Notizbuch: im Neuland

23 03 2020

Wie die Corona-Krise mein Leben verändert – und selbst das Leben der Kanzlerin [5]

Montag, 23. März 2020

Ich fühlte mich an Boris Becker – den ich von ganzem Herzen nicht mag – erinnert: Bin ich schon drin? Bin ich nicht drin? Doch, jetzt bist Du drin. Aber ich höre mich doppelt. Klar, Du bist ja auch zweimal drin. Lehrveranstaltung digital.

Eigentlich sollten die Studierten Weltenbummler der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) am 13. März präsentieren, was denn die Studierenden der einzelnen Gruppen mit ihren Dozenten als Ersatz-Lehrveranstaltungen nach Absage der ITB auf die Beine gestellt hatten. Aber: Hochschule dicht, umsteigen auf Digital-Unterricht. Das hat auch irgendwie geklappt, aber da wohl das halbe akademische Deutschland ins Programm Adobe Connect drängte, wurden immer wieder Studierende aus dem Programm rausgeworfen. Auch ich, da ich Gast im Programm der Fachleiterin Tourismus war.

Die folgende Grafik zeigt, wie’s bei solchen Digital-Meetings zugeht. Köstlich.

Auch bei der Notenbesprechung der Dozenten ein paar Tage später gab’s ähnliche Probleme. Aber auch diese ließen sich lösen. Die Erkenntnis setzt sich in mir fest, dass eine Pandemie in Zeiten vor der Digitalisierung eine noch größere Katastrophe gewesen wäre. Klar, in vermisse den Blick-Kontakt mit meinen Mit-Dozenten und besonders die Anwesenheit „meiner“ Studies in ihrer ganzen Buntheit. [Liebe Studierende – das war ein Kompliment!]

Also: Daumen hoch für die Digitalisierung. Noch mehr als sonst kommuniziere ich digital mit meinen Kindern, mit Freunden und Freundinnen.  Auf ein verabredetes Kaffeestündchen via Skype mit einer bestimmten Freundin freue ich mich besonders. Denn als all die Einschränkungen wegen der Corona-Krise spruchreif wurden, schoss es mir durch den Kopf: Jetzt kannst Du Dich mit ihr nicht mehr verabreden. Wann siehst Du sie wieder? Geht doch.

Ich bin davon überzeugt, dass sich das Rad nicht mehr zurückdrehen lässt. Mittlerweile hat der letzte technikfeindliche Unternehmer eingesehen, dass er ohne Digitalisierung – sprich Homeoffice – schon längst pleite wäre. Selbst die Kanzlerin hat das betreten, was sie vor kurzem noch „Neuland“ genannt hat. Und dass sogar eine Videokonferenz der EU-Regierungschefs Erfolge bringen kann, ist ein kleines Wunder.

Ich bin begeistert vom Ideenreichtum der Kulturschaffenden: Wohnzimmerkonzerte, virtuelle Museumsführungen, Lesungen im Internet statt vor Publikum. Vieles davon wird auch nach der Krise bleiben. Nach der Krise? Wie viele Posts werde ich bis dahin zum Thema Corona-Krise noch geschrieben haben?