Notizbuch: Israel auf Erfolgswelle

27 06 2017

Dienstag, 27.6.2017

Wenn es weiter so gut läuft mit den Israel-Buchungen deutscher Urlauber, könnte Uri Sharon sein Ziel erreichen: „200.000 deutsche Touristen sind meine Traumzahl,“ verrät der Chef des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros in Deutschland. Das Reiseland schwimmt seit letztem Herbst auf einer Erfolgswelle.

Im April betrug der Zuwachs auf dem deutschen Markt in den ersten vier Monaten dieses Jahres 34 Prozent, allein im April 67 Prozent. Sharon: „Seit September vorigen Jahres sind wir im Dauerplus.“ Letztes Jahr reisten 164.000 Deutsche nach Israel, die Kreuzfahrt-Passagiere nicht mitgerechnet. Das sind immerhin 16.000 im Jahr. „Die übernachten nicht bei uns und geben auch nichts aus“, sagt Uri Sharon, „aber sie schnuppern Israel.“ Und sie kommen mit großer Wahrscheinlichkeit wieder. 40 Prozent der deutschen Gäste sind Wiederholer, viele kommen zum ersten Male mit einem Kreuzfahrtschiff.

Die Deutschen liegen in der Gesamtstatistik Israels an fünfter Stelle – hinter den Briten, den Russen, den Franzosen und den US-Amerikanern. Russland war vor drei Jahren total eingebrochen und verlor von 500.000 Urlaubern die Hälfte, liegt aber laut Sharon wieder im Trend. Auch auf anderen, ferner liegenden Märkten, die von den Israel-Werbern beackert werden, überrascht der Erfolg: Indien liegt seit Anfang des Jahres um 25 Prozent im Plus, China sogar um 116 Prozent.

Auf dem europäischen Markt hatten die Israelis mit ihrer Citiesbreak-Kampagne, für die „ein gutes Budget“ (Sharon) zur Verfügung stand, großen Erfolg. Urlauber sollten danach Städteurlaub in Jerusalem und Tel Aviv verbringen. „In welchem anderen Land finden sich zwei Weltmetropolen so dicht beieinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten“, lautet dazu die rhetorische Frage auf der Website http://www.goisrael.de/ des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros. Die Kampagne wird in diesem Herbst wiederholt. Für Deutschland stehen die Erfolgschancen gut. In dieser Saison gibt es über 90 Flüge aus Deutschland pro Woche. „Wenn man früh genug bucht, sind die Flüge auch billig,“ betont Sharon.

Ryanair wird im Winter sechsmal pro Woche von Deutschland nach Eilat fliegen. Das Rote Meer sei ein „gutes Produkt“, betont Uri Sharon, „mit guten Hotels und Tauchangeboten“. Von Deutschland aus gibt es mit einem Viereinhalb-Stunden-Flug den schnellsten Zugang zu dieser Destination. Auch die Wüste Negev nennt Sharon „ein gutes Produkt“: „Das ist Wüste mit moderner Infrastruktur“, bestens geeignet „für Hiking und Biking“. Für den Dauer-Erfolg Israels seien auch die vielen Events im Lande wichtig, betont der Israel-Werber, zum Beispiel die Marathon-Läufe in Tel Aviv und Jerusalem. Bei aller professionellen Promotion, die offensichtlich mit guten Budgets unterfüttert wird, setzt Uri Sharon auch auf Mund-zu-Mund-Propaganda. „Wer beabsichtigt, nach Israel zu fliegen, fragt welche, die schon da waren“, erklärt Sharon, „und dann hört er nur Gutes.“

Mein Bericht über die Buchungssituation ist – in leicht geänderter Fassung – in der aktuellen Ausgabe von touristik aktuell [24-25 vom 2. Juni] erschienen und Teil eines von mir verantworteten Specials über das Reiseland Israel.

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Notizbuch: Daniel, dynamisch

6 09 2016

Dienstag, 6. September 2016

Daniel Esavandi – genauer: Dr. Daniel Esavandi, denn Daniel hat als Arzt promoviert – ist einfach ein wunderbarer Mensch. Ich empfand von der ersten Minute an so etwas wie Freundschaft für ihn, als wir uns im Flughafen trafen.

Damals war er noch einer der Manager von JT Touristik, dem Unternehmen seiner Schwester Jasmin Taylor. Auf Einladung von JT und im Auftrag von touristik aktuell flog ich mit ihm zum Arabian Travel Market nach Dubai. Ich war damals zum ersten Male in Dubai und zum ersten Male auf dem quirligen ATM. Daniel half mir mit Informationen, machte mich mit wichtigen Informanten bekannt und führte mich so langsam ein in das Lebensgefühl der arabischen Welt. Und wir hatten gute Gespräche beim Shisha-Rauchen [eine von Daniels Leidenschaften; ich rühr‘ die gutriechenden Dinger nicht an…]

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Daniel Esavandi arbeitet jetzt in Poznan, Posen, und zwar als CEO des von ihm gegründeten Unternehmens TOP Touristik pl. „Wir sind wahrscheinlich das erste Unternehmen für dynamic packaging in Polen“, sagt der Boss. Die Firma ist – schätze ich – seit etwa vier Monaten in Polen online und buchbar. Esavandi ist mit dem Start zufrieden. „Wir sind der erste Veranstalter, der voll dynamisch arbeitet“, betont er, „auch die Verfügbarkeitsanfrage für Hotel und Flug ist nur bei uns voll automatisch, andere Veranstalter arbeiten manuell.“ Esavandi: „Es gibt große Herausforderungen, vor allem, was die Technik angeht.“ Aber „die Polen sind tüchtig, und das motiviert uns.“

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Das Geschäftsmodell funktioniert auch, weil vor allem Billigflieger wie Ryanair und Wizzair sehr aktiv sind und von polnischen Flughäfen viele Strecken anbieten – Warmwasserziele wie die Kanaren, griechische Inseln, Zypern, Malta… Und natürlich Städte wie London, Paris oder Barcelona. Emirates und Qatar Airways fliegen seit ein paar Jahren Warschau an, das gibt Esavandi und seinem fünfköpfigen Team „die Möglichkeit, Dubai und die Nachbaremirate zu promoten“. Außerdem hat TOP Touristik Thailand, Mauritius und Sri Lanka im Portfolio.

Zur Zeit sind 13 Länder und 40 Destinationen im Angebot. 2000 Hotels sind im Verkauf, Esavandi steuert bis Ende 2017 10.000 Hotels weltweit an. „Für das erste Jahr haben wir uns 5.000 Kunden als Ziel gesetzt.“





Tagebuch: Gebührenfallen

14 04 2013

Sonntag, 14. April 2013

Blaue Flecken haben heute die Manager von Ryanair und Easyjet bekommen. „Vorsicht Falle!“ hat mein Kollege Gerd Seidemann seinen Artikel im Reiseteil des „Tagesspiegel“ überschrieben, in dem er hart mit der Gebührenpraxis der Fluggesellschaften abrechnet. Unterzeile: „Nicht nur sogenannte Billig-Airlines machen mit vermeintlichen Sonderleistungen Kasse“.

images (2)Ein Beispiel: Einchecken können Fluggäste bei den Iren nur via Internet. Kostenpunkt: 7 Euro. Die klatscht die Firma einfach auf die Rechnung.

Der Tagesspiegel listet weitere Gebühren auf: Priority Boarding 7 Euro [ist ja noch einzusehen], Sitzplatzreservierung 10 Euro, Kleinkind mit auf die Reise [was bei anderen Carriern nun wirklich kostenlos ist] 30 Euro, Gepäckstück 25 Euro – bis 20 Kilo, und jedes weitere Kilo kostet 20 Euro. Und wer die Bordkarte nicht ausgedruckt hat oder zuhause liegen lässt, muss 70 [siebzig!] Euro berappen.

Die Fluggesellschaft macht zwar auf diese Gebühren aufmerksam – aber trotzdem…

Auch Easyjet spielt auf diesem Gebühren-Klavier. Auch KLM nimmt Gerd Seidemann kritisch unter die Lupe. Sein Fazit: „Finden wir uns damit ab: Fliegen wird nicht nur unbequemer, sondern auch teurer.“ Und er äußert die Hoffnung, „dass nicht auch noch die Deutsche Bahn eine Koffergebühr erfindet.“ Si tacuisses.