Tagebuch: Doppel-Abschied – Nizza I

27 11 2014

Donnerstag, 27. November 2014

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Unser Tagungshotel: Le Meridien Nice

Birgit Leyens-Wiedau - DER Touristik FAuf dem Flug von Frankfurt nach Nizza saß eine eloquente, temperamentvolle Dame neben mir. Der Flug verging buchstäblich wie im Flug. Denn Birgit Leyens-Wiedau, so der Name, erzählte lebendig von ihrer Arbeit als Leiterin von Qualitätsmanagement und Kundenservice des Veranstalters DER Touristik Frankfurt [mit den Marken Dertour, Meier’s Weltreisen und ADAC Reisen]. Da hatten wir also dasselbe Ziel: die Programmvorstellung des Veranstalters, die an der Côte d’ Azur stattfinden sollte. Meine Sitznachbarin schilderte die Reklamationsbearbeitung ihrer Abteilung so plastisch, dass ich – vom Thema ganz begeistert – meinte: „Darüber sollten Sie bei der Programmvorstellung mal einen Workshop machen!“ Die trockene Antwort der Nachbarin: „Was meinen Sie, warum ich hier sitze.“

Solche Workshops sind heute Standard bei den Programmvorstellungen der großen Veranstalter. Der Chef des Unternehmens gibt normalerweise einen Überblick über das abgelaufene Touristikjahr und einen Ausblick auf das neue und informiert über Programmneuheiten. Und dann beginnen die Worksshops zur Vertiefung der Materie. Die von DER Touristik Frankfurt sind übrigens die besten, die ich kenne. Denn Bereichsleiter lassen uns Journalisten dabei hinter die Kulissen schauen – eine Kunst, die Souveränität voraussetzt und die nicht jeder Touristiker beherrscht. Es gibt auch Veranstalter-Workshops, bei denen Nebelkerzen geworfen werden oder Infos im PR-Sprech heruntergeleiert werden. Nein, ich nenne kein Beispiel.

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Als Michael Frese, Sprecher der Geschäftsführung von DER Touristik Frankfurt [für alle, die sich nicht auskennen: das ist nicht der Pressesprecher, sondern der CEO, der Boss] seine Rede hielt, war das so etwas wie ein Abschied. Nach 19 [?] Jahren bei der Firma geht er bald in den Ruhestand. Auch einer seiner Bereichsleiter [kleines Bild unten links]war zum letzten Male bei einer Programmvorstellung dabei: Günther Rücker, der Bereichsleiter Fernreisen. Er wird mir fehlen mit seinen Erzählungen am Rande der Programmvorstellung…

IMG_0028Zurück zu Freses Rede. Das abgelaufene Touristikjahr sei durch drei Faktoren – negativ – geprägt worden: Krieg, Cholera und Unruhen in Thailand. Durch die Ukraine-Krise, so Frese, sei der Tourismus in der Ukraine ist komplett zum Erliegen gekommen, und Reisen nach Russland seien bis um die Hälfte zurückgegangen. Wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika gehe das Urlauberaufkommen in Südafrika zurück. Hier wundert sich Michael Frese: „Dabei ist Westafrika von Europa weiter entfernt als von Südafrika.“

Das abgelaufene Touristikjahr brachte dem Griechenland-Geschäft des Veranstalters ein Plus von elf Prozent, der Türkei – vor allem durch den Wegfall des Flugverkaufs durch den insolventen Veranstalter GTI Travel – ein Minus von acht Prozent [von Frese irrtümlich als „leichter Rückgang“ bezeichnet]. Polen machte das Geschäft aller Geschäfte: Das Plus erreichte 46 Prozent. Dort wurden viele neue Hotels eröffnet, und DER Touristik Frankfurt baute das Angebot erheblich aus.

„Wir verstehen uns nicht als Generalisten, sondern als viele Spezialisten unter einem Dach“, stellte Frese klar. So ist es nicht verwunderlich, dass der Veranstalter mit 53 Katalogen ins neue Touristikjahr geht, darunter erstmals mit zwei Nordamerika-Katalogen. Der USA-Katalog „einschließlich Hawaii und ein paar Seiten Bahamas“ [Frese] hat 528 Seiten, der für Kanada und Alaska 288 Seiten. Drei Jahre hat Günter Rücker gequengelt und darauf gedrängt, dass der Amerika-Katalog geteilt wird. Erst dann hat der Chef nachgeben, jetzt selbst ganz offensichtlich zufrieden mit dieser Entscheidung.

Es ist immer gut, wenn der Chef auf seine Leute hört… 





Tagebuch: Oles Geschichte

26 07 2013

Freitag, 26. Juli 2013

Dies ist die – geraffte – Geschichte von Ole Bull. Ole wer? Ole Bornemann Bull. Ich wusste auch nicht, wer das ist, bevor ich kürzlich an der Programmvorstellung von DER Touristik Frankfurt [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen] in Norwegen teilnahm. Ole7Das interessante Rahmenprogramm führte uns zu Ole Bull. Also nicht direkt zu ihm, Ole Bull ist ja längst tot. Aber auf die kleine Insel Lysøen bei Bergen, wo er sich 1873 eine hölzerne Märchenvilla baute. Skandinavische, arabische, schweizer Stile mischen sich hier, den Turm krönt eine russische Zwiebelkuppel. Im Inneren: italienische Kamine, deutsche Glasmalereien, norwegische Holzschnitzereien.

Den Mittelpunkt des skurrilen Gebäudes bildet ein großer [Konzert-]Saal im atemberaubenden, aber geschmackvollen Stilmischmasch. Nichts ist in dem Haus verändert worden, nachdem Ole Bull hier 1880 an Krebs starb. Es ist, als habe er gerade erst das Haus verlassen. Im Sommer ist es für Besucher geöffnet, die Führungen haben überraschend hohes Niveau.

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Ole Bull ist so etwas wie ein norwegischer Nationalheld. Aber seine Geschichte muss einen Anfang haben. Seine Geburt. Die war am 5. Februar 1810 in Bergen. Die musikalische Begabung wurde ihm, wie es immer so schön heißt, in die Wiege gelegt. Schon mit neun Jahren wirkte der kleine Ole als Violinsolist in der Bergener Orchester-Vereinigung Harmonien. Seine Eltern wollten, dass er Theologe wurde, aber er bestand die Aufnahmeprüfung zum Studium nicht, gewiss kein Zufall.

Flugs gründete Ole ein Theaterorchester, und dann ging’s mit seiner Karriere bergauf. 1836 und 37, also in ganz jungen Jahren, gab Ole Bull fast 300 Konzerte in Irland und England. Ole6Mit 25 begeisterte er seine Zuhörer bei einem Solokonzert mit dem großen Orchester der Pariser Oper. 1840 spielte er gemeinsam mit Franz Liszt, zehn Jahre später gründete er das Norske Theater in Bergen.

Fünf Tourneen führten Ole Bull quer durch die USA. Er spielt auch eigene Kompositionen. Ole Bull soll mehr als 70 Werke komponiert haben, nur zehn davon sind heute bekannt. Aus Amerika brachte der Geiger und Komponist seine zweite, sehr junge Frau namens Sara Thorp [Foto rechts] mit auf seine kleine Insel.

Wie die folgende Begebenheit ins Bild passt, weiß ich selbst noch nicht. In Pennsylvania kaufte Bull 1852 ein 49.000 Hektar – 490 Quadratkilometer – großes Grundstück, auf dem er eine Kolonie gründete, um armen Bauern aus Norwegen eine neue Existenz zu bieten. Er etablierte vier Gemeinden mit den Namen “New Bergen“, „Oleana“, „New Norway“ und „Valhalla“ und begann so etwas wie eine hölzerne Burg zu bauen, die er „Nordjenskald” nannte, aber nie vollendete. Das Projekt scheiterte, weil die Siedler Probleme mit der Rodung der waldreichen Grundstücke hatten und auch der Boden nicht fruchtbar genug war. Die Norweger zogen weiter Richtung Westen.

Ole10Ole8Dieser wundersamen Geschichte lauschten wir in der Halle von Ole Bulls Haus. Sie wurde von einer jungen Norwegerin erzählt, die ein schönes, fast poetisches Englisch sprach.

Kaum war die Geschichte zuende, erklang hinter uns Engelsmusik. Ein großer, schwarzgekleideter Geiger kam langsamen Schrittes in die Halle und spielte auf Bulls alter, kostbarer Guarneri ein Werk von Ole Bull. Ich weiß nicht welches, aber die Auswahl ist ja nicht groß.

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Ole Bull und seine junge Frau. Spass: Anika Nziki von der DER Touristik-Pressestelle und ich machen einen Scherz…





Tagebuch: einfaches Rezept – Bergen I

14 07 2013

Sonntag, 14. Juli 2013

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Liebe deutsche Reiseveranstalter, liebe Pressereferenten und Pressereferentinnen derselben: Seht mir diese Lobeshymne nach: So leicht reicht Ihr an das Presseteam der früher so genannten Rewe-Bausteinveranstalter [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen, heute: DER Touristik Frankfurt] nicht heran. Ich habe in 40 Jahren Arbeit als Reisejournalist schon unzählige Pressereisen und Programmvorstellungen mitgemacht – perfekte und kaum erträgliche, gut organisierte und dahin geschluderte. Die Programmvorstellungen der Frankfurter sind die besten von allen. Ich denke an Krakau, Vilnius – und jetzt Bergen in Norwegen.

Bild 3 Das Rezept ist eigentlich einfach: Interessante Destinationen, gute bis ausgefallene Hotels, knackige Pressekonferenzen ohne viel Laberei und Selbsthudelei, zügig durchgeführte Workshops, allen Fragen gegenüber offene Bereichsleiter [einschließlich des Chefs!], ausgefallene Ausflüge – unter Einbindung der lokalen Tourismus-Verantwortlichen, die man so schnell nicht vergisst [die Ausflüge und die lokalen Vertreter] und nicht zuletzt das Quartett der Pressestelle. Die Damen sind immer zur Stelle, immer gesprächsbereit, immer um Hilfe und Abhilfe bemüht, wenn diese erforderlich ist – und immer herzlich. Und ich müsste lügen wenn ich behauptete, für den Charme der Pressereferentinnen nicht empfänglich zu sein.

Dertour1So, das musste mal gesagt werden. Oben schrieb ich „eigentlich ganz einfach“. Das ist nicht ganz richtig: Solch perfekte Reiseerlebnisse werden nicht aus dem Hut gezaubert. Man merkt die viele Arbeit, die hinter diesen Events steckt, dem Ablauf nicht an. Sie beginnt schon mit einer ausgiebigen Vorreise, in der die Destinationen und Locations gecheckt werden.

Was an wichtigen Nachrichten in Bergen verkündet wurde, stand und steht ausgiebig in der [Fach-]Presse – z.B. jetzt ein neuer Dertour-Studienreise-Katalog, medizinisch begleitete Reisen oder Dertour-Städtereisen jetzt auch mit Busanreise quer durch Deutschland. Über die Ausflüge – für alle ging es natürlich quer durch Bergen, bei den zu wählenden Rahmenprogrammen habe ich mich für „Kultur“ entschieden, werde ich noch weitere Tagebuch-Notizen posten.

Bergen

Happy in Bergen: der Autor [links!!!]

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Idylle in Hülle und Fülle

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[Fast] ein Traumhotel: Solstrand Hotel & Bad, unser Quartier

Zum Schluss für heute nur noch eines:

Als wir Berliner Journalisten gestern Morgen um 6:30 Uhr unser Hotel verließen [um via Oslo und Stockholm zurück nach Berlin zu fliegen], stand die gesamte Presse-Frauschaft von DER Touristik Frankfurt zum Winken bereit [von links]: Anja Bacher, Angela de Sando, Jessica Heinrich und Anika Nziki. Wir waren gerührt!

Abschied