,80 Euro pro Tag. Gäste, die bei privaten Vermietern wohnen, geben durchschnittlich am Tag 107,50 Euro aus. Dadurch profitieren zahlreiche Branchen vom Tourismus. 48 Prozent des touristischen Umsatzes fließt dem Berliner Gastgewerbe zu. Jeden dritten Euro geben die Gäste im Einzelhandel aus. Der Rest – rund 20 Prozent – entfällt auf Dienstleistungen, wie den öffentlichen Nahverkehr und Veranstaltungstickets.

Dank der dwif-Studie haben es Zweifler jetzt schwarz auf weiß: Auf jedes gebuchte Hotelbett kommt mindestens ein Gast auf dem Schlafsofa. Konkreter: Zu den 31 Millionen Übernachtungen, die 2016 in der Hotellerie registriert wurden, kommen laut der Studie 33,2 Millionen Übernachtungen von Besuchern, die bei Freunden und Verwandten übernachten. Knapp fünf Millionen Übernachtungen entfallen zusätzlich auf Gäste, die bei Privatvermietern oder im Bereich der sogenannten Sharing Economy buchten. Bleibt zu hoffen, dass den Berlinern die Nachfrage nach ihrer Stadt und deren Beliebtheit nicht bald so über die Hutschnur geht, wie den Bewohnern der In-Destination Barcelona, von denen sich viele zu Tode geliebt fühlen.





Notizbuch: in zwei Jahren um die Welt

5 08 2017

Samstag, 5. August 2017

Er ist mir der liebste Touristiker, den ich kenne [und ich kenne viele]: Kadir Ugur, Gründer und mit seinem Sohn Deniz [noch] Chef des Reiseveranstalters Bentour, einer der letzten „Bauchtouristiker“ der Branche. Er ist ein Mann mit Charme und Charisma, mit Hirn und Herz. Ich hatte vor einem Jahr das Vergnügen, mit ihm, seinem Skipper und drei Kolleginnen eine Woche auf seiner BenSwissYacht zu verbringen. Die gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche werde ich nie vergessen. Jetzt macht sich Kadur mit seiner geliebten Jacht auf zur Weltreise. Von der Branche hat er sich mit diesem anrührenden Brief verabschiedet:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Partner und liebe Freunde, nach über 50 Jahren Berufstätigkeit in der Touristik wird es für mich Zeit, dieser schönen Branche „leb Wohl und auf Wiedersehen!“ zu sagen und mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem aktiven Geschäft zurückzuziehen.

Da mir der Abschied nach all den Jahren doch sehr schwer fällt, habe ich mir ein neues Ziel gesetzt, das mir den Abschied etwas leichter machen wird. Kommende Woche laufe ich mit der BenSwissYacht in Antalya aus und begebe mich auf die Abenteuerreise meines Lebens: meine große Weltumsegelung.

Viele spannende Länder, Menschen, Abenteuer und eine lange Reise befinden sich vor mir. Ich glaube und hoffe, die vor mir liegende Strecke in gut zwei Jahren erfolgreich zu meistern, um nach meiner Rückkehr noch einige Jahre Bentour als Verwaltungsratspräsident zur Seite stehen zu können.

Mir ist ein großer Trost und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich ein starkes Team mit vielen erfahrenen, fleißigen und treuen Mitarbeitern zurücklasse. Und ich weiss, dass mein Sohn Deniz, der Bentour seit mehr als 10 Jahren an meiner Seite führt, mit diesem Team für viele weitere erfolgreiche Jahre BentourReisen sorgen wird.

Neben meinem Sohn und seinem Team gilt mein Dank aber insbesondere auch der gesamten Branche: den Reisebüros, der Presse, Airlines, Hoteliers, Incoming-Agenturen, uns partnerschaftlich verbundenen Veranstaltern und all den vielen weiteren Wegbegleitern und -bereitern. Sie alle machen es mir besonders schwer, mich in den Ruhestand zu verabschieden.

Ich danke Ihnen allen für das Vertrauen, dass Sie in uns gesetzt haben und bin mir sicher, dass dieses Vertrauen auch weiterhin Basis für eine gute Zusammenarbeit zwischen Bentour und Ihnen sein wird.

Vielen Dank für die schönen gemeinsamen Jahre und vielleicht sehen wir uns auf der ITB 2019.