Tagebuch: Berliner Peinlichkeiten

26 03 2014

Mittwoch, 26. März 2014

Es ist zum Haarausraufen. Kaum ist man mal ein paar Tage weg, geht es in Berlin drunter und drüber Da schickt Stadtentwicklungssenator Michael Müller seinen Staatssekretär in den einstweiligen Ruhestand. Und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer zettelt laut „Tagesspiegel“ einen Krieg mit der Messe Berlin an, den niemand gewinnen kann – sie schon mal gar nicht.

Mueller_Michael_1Schauen wir uns mal an, was Senator Müller [Foto links] mit Ephraim Gothe, seinem Staatssekretär für Bauen und Wohnen, gemacht hat. § 30 des Beamtenstatusgesetzes sagt: Beamtinnen auf Lebenszeit und Beamte auf Lebenszeit können jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden, wenn sie ein Amt bekleiden, bei dessen Ausübung sie in fortdauernder Übereinstimmung mit den grundsätzlichen politischen Ansichten und Zielen der Regierung stehen müssen. Sind beide nicht mehr auf gleicher Linie? Das behauptet noch nicht einmal der Senator. Meine Prophezeiung: Der Stadtentwicklungssenator wird wegen dieses Schrittes noch gehörigen Ärger bekommen.

Nebenbei: Es ist der sechste [!] Staatssekretär in dieser [rot-schwarzen] Legislaturperiode, der seinen Schreibtisch räumte, davon hat’s nur einer freiwillig getan. Sind Staatssekretäre in der Berliner Regierung nur Schachfiguren? Oder Mensch-ärgere-Dich-Steine? Noch eine Peinlichkeit mehr, mit der Berlin sich in der Welt blamiert.

yzerEs gibt noch eine. Nämlich das Verhalten der Wirtschaftssenatorin Yzer. Genauer: ihr Verhältnis zur Messe Berlin. Das war schon bei ihrer Vorgängerin schlecht, die wegen eines Streits um die Messe ihr Hütchen nehmen musste. Frau Yzer wollte verhindern, dass Christian Göke Messechef wurde, konnte sich aber im Aufsichtsrat nicht durchsetzen. Nun, so wird kolportiert, will sie aus Rache den Aufsichtsratschef Hans-Joachim Kamp absägen, womit Gökes Stellung äußerst instabil würde. Im Rauswerfen ist sie ja geübt, die derzeitige Wirtschaftssenatorin.

Gut, einige Messe-Mitarbeiter mögen den Big Boss nicht, andere halten ihn für arrogant. Journalisten mögen seine blendende Rhetorik. Ich schätze ihn aus vielerlei Gründen, aber auf mich hört ja keiner. Was der Mann und seine Mann- und Frauschaft jetzt brauchen, um die Messe im harten Konkurrenzkampf in Spitzenstellung zu halten, ist Ruhe. Rückendeckung. Auch die von Senatorin Yzer.

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Tagebuch: Wir auf der YOU

26 09 2011

Montag, 26. September 2011

Durch eine Sicherheitsschleuse mussten wir – Sohn, Enkel und ich -, als wir gestern die Jugendmesse YOU besuchten. Letztes Jahr wurde sie noch mit großem Brimborium auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof veranstaltet [„YOU 2010 erfolgreich in Tempelhof gelandet“], dieses Jahr fand Europas größte Jugendmesse wieder auf dem Messegelände statt. Also: Sicherheitskontrolle vor dem Betreten der [Eingangs-]Halle 25. Oweia, müssen wir vielleicht unsere Flaschen mit Limo und Apfelschorle abgeben? Mitnichten. Nach Haarspray und Edding-Filzern wurde gesucht. Jugendmesse!

Laut war es auf der Messe, laut und stimmungsvoll. Ich habe noch nie so viele gut gelaunte, nette, interessierte Jugendliche auf einem Haufen gesehen. Dazwischen Kinder, große Kinder, kleine Kinder, Papas, Mamas und Großeltern. Für jeden, aber wirklich für jeden Geschmack war etwas dabei. Da konnte man in einem Wasserbecken einen Schnupper-Tauchgang machen, die engen Sitze eines Düsenjägers ausprobieren, balancieren, Ball spielen. Turner und Tänzer waren zu sehen, BMX-Radfahrer und Breakdancer. 280 Aussteller gab es in den Messehallen, buchstäblich von A bis Z, von A&O Hotels und Hostels bis zum Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Apropos: 90 Unternehmen und Innungen boten Berufsorientierung – von Bundeswehr über die Friseur-Innung Berlin bis zur Polizei. Die zeigte beispielsweise, wie schwer die Beamten an ihrer Schutzkleidung auf Demos oder bei Fußballspielen zu tragen haben.

Viel Musik gab’s, viel Bewegung, viele kostenlose Giveaways. Ein herrliches Bild: Hunderte Jugendliche rechten die Hände, um das zu erhaschen, was ihnen von der Bühne in die Menge geworfen wurde.  Sohn und Enkel [Onkel und Neffe] spielten herrlich oft Ball, liefen hierhin und dorthin, rannten, lachten, quatschten, es war eine Wonne.

Nach drei Stunden waren wir platt – aber glücklich. Genauso erging es 140.000 Besuchern. So steht es im Abschlussbericht der Messe Berlin. Die Zahl des Vorjahres suchte man dagegen vergebens. Damals waren es 3.000 mehr. Das wurde jetzt schamvoll verschwiegen. Warum eigentlich? Peinlich…

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