Notizbuch: die Kakerlaken im Reid’s – Bericht über eine angenehme Reise

12 02 2017

Samstag, 11. Februar 2017

Es gibt Luxushotels, die sind und bleiben Legenden, ganz gleich, welcher Company sie gerade gehören und wer als Generalmanager oder Generalmanagerin dem Haus vorsteht. Das Hotel Vier Jahreszeiten in München gehört dazu, selbstverständlich das Oriental in Bangkok und auch Reid’s Palace in Funchal/Madeira. Da war ich jetzt für ein paar Tage und erinnerte mich lebhaft an meinem ersten Besuch in diesem Luxushaus vor 30 Jahren. Im Mittelpunkt der Reminiszenz steht eine Diskussion mit dem damaligen Chef über – Kakerlaken.

Eingeladen hatte unseren Pulk von Reisejournalisten das Unternehmen DER Touristik, und zwar beide „Zweige“: das Kölner Unternehmen [ITS, Jahn Reisen und TRAVELiX] und die Frankfurter Firma [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen]. Nicht nur Pressesprecher und Pressesprecherinnen waren mit von der Partie, sondern auch ein paar Chefs – allen voran Rolf-Dieter Maltzahn [Geschäftsführer Köln] und Matthias Rotter [Geschäftsführer Frankfurt].

Die Informationsreisen von DER Touristik gehören zu den interessantesten und angenehmsten, die ich kenne. Das hat mit den Zielen und angebotenen Ausflügen zu tun und mit den Mitarbeitern der Firma: Die Pressesprecher zählen zu den besten, die man in der Branche finden kann [und, diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen: zu den charmantesten; das gilt auch für die männliche Neuerwerbung in Köln, Martin Schlupp]. Und die Bosse geben nicht die Unnahbaren und machen nicht auf Halbgötter im Management, wie es bei einigen anderen Reiseveranstaltern durchaus üblich ist. Kurz: Wie immer war auch diese Reise ein erfreulicher Höhepunkt im Jahresablauf, dies gleich zu Beginn des Jahres.

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Von rechts: Matthias Rotter [Geschäftsführer Frankfurt], unser Guide und Dietmar Malcherek, Bereichsleiter Mittelmeer der DER Touristik Frankfurt

hotelUnd dann noch dieses Hotel. Das über 100 Jahre alte Traditionshotel gehört heute zur Belmond-Gruppe. Es ist vornehm und mit Stilmöbeln ausgestattet. Vasen, Mobiliar, die Vitrinen mit Bildern berühmter Besucher, das alles ist kostbar. Aber nichts ist aufdringlich, kein Pritzprotz, wie viele andere Luxusherbergen ihn zur Schau stellen. Reid’s Palace ist ein wohltuend altmodisches Hotel. Das gilt irgendwie auch für das Personal. Der Concierge Aguiar Nunes steht seit fast 52 Jahren im Dienst des Hauses. Seine erste Schicht war am 4. November 1965.

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Der Concierge Aguiar Nunes

Vor 30 Jahren habe ich in dem Hotel eine Woche verbracht. Inzwischen hat das fünfstöckige alte Hauptgebäude ein sechsstöckiges neues Nebengebäude erhalten. Aber beide Gebäude sind höhenmäßig versetzt, das neuere Gebäude erstreckt sich Richtung Meer den Steilhang hinunter. Ich wohnte im fünften Stock im Altbau und wollte zum Frühstück in den untersten [oder war es der zweite?] Stock im Neubau. Ich irrte umher und lernte dabei ein paar Kolleginnen und Kollegen aus der Pressegruppe kennen, die ich noch nicht kannte und die auch suchend und frühstückshungrig umherirrten.

img_0009Als ich nach dem Frühstück die Lobby suchte, sprach mich ein Herr an und meinte auf Eng-lisch, er würde mir gerne den Weg zeigen. Er war ein sehr freundlicher Mann mit einem ge-winnenden Lächeln; er trug Jeans, ein Hemd im „Holzfällerlook“, ein einfaches blaues Jackett. Ein Gast? Ein Mitarbeiter? „Und was machen Sie denn so?“ fragte ich ihn eine Spur zu vertraulich. Seine Antwort: „I am the general manager of this house“. Oh. Der GM Ciriaco Campus, ein Italiener, ist ein bescheidener Mann. Das passt zu dem Hotel. Er erzählte mir, dass er 240 Mitarbeiter beschäftigt. Das Haus hat 158 Zimmer und Suiten.

Vor 30 Jahren hatte ich ein weniger freundschaftliches Gespräch mit dem damaligen GM, einem Schweizer. In unserem Zimmer waren die Schränke mit Schrankpapier ausgelegt – und unter denen raschelte und krabbelte es: Kakerlaken [laut Wikipedia KEIN Zeichen von Unsauberkeit oder mangelnder Hygiene]! Übrigens nicht die großen asiatischen Viecher, sondern die kleineren Südeuropäer. Kakerlaken kenne er nicht, sagte der Hotelchef. Und er dachte nach: „Kakerlaken… Kakerlaken? Ach sooo: Schwabenkäfer!“ Als wir später ins Zimmer zurückkamen, wäre uns eine Gasmaske recht gewesen. So sehr war gegen die Kakerlaken gesprüht worden. Aber es krabbelte nicht mehr.

Zurück in die Gegenwart: Die Zimmer und Suiten in dem Luxushaus sind ziemlich verschieden und preislich sehr gestaffelt. Ich habe einmal die Probe gemacht: Für die Zeit vom 13. bis 16. Mai, also für drei Nächte, zahlen zwei Personen im Doppelzimmer zwischen 1.400 und 3.300 Euro. Nun gibt es preiswerte Buchungswege, z.B. Buchungsportale – oder Reiseveranstalter. So findet sich das Hotel im aktuellen Dertour deluxe-Katalog Europa (Sommer 2017), sieben Nächte im Classic-Doppelzimmer einschließlich Frühstück und 30 Euro Spa-Gutschein sind pro Person ab 1.148 Euro zu buchen, wenn die Buchung bis 45 Tage vor Anreise erfolgt. Dazu kommen noch die Flugkosten.

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Ausblick aus meinem Zimmer

Für Normalsterbliche unbezahlbar sind die Präsidenten-Suiten, von denen eine George Bernard Shaw gewidmet ist, die andere dem früheren britische Premierminister Winston Churchill, der sich ab 1950 mehrfach in dem Hotel erholte und malte. Auch Charlie Chaplin war Gast und die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Und wer darf in dem Kreis solch illustrer Gäste nicht fehlen? Richtig: die Sissi, von mir respektlos Sissi überall genannt – die Kaiserin Elisabeth von Österreich.





Notizbuch: Hellas jubelt

8 02 2017

Griechenland jubelt. Die Griechenland-Veranstalter jubeln. Der Grund: Hellas ist wie ein Volkswagen – und läuft und läuft.

So optimistisch wie diesmal ist die Reisebranche wohl noch nie in eine Griechenland-Saison gestartet. „ Wir rechnen damit, dass dies das Trendziel des Sommers 2017 wird“, sagt Florian Fleischer, Leiter des TUI Produktmanagements Griechenland. Er hat guten Grund zum Optimismus: Mit einem Buchungsplus von 41 Prozent ist Griechenland bei den Hannoveranern zum Saisonauftakt Favorit. Auch Sabine Näcker vom Griechenland-Produktmanagement der Veranstalter-Marken Thomas Cook und Neckermann-Reisen stellt mit Genugtuung „ein ordentliches Buchungswachstum“ bei den Hellas-Buchungen fest. „Alle griechischen Destinationen liegen im Plus“, betont Oliver Grosse-Kleimann vom Alltours Produktmanagement. „Im Pauschalgeschäft erleben wir einen wahren Ansturm auf Griechenland“, staunt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer DER Touristik Köln, „fast alle griechischen Ziele wachsen überdurchschnittlich.“

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So rechnen denn alle Griechenlandanbieter mit einem Plus am Ende der Saison, auch Schauinsland und FTI, JT-Touristik oder ETI, Attika-Reisen und Dertour. Da stehen auch die Anbieter von Studienreisen nicht zurück, deren Buchungssaison häufig anders verläuft als bei den großen Sortimentern. Thomas Graune, Area Manager bei Studiosus: „Wir verzeichnen aktuell ein hohes zweistelliges Buchungsplus und führen das u. a. auf einen Nachholbedarf zurück.“ Auch Steffen Keese, Produktmanager bei Gebeco, liefert den Grund für den momentanen Erfolg gleich mit: „In den Medien laufen deutlich weniger schlechte Nachrichten aus Griechenland.“

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Für die Produktmanager kommt der Erfolg nicht von ungefähr. Unisono heißt es in der Branche: Griechenland ist im internationalen Vergleich nicht nur gut, sondern sehr gut aufgestellt. „Der Tourismus in Griechenland befindet sich auf einem sehr respektablen Kurs: Die Branche weiß um ihr großes volkswirtschaftliches Gewicht“, fasst es Jan Frankenberg, Bereichsleiter Produkt und Hoteleinkauf der DER Touristik Köln, zusammen. Und: „Beim Thema Servicequalität spielt Griechenland in einer Liga mit Spanien.“

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Es sind vor allem die Massenziele, die beim Boom Masse machen: Kreta, Rhodos, Korfu. Auch Kos, in den Vorjahren wegen der Flüchtlingskrise von vielen Urlaubern gemieden, ist wieder gut im Geschäft. Da die großen Inseln die Nachfrage nicht befriedigen könnten, haben jetzt auch kleinere Inseln wie Paros, Naxos, Santorin und Mykonos größere Chancen als in den Vorjahren. „Das ist das größte Griechenland-Angebot aller Zeiten“, frohlockt Florian Fleischer von der TUI. Sie hat allein auf Kreta, Rhodos und Kos das Angebot um 40 Prozent erweitert. Auf der Beliebtheitsskala aller weltweiten TUI Ziele liegt Griechenland bei den Gästen auf dem zweiten Platz hinter Spanien. Auch bei Alltours hat sich Hellas zum zweitstärksten Sommerziel entwickelt.

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Bleiben bei solch einem Aufgebot noch genug Flugsitze und Hotelbetten für die Konkurrenz? „Wir haben vorgesorgt“, heißt es sinngemäß bei fast allen Häusern. Aber wegen der guten Nachfrage „werden die Hotels in diesem Jahr schneller ausgebucht sein“, warnt Lothar Münzenthaler, Produktleiter Dertour, „hier heißt es: schnell sein!“ Ein Last Minute-Geschäft wird es kaum geben.

Diesen Bericht habe ich im Auftrag von touristik aktuell recherchiert und geschrieben. Er ist in leicht veränderter Fassung – und ohne  Fotos – in Ausgabe 4/2017 der Fachzeitschrift erschienen.





Notizbuch: Max Brown

24 01 2017

Dienstag, 24. Januar 2017

Max Brown – das ist kein Freund oder guter Bekannter. Das ist der [Fantasie-]Name einer kleinen, aber feinen Hotelkette. Sie macht vieles anders als andere Hotels.

img_0009Wer Vinyl-Schallplatten liebt, wird als Gast des neuen Max Brown Ku‘Damm überrascht. In seinem Zimmer findet er eine kleine, aber feine Sammlung von schwarzen Scheiben vor, die er gleich auf einem Koffer-Plattenspieler abspielen kann. Ein Basketballkorb an der Wand ist für die, die sich zur Musik tüchtig bewegen wollen.Die Max Brown Hotels schaffen solche Ausstattungs-Details durch Kooperationen. Die Platten stammen vom Label Unique Records, der Plattenspieler von Crosley. Im Shop in der Lobby können Gäste neben Postkarten und anderen Souvenirs diese Dinge auch gleich kaufen.

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Als noch junge Hotelgruppe starteten die Max Brown Hotels 2015 und im Vorjahr mit zwei Hotels in Amsterdam, dem Max Brown Canal District und dem Max Brown Museum Square. Der Name Max Brown ist übrigens eine Fantasieschöpfung ohne jeden realen Bezug. Das erste deutsche Haus wurde im Vorjahr im japanischen Viertel in Düsseldorf eröffnet, das Max Brown Midtown mit 65 Zimmern.

Die Häuser der Gruppe liegen immer in Wohngebieten, „immer zentral, aber nicht mittendrin“, wie es eine Sprecherin formuliert. So auch das Berliner Haus. Bis zum Spätherbst vergangenen Jahres war es als Domus eines der gestande-nen, eingefahrenen West-Berliner Hotels. Die Stammgäste sind überrascht, wie sehr die Um- und Ausbauten das Haus zum Positiven verändert haben. Die 70 Zimmer in vier Größen von 15 bis 30 Quadratmetern sind alle ähnlich ausgestattet, mit Eichenböden, weißen Wandpaneelen und Fensterläden sowie Design-Teppichen.

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In Zimmern gibt es keine Minibars, dafür den Shop im öffentlichen Bereich. Die Bäckerei dort soll bald auch außer Haus verkaufen. Der Social Space umfasst das gesamte Erdgeschoss und hat sogar Platz für einen großen Billardtisch. Er soll wie die Bar auch die Nachbarschaft des Hotels anziehen. Derzeit feilen die Hotelmacher an einem Unterhaltungskonzept für Gäste und die lokale Community, zum Beispiel Film- und Spieleabende, Kulturveranstaltungen und Partys.

Das Frühstück ist immer inklusive. Auch hier geht Max Brown in Berlin einen neuen Weg: Es wurde ein Vertrag mit Benedict geschlossen, einer israelischen Kette von Frühstück-Restaurants. Das Berliner Benedict, das erste außerhalb Israels, bietet ein überwältigendes Angebot an Frühstücksvariationen, von israelischem Shakshuka über veganes Müsli bis zum hausgemachten Cashew-Joghurt.

Solche Lösungen denkt sich die Mannschaft der inhabergeführten Europe Hotels Private Collection aus. Zu deren Portfolio gehören auch die SIR hotels mit Häusern in Amsterdam, Berlin, Hamburg und auf Ibiza sowie das Parkhotel in zwei Grachtenhäusern und der Concept Store X BANK in Amsterdam.

Dieser Bericht von mir ist in der Ausgabe 2/2017 von touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: Begegnungen

16 01 2017

Montag, 16. Januar 2017

Die Monate reichen nicht aus. Wenn ich nur ein Foto pro Monat nehme, sind es ja schon zwölf Bilder. Und ich habe noch lange nicht alle Menschen, die mich letztes Jahr beeindruckt haben, vorgestellt. Wie bitte? Wovon ich rede? Von meinem Jahresrückblick. Ich hasse Jahresrückblicke. Und mache doch jedes Jahr einen. Diesmal aber anders: Nicht Länder und Ereignisse spielen diesmal die Hauptrolle, sondern Menschen.

Appell an die Mitmenschen, die meinen, sie gehörten unbedingt in diese Aufstellung, sich aber nicht wiederfinden: Dieser Jahresrückblick erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit. Ich begegne so vielen Menschen, die ich nicht mehr vergesse und mit denen ich in Kontakt bleibe. An die ich denke. Die ich mag. Aber ich musste eine Auswahl treffen. Und: Manche Geschichten will ich auch nicht erzählen. Also:

Januar

1
Ich war wieder mal in Timmendorfer Strand. Von Silke Szymoniak, Marketingchefin der Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH, habe ich leider kein besseres Bild. Silke und ich kennen uns noch aus Sylter Zeiten. Ich arbeite gerne mit ihr zusammen. Eine nettere Auftraggeberin kann ich mir nicht wünschen. Silke, das war ein Kompliment.

Februar

2
Sabine Neumann und ich haben auf Malta recherchiert. Über die Insel hat uns Mariella Buhagiar Bose geführt. Was für eine Frau! Voller Wissen, lebendig, warmherzig. Schade, dass solche Reisen immer nur ein paar Tage dauern…

März
3
ITB 2016, meine 44. Pausenlose Begegnungen, Wiedersehen, Gespräche von Minutendauer. Auch sie habe ich wieder getroffen: Elena Kountoura, die [stellvertretende] Tourismusministerin Griechenlands. Fünf, zehn Minuten gibt sie mir, zu kurz, um uns wirklich zu begegnen. Obwohl sie einer Partei angehört, die nun wirklich nicht die meine ist, schätze ich sie sehr.

April

4
Ich treffe sie nur zweimal im Jahr, einmal in Dubai auf dem Arabian Travel Market, und einmal sozusagen im Laufschritt [„Wir sehen uns!“] auf der ITB. Und jedes Mal freue ich mich wie ein Schneekönig. Die Kollegin Kendra Mietke hat sich hier für den Besuch einer Moschee entsprechendes Gewand übergeworfen. Ist sie jetzt nicht noch schöner?

Mai

5
Kaum ein Reiseland hat mich in den letzten Jahren so begeistert und so Besitz von mir ergriffen wie Vietnam. Das lag an den Menschen! Das ist Lan Anh. Wir sind in Kontakt geblieben. Wenn wir uns schreiben nennt sie mich „Mein Großvater“. Am Anfang war ich deswegen pikiert. Jetzt bin ich stolz darauf.

Juni

6
Altan Tarakci, Türkei-Produktmanager von Öger Tours, bei der Programmvorstellung seines Unternehmens in Hamburg. Er ist von einer Gattung, die es heute kaum noch gibt: ein Bauch-Touristiker. Wer weiß, was ich meine, wird mir zustimmen. Wer den Begriff nicht kennt, wird ihn auch nicht verstehen, wenn ich versuche, ihn zu erklären…

Juli

7
Programmvorstellung von Studiosus in München: Das ist der Pressesprecher Dr. Frano Ilic. Ein sympathischer Mann. Und für mich der zweitbeste Pressesprecher der gesamten Reisebranche.

August
8
Das sind meine allerallerbesten Freunde, nur wissen sie’s nicht: Kerstin und Hans-Jürgen Klesse. Bei und mit ihnen habe ich in Düsseldorf meinen Geburtstag gefeiert, einen runden… Zwei tolle Menschen.

September

9
Einschulung meines jüngeren Enkels, Philip. Wie die Zeit vergeht…

Oktober

10
Besuch in Athen, wieder einmal. Ich könnte dazu fünf Fotos bringen und habe mich für dieses entschieden: Das ist mein geliebter Professor Dimitrios Pandermalis, Gründer und Präsident des Akropolis-Museums.

November

11
Noch einmal Öger Tours, noch einmal Programmvorstellung. Diesmal in Antalya. An der Spitze des Unternehmens steht eine Frau: Songül Rosati. Was für eine Mischung: schön, charmant, stark, taff und gleichzeitig – Songül, sieh mir diese Bemerkung nach – zart und verletzlich.

Dezember

12
Wow, was für ein Jahresausklang: Auf der Reise nach Orlando habe ich Alena Zielinski kennen gelernt. Sie wird es nicht mehr hören und lesen können, weil ich es ihr so oft gesagt habe: Ihr Lächeln kann Berge versetzen.

So, und wer sich jetzt falsch dar- oder gar bloß-gestellt findet, schreibe mir eine E-Mail. Text und Foto sind schnell ausgetauscht. Ich habe noch 36 weitere zur Hand.





Notizbuch: die Vollendete

12 01 2017

Donnerstag, 11. Januar 2017

Bislang konnte ich immer auf die Elbphilharmonie verweisen, wenn ich als Berliner wegen des „Fluchhafens“ BER gehänselt wurde. Das geht jetzt nicht mehr. Als ich die Baustelle der Elbphilharmonie 2011 besichtigte, hätte ich nie gedacht, die Fertigstellung noch in diesem Jahrzehnt zu erleben. Was für ein Chaos aus Beton und Stahl. Aber jetzt ist die vollendet, die Unvollendete. Aus dem Chaos erwuchs Schönheit…

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Notizbuch: auf Bayerns Heiligem Berg

5 01 2017

Donnerstag, 5. Januar 2017

Als meine bayerische Bekannte Angelika auf dem Weg von Herrsching am Ammersee zum Kloster Andechs vom „Heiligen Berg“ sprach, hielt ich das für bodenständige Ironie. Heiliger Berg, haha! Aber der Berg, auf dem das berühmte Kloster thront, zählt wirklich per definitionem zu den Heiligen Bergen – wie der Olymp in Griechenland oder Adam’s Peak in Sri Lanka. Die Menschenmassen, die an schönen Tagen zum Heiligen Berg der Bayern pilgern, haben nicht  Beten im Sinn, sondern – Bier!

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Apropos pilgern: Das Kloster Andechs ist in der Tat ein Wallfahrtsort, und zwar einer der ältesten in Bayern. Jahr für Jahr zieht er immerhin 30.000 Pilger an. Kloster Andechs ist ein Benediktiner Kloster. Benediktiner – das sind die mit dem Wahlspruch: ora et labora. Bete und arbeite.
Ein Großteil der Arbeit hat mit den Wirtschaftsbetrieben zu tun, dessen Einnahmen die soziale, seelsorgerische und kulturelle Arbeit der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München, zu der Kloster Andechs gehört, finanzieren. Neben den Mönchen gehören 200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu den Wirtschaftsbetrieben des Klosters Andechs. Am bekanntesten ist die Klosterbrauerei – womit wir wieder beim Thema Bier wären.

img_3066Im Bräustüberl des Klosters – das nun wirklich kein Stüberl ist sondern eine Flucht von Räumen – geht es zu wie in einem Taubenschlag. Wir ergattern einen freien Tisch, und glücklich schaue ich mich um: Einheimische und Fremde bevölkern die Räume, alte und junge, viele mit kleinen Kindern und sogar Babys. Was für ein Geplapper! Herrlich. Manchmal dringen bayerische Urlaute durch das Stimmengewirr. Selbstbedienung! sagt Angelika und schleppt drei Bierkrüge für meine Freundin, mich und natürlich für sich selbst heran. „Das ist Winterbier“, sagt Angelika, „das gibt es nur zwischen Martini und Josefi.“ Übersetzt: vom Martinstag bis St. Joseph, also vom 11. November bis zum 19. März. Ich bin nun gar kein richtiger Biertrinker – und bin begeistert.

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Angelika: „Am besten isst Du hier Kalbshaxe!“ Ein Blick auf den Nachbartisch überzeugt mich. Also zum Tresen, einmal Kalbshaxe mit Kartoffelsalat bitte. Die Kalbshaxe ist sündhaft teuer – und sündhaft lecker. Wie sich herausstellt, ist die Portion für zwei Personen gedacht, deshalb hat der Mann hinterm Tresen auch gleich unter den Teller mit der Kalbshaxe einen zweiten Teller geschoben. Ein köstliches Mal, und ein Winterbier kommt selten allein.

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Entsprechend beschwingt machen wir uns auf zu einer kleinen Besichtigungstour. Meine Freundin biegt ab in den Klosterladen, Angelika und ich stapfen hinauf zur Klosterkirche. Wow! Ein Fest fürs Auge. Hochbarock, schon auf dem Weg ins Rokoko. Solche Kirchen, von denen es in Bayern so viele gibt, sind Gesamtkunstwerke.

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Die Krippe in einer Seitenkapelle, Schmerzhafte Kapelle genannt, erinnert mich an die Weihnachtskrippe im Dom zu Aachen, meiner Heimatstadt. Die veränderte sich alle paar Tage, und das Jesuskind wurde immer größer. „Hinter der Tanne da liegt das Grab von Carl Orff“, sagt Angelika. Der ist auf eigenen Wunsch in der Schmerhaften Kapelle begraben.

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Es gibt bestimmt noch viel zu entdecken, aber die Zeit drängt zur Rückreise nach München. Darf man den Heiligen Schatz des Klosters besichtigen? Das Internet sagt ja, „im Rahmen von Kirchenführungen“. Also muss ich wiederkommen. Nicht allein wegen meiner Freundin oder wegen des köstlichen Klosterbieres.

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Notizbuch: die Goldgreise

28 12 2016

Mein DuMont-Reiseführer über Bornholm in der Reihe „Richtig reisen“ war fast fertig. Aber irgendetwas fehlte mir. Eine kleine Sensation beispielsweise, ein „Hingucker“. Da gab mir mein Freund Arne Ranslet, damals noch Bildhauer auf der Insel [inzwischen längst, des Wetters wegen, in Spanien] einen Tipp: Die Archäologin vom Bornholms Museum habe eine Menge seltsamer Goldplättchen gefunden. Da hatte ich sie, meine Sensation.

sss-001Margrethe Watt, die Archäologin, machte es mir leicht. Sie erzählte mir die Geschichte ihres Sensationsfundes. Und diesen durfte ich sogar fotografieren [s. kleines Bild aus dem „Bornholm“-Reiseführer]. Eigentlich sind Archäologen darin sehr pingelig, wenn sie über ihren Fund noch keine wissenschaftliche Arbeit publiziert haben.

Die Archäologin hatte 1985 und 1986 in Sorte Muld in der Nähe des denkmalgeschützen Bilderbuchortes Svaneke gegraben. Dabei setze sie ein riesiges Wassersieb ein, das mit 200 Liter Wasser pro Minuten die kostbaren, papierdünnen Goldplättchen vom Erdreich trennte.

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Die über 2000 Plättchen sind nur ein bis zwei Zentimeter groß. Sie alle zeigen hundert verschiedene, eingeprägte Motive, von denen einige nur einmal, andere dagegen bis zu 80 mal auftauchen. Sie alle sind die Variation eines einzelnen Themas: Eine stilisierte Männerfigur mit schulterlangem Haar wendet dem Betrachter ihren breitschultrigen Körper zu, zeigt aber das Gesicht, bartlos und häufig mit auffallend großer Nase, im Profil. Die Kleidung des Mannes, der steht oder geht, besteht aus einem halblangen, ärmellosen Kaftan. Häufig trägt der Mann einen Stock. Auf den wenigen Frauenbildnissen, die gefunden wurden, ist das lange Haar im Nacken zusammengebunden. Nur fünf Plättchen zeigen Mann und Frau, die sich umarmen. Die Prägestempel wurden übrigens bislang noch nicht gefunden.

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Die dargestellten Männer sind alt. Deshalb wurden sie „Guldgubber“ genannt. Das ist Dänisch, Guld heißt Gold, und Gubber bedeutet: Greise, alte Männer. Die Motive der Guldgubber sind den Archäologen bekannt. Sie sind germanischen Ursprungs. Man trifft sie außerhalb des römischen Limes in England, Skandinavien und Deutschland [dort sogar bis weit in den Süden, bis Köln]. Aber südlich der Ostsee wurden noch nie Goldprägungen gefunden. Höchstwahrscheinlich stammen die Plättchen aus der Zeit des Endes der Völkerwanderung, 500 bis 600 n.Chr. Aber wozu dienten sie? Als Kleiderschmuck sind sie zu dünn. Vielleicht haben die Guldgubber religiöse Bedeutung und sind Votiv- oder Weihegaben.

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In den 80-er und 90-er Jahren bildeten die Funde von Sorte Muld eine sensationelle Attraktion im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen. Inzwischen sind sie längst in die Heimat zurückgekehrt und werden in Bornholms Museum ausgestellt. Für die Künstler der Insel waren sie ein willkommenes Motiv. Ich besitze eine wundervolle Keramikdose, zwei kleine Keramikplatten mit Guldgubber-Motiven und zwei farbige Zeichnungen. Ich weiß nicht mehr, ab sie alle drei vom selben Künstler stammen, und wie der oder die heißen, weiß ich auch nicht mehr. Aber jeden Tag erinnern sie mich an Margarethe Watt und ihren sensationellen Fund.

Nachtrag: Inzwischen habe ich erfahren, von wem die kleinen Kunstwerke sind: Die beiden Bilder, farbige Linolschnitte, sind von Evan Max Hansen. Die kleinen Keramik-Bildnisse und die blaue Keramik-Dose hat die Künstlerin Vibeke [Vibe] Berland unter Verwendung von Evans Linol-Schnitten geschaffen. Vibe lebt in Svaneke auf Bornholm als Keramikerin: http://www.vibeberland.dk/