Notizbuch: blabla…

14 07 2019

Wie Flixbus Konkurrenz bekommt

Sonntag, 14. Juli 2019

Der Startschuss fiel am Montag, 24. Juni: Punkt 7 Uhr setzte sich ein orange lackierter Bus des neuen Fernreisebus-Unternehmens BlaBlaBus in Düsseldorf Richtung Berlin in Bewegung.

Die Firma, die angetreten ist, der Konkurrenz Flixbus das Fürchten zu lehren, will rasant expandieren: „Wir starten mit 19 Städten und Flughäfen“, sagt der General Manager für Deutschland, Christian Rahn. Schon im Juli sollen auf dem deutschen Markt zehn weitere Destinationen hinzukommen, darunter Amsterdam. Noch dieses Jahr sind europaweit 70 BlaBlaBus-Linien geplant. Bis Jahresende, so sehen es die Pläne vor, addieren sich die Ziele auf 400.

Die Fernbuslinien sind für Rahn eine logische Erweiterung des Angebots, das die Mitfahrzentrale BlaBlaCar bietet. Mit 75 Millionen Mitgliedern in 22 Ländern ist die Plattform die größte Mitfahrzentrale der Welt. In Deutschland wird die App von 6,5 Mitgliedern genutzt. Der Name stammt übrigens von einem besonderen Service: Mitfahrer können vor dem Trip angeben, ob sie bei der Fahrt eher schweigsam sind [„bla“], im mittleren Maß Bereitschaft zur Unterhaltung zeigen [„blabla“] oder sehr gerne reden [„blablabla“].

„Wir wollen mit BlaBlaCar und BlaBlaBus Marktplatz Nummer 1 werden für gemeinsames Reisen auf der Straße“, betont Christian Rahn [Bild links], der in Deutschland beide Angebotsschienen managet. Er ist ein erfahrerener Touristriker und war unter anderem Managing Director der Online-Plattform lastminute.de und Leiter der Marketing-Abteilung von STA Travel.

Wie die Flixbus-Konkurrenz besitzt BlaBlaBus keine eigenen Busse, sondern verpflichtet „nach gründlicher Qualitäts- und Sicherheitsprüfung“ (Rahn) ausgewählte Partner. Rahn: „Diese müssen mindestens zehn Busse und lange Erfahrung besitzen.“ Die Busflotte insgesamt ist maximal drei Jahre alt, die meisten Busse der Vertragsunternehmen sind brandneu.  XL-Sitze, W-Lan, Steckdosen, Klimaanlage und Drei-Punkt-Sicherheitsgurte gehören zur Standard-Ausstattung.

Unüberbietbar preisintensiv startet BlaBlaBus auf dem Deutschland-Markt: Bis September sind viele Fahrten für 99 Cent buchbar. Das soll die Auslastung drastisch erhöhen. „Diese spielt eine große Rolle“, doziert der General Manager, „ab 60 Prozent Auslastung ist der Bus die umweltfreundlichste Alternative.“ Tickets können über App oder web gebucht werden und werden auch an größeren Busstationen verkauft. Weitere Vertriebsmöglichkeiten, zum Beispiel über Reisebüros, will das Unternehmen prüfen, wenn die Phase der Markteinführung abgeschlossen ist.

Zwei Probleme der Konkurrenz kennt Rahn angeblich nicht: überall wo gewünscht Haltepunkte zu finden und ausreichend Fahrer, die genügend Deutsch sprechen. Aber noch ungelöst bleibt das Problem der extrem langen Fahrzeiten. So sind beispielsweise für die Strecke Berlin-München zehn Stunden angesetzt. Die Konkurrenz schafft das in gut sieben Stunden. „Wir wissen, dass zehn Stunden viel Zeit sind und werden die Fahrpläne schon bald optimieren“, teilt BlaBlaBus-Pressesprecherin Jasmin Schlegel auf Anfrage lakonisch mit. Aber immerhin seien „in den Fahrzeiten sind Pausen schon eingerechnet, so dass die Reisenden nicht zehn Stunden im Bus sitzen werden.“

Mein Bericht ist in gekürzter Fassung und mit einem anderen Foto am Montag, 8. Juli, in touristik aktuell erschienen   [Ausgabe 26-27 2019]

 

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