Notizbuch: Malta auf Rekordkurs

6 04 2017

Donnerstag, 6. April 2017

Malta ist auf der Erfolgsspur. Nach fünf Jubeljahren lagen auch im Vorjahr die Zahlen ausländischer Besucher auf Rekordniveau. Knapp zwei Millionen Ausländer reisten im Vorjahr ins kleinste EU-Land. Das sind 10,5 Prozent mehr als 2015.

Traditionell lagen die Deutschen nach den Briten und den Italienern auf Platz drei der Statistik: Mit 157.000 Urlaubern – auch hier beträgt die Steigerung 10,5 Prozent – ist der deutsche Quellmarkt eine verlässliche Stütze im Malta-Tourismus.

Die Erfolgsstory setzt sich in diesem Jahr fort. „Die Buchungen liegen für alle drei Marken, TUI, Airtours und 1-2-Fly, über dem Vorjahr,“ erklärt Robin Wilbertz, Leiter TUI Produktma-nagement Malta. Und Steffen Keese, Product Manager Südeuropa von Gebeco, freut sich: „Die Nachfrage hat deutlich angezogen.“ Viele Veranstalter melden gar ein zweistelliges Buchungsplus. Einreisezahlen von Januar dieses Jahres, gewiss nicht der attraktivste Reisemonat, spiegeln die positive Tendenz: Die internationalen Gäste nahmen im Vergleich zum Januar 2016 um gut 21 Prozent zu, die der Deutschen um 20 Prozent. „Unsere Maltabuchungen sind mehr als zufriedenstellend“, bringt Kevin Ach es auf den Punkt, Senior Produktmanager Neckermann Reisen für Südeuropa und Nordafrika.

Mehr als zufrieden sind die Veranstalter auch mit dem Fremdenverkehrsamt Malta. „Wir arbeiten bereits seit Jahren sehr erfolgreich zusammen“, lobt Stefan Walter, Senior Product Manager Malta von FTI, die Malta-Werber. Ähnliche Töne schlagen auch die Produktmanager der Mitbewerber an.

Auch in einem anderen Punkt liegen sie auf einer Wellenlänge: in ihrer Kritik am Flugangebot. „Die Fluganbindung ab Deutschland könnte ausgebaut werden“, klagt Christina Link vom Alltours-Hoteleinkauf, „insbesondere mangelt es hier an Direktflügen.“

Das sieht man auch bei der TUI so. Wilbertz: „Eine größere Auswahl an Direktflügen wäre wünschenswert.“ „Schade ist, dass Air Malta ihre Verbindung ab Frankfurt eingestellt hat,“ beklagt sich Zsuzanna Szabo, Produktmanagerin von Dertour, „erfreulich ist, dass die Condor Malta mit in ihr Programm aufgenommen hat.“ Omid Haghighat von JT Touristik hofft, “dass die neue Anbindung mit Condor das jetzige Wachstum noch weiter unterstützen kann.”

Bleibt noch das Kapitel Hotels. Auch hier hält sich die Kritik in Grenzen. “Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Ein, zwei Boutique-Hotels, die man für Gruppen nutzen kann, wären schick“, sagt Thomas Graune, Area Manager von Studiosus. „Auf den Inseln gibt es verschie-dene Hotelkategorien, die die Nachfrage von einfach bis luxuriös abdecken“, fasst Claudia Ortel, Produktmanager Wikinger Reisen, die Hotelsituation zusammen, „die Häuser, die ich bis jetzt auf Malta kennengelernt habe, entsprechen den Erwartungen unser Gäste.“

Mein Bericht ist in leicht geänderter Fassung – aber mit anderen Fotos – im Malta-Special der Zeitschrift touristik aktuell in der Ausgabe 12/2017 [vom 3. April] erschienen.

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Notizbuch: die Kakerlaken im Reid’s – Bericht über eine angenehme Reise

12 02 2017

Samstag, 11. Februar 2017

Es gibt Luxushotels, die sind und bleiben Legenden, ganz gleich, welcher Company sie gerade gehören und wer als Generalmanager oder Generalmanagerin dem Haus vorsteht. Das Hotel Vier Jahreszeiten in München gehört dazu, selbstverständlich das Oriental in Bangkok und auch Reid’s Palace in Funchal/Madeira. Da war ich jetzt für ein paar Tage und erinnerte mich lebhaft an meinem ersten Besuch in diesem Luxushaus vor 30 Jahren. Im Mittelpunkt der Reminiszenz steht eine Diskussion mit dem damaligen Chef über – Kakerlaken.

Eingeladen hatte unseren Pulk von Reisejournalisten das Unternehmen DER Touristik, und zwar beide „Zweige“: das Kölner Unternehmen [ITS, Jahn Reisen und TRAVELiX] und die Frankfurter Firma [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen]. Nicht nur Pressesprecher und Pressesprecherinnen waren mit von der Partie, sondern auch ein paar Chefs – allen voran Rolf-Dieter Maltzahn [Geschäftsführer Köln] und Matthias Rotter [Geschäftsführer Frankfurt].

Die Informationsreisen von DER Touristik gehören zu den interessantesten und angenehmsten, die ich kenne. Das hat mit den Zielen und angebotenen Ausflügen zu tun und mit den Mitarbeitern der Firma: Die Pressesprecher zählen zu den besten, die man in der Branche finden kann [und, diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen: zu den charmantesten; das gilt auch für die männliche Neuerwerbung in Köln, Martin Schlupp]. Und die Bosse geben nicht die Unnahbaren und machen nicht auf Halbgötter im Management, wie es bei einigen anderen Reiseveranstaltern durchaus üblich ist. Kurz: Wie immer war auch diese Reise ein erfreulicher Höhepunkt im Jahresablauf, dies gleich zu Beginn des Jahres.

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Von rechts: Matthias Rotter [Geschäftsführer Frankfurt], unser Guide und Dietmar Malcherek, Bereichsleiter Mittelmeer der DER Touristik Frankfurt

hotelUnd dann noch dieses Hotel. Das über 100 Jahre alte Traditionshotel gehört heute zur Belmond-Gruppe. Es ist vornehm und mit Stilmöbeln ausgestattet. Vasen, Mobiliar, die Vitrinen mit Bildern berühmter Besucher, das alles ist kostbar. Aber nichts ist aufdringlich, kein Pritzprotz, wie viele andere Luxusherbergen ihn zur Schau stellen. Reid’s Palace ist ein wohltuend altmodisches Hotel. Das gilt irgendwie auch für das Personal. Der Concierge Aguiar Nunes steht seit fast 52 Jahren im Dienst des Hauses. Seine erste Schicht war am 4. November 1965.

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Der Concierge Aguiar Nunes

Vor 30 Jahren habe ich in dem Hotel eine Woche verbracht. Inzwischen hat das fünfstöckige alte Hauptgebäude ein sechsstöckiges neues Nebengebäude erhalten. Aber beide Gebäude sind höhenmäßig versetzt, das neuere Gebäude erstreckt sich Richtung Meer den Steilhang hinunter. Ich wohnte im fünften Stock im Altbau und wollte zum Frühstück in den untersten [oder war es der zweite?] Stock im Neubau. Ich irrte umher und lernte dabei ein paar Kolleginnen und Kollegen aus der Pressegruppe kennen, die ich noch nicht kannte und die auch suchend und frühstückshungrig umherirrten.

img_0009Als ich nach dem Frühstück die Lobby suchte, sprach mich ein Herr an und meinte auf Eng-lisch, er würde mir gerne den Weg zeigen. Er war ein sehr freundlicher Mann mit einem ge-winnenden Lächeln; er trug Jeans, ein Hemd im „Holzfällerlook“, ein einfaches blaues Jackett. Ein Gast? Ein Mitarbeiter? „Und was machen Sie denn so?“ fragte ich ihn eine Spur zu vertraulich. Seine Antwort: „I am the general manager of this house“. Oh. Der GM Ciriaco Campus, ein Italiener, ist ein bescheidener Mann. Das passt zu dem Hotel. Er erzählte mir, dass er 240 Mitarbeiter beschäftigt. Das Haus hat 158 Zimmer und Suiten.

Vor 30 Jahren hatte ich ein weniger freundschaftliches Gespräch mit dem damaligen GM, einem Schweizer. In unserem Zimmer waren die Schränke mit Schrankpapier ausgelegt – und unter denen raschelte und krabbelte es: Kakerlaken [laut Wikipedia KEIN Zeichen von Unsauberkeit oder mangelnder Hygiene]! Übrigens nicht die großen asiatischen Viecher, sondern die kleineren Südeuropäer. Kakerlaken kenne er nicht, sagte der Hotelchef. Und er dachte nach: „Kakerlaken… Kakerlaken? Ach sooo: Schwabenkäfer!“ Als wir später ins Zimmer zurückkamen, wäre uns eine Gasmaske recht gewesen. So sehr war gegen die Kakerlaken gesprüht worden. Aber es krabbelte nicht mehr.

Zurück in die Gegenwart: Die Zimmer und Suiten in dem Luxushaus sind ziemlich verschieden und preislich sehr gestaffelt. Ich habe einmal die Probe gemacht: Für die Zeit vom 13. bis 16. Mai, also für drei Nächte, zahlen zwei Personen im Doppelzimmer zwischen 1.400 und 3.300 Euro. Nun gibt es preiswerte Buchungswege, z.B. Buchungsportale – oder Reiseveranstalter. So findet sich das Hotel im aktuellen Dertour deluxe-Katalog Europa (Sommer 2017), sieben Nächte im Classic-Doppelzimmer einschließlich Frühstück und 30 Euro Spa-Gutschein sind pro Person ab 1.148 Euro zu buchen, wenn die Buchung bis 45 Tage vor Anreise erfolgt. Dazu kommen noch die Flugkosten.

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Ausblick aus meinem Zimmer

Für Normalsterbliche unbezahlbar sind die Präsidenten-Suiten, von denen eine George Bernard Shaw gewidmet ist, die andere dem früheren britische Premierminister Winston Churchill, der sich ab 1950 mehrfach in dem Hotel erholte und malte. Auch Charlie Chaplin war Gast und die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Und wer darf in dem Kreis solch illustrer Gäste nicht fehlen? Richtig: die Sissi, von mir respektlos Sissi überall genannt – die Kaiserin Elisabeth von Österreich.





Notizbuch: Hellas jubelt

8 02 2017

Griechenland jubelt. Die Griechenland-Veranstalter jubeln. Der Grund: Hellas ist wie ein Volkswagen – und läuft und läuft.

So optimistisch wie diesmal ist die Reisebranche wohl noch nie in eine Griechenland-Saison gestartet. „ Wir rechnen damit, dass dies das Trendziel des Sommers 2017 wird“, sagt Florian Fleischer, Leiter des TUI Produktmanagements Griechenland. Er hat guten Grund zum Optimismus: Mit einem Buchungsplus von 41 Prozent ist Griechenland bei den Hannoveranern zum Saisonauftakt Favorit. Auch Sabine Näcker vom Griechenland-Produktmanagement der Veranstalter-Marken Thomas Cook und Neckermann-Reisen stellt mit Genugtuung „ein ordentliches Buchungswachstum“ bei den Hellas-Buchungen fest. „Alle griechischen Destinationen liegen im Plus“, betont Oliver Grosse-Kleimann vom Alltours Produktmanagement. „Im Pauschalgeschäft erleben wir einen wahren Ansturm auf Griechenland“, staunt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer DER Touristik Köln, „fast alle griechischen Ziele wachsen überdurchschnittlich.“

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So rechnen denn alle Griechenlandanbieter mit einem Plus am Ende der Saison, auch Schauinsland und FTI, JT-Touristik oder ETI, Attika-Reisen und Dertour. Da stehen auch die Anbieter von Studienreisen nicht zurück, deren Buchungssaison häufig anders verläuft als bei den großen Sortimentern. Thomas Graune, Area Manager bei Studiosus: „Wir verzeichnen aktuell ein hohes zweistelliges Buchungsplus und führen das u. a. auf einen Nachholbedarf zurück.“ Auch Steffen Keese, Produktmanager bei Gebeco, liefert den Grund für den momentanen Erfolg gleich mit: „In den Medien laufen deutlich weniger schlechte Nachrichten aus Griechenland.“

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Für die Produktmanager kommt der Erfolg nicht von ungefähr. Unisono heißt es in der Branche: Griechenland ist im internationalen Vergleich nicht nur gut, sondern sehr gut aufgestellt. „Der Tourismus in Griechenland befindet sich auf einem sehr respektablen Kurs: Die Branche weiß um ihr großes volkswirtschaftliches Gewicht“, fasst es Jan Frankenberg, Bereichsleiter Produkt und Hoteleinkauf der DER Touristik Köln, zusammen. Und: „Beim Thema Servicequalität spielt Griechenland in einer Liga mit Spanien.“

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Es sind vor allem die Massenziele, die beim Boom Masse machen: Kreta, Rhodos, Korfu. Auch Kos, in den Vorjahren wegen der Flüchtlingskrise von vielen Urlaubern gemieden, ist wieder gut im Geschäft. Da die großen Inseln die Nachfrage nicht befriedigen könnten, haben jetzt auch kleinere Inseln wie Paros, Naxos, Santorin und Mykonos größere Chancen als in den Vorjahren. „Das ist das größte Griechenland-Angebot aller Zeiten“, frohlockt Florian Fleischer von der TUI. Sie hat allein auf Kreta, Rhodos und Kos das Angebot um 40 Prozent erweitert. Auf der Beliebtheitsskala aller weltweiten TUI Ziele liegt Griechenland bei den Gästen auf dem zweiten Platz hinter Spanien. Auch bei Alltours hat sich Hellas zum zweitstärksten Sommerziel entwickelt.

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Bleiben bei solch einem Aufgebot noch genug Flugsitze und Hotelbetten für die Konkurrenz? „Wir haben vorgesorgt“, heißt es sinngemäß bei fast allen Häusern. Aber wegen der guten Nachfrage „werden die Hotels in diesem Jahr schneller ausgebucht sein“, warnt Lothar Münzenthaler, Produktleiter Dertour, „hier heißt es: schnell sein!“ Ein Last Minute-Geschäft wird es kaum geben.

Diesen Bericht habe ich im Auftrag von touristik aktuell recherchiert und geschrieben. Er ist in leicht veränderter Fassung – und ohne  Fotos – in Ausgabe 4/2017 der Fachzeitschrift erschienen.





Tagebuch: Doppel-Abschied – Nizza I

27 11 2014

Donnerstag, 27. November 2014

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Unser Tagungshotel: Le Meridien Nice

Birgit Leyens-Wiedau - DER Touristik FAuf dem Flug von Frankfurt nach Nizza saß eine eloquente, temperamentvolle Dame neben mir. Der Flug verging buchstäblich wie im Flug. Denn Birgit Leyens-Wiedau, so der Name, erzählte lebendig von ihrer Arbeit als Leiterin von Qualitätsmanagement und Kundenservice des Veranstalters DER Touristik Frankfurt [mit den Marken Dertour, Meier’s Weltreisen und ADAC Reisen]. Da hatten wir also dasselbe Ziel: die Programmvorstellung des Veranstalters, die an der Côte d’ Azur stattfinden sollte. Meine Sitznachbarin schilderte die Reklamationsbearbeitung ihrer Abteilung so plastisch, dass ich – vom Thema ganz begeistert – meinte: „Darüber sollten Sie bei der Programmvorstellung mal einen Workshop machen!“ Die trockene Antwort der Nachbarin: „Was meinen Sie, warum ich hier sitze.“

Solche Workshops sind heute Standard bei den Programmvorstellungen der großen Veranstalter. Der Chef des Unternehmens gibt normalerweise einen Überblick über das abgelaufene Touristikjahr und einen Ausblick auf das neue und informiert über Programmneuheiten. Und dann beginnen die Worksshops zur Vertiefung der Materie. Die von DER Touristik Frankfurt sind übrigens die besten, die ich kenne. Denn Bereichsleiter lassen uns Journalisten dabei hinter die Kulissen schauen – eine Kunst, die Souveränität voraussetzt und die nicht jeder Touristiker beherrscht. Es gibt auch Veranstalter-Workshops, bei denen Nebelkerzen geworfen werden oder Infos im PR-Sprech heruntergeleiert werden. Nein, ich nenne kein Beispiel.

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Als Michael Frese, Sprecher der Geschäftsführung von DER Touristik Frankfurt [für alle, die sich nicht auskennen: das ist nicht der Pressesprecher, sondern der CEO, der Boss] seine Rede hielt, war das so etwas wie ein Abschied. Nach 19 [?] Jahren bei der Firma geht er bald in den Ruhestand. Auch einer seiner Bereichsleiter [kleines Bild unten links]war zum letzten Male bei einer Programmvorstellung dabei: Günther Rücker, der Bereichsleiter Fernreisen. Er wird mir fehlen mit seinen Erzählungen am Rande der Programmvorstellung…

IMG_0028Zurück zu Freses Rede. Das abgelaufene Touristikjahr sei durch drei Faktoren – negativ – geprägt worden: Krieg, Cholera und Unruhen in Thailand. Durch die Ukraine-Krise, so Frese, sei der Tourismus in der Ukraine ist komplett zum Erliegen gekommen, und Reisen nach Russland seien bis um die Hälfte zurückgegangen. Wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika gehe das Urlauberaufkommen in Südafrika zurück. Hier wundert sich Michael Frese: „Dabei ist Westafrika von Europa weiter entfernt als von Südafrika.“

Das abgelaufene Touristikjahr brachte dem Griechenland-Geschäft des Veranstalters ein Plus von elf Prozent, der Türkei – vor allem durch den Wegfall des Flugverkaufs durch den insolventen Veranstalter GTI Travel – ein Minus von acht Prozent [von Frese irrtümlich als „leichter Rückgang“ bezeichnet]. Polen machte das Geschäft aller Geschäfte: Das Plus erreichte 46 Prozent. Dort wurden viele neue Hotels eröffnet, und DER Touristik Frankfurt baute das Angebot erheblich aus.

„Wir verstehen uns nicht als Generalisten, sondern als viele Spezialisten unter einem Dach“, stellte Frese klar. So ist es nicht verwunderlich, dass der Veranstalter mit 53 Katalogen ins neue Touristikjahr geht, darunter erstmals mit zwei Nordamerika-Katalogen. Der USA-Katalog „einschließlich Hawaii und ein paar Seiten Bahamas“ [Frese] hat 528 Seiten, der für Kanada und Alaska 288 Seiten. Drei Jahre hat Günter Rücker gequengelt und darauf gedrängt, dass der Amerika-Katalog geteilt wird. Erst dann hat der Chef nachgeben, jetzt selbst ganz offensichtlich zufrieden mit dieser Entscheidung.

Es ist immer gut, wenn der Chef auf seine Leute hört… 





Tagebuch: Weißt Du, wieviel Sternlein stehen…

8 01 2014

Mittwoch, 8. Januar 2014

Jeder kennt so eine Geschichte aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Da bucht jemand voller Erwartung ein Vier-Sterne-Hotel und wird am Urlaubsort herb enttäuscht. Das Essen ist alles andere als First Class, das Personal ruppig, das Zimmer schmuddelig. Wer sich auf die Hotelsterne verlässt, ist oft verlassen. Eine europaweite Initiative ist dabei, das zu ändern.

Der Sternenhimmel über den Urlaubsgebieten der Welt funkelt in unterschiedlicher Intensität. Ideal wäre eine einheitliche Klassifizierung für den ganzen Globus. Aber schon in Europa erschweren verschiedene Erwartungen die Vereinheitlichung: Legen Gäste aus skandinavischen Ländern größten Wert auf ein großzügig bemessenes Bett, ist dies den meisten Südeuropäern schnuppe. Franzosen erwarten ein Bidet im Zimmer. Nebenbei: Ohne Eismaschine auf dem Korridor geht bei Amis nichts. Wie solche Hoffnungen in ein Sternekorsett zwingen? Geht gar nicht, sagen beispielsweise die Finnen – und verzichten völlig auf eine Hotelklassifizierung.

Sechs Sterne in Dubai

 Dass die Sterne-Systeme der einzelnen Länder sich häufig nicht miteinander vergleichen lassen, haben Reiseveranstalter längst erkannt und eigene Kennzeichnungen entwickelt. Da gibt es Sonnen [TUI], ein bis 5 „N“ [Neckermann], Rauten [Dertour] und vieles mehr. Auch hier ist Vorsicht angebracht: Streng genommen lassen sich die Sonnen, Ns und Rauten nur in den jeweiligen Regionen vergleichen. Manchmal reicht das vorhandene Fünf-Stufen-Arsenal an Sterne-Ersatz nicht aus – zum Beispiel beim Superluxushotel Burj al Arab in Dubai. Da wurde flugs eine sechste Kategorie kreiert.

Aber die Veranstalter überprüfen die Hotelprädikate jedes Jahr. Das ist beim viel gepriesenen Sterne-System des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes [Dehoha] nicht der Fall. Die verliehenen Sterne – mitsamt einer repräsentativen Tafel neben der Eingangstür – gelten drei Jahre. Dann muss erneut geprüft werden, und zwar alle 270 Punkte aus dem pingeligen Kriterien-Katalog. Das System kennt fünf Stufen: von einem Stern [„Unterkunft für einfache Ansprüche“] bis zu fünf Sternen [„Unterkunft für höchste Ansprüche“]. Liegt ein Hotel in der Bewertung zwischen zwei Stufen, wird zusätzlich zur niedrigeren Stufe ein „Superior“ verliehen. Sechs von zehn Häusern finden sich in der Kategorie drei Sterne [„Unterkunft für gehobene Ansprüche“] wieder. Die Anforderungen sind durchaus hoch [s. Kasten]. Auffallend ist, dass sich ein internationaler Trend auch in Deutschland ausbreitet: Die 4-Sterne-Häuser [Dehoga: „Unterkunft für hohe Ansprüche“] nehmen rasant zu.

System mit Schwachpunkten

Aber das System hat mehrere Schwachpunkte: Erstens sind nicht weniger als 18 regionale Gesellschaften bei der Klassifizierung zugange. Im Saarland ist das zum Beispiel die Förderungsgesellschaft für das saarländische Gaststätten- und Hotelgewerbe mbH, in Mecklenburg-Vorpommern die Hotel- und Gaststätten Marketing GmbH. Auch wenn die Tester nach einheitlichen Kriterien arbeiten, sind da Unschärfen vorprogrammiert. Wie ist es – um nur ein Beispiel zu nennen – zu erklären, dass ein Leser in einem Haus einer internationalen Hotelkette in einer bedeutenden deutschen Messestadt von Service- und Ausstattung enttäuscht ist, obwohl am Eingang das Schild „4 Sterne Superior“ prangt: 90 Minuten Wartezeit an der Rezeption, nicht perfekt sauberes Zimmer, an die Wand geklatschtes Bügelbrett mitsamt Bügeleisen…

Der Dehoga versichert, gegen Ausreißer dieser Art ebenso hart vorzugehen wie gegen Hoteliers, die sich selbst ohne jede Prüfung Fantasie-Sterne verleihen. Das kommt immer wieder vor. Ein anderer Schwachpunkt ist nicht zu übersehen: Die Klassifizierung ist freiwillig, und 60 Prozent der 21000 deutschen Hotels sind nicht klassifiziert. Die einen scheuen die Kosten – je nach Größe des Hauses liegen sie für Nicht-Dehoga-Mitglieder zwischen 520 und 720 Euro -, die anderen wie das komfortable Landhaus „Lösch für Freunde“ in Hornbach/Saarland halten eine solche Prozedur schlicht für überflüssig.

Deutschland liefert Blaupause

Bei allen Schwächen der deutschen Klassifizierung: Sie dient einer europaweiten Initiative zur einheitlichen Hotelkennzeichnung als Blaupause. Dabei handelt es sich erstaunlicherweise nicht um ein Projekt der EU-Kommission, deren Regulierungswut noch nicht einmal vor dem Krümmungsgrad von Bananen halt macht. Sondern eine freiwillige Kooperation europäischer Hotelverbände namens HOTELSTARS UNION. Schirmherr und Dach ist die in Brüssel ansässige HOTREC – Hotels, Restaurants und Cafés in Europa. Der Dachverband vertritt 1,7 Millionen Betriebe mit 9,5 Millionen Arbeitnehmern in 27 europäischen Ländern.

 Nicht alle sind Mitglied der HOTELSTARS UNION, aber immerhin 15: Belgien, Dänemark, Deutschland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Schweden, Schweiz, Österreich, Tschechien und Ungarn. Frankreich und Italien verhalten sich noch abwartend und haben Beobachterstatus. Die Union bedeutet konkret: Ein 3-Sterne-Hotel in Kopenhagen ist mit einem 3-Sterne-Haus auf Kreta vergleichbar. Bis Ende kommenden Jahres sollen in den Mitgliedsländern 21000 Hotels klassifiziert sein, und die Union drängt europaweit Reiseveranstalter und Buchungsportale, die einheitliche Klassifizierung zu übernehmen. Nur ein Punkt der einheitlichen „Klassifizierungsspielregeln“ bereitet Kritikern Kopfzerbrechen. Da ist zu lesen: „Begrenzter Ermessensspielraum gegeben.“

Dieser Bericht aus meiner Feder ist in leicht geänderter Fassung in der Januar-Ausgabe von Clever Reisen erschienen.

Rückblick: Ich schäme mich. Fremd. Für meine Kollegen der Krawall-Berichterstattung. Da muss die Frau des Ex-Rennfahrers Schumacher die Pressemeute zum wiederholten Male bitten, das Krankenhaus, in dem ihr Mann im Koma liegt, zu verlassen, die Ärzte ihre Arbeit tun zu lassen, die Familienmitglieder in Ruhe zu lassen…





Tagebuch: einfaches Rezept – Bergen I

14 07 2013

Sonntag, 14. Juli 2013

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Liebe deutsche Reiseveranstalter, liebe Pressereferenten und Pressereferentinnen derselben: Seht mir diese Lobeshymne nach: So leicht reicht Ihr an das Presseteam der früher so genannten Rewe-Bausteinveranstalter [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen, heute: DER Touristik Frankfurt] nicht heran. Ich habe in 40 Jahren Arbeit als Reisejournalist schon unzählige Pressereisen und Programmvorstellungen mitgemacht – perfekte und kaum erträgliche, gut organisierte und dahin geschluderte. Die Programmvorstellungen der Frankfurter sind die besten von allen. Ich denke an Krakau, Vilnius – und jetzt Bergen in Norwegen.

Bild 3 Das Rezept ist eigentlich einfach: Interessante Destinationen, gute bis ausgefallene Hotels, knackige Pressekonferenzen ohne viel Laberei und Selbsthudelei, zügig durchgeführte Workshops, allen Fragen gegenüber offene Bereichsleiter [einschließlich des Chefs!], ausgefallene Ausflüge – unter Einbindung der lokalen Tourismus-Verantwortlichen, die man so schnell nicht vergisst [die Ausflüge und die lokalen Vertreter] und nicht zuletzt das Quartett der Pressestelle. Die Damen sind immer zur Stelle, immer gesprächsbereit, immer um Hilfe und Abhilfe bemüht, wenn diese erforderlich ist – und immer herzlich. Und ich müsste lügen wenn ich behauptete, für den Charme der Pressereferentinnen nicht empfänglich zu sein.

Dertour1So, das musste mal gesagt werden. Oben schrieb ich „eigentlich ganz einfach“. Das ist nicht ganz richtig: Solch perfekte Reiseerlebnisse werden nicht aus dem Hut gezaubert. Man merkt die viele Arbeit, die hinter diesen Events steckt, dem Ablauf nicht an. Sie beginnt schon mit einer ausgiebigen Vorreise, in der die Destinationen und Locations gecheckt werden.

Was an wichtigen Nachrichten in Bergen verkündet wurde, stand und steht ausgiebig in der [Fach-]Presse – z.B. jetzt ein neuer Dertour-Studienreise-Katalog, medizinisch begleitete Reisen oder Dertour-Städtereisen jetzt auch mit Busanreise quer durch Deutschland. Über die Ausflüge – für alle ging es natürlich quer durch Bergen, bei den zu wählenden Rahmenprogrammen habe ich mich für „Kultur“ entschieden, werde ich noch weitere Tagebuch-Notizen posten.

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Happy in Bergen: der Autor [links!!!]

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Idylle in Hülle und Fülle

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[Fast] ein Traumhotel: Solstrand Hotel & Bad, unser Quartier

Zum Schluss für heute nur noch eines:

Als wir Berliner Journalisten gestern Morgen um 6:30 Uhr unser Hotel verließen [um via Oslo und Stockholm zurück nach Berlin zu fliegen], stand die gesamte Presse-Frauschaft von DER Touristik Frankfurt zum Winken bereit [von links]: Anja Bacher, Angela de Sando, Jessica Heinrich und Anika Nziki. Wir waren gerührt!

Abschied





Tagebuch: unterirdisch – Vilnius II

25 07 2012

Mittwoch, 25. Jui 2012

Schöne Städte suchen sich die Baustein-Veranstalter der Rewe Touristik – also Dertour, Meiers’s Weltreisen und ADAC Reisen – immer aus, um ihre neuen Programme vorzustellen. Vor einem Jahr war das Krakau, danach Toledo [wo ich nicht mit war], diesmal Vilnius.  Die Hauptstadt Litauens, in der rund 550.000 Menschen leben, besitzt eine der ausgedehntesten Altstädte Europas – und eine der besterhaltenen. Barock spielt in der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Stadt die Hauptrolle, aber auch viele gotische und Renaissance-Bauten und klassizistische machen den Reiz der Stadt aus. Ich liebe solche Vergleiche nicht, weil sie die betreffende Stadt desavouieren [Dresden als „Elbflorenz“ ist eben nicht Florenz…], aber Vilnius wird „Rom des Ostens“ genannt: 50 Kirchen besitzt die Stadt.

50 Kirchen besitzt Vilnius…

…eine davon ist die Kathedrale Sankt Stanislaus

Eine davon ist die Kathedrale Sankt Stanislaus mit wunderbarem klassizistischen, abseits der Kirche stehendem Glockenturm. Für meinen Geschmack haben wir bei der Stadtführung zu viel Zeit in der Krypta der Kathedrale verbracht [s. kleines Foto] – ein Unding, wenn die Krypta die erste Station der Führung ist. So ging viel Zeit für andere schöne Gebäude verloren; die gotische St. Annen-Kirche beispielsweise, nur ein Beispiel von vielen, haben wir nicht besichtigt. Aber wenigstens die Burgruine von Gediminas haben wir besichtigt, immerhin etwas.

Ein Besuch im KGB-Museum war nicht eingeplant, auch nicht der Fernsehturm, der zur Wendezeit heiß umkämpft war.

Ich habe mich an Krakau erinnert, wo ich von der Stadtführung mehr als begeistert war – Auszüge aus dem Tagebuch vom 22. Juli vorigen Jahres: Eine solche Gästeführerin ist ein Göttergeschenk. Sie heißt Sylwia Jeruzal, redet ‘mit Händen und Füßen’, spricht hervorragend Deutsch und hat eine der Journalistengruppen geführt, die auf Einladung der Rewe-Bausteingruppe in Krakau weilten. Sylwia hielt sich nicht mit der Aufzählung sämtlicher polnischer Herrscher auf, präsentierte nicht jedes Kunstwerk im Detail, setzte eigene, ganz persönliche Akzente. Immer wieder ließ sie sich von ihren eigenen Schilderungen mitreißen, dann entfuhr ihr ein “Wahnsinn”.  Aber einen Tag später erlebte eine unserer Gruppen dasselbe Desaster wie diesmal in Vilnius: Unsere Fremdenführerin war bei weitem nicht so gut wie die vom Vortag [s. Tagebuch vom 22. Juli: Veit Stoß, Krakau II]. Wenn sie ihr Ziel erreicht hatte [OHNE uns vorher zu sagen, was denn die nächste Station auf der Führung ist] , redete sie los – unabhängig davon, wie viele Teilnehmer der Gruppe ihrem Fast-Laufschritt folgen konnten. Schnell machte der Spruch die Runde: “Wir sind auf einer Pressereise, nicht auf der Flucht…” Das umfangreiche Wissen der Führerin zweifle ich nicht an, aber Geschick im Führen einer Gruppe hatte sie nicht.

Schade! Aber einen Tag später erlebten wir einen Ausflug vom Feinsten. Davon in der nächsten Tagebuch-Notiz…