Notizbuch: in zwei Jahren um die Welt

5 08 2017

Samstag, 5. August 2017

Er ist mir der liebste Touristiker, den ich kenne [und ich kenne viele]: Kadir Ugur, Gründer und mit seinem Sohn Deniz [noch] Chef des Reiseveranstalters Bentour, einer der letzten „Bauchtouristiker“ der Branche. Er ist ein Mann mit Charme und Charisma, mit Hirn und Herz. Ich hatte vor einem Jahr das Vergnügen, mit ihm, seinem Skipper und drei Kolleginnen eine Woche auf seiner BenSwissYacht zu verbringen. Die gemeinsamen Erlebnisse und Gespräche werde ich nie vergessen. Jetzt macht sich Kadur mit seiner geliebten Jacht auf zur Weltreise. Von der Branche hat er sich mit diesem anrührenden Brief verabschiedet:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Partner und liebe Freunde, nach über 50 Jahren Berufstätigkeit in der Touristik wird es für mich Zeit, dieser schönen Branche „leb Wohl und auf Wiedersehen!“ zu sagen und mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem aktiven Geschäft zurückzuziehen.

Da mir der Abschied nach all den Jahren doch sehr schwer fällt, habe ich mir ein neues Ziel gesetzt, das mir den Abschied etwas leichter machen wird. Kommende Woche laufe ich mit der BenSwissYacht in Antalya aus und begebe mich auf die Abenteuerreise meines Lebens: meine große Weltumsegelung.

Viele spannende Länder, Menschen, Abenteuer und eine lange Reise befinden sich vor mir. Ich glaube und hoffe, die vor mir liegende Strecke in gut zwei Jahren erfolgreich zu meistern, um nach meiner Rückkehr noch einige Jahre Bentour als Verwaltungsratspräsident zur Seite stehen zu können.

Mir ist ein großer Trost und ich bin sehr glücklich darüber, dass ich ein starkes Team mit vielen erfahrenen, fleißigen und treuen Mitarbeitern zurücklasse. Und ich weiss, dass mein Sohn Deniz, der Bentour seit mehr als 10 Jahren an meiner Seite führt, mit diesem Team für viele weitere erfolgreiche Jahre BentourReisen sorgen wird.

Neben meinem Sohn und seinem Team gilt mein Dank aber insbesondere auch der gesamten Branche: den Reisebüros, der Presse, Airlines, Hoteliers, Incoming-Agenturen, uns partnerschaftlich verbundenen Veranstaltern und all den vielen weiteren Wegbegleitern und -bereitern. Sie alle machen es mir besonders schwer, mich in den Ruhestand zu verabschieden.

Ich danke Ihnen allen für das Vertrauen, dass Sie in uns gesetzt haben und bin mir sicher, dass dieses Vertrauen auch weiterhin Basis für eine gute Zusammenarbeit zwischen Bentour und Ihnen sein wird.

Vielen Dank für die schönen gemeinsamen Jahre und vielleicht sehen wir uns auf der ITB 2019.

 

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Notizbuch: Türkei oder nicht Türkei – das ist hier die Frage

19 11 2016

Samstag, 19. November 2016

Igitt! schrieb ein Kollege, als er in Facebook las, ich wolle in die Türkei fliegen. Ein anderer wurde – nach der Reise – deutlicher: Und alles wieder Happy Peppy in der schönen Türkei… Das Tausende Journalisten zwangs-arbeitslos gemacht wurden, Hunderte in der neuen türkischen Diktatur ins Gefängnis geworfen wurden, was kümmert das schon Reisejournalisten, so lange man tollen Spaß haben kann. Das ist eine böse Unterstellung.

Jener Kollege – jeder, der sich in der Branche auskennt, kennt ihn – kartete nach: Wenn ich den Facebook Output der letzten Tage sehe für diese Veranstaltung, dann empfinde ich den für Journalisten schon etwas bedenklich… Und er hat nichts mehr mit unserem Common Sense bzgl. DRV zu tun, zwar fachkundig über PKs in diesem Land zu berichten, uns aber nicht kritiklos für den bunten Teil vereinnahmen zu lassen.

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Der Kollege störte sich an Fotos, die mich – beispielsweise – in der römischen Arena von Aspendos im „Kampf“ mit einem als römischen Legionär verkleideten Türken zeigen.

Und wohl auch an anderen, die die eingeladenen Journalisten nicht mit ernsten, grübelnden Minen abbilden, sondern lachend.

Also als Journalisten, die sich „kritiklos vereinnahmen lassen…“

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Nur Spass im Sinn?

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Anlass der derart kritisierten Reise war die Programmvorstellung von Öger Tours, dem größten Türkei-Anbieter in unserem Land, der zur Thomas Cook-Gruppe gehört. Das war ein Auftrag von touristik aktuell. Mit Freunden habe ich die Frage ventiliert: Darf ein Journalist heute überhaupt noch in die Türkei fliegen? Stärkt der damit nicht Erdogans Weg in die Diktatur? Oder genau im Gegenteil: Helfen solche Reisen und die Berichterstattung darüber nicht allen Türken, die an die Demokratie glauben und an ihr festhalten? Mehr noch: Stärken Türkei-Berichte über Reisen in dieses Land nicht sogar die Demokratie?

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Ich habe mich fürs Reisen entschieden. Dazu sind mir zwei Erlebnisse eingefallen. Erstens: In Griechenland herrschte die Obristen-Diktatur, als ich mich 1973 als Leiter der Reiseredaktion der Zeitschrift „test“ für oder gegen eine Recherchenreise in dieses Land entscheiden musste. In der Redaktion wurde die Frage heiß diskutiert: Darf man als eine [damals] zur Hauptsache vom Staat finanzierte Einrichtung wie die Stiftung Warentest überhaupt in einem zur Diktatur verkommenen Land Hotels testen und darüber berichten? Das entscheidende Argument lieferte die Schauspielerin [„Sonntags…nie!“] und spätere Kulturministerin Melina Mercouri. Unter Tränen rief sie im Fernsehen die Deutschen dazu auf, in Scharen in Griechenland Urlaub zu machen. Das sei die einzige Chance für ihr Land, die demokratischen Wurzeln nicht zu vergessen.

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Zweites Beispiel: Dr. Manfred Busche, der als „Vater der ITB“ allseits geschätzte frühere Chef der Messe Berlin, wurde einmal von Reisejournalisten hart dafür angegangen, dass er ein Land als Aussteller zuließ, das es nicht so hatte mit demokratischen Regeln. Busches trockener Kommentar: Die ITB ist unpolitisch. Sonst hätten wir hier 180 Aussteller weniger. Ende der Diskussion.

Am kommenden Montag erscheint mein Bericht über die Programmvorstellung von Öger Tours in der Fachzeitschrift touristik aktuell. Ich werde darauf zurückgreifen. Nur so viel: Wir haben mit den Gastgebern, mit türkischen Kollegen, mit Touristikern im Land viel über die Situation in der Türkei gesprochen. Sie war und ist allen bewusst. Und ich habe niemand getroffen, der sie befürwortet. Die Führungsmannschaft von Öger Tours hat nicht den geringsten Versuch unternommen, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen. Nur um eins bat sie: um Fairness.

Zur Fairness gehört die Feststellung, dass die Türkei in touristischen Hotspots wie Antalya den Eindruck macht, ein friedliches Land zu sein. [Ihr Kritiker, ehe Ihr Euch wieder aufregt: Ich habe geschrieben „den EINDRUCK macht“.] Keine Soldaten auf den Straßen, kaum Polizei, keine übers normale Maß hinausgehende Sicherheitskontrollen. Und die Welle der Herzlichkeit, die uns überschwemmte [auch dort, wo die Leute NICHT wussten, dass wir Journalisten waren…], war regelrecht rührend. Das mag uns zu dem einen oder anderen Facebook-Post verlockt haben, der der politischen Situation im Land nicht ganz angemessen erscheint…

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Äußerlich: ruhig & friedlich

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img_0005rrrrcccEines tat weh, und darüber hätte ich gerne mehr gesprochen mit den Türken, denen ich begegnete [zum Beispiel dem Oberbürgermeister von Antalya, Menderes Türel, kleines Bild, der auch diesen Verdacht hegt]: Nicht wenige – und nicht nur Erdogan-Anhänger oder Erdogan-Kuscher – sind offensichtlich fest davon überzeugt, dass in der deutschen Presse eine regelrechte Kampagne [also eine zentral gesteuerte Aktion] zur Diffamierung des Reiselandes Türkei läuft.

Das ist genau so lächerlich, wie Reisejournalisten, die in die Türkei reisen, zu unterstellen, sie kümmere das Schicksal der Entlassenen, der Verschleppten, der Gefolterten nicht – „so lange man tollen Spaß haben kann“…





Tagebuch: Ground statt Sky

4 06 2013

Dienstag, 4. Juni 2013

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Bleiben am Boden: die Maschinen der Sky Airlines

„Die Gerüchte gab es schon länger, nun sind sie traurige Gewissheit“, schreiben meine Kollegen von touristik aktuell heute auf ihrer Internetseite: „Nach finanziellen Problemen der Muttergesellschaft Kayi Group sind die deutschen Veranstalter GTI Travel und Buchmal Reisen insolvent und haben ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung eingestellt.“ Noch schlimmer: Auch für die Fluggesellschaft Sky Airlines wurde Insolvenzantrag gestellt. Die Schwester-Airline German Sky, die laut touristik aktuell „nie richtig in Tritt kam und für riesige Verluste sorgte, befindet sich bereits in der Auflösung und hatte zuletzt keine Kunden mehr.“

GTI_Katlandur_touristik_aktuell_fb3bba8293Die 100 Mitarbeiter in der GTI-Zentrale sind von den Ereignissen geschockt. Die Info über die Insolvenz kam nicht etwa von der Geschäftsführung, sondern vom Versicherer Tourvers. Das ist nicht gerade die feine englische Art. Vertriebschef Tunc Oezler: „Wir sind gerade dabei, die Situation zu ordnen und Entscheidungen zu treffen, wie wir jetzt vorgehen.“ [Kleines Bild: GTI-Geschäftsführer Katlandu]

Wie viele Kunden in den Zielgebieten sitzen und von der Pleite betroffen sind, lässt sich derzeit nicht sagen. Die Gelder gebuchter Kunden sind über Tourvers abgesichert. Touristik aktuell: „Wenig Hoffnung dürfte es dagegen für Reisebüros geben, die derzeit noch Provisionen bei GTI ausstehen haben. Zuletzt hatte es immer wieder Verzögerungen bei der Auszahlung gegeben – vor allem Ende 2012 hatten viele Agenturen monatelang auf ihre Vergütung gewartet.“

Auch für viele Hotels in der Türkei hat die Pleite Folgen haben: Gerüchte berichten von Außenständen in Millionenhöhe. Hart trifft es auch Urlauber, die heute abend von Paderborn, Frankfurt und Nürnberg nach Antalya fliegen wollten. Ihre Flüge wurden abgesagt. Auslöser der Pleite war nach Einschätzung der Kollegen von touristik aktuell „offenbar nicht schlechtes Wirtschaften bei GTI selbst, sondern im Mutterunternehmen Kayi Group. Vor allem das Airline-Geschäft hatte dort zuletzt Millionenlöcher gerissen. Sowohl der Versuch, im Inlandsverkehr mit Sky Airlines Fuß zu fassen als auch die missglückte Gründung von German Sky sorgten für gewaltige Verluste.“

willi_verhuven (1)Der geniale Touristiker Willi Verhuven [links], Chef des Großveranstalters alltours, hat sich gerade zu der Pleite zu Wort gemeldet: „Durch den Ausfall fehlen auf dem deutschen Markt plötzlich 400.000 Sitzplätze auf den Sky-Maschinen.“ Dem „über Nacht zusammen-geschrumpften Angebot“ stehe eine nach wie vor große und steigende Nachfrage für den Türkeiurlaub gegenüber. Für deutsche Urlauber, die eine Reise an die Türkische Riviera planen, aber noch nicht gebucht haben, wird es jetzt eng, so Verhuven.

Er rät Urlaubern, die eine Reise in die Türkei planen, rasch eine Entscheidung zu treffen, um eine gute Auswahl an Flügen und Hotels zu günstigen Preisen zu bekommen. Denn „wer auf Last-Minute-Schnäppchen in der Türkei in diesem Sommer wartet, könnte eine böse preisliche Überraschung erleben.“





Tagebuch: die Titanic-Story

16 04 2013

 Dienstag, 16. April 2013

 Ich lerne viele Menschen kennen. Das ist das Schönste an meinem Beruf. Interessante Menschen und langweilige, kreative und in sich versunkene, vor Ideen sprühende oder vorsichtig beharrende. Das müssen nicht immer Gegensätze sein. Oft ist gerade die vom Schicksal hingewürfelte Kombination scheinbar widersprüchlicher Charakterzüge so faszinierend.

2Ich treffe Menschen, die mir gute Laune machen. Nicht nur beim Interview, sondern immer, wenn ich an sie denke. Das ist unabhängig vom Alter und unabhängig davon, ob’s Männlein oder Weiblein sind. Einer dieser Menschen ist Stephanie Kaczmarek.

Stephanie Kaczmarek ist glücklich. „Stellen Sie sich mal vor“, schwärmt die Verkaufschefin des Hotels Titanic Comfort Mitte, „dann haben wir demnächst in Berlin-Mitte drei Häuser in den Kategorien drei, vier und fünf Sterne.“ Dann könne sie allen Buchungswünschen gerecht werden. Doch bevor Stephanie Kaczmarek derart auf dem Verkaufsklavier spielen kann, wird noch etwas Zeit ins Land gehen. In Betrieb, und das seit 2011, ist nur das Titanic Comfort, dessen Standard gut drei Sternen entspricht. Das Hotel hat die Besitzerfamilie Aygün, die in Berlin auch mehrere Restaurants besitzt, nicht zertifizieren lassen – und hat das auch mit den beiden Neubauten nicht vor, die zur Zeit in Mitte in Bau sind. Eines der beiden Häuser sollte eigentlich schon voriges Jahr eröffnet werden.

Die Namen der Häuser stehen noch nicht fest. Die jetzigen Bezeichnungen sind sozusagen Arbeitstitel, die die Lage kennzeichnen: Titanic Chauseestraße und Titanic Französische Straße. „Zwischen vier und fünf Sternen“, so Kaczmarek, wird das Hotel an der Chauseestraße haben. Entsprechend größer als im Comfort sind die 380 Zimmer, nämlich je 20 Quadratmeter. Das Hotel wird einen Pool besitzen und einen Hamam. Die Bankettfläche ist mit 1.500 Quadratmetern beachtlich. „Wir zielen auf Kongresse und Conventions“, sagt Kaczmarek. Die Eröffnung ist für Frühjahr kommenden Jahres vorgesehen.

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Hotel Titanic Comfort Mitte

In etwa zeitgleich wird auch das – vorerst – dritte Berliner Hotel der Titanic-Gruppe ins Rennen gehen. Es entsteht im ehemaligen Fundus der Deutschen Staatsoper in der Nähe vom Gendarmenmarkt. Der Ausbau ist nicht einfach, denn das Gebäude steht zum Teil unter Denkmalschutz. „Das Haus wird fünf Sterne haben und noch größere Zimmer“, sagt Stephanie Kaczmarek voller Stolz, Hotelverkäuferin aus Leidenschaft. Auch Maisonetten-Wohnungen wird das Hotel besitzen, eine Zigarrenlounge, einen über zwei Stockwerke reichenden Ballsaal. Ein „Hauch von Orient“, so verspricht Kaczmarek, wird das Hotel durchziehen.

Die Eignerfamilie der Titanic-Häuser besitzt auch acht Hotels in der Türkei: ein Haus in Antalya und sechs in Istanbul, davon zwei auf asiatischer und vier auf europäischer Seite. Und die Gruppe expandiert weiter. Gerade hat das achte türkische Haus, das Titanic Deluxe Belek, eröffnet. Es ist ein Hotel der Luxusklasse und der Superlative: Die Anlage hat eine Grundfläche von 170.000 Quadratmetern, die ein eigener Fluss durchzieht. 12.000 Quadratmeter nimmt das Spa-Zentrum ein, das größte in der Türkei. 600 Zimmer, davon viele in architektonisch eigenwilligen Villen, besitzt das Hotel. 20 Konferenzräume und -Hallen können Großereignisse mit bis zu 4.000 Teilnehmern verkraften. Und zwei Golfplätze gehören zum Titanic Deluxe Belek.

Modell Titanic Deluxe Belek

Modell Titanic Deluxe Belek

Danke für die Informationen, Stephanie Kaczmarek. Ich hab‘ schon wieder gute Laune.