Notizbuch: Waschweiber

29 08 2017

Dienstag, 29. August 2017

Na, zuerst war ich ja ein wenig beunruhigt, als wir beim abendlichen Spaziergang durch Bad Wildungen auf zwei waschechte Waschweiber trafen. Sie standen auf einer Mauer hoch über uns, im Hintergrund malerisch die gotische Stadtkirche. Ein wenig grimmig guckte eine von ihnen auf uns herab. Was hatten die Waschweiber mit uns vor? Schütten Sie uns vielleicht Waschwasser über den Kopf? Aber alles blieb harmlos. Die Waschfrauen-Führung wurde ein köstliches Erlebnis.

Von April bis September führt das Waschweiber-Quintett von Bad Wildungen diese Gästeführung durch, eine Art „Open-Air-Theater-Show“ unter dem Motto „Seifenschaum und Weibergewäsch“. Und Weibergewäsch gab es mehr als genug. Die fünf reizenden, ich möchte fast sagen: süßen älteren Damen schnatterten und tratschten.

40 Jahre Stadtgeschichte aus der Blütezeit des Heilbades zwischen 1880 und 1920 zogen an uns vorbei. Es wurden amüsante, peinliche und auch intime Begebenheiten aus dem Leben der erlauchten Gäste, also der Auftraggeber unserer Waschweiber, erzählt. Das Leben der Bediensteten in jener Zeit war hart. Leider haben wir erst am Ende der eineinhalbstündigen [und damit mindestens eine halbe Stunde zu langen] Show erfahren, dass es sich bei den Klatschgeschichten ausnahmslos um – wahre Begebenheiten [!] handelte.

Nach dem Zug vom Marktbrunnen aus durch die Gassen der Altstadt landeten wir mit dem Waschweiber-Quintett auf dem Hof des Stadtmuseums, wo Wäsche auf der Leine hing und weiter gewaschen und natürlich getratscht wurde. Ich wünsche mir, dass die Wildunger Waschweiber auf der nächsten ITB Berlin auftauchen und derart originell für Bad Wildungen und Nordhessen werben.

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