Notizbuch: Strandkorb aus dem Drucker

22 02 2018

Donnerstag, 22. Februar 2018

Was für ein Bild. Zwei hübsche Mädchen, junge Frauen, in Badekleidung. Sie stehen links und rechts eines gigantischen Strandkorbs, Nachbau des berühmten Strandkorbs beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Und im Strandkorb sitzen vier nicht mehr ganz so junge Herren. Eine zauberhafte junge Dame in Businesskleidung kommt hinzu. Und dann lümmelt sich noch links des Strandkorbs ein attraktiver junger Mann im Liegestuhl. Keine Urlaubsidylle, sondern ein gestelltes Tableau zur ITB-Pressekonferenz. Ihr Thema: die Publikumsattraktionen der weltgrößten Tourismusmesse.

Und die heißen zuerst einmal: Mecklenburg-Vorpommern, das diesjährige Partnerland der ITB Berlin. Harry Glawe, Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, listete – leider ein wenig trocken – ein paar Fakten zu dem beliebten Reiseziel auf:  Die Küstenlänge – einschließlich der Buchten und der Bodden- und Haffküste in Vorpommern – beträgt 2000 Kilometer, die Länge der Außenküste 350 Kilometer. Das Land besitzt über 2000 Seen, der größte, die Müritz, ist auch größter See Deutschlands. Die Flüsse und Kanäle, die das Land durchziehen, addieren sich auf eine Gesamtlänge von 26.000 Kilometern. Wow.

„Die Möglichkeit, ITB Partnerland zu sein, ist für uns ein Riesenerfolg“, freute sich der Minister, „wir wollen Aufbruchsstimmung erzielen.“ Wolfgang Waldmüller, Vorsitzender des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern [„ich freue mich riesig!“], verriet – ein wenig lebhafter als der Minister – ein paar der Publikumsattraktionen, mit denen das Land auf der Messe unterm Funkturm aufwartet.

100 Strandkörbe bringen die Leute aus Mecklenburg-Vorpommern mit, die über das Messegelände verteilt werden. „Keiner kommt am Strandkorb vorbei“, sagt Wolfgang Waldmüller. Als Souvenir für Messebesucher werden am Meck-Pomm-Stand in Halle 6.2a für Besucher Mini-Strandkörbe aus dem 3D-Drucker produziert. Und Besucher erhalten Mini-Bernsteine.

Eine Silent Disco, bei der die Tänzer Kopfhörer tagen, Berlins schwule Querplattler im LGBT- Pavillon in Halle 21b, die virtuelle Vorstellung der Sperrzone Tschernobyl, das Grand Finale am ITB Sonntag – nur einige der vielen Publikumsattraktionen, über die Dr. Martin Buck, Senior Vice President Travel & Logistics der Messe Berlin [kleines Foto rechs, ein toller Titel, oder?!] und ITB-Chef David Ruetz [kleines Foto links] informierten. Sie taten das mit gewohnter Routine und durchaus humorvoll. Aber – die beiden Herren werden es mir nachsehen – ich würd’s anders machen. Ich würde ein wahres Feuerwerk abbrennen. Die ITB hat so viel an den beiden Publikumstagen zu bieten, dass der Besuch zu einem Muss wird.

Ein Beispiel: Vor 20 oder noch mehr Jahren plante der Deutsche Reiseverband seine Jahrestagung in Orlando/Florida. „Keine zehn Pferde kriegen mich dahin,“ tönte ich. Denn die Spass-Parks von Disneyland bis SeaWorld sollten im Mittelpunkt des Programms stehen. Und dann kam die Jahrestagung vor Orlando, und zwar auf Mallorca – mit der Präsentation der nächsten Gastgeber-Destination, eben Orlando. Da wurde nicht aufgezählt, was die Destination alles zu bieten hat. Sondern es wurde das Gefühl vermittelt, das Besucher erfasst, wenn sie das Angebot nutzen: Lebensfreude, Jungsein, unternehmenslustig, sorgenfrei. Das geschah mit Musik, Tanz, Luftballons, Mickymäusen, Papierschlangen, Konfetti. Da stand für mich fest: Was geht mich mein Geschwätz von gestern an – da muss ich hin. Ich wurde nicht enttäuscht.

So stelle ich mir auch die ITB-Präsentation vor. Aber auf mich hört ja keiner.

Noch ein paar Fakten zur ITB Berlin: Insgesamt erwartet die Messeleitung in den 26 Hallen rund 10.000 ausstellende Unternehmen und Organisationen aus über 180 Ländern. Nebenbei: Der Vatikan fehlt dieses mal als Aussteller. „Das werden wir verkraften“, meint David Ruetz.

 

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Tagebuch: Berliner Peinlichkeiten

26 03 2014

Mittwoch, 26. März 2014

Es ist zum Haarausraufen. Kaum ist man mal ein paar Tage weg, geht es in Berlin drunter und drüber Da schickt Stadtentwicklungssenator Michael Müller seinen Staatssekretär in den einstweiligen Ruhestand. Und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer zettelt laut „Tagesspiegel“ einen Krieg mit der Messe Berlin an, den niemand gewinnen kann – sie schon mal gar nicht.

Mueller_Michael_1Schauen wir uns mal an, was Senator Müller [Foto links] mit Ephraim Gothe, seinem Staatssekretär für Bauen und Wohnen, gemacht hat. § 30 des Beamtenstatusgesetzes sagt: Beamtinnen auf Lebenszeit und Beamte auf Lebenszeit können jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden, wenn sie ein Amt bekleiden, bei dessen Ausübung sie in fortdauernder Übereinstimmung mit den grundsätzlichen politischen Ansichten und Zielen der Regierung stehen müssen. Sind beide nicht mehr auf gleicher Linie? Das behauptet noch nicht einmal der Senator. Meine Prophezeiung: Der Stadtentwicklungssenator wird wegen dieses Schrittes noch gehörigen Ärger bekommen.

Nebenbei: Es ist der sechste [!] Staatssekretär in dieser [rot-schwarzen] Legislaturperiode, der seinen Schreibtisch räumte, davon hat’s nur einer freiwillig getan. Sind Staatssekretäre in der Berliner Regierung nur Schachfiguren? Oder Mensch-ärgere-Dich-Steine? Noch eine Peinlichkeit mehr, mit der Berlin sich in der Welt blamiert.

yzerEs gibt noch eine. Nämlich das Verhalten der Wirtschaftssenatorin Yzer. Genauer: ihr Verhältnis zur Messe Berlin. Das war schon bei ihrer Vorgängerin schlecht, die wegen eines Streits um die Messe ihr Hütchen nehmen musste. Frau Yzer wollte verhindern, dass Christian Göke Messechef wurde, konnte sich aber im Aufsichtsrat nicht durchsetzen. Nun, so wird kolportiert, will sie aus Rache den Aufsichtsratschef Hans-Joachim Kamp absägen, womit Gökes Stellung äußerst instabil würde. Im Rauswerfen ist sie ja geübt, die derzeitige Wirtschaftssenatorin.

Gut, einige Messe-Mitarbeiter mögen den Big Boss nicht, andere halten ihn für arrogant. Journalisten mögen seine blendende Rhetorik. Ich schätze ihn aus vielerlei Gründen, aber auf mich hört ja keiner. Was der Mann und seine Mann- und Frauschaft jetzt brauchen, um die Messe im harten Konkurrenzkampf in Spitzenstellung zu halten, ist Ruhe. Rückendeckung. Auch die von Senatorin Yzer.





Tagebuch: Wir auf der YOU

26 09 2011

Montag, 26. September 2011

Durch eine Sicherheitsschleuse mussten wir – Sohn, Enkel und ich -, als wir gestern die Jugendmesse YOU besuchten. Letztes Jahr wurde sie noch mit großem Brimborium auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof veranstaltet [„YOU 2010 erfolgreich in Tempelhof gelandet“], dieses Jahr fand Europas größte Jugendmesse wieder auf dem Messegelände statt. Also: Sicherheitskontrolle vor dem Betreten der [Eingangs-]Halle 25. Oweia, müssen wir vielleicht unsere Flaschen mit Limo und Apfelschorle abgeben? Mitnichten. Nach Haarspray und Edding-Filzern wurde gesucht. Jugendmesse!

Laut war es auf der Messe, laut und stimmungsvoll. Ich habe noch nie so viele gut gelaunte, nette, interessierte Jugendliche auf einem Haufen gesehen. Dazwischen Kinder, große Kinder, kleine Kinder, Papas, Mamas und Großeltern. Für jeden, aber wirklich für jeden Geschmack war etwas dabei. Da konnte man in einem Wasserbecken einen Schnupper-Tauchgang machen, die engen Sitze eines Düsenjägers ausprobieren, balancieren, Ball spielen. Turner und Tänzer waren zu sehen, BMX-Radfahrer und Breakdancer. 280 Aussteller gab es in den Messehallen, buchstäblich von A bis Z, von A&O Hotels und Hostels bis zum Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Apropos: 90 Unternehmen und Innungen boten Berufsorientierung – von Bundeswehr über die Friseur-Innung Berlin bis zur Polizei. Die zeigte beispielsweise, wie schwer die Beamten an ihrer Schutzkleidung auf Demos oder bei Fußballspielen zu tragen haben.

Viel Musik gab’s, viel Bewegung, viele kostenlose Giveaways. Ein herrliches Bild: Hunderte Jugendliche rechten die Hände, um das zu erhaschen, was ihnen von der Bühne in die Menge geworfen wurde.  Sohn und Enkel [Onkel und Neffe] spielten herrlich oft Ball, liefen hierhin und dorthin, rannten, lachten, quatschten, es war eine Wonne.

Nach drei Stunden waren wir platt – aber glücklich. Genauso erging es 140.000 Besuchern. So steht es im Abschlussbericht der Messe Berlin. Die Zahl des Vorjahres suchte man dagegen vergebens. Damals waren es 3.000 mehr. Das wurde jetzt schamvoll verschwiegen. Warum eigentlich? Peinlich…

Hier gab's die längsten Warteschlangen