Notizbuch: der Rutschentester

27 12 2017

Da bekommt der Spruch vom „Guten Rutsch ins Neue Jahr“ eine ganz andere Bedeutung: Kurz vor dem Jahreswechsel ist vder Öger-Aqua-Katalog erschienen, auch Rutschenkatalog genannt. Damit jeder den Aqua-Katalog von Öger Tours mit seinen 50 Hotels und Wasserrutschen versteht, gibt es darin ein Wasserrutschenlexikon.

So ist da zu lesen, dass Freefall-Rutschen und Kamikaze- Rutschen „zu den Speed-Rutschen gehören“ und „gerade, offene Körperrutschen“ sind. Und: „ Sie sind extrem steil und man rutscht mit hoher Geschwindigkeit, teilweise fast wie im freien Fall.“

Die Bewertung der Rutschen für Kinder nimmt ein Schnalbeltier als Maskottchen vor. Dabei spielen auch Priratenschiffe eine große Rolle, die zur Ausstattung vieler Aqua-Hotels gehören. „Für die Erwachsenen-Rutschen ist eine Bewertung schwierig,“ sagt Volker Bromund, „Da gibt es viele Faktoren, und es zählt nicht nur die Anzahl.“ Höhe und Länge der Rutsche sagt auch nicht viel über den Spaßfaktor. Das alles fließt in die Bewertung ein: Höhe der Rutschen, Länge der Rutschen, Neigungswinkel, Anzahl der Kurven, Special Effekte und Fun-Faktor. Bromund: „Je höher, steiler und oder/kurviger die Rutsche, desto größer der Nervenkitzel und der Spaß – und damit der Adrenalinfaktor.“ Rutschen mit hohem Adrenalinfaktor (schwarz) sind für Könner und Mutige, mit niedrigem Adrenalinfaktor für Rutschen-Anfänger (blau). Die Rutschen dazwischen sind rot=mittel.

Hoher Adrenalinfaktor=schwartz

60 bis 70 Prozent der Rutschen, die Öger n der Türkei, in Ägypten, Tunesien und Bulgarien anbietet, hat Volker Bromund selbst abgerutscht. Das scheint jung zu halten, denn der Touristikfachmann mit seinem jungenhaften Charme sieht jünger aus als die 54 Jahre, die er nun mal ist. Der Rutschenjob ist natürlich nicht seine Hauptaufgabe im Öger-Team, zu dem er seit 2001 gehört: Früher war er Produktmanager für die Fernstrecke, seitdem Öger zu Thomas Cook gehört, leitet er die kleine Abteilung Publishing & Content. Das umfasst „alles, was zu beschreiben ist: Katalogaufbau und –Inhalt, nicht die Hotelauswahl, aber die Hotelbeschreibung, und Onlinetexte werden immer wichtiger“ (Bromund). Da hinein gehört auch das Aquaprodukt.

 

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Notizbuch: Heim für Best Ager

21 10 2017

Samstag, 21. Oktober 2017

Die Antwort war klassisch. Als ich Hermann Paschinger eines sonntags per email fragte, ob er eigentlich immer arbeite, schrieb er zurück: „Ich bin selbstständig. Ich arbeite selbst. Und ständig.“ Hermann Paschinger ist Inhaber des Instituts für touristische Angebotsentwicklung mit Sitz in Straß im Straßertale/ Niederöster-reich. Sein größter Wurf: die 50plus Hotels.

Wohl kein anderer Mensch in Europa kennt sich im Marktsegment der Best Ager-Reisen so gut aus wie Hermann Paschinger. Der Tourismusberater erfand vor fast 20 Jahren, 1998, die Kooperation „50plus Hotels“. Schon ein Jahr später wurde dieses Konzept mit dem  Österreichischen Staatspreis für Tourismus ausgezeichnet. Mittlerweile gehören 25 Hotels in sechs europäischen Ländern dieser Kooperation an. Im Zentrum steht der deutschsprachige Markt. 50plus Hotels findet man auch in Italien, Ungarn und Tschechien. Die Mitgliedshotels haben drei bis fünf Sterne und sind meistens familiengeführte Betriebe. Gerade das ist Paschinger sehr wichtiig.

Typisch 50plus-Kooperation: Das Waldhotel Willingen [oben] ist familiengeführt. Unten: Jörg Virnich und Familie, Betreiber des Hotels

50plusHotels – das ist ein Qualitätsgütesiegel und steht nicht für ein spezifizisches Angebot. Paschinger: „Dieses wird vom betreffenden Hotelier erbracht.“ Die Mitgliedschaft in der Kooperation steht vielmehr für ein Service- und Qualitätsversprechen, das die Hoteliers abgeben. „Das bedeutet, dass man in unseren Häusern bestens auf die lebens- und reiseerfahrene Generation zugeht und sie herzlich und in aller Zuvorkommenheit umsorgt“, versichert Paschinger, „Kernkompetenz unserer Gastgeber ist die starke und persönliche Beziehung zum Gast.“

Viele Reisebüro-Mitarbeiterhaben erkannt, dass sie auf Nummer sicher gehen, wenn sie ihrer Best Ager-Kundschaft ein Haus der 50plus Hotels empfehlen und dort einbuchen. Auch Reiseveranstalter schätzen das Qualitätsversprechen der Kooperation und haben deren Häuser in ihr Portfolio aufgenommen. Dazu zählen TUI, Thomas Cook, Ameropa, Wikinger Reisen, einige kleinere Anbieter und diverse Gruppenreiseveranstalter.

Gartenhotel Pfeffel in Dürnstein/Wachau

Paschinger nennt seine 50plus Hotels „eine Lifestyle-Plattform, die auch für Harley-Davidson- und Cabrio-Fahrer, Golfer, Schneesportler, Wanderer und ganz generell für Geniesser attraktiv ist.“  Bei den Hotelangeboten liegt der Focus vor allem bei den  Angebotsthemen „Wandern & Natur“, „Sport & Aktiv“, „Wellness & Vital“ und „Kultur & Genuss“.

Aber kann man die Urlauber der Zielgruppe 50plus wirklich in einen Topf werfen? Haben 55-jährige nicht ganz andere Vorstellungen vom Urlaub und Urlaubsaktivitäten als 70-jährige? Paschinger räumt ein, dass die Zielgruppe sehr inhomogen ist. Aber er entdeckt doch gewisse einheitliche Züge: „Ab 50 ist das Hotel stärker als Komfortzone gefragt, Dienstleistung und Service gewinnen an Wichtigkeit.“ Und: „Die Generation 50plus bucht mehr Hotelaufenthalte als die Jüngeren, lässt sich eher als Stammkunde gewinnen und ist bereit, für ein gutes Erlebnis gut zu bezahlen.“ In vielen alpinen Destinationen stammt in den Sommermonaten jede zweite Übernachtung von Best Agern, und sie buchen auch in der schwach ausgelasteten Nebensaison. Und noch eine Gemeinsamkeit hat Paschinger entdeckt: „Menschen ab 50 fühlen sich in der Regel zehn bis 14 Jahre jünger als sie tatsächlich sind.“

Stimmt. So geht es mir auch.

 





Notizbuch: Hellas jubelt

8 02 2017

Griechenland jubelt. Die Griechenland-Veranstalter jubeln. Der Grund: Hellas ist wie ein Volkswagen – und läuft und läuft.

So optimistisch wie diesmal ist die Reisebranche wohl noch nie in eine Griechenland-Saison gestartet. „ Wir rechnen damit, dass dies das Trendziel des Sommers 2017 wird“, sagt Florian Fleischer, Leiter des TUI Produktmanagements Griechenland. Er hat guten Grund zum Optimismus: Mit einem Buchungsplus von 41 Prozent ist Griechenland bei den Hannoveranern zum Saisonauftakt Favorit. Auch Sabine Näcker vom Griechenland-Produktmanagement der Veranstalter-Marken Thomas Cook und Neckermann-Reisen stellt mit Genugtuung „ein ordentliches Buchungswachstum“ bei den Hellas-Buchungen fest. „Alle griechischen Destinationen liegen im Plus“, betont Oliver Grosse-Kleimann vom Alltours Produktmanagement. „Im Pauschalgeschäft erleben wir einen wahren Ansturm auf Griechenland“, staunt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer DER Touristik Köln, „fast alle griechischen Ziele wachsen überdurchschnittlich.“

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So rechnen denn alle Griechenlandanbieter mit einem Plus am Ende der Saison, auch Schauinsland und FTI, JT-Touristik oder ETI, Attika-Reisen und Dertour. Da stehen auch die Anbieter von Studienreisen nicht zurück, deren Buchungssaison häufig anders verläuft als bei den großen Sortimentern. Thomas Graune, Area Manager bei Studiosus: „Wir verzeichnen aktuell ein hohes zweistelliges Buchungsplus und führen das u. a. auf einen Nachholbedarf zurück.“ Auch Steffen Keese, Produktmanager bei Gebeco, liefert den Grund für den momentanen Erfolg gleich mit: „In den Medien laufen deutlich weniger schlechte Nachrichten aus Griechenland.“

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Für die Produktmanager kommt der Erfolg nicht von ungefähr. Unisono heißt es in der Branche: Griechenland ist im internationalen Vergleich nicht nur gut, sondern sehr gut aufgestellt. „Der Tourismus in Griechenland befindet sich auf einem sehr respektablen Kurs: Die Branche weiß um ihr großes volkswirtschaftliches Gewicht“, fasst es Jan Frankenberg, Bereichsleiter Produkt und Hoteleinkauf der DER Touristik Köln, zusammen. Und: „Beim Thema Servicequalität spielt Griechenland in einer Liga mit Spanien.“

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Es sind vor allem die Massenziele, die beim Boom Masse machen: Kreta, Rhodos, Korfu. Auch Kos, in den Vorjahren wegen der Flüchtlingskrise von vielen Urlaubern gemieden, ist wieder gut im Geschäft. Da die großen Inseln die Nachfrage nicht befriedigen könnten, haben jetzt auch kleinere Inseln wie Paros, Naxos, Santorin und Mykonos größere Chancen als in den Vorjahren. „Das ist das größte Griechenland-Angebot aller Zeiten“, frohlockt Florian Fleischer von der TUI. Sie hat allein auf Kreta, Rhodos und Kos das Angebot um 40 Prozent erweitert. Auf der Beliebtheitsskala aller weltweiten TUI Ziele liegt Griechenland bei den Gästen auf dem zweiten Platz hinter Spanien. Auch bei Alltours hat sich Hellas zum zweitstärksten Sommerziel entwickelt.

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Bleiben bei solch einem Aufgebot noch genug Flugsitze und Hotelbetten für die Konkurrenz? „Wir haben vorgesorgt“, heißt es sinngemäß bei fast allen Häusern. Aber wegen der guten Nachfrage „werden die Hotels in diesem Jahr schneller ausgebucht sein“, warnt Lothar Münzenthaler, Produktleiter Dertour, „hier heißt es: schnell sein!“ Ein Last Minute-Geschäft wird es kaum geben.

Diesen Bericht habe ich im Auftrag von touristik aktuell recherchiert und geschrieben. Er ist in leicht veränderter Fassung – und ohne  Fotos – in Ausgabe 4/2017 der Fachzeitschrift erschienen.





Tagebuch: Filoxenia

18 04 2016

Montag, 18. April 2016

Ihr wichtigstes Kapital haben die Griechen in all den Krisenjahren nicht verloren: die Gastfreundschaft. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die ich unter zahlreichen Veranstaltern – kleinen Spezialisten wie Großanbietern – gestartet habe.

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„Griechenland bietet eine ausbalancierte Mischung aus Gastfreundschaft und landestypischer Mentalität der Einheimischen, bei der sich Urlauber wie bei Freunden zu Hause zu fühlen“, heißt es zum Beispiel beim Reiseveranstalter FTI. Auch der Griechenland-Spezialist Attika-Reisen, seit genau 40 Jahren auf dem Markt, spart nicht mit Lob: „Man kann sich überall frei bewegen und wird von der Bevölkerung herzlich und freundschaftlich empfangen und bewirtet, die Leute sind sehr kinderlieb, man ist sofort integriert, wenn man es möchte, man fühlt sich nie fremd, die Menschen sind sehr natürlich…“ Ins selbe Horn stößt der für Griechenland zuständige Produktmanager von Gebeco: „Insbesondere die griechische Gastfreundschaft macht den Charme des Reiselandes aus. Sie bleibt den Gästen und auch mir stets in guter Erinnerung.“

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„Griechenland zeichnet sich nach wie vor durch seine unschlagbare Gastfreundschaft aus, das ist und bleibt ein großes Plus“, heißt es aus dem Hause Thomas Cook/Neckermann-Reisen. Der mächtige Mitbewerber TUI konstatiert: „Last not least ist es Filoxenía, die griechische Gastfreundschaft, die Urlauber begeistert.“ Noch mehr: „Die Tourismusbranche hat viel investiert und unternommen, um die Attraktivität Griechenlands für Urlauber zu verbessern. Die Investitionen haben sich ausgezahlt, denn die Qualität der Hotels und der Service-Level in Griechenland waren noch nie so hoch wie heute.“

Kloster

Das aber sieht man bei Gebeco anders: „Generell muss Griechenland in die Hotelstrukturen investieren. Hier hat sich über die Jahre ein erheblicher Nachholbedarf aufgestaut. Auch die kleineren, einfacheren Häuser sollten auf aktuellem Stand sein. Abgenutzte Möbel, veraltete Badarmaturen oder beschädigte Zimmer- und Flurwände möchte kein Kunde sehen.“ Ebenso kritisch urteilen die Experten von Wikinger Reisen: „Aufgrund der seit Jahren andauernden Wirtschaftskrise fehlt es an öffentlichen und privaten Investitionen. Notwendige Renovierungen/Umbauten der Unterkünfte entfallen oder werden aufgeschoben. Die Folgen sind absehbar. Modernisierungen und/oder der Ausbau von Flughäfen sind lange überfällig. Das Thema Umwelt- und Landschaftsschutz“ wird für viele Urlauber immer wichtiger, auch hier besteht finanziell und ideell Nachholbedarf.“

Werbung für Taverne

Noch mehr von Wikinger: „Um das Land für Urlauber wieder attraktiver zu machen, benötigt es ein positive Wahrnehmung. Wirtschaftliche und politische Stabilität sowie Verlässlichkeit sind gefordert. Zehntausende Flüchtlinge, deren geplante Weiterreise in andere europäische Länder nicht mehr möglich ist, innenpolitische Streitereien, andauernde schwierige Verhandlungen mit internationalen Geldgebern und der damit einhergehende Rückstand beim Spar- und Reformkurs der griechischen Regierung prägen zur Zeit das Image des Landes. Dieses Bild vermittelt weder Charme noch unbeschwerte Urlaubsfreude.“

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Aber alle Befragten sind sich einig, dass es kaum eine andere derart vielfältige Reisedestination in Europa gibt. Einige Stimmen: „Eine einmalige Inselwelt, saubere Strände, eine gute Wasserqualität und ein angenehmes Klima – Griechenland ist ein vielseitiges Urlaubsziel und gleichzeitig eine Reise in die europäische Vergangenheit“ (TUI). „Die Natur und die Kultur sind einzigartig. In Griechenland kann man überall einen fantastischen Badeurlaub mit der Möglichkeit verbinden, Land und Leute sowie Stätten aus der Wiege der europäischen Kultur kennenzulernen“ (Schauinsland).

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JT Touristik schreibt ein langes Lobeslied: „Griechenland kann in vielerlei Hinsicht entdeckt werden, man denke an das Festland und die unzähligen Inseln. Kein anderes europäisches Land verfügt über eine so vielfältige Insellandschaft. Mit „EINER Reise nach Griechenland“ hat man bei Weitem nur einen Bruchteil dessen gesehen, was Griechenland zu bieten hat. Das Land hat unzählige Facetten, die es zu einem idealen Reiseziel für unterschiedlichste Zielgruppen machen. Es ist reich an kulturellem und historischem Erbe, hat bildschöne Landschaften sowie sehr gastfreundliche Einwohner. Das wundervolle an Griechenland ist, dass sich keine Naturlandschaft der unterschiedlichen Inseln gleicht. Die zauberhaften Sandstrände, das blaue Meer aber auch die Landschaften mit Ihren ursprünglichen Städtchen oder der ausgebauten Infrastruktur bilden traumhafte Kulissen für Postkarten.“ Das alles veranlasst Attika Reisen zu dem Rat: „Griechenland dürfte mit seinen Vorzügen ruhig selbstbewusster umgehen.“

Sonnenuntergang