Notizbuch: eine ganz normale ITB

11 03 2018

Sonntag, 11. März 2018

Nach der ITB ist vor der ITB. Ich spinne schon Pläne für 2019, das wäre dann meine 47. Weltmesse des Tourismus. Pläne für meine Recherchen, für den Messeauftritt „meiner“ Studierten Weltenbummler, für so vieles mehr. Halt: Erst mal so etwas wie eine Bilanz ziehen. Die 52. ITB war war erfolgreicher denn je.

Jetzt hagelt es wieder Pressemeldungen der Art: „Ort XY erfolgreich auf der ITB“ oder „Region Z war auf der ITB erfolgreich“. Das sind einfallsreiche, überflüssige Meldungen – geschrieben für die Geldgeber, Landräte, Ministerien, nicht für Journalisten. Dass Aussteller erfolgreich sind – davon gehe ich aus. Warum nicht Meldungen wie „Die meisten Besucher fragen nach Wanderungen“ oder „Stadtplan ABC ging weg wie warme Semmeln“. Oder ganz frech: „50.000 Euro, die sich gelohnt haben…

110.000 Fachbesucher reisen zur ITB Berlin an, etwas mehr als im Vorjahr. Am ersten Privatbesuchertag schoben sich 13 Prozent mehr Besucher durch die Hallen als am ITB-Samstag des Vorjahres, am heutigen Sonntag wegen des herrlichen Frühlingswetters exakt 13 Prozent weniger. Es bleibt also bei 60.000 Privatbesuchern. 5.000 Journalisten aus 80 Ländern [kein Schreibfehler!] haben berichtet. Es gab 150 Pressekonferenzen. Ein Drittel der 1000 im Byers Circle versammelten Top-Einkäufer aus aller Welt hat ein Einkaufsvolumen von mehr als zehn Millionen Euro. Die Vertragsabschlüsse der diesjährigen ITB lagen fünf Prozent über denen des Vorjahres.

Und sonst? Vier Leute – acht Meinungen. Den einen war es zu voll, den anderen zu leer, den einen zu laut, den anderen gerade richtig, den einen zu warm [mir!], die anderen haben gefroren. Also war’s eine ganz normale ITB.

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Notizbuch: frisch, freundlich, fröhlich – fulminante ITB-Eröffnungsgala

7 03 2018

Mittwoch, 7. März 2018

Meckerer gibt es immer und überall. Kam doch ein Kollege nach dem Ende der ITB-Eröffnungsfeier zu mir und wetterte: „So, jetzt wissen wir es. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es nur junge Leute mit schönen Körpern…“ Ja, was hätte denn das diesjährige Partnerland der ITB Berlin – zum ersten Mal ein deutsches Bundesland! – zu seiner Eröffnungsshow bringen sollen? Ein Rollator-Ballett? Knorrige alte Männer, die in ewiger Sprachlosigkeit verharren? Zickige Landbewohnerinnen, denen alles Fremde ewig fremd bleibt? Nein, das Partnerland hat die unlösbar scheinende Aufgabe gut gelöst – und ein junges, frisches, freundliches, fröhliches Gastland vorgestellt. Chapeau!

Ich muss zugeben: Ich hatte etwas anderes erwartet. Nämlich Deutschtümelndes, ewige Männerchöre, ein Preisen der Schönheit des Reiselandes bis zum Wegdämmern. Aber geboten wurde eine Einheit aus Licht und Ton und Musik, aus kurzweiliger Moderation und kurzen [!] Reden prominenter Politiker. Schon die Moderation: Tagesschau-Moderatorin Judith Rakers und Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer [und Leiter Marketing und Kommunikation] des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Beide moderierten gemeinsam oder einzeln, kurz, durchaus knackig und – auf Englisch.

Ein wenig verwirrt hat mich lediglich Judith Rakers‘ Kleid, das mir aus der Takelage eines Küstenseglers zusammengeschneidert schien. Was wichtig war: Beide hatten sich ihre Sätze gut überlegt und boten kein aufgesetzt-heiteres Moderieren, wie es in Rundfunk-Morgensendungen üblich ist.

Ich verzichte darauf, alle Programm-Bestandteile aufzulisten – die Artisten und die DJs, die Models und die Philharmoniker. Hinreißende Film- und Fotoaufnahmen bildeten den Hintergrund. Und die Redner, ich fasse es nicht, fassten sich kurz. Darunter war auch die Nochundbaldwieder-Bundeskanzlerin Merkel – auch sie kurz gefasst, humorvoll. Zum ersten Male habe ich – durch die Kamera eingefangen und auf Großleinwand gebracht – festgestellt, was für wunderschöne blaue Augen die Dauerkanzlerin hat.

 

 

 

 

 





Notizbuch: Begegnungen

31 12 2017

Sonntag,  31. Januar 2017

Oft sind sie nur die Flüchtigkeit weniger Minuten. Mitunter aber sind sie der Beginn – oder das immerwährende Ritual – einer langjährigen Freundschaft: Begegnungen. Sie machen den Beruf eines Reisejournalisten besonders spannend. An ihnen war das abgelaufene Jahr sehr reich. Eine Auswahl…

Januar: In der Markthalle von Madeiras Hauptstadt Funchal bin ich diesem Kind begegnet. Schau her, was für eine große Puppe ich habe, sagte es, ohne Worte zu gebrauchen. Wir sind uns mehrfach zwischen den Marktständen über den Weg gelaufen. Und immer hielt das Mädchen die Puppe hoch: schau!

Diese drei lebhaften Ladies saßen mir im Februar während einer Reise nach Agadir gegenüber. Ihrem – Pardon! – gutgelaunten Geschnatter zuzuhören, war ein Vergnügen. Habe die Ehre, von links nach rechts: die Reisejournalistinnen Antonia Kasparek, Katharina Eppert, Marita Trinius. Die Begegnung mit Kolleginnen und Kollegen sind noch der erfreulichste Bestandteil einer jeden Pressereise.

Auf der ITB Berlin im März: Noch einmal drei Ladies – Claudia Stöhr, Areti Prinou und Maria Zarnakoupi [von links] von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr. Areti habe ich auf einer Athen-Reise im Oktober 2016 kennengelernt und auf der ITB wiedergesehen.  Inzwischen ist sie stellv. Leiterin der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt und zählt längst für mich in meinem Beruf zu den wichtigsten  Menschen – und auch über den Beruf hinaus.

Zur Documenta war ich im April in Athen. Dort traf ich im kleinen, aber feinen Herakleidon Museum, das sich den Themen Wissenschaft, Kunst und Mathematik widmet, Eleni Nomikou, die Chefin [rechts], und Elpida Mezilli, ihre Assistentin. Beide brennen für ihre Aufgabe.

Peter Becker, ein Uralt-Freund. Nicht uralt an Lebensjahren, sondern unsere Freundschaft reicht weiter zurück, als wir uns an deren Beginn erinnern können. Im Mai trafen wir uns wieder, um Pläne zu schmieden. Dass sie sich nicht realisieren ließen, lag nicht an uns.

Nach 53 Jahren besuchte ich im Juni mal wieder Paros, die wunderweiße Kykladeninsel. Mit mir reiste Maria Menzel, eine Kollegin. Es waren spannende Tage eines gemeinsamen Projekts. Für solche Begegnungen lohnen sich alle Mühen des Selbständigseins.

Eine meiner interessantesten, ertragreichsten Dienstreisen in 45 Jahren führte mich im Juli in die Grimme-Heimat nach Nordhessen. Im Tierpark Sababurg traf sich auf Uwe Kunze – so brav-bürgerlich heißt dieser späte Hippie. Mit einem Bein steht er in Deutschland, mit dem anderen in Schweden. Uwe unterhält im Tierpark ein waschechtes Lappen-Lager mit zahlreichen Rentieren. Er ist Chef der Firma Renrajd Vualka.

August: Nächtliche U-Bahn-Heimfahrt nach einem Spargelessen bei Kristiane Klemm, früher Institut für Tourismus der FU Berlin: Prof. Dr. Horst Kleinert, der frühere Studienleiter, umrahmt von zwei Ex-Studentinnen. Rechts Margherita Bozzano, links Gabi Hartmann. Vor vielen Jahren hat Gabi, eine liebe Freundin, halbtags in meinem Redaktionsbüro mit  gearbeitet und danach viele Jahre beim Deutschen Seminar für Tourismus auch meine Presseseminare betreut.

Der Deutsche Reiseverband [DRV] lud im September eine Schar Journalisten – darunter auch mich – nach Ras Al Khaimah ein, dem diesjährigen Austragungsort der DRV-Jahrestagung. Solche Journalisten-Vorreisen haben Tradition. Mit von der Partie: Heidi Diehl, meine Lieblingskollegin. Das schreibe ich NICHT, weil ich den einen oder anderen Beitrag für ihre Reiseseiten in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ schreiben darf.

65 wurde er im Oktober, aber er sieht aus wie Anfang 50: Prof. Dr. Jörg Soller, Fachleiter des Dualen Studienganges BWL/Tourismus an  der Hochschule für Wirtschaft und Recht [HWR] Berlin. Hier bespricht er gerade mit Studierenden eine Hotel-Machbarkeitsstudie. Wegen meiner Lehraufträge begegne ich ihm nicht nur einmal im Jahr, sondern häufig – ich wage zu sagen: zur gegenseitigen Freude.

Aus Anlass seiner Programmvorstellung war ich im November mit dem Reiseveranstalter Öger Tours in Ägypten. Dort hat dieser Berber-Junge, 10 Jahre und stolz, großen Eindruck auf mich gemacht.

Zwei, die dafür sorgen, dass die Reisebranche das Thema Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verliert: Lucienne Dam [von links, stellv. Vorsitzende der Nachhaltigkeits-Initiative Futouris e.V., Umweltmanagerin von TUI Cruises und diesjährige EcoTrophea-Preisträgerin] und  Anja Renner, Senior Manager Projekte & Kommunikation bei Futouris. Ein Schnappschuss auf dem Abschiedsabend zur DRV-Tagung in Ras  Khaimah am 9. Dezember.