Notizbuch: Ögers First Lady

23 11 2017

Donnerstag, 23. November 2017

Ich kenne nur wenige Frauen, die es in der harten Welt der Touristik bis ganz oben geschafft haben. Eine davon ist Songül Göktas-Rosati, Chefin des Reiseveranstalters Öger Tours. Von Glamour-Gestalten wie – die von mir sehr geschätzte – Jasmin Taylor ist sie weit entfernt.  Sie stellt ihr Licht eher unter den Scheffel. Songül Göktas-Rosati, der ich schon mehrfach begegnet bin [auf Programmvorstellungen in Berlin, Hamburg, Antalya und jetzt Ägypten], ist freundlich, ja herzlich und charmant. Wenn sie mit einer Pressegruppe reist, fügt sie sich mehr als andere CEOs, die ich kenne, in die Gruppe ein. Aber sie lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die nötige Durchsetzungskraft für ihren Job hat.

Jetzt also Ägypten. Die Renaissance dieses Reiselandes schlägt auch auf die Buchungen des Reiseveranstalters Öger Tours durch: Ägypten war in diesem Geschäftsjahr das zweitbeliebteste Reiseziel. Das zur Wintersaison 2017/2018 verdoppelte Flugprogramm brachte ein Gästeplus von 60 Prozent. Für den Sommer 2018 wurde ein wiederum verdoppeltes Flugprogramm mit 158 wöchentlichen Abflügen aufgelegt. Öger bietet 35 Hotels an, davon alleine 24 in Hurghada. Auch die Nilkreuzfahrten nehmen wieder Fahrt auf: Vier Schiffe kreuzen im Auftrag von Öger.

Ägypten kommt wieder

Im „Orient“-Programm mit eigenen Katalog finden Urlauber neben Ägypten auch Marokko mit 13 Hotels, Tunesien mit drei neuen von insgesamt 32 Häusern und die Vereinigten Arabischen Emirate mit 37 Hotels, davon fünf neu ins Programm aufgenommenen.

Bulgarien, derzeit zweitwichtigste Destination des Veranstalters, ist mit besonders vielen Hotels im „Aqua“-Katalog (hausinterne Bezeichnung: Rutschenkatalog) vertreten. Der Anfang Dezember erscheinende Katalog enthält 50 Häuser, davon sechs neue. Um in das Angebot aufgenommen zu werden, muss ein Hotel mindestens fünf Wasserrutschen besitzen. Die wenigsten davon sind Kinderkram: Über 400 Rutschen für Erwachsene werden angeboten. Ganz viele davon hat Volker Bromund, Chef der Öger-Abteilung Publishing & Content, persönlich gertestet. Ich stelle den Öger-Rutschenkönig kommende Woche hier im blog vor.

Bei allem Kummer, den ihr der Programm-Schwerpunkt Türkei bereitet, ist Öger-Chefin Songül Göktas-Rosati glücklich über die letzten Entwicklungen: Die Zufriedenheitsrate der Türkei-Urlauber ist gestiegen, der Anteil der Familien macht 30 Prozent aus, die Buchungen der Wiederholer liegt bei 15 Prozent. Um das Türkei-Geschäft zur nächsten Saison tüchtig anzukurbeln, haben sich die Produktmanager – die das Türkei-Programm der gesamten Thomas Cook-Gruppe verantworten – einige Neuerungen einfallen lassen. Stammkunden werden sich über das Angebot „Mein Zimmer“ freuen, das zum Preis von 30 Euro in 38 Häusern gebucht werden kann und das Wunschzimmer verspricht. „Versuchsweise“, wie Göktas-Rosati erklärt, wurde zum Thema „Barrierefreies Reisen“ eine verkaufsfördernde Broschüre mit 20 türkischen Hotels für Reisebüros aufgelegt und „von diesen gut angenommen“. Neu ist auch die Möglichkeit, einen persönlichen deutschsprachigen Guide zu buchen, der beim gemeinsamen Ausflug nicht mit Tipps geizt. So führt ein Guide namens Süleman in Antalya nicht nur zu klassischen, sondern auch versteckten Sehenswürdigkeiten. Ein Renner dürften die 13 neuen Hotels für Individualisten werden, die unter dem Stichwort „klein & familiär“ jetzt zum Türkei-Programm gehören.

Antalya: bis 500 Flüge wöchentlich

Das umfasst 303 Hotels in sechs Reiseregionen, vier Rundreisen und neun Blaue Reisen. Neu sind Kinderfestpreise ab 99 Euro. Das Flugprogramm wurde um 20 Prozent aufgestockt. Ab 20 deutschen Flughäfen bietet Öger bis zu 500 wöchentliche Flüge nach Antalya. 110 mal pro Woche wird Izmir angesteuert. Sein Flugangebot nach Bodrum, Dalaman und Gazipasa nennt der Veranstalter „stabil“. Neu sind Vollcharter ab Berlin und Baden-Baden, und mehr Flugsitze werden kommendes Jahr ab Hannover, Köln, Stuttgart und München verkauft. Songül Göktas-Rosati: „Wer die Türkei kennt, kommt zurück.“

Der fachliche Text von mir über Ögers neues Programm ist in touristik aktuell in der Ausgabe 44/2017 vom 13. November erschienen.

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Tagebuch: Ground statt Sky

4 06 2013

Dienstag, 4. Juni 2013

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Bleiben am Boden: die Maschinen der Sky Airlines

„Die Gerüchte gab es schon länger, nun sind sie traurige Gewissheit“, schreiben meine Kollegen von touristik aktuell heute auf ihrer Internetseite: „Nach finanziellen Problemen der Muttergesellschaft Kayi Group sind die deutschen Veranstalter GTI Travel und Buchmal Reisen insolvent und haben ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung eingestellt.“ Noch schlimmer: Auch für die Fluggesellschaft Sky Airlines wurde Insolvenzantrag gestellt. Die Schwester-Airline German Sky, die laut touristik aktuell „nie richtig in Tritt kam und für riesige Verluste sorgte, befindet sich bereits in der Auflösung und hatte zuletzt keine Kunden mehr.“

GTI_Katlandur_touristik_aktuell_fb3bba8293Die 100 Mitarbeiter in der GTI-Zentrale sind von den Ereignissen geschockt. Die Info über die Insolvenz kam nicht etwa von der Geschäftsführung, sondern vom Versicherer Tourvers. Das ist nicht gerade die feine englische Art. Vertriebschef Tunc Oezler: „Wir sind gerade dabei, die Situation zu ordnen und Entscheidungen zu treffen, wie wir jetzt vorgehen.“ [Kleines Bild: GTI-Geschäftsführer Katlandu]

Wie viele Kunden in den Zielgebieten sitzen und von der Pleite betroffen sind, lässt sich derzeit nicht sagen. Die Gelder gebuchter Kunden sind über Tourvers abgesichert. Touristik aktuell: „Wenig Hoffnung dürfte es dagegen für Reisebüros geben, die derzeit noch Provisionen bei GTI ausstehen haben. Zuletzt hatte es immer wieder Verzögerungen bei der Auszahlung gegeben – vor allem Ende 2012 hatten viele Agenturen monatelang auf ihre Vergütung gewartet.“

Auch für viele Hotels in der Türkei hat die Pleite Folgen haben: Gerüchte berichten von Außenständen in Millionenhöhe. Hart trifft es auch Urlauber, die heute abend von Paderborn, Frankfurt und Nürnberg nach Antalya fliegen wollten. Ihre Flüge wurden abgesagt. Auslöser der Pleite war nach Einschätzung der Kollegen von touristik aktuell „offenbar nicht schlechtes Wirtschaften bei GTI selbst, sondern im Mutterunternehmen Kayi Group. Vor allem das Airline-Geschäft hatte dort zuletzt Millionenlöcher gerissen. Sowohl der Versuch, im Inlandsverkehr mit Sky Airlines Fuß zu fassen als auch die missglückte Gründung von German Sky sorgten für gewaltige Verluste.“

willi_verhuven (1)Der geniale Touristiker Willi Verhuven [links], Chef des Großveranstalters alltours, hat sich gerade zu der Pleite zu Wort gemeldet: „Durch den Ausfall fehlen auf dem deutschen Markt plötzlich 400.000 Sitzplätze auf den Sky-Maschinen.“ Dem „über Nacht zusammen-geschrumpften Angebot“ stehe eine nach wie vor große und steigende Nachfrage für den Türkeiurlaub gegenüber. Für deutsche Urlauber, die eine Reise an die Türkische Riviera planen, aber noch nicht gebucht haben, wird es jetzt eng, so Verhuven.

Er rät Urlaubern, die eine Reise in die Türkei planen, rasch eine Entscheidung zu treffen, um eine gute Auswahl an Flügen und Hotels zu günstigen Preisen zu bekommen. Denn „wer auf Last-Minute-Schnäppchen in der Türkei in diesem Sommer wartet, könnte eine böse preisliche Überraschung erleben.“





Tagebuch: die Titanic-Story

16 04 2013

 Dienstag, 16. April 2013

 Ich lerne viele Menschen kennen. Das ist das Schönste an meinem Beruf. Interessante Menschen und langweilige, kreative und in sich versunkene, vor Ideen sprühende oder vorsichtig beharrende. Das müssen nicht immer Gegensätze sein. Oft ist gerade die vom Schicksal hingewürfelte Kombination scheinbar widersprüchlicher Charakterzüge so faszinierend.

2Ich treffe Menschen, die mir gute Laune machen. Nicht nur beim Interview, sondern immer, wenn ich an sie denke. Das ist unabhängig vom Alter und unabhängig davon, ob’s Männlein oder Weiblein sind. Einer dieser Menschen ist Stephanie Kaczmarek.

Stephanie Kaczmarek ist glücklich. „Stellen Sie sich mal vor“, schwärmt die Verkaufschefin des Hotels Titanic Comfort Mitte, „dann haben wir demnächst in Berlin-Mitte drei Häuser in den Kategorien drei, vier und fünf Sterne.“ Dann könne sie allen Buchungswünschen gerecht werden. Doch bevor Stephanie Kaczmarek derart auf dem Verkaufsklavier spielen kann, wird noch etwas Zeit ins Land gehen. In Betrieb, und das seit 2011, ist nur das Titanic Comfort, dessen Standard gut drei Sternen entspricht. Das Hotel hat die Besitzerfamilie Aygün, die in Berlin auch mehrere Restaurants besitzt, nicht zertifizieren lassen – und hat das auch mit den beiden Neubauten nicht vor, die zur Zeit in Mitte in Bau sind. Eines der beiden Häuser sollte eigentlich schon voriges Jahr eröffnet werden.

Die Namen der Häuser stehen noch nicht fest. Die jetzigen Bezeichnungen sind sozusagen Arbeitstitel, die die Lage kennzeichnen: Titanic Chauseestraße und Titanic Französische Straße. „Zwischen vier und fünf Sternen“, so Kaczmarek, wird das Hotel an der Chauseestraße haben. Entsprechend größer als im Comfort sind die 380 Zimmer, nämlich je 20 Quadratmeter. Das Hotel wird einen Pool besitzen und einen Hamam. Die Bankettfläche ist mit 1.500 Quadratmetern beachtlich. „Wir zielen auf Kongresse und Conventions“, sagt Kaczmarek. Die Eröffnung ist für Frühjahr kommenden Jahres vorgesehen.

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Hotel Titanic Comfort Mitte

In etwa zeitgleich wird auch das – vorerst – dritte Berliner Hotel der Titanic-Gruppe ins Rennen gehen. Es entsteht im ehemaligen Fundus der Deutschen Staatsoper in der Nähe vom Gendarmenmarkt. Der Ausbau ist nicht einfach, denn das Gebäude steht zum Teil unter Denkmalschutz. „Das Haus wird fünf Sterne haben und noch größere Zimmer“, sagt Stephanie Kaczmarek voller Stolz, Hotelverkäuferin aus Leidenschaft. Auch Maisonetten-Wohnungen wird das Hotel besitzen, eine Zigarrenlounge, einen über zwei Stockwerke reichenden Ballsaal. Ein „Hauch von Orient“, so verspricht Kaczmarek, wird das Hotel durchziehen.

Die Eignerfamilie der Titanic-Häuser besitzt auch acht Hotels in der Türkei: ein Haus in Antalya und sechs in Istanbul, davon zwei auf asiatischer und vier auf europäischer Seite. Und die Gruppe expandiert weiter. Gerade hat das achte türkische Haus, das Titanic Deluxe Belek, eröffnet. Es ist ein Hotel der Luxusklasse und der Superlative: Die Anlage hat eine Grundfläche von 170.000 Quadratmetern, die ein eigener Fluss durchzieht. 12.000 Quadratmeter nimmt das Spa-Zentrum ein, das größte in der Türkei. 600 Zimmer, davon viele in architektonisch eigenwilligen Villen, besitzt das Hotel. 20 Konferenzräume und -Hallen können Großereignisse mit bis zu 4.000 Teilnehmern verkraften. Und zwei Golfplätze gehören zum Titanic Deluxe Belek.

Modell Titanic Deluxe Belek

Modell Titanic Deluxe Belek

Danke für die Informationen, Stephanie Kaczmarek. Ich hab‘ schon wieder gute Laune.