Notizbuch: Bulgarien boomt

7 03 2017

Montag, 7. März 2017

Sieger und Verlierer im aktuellen Tourismusgeschäft treffen sich jetzt auf der ITB Berlin, der größten Tourismusmesse der Welt. Zu den Gewinnern gehören Griechenland und Bulgarien. Vor allem Bulgarien profitiert von der schwächelnden Nachfrage der Reiseländer Ägypten und Tunesien und wohl auch der Türkei.

Dies bescherte dem Land – in erster Linie natürlich der Schwarzmeerküste – in den vergangenen zwei Jahren einen Riesenerfolg. Die Zahl der deutschen Touristen, die traditionell hinter Rumänien und Griechenland rangiert, stieg im Vorjahr von Januar bis November um über 32 Prozent auf 812000 Feriengäste.

Begehrte Schwarzmeerküste: Albena. Foto: JT Touristik

Noch ist kein Ende des Booms abzusehen. Davon haben vor allem die Anbieter von Badeurlaub etwas. „Als Veranstalter von Studienreisen profitieren wir nicht von einer Nachfrageverschiebung“, sagt Area Manager Manfred Schreiber von Studiosus. Alltours dagegen, Anbieter von klassischem Badeurlaub, hat nach einem Plus von 37 Prozent im Vorjahr noch einmal kräftig aufgestockt. Die Rechnung geht auf: Der Veranstalter liegt derzeit im zweistelligen Buchungsplus. Noch ein weiteres Beispiel: Fast 100 Hotels in allen wichtigen Regionen bietet ETI an. Michael Nickel, Leiter der Produktabteilung: „Mehr als 40 Flüge die Woche deutschlandweit nach Varna und Burgas runden das Angebot ab.“

Wie seine Kollegen ist Nickel davon überzeugt, dass die Situation rund ums Mittelmeer nicht der einzige Grund für den Bulgarien-Boom ist: „Bulgarien besticht durch ein hervorragendes Preis-/Leistungs-verhältnis und mit einem Produkt, das hervorragend auf die Bedürfnisse der deutschen Kunden zugeschnitten ist.“ Zu diesem Produkt gehören für Omid Haghighat, Head of IT & Product bei JT Touristik auch „das All Inclusive-Angebot und die langen Sandstrände.“ Daher könne man die Beliebtheit der Destination „nicht alleine auf eine Verschiebung durch sogenannte Krisenländer rechtfertigen“, betont auch Halina Strzyzewska, Senior Commercial Manager für Südosteuropa bei FTI. Der Beweis: „Neben den Regionen Gold- und Sonnenstrand entwickelt sich auch in bisher weniger bekannte Küstenorte die touristische Infrastruktur mit einem hochwertigen Hotelangebot.“ Zudem besitzt Bulgarien Weltklasse-Golfplätze und zieht mit diesem Angebot neue Gäste an.


Unisono weisen die Bulgarien-Anbieter in der Branche kolportierte Gerüchte zurück, mit dem Boom sei auch die Reklamationsquote in die Höhe geschnellt. Omid Haghighat spricht für alle Mitbewerber, wenn er feststellt: „Wir haben keine besondere Reklamationsquote bei Bulgarien-Urlaubern feststellen können und haben auch selber keinen Grund. etwas zu beanstanden.“

Ein Punkt bereitet Thomas Grober vom Alltours Hoteleinkauf allerdings Unbehagen: „Die Hotels leiden unter der Abwanderung von touristischem Fachpersonal ins Ausland, das ist vor allem für Bulgarien ein Problem.“ Die Konsequenz, so assistiert Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer der DER Touristik Köln, sei „die Beschäftigung minder ausgebildeter Saisonarbeitskräfte aus Nachbarstaaten.“ Und der Touristiker warnt: „Mittel- und langfristig könnten daher Qualitätsdefizite entstehen.“

Mein Bericht ist am 6. Februar im Osteuropa-Schwerpunkt der Zeitschrift touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: Hellas jubelt

8 02 2017

Griechenland jubelt. Die Griechenland-Veranstalter jubeln. Der Grund: Hellas ist wie ein Volkswagen – und läuft und läuft.

So optimistisch wie diesmal ist die Reisebranche wohl noch nie in eine Griechenland-Saison gestartet. „ Wir rechnen damit, dass dies das Trendziel des Sommers 2017 wird“, sagt Florian Fleischer, Leiter des TUI Produktmanagements Griechenland. Er hat guten Grund zum Optimismus: Mit einem Buchungsplus von 41 Prozent ist Griechenland bei den Hannoveranern zum Saisonauftakt Favorit. Auch Sabine Näcker vom Griechenland-Produktmanagement der Veranstalter-Marken Thomas Cook und Neckermann-Reisen stellt mit Genugtuung „ein ordentliches Buchungswachstum“ bei den Hellas-Buchungen fest. „Alle griechischen Destinationen liegen im Plus“, betont Oliver Grosse-Kleimann vom Alltours Produktmanagement. „Im Pauschalgeschäft erleben wir einen wahren Ansturm auf Griechenland“, staunt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer DER Touristik Köln, „fast alle griechischen Ziele wachsen überdurchschnittlich.“

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So rechnen denn alle Griechenlandanbieter mit einem Plus am Ende der Saison, auch Schauinsland und FTI, JT-Touristik oder ETI, Attika-Reisen und Dertour. Da stehen auch die Anbieter von Studienreisen nicht zurück, deren Buchungssaison häufig anders verläuft als bei den großen Sortimentern. Thomas Graune, Area Manager bei Studiosus: „Wir verzeichnen aktuell ein hohes zweistelliges Buchungsplus und führen das u. a. auf einen Nachholbedarf zurück.“ Auch Steffen Keese, Produktmanager bei Gebeco, liefert den Grund für den momentanen Erfolg gleich mit: „In den Medien laufen deutlich weniger schlechte Nachrichten aus Griechenland.“

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Für die Produktmanager kommt der Erfolg nicht von ungefähr. Unisono heißt es in der Branche: Griechenland ist im internationalen Vergleich nicht nur gut, sondern sehr gut aufgestellt. „Der Tourismus in Griechenland befindet sich auf einem sehr respektablen Kurs: Die Branche weiß um ihr großes volkswirtschaftliches Gewicht“, fasst es Jan Frankenberg, Bereichsleiter Produkt und Hoteleinkauf der DER Touristik Köln, zusammen. Und: „Beim Thema Servicequalität spielt Griechenland in einer Liga mit Spanien.“

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Es sind vor allem die Massenziele, die beim Boom Masse machen: Kreta, Rhodos, Korfu. Auch Kos, in den Vorjahren wegen der Flüchtlingskrise von vielen Urlaubern gemieden, ist wieder gut im Geschäft. Da die großen Inseln die Nachfrage nicht befriedigen könnten, haben jetzt auch kleinere Inseln wie Paros, Naxos, Santorin und Mykonos größere Chancen als in den Vorjahren. „Das ist das größte Griechenland-Angebot aller Zeiten“, frohlockt Florian Fleischer von der TUI. Sie hat allein auf Kreta, Rhodos und Kos das Angebot um 40 Prozent erweitert. Auf der Beliebtheitsskala aller weltweiten TUI Ziele liegt Griechenland bei den Gästen auf dem zweiten Platz hinter Spanien. Auch bei Alltours hat sich Hellas zum zweitstärksten Sommerziel entwickelt.

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Bleiben bei solch einem Aufgebot noch genug Flugsitze und Hotelbetten für die Konkurrenz? „Wir haben vorgesorgt“, heißt es sinngemäß bei fast allen Häusern. Aber wegen der guten Nachfrage „werden die Hotels in diesem Jahr schneller ausgebucht sein“, warnt Lothar Münzenthaler, Produktleiter Dertour, „hier heißt es: schnell sein!“ Ein Last Minute-Geschäft wird es kaum geben.

Diesen Bericht habe ich im Auftrag von touristik aktuell recherchiert und geschrieben. Er ist in leicht veränderter Fassung – und ohne  Fotos – in Ausgabe 4/2017 der Fachzeitschrift erschienen.





Tagebuch: Filoxenia

18 04 2016

Montag, 18. April 2016

Ihr wichtigstes Kapital haben die Griechen in all den Krisenjahren nicht verloren: die Gastfreundschaft. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die ich unter zahlreichen Veranstaltern – kleinen Spezialisten wie Großanbietern – gestartet habe.

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„Griechenland bietet eine ausbalancierte Mischung aus Gastfreundschaft und landestypischer Mentalität der Einheimischen, bei der sich Urlauber wie bei Freunden zu Hause zu fühlen“, heißt es zum Beispiel beim Reiseveranstalter FTI. Auch der Griechenland-Spezialist Attika-Reisen, seit genau 40 Jahren auf dem Markt, spart nicht mit Lob: „Man kann sich überall frei bewegen und wird von der Bevölkerung herzlich und freundschaftlich empfangen und bewirtet, die Leute sind sehr kinderlieb, man ist sofort integriert, wenn man es möchte, man fühlt sich nie fremd, die Menschen sind sehr natürlich…“ Ins selbe Horn stößt der für Griechenland zuständige Produktmanager von Gebeco: „Insbesondere die griechische Gastfreundschaft macht den Charme des Reiselandes aus. Sie bleibt den Gästen und auch mir stets in guter Erinnerung.“

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„Griechenland zeichnet sich nach wie vor durch seine unschlagbare Gastfreundschaft aus, das ist und bleibt ein großes Plus“, heißt es aus dem Hause Thomas Cook/Neckermann-Reisen. Der mächtige Mitbewerber TUI konstatiert: „Last not least ist es Filoxenía, die griechische Gastfreundschaft, die Urlauber begeistert.“ Noch mehr: „Die Tourismusbranche hat viel investiert und unternommen, um die Attraktivität Griechenlands für Urlauber zu verbessern. Die Investitionen haben sich ausgezahlt, denn die Qualität der Hotels und der Service-Level in Griechenland waren noch nie so hoch wie heute.“

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Das aber sieht man bei Gebeco anders: „Generell muss Griechenland in die Hotelstrukturen investieren. Hier hat sich über die Jahre ein erheblicher Nachholbedarf aufgestaut. Auch die kleineren, einfacheren Häuser sollten auf aktuellem Stand sein. Abgenutzte Möbel, veraltete Badarmaturen oder beschädigte Zimmer- und Flurwände möchte kein Kunde sehen.“ Ebenso kritisch urteilen die Experten von Wikinger Reisen: „Aufgrund der seit Jahren andauernden Wirtschaftskrise fehlt es an öffentlichen und privaten Investitionen. Notwendige Renovierungen/Umbauten der Unterkünfte entfallen oder werden aufgeschoben. Die Folgen sind absehbar. Modernisierungen und/oder der Ausbau von Flughäfen sind lange überfällig. Das Thema Umwelt- und Landschaftsschutz“ wird für viele Urlauber immer wichtiger, auch hier besteht finanziell und ideell Nachholbedarf.“

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Noch mehr von Wikinger: „Um das Land für Urlauber wieder attraktiver zu machen, benötigt es ein positive Wahrnehmung. Wirtschaftliche und politische Stabilität sowie Verlässlichkeit sind gefordert. Zehntausende Flüchtlinge, deren geplante Weiterreise in andere europäische Länder nicht mehr möglich ist, innenpolitische Streitereien, andauernde schwierige Verhandlungen mit internationalen Geldgebern und der damit einhergehende Rückstand beim Spar- und Reformkurs der griechischen Regierung prägen zur Zeit das Image des Landes. Dieses Bild vermittelt weder Charme noch unbeschwerte Urlaubsfreude.“

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Aber alle Befragten sind sich einig, dass es kaum eine andere derart vielfältige Reisedestination in Europa gibt. Einige Stimmen: „Eine einmalige Inselwelt, saubere Strände, eine gute Wasserqualität und ein angenehmes Klima – Griechenland ist ein vielseitiges Urlaubsziel und gleichzeitig eine Reise in die europäische Vergangenheit“ (TUI). „Die Natur und die Kultur sind einzigartig. In Griechenland kann man überall einen fantastischen Badeurlaub mit der Möglichkeit verbinden, Land und Leute sowie Stätten aus der Wiege der europäischen Kultur kennenzulernen“ (Schauinsland).

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JT Touristik schreibt ein langes Lobeslied: „Griechenland kann in vielerlei Hinsicht entdeckt werden, man denke an das Festland und die unzähligen Inseln. Kein anderes europäisches Land verfügt über eine so vielfältige Insellandschaft. Mit „EINER Reise nach Griechenland“ hat man bei Weitem nur einen Bruchteil dessen gesehen, was Griechenland zu bieten hat. Das Land hat unzählige Facetten, die es zu einem idealen Reiseziel für unterschiedlichste Zielgruppen machen. Es ist reich an kulturellem und historischem Erbe, hat bildschöne Landschaften sowie sehr gastfreundliche Einwohner. Das wundervolle an Griechenland ist, dass sich keine Naturlandschaft der unterschiedlichen Inseln gleicht. Die zauberhaften Sandstrände, das blaue Meer aber auch die Landschaften mit Ihren ursprünglichen Städtchen oder der ausgebauten Infrastruktur bilden traumhafte Kulissen für Postkarten.“ Das alles veranlasst Attika Reisen zu dem Rat: „Griechenland dürfte mit seinen Vorzügen ruhig selbstbewusster umgehen.“

Sonnenuntergang





Tagebuch: Tourwie? Touropa!

20 07 2014

Sonntag, 20. Juli 2014

Zwei traditionelle Reisemarken sind vom Markt verschwunden: Touropa und Tjaereborg. Mit beiden verbinden mich lebhafteste Erinnerungen. Zuerst einmal Tjaereborg. Für die Älteren ein Begriff, für die Jüngeren Anlass zur Frage: Tourwie?Touropa_Wagen

Touropa wurde 1951 in München von drei Reisepionieren gegründet, darunter der legendäre Carl Degener. Ziel war, auch Otto Normalverbraucher – damals ein beliebter Begriff – erschwinglische Reisen zu ermöglichen, und zwar Pauschalreisen. Sie führten zunächst nach Bayern, Italien… Gereist wurde mit der Bahn. In enger Zusammenarbeit mit der Bundesbahn entwickelte Touropa [Logo: ein Schmetterling] den berühmten, blau gespritzten Liegewagen. Ich entsinne mich noch genau an die erste Urlaubsreise mit diesem Gefährt. Am Urlaubsort Grainau wurden die Gäste mit Blasmusik empfangen – unvergesslich. Auch das Problem der Verpflegung wurde organisatorisch gut gelöst: Zu den Reiseunterlagen gehörten Gutscheine, die man in verschiedenen Gaststätten einlösen konnte.

touropa-abteil-klaus-wedde3-kl1968 war TOUROPA eines der Gründungsunternehmen der Touristik Union International und ab 1974 nur noch eine Marke des Touristik-Konzerns.30 Jahre später ging die Marke auf Wanderschaft. Georg Eisenreich, ein langjähriger FTI-Manager, gründete ein Joint Venture namens touropa.com mit der TUI AG, von dem die Marke weiter geführt wurde. 2013 übernahm Jan-Peter Knaak als Geschäftsführer der Firma touropa touristik GmbH & Co. KG die Marke.

Diese Woche meldete touristik aktuell: Touropa wird es als Marke in Zukunft nicht mehr geben. Der Veranstalter wird in das Erfurter Unternehmen ATS-Touristik integriert, die Produkte unter dem Namen ATS Blue verkauft.

touropa-abteil-klaus-wedde6-klTouropa hat zuletzt mit negativen Schlagzeilen Aufsehen erregt: Reisen werden zurzeit nicht verkauft, die Homepage ist offline, Charter-Verbindungen sind geplatzt und in Reisebüro-Foren im Internet wird berichtet, Kunden in den Zielgebieten müssten die Hotelkosten er-neut zahlen.

Laut Jan Knaak ist all dies einem „länger als geplant dauernden Umstrukturierungs- und Re-organisationsprozess“ geschuldet. Knaak…will mit ATS Blue den „gesamten touristischen Betrieb von Touropa erhalten.

Die Liegewagen-Fotos stammen aus: http://www.blog.touropa.com

Ausblick: Demnächst an dieser Stelle – wie ein dänischer Pfarrer die Reisewelt eroberte: Tjaereborg.

von Touropa“ erhalten.





Tagebuch: Hoffnung

8 08 2013

Donnerstag, 8. August 2013

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Als Geschäftsführer eines Reisegiganten ist er fast genial. Als Prophet aber ist er eine Niete. Ich spreche von Dietmar Gunz, Chef von FTI. Bei der Programmvorstellung vor fast fünf Wochen hatte er sich zum Thema Ägypten sehr weit aus dem Fenster gelehnt: In zwei Wochen, so betonte er, sei der Spuk in Ägypten vorbei und wieder Normalität am Nil eingekehrt.

Dietmar Gunz 1Die Botschaft hörten wir Journalisten schon. Allein, uns fehlte der Glaube. Wir ahnten, nein wir wussten, dass Gunz sich irrte. Die Situation in Ägypten hat sich ganz und gar nicht beruhigt, im Gegenteil. Was Dietmar Gunz [Foto rechts] von sich gegeben hatte, war nichts anderes als Zweckoptimusmus. Licht ins Dunkel bringt die Pressemeldung des Unternehmens vom selben Tag:

„FTI führt in der Wintersaison 2013/14 den Ausbau des Ägypten-Programms fort. Zur aktuellen Situation im Land am Nil erklärt Dietmar Gunz, CEO der FTI GROUP: „Trotz der Demonstrationen in den großen Städten Ägyptens ist die Lage in den touristischen Regionen wie schon immer ruhig. Wir gehen davon aus, dass das auch in Zukunft so bleibt. Über unsere zahlreichen Meeting Point Büros vor Ort mit insgesamt mehr als 500 Mitarbeitern sind wir sehr gut informiert. Wie das Auswärtige Amt bewerten auch wir Reisen an das Rote Meer weiterhin als völlig unbedenklich und bezüglich der Sicherheitslage vergleichbar mit Reisen in andere Ferienregionen am Mittelmeer, im Mittleren Ostens oder in Nordafrika.“

Mit anderen Worten: Der Veranstalter hat sein Ägypten-Programm so gewaltig aufgestockt, dass er auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen ist, dass die Unruhen in Ägypten – kurz vor der Wende zum Bürgerkrieg – Reisekunden nicht von Ferien in Ägypten abhalten.

REWE TouristikDrei Tage vorher ein ähnliches Bild. Programmvorstellung von DER Touristik Köln [ITS, Jahn-Reisen, Tjaereborg ] in Düsseldorf. Sören Hartmann [Foto links], der Chef, verbreitete zum Thema Ägypten ebenfalls Zweckoptimismus. Massiv ging er Klaus Brähmig an, den Vorsitzenden des Tourismusausschusses des DeutschenBundestages. Kurzporträt in der „Welt“: der CDU-Politiker bemüht sich selten um diplomatische Floskeln. In seinem Wahlkreis in der Sächsischen Schweiz kommt er damit gut an. Dort leitet er auch den Tourismusverband. Ein echter Lokalpatriot eben. Seit 23 Jahren sitzt er im Bundestag, im Herbst tritt er wieder an. Nur in der Tourismusbranche, einem Wirtschaftszweig, in dem es um Milliarden geht, hat man so seine Probleme mit dem Klartextpolitiker. Reiseveranstalter, Tourismusverbände und Brähmig haben ständig miteinander zu tun – und immer wieder rasseln sie aneinander.“

Neuester Anlass: „Keine 24 Stunden waren da vergangen, seit das Militär in Ägypten Staatspräsident Mohammed Mursi abgesetzt hatte. Brähmig war besorgt um die Sicherheit Tausender deutscher Touristen in dem arabischen Land. Also sagte er, dass die Muslimbrüder und Millionen ihrer Anhänger von der Absetzung Mursis sicherlich nicht begeistert seien. Und: „Meine Furcht ist, dass radikalisierte Teile dieser Gruppen nach ihrer Entmachtung auch zu Terrorakten greifen könnten. Ob und inwieweit diese Radikalen dann auch Rücksicht auf Touristen nehmen, vermag niemand vorauszusagen.“

braehmig_klaus_thumbAlle fielen sie daraufhin über Brähmig [Foto rechts] her. Aber wer Brähmig kennt, weiß, dass dieser oft anders handelt, als es das Schild verlangt, das ich einmal zu meiner Freude in einem ländlichen Polizeirevier entdeckt habe: „Verstand einschalten, ehe Mundwerk in Betrieb gesetzt wird!“ Da kann man nur hoffen, dass der Mann nach der Bundestagswahl nicht mehr dem Tourismusausschuss vorsitzt. Aber ihn, wie es Sören Hartmann getan hat, als Alibi zu benutzen, um das umfangreiche Ägypten-Programm zu rechtfertigen, ist unklug.

Trotz meiner Kritik an Gunz und Hartmann hoffe ich, dass sie langfristig Recht behalten und sich die Lage in Ägypten beruhigt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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