Notizbuch: Mantegna & Bellini

14 09 2018

Sie zählen zu den bedeutendsten Malern der Renaissance. Sie lebten zur selben Zeit. Der eine kopierte fleißig die Werke des anderen. Sie waren sogar verschwägert. Aber noch nie wurden Mantegna und Bellini zusammen ausgestellt. Das wird jetzt in London nachgeholt – und in Berlin.

Ich habe selten eine Pressekonferenz erlebt, bei der die Akteure so stolz auf ihre Arbeit waren, so gelöst und glücklich. Bevor die Berliner Werke, frisch restauriert und sorgfältig verpackt, nach London gehen – die Reise beginnt am 1. Oktober -, stellten sich die Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin der Presse: Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen und gleichzeitig Direktor der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung [unten Bildmitte], Neville Rowley, Kurator der Berliner Ausstellung/Gemäldegalerie und Dagmar Korbacher, Kuratorin der Ausstellung/Kupferstichkabinett. Es wurde eine heitere Pressekonferenz.

„Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance“ heißt die große Ausstellung, die vom 1. März bis 30. Juni kommenden Jahres Berlin beglückt. Vorher geht sie nach London. Denn die Renaissance-Show ist eine Zusammenarbeit der Berliner Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts mit der National Gallery und dem British Museum in London. „Durch diese Zusammenarbeit haben wir weitere wertvolle Leihgaben gewinnen können“, freut sich Eissenhauer. Neville Rowley: „Nirgendwo außer in Venedig ist italienische Kunst besser vertreten als in London und Berlin.“

Rechts: Bellinis „Bildnis des Dogen Leonardo Loredan“ [The National Gallery, London], eines der faszinierendsten Renaissance-Gemälde, die ich kenne! 100 Werke beider Künstler werden in London ausgestellt – darunter auch viele Zeichnungen. „Diese werden auf Augenhöhe gezeigt“, sagt der Generaldirektor, „nicht irgendwo unter ferner liefen in einem Kabinett als Anhang der Ausstellung.“ Dafür gibt es einen guten Grund: „Nirgends ist man dem Künstler so nahe wie in den Zeichnungen“, schwärmt Dagmar Korbacher. Manche der Zeichnungen sind sich verblüffend ähnlich, so wurden Werke auch schon mal abwechselnd Mantegna und Bellini zugeschrieben. Bellini hat einen etwas flüssigeren Stil.

 

 

 

 

 

 

 

„Darbietung Christi im Tempel“ von Mantegna [oben, Foto Christoph Schmidt] und Bellini [Foto cameraphoto arte snc]01_Bellini_Darbringung_Christi_im_Tempel

Mantegna und Bellini lebten zur gleichen Zeit – 1431 bis1506 und 1435 bis1516. Es ist interessant zu sehen, wie Bellini Werke seines Schwagers Mantegna kopierte. Ein verblüffendes gutes Beispiel ist Mantegnas „Darbietung Christi im Tempel“ von 1453, im Besitz der  Staatlichen Museen Berlin. Es zeigt wohl links seine Frau, rechts ihn selbst. 20 Jahre später hat Bellini ein ähnliches Motiv gemalt; das Bild mit dem gleichen Titel befindet sich in der Fondazione Querini Stampalia in Venedig und wird in der Ausstellung gezeigt. „Er hat dazu die Figuren Mantegnas abgepaust“, sagt Rowley.

Zweieinhalb Jahre hat das Berliner Team schon an der Ausstellung gearbeitet. Aspekte der damit verbundenen Forschung und Restaurierung zeigt eine Berliner Vorabausstellung, die am dem 14. Oktober gezeigt wird. Ihr Titel: Bellini plus.

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