Notizbuch: Cittadella [Gozo]

27 04 2017

Donnerstag, 27. April 2017

Jahrelang, gefühlt schon ein Jahrzehnt lang, war die Cittadella von Gozos Hauptstadt Victoria Baustelle. Wer die Stadt jetzt besucht, wird seinen Augen kaum trauen. Weggeräumt sind die Baumaschinen, nicht mehr zu sehen die vielen Sperr- und „Vorsicht“-Schilder, aufgehübscht die Fassaden der Häuser rund um die Kathedrale Mariä Himmelfahrt. 14 Millionen Euro wurden verbaut, davon 85 Prozent aus EU-Töpfen. Damit sind die Chancen der Zitadelle gestiegen, in die Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten aufzusteigen. Der Antrag ist schon fast 20 Jahre alt.

Das alte Wasserreservier der Festungsanlage ist zu einem modernen, interaktiven Besucherzentrum umgestaltet worden. Liftanlagen erleichtern Urlaubern mit Handicap den Besuch. Moderne Beleuchtungsanlagen, natürlich den EU-Vorschriften entsprechend hochgradig energieeffizient, tauchen Gebäude und Gelände abends in ein anheimelndes Licht. Die Regierung des Archipels von Malta besitzt ein eigenes Ministerium für Gozo. Und dieses hofft, dass sich das Areal der Zitadelle zu einer originellen Event-Location entwickelt.

Das Zeug zur Touristen-Attraktion hat es allemal. Anlass für die Schönheitskur war eigentlich eine Rettungsaktion. Der Felsen, auf dem die Zitadelle und die mittelalterliche Burg als ihr Vorläuferbau errichtet wurden, erwies sich als zu weich. Ein Teil der Mauer aus dem Mittelalter stürzte ein. Der Felsen musste stabilisiert werden. Das aber setzte jahrelange Untersuchungen voraus. Mit den Baumaßnahmen wurde die einen Kilometer lange Festungsmauer wiederhergestellt.

Ursprünglich hieß die Hautstadt der Insel Rabat. 1887, als Malta und Gozo unter britischer Kolonialherrschaft standen, wurde sie zu Ehren des Goldenen Kronjubiläums der britischen Königin Victoria umbenannt. Die Einheimischen gebrauchen aber immer noch den alten Namen. Die Stadt hat übrigens nur 6.200 Einwohner. Ein wenig groß ist sie ja schon für so wenige Menschen, die Kathedrale von Victoria. Das überrascht ja immer wieder auf Malta und Gozo: Die wie Kathedralen aussehenden, überdimensionierten Kirchen in den Ortschaften sind ja eigentlich nur Dorfkirchen.

Mariä Himmelfahrt aber ist eine Bischofskirche. Es ist ein erhebendes Gefühl, die Treppenanlage zur Kathedrale hochzusteigen. Vor dem Eingang grüßen zwei Papststatuen, links Pius IX. und rechts Johannes Paul II. Kirchenfassade und Inneres sind im Barockstil gehalten – aber im Barock der wohltuenden, nicht überladenen Art. Mit Staunen blicken Besucher im Inneren hinauf in die gigantische Kuppel. Aber diese ist nur gemalt, also eine optische Täuschung. Den Bauherrn war das Geld ausgegangen.

Nur ein paar Schritte von der Kathedrale liegt noch innerhalb der Festungsmauer das kleine, gemütliche Restaurant Ta Rikardu, ein Muss für jeden Zitadelle-Besucher.

Die Speisekarte ist nicht sehr umfangreich, aber Speisen und Getränke sind köstlich und nicht teuer. Und alles stammt aus Rikardus eigener Landwirtschaft aus Gozo: der Wein, der Käse und die Spezialität der Schänke: die Kaninchen.

Meinen Beitrag über die Cittadella von Victoria habe ich zuerst in dem – von mir betreuten – Malta-Special von Touristik aktuell [Ausgabe 12 vom 3. April 2017] veröffentlicht.





Notizbuch: Malta auf Rekordkurs

6 04 2017

Donnerstag, 6. April 2017

Malta ist auf der Erfolgsspur. Nach fünf Jubeljahren lagen auch im Vorjahr die Zahlen ausländischer Besucher auf Rekordniveau. Knapp zwei Millionen Ausländer reisten im Vorjahr ins kleinste EU-Land. Das sind 10,5 Prozent mehr als 2015.

Traditionell lagen die Deutschen nach den Briten und den Italienern auf Platz drei der Statistik: Mit 157.000 Urlaubern – auch hier beträgt die Steigerung 10,5 Prozent – ist der deutsche Quellmarkt eine verlässliche Stütze im Malta-Tourismus.

Die Erfolgsstory setzt sich in diesem Jahr fort. „Die Buchungen liegen für alle drei Marken, TUI, Airtours und 1-2-Fly, über dem Vorjahr,“ erklärt Robin Wilbertz, Leiter TUI Produktma-nagement Malta. Und Steffen Keese, Product Manager Südeuropa von Gebeco, freut sich: „Die Nachfrage hat deutlich angezogen.“ Viele Veranstalter melden gar ein zweistelliges Buchungsplus. Einreisezahlen von Januar dieses Jahres, gewiss nicht der attraktivste Reisemonat, spiegeln die positive Tendenz: Die internationalen Gäste nahmen im Vergleich zum Januar 2016 um gut 21 Prozent zu, die der Deutschen um 20 Prozent. „Unsere Maltabuchungen sind mehr als zufriedenstellend“, bringt Kevin Ach es auf den Punkt, Senior Produktmanager Neckermann Reisen für Südeuropa und Nordafrika.

Mehr als zufrieden sind die Veranstalter auch mit dem Fremdenverkehrsamt Malta. „Wir arbeiten bereits seit Jahren sehr erfolgreich zusammen“, lobt Stefan Walter, Senior Product Manager Malta von FTI, die Malta-Werber. Ähnliche Töne schlagen auch die Produktmanager der Mitbewerber an.

Auch in einem anderen Punkt liegen sie auf einer Wellenlänge: in ihrer Kritik am Flugangebot. „Die Fluganbindung ab Deutschland könnte ausgebaut werden“, klagt Christina Link vom Alltours-Hoteleinkauf, „insbesondere mangelt es hier an Direktflügen.“

Das sieht man auch bei der TUI so. Wilbertz: „Eine größere Auswahl an Direktflügen wäre wünschenswert.“ „Schade ist, dass Air Malta ihre Verbindung ab Frankfurt eingestellt hat,“ beklagt sich Zsuzanna Szabo, Produktmanagerin von Dertour, „erfreulich ist, dass die Condor Malta mit in ihr Programm aufgenommen hat.“ Omid Haghighat von JT Touristik hofft, “dass die neue Anbindung mit Condor das jetzige Wachstum noch weiter unterstützen kann.”

Bleibt noch das Kapitel Hotels. Auch hier hält sich die Kritik in Grenzen. “Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Ein, zwei Boutique-Hotels, die man für Gruppen nutzen kann, wären schick“, sagt Thomas Graune, Area Manager von Studiosus. „Auf den Inseln gibt es verschie-dene Hotelkategorien, die die Nachfrage von einfach bis luxuriös abdecken“, fasst Claudia Ortel, Produktmanager Wikinger Reisen, die Hotelsituation zusammen, „die Häuser, die ich bis jetzt auf Malta kennengelernt habe, entsprechen den Erwartungen unser Gäste.“

Mein Bericht ist in leicht geänderter Fassung – aber mit anderen Fotos – im Malta-Special der Zeitschrift touristik aktuell in der Ausgabe 12/2017 [vom 3. April] erschienen.





Notizbuch: bei Rita – Ta’Rita Lapsi View auf Malta

29 08 2016

Montag, 29, August 2016

Kaninchen, sozusagen die Nationalspeise der Malteser, werden auf der Mittelmeerinsel auf zweierlei Weise zubereitet: in einer traditionellen Soße gekocht oder mit Knoblauch. Die besten Kaninchen habe ich im Restaurant Ta’Rita Lapsi View gegessen. Das ist ohnehin einen Besuch wert, nicht nur wegen der Kaninchen.

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Etwa einen Kilometer von der berühmten Blauen Grotte entfernt, beim Städtchen Siggiewis, liegt unter eiunem Felsvorsprung der Dingli Cliffs eine Art natürlicher Swimmingpool. Er trägt den Namen Ghar Lapsi, „Auferstehungshöhle“ oder „Himmelfahrtshöhle“. Oberhalb des bei Schwimmern und Schnorchlern beliebten Naturbeckens liegt das Restaurant Ta’Rita Lapsi View. Es ist aus einer Bar erwachsen, die Frenc Azzopardi seit den 30-er Jahren betrieb. Schon damals bereitete er Kaninchen zu, und zwar für britische Marinesoldaten. 1966 wandelte er die Bar in ein Restaurant um – und starb drei Monate später.

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Nun übernahm seine Tochter Rita Kommando und Küche. Seitdem heißt das Restaurant Ta’Rita – bei Rita. Rita war damals die einzige Geschäftsfrau der Insel. 50 Jahre hat sie das Restaurant betrieben. Heute ist sie 88, letztes Jahr hat ihre Nichte Marika das Geschäft übernommen, das sie also in dritter Generation führt.

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Das Restaurant ist groß und lässt den Gästen viel Platz. Die Ausstattung versetzt Besucher sofort zurück in die Zeit der späten 50-er Jahre.

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Tagebuch: Von Klippen und Rillen – Malta III

22 06 2016

Mittwoch, 22. Juni 2016

Über 250 Meter hoch erheben sich an der Südküste Maltas die Dingli Cliffs übers Meer – ein Blick von dort oben lässt einem den Atem stocken. Wer von hier einmal gesehen hat, wie die Sonne untergeht, wird diesen Anblick nie vergessen. Ist die Neugier einmal geweckt, wollen viele Besucher mehr über die Klippen wissen: Wie alt sind sie? Aus was für einem Gestein bestehen sie? Wie sieht es aus mit Fauna und Flora?

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Beliebtes Ausflugsziel: die Dingli-Klippen

Das brachte zwei Brüder auf eine gute Idee. Sie betreiben oberhalb der Klippen das Restaurant The Cliffs, übrigens ganz in der Nähe der markanten Radarstation; sie gehört früher der Royal Air Force und heute der maltesischen Flugsicherung. Das Restaurant besitzt eine schöne Terrasse und hat sich auf lokale Produkte spezialisiert – Wein und Käse, Honig, wilder Spargel und Knoblauch.

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Früher Air Force, heute Flugsicherung: die markante Radarkuppel

Und als „lokales Produkt“ bezeichnen die Wirte auch ihr Klippe-Informationszentrum, das sie im Restaurant unterhalten. Für ihr Projekt haben die beiden Brüder Fördergelder kassiert – und die Naturschutz-Organisationen verfügen um ein gutes Informationbszentrum. Mit Hilfe von Aufstellern, Plakaten und Broschüren informiert es lückenlos über alles, was mit den Dingli Cliffs zusammenhängt. Wer dennoch mehr wissen will, erhält Antwort von einer jungen Geografin, die an ihrem Leptop im Gastraum sitzt.

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Auskünfte für jedermann: die junge Geografin

Übrigens: Die Dingli-Klippen haben ihren Namen vom kleinen Ort Dingli, der kaum 200 Einwohner hat – aber eine der für Malta und Gozo typischen, überdimensionierten Pfarrkirchen mit riesiger Kuppel. Und der Ort Dingli wiederum ist nach einem englischen Ritter namens Sir Thomas Dingley aus dem 16. Jahrhundert benannt.

Wie sind die geheimnisvollen Spurrillen entstanden, von denen auch einige nördlich von Dingli zu sehen sind? Archäologen haben die Theorie entwickelt, dass die Baumaterialien und vor allem die Monolithen für die geheimnisvollen Tempel auf Malta und Gozo auf Karren transportiert worden sind, die diese Spuren hinterlassen haben.

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Wo kommen sie her, die geheimnisvollen Spurrillen?

Alles Quatsch, meint Erich von Däniken. Erich wer? Zur Erinnerung ein npaar Zeilen aus Wikipedia: Erich Anton Paul von Däniken (* 14. April 1935 in Zofingen) ist ein Schweizer Autor, der den pseudowissenschaftlichen Zweig der Prä-Astronautik einem breiten Lesepublikum bekannt machte. Seine Bücher wurden in 32 Sprachen übersetzt und haben bei einer Gesamtauflage von 63 Millionen verkauften Exemplaren teilweise Bestseller-Status erreicht. Zwei seiner Bücher wurden verfilmt, weitere Filme sind an Dänikens Ideen angelehnt. Seine stets aus archäologischen Funden und Befunden abgeleiteten Thesen werden durch von Däniken nicht wissenschaftlich bewiesen, sondern lediglich im Stil „narrativer Sachbücher“ präsentiert und daher auch als „phantastische Wissenschaft“ bezeichnet.

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Bis 20 Tonnen [!] sind die „Bausteine“ der Tempelanlagen schwer

So, dieser Erich von Däniken führte an, dass die „Gleise“ unterschiedliche Spurbreiten haben. Ganz gleich, ob es sich bei den Abdrücken von Kufen oder Rädern handle – variable Achsbreiten habe es damals sicherlich nicht gegeben. Wenn die, wie Theorien besagen, auf Astgabeln befestigten Steine von Tieren gezogen worden seien, hätten laut von Däniken die Astgabeln aus Stahl und die Tiere Dinosaurier sein müssen. Außerdem hätten die Tiere im Boden eigene Spuren zwischen diesen Rillen hinterlassen müssen.

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Modell des „Kugellagers“ – laut von Däniken alles Unsinn

Auch die Kugeln aus Kalkstein, die man überall in der Nähe der Tempelanlagen findet und die als Erklärung zum Transport der Monolithen herhalten müssen, können nach Däniken nicht als Kugellager zum Transport benutzt worden sein: Sie wären unter dem Gewicht der Steine „wie ein Schneeball zerbröselt“. Von Dänikens drittes [Gegen-]Argument ist der Hinweis auf die nicht wegzudiskutierende Tatsache, dass die Spuren nie direkt auf eine Tempelanlage zuführen. Sie ziehen sich kreuz und quer über die Insel.





Tagebuch: Maltas grüne Schwester – Malta II

14 04 2016

Donnerstag, 14. April 2018

Jeder Malta-Besucher fährt zumindest für einen Tag hinüber nach Gozo, Maltas kleinere, aber grünere Schwester. So haben wir es auf unserer Dienstreise Mitte Februar auch gemacht, Sabine Neumann und ich. Sabines Impressionen sind – in leicht geänderter Form – im Malta-Special von touristik aktuell erschienen (Ausgabe 13/2016 vom 4. April):

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Sabine Neumann und unser Guide Mariella Bose [links]

Der Wind stürmt, die Wellen schlagen hoch, dem mächtigen Stahlroß macht es nicht viel aus. Sicher schiebt sich die Autofähre der Gozo Channel Line in den kleinen Hafen von Mgarr. Die Sonne empfängt uns – willkommen auf der kleinen Schwesterinsel von Malta. 20 Minuten dauert die Überfahrt, rund um die Uhr fahren drei Fähren. „Hier scheint fast immer die Sonne“, die Broschüre „Gozo – eine Entdeckungsreise in 100 Momenten des Glücks“ hat Recht. Als 97. Glücksmoment wird Christine zitiert. Vielleicht Wahl-Gozitanerin und wegen der Magie und Liebe hier, schwärmt sie: „Die Sonne und das Meer und das Licht dieser Insel machen mich einfach glücklich.“

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Museum und Ausgrabung von Ggantija

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Für die Malteser ist Gozo mit seiner 7.000 Jahre alten Geschichte voller Mythen und Legenden der grüne Garten. Weit reicht der Blick von der Zitadelle oberhalb Victorias im Inselinnern über barocke Kirchen, grüne Hügel, Berge und Täler bis zum Meer. An langen Wochenenden und zum Karneval im Ort Nadur kommen sie in Scharen, um aufzutanken und mit den nur 30.000 Gozitanern zu feiern. Die rund 14 Kilometer lange und sieben Kilometer breite Insel versorgt sie und alle Tauch- und Outdoor-Enthusiasten, Sprachschüler und Kunstinteressierten, Eco-Urlauber und Yoga-Meditationsklassen mit Natur, Licht, Energie, Lächeln und gutem Essen. Gozo ist bekannt für Ziegenkäse, Meersalz und mildes Olivenöl. Es ist eine Insel der kurzen Wege, die meisten Orte sind mit dem Auto in zehn Minuten zu erreichen. Sightseeingbusse und Taxis erwarten Gäste aus Malta am Hafen.

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Die Kathedrale in Victoria, Gozos Hauptstadt

Einige Stunden später, den Bauch gefüllt mit gozitanischen Ravioli und gebratenem Kaninchen, treffen wir auf seinem Lieblingsplatz It-Torkk in Victoria im Café den nächsten glücklichen Inselbewohner. Weil die Eltern ausgewandert waren, ist Kevin Grech wie viele seiner maltesischen Altersgenossen in Übersee geboren. Mit seiner jungen Familie kam er zurück. Der junge Mann strahlt positive Energie aus. Er liebt seine Heimat für „ihre Ursprünglichkeit, die Ruhe und dass hier alles viel entspannter ist“. Seiner Meinung nach steht Gozo viel zu sehr im Schatten von Malta. Das will er ändern. Erster Schritt ist eine Broschüre „Gozo Outdoor Activities“ aller Anbieter.

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Kevin Grech, Gründer von Gozo Segway Tours

Die Verfilmung von „Games oft the Throne“ auf Gozo inspirierte Kevin Grech, 2013 sein Unternehmen Gozo Segway Tours zu gründen. Für 50.000 Euro schaffte er acht segways an, die mit Solarenergie aufgeladen werden. Selbst viel gereist, ist er für Kunden „wie ein Freund vor Ort“. Mit seinem Geschäft will er nicht nur Geld verdienen. „Die Leute, die nach Gozo kommen, sind wie eine große Familie.“ Er weiss, dass sie „nicht so viel Geld für einen Ausflug ausgeben.“ Deshalb hält er seine Preise günstig und steht bei tripadvisor ganz oben. Im Sommer zieht Kevin weiter als Crepemacher von Fest zu Fest. In der Zeit der Dorffeste überbieten sich die ruhigen und friedlichen, von überdimensionierten Kirchen mit großen Kuppeln geprägten Dörfer gegenseitig bei ihren Festas. Zu Ehren der jeweiligen Dorfheiligen und grandioser Feuerwerke werden keine Kosten und Mühen gescheut.





Tagebuch: Facelifting für Valletta – Malta I

5 04 2016

Dienstag, 5. April 2016

Valletta, die von Kreuzrittern gegründete Hauptstadt der Insel Malta, hat ihr Gesicht verändert, und das gewaltig. Das ist das Fazit, das ich in einem Bericht gezogen habe, der gestern in touristik aktuell erschienen ist. Er gehört zu einem der gleich zwei Specials von mir in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift. Das eine ist Zypern gewidmet, das andere eben Malta.

Valletta, Maltas 450 Jahre alte Hauptstadt, überrascht Besucher mit einem Bauensemble des Architekten Renzo Piano. In Vorbereitung auf 2018 hat der Stararchitekt das einstige City Gate durch zwei mächtige Betonquader ersetzt. Sie bilden den Eingang, hinter dem Piano eine kühne Treppe aufsteigen lässt, die geschickt Licht und Schatten des Parlamentsgebäudes spiegelt. Auch das hat Piano neu erdacht und ihm eine klare, eindrucksvolle Linie verpasst. Der Quader schließt sich an den Eingangsbereich an. Und an Stelle der benachbarten Opernruine auf dem großen Platz davor – das Operngebäude fiel im Zweiten Weltkrieg dem Bombenhagel zum Opfer – schuf Piano ein Freilichttheater für tausend Gäste.

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Nicht nur die Architektur hat Valletta in den letzten Jahren verändert.„In den letzten vier Jahren hat sich so viel getan“, schwärmt Guide Mariella Bose, „es gibt so viele Feste und Festivals, soviel Musik und Kultur, dass man jeden Tag etwas unternehmen kann.“ Das neue, breite Kulturangebot wurde honoriert: 2018 ist die kleinste Hauptstadt der EU, in der nur 9000 Bewohner leben, Kulturhauptstadt Europas. Eine andere Auszeichnung besitzt die Stadt schon seit 1980: Sie steht als Gesamtheit auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Jedes Haus genießt Denkmalschutz. Das macht den Erhalt schwierig, manches Gebäude könnte eine Generalsanierung vertragen. Andererseits verhindert der konsequente Denkmalschutz eine Gentrifizierung. Besucher können sich so an vielen kleinen Läden erfreuen, die sich spezialisiert haben – Victor Galeas Kurzwarenhandlung beispielsweise, Mazzareno Haders Laden für Bilderrahmen oder George Zammits kleines Reich für Kaffe und Kräuter, Salz und Süßigkeiten.

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In kerzengeraden mit dem Lineal auf dem Reißbrett gezogenen Gassen lässt es sich von einem Café wie Piadinas Kaffeestube zum nächsten bummeln.

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Mittlerweile hat sich in Valletta eine stattliche Zahl guter Restaurants etabliert. Vorbei sind die Zeiten, in denen Maltas Küche den – schlechten – Ruf als Truppenversorger der Briten hatte. Der Familienbetrieb Palazzo Preca in der Strait Street ist eine dieser ersten Adressen. Junge Schwestern kochen traditionelle maltesische Gerichte wie Stuffat Tal-Fenek, Kaninchen, Bragoli, maltesische Rinderroulade oder Tigiega, geröstetes, gefülltes Hühnchen.

Für größere neue Hotelbauten hat Valletta keinen Platz. Doch werden mehr und mehr traditionelle Häuser zu vornehmen Boutiquehotels restauriert. Eines ist Palazzo Prince d’Orange, das fünf ganz unterschiedlich eingerichtete Appartements für zwei bis vier Personen vermietet. Gemeinsam nutzen Gäste Bar, Bibliothek, Lounge und Dachterrasse.

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Das 400 Jahre alte Haus, seit 1888 in Besitz einer niederländischen Familie, wurde von ihr mit Stil und hohem Aufwand zum Boutiquehotel umgebaut. „Das ist ein echter Trend“, sagt Mariella Bose, „bald werden wir in Valletta viele solcher Hotels in historischen Häusern haben.“





Tagebuch: Paul the catman

21 02 2016

Sonntag, 21. Februar 2016

Noch nie habe ich in einem Mittelmeerland so wohlgenährte „streunende“ Katzen gesehen wie jetzt auf Malta. Sie werden von einem Rentner gut versorgt.

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Gerade haben wir noch in die Ewigkeit geschaut: auf die 5.000 Jahre alte Tempelanlage Hagar Quim [„stehender Stein“] auf Malta. Da werden wir am Eingang in die Gegenwart zurückgeholt – in eine sehr angenehme Gegenwart. Ein alter Mann füttert acht, neun Katzen. Für derart „streunende“ Katzen in einem Mittelmeerland sehen sie ausgesprochen wohlgenährt aus. Was habe ich in solchen Ländern schon für Katzenelend gesehen. Aber hier nicht.

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Der alte Mann – wir haben ihn „Paul the catman“ getauft, füttert nahe der Tempelanlage zweimal am Tag seine Katzen. Dabei geht es ausgesprochen gesittet zu. Es gibt keine Verteilungskämpfe, kein Gerangel, nur leises Miauen: Ich bin auch noch da! An einem anderen Platz, so erzählt der alte Mann, versorgt er sogar 60 Katzen. Er, der nicht aussieht, als besitze er irgendwelche Reichtümer, sagt schlicht: „Ich teile meine Rente mit den Katzen.“

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