Notizbuch: Athen – Stadt der Kunst

5 05 2017

Freitag, 5. Mai 2017

Kaum ein Documenta-Plakat ist in Athen zu sehen, keine Aufsehen erregende Street Art, Programm in den Hotels. Die Documenta, so der erste Eindruck, findet hinter verschlossenen Türen statt. „Die ist geheim“, witzelt eine griechische Touristikerin. „Das braucht etwas Zeit“, erklärt eine Documenta-Sprecherin, „so ist es nun mal, wenn etwas ganz neu ist.“

Zum ersten Mal findet die diesjährige Documenta, die 14., nicht nur ab dem 10. Juni in Kassel statt, sondern derzeit auch schon in Athen statt. Die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst bespielt dort bis zum 16. Juli 40 Orte. Damit wollen die Documenta-Macher interessierten Besuchern auch unbekanntere Orte der 3,7-Millionen-Stadt erschließen, beispielsweise das Numismatic-Museum oder das Duncan Dance Research Center. Wichtigster Ausstellungsort ist das riesige, entkernte Gebäude des Staatlichen Museums für Zeitgenössische Kunst, früher Sitz der Fix-Brauerei. Dort kommen die Exponate besonders gut zur Wirkung, weil ihnen extrem viel Platz geboten wird.

Die Reaktion der Reisebranche auf das Großereignis in Athen ist verhalten. Studiosus bleibt mit der kultimer-Eventreise zur Documenta wohl eine Ausnahme. Aegean, offizieller Airline-Partner der Documenta, hat für die Dauer der Ausstellung eine Verbindung zwischen Kassel und Athen aufgelegt, die zweimal wöchentlich bedient wird. Dabei wäre die Documenta in Athen für alle Griechenland-Anbieter eine große Chance, ihren Reisekunden die griechische Hauptstadt als Stadt der Kunst und nicht nur als Transitort schmackhaft zu machen.

Auch abgesehen von der griechischen Klassik, von Parthenontempel, Akropolis-Museum und Antiken-Museen, ist Athen reich an Galerien und anderen Kunst-Stätten. In der Nähe der antiken Agora liegt beispielsweise das kleine, aber feine Herakleidon-Museum, das sich den Themen Wissenschaft, Kunst und Mathematik widmet. Schon allein die zwei neoklassizistischen Häuser aus dem 19. Jahrhundert, in denen das Museum untergebracht ist, sind den Besuch wert.

Die beiden guten Geister des Herakleidon-Museums: Eleni Nomikou, die Chefin [rechts], und Elpida Mezilli, ihre Assistentin

Kaum bekannt unter Athen-Touristen ist Technopolis, ein Event- und Ausstellungsgelände, das früher einmal ein Gaswerk war. Vom 24. bis 28. Mai findet hier zum 17. Male ein Jazz-Fest statt, das 23 Bands aus aller Welt anlockt. Da hier neben aktuellen Ausstellungen viel alte Technik zu sehen ist und ein großer innovativer Spielplatz auch ältere Kinder herausfordert, ist Familien der Besuch von Technopolis sehr zu empfehlen.

Technopolis: Event-Location, Ausstellungsort, Familien-Ausflugsort

Seit ein paar Wochen ist Athen um eine Attraktion reicher: um das Stavros Niarchos-Kulturzentrum mit vom Stararchitekten Renzo Piano entworfener neuer Staatsoper und neuer Nationalbibliothek sowie einem großen Park. Stavros Niarchos war Reeder und Kunstsammler und hat sein Vermögen in eine nach ihm benannte Stiftung eingebracht. Diese hat dem griechischen Staat, der pleite ist, und der Stadt Athen das neue Kulturzentrum geschenkt.

Im neuen Opernhaus [oben], in der neuen Nationalbibliothek [unten], in der noch die Bücher fehlen

Das zu besichtigen entwickelt sich zum Muss für Athen-Besucher. Die Führungen (Kontakt über tours@snfcc.org) sind kostenlos und führen auch hinter die Kulissen. Höhepunkt nach eineinhalb Stunden ist ein unvergesslich schöner Blick vom Dach der Oper auf die Kunst-Stadt Athen.

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Tagebuch: Facelifting für Valletta – Malta I

5 04 2016

Dienstag, 5. April 2016

Valletta, die von Kreuzrittern gegründete Hauptstadt der Insel Malta, hat ihr Gesicht verändert, und das gewaltig. Das ist das Fazit, das ich in einem Bericht gezogen habe, der gestern in touristik aktuell erschienen ist. Er gehört zu einem der gleich zwei Specials von mir in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift. Das eine ist Zypern gewidmet, das andere eben Malta.

Valletta, Maltas 450 Jahre alte Hauptstadt, überrascht Besucher mit einem Bauensemble des Architekten Renzo Piano. In Vorbereitung auf 2018 hat der Stararchitekt das einstige City Gate durch zwei mächtige Betonquader ersetzt. Sie bilden den Eingang, hinter dem Piano eine kühne Treppe aufsteigen lässt, die geschickt Licht und Schatten des Parlamentsgebäudes spiegelt. Auch das hat Piano neu erdacht und ihm eine klare, eindrucksvolle Linie verpasst. Der Quader schließt sich an den Eingangsbereich an. Und an Stelle der benachbarten Opernruine auf dem großen Platz davor – das Operngebäude fiel im Zweiten Weltkrieg dem Bombenhagel zum Opfer – schuf Piano ein Freilichttheater für tausend Gäste.

Eingng eins

Treppe 2

Nicht nur die Architektur hat Valletta in den letzten Jahren verändert.„In den letzten vier Jahren hat sich so viel getan“, schwärmt Guide Mariella Bose, „es gibt so viele Feste und Festivals, soviel Musik und Kultur, dass man jeden Tag etwas unternehmen kann.“ Das neue, breite Kulturangebot wurde honoriert: 2018 ist die kleinste Hauptstadt der EU, in der nur 9000 Bewohner leben, Kulturhauptstadt Europas. Eine andere Auszeichnung besitzt die Stadt schon seit 1980: Sie steht als Gesamtheit auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Jedes Haus genießt Denkmalschutz. Das macht den Erhalt schwierig, manches Gebäude könnte eine Generalsanierung vertragen. Andererseits verhindert der konsequente Denkmalschutz eine Gentrifizierung. Besucher können sich so an vielen kleinen Läden erfreuen, die sich spezialisiert haben – Victor Galeas Kurzwarenhandlung beispielsweise, Mazzareno Haders Laden für Bilderrahmen oder George Zammits kleines Reich für Kaffe und Kräuter, Salz und Süßigkeiten.

Valletta drei

In kerzengeraden mit dem Lineal auf dem Reißbrett gezogenen Gassen lässt es sich von einem Café wie Piadinas Kaffeestube zum nächsten bummeln.

Valletta sechs

Mittlerweile hat sich in Valletta eine stattliche Zahl guter Restaurants etabliert. Vorbei sind die Zeiten, in denen Maltas Küche den – schlechten – Ruf als Truppenversorger der Briten hatte. Der Familienbetrieb Palazzo Preca in der Strait Street ist eine dieser ersten Adressen. Junge Schwestern kochen traditionelle maltesische Gerichte wie Stuffat Tal-Fenek, Kaninchen, Bragoli, maltesische Rinderroulade oder Tigiega, geröstetes, gefülltes Hühnchen.

Für größere neue Hotelbauten hat Valletta keinen Platz. Doch werden mehr und mehr traditionelle Häuser zu vornehmen Boutiquehotels restauriert. Eines ist Palazzo Prince d’Orange, das fünf ganz unterschiedlich eingerichtete Appartements für zwei bis vier Personen vermietet. Gemeinsam nutzen Gäste Bar, Bibliothek, Lounge und Dachterrasse.

Valletta vier

Das 400 Jahre alte Haus, seit 1888 in Besitz einer niederländischen Familie, wurde von ihr mit Stil und hohem Aufwand zum Boutiquehotel umgebaut. „Das ist ein echter Trend“, sagt Mariella Bose, „bald werden wir in Valletta viele solcher Hotels in historischen Häusern haben.“