Notizbuch: Nerger & Kieker

23 04 2018

Montag, 23. April 2018

25 Jahre wirbt sie nun schon für Berlin, die Mann- und Frauschaft  J der BTM, die sich heute – weltweit besser verständlich – visitBerlin nennt. Oberster Berlin-Werber ist Burkhard Kieker. Seinen Vorgänger und CEO der ersten Stunde darf niemand vergessen, der sich mit der Geschichte von visitBerlin befasst: Hans Peter Nerger, ein Vollblut-Touristiker, wie man ihn heute selten findet.

Nergers Ruf [Foto rechts] war schon legendär, bevor er nach Berlin kam. Er hatte schon als Vertreter der Deutschen Zentrale für Tourismus [DZT] in Skandinavien gearbeitet, ehe er nach Lübeck ging und den Tourismus von Lübeck und Travemünde gehörig aufmischte. Als er vor 25 Jahren nach Berlin berufen wurde, fuhren Sabine Neumann und ich nach Lübeck, um nicht nur ihn zu interviewen, sondern auch Hoteliers und Restaurantchefs. Die Grundstimmung war – Traurigkeit. Sie wussten, dass sie diesen Mann ziehen lassen mussten, aber gerne gab ihn wohl niemand an die Hauptstadt ab. Dort, in Berlin, wurde Nerger dann erster Geschäftsführer der neu gegründeten Berlin Tourismus Marketing GmbH [BTM].

Mit fünf Mitarbeitern – von denen einer kurze Zeit später tragisch am Schreibtisch starb – begann Nerger seine Arbeit. Alles ist seitdem explodiert: die Zahl der Mitarbeiter, die Zahl der Besucher und Übernachtungen, die Zahl der Hotels und Hotelbetten. Längst hat sich Berlin unter den Top 3 der beliebtesten Städtereiseziele in Europa etabliert. Zurück zum Chef Nerger:

Von ihm soll der Satz stammen, als ihm Berliner Hoteliers dumm kamen: „Meine Herren, ich muss nicht arbeiten.“ Mit Sicherheit musste er das nicht aus wirtschaftlicher Not: Nergers Vater war Bruno H. Schubert, Ehrenbürger von Frankfurt am Main und Unternehmer, dem das Weltunternehmen Henniger-Brauerei gehörte. Damals wurde kolportiert, Nerger habe eine Rose aus Platin im Rückfenster seiner Limousine liegen. Als Nerger von Journalisten auf den Dreck in Berlin angesprochen wurde, konterte er: „Ich bin nicht bei der Müllabfuhr.“ War das arrogant? Arroganz wurde Nerger oft nachgesagt, wohl zu unrecht. Aber er war im wahrsten Sinne des Wortes ein feiner Kerl.

Die Kollegen vom Tagesspiegel schrieben zu seiner Verabschiedung im November 2008: Schon mit seiner stattlichen Statur war Nerger eine Autorität, ohne autoritär zu sein – der Mann mit dem Einstecktuch im dunklen Zweireiher ist nicht das ruppige Berlin, sondern eher das, was die Leute hierherzieht: die Metropole der Theater und Museen, der Kultur und Bildung und der Kreativität.

Nerger übernahm im Unruhestand die Geschäftsführung in der Stiftung seines Vaters, der gemeinnützigen Bruno H. Schubert-Stiftung. Deren Zweck ist es, „der Förderung der Wissenschaften und deren praktischer Umsetzung in Erkenntnis und Abwehr von Bedrohungen für Natur, Tier und Umwelt zu dienen.“ Alle zwei Jahre vergibt sie den Bruno H. Schubert-Preis, mit dem „wissenschaftliche Leistungen und deren praktische Umsetzung auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes ausgezeichnet“ werden. Leider ist Hanns Peter Nerger durch einen Streit nach dem Tod seines Vaters mit dessen Witwe und wegen einer Steuergeschichte in unrühmliche Schlagzeilen geraten. Doch das gehört hier nicht zum Thema.

Kurz bevor Burkhard Kieker [linkes Foto, links, bei Nergers Verabschiedung] sein Nachfolger wurde, hatte ich das Vergnügen, Kieker auf einer China-Reise zu begleiten. Der frühere Journalist war da noch Marketingchef der Berliner Flughafengesellschaft. Wir haben viel miteinander geredet, und Kieker hat viel über die Stationen seines durchaus bewegten Lebens erzählt. Ich mag ihn. Basta.

Zum Start im Jahr 1993 zählte die Statistik rund drei Millionen Besucherinnen und Besaucher und 7,3 Millionen Übernachtungen in Berlin. Inzwischen übernachten jährlich rund 13 Millionen Gäste über 31 Millionen Mal in der Stadt. Auch als Kongressdestination ist Berlin gefragt: Die deutsche Hauptstadt positioniert sich seit mehr als zehn Jahren unter den Top 5 der internationalen Kongressmetropolen.

visitBerlins CEO Burkhard Kieker

Die Welt für Berlin begeistern – mit dieser Mission wirbt visitBerlin in über 50 Ländern. Mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitareiter sind in der Hauptstadt und auf allen Kontinenten aktiv, um Berlin als Tourismus- und Kongressmetropole zu positionieren.

Zahlreiche internationale Journalisten und Blogger werden auf ihren Recherchereisen in der Stadt durch visitBerlin betreut. Apropos Journalisten:

Pressesprecher von VisitBerlin ist Christian Tänzler [rechts], ein guter Freund von mir. Er ist der beste Pressesprecher einer touristischen Einrichtung, die ich kenne – und ich kenne viele.

 

 

 

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Notizbuch: Rolling Geeks – Malta IV

25 06 2016

Sonntag, 26. Juni 2916

Die Begeisterung von Kris Rycken für seine intelligenten Autos springt schnell über. Der Belgier ist erfolgreicher Startup-Unternehmer auf Malta. Mit Partnerin Dawn Cutajar hat der Vielreisende im Eventbereich eine Geschäftsidee ins Rollen gebracht, die „es so in Europa noch nicht gibt“. Ich habe ihn mit meiner Kollegin Sabine Neumann besucht. Sie war von Kris und seiner Idee genau so begeistert wie ich. Hier ist Sabines Bericht.

12688134_10153931493249443_7140611885654908334_nRolling Geeks nennen beide ihr Unternehmen [www.rolling-geeks.com]. Vor drei Jahren gegründet residiert es direkt am Palais of the Captain of the Galleys am Hafen von Birgu/Vittoriosa. Zehn Elektroautos mit Klimaanlage und Regenschutz aus China ließen sie in Frankreich für den Linksverkehr auf Malta und ihre Aufgabe als Tourguides für Touristen umrüsten. Seit eineinhalb Jahren läuft das operative Geschäft, und Rycken ist mehr als stolz, „die Nummer zwei bei Tripadvisor von ganz Malta zu sein“.

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Die Geschäftsidee klingt simpel: „Unsere Fahrzeuge wissen, wohin sie wollen, erklären Route und Sehenswürdigkeiten in acht Sprachen.“ 18 Kilometer lang ist die E-Mobil-Tour entlang eher ruhiger Straßen und teils enger Gassen, 52 eigens erhobene Points of Interest wurden in das GPS eingespeist. An kniffligen Stellen hat Rycken zur Orientierung zusätzlich Hinweisschilder angebracht – mit Einverständnis des Bürgermeisters. Der ist „absoluter Fan von uns und freut sich, dass Touristen herkommen“, lacht Rycken.

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Bewusst widmet sich Rolling Geeks dem „sehr unentdeckten und vernachlässigten Teil Vallettas“, so Rycken, nämlich den Städten Birgu/Vittoriosa, Isla/Senglea und Bormla/Cospicua auf der gegenüberliegenden Hafenseite. „Ohne Stop kann die Tour mit maximal 25 km pro Stunde in eineinhalb Stunden abgefahren werden“, sagt der Chef, „wir wollen, dass unsere Gäste unabhängig sind und tun können, was sie möchten.“ Deshalb beträgt die Mietzeit eines Geeks zwei bis drei Stunden ab 75 Euro für zwei Personen, damit maximal vier Personen während ihrer Tour auch ins Café oder shoppen gehen können.

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Reisebüros und Reiseveranstalter können die Rolling Geek-Tour für ihre Kunden vorab direkt oder auf der Plattform Viator buchen. Die Tripadvisor-Tochter ist nach eigener Auskunft der weltweit führende Anbieter der besten Reiseerlebnisse der Welt. Dort wie auch bei Direktbuchung zahlt Rolling Geeks eine Provision von 15 Prozent bzw. 8,50 Euro.

Strafzettel für falsches Parken gehen zu Lasten des Fahrers. Der muss zur Anmietung mindestens 21 Jahre sein und einen gültigen Führerschein sowie Kreditkarte hinterlegen. Rycken setzt auf Service. Unterwegs kommuniziert er mit seinen Gästen, und per GPS sieht er am Computer genau, wo die Fahrzeuge sind.

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Automatisches Selfie: rechts UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

An Bord der knuffigen Rolling Geeks gibt es eine Überraschung. Während der Fahrt macht das Bordpanel Selfies von den Fahrgästen, die Rycken ihnen hinterher zuschickt. Kundenbindung im Zeitalter von Social Media. Rycken: „Wir verkaufen ein Erlebnis!“