Tagebuch: Brandstifter

23 12 2014

Dienstag, 23. Dezember 2014

Morgen ist Heiligabend. Und es brennen nicht nur die Kerzen an den Weihnachtsbäumen. Die Welt brennt. Syrien, Libanon, Palästina, Ukraine – um nur die Brände zu nennen, die zur Zeit den meisten Rauch produzieren.

Auch in unserem Land brennt es. Brandstifter sind am Werk, die Kauders, Buschkowskys und wie sie alle heißen. Als hätten wir mit dem falsch verstandenen Islam und den ignoranten Islam-Gegnern nicht genug brennbares Material im Land…

In diesem Zusammenhang fällt mir die Melidoni-Höhe auf Kreta ein, eine faszinierende Tropfsteinhöhle. Unter der größten Kuppel steht ein Sarkophag. In ihm ruht ein Teil der Gebeine von Opfern einer ganz perfiden Brandstiftung.

OLYMPUS DIGITAL CAMERABrandstiftung: die Melidoni-Höhle auf Kreta

Das war 1824. Kretas Bevölkerung litt unter den Türken, die Griechenlands größte Insel seit 1669 besetzt hielten und grausam herrschten. Immer wieder erhoben sich die Kreter gegen die Besatzer. Als sich 1821 das griechische Festland gegen die Türlen aufstand, dachten die Kreter, ihre große Stunde der Befreiung sei gekommen – ein tragischer Irrtum.

340 Bewohner der Region rund um das Bergdörfchen Melidoni und 30 Widerstandskämpfer versuchten, sich in der Höhle von Melidioni hoch über dem Ort vor der Verfolgung durch die Türken in Sicherheit zu bringen. Doch diese verstopften den Höhleneingang mit Reisig und legten ein Feuer – erbärmliche Brandstifter halt. Die Kreter erstickten jämmerlich.

Als ich vor 30 Jahren zum ersten Male in der Höhle war, gab es dort noch kein Licht. Im Schein meiner Taschenlampe inspizierte ich den Sarkophag – und bekam einen Schrecken: Der Deckel war gespalten, ein Teil verschoben, und gab den Blick auf Gebeine frei, die wild durcheinander lagen.

Erst vor zehn, fünfzehn [?] Jahren, nachdem sich zwei britische Touristinnen in der Höhle verirrten und so gestorben waren [falls es überhaupt einen „angenehmen“ Tod gibt: Ich kann mir veinen angenehmeren Tod vorstellen…], gibt es Licht in der Höhle, von der große Teile gesperrt wurden.

Und der Deckel des Sarkophags ist repariert.





Tagebuch: Liebeserklärung in Asphalt

1 10 2013

Dienstag, 1. Oktober 2013

Zwei kurvenreiche Straßen führen von der Küste Montenegros hinauf zur alten Königsstadt Cetinje auf 700 Meter Höhe, die eine von Budva, die andere von Kotor. Auf der Panorama-straße zwischen Kotor und der früheren Hauptstadt Montenegros reiht sich eine Serpentine an die andere, 25 sind es insgesamt. Eine hat unübersehbar die Form eines „M“, eine Liebes-erklärung des österreichischen Straßenbauers an Königin Milena. Sie war die Gattin des Fürsten Nikola (1860 bis 1918), der sich 1910 aus Anlass seines 50-jährigen Regierungsjubiläums zum König krönen ließ.

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Schon vorher hatten 14 Staaten in Cetinje Botschaften etabliert, deren Villen noch heute das Bild der kleinen Stadt prägen. Die historischen, zum Teil heruntergekommenen oder gar ganz vernagelten Hausfassaden in allen nur erdenklichen Stilen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeugen von einer ereignisreichen Geschichte. Nikola, auch Nikita genannt, erfreute sich an europäischen Höfen großer Wertschätzung – nicht so sehr als bedeutender Herrscher, sondern eher als „Schwiegervater Europas“: Sechs seiner Töchter hatte er geschickt verheiratet, davon eine mit König Victor Emanuel von Italien.

alte Pracht in Cetinje

 Der frischgebackene König ließ seine 1867 erbaute Residenz ausbauen, jedoch blieb sie in Aussehen und Ausmaß bescheiden, wie alles in Cetinje. Sie gleicht eher einem Landhaus als einem „Palast“, wie die Bevölkerung das Gebäude nennt. Es ist Ziel eines jeden Ausflugs nach Cetinje, denn hier ist seit 1926 das Staatsmuseum untergebracht, auch König Nikolas Museum genannt. Es bietet einerseits einen – allerdings bruchstückhaften – Überblick über die Geschichte des kleinen Landes. Aber viel interessanter sind die Wohnräume der fürstlichen bzw. königlichen Familie mit originalen Möbeln, Haushaltsgeräten und Kleidern.

Cetinje 4 Vernageltes Haus-1Im Gegensatz zu den vielen Fahnen, die von den Türken erbeutet wurden, sind die meisten Waffen keine Kriegsbeute, sondern wie viele Bilder und das meiste Mobiliar Geschenke europäischer Herrscher. Das erweckt den Eindruck, dass der König seinen Hof nur durch die wohlwollenden Zuwendungen seiner ausländischen Kollegen aufrecht erhalten konnte.

Verehrt wie ein Heiliger

Auch Nikolas Vorvorgänger Petar II. Petrovic Njegos (1830-1851) ließ in Cetinje eine Residenz bauen, mit der 1838 begonnen wurde und „Biljarda“ genannt wurde und heute ebenfalls ein Museum ist. Es zeigt ebenfalls weniger montenegrinische Geschichte in ihren Zusammenhängen, sondern bleibt eher ein Sammelsurium von allerdings zum Teil erstaunlichen Ausstellungs- und Erinnerungsstücken. Dazu zählt der Billardtisch, den sich der Fürstbischof aus Österreich kommen ließ und der dem von einer Wehrmauer und vier Rundtürmen umgebenen Regierungssitz seinen Namen gab.

 Petar II. wird von vielen im Lande Montenegro wie ein Heiliger verehrt. Was für ein Mann! Als er ahnte, dass er sterben würde, ließ sich der Herrscher über Montenegro auf sein vene-zianisches Fauteuil binden – das auch in der „Bilharda“ ausgestellt ist – und über Saumpfade vom Küstenort Kotor heim nach Cetinje tragen. Das war 1851, und als Peter II. an Tuberkulo-se starb, war er erst 38 Jahre alt. Doch es war ihm gelungen, die rivalisierenden montenegrinischen Stämme zusammenzuführen und zu einer Nation zu einigen. Noch heute pilgern die Montenegriner zu Tausenden zu seinem Mausoleum im Lovcen-Gebirge, um den Volksheld zu ehren.

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Grausam und gerecht

Sein Leben lieferte den Stoff in Hülle und Fülle, aus dem Legenden gewoben werden. Der Fürstbischof – erst sein Nachfolger sorge für die Trennung von Kirchen- und Staatsamt – war ein stattlicher Mann, zwei Meter acht groß und breitschultrig, ein Herrscher nach dem Geschmack des Volkes, grausam und gerecht. So ließ er die abgeschlagenen Köpfe besiegter Türken zur Schau stellen, und er hielt öffentlich unter einer Kastanie Gericht. Der Herrscher war auch ein gebildeter Mann, der die großen Werke der Weltliteratur in ihrer Originalspra-che zu lesen verstand. Beeindruckend ist seine Bibliothek im Njegos-Museum. Neben Schil-lers Werke steht Mohls „Polizeywissenschaft“, von Rottecks „Allgemeine Weltgeschichte“ und Voltairsche Staatskunst.

Die Reformierung des Serbischen Alphabets ging auf seine Initiative zurück. Petar II. betätig-te sich auch als Maler und Poet. Im Museum sind noch Feder, Tintenfass und Fragmente des Originalmanuskripts zu seinem Hauptwerk ausgestellt, dem „Bergkranz“. Das Buch, das in 76 Sprachen übersetzt wurde, gilt als eines der wichtigsten literarischen Zeugnisse der Region Serbien-Montenegro und handelt von der „montenegrinischen Vesper“. Das ist eine vor-nehme Umschreibung der Tatsache, dass einer von Petars Vorgängern, Danilo I., alle Türken abschlachten ließ, derer man in Montenegro habhaft werden konnte.

Eine Pistole in der Wiege

Der Kampf gegen die türkische Besatzungsmacht währte Jahrhunderte. In ihren Befreiungskämpfen sind die Montenegriner den Bewohnern der Sfakia auf Kreta vergleichbar, deren gebirgige Heimat die Türken ebenso wenig völlig unter ihre Kontrolle brachten wie die Berg-welt Alt-Montenegros. Wie einst bei den Sfakioten wuchs jeder männliche Montenegriner zu einem Krieger heran, heldenhaft und von einem ungeschriebenen Ehrenkodex geprägt. Der ließ ihn die Frauen und Töchter der Gegner verschonen und selbst dem ärgsten Feiund Gast-freundschaft gewähren. Schon den männlichen Babys legten die Väter einen Revolver in die Wiege, damit sie tüchtige Krieger würden.

Cetinje 1 Vernageltes Haus

Cetinje 2 Häuserzeile

Cetinje 3 Vernageltes Haus

Bis zum Bau der „Biljarda“ diente das Muttergottes-Kloster, auch St. Peterskloster genannt, als Residenz des Metropolitan von Montenegro. Das heutige Aussehen erhielt das Kloster in der Mitte der 30-er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Es steht in der Nähe eines früheren, längst zerstörten Klosters, das 1484 von Ivan Crnojevic gegründet worden war und in seinen Mauern zwei Kirchen beherbergte, die größere Marien- und die kleinere Petruskirche. Ivan Crnojevic war der Herrscher über die Zeta, des bis zum früheren Titograd – dem heutigen Podgora – reichenden Gebietes nördlich des Skutarisees. Er flüchtete vor den Türken aus der damaligen Hauptstadt Zabljak in das Karstbecken zu Füßen des Gebirges. Dort gründete er die Stadt, die ihren Namen vom Flüßchen Cetinje hat, das früher hier floss, aber wohl im 17. Jahrhundert in den Karstspalten der Ebene von Cetinje für immer verschwand.

Sitz des Präsidenten

 Lange hielt die neue Siedlung den Türken nicht stand, die Ende des 17. Jahrhunderts das Kloster zerstörten. Es wurde noch mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Das orthodoxe Kloster besitzt eine sehenswerte Schatzkammer. Zu deren unermesslichem Reichtum zählen die Ornate der Metropoliten und aller Fürstbischöfe aus dem Hause Petrovic von 1696 bis 1851, außerdem eine Ikonensammlung mit heimischen und russischen Werken aus dem 16. bis 18. Jahrhunderts, Kelche und anderes Kirchengerät und ein wertvoller Bestand an kirchli-chen Handsachriften. Aber auch über die (Kriegs-)Geschichte informiert die gut geordnete und aufbereitete Klostersammlung. Und stolz werden wieder erbeutete Türkenfahnen prä-sentiert.

Dabei ist Centinje heute ein friedliches Örtchen. Nur ab und zu kehrt ein wenig Rummel ein, wenn die Touristen von den Küstenorten die kleine Stadt in den Bergen heimsuchen. Nach dem Besuch von ein, zwei Museen, dem Kauf eines Souvenirs in einem der wenigen Shops und einem Erfrischungsgetränk in einem Straßencafé in der Innenstadt fahren sie wieder zurück. Und Cetinje versinkt wieder im Dornröschenschlaf. Aber – doch nicht ganz: Die frühere Hauptstadt ist heute immer noch der Sitz des Präsidenten der Republik Montenegro.





Tagebuch: der Aufschrei

23 04 2013

Dienstag, 23. April 2013

Seit über zwei Jahrzehnten betreue ich das Griechenland-Special der Fachzeitschrift touristik aktuell. Es erscheint einmal im Jahr, diesmal am 22. April, also gestern. Betreuen – das heißt: aktuelle Strömungen erfassen, Themen aussuchen, Meldungen auswerten und schreiben, Bilder besorgen, verschiedene Aufmacher – also Hauptartikel einer Seite – schreiben, andere Aufmacher [mindestens einen] „einkaufen“ von einem oder einer freien Journalisten/Journalistin. Basis für den Schwerpunkt ist immer eine Veranstalterumfrage, bei der Spezialanbieter und Großveranstalter mit einem umfangreichen Fragenkatalog konfrontiert werden. Zusammengebaut werden die Schwerpunkt-Seiten – diesmal waren es vier – von einer Kollegin oder einem Kollegen bei touristik aktuell. Das ist noch einmal ein gesonderter kreativer Vorgang.

1Einer meiner Artikel war/ist Kreta gewidmet, der Insel, über die ich vier Reiseführer [zwei davon gemeinsam mit Sabine Neumann] geschrieben und einen kleinen NDR-Film gedreht habe. Hier der Text:

Ein Aufschrei ging durch die Branche, als das Münchener Institut für Planungskybernetik (IPK) sein Untersuchungsergebnis zur griechischen Insel Kreta vorstellte. Kreta, das hatte eine repräsentative Urlauberbefragung ergeben, würde künftig von der Kultur- zur Badedestination mutieren. Das war vor über 30 Jahren; die Untersuchung hatte die Stiftung Warentest für einen Kreta-Report in ihrer Verbraucherzeitschrift „test“ in Auftrag gegeben. Nie und nimmer, so war das einhellige Stimmungsbild der Branche, würden auf der Hauptinsel der minoischen Kultur die Badegäste den Ton angeben.

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Das Gegenteil ist eingetroffen. Seit Jahrzehnten führt Kreta die Topliste griechischer Reiseziele der großen Veranstalter an. Ob Thomas Cook/Neckermann Reisen oder FTI, TUI, Attika Reisen oder die Rewe-Gruppe: Kreta liegt als Volumenziel auf Platz eins. Lediglich bei Dertour und Alltours gehört die größte griechische Insel nicht zur Spitzengruppe.  Bei Alltours kann sich das schnell ändern: Der stärkste Ausbau im Griechenland-Programm des Veranstalters, der als erster ein Hellas-Comeback für diesen Sommer prophezeite, mit 16 neuen von insgesamt 61 Hotels betrifft Kreta.

2FTI hat auf Kreta – wie auf Korfu und Kos – die Zusammenarbeit mit der renommierten Hotelgruppe Aquis Hotels weiter ausgebaut. Als „Highlight auf Kreta“ bezeichnet Katja Kalle von FTI das Kiani Beach Resort, das über einen der 25 neuen Manolito Clubs mit angeschlossener Schwimmschule verfügt und exklusiv bei FTI buchbar ist. Die kenianische Giraffe Manolito ist das Maskottchen der Clubs mit einem Betreuungsangebot für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren.

Mit dem Sentido Mikri Poli Crete, einem von fünf neuen Anlagen der Thomas Cook-eigenen Hotelmarke Sentido in Griechenland, wurde für Sommer 2013 laut der Senior Produktmanagerin Griechenland Daniela Koehler „ein ideales Familienhotel exklusiv für die Marken Neckermann Reisen und Thomas Cook ins Programm aufgenommen.“ Zum 40-jährigen Jubiläum siedelt sich Aldiana wieder mit einem neuen Club auf Kreta an. Er liegt relativ einsam in der Nähe des Fischerdorfes Mochlos an einer kleinen Bucht. Die 170 Hotelzimmer, Bungalows und Familienzimmer sowie alle öffentlichen Bereiche wurden für vier Millionen Euro modernisiert und renoviert. Was Aldiana nicht kommuniziert: Es ist just dieselbe Anlage, die Aldiana hier schon einmal von 1984 bis 1992 betrieben hat.

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Auch wenn Kreta ein typisches Massenziel geworden ist: Nur zum Baden ist die Insel zu schade. Dafür gibt es viel zu viele Attraktionen, mit denen die Reiseveranstalter ein gutes Ausflugsgeschäft machen. In der Vor- und Nachsaison sind zudem Heerscharen von Mietwagen zu diesen Sehenswürdigkeiten unterwegs: zu den Höhlen von Matala, dem Palmenstrand von Vai, den Weißen Bergen mit der berühmten Samaria-Schlucht und den Minoischen Palästen, allen voran der Palast von Knossos mit seiner umstrittenen Rekonstruktion.

Die nach diesem Palast zweitgrößte Sehenswürdigkeit aus minoischer Zeit – etwa 3300 bis 1.100 v. Chr. – ist seit sieben Jahren geschlossen: das weltberühmte Archäologische Museum. In einem provisorischen Gebäude hinter dem Museum werden wichtige Exponate gezeigts, das alte Museum hinkte museumsdikatisch und unter konservatorischen sowie Sicherheitsaspekten Jahrzehnte hinter dem hinterher, was man heute unter einem modernen Museum versteht. Zwei renovierte Säle sind letztes Jahr eröffnet worden, der Rest soll im Sommer dieses Jahres für die Öffentlichkeit freigegeben werden – wenn nicht die Wirtschaftskrise diesem Plan einen Strich durch die Rechnung macht.

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Tagebuch: Mr. Griechenland

18 04 2013

 Donnerstag, 18. April 2013

Wenn einer die Höhen und Tiefen im Griechenland-Tourismus hautnah gespürt hat, ist das Michael Karavas, Gründer und Chef des Spezialveranstalters Attika Reisen. Er glaubt nicht nur, dass seine Heimat als touristische Destination eine Renaissance erlebt, sondern er weiß das: Momentan liegt das Buchungsplus seines Unternehmens bei 40 Prozent. „Wir spüren stärker als die Mitbewerber, dass die Deutschen wiederkommen“, freut er sich, „aber wir hatten als Spezialist auch die stärksten Rückgänge.“ Karavas - zu AttikaDie letzten Jahre, so Karavas, „waren das absolute Drama“. Er schätzt, dass es ein, zwei Jahre dauern wird, bis die Buchungen wieder das Niveau des Vor-Krisenjahres 1999 erreichen werden, nämlich 40 bis 45.000 Paxe. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die ab Juli/August wieder verstärkt einsetzende Nachfrage wegen gekürzter Flugkontingente zu griechischen Zielen nur teilweise bedient werden konnte, sind „die Flugkontingente zur Sommersaison vernünftig geplant und können bei Bedarf möglicherweise auch erhöht werden“.

Dass Karavas in der Branche auch „Mister Griechenland“ genannt wird, verdankt er seinem fast 40-jährigen Engagement als Griechenland-Spezialist („wir sind absolute Champions für Kykladen und Sporaden“) und seinem Ehrgeiz, in seinem Katalog „jedes Jahr 60 neue Sachen“ zu präsentieren. So wurden jetzt die Inseln Astipalea und Skyros neu ins Programm aufgenommen. Das Kreuzfahrtenprogramm wurde um zwei individuelle Kreuzfahrten mit Louis Cruises erweitert, und zwar um jeweils eine Kombination aus Kreuzfahrt und Hotelurlaub, die so nur bei Attika buchbar ist. Neu ist auch eine einwöchige Busrundreise mit dem Titel „Kulinarisches Kulturerlebnis“ , so ebenfalls nur bei Attika buchbar . Zudem wurde das Programm um über 70 neue Hotels erweitert. 46 davon sind im Katalog zu finden, der Rest im Internet. Karavas: „Im Internet bieten wir jetzt besonders preisgünstige Hotels in der Budget-Kategorie an.“

Kreta - Rimondi-Brunnen in Rethymnon

Rimondi-Brunnen in Rethymnon/Kreta

Attikas Kunden sind die Gruppe 50 plus – internet-affin sind sie nicht: Nur sechs bis sieben Prozent der Buchungen werden via web abgewickelt. Der größte Teil bucht im Reisebüro. Damit Expedienten korrekte Auskünfte über die mitunter recht komplizierte griechische Urlaubswelt geben können, legt Karavas großen Wert auf seine Beratungs-Hotline.

Persönlich ist Karavas ein Fan der Kykladen; auf einer der Inseln besitzt er ein Haus: „Ich kann nicht fern vom Meer leben.“ Als Pendler zwischen zwei Welten versteht Michael Karavas auch die deutschen Ressentiments gegen griechisches Finanzgebaren. „Die Kritik ist berechtigt“, räumt er ein, „das war seit Jahren ein korruptes System.“ Dies sei allerdings nur von 15 Prozent der Bevölkerung aufrechterhalten worden – „die waren Nutznießer, und 85 Prozent der Griechen haben darunter gelitten.“ Nicht gut zu sprechen ist der temperamentvolle Touristiker auf „die Presse, die alles in einen Topf geworfen hat“. Seine Formulierung von der „gleichgeschalteten Berichterstattung“ hat ihm viel Ärger gebracht. Heute lacht Karavas darüber – wie er sich überhaupt nicht gerne bei so ernsten Themen aufhält. Viel lieber spricht er von Marketing- und Servicemaßnahmen, die sein Unternehmen vielleicht von Mitbewerbern unterscheiden.

Kreta - venezianischer Brunnen in Spili

Venezianischer Brunnen in Spili auf Kreta

So bringt er auf Kreta z.B. auf eine Distanz von 80 bis 85 Kilometern die Gäste per Taxi ins Hotel, der Transfer ist im Preis inbegriffen. Listig fügt Karavas hinzu: „Ich sage im Katalog, der Taxitransfer kostet so und so viel – und wer ein Auto mietet, erhält den Taxipreis zurück.“ Karavas hält das für ein unwiderstehliches Angebot: „Bei Autos sind wir mit den Preisen fast unschlagbar.“ Da kommt der Kaufmann durch…