Notizbuch: der Bumm

26 08 2017

„Es war ein Bumm“, sagt Giannis Vasiliopoulos. Der frühere Seemann, heute 72 Jahre alt, meint damit die touristische Entwicklung der Insel Paros. Diese setzte um 1980 ein, fast explosionsartig. Vor 53 Jahren, als ich zum ersten Male nach Griechenland reiste und auf Paros strandete, befand sich Kykladeninsel noch im Dornröschenschlaf.

Naussa, wo Giannis seit 20 Jahren ehrenamtlich das – nach dem Sammler Dr. Othonas Kaparis benannte – kleine Folklore- und Heimatmuseum leitet, war damals ein kleines, traditionelles Fischerdorf. Es gab zwei kleine Hotels, in der Hauptstadt Parikia vier. Das frühere Xenia-Hotel in der Hauptstadt dient heute als Rathaus. Heute stehen den Touristen 138 Hotels zur Verfügung, darunter drei Häuser mit fünf und 18 mit vier Sternen. Dass die Gastgeber der Insel auf dem Teppich geblieben sind, zeigt der Rest der Quartiere: 30 Häuser haben drei Sterne, 71 nur zwei Sterne, 16 einen Stern. Wie viele Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Gäste-Villen es gibt, weiß niemand. Aber jetzt ist Naussa nicht nur voll von Restaurants und Bars, sondern auch voller Rooms to let und Studios. Gebaut werden darf maximal zweistöckig, und kein Quartier darf mehr als 50 Zimmer haben. Der Durchschnitt liegt bei 20 bis 25 Zimmern.

Naussa auf einer alten Postkarte [Foto: Maria Menzel]

Giannis Vasiliopoulos [rechts] zeigt mir seine Schätze [Foto: Maria Menzel]

Giannis hortet einen wahren Schatz von Belegen aus der Zeit vor dem großen Bumm: Fotos, Postkarten, alte Bücher. „Alles passiert so schnell“, philosophiert er, „alles war damals ruhig und klein“. Strom gab es früher nur von 21 bis 2 Uhr nachts. Giannis: „In zwei, drei Jahren ist Naussa dann ein bekanntes Dorf geworden.“

Eines aber ist gleich geblieben: Wie Orte auf anderen Kykladeninseln auch, strahlen die Häuser in beeindruckendem Weiß. Heute ist die traditionelle Farbe gesetzlich vorgeschrieben. Dazu ist Paros ein Blumenmeer. Die „Nähte“ zwischen den Steinplatten, mit denen die Gassen in den Orten auf Paros ausgelegt sind, wurden früher einmal im Jahr weiß nachgestrichen – heute machen sich die Inselbewohner viermal im Jahr die Mühe.

Ja, die Inselbewohner: Sie sind offen und kontaktfreudig. Die Parianer, früher alle Seeleute und Fischer, sind „bisher freundlich geblieben, vor allem die alten Leute“, sagt Giannis Vasiliopoulos. Auf Paros wohnen und arbeiten viele Leute, die nicht von der Insel kommen. „Die nicht lokalen Leute hier auf der Insel“, sagt Giannis, „sind vielleicht nicht so freundlich.“

 

 

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