Notizbuch: Travelzoo ist kein Zoo

6 05 2019

Was hinter der Organisation mit dem auffallenden Namen steckt

Montag, 6. Mai 2019

Travelzoo? Was ist denn das? Ein Tierpark mit erlaubten oder verbotenen lebenden Reisemitbringseln? Ein Zoo mit Tieren aus aller Welt, denen man beim Reisen begegnet? Spaß beiseite: Travelzoo ist ein Internet-Unternehmen, das Angebote von über 2.000 Unternehmen der Reise- und Unterhaltungsbranche und von lokalen Unternehmen wie Restaurants oder Spase veröffentlicht. Klingt ganz einfach, ist aber ein ziemlich komplizierter Vorgang.

Travelzoo ist seit 20 Jahren auf dem Markt. „Aber man kennt uns kaum“, sagt Viktoria Prantauer, Pressesprecherin des Unternehmens, „wir müssen sichtbar werden.“ Sichtbar wie beispielsweise auf der letzten ITB, als Travelzoo auf dem ITB-Kongress eine hochinteressante Studie zum Overtourism präsentierte. Das Unternehmen, das seit 2006 auch in Deutschland – und seit 2012 in Berlin – vertreten ist, investiert viel in Personal und 1A-Lage der Büros [in Berlin immerhin am Pariser Platz], aber weniger in Marketing. Die agile Tirolerin Viktoria Prantauer scheint fest entschlossen, ihrer Firma einen tüchtigen Schub in Richtung Popularität zu geben.

Travelzoo, „eher ein Marketingkanal als ein reines Verkaufstool“ [Prantauer] ist global an 25 Standorten in Nordamerika, Asien und Europa vertreten und hat 28 Millionen Mitglieder. In Deutschland sind es immerhin 2,2 Millionen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Mitglieder – das sind die Kunden, die die Angebote der 2000 Firmen, die für die Veröffentlichung ihrer Reise- und Lifestyl-Angebote zahlen. Da kann nicht jeder und jedes Angebot kommen. „Qualität wird bei uns großgeschrieben“, versichert die Pressesprecherin, „wir sind keine Resterampe.“ Da jedes Angebot ein strenges Checkprogramm durchläuft, ehe es von Travelzoo an die Mitglieder verschickt wird, nennt sich Travelzoo „Herausgeber kuratierter Angebote“.

Vom Sales Team werden die in Frage kommenden Angebote den Dealexperten vorgelegt, die lesen, recherchieren, prüfen. Die nächste Station ist das Publishing, das man sich wie eine Redaktion mitsamt Chefredakteur vorstellen muss. Dann gibt es noch ein Buchungscenter, das Testbuchungen vornimmt und Fragen klärt wie: Gibt es überhaupt eine Verfügbarkeit der Angebote? Wie lange sind sie verfügbar. Auch das Prüfmittel des Mystery Shopping wird angewandt, also das anonyme Einkaufen von Prüfmustern.

Die Angebote werden über soziale Medien und den jeweils mittwochs um 11 Uhr erscheinenden Newsletter publiziert. „Zwischendurch gibt es bei einzelnen Angeboten Breaking News“, fügt Viktoria Prantauer hinzu. Sie ist übrigens eine der 15 Berliner von insgesamt 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Von ihr, so schätze ich, werden wir noch viel hören.

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Notizbuch: Bilder eines schönen Tages

28 04 2019

Unvergessliche Jugendfeier meines Enkels

Sonntag, 28. April 2019

Die Jugendfeier fand gestern, 27. April, im Nikolaisaal Potsdam statt

Im Programm war für jede[n] etwas dabei

Danach die private Feier – auch sie war gelungen…

Innige Freundschaft. [Links meine Tochter]

Meine beiden Enkel mit Torte und Papa

Ich bin stolz auf meinen Enkel!





Notizbuch: drei Bürostühle

25 04 2019

Die Wahnsinnsgeschichte einer Internet-Bestellung

Donnerstag, 25. April 2019

Dies ist die Geschichte einer Fehlbestellung im Internet. So etwas ist doch kein Problem, wird sich jeder denken. Dann kann man doch einfach die Bestellung stornieren. Von wegen…

Die Firma, bei der ich seit 30 Jahren mein Büromaterial bestelle, bot im Internet einen „rückenfreundlichen“ Bürostuhl an – zum Sonderpreis, bestellbar bis dann und dann. Gut dachte ich, das ist genau das Angebot: mein kaputter Bürostuhl und mein kaputter Rücken, das passt nicht gut zusammen.

Beim Bestellen habe ich einen Fehler gemacht und aus Versehen offensichtlich zweimal auf den Bestellbottom geklickt. Das habe ich erst festgestellt, als ich die Bestellbestätigung erhielt. Also war ein Bürostuhl zuviel, ich habe ja nur einen Po und einen Rücken. Also: stornieren! Nun gab der Stornobefehl aber nicht die Möglichkeit, nur  e i n e n  der beiden Stühle zu stornieren. Also stornierte ich beide und bestellt einen einzelnen Stuhl.

Uff, das war aufregend. Als ich merkte, dass da keine Stornobestätigung kam, rief ich die Kundenbetreuung der Firma an. Nein, Sie können diese Bestellung nicht stornieren [warum auch immer…], war die Auskunft. Der Rat: die Lieferung abwarten, dann die Firma anrufen, die die Rückholung der zwei zuviel gelieferten Stühle  veranlassen würde.

Kaum hatte ich das Telefonat beendet, kam per email eine Stornobestätigung: Sie haben uns gebeten, Ihre Bestellung zu stornieren. Das haben wir sofort für Sie erledigt. Wir bedauern diese Stornierung und wünschen uns, dass Sie weiterhin bei uns bestellen. Prima, dachte ich.

Bis am nächsten Tag drei [d r e i] riesige Pakete ankamen. Von wegen Storno. Also rief ich die Firma wieder an – ja, kein Problem, hieß es, wir lassen zwei der Stühle wieder abholen. Sind Sie übermorgen zuhause? Das war ich. Und am Spätnachmittag klingelte es, es war der Abholbote. Der weigerte sich, zwei Stühle mitzunehmen, er hatte nur einen Rücknahmezettel. Also wieder angerufen. Oh sorry, ein Fehler, wurde mir erzählt. Nun, darauf war ich auch schon gekommen.

Wann ich denn zuhause sei, wurde ich gefragt. Meine Antwort: Am Freitagnachmittag. Das geht nicht, hieß es, wir können nur ganze Tage eintragen. Also einigten wir uns auf Montag.

Als es Freitagnachmittag wurde, klingelte es: Der Abholer für den Stuhl war [doch schon] da.

Uff. Geschafft.

Von wegen: Ein Anholer kam noch Montag und Dienstag und Mittwoch. Obwohl ich einen Hinweis an die Tür geheftet hatte: der Stuhl sei schon abgeholt. Der letzte Abholer warf meinen Zettel in den Briefkasten. Darauf hatte er vermerkt: welchen Stuhl?





Notizbuch: Station „Akropoli“

18 04 2019

Bei Regen und bei Sonnenschein: Das Athener Akropolis Museum ist immer gut besucht

Donnerstag, 18. April 2019

Aprilwetter in Athen. Gestern konnte ich noch herrlichen Sonnenschein genießen. Heute bin ich auf dem kurzen Weg von der Metro-Station „Akropoli“ bis zum Eingang des Akropolis Museums pitschnass geworden. Als ich am Museum ankomme, ist die Hölle los.

Unter dem breiten Vordach des Museums drängt sich Warteschlange an Warteschlange. Touristengruppen, Schulklassen, Einzelbesucher oder Paare, die sich in diesem Massenandrang offensichtlich ziemlich verloren vorkamen.

Ehe mich dieses Gefühl befallen kann, zücke ich meinen Presseausweis und erkläre dem Security-Mann am Eingang mein Anliegen: Ich bin mit dem Chef des Museums verabredet, und wenn ich mich brav anstelle, verpasse ich mein Date. Der Sicherheits-Mann verweist mich an einen Mann, dessen Schild am Revers ihn als Mitarbeiter des Museums ausweist. Der unterbricht seine Arbeit, nämlich eine gewisse Ordnung in die Warteschlangen zu bringen, und weist mir den Weg ins Museum an den Warteschlangen vorbei.

Innen ist, wie gesagt, ist die Hölle los. Die Eingangshalle ist schwarz vor Menschen. Gruppen und Einzelbesucher drängen sich in Richtung Kassen. Lehrer und Lehrerinnen dirigieren Schulklassen, die erstaunlich brav sind, um das schreckliche Wort „diszipliniert“ zu vermeiden. Die Kinder freuen sich sichtlich auf den Museumsbesuch. Unter den Touristengruppen befindet sich ein Paar mit einem schlafenden Baby auf dem Arm. Vor einem gigantischen Bildschirm sitzt eine Kindergruppe und sieht sich staunend Aufnahmen von einer Ausgrabung an. Ich sehe keine Handys.

Ich habe noch etwas Zeit und schlendere durch den Souvenirladen im Erdgeschoß. Was wird hier nicht alles angeboten: Abgüsse von antiken Statuen und Köpfen in Originalgröße, Nachbildung von Schmuck, wie ihn in der Antike die Athenerinnen trugen, Plüschbären, Tassen, Notizbücher, Literatur. Der „akropolis-museum führer“ ist gleich –zigfach ausgestellt. Das 320 Seiten dicke Buch – das auch in ausgezeichneter deutscher Übersetzung vorliegt – ist so etwas wie ein Muß für jeden Museumsbesucher. Die Texte sind ausgezeichnet und einleuchtend, die Fotos und Illustrationen hervorragend. Und der Preis von 15 Euro ist für ein solches Werk extrem niedrig.

Dann begrüßen wir uns, Prof. Dimitrios Pandermalis und ich. Er trägt als Chef des Akropolis Museums übrigens den [Ehren-]Titel „Präsident“. Wir kennen uns von mehreren Interviews. Einmal hat mich der Museumschef eine der Karyatiden – der das Dach stützenden Frauenfiguren – vom Erechtheion auf der Akropolis streicheln lassen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar Die Figuren wurden gerade im Museum unter einem Zeltdach mit Laserstrahlen gereinigt. Prof. Pandermalis ist ein freundlicher, gebildeter und gescheiter alter Herr; ich darf das sagen, wir haben das gleiche Alter. Als Archäologe genießt er einen ausgezeichneten Ruf. Unter anderem leitete er die Ausgrabungen von Dion am Rand des Olymps mit Heiligtümern und Bauwerken aus hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit. Einen Teil seines Studiums hat er in Freiburg absolviert und spricht deshalb ausgezeichnet Deutsch.

Wir fahren hinauf ins Restaurant und nehmen am für den Chef dauer-reservierten Tisch Platz, um köstliches griechisches Backwerk zu naschen, dessen Name mir entfallen ist. „Hier ist ja heute etwas los,“ beginne ich die Unterhaltung, „aber es ist ja auch ein Regentag.“ Die Antwort erstaunt mich: „Das hat mit dem Wetter nichts zu tun. Wir haben jeden Tag bis zu 5.000 Besucher.“ Am 6. April, einem ganz normalen Samstag, kamen sogar 9.000 Kunstinteressierte. Das summiert sich pro Jahr zu 1,8 Millionen Gästen. Zum Vergleich: Die fünf Museen der Museumsinsel in Berlin registrierten 2017 zusammen 2,3 Millionen Besucher. Die Hälfte der Besucher im Akropolis Museum ist Ausländer.

 

Tickets, Souvenirs, Restaurants und Cafés – die Einnahmen sind so hoch, dass das Museum – für mich eines der schönsten, die ich auf der Welt gesehen habe – sich selbst trägt. Das Museum kommt ohne Zuschüsse aus – und damit ohne staatliche Einflüsse. Dimitrios Pandermalis muss sich nicht verbiegen.

Bald bekommen die Besucher noch viel mehr zu sehen: Die Ausstellung unter dem Museum wird ab dem 20. Juni zugänglich sein. „Das wird ein Spaziergang durch die Grabung“, sagt Professor Pandermalis – durch die Grabung beim Bau des Museums. Es folgt eine 35 Meter lange Vitrine mit Fundstücken. Ein Video dokumentiert die Grabung. Pandermalis lässt 20 Kurzvideos drehen – zur Geschichte der Akropolis beispielsweise oder zur Frage, „wie lange der Parthenon intakt war“.

 





Notizbuch: ENIT mit neuem Schwung

14 04 2019

Ein neuer Präsident soll’s richten: Giorgio Palmucci

Die Zusammenarbeit von Privatsektor und Öffentlicher Hand im Italien-Tourismus zu fördern – das hat sich Giorgio Palmucci fest vorgenommen. Der studierte Ökonom ist frischgebackener Präsident der Agenzia nazionale italiana del turismo ENIT, jener ehrwürdigen Tourismusorganisation, die dieses Jahr ihr Hundertjähriges feiert.

Als Präsident steht er an der Spitze des dreiköpfigen ENIT-Vorstands. Das sei kein repräsentativer Posten, erklärt der 57-jährige und räumt lachend ein: „Ich habe die Macht“. Er sei jetzt „rechte Hand“ des Tourismusministers Gian Marco Centinaio, merkt eine Mitarbeiterin an. Giorgio Palmucci kommt aus der Praxis. So ist er ehrenamtlich als Präsident und Vizepräsident  in verschiedenen Branchenverbänden und Hotelorganisationen tätig. Im Hauptberuf arbeitet er in der von ihm gegründeten Hotelkette TH Resorts, die in ganz Italien Quartiere im Vier- und Fünf-Sterne-Segment anbietet.

„Der Tourismus in Italien ist regional organisiert“, sagt der neue ENIT-Präsident. Um ihn nach vorne zu bringen, wolle ENIT mit Regionen, Firmen und auch Auslandsbotschaften zusammen arbeiten. Mit dem deutschen Sprichwort „Neue Besen kehren gut“ konfrontiert und nach seinen Plänen gefragt, weicht er aus: „Um etwas zu ändern ist es noch zu früh.“ Aber dann verrät er doch, dass er „Nischenprodukte weiterentwickeln“ will:  Aktivurlaub, Luxus, Wellnes und Golf.

Dabei ist ihm bewusst, wie wichtig der deutschsprachige Markt mit zwölf Millionen Besuchern im Jahr ist. Die ENIT-Marktforschung hat sich gerade mit zwei Zielgruppen auf dem deutschen Markt näher befasst: den Millennials und den Best Agern. Es sind immer mehr Millennials, die in Italien Aktivurlaub suchen, sie haben einen Anteil von über 27 Prozent. Fast 23 Prozent der deutschen Feriengäste sind Best Ager über 60 Jahre, die alleine oder in Begleitung reisen. Das sind zahlungskräftige Touristen: 45 Prozent haben ein Budget von über 3.000 bis 5.000 Euro im Monat, elf Prozent beziehen über 5.000 Euro Gehalt im Monat.

Der Strategie des neuen ENIT-Präsidenten kommt der reiche Veranstaltungskalender der süditalienischen Stadt Matera in der Basilikata als Kulturhauptstadt Europas entgegen: Die 60 Veranstaltungen und Projekte stehen unter den Mottos „Together“ und „Open Future“ und sollen Mitwirkende aus der Stadt, der Region, Italien und Europa zusammenbringen. Matera ist für seine Felsenkirchen und den Felshöhlen berühmt, den Sassi. Die Sassi, einst Arme-Leute-Behausungen, waren bis in die 1950-er Jahre bewohnt und stehen seit 1993 auf der Unesco-Weltkulturerbe-liste.

Kulturell interessierte Touristen werden in diesem Jahr von den Veranstaltungen angelockt, die mit dem 500. Todestag von Leonardo da Vinci zusammenhängen. Vor allem in Mailand und Florenz, zwei Wirkungsstätten des Universalgenies, laufen Sonderausstellungen.

Giorgio Palmucci, der verheiratet ist, zwei Hunde besitzt und als Hobby „Ich reise gerne“ angibt, erinnert an zwei weitere Kulturdaten, die in seiner Italien-Promotion eine große Rolle spielen werden: Im kommenden Jahr jährt sich der Todestag des Renaissancemalers Raffael zum 500. Mal, und ein Jahr später gilt es, Dante zu feiern, dessen Todestag sich dann zum 700. Mal jährt.

Mein Bericht ist in leicht gekürzter Fassung und ohne Fotos in touristik aktuell erschienen, Ausgabe 12/2019, vom 1. April

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Notizbuch: Hellas im Höhenflug

9 04 2019

Auch 2019 wird wieder ein Griechenland-Rekordjahr

2018 war das beste Jahr in der Geschichte des griechischen Tourismus. Die Zahl der Ankünfte – inklusive der Kreuzfahrten – hat die 33 Millionen-Grenze überschritten. Dies in einem Jahr, „in dem sich unsere Nachbarziele erholt haben“, wie die griechische Tourismusministerin Elena Kountoura betont.

Im zweiten Jahr hintereinander betrug das Plus der Deutschen, die nach Griechenland reisten, 18 Prozent. 4,4 Millionen Deutsche wählten Griechenland zum Urlaubsziel. 2019 wird, davon ist die Ministerin [kleines Foto] überzeugt, „wieder ein großartiges Jahr für den griechischen Tourismus“.

Deutsche Veranstalter blicken auf die bevorstehende Saison mit leicht, aber wirklich nur leicht gedämpften Optimismus. Sollte 2019 dennoch wieder ein Griechenland-Rekordjahr werden, sind sie darauf gut vorbereitet: Die meisten haben ihr Portfolio ausgebaut, einige sogar kräftig. Durch das Wiedererstarken der Türkei habe sich „die Nachfrage in diesem Jahr wieder normalisiert“, sagt Halina Strzyzewska, Leiterin des TUI-Produktmanagements Östliches Mittelmeer. Dennoch rechnen die Hannoveraner offensichtlich mit gigantischen Buchungszahlen. Denn TUI hat für den Griechenland-Sommer 2019 „das größte Hotelportfolio aller Zeiten“ (Strzyzewska) aufgelegt, 4.600 Hotels, 150 mehr als im Vorjahr.  Allein über 100 Flüge von TUI fly wöchentlich haben Kreta zum Ziel. Wie alle Veranstalter hat auch TUI kleinere Ziele wie Kalamata oder Kavala im Programm, die „erfreulich“ laufen.

Thomas Cook Signature und Neckermann Reisen bieten auch – erstmals -„kleinen Griechen“ wie Skiathos und Skopelos an. Insgesamt sind 350 griechische Hotels in den Katalogen von Neckermann Reisen, Thomas Cook Signature und Signature Finest Selection buchbar, dazu kommen noch systemisch buchbare Hotels.  Gegenüber dem Vorjahr verzeichnen die Veranstaltermarken „eine etwas spätere, aber konstante Buchungsnachfrage“, so Produktmanagerin Sabine Näcker.

Korfu, das Festland und Samos sind derzeit bei FTI die Topseller. Das Hotelangebot ist um 15 Prozent erweitert worden, vor allem auf Korfu. Aktuell freut sich Produktmanager Alexander Wefers bei Schauinsland Reisen nach einem leichten Minus-Start darüber, dass die Gästezahlen für Hellas „bereits fast auf Vorjahresniveau liegen“ – und das war „sensationell“.

Kreta ist immer noch ein Topseller

Auch bei DER Touristik gibt es – bei einer um zehn Prozent erhöhten Bettenkapazität – voraussichtlich keinen Rückfall unter das Vorjahres-Ergebnis. Besonders für Rhodos und Samos werden starke Buchungs-Zuwächse registriert; laut Orestis Raxenidis, Director Griechenland, entwickeln sich auch Kos und Korfu positiv. Griechenland hat bei Alltours in den zurückliegenden sechs Jahren jeweils ein zweistelliges Gästeplus erzielt. Auch im Sommer 2019 knüpft das Land an das hohe Niveau an. Besonders stark gefragt sind die Inseln Rhodos und Kos mit hohen einstelligen Zuwachsraten. „Kreta und Korfu haben die hohen Vorjahreszahlen noch nicht vollständig erreicht“, räumt Oliver Grosse Kleimann ein, der Leiter Produktmanagement. Alltours geht mit 731 Hotels ins Rennen – immerhin 148 mehr als im Vorjahr.

Auch Studienreisen-Anbieter profitieren vom Hellas-Boom. Basierend auf dem extrem guten Vorjahr, das ein Gästeplus von 43 Prozent brachte, halten Studiosus/Marco Polo Reisen die Zahlen stabil. Gebeco hat acht neue Reisen aufgelegt und verbucht derzeit ein zweistelliges Plus. Das bedeutet, dass der Veranstalter die Erfolge der letzten Jahre wiederholt.

Mein Bericht – leicht verändert und auf die Konkurrenz Griechenlands zur Türkei getrimmt sowie ohne die Fotos – war Basis für die Titel-Story der Ausgabe 13/2019 vom 8. April der Fachzeitschrift touristik aktuell





Notizbuch: Jonnychens Mondfahrt

7 04 2019

Warum Besucher des Chamäleon-Theaters aus dem Staunen nicht mehr herauskommen

Sonntag, 7. April 2019

50 Jahre ist es diesen Sommer her, dass die ersten Menschen auf dem Mond landeten. Warum das nicht als Motiv für eine Neue Zirkus-Show im Berliner Chamäleon-Theater nehmen? Peterchens Mondfahrt auf Zirzensisch. Nur dass Peter in der unvergesslich rasanten Inszenierung „Memory Of Fools“ in den Hackeschen Höfen Jonny heißt.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Jonny hat einen Traum: Er will Astronaut werden. Die Eltern sind natürlich dagegen. [Den Spießern begegnen wir im Lauf der Geschichte noch als exquisites Zauberpaar und Artisten von Weltformat…] Aber Jonny – ein großer Junge im schwarz-gelb-gestreiften Schlafanzug – trainiert wacker. Eines Tages darf er den Schlafanzug gegen einen echten Astronauten-Anzug tauschen. Und weil der Co-Astronaut erkältet und die Co-Astronautin schwanger ist, darf Jonny endlich zum Mond fliegen. Ein Traum geht in Erfüllung. Oder er bleibt ein Traum?

Wir können uns heute gar nicht mehr vorstellen, wie spannungsgeladen die Wochen vor dem Start der Apollo 11 Richtung Mond waren. Das bevorstehende Ereignis war Gesprächsthema Nummer ein. Die Zeitungen waren voll von Berichten und Hintergründen und Spekulationen. Im Lokalteil der „Aachener Nachrichten“, in dem ich als Volontär arbeitete, erschien jeden Tag eine lokale Geschichte, die irgend etwas mit dem bevorstehenden Mondflug zu tun hatte…

Zurück ins Chamäleon. Die Show zum Mondflug-Jubiläum passt gut zu einem anderen Jubiläum. 15 Jahre ist es jetzt her, dass das kurz nach der Wende gegründete Chamäleon vor den Abgründen der Pleite gerettet wurde und zum Höhenflug als Metropole des Neuen Zirkus in Deutschland ansetzte. Neuer Zirkus? Dazu die Definition des Chamäleon-Theaters: In ihm verschmelzen die Elemente der Akrobatik mit Theater, Musik, Tanz, neuen Medien und bildender Kunst. Artistische Höchstleitungen sind nicht länger der alleinige Sinn der Aufführung, sondern werden zu künstlerischen Ausdrucksmitteln der Performer. Jede Show hat eine Grundidee, die sich in Regie, Design und Darstellung wiederfindet. Statt isolierte Darbietungen in eine Abfolge zu bringen, wie man es aus dem klassischen Zirkus oder Varieté kennt, wird im Ensemble gearbeitet. Die künstlerische Arbeit ordnet sich  hier  auf  allen  Gestaltungsebenen  einem  dramaturgischen  Regiekonzept  unter.  Das  Ergebnis sind abendfüllende Shows, die ähnlich einem Musical oder Theaterstück produziert und aufgeführt werden.

Poesie, Humor, Slapstick, Pantomime, artistische Höchstleistungen – das alles ist in der Show „Memory Of Fools“ stimmig gemischt. Die Produktion stammt vom tschechischen Cirk La Putyka, der Chamäleon-Zuschauer schon mit den Sows „Finale“ und „Roots“ beglückte. Hier hat sich der Regisseur Rostislav Novak selbst übertreffen. Was die sieben Männer und zwei Frauen hier auf die Bühne bringen, ist kaum zu glauben. Schon die – perfekt in die Handlung eingebundene – Artistik! Der alte Mann mit Bart und Pfeife am Trapez mitten im Publikum, eine unglaubliche Nummer am Seil, Schleuderbrett-Artistik zum Atem-Anhalten, Artistik im Reifen, Jonglage mit Schallplatten – Chapeau!

Die Mondfahrt ist eine pantomimische Delikatesse. Zwei Schwarzgekleidete packen eine Puppe in ein Mini-Raumfahrzeug und schicken sie hinauf ins Weltall, köstlich. Und damit nach der Pause jedermann und jedefrau auch weiß, dass die Handlung auf dem Mond spielt, ziert ein großes „Moon“-Schild das Bühnenbild, das aus unzähligen Fensterrahmen besteht. Von wegen Mann im Mond – nicht einer, sondern ein ganzer Trupp tollt dort herum. Jonnys kleiner Stoffhase ist plötzlich groß und höchst lebendig. Jonnys Eltern tauchen auf, jetzt als Höchstleistungs-Artisten. Und da sind noch andere, total verrückte Figuren, die den Mond rocken: der Alte, jetzt ganz jung und flexibel, ein Torero, eine Elvis-Imitation, ein leibhaftiger Mozart…

Irgendwann ist der Traum zuende. Verträumt verlassen die Zuschauer den Jugendstil-Saal. Die Memory of Fools sind jetzt auch ihre Memories…