Notizbuch: Kari & die Blogger

29 04 2017

Samstag, 29. April 2017

„Es gibt weit über tausend Reiseblogs in deutscher Sprache. Von Hunderttausenden werden sie gelesen, und PR-Agenturen lieben sie. Eine Reise an die Grenzen des Journalismus.“ Das ist der Vorspann des Reports über das Blogger-Wesen oder – je nach Standpunkt – Blogger-Unwesen. In der Print-Version trägt er den Titel „Ich“. Wie alle Texte, die ich von Katharina Wilhelm kenne, ist der Bericht gut recherchiert und gut geschrieben.

Reiseblogs, so heißt es in dem FAZ-Report „gibt es mittlerweile über tausend“. Und: „Einige sind Dauerbrenner, ansonsten tauchen im Monatstakt neue auf, deren Leser- und Klickzahlen phasenweise nach oben schnellen.“ Ein an anderer Stelle zitierter Ausschnitt aus einem Blog sei „ein Exempel dafür, was einen auf Reiseblogs erwartet: Hypersubjektivität, Regeln, die weitgehend nur von denen bestimmt werden, die die Website gestalten, sowie Themen und Texte, über deren Gehalt und Sinnhaftigkeit gestritten werden kann und die immer unmittelbar präsente Meinung zahlreicher anderer zu diesen Ergüssen.“

Katharina Wilhelm lässt keinen Aspekt dieser komplizierten Materie aus: Wer sind die Blogger? Gibt es gute Blogger und schlechte Blogger? Und was sind gute Blogger und schlechte Blogger? Was schreiben sie und wie reisen sie? Wovon leben sie? Wer sind ihre Fans und Follower? Auch diese, ihre eigene Frage beantwortet die Autorin: „Ist das der neue Journalismus mit Mitmachfunktion, in dem es keine seriöse Berichterstattung mehr gibt, sondern nur noch PR-generierte Themen, die in Bilder- und Meinungsfluten münden – aus denen sich die Unternehmen dann ihren optimierten Kundenzugang errechnen?“

Blogger – irgendwelche, auf irgendeiner Reise – in Aktion

Es ist die beste Blogger-Analyse, die ich bisher gelesen habe. Hier ist sie: http://www.faz.net/aktuell/reise/nicht-nur-pr-agenturen-lieben-reiseblogs-14977286.html#GEPC;s2

Aber bitte: Nach dem Lesen zu MEINEM Blog zurückkehren – oder erst diesen zu Ende lesen und dann auf die FAZ klicken. Denn ich möchte Katharina Wilhelm ein wenig skizzieren. Übrigens: Kari nennt sie sich selbst, und so nennen sie auch ihre Freunde. Kari…

Es war in Belgrad. Eine kleine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten war zur Eröffnung eines Hotels geladen. Das Programm war fantastisch, die Betreuung durch eine PR-Agentur vorbildlich. Kari war unter den Eingeladenen. Sie fiel mir auf, nein, nein, nein, nicht weil sie so hübsch war. Sondern weil sie anders war als so manche andere Nachwuchsjournalistin – weniger eiteitei, weniger Aufmerksamkeit erheischend, mit beiden Füßen auf der Erde stehend. Und als wir uns alle nach dem Abendessen zur gemütlichen Runde niederließen, machte Kari sich noch auf, um Downtown das Nachtleben der Belgrader Jugend zu erkunden.

Schnappschuss von einer Hoteleinweihung in Belgrad. Dabei habe ich Katharina Wilhelm kennengelernt

Der Bericht dazu steht auf ihrer Internet-Seite: http://www.kariwilhelm.de/ Dort erfährt man noch mehr über die junge Dame und ihr berufliches Leben. Über sich selbst schreibt sie:

Geboren und aufgewachsen bin ich in Pirmasens am Rand des Pfälzer Waldes. Schon in der vierten Klasse gab ich als Berufswunsch „Schriftstellerin auf Reisen“ an. Seit 2009 schreibe ich nicht mehr nur für mich, sondern zunächst auf lokaler Ebene unter anderem für die Rheinpfalz, dann zunehmend bevorzugt für Reiseressorts – unter anderem für die Welt in Berlin, die Süddeutsche Zeitung in München und die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Frankfurt.

Vier Jahre lang habe ich zudem in Hamburg Ethnologie und Germanistik studiert. Seit Oktober 2016 habe ich mich an der Goethe-Universität in Frankfurt nur auf die Ethnologie beschränkt, die mir ungemein bei meinen Reisen zu spannenden, aber fremden Orten und Kulturen hilft. Auf mein Lieblingsreiseziel konnte ich mich noch nicht festlegen. Mein Ziel ist die Welt und alles, was in ihr ist, und ich habe noch so vieles davon nicht gesehen.

Katharina [Kari] Wilhelm

Kari lebt „zweigleisig“: Studium und Arbeit. Sie besitzt den Bachelor of Arts [Note 1,1], der Titel: „Kommunikation in der medizinischen Entwicklungszusammenarbeit – eine Analyse deutscher und kenianischer Wege bei der gemeinsamen Projektarbeit im postkolonialen Kontext“. Uff. Jetzt macht sie ihren Master im Fach Ethnologie. Der Arbeitstitel: „Sporterziehung und Wertevermittlung im urbanen Kenia am Beispiel der Nichtregierungsorganisation NGUVU Edu Sport e.V.“ Noch einmal uff…Das dritte uff entlockt mir die Tatsache, dass die Kollegin polyglott ist: Sie spricht neben Deutsch Englisch fließend, Italienisch und Französisch konversationssicher, und sie besitzt Grundkenntnisse in Russisch, Spanisch und – Kiswahili.

Als Praktikantin und/oder freie Mitarbeiterin hat Katharina Wilhelm für die Stuttgarter Nachrichten gearbeitet und die Rheinpfalz, für Focus, die Welt, die Süddeutsche und eben die FAZ Auch für mehrere Specials in touristik aktuell, die ich betreut habe, hat sie Berichte geschrieben. Sie ist eine „Häkchen-Journalistin“: Ihre Berichte machen keine Arbeit, eigentlich muss man nur Häkchen dran machen…

Dass mir diese Aufzählung von Leidenschaften und Leistungen zu einer Art Lobeshymne geraten ist, liegt nicht an mir. Aber es ist nicht [nur] ihre Leistung, die mich stolz macht, sehr stolz sogar, mit Kari befreundet zu sein.





Notizbuch: Bulgarien boomt

7 03 2017

Montag, 7. März 2017

Sieger und Verlierer im aktuellen Tourismusgeschäft treffen sich jetzt auf der ITB Berlin, der größten Tourismusmesse der Welt. Zu den Gewinnern gehören Griechenland und Bulgarien. Vor allem Bulgarien profitiert von der schwächelnden Nachfrage der Reiseländer Ägypten und Tunesien und wohl auch der Türkei.

Dies bescherte dem Land – in erster Linie natürlich der Schwarzmeerküste – in den vergangenen zwei Jahren einen Riesenerfolg. Die Zahl der deutschen Touristen, die traditionell hinter Rumänien und Griechenland rangiert, stieg im Vorjahr von Januar bis November um über 32 Prozent auf 812000 Feriengäste.

Begehrte Schwarzmeerküste: Albena. Foto: JT Touristik

Noch ist kein Ende des Booms abzusehen. Davon haben vor allem die Anbieter von Badeurlaub etwas. „Als Veranstalter von Studienreisen profitieren wir nicht von einer Nachfrageverschiebung“, sagt Area Manager Manfred Schreiber von Studiosus. Alltours dagegen, Anbieter von klassischem Badeurlaub, hat nach einem Plus von 37 Prozent im Vorjahr noch einmal kräftig aufgestockt. Die Rechnung geht auf: Der Veranstalter liegt derzeit im zweistelligen Buchungsplus. Noch ein weiteres Beispiel: Fast 100 Hotels in allen wichtigen Regionen bietet ETI an. Michael Nickel, Leiter der Produktabteilung: „Mehr als 40 Flüge die Woche deutschlandweit nach Varna und Burgas runden das Angebot ab.“

Wie seine Kollegen ist Nickel davon überzeugt, dass die Situation rund ums Mittelmeer nicht der einzige Grund für den Bulgarien-Boom ist: „Bulgarien besticht durch ein hervorragendes Preis-/Leistungs-verhältnis und mit einem Produkt, das hervorragend auf die Bedürfnisse der deutschen Kunden zugeschnitten ist.“ Zu diesem Produkt gehören für Omid Haghighat, Head of IT & Product bei JT Touristik auch „das All Inclusive-Angebot und die langen Sandstrände.“ Daher könne man die Beliebtheit der Destination „nicht alleine auf eine Verschiebung durch sogenannte Krisenländer rechtfertigen“, betont auch Halina Strzyzewska, Senior Commercial Manager für Südosteuropa bei FTI. Der Beweis: „Neben den Regionen Gold- und Sonnenstrand entwickelt sich auch in bisher weniger bekannte Küstenorte die touristische Infrastruktur mit einem hochwertigen Hotelangebot.“ Zudem besitzt Bulgarien Weltklasse-Golfplätze und zieht mit diesem Angebot neue Gäste an.


Unisono weisen die Bulgarien-Anbieter in der Branche kolportierte Gerüchte zurück, mit dem Boom sei auch die Reklamationsquote in die Höhe geschnellt. Omid Haghighat spricht für alle Mitbewerber, wenn er feststellt: „Wir haben keine besondere Reklamationsquote bei Bulgarien-Urlaubern feststellen können und haben auch selber keinen Grund. etwas zu beanstanden.“

Ein Punkt bereitet Thomas Grober vom Alltours Hoteleinkauf allerdings Unbehagen: „Die Hotels leiden unter der Abwanderung von touristischem Fachpersonal ins Ausland, das ist vor allem für Bulgarien ein Problem.“ Die Konsequenz, so assistiert Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer der DER Touristik Köln, sei „die Beschäftigung minder ausgebildeter Saisonarbeitskräfte aus Nachbarstaaten.“ Und der Touristiker warnt: „Mittel- und langfristig könnten daher Qualitätsdefizite entstehen.“

Mein Bericht ist am 6. Februar im Osteuropa-Schwerpunkt der Zeitschrift touristik aktuell erschienen.





Tagebuch: vom Provinznest zum Hotspot – Zypern I

21 04 2016

Donnerstag, 21. April 2016

Der Aufstieg von Paphos begann mit der Teilung Zyperns. Nach der türkischen Invasion 1974 fehlte es dem griechischen Teil der Mittelmeerinsel an einem internationalen Flughafen und an attraktiven Badestränden. Ich war im Dezember dort. Hier mein Bericht – fast wortgleich ist er kürzlich in meinem Zypern-Special von touristik aktuell erschienen [Ausgabe 13/2016 vom 4. April]:

Heute ist Paphos zwar immer noch die kleinste der Provinz-Hauptstädte im griechischen Teil Zyperns – aber auch der Ankunftsort für alle Reisenden und einer der Touristen-Hotspots. Mit 28.000 Urlauberbetten ist Paphos nach Agia Napa, wo es 31.000 Betten geben soll, die zweitgrößte touristische Siedlung.

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Die Hotelauswahl ist entsprechend groß. Sehr beliebt bei deutschen Veranstaltern und Urlaubern ist zum Beispiel das zur Leptos-Gruppe gehörende Coral Beach Hotel & Resort. Der Fünf-Sterne-Komplex mit 424 Zimmern in verschiedenen Kategorien lässt kaum einen Urlauberwunsch unerfüllt: Ein Executive-Trakt mit Studios und eigener Rezeption und eigener Frühstückslounge garantiert absolute Ruhe, die Familienzimmer in einem weiter entfernteren Flügel Spaß und Trubel. Sechs Restaurants stehen zur Verfügung, ein eigenes Arts & Crafts Center für kleine und große Picassos sowie zahlreiche Tagungs- und Kongressräume. Das breite Sportangebot wird von einem Pool mit olympischen Maßen gekrönt – Relikt aus der Zeit, als hier die britische Nationalmannschaft für die Olympiade in Athen trainierte.

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Urlauber in Paphos haben es nicht weit, wenn sie etwas Kultur tanken möchten. Denn nur zum Baden ist die Destination einfach zu schade. Da ist erst einmal die Innenstadt von Paphos selbst mit mittelalterlichem Kastell, Minarett, Türkenviertel und neoklassizistischen Bauten aus der Zeit der britischen Kolonialzeit bis 1960.

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Ein Muss auf jedem Besichtigungsprogramm sind die so genannten Königsgräber aus dem dritten Jahrhundert v. Chr., der Zeit der Ptolemäer-Herrschaft. Die unter Schutz des Unesco-Weltkulturerbes stehenden, in den Naturstein gehauenen unterirdischen Begräbnisstätten waren nicht für Könige – die es zu dieser Zeit gar nicht gab -, sondern für die reiche Oberschicht gedacht. Auf dem weitläufigen Gelände gab es früher erheblich mehr Gräber, aber sie wurden über Jahrhunderte als Steinbrüche benutzt.

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Eine zweite Kostbarkeit sind die römischen Mosaiken, die Villen reicher Römer zierten. Die einzelnen Ausgrabungen sind überdacht und durch Stege leicht zugänglich. Die Mosaiksteine in fast allen denkbaren Farben sind alle aus Naturstein von Zypern zurechtgehauen. Einige sind riesig. So sind allein in der Villa des Prokonsuls 9.000 Quadratmeter mit Mosaiken bedeckt. Im Haus des Dionyssos liegen zwei Mosaike nebeneinander, die 600 Jahre trennen. Das linke aus dem Jahr 300 v.Chr. ist aus unbearbeiteten, runden Schwarzweißsteinen geformt; das rechte aus der Zeit von etwa 300 n.Chr. ist ein meisterhaftes Bild, das aus fein bearbeiteten farbigen Steinen besteht.

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Kulturell bietet Paphos mehr als diese beiden Ausgrabungen – und ist 2017 eine der Kulturhauptstädte Europas. Geplant ist, dass sich Paphos als Brücke präsentiert, die Kulturen verschiedener Kontinente miteinander verbindet.





Tagebuch: gestatten, Kadir Ugur – Bauchtouristiker

15 02 2016

Sonntag, 14. Februar 2016

Bei allem Erfolg ist Kadir Ugur, CEO des Türkei-Spezialisten Bentour, uf dem Teppich geblieben. Einer von der aussterbenden Art der Bauchtouristiker.

Er ist eine lebende Legende. Ein Touristiker des Schlages, die ich „Bauchtouristiker“ nenne: Manager, bei denen sich Instinkt, also der richtige Riecher und BWL-Wissen die Waage halten. Eindeutig eine aussterbende Art! Ich habe Kadir Ugur [übrigens „Uhr“ ausgesprochen, wie unsere Ticktack] auf der DRV-Tagung in Salzburg keinen gelernt und gemocht vom ersten Augenblick. Vielleicht liegt das daran, dass wir beide Löwen sind. Kadir ist seit 50 Jahren im Tourismus tätig, und ich bin seit 50 Jahren Journalist. Kadir hat sich jugendliches, ich würde fast sagen: kindliches Wesen erhalten, und ich bin auch noch nicht richtig erwachsen geworden.

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In einem Bericht für touristik aktuell, der noch nicht erschienen ist, habe ich über eine Jachtreise mit Kadir geschrieben: Kadir Ugur ist es als CEO des Türkei-Veranstalters Bentour gewöhnt, das Steuer in der Hand zu halten. So nimmt er wie selbstverständlich seinem Skipper Murat das Ruder der „Ben Swisss Yacht“ aus der Hand, die durch die türkische Ägäis kreuzt. Dann sitzt er glücklich hinter dem großen Rad wie ein Zwölfjähriger, der seiner Playstation ein neues Spiel entlockt. Wie ein Kind also, kann Kadir sein. Die Jacht als sein Spielzeug. Die Reise war eine Pressereise, vier Kolleginnen und ich waren eingeladen. Nicht einmal hat Kadir Ugur gefragt: Was werdet Ihr schreiben? Das nenne ich souverän.

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Schon als Gymnasiast hat Kadir, Jahrgang 47, sich als Reiseführer in Instanbul Geld dazu verdient. Schon nach einem Jahr Studium der Wirtschaftswissenschaften gründete er mit Freunden zwei Touristikbüros, eines in Alanya, das zweite in Istanbul. 1983 wurde der Türkei-Spezialist ATT aus der Taufe gehoben, der 1991 n Rewe verkauft wurde. Ich will nicht jede Station dieses durchaus bewegten, zeitweise stürmischen Berufslebens auflisten. Nur so viel: Heute ist Kadir Ugur CEO des Türkei-Spezialisten Bentour mit Sitz in der Schweiz, sein Sohn Deniz ist mit ihm Geschäftsführer.

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Auf der Jachtreise durch die türkische Ägäis war Zeit für lange Gespräche. Kadir Ugur ist auf dem Teppich geblieben. Das großspurige Auftreten so mancher CEOs ist ihm fremd. Das belegt folgende kleine Geschichte: Als ich Kadir nach der Jachtreise, die im September letzten Jahres stattfand, im November auf der DRV-Tagung in Lissabon wiedersah, freute ich mich wie ein Schneekönig, umarmte ihn und drückte ihn herzlich. Ich bildete mir ein, dass ich ihn damit überfahren hatte und er mit deutlicher Zurückhaltung reagierte. Na ja, wer will schon einem anderen Menschen zu nahe treten? Also fragte ich ihn auf einer Abendveranstaltung, ob ich ihm mit meinem Überschwang lästig gefallen sei. „Wie kommst Du denn drauf“, fragte Kadir – und schon nach: „Dann müssen wir das wiederholen“. Sprach’s und schnappte und drückte mich.





Tagebuch: Gewusel – Dubai I

10 05 2014

Samstag, 10. Mai 2014

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Was für ein Gewusel! Der Arabian Travel Market [ATM], der jedes Frühjahr in Dubai stattfindet, ist zwar bei weitem nicht so groß wie die ITB in Berlin. Dafür aber dreimal so lebendig. Da trifft man nicht auf förmlich-geschäftliche und mehr oder wenig steife Zurückhaltung. Da ist ein einziges Umarmen, Abgeküsse und Zugewinke. Und natürlich: Reden, reden, reden in allen Sprachen der Welt. Und Visitenkarten-Tauschen. Noch nie bin ich so viele Visitenkarten pro Tag losgeworden wie auf dieser Messe.

einsZum dritten Male war ich in diesen Tagen auf der ATM, und wieder überwältigt von der Bereitschaft der Aussteller und Fachbesucher, Kontakte zu schließen. Ich war wieder im Auftrag von touristik aktuell da und wieder auf Einladung von JT Touristik. Der Produktmanager dieser Firma für die Vereinigten Arabischen Emirate ist jedes Mal mit von der Partie, Dr. Daniel Esavandi. Wir haben nicht nur viel Spaß miteinander, sondern ich bekomme auch wertvolle Tipps und Hintergrundinformationen.

Wir wohnten in einem Hotel ganz nach meinem Geschmack, im Sofitel The Palm. Es liegt, wie der Name verrät, auf der künstlichen Insel in Palmenform. Das Hotel ist vorzüglich, was Ausstattung und Service betrifft. Ich komme in den nächsten Tagen darauf zurück.

Westliche Geschäftsleute im dunklen Businessanzug, arabische Touristiker in blendend weißer Tunika, Frauen in der traditionellen Abaya, Managerinnen in erstaunlich freizügiger Business-Kleidung – sie alle wuseln. Dazwischen Clowns, stolze Falkner mit ihren Jagdfalken, mächtig aufgeplusterte Werbefiguren – eine köstliche Mischung. So macht man Messe.

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Und dann das Abschlussfest! Die Branche traf sich im labyrinthartigen Aquarium des Hotels Atlantis. Da bestaunten Menschen erstaunte Fische und umgekehrt. Es war ein köstlicher Abend.





Tagebuch: Rückblick, anders

20 12 2013

Freitag, 20. Dezember 2014

Jahresrückblicke hasse ich. Was wird da alles aufgebauscht, was wird alles heruntergespielt… Was Jauch & Co. da servieren, ist nur schwer erträglich. Natürlich ist das Ansichtssache. Früher, bei den Aachener Nachrichten, habe ich selbst ein paarmal einen Jahresrückblick machen dürfen, vielleicht bin ich daher geschädigt.

Wenn ich auf mein eigenes berufliches Jahr zurückblicke, sehe ich – Zeitungssterben. Oder genauer: Zeitschriften-Sterben. Sales Business, eine Fachzeitschrift für Vertriebsleute: eingestellt. GoGlobalBiz, eine Fachzeitschrift für Geschäftsreisende: eingestellt.

Für Sales Business habe ich im Laufe der Jahre so einige Reports geschrieben – über Flugangst beispielsweise oder Jet Lag, über andere Sitten in anderen Ländern oder verlorengegangenes Gepäck. Die Redakteurin, die mir die Aufträge gab und meine Beiträge betreute, kannte ich noch von touristik aktuell: Sie war da mal ein paar Jahre Chefredakteurin. Mitte des Jahres wurde ihre Zeitschrift vom Markt genommen. Finito della musica.

Aus für die Spielwiese

Härter traf mich die Einstellung der Zeitschrift GoGlobalBiz. Drei Jahre lang war sie eine Spielwiese für mich. Reisethemen habe ich dort untergebracht und auch kompliziertere Fachthemen. Einen Systemvergleich Flugzeug-Bahn-Bus beispielsweise, die Themen CarSharing, Mietwagen, Mietbüros. Und das Thema Tagen stand häufig auf meiner Auftragsliste: Tagen in Norwegen, Tagen in Belgrad, Tagen auf See. Elf Folgen schrieb ich zum Thema Tagen im Grünen. Dabei wurden jeweils vier Tagungshotels abseits jeder Großstadthektik vorgestellt – insgesamt immerhin 44 Häuser.

Und da gab es noch das Internet-Portal, für das schnell die eine oder andere Meldung geschrieben war. Die Einstellung von Print- und Online-Fassung traf auch Ralph Langrock, den Chefredakteur, sehr hart. Ihn kenne ich schon seit Urzeiten. Während seines Studiums an der FU hörte er vor einem Vierteljahrhundert, was ich zum Thema „Pressearbeit im Tourismus“ zu sagen hatte. Irgendwann wurde er nach dem Studium Mitarbeiter in meinem Redaktionsbüro. Er arbeitete halbtags, und da er so wenig verdiente, musste er die andere Hälfte Taxi fahren.

Eine Prise Klatsch

Einmal – jetzt kommt wieder eine Prise Klatsch – sollte er mal hundert oder zweihundert Umschläge frankieren. Da das viel Arbeit war, nahm er einen Schwamm, machte die damals noch nicht selbstklebenden Marken nass und klatschte sie auf die Umschläge. Sie lagen auf einem Tisch neben der Heizung – mit dem Erfolg, dass sich alle Marken über Nacht ab- und zu dünnen Papierröllchen aufrollten. Da ich drohte, Ralph zu erwürgen, wenn er mittags zur Arbeit erschiene, ging ihm eine Kollegin entgegen, um ihn vor dieser Furie von Horst zu warnen.

Wir hatten eine schöne Zeit. Das ist das doofe an Jahresrückblicken, dass man am Ende sentimental wird.