Notizbuch: Eröffnung im Freien

8 12 2017

Freitag, 8. Dezember 2017

Sicherheit, Digitalisierung, Nachhaltigkeit – da sind einige der Themen auf der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Reiseverbandes [DRV] im Emirat Ras Al Khaimah. Es ist die 67. Zum Auftakt zog DRV-Präsident Norbert Fiebig eine positive Bilanz. Die Überraschung bei der Flugpauschalreise laut Fiebig: „Griechenland verzeichnet im Reisejahr 2016/2017, das gerade zuende gegangen ist, nochmal ein Plus von 30 Prozent.“ Damit ist Hellas die zweitstärkste Reisedestination auf dem deutschen Quellmarkt.

Ägypten, so freute sich der DRV-Präsident, „ist auf dem Weg zur alten Stärke“. Das Land verzeichnete – freilich auf geringerem Niveau – im gerade abgelaufenen Reisejahr ein Plus von 55 Prozent. Fiebig: „Das sehen wir sehr gerne!“ Die USA dagegen musste ein Minus von 17 Prozent hinnehmen. Die Türkei war zweistellig rückläufig. „Sie hat in den letzten zwei Jahren 50 Prozent verloren“, klagte der DRV-Präsident im Pressegespräch zum Auftakt der Jahrestagung. Aber der deutsche Markt brauche die Türkei nach wie vor: Trotz aller Verluste liegt die Türkei auf Platz drei der Hitliste der deutschen Pauschalurlauber – nach Spanien und eben Griechenland.
Ein kurzer Blick auf den Trend des bevorstehenden Winters: Die Kanaren legen weiter zu, und die Ägypten-Anbieter freuen sich auch im Winter über einen zweistelligen Zuwachs.

Die Pressekonferenz fand im Anschluss an die Eröffnung der Tagung statt, die – ein Novum – im Freien vollzogen wurde, dies buchstäblich im Schatten der Wohntürme des Waldorf Astoria.

Ruhe vor dem [An-]Sturm: DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger, DRV-Präsident Norbert Fiebig und Haitham Mattar, CEO der Ras Al Khaimah Development Authority [von links]

Prophezeite dem Emirat Ras Al Khaimah auf der Eröffnungsveranstaltung der DRV-Jahrestagung eine große touristische Zukunft: Stefanie Berk von Thomas Cook. Das freute natürlich Haitham Mattar.

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Tagebuch: Karlspreis

9 05 2013

Donnerstag, 9. Mai 2013

medailleDer Karlspreis ist am heutigen Feiertag in meiner Heimatstadt Aachen verliehen worden. Jedes Jahr erhält ihn eine Person, die sich um die Europäische Einigung verdient gemacht hat [oder angeblich verdient gemacht hat]. Kritiker werfen dem Karlspreis-Kommitee, das die Preisträger auswählt, Parteilichkeit vor. Fast alle CDU-Bundeskanzler haben den Karlspreis erhalten, auch Kiesinger. Ich bitte Sie: Was hat dieser Kanzler für Europa getan? Brandt und Schmidt dagegen gingen leer aus.

ChirchillIch erinnere mich noch genau an die Karlspreis-Verleihung an Churchill [rechts] 1955, ich war mit meinem Vater dabei und lauschte in einer riesigen Menschenmenge der Übertragung – Public Listening. Zum ersten Male in meinem Leben sah ich Wasserwerfer, vorsorglich aufgefahren, weil Proteste erwartet wurden.

Die Karlspreis-Verleihung 1966 war für mich ein ganz besonderer Tag: Der dänische Ministerpräsident Jens Otto Krag [links unten] erhielt den Karlspreis, und die Laudatio hielt Willy Brandt. Der war damals Außenminister.Seine Rede hat mich sehr beeindruckt, auch seine Haltung. Kerzengerade stand er da, selbstbewusst und doch selbstbespiegelnd. Die ausländischen Gäste begegneten ihm mit äußerster, auffallender Hochachtung.

kragIch war als Journalist akkreditiert und durfte ganz nah ran an die Ehrengäste.Für die Aachener Nachrichten, bei denen ich als frisch gebackener Redakteur arbeitete, durfte ich eine ganze Seite für das Ereignis schreiben. Das war damals die wohl ehrenvollste Aufgabe, die innerhalb der Redaktion zu vergeben war. Ich machte meine Sache gut. Ich erinnere mich noch genau an die Eingangssequenz des Reports: Im Festsaal des Rathauses war die Luft stickig, und deshalb öffeneten die Bediensteten einige Fenster – frische Luft, frischer Wind für den Karlspreis und die Europa-Idee…

kNoch einmal spielte der Karlspreis in meinem [beruflichen]Leben eine große Rolle. 1969 wurde der Karlspreis an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften verliehen. Ihr Präsident Jean Rey, ein Belgier, nahm die Ehrung entgegen. Ich war als Reporter unterwegs und folgte Rey zum Hotel, in dem ein festliches Mittagessen gegeben wurde. Draußen demonstrierten griechische Studenten gegen die Junta-Diktatur in ihrer Heimat. Rey unterbrach spontan das Essen, drückte jedem aus der kleinen Protestgruppe einen Geldschein in die Hand und meinte, er könne sie nicht hereinbitten, sie sollten irgendwo anders auf Europas und das Wohl ihrer Heimat trinken. Im übrigen finde er das Regime in Athen grausam und verabscheuungswürdig.

Zurück in der Redaktion schrieb ich für den stellvertretenden Chefredakteur eine entsprechende Notiz. Und bekam am nächsten Tag einen Schrecken, als ich auf der ersten Seite der Zeitung in ganzer Breite die Schlagzeile las: Rey kritisiert das Athener Regime – und die [damals für die erste Seite unübliche] Autorenzeile: von unserem Redaktionsmitglied Horst Schwartz. Von da an hatte ich in Griechenland Einreiseverbot [wagte 1973 aber doch die Einreise, aber das ist eine andere Geschichte…]

 





Tagebuch: Bayern & Griechen

31 03 2013

Ostersonntag, 31. März 2013

Ostern in München. Dauerregen, der Patina und Charme der Landeshauptstadt fast abgewaschen hat. Wie immer, wenn’s in solchen Situationen möglich ist, flüchte ich mich ins Museum. Die Neue Pinakothek besuche ich eh jedes Mal, wenn ich in München bin. Ich gehe dann durch alle Räume und sage den Bildern guten Tag. Da ich zur Zeit wieder am Griechenland-Special für touristik aktuell arbeite, das ich seit zwei Jahrzehnten betreue, habe ich diesmal besonders ein Auge auf alles Griechische.

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Peter von Hess: Ottos Empfang in Athen

Der erste griechische König, Otto I., war ein Wittelsbacher, Sohn des Bayerischen Königs Ludwig I. Seiner Wahl ging ein ziemliches Ringen und Handeln hinter den Kulissen voraus. Erst 17 Jahre war Otto I. – der sich übrigens wegen der vielen noch im Osmanischen Reich lebenden Griechen nur „König von Griechenland“, aber nicht „König der Griechen“ nennen durfte , als er 1832 in der damaligen griechischen Hauptstadt Nauplia einzog. Im Gefolge befand sich neben vielen Bayerischen Soldaten, Architekten und Stadtplanern ein Bierbrauer namens Fuchs; dessen Sohn gründete später die berühmte griechische Biermarke Fix.

Den Einzugs des jungen Königs in Nauplia und seinen Empfang in Athen hat der Maler Peter von Hess 1839 in monumentalen Gemälden festgehalten, die von der Pinakothek 1878 aus dem Nachlass des griechischen Königs erworben wurden. In diesen Gemälden können Museumsbesucher versinken und haben noch längst nicht alle Details gesehen. Ich bedaure immer, dass an den Bildern keine Hinweise hängen: Wer hat das Bild in Auftrag gegeben, wie lange hat der Maler daran gearbeitet…

m2In einem anderen Fall sind alle diese Bedingungen erfüllt: bei Carl Rottmanns Bilderzyklus „Die Landschaften Griechenlands“. Ludwig I. hatte die 23 Wandbilder in Auftrag gegeben. Sie sollten der Festigung der Beziehungen zwischen Bayern und Preußen dienen und von Ludwig I. LKiebe zum antiken Griechenland künden. Zur Vorbereitung des Großauftrags unternahm der Maler eine einjährige Studienreise durch Griechenland und machte sich von 1838 bis 1850 an die Arbeit. Es war nicht die von der osmanischen Besatzung und den Befreiungskriegen zerstörte Landschaft, die er malte, sondern ein Arkadien [kleines Bild: Theben].

m3Für die auf transportablem Mörteluntergrund gemalten Kunstwerke, die eigentlich im Freien  in den Hofgartenarkaden aufgestellt werden sollten, wurde in der Neuen Pinakothek ein eigener Saal eingerichtet. Er ist nur noch im Modell zu besichtigen, denn er wurde im letzten Krieg zerstört. Die Wandbilder aber hängen in einem neuen, wesentlich schlichteren Saal.

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Ich verlasse die Neue Pinakothek – und bin mit dem Regen versöhnt…