Notizbuch: Cruise Talk

1 05 2018

Dienstag, 1. Mai 2018

„Haben Sie eine Minute Zeit?“ fragte mich eine junge Stimme am Telefon. „Wenn es sein muss“, antwortete ich knurrig. Das schreckte die junge Dame nicht ab. Munter erählte sie mir von ihrer Hochschule und dass die Studierenden einen Cruise Talk durchführten, dies schon zum siebten Mal. Dazu sei ich herzlich eingeladen. Die Studentin namens Kerstin Thom wickelte mich regelrecht um den Finger. Und da ich neugierig war zu erfahren, wie andere – nicht „meine“ – Studierende ein solches Projekt angehen, sagte ich am nächsten Tag zu. Und reiste nach Hamburg zum Cruise Talk der EBC Hochschule.

Die EBC Hochschule ist eine der vielen privaten, staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland. Wer dort studiert, muss eine Menge Geld hinblättern – über den Daumen gepeilt etwa 750 Euro im Monat. Es kann, wenn’s passt, BAföG beantragt werden. Etwa sechs Prozent der Studierenden in Deutschland sind an einer der privaten Hochschulen eingeschrieben, insgesamt 158 000. Die EBC Hochschule hat nicht nur in Hamburg einen Standort, sondern auch in Berlin und Düsseldorf. Einer der an der EBC Hochschule angebotenen Bachelor-Studiengänge ist an der Fakultät Business & Management der Studiengang Tourism & Event Management – sechs Semester, davon ein Auslandssemester, ein Pflichtpraktikum.

Die Podiums-Diskussionen zu den Themen „Schiffe von morgen – was können wir erwarten?“ und „Passagiere von morgen – wie erreichen wir sie?“ war schon die siebte Cruise Talk-Veranstaltung. Die gesamte Organisation und Durchführung lag in der Verantwortung des vierten Semesters des Studiengangs Tourism & Event Management unter der Leitung der Eventmanagement–Dozentin Ulrike Jackson [kleines Foto]. Eine putzmuntere Mannschaft war da am Werk. Äh – Frauschaft. Denn zu 15 jungen Damen kommen nur zwei junge Männer. Die habe ich aber nur auf einem Foto gesehen. „Die mussten die schweren Sachen tragen und waren nicht zu sehen!“ war der Kommentar einer Studentin.

Der Moderator, Oliver Schmidt [kleines Foto] Chefredakteur des Koehlers Guide Kreuzfahrt und ich, wir kennen uns schon lange. Gefühlt seit Jahrzehnten. Durch seine Branchenkontakte und die der anderen Dozenten kam eine bemerkenswerte Riege von Diskussionsteilnehmern zustande, darunter Peymann Abadi, Geschäftsführer der Startwind GmbH [der lange bei TUI Cruises gearbeitet hat], Nadine Maraschi aus dem Communication Team von Aida Cruises, Jochen Zerrahn, Berater der Meyer Werft, Frank Fietz, Geschäftsführer des eigenen Polar-Kreuzfahrten und –Erlebnisreisen-Unternehmens,  Michael Zengerle, Geschäftsführer bei MSC-Kreuzfahrten, und Stan Schneider, lange Zeit Journalist und seit 2006 mittelständischer Reiseunternehmer mit fünf Reisebüros.

Fast zu jeder Aussage gab es eine Gegenaussage. Das machte die Diskussion äußerst spannend. Ich mache es mir einfach und zitiere aus der Pressemeldung von Kerstin Thom, die beim Cruise Talk-Projekt für die Presse verantwortlich war: Es herrschte Uneinigkeit darüber, ob die zukünftigen Kreuzfahrtschiffe größer oder kleiner  werden. Andreas Ott  gab  für  den  Bau  neuer  Schiffe  zu  bedenken,  dass  die Anzahl der Menschen an Bord in einer Gefahrensituation von enormer Wichtigkeit sei: Je  mehr  Menschen  auf  dem  Schiff  sind,  desto  größer  sei  der  potenzielle Schaden in einer Notlage. Das  Thema  Umweltbewusstsein  wurde  ebenfalls  kontrovers  diskutiert,  die  Talk-Gäste waren sich allerdings einig, dass der Antrieb der Zukunft nicht Schweröl sein werde. Sowohl Jochen Zerrahn als auch Nadine Maraschi  erwähnten  gemeinsame Forschungen zwecks emissionsarmer Treibstoffe.

Zengerle [rechts] und Schneider

Und zur zweiten Talkrunde: Michael Zengerle betonte wie zuvor Nadine Maraschi: „Bei der Kreuzfahrt geht es um Vielfalt.“ Die Größe des Schiffes sei für die Buchung einer Kreuzfahrt sehr bedeutend unterstrich Corlijn Schönknecht. „Ich selbst bevorzuge kleinere Schiffe, da sie mehr Wert auf die Persönlichkeit und Individualität des einzelnen Gastes legen.“ Einen Ausblick auf die langfristige Kundengewinnung gab Lars Clasen. Er gehe davon aus, dass die Zukunft im internationalen Markt, insbesondere im asiatischen Raum, liege.

Fazit: Mir hat der Tag großen Spaß gemacht. Und Kerstin Thom und ihren Mitstudierenden ein großes Kompliment: Chapeau!

 

 

 

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Notizbuch: Begegnungen

31 12 2017

Sonntag,  31. Januar 2017

Oft sind sie nur die Flüchtigkeit weniger Minuten. Mitunter aber sind sie der Beginn – oder das immerwährende Ritual – einer langjährigen Freundschaft: Begegnungen. Sie machen den Beruf eines Reisejournalisten besonders spannend. An ihnen war das abgelaufene Jahr sehr reich. Eine Auswahl…

Januar: In der Markthalle von Madeiras Hauptstadt Funchal bin ich diesem Kind begegnet. Schau her, was für eine große Puppe ich habe, sagte es, ohne Worte zu gebrauchen. Wir sind uns mehrfach zwischen den Marktständen über den Weg gelaufen. Und immer hielt das Mädchen die Puppe hoch: schau!

Diese drei lebhaften Ladies saßen mir im Februar während einer Reise nach Agadir gegenüber. Ihrem – Pardon! – gutgelaunten Geschnatter zuzuhören, war ein Vergnügen. Habe die Ehre, von links nach rechts: die Reisejournalistinnen Antonia Kasparek, Katharina Eppert, Marita Trinius. Die Begegnung mit Kolleginnen und Kollegen sind noch der erfreulichste Bestandteil einer jeden Pressereise.

Auf der ITB Berlin im März: Noch einmal drei Ladies – Claudia Stöhr, Areti Prinou und Maria Zarnakoupi [von links] von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr. Areti habe ich auf einer Athen-Reise im Oktober 2016 kennengelernt und auf der ITB wiedergesehen.  Inzwischen ist sie stellv. Leiterin der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr in Frankfurt und zählt längst für mich in meinem Beruf zu den wichtigsten  Menschen – und auch über den Beruf hinaus.

Zur Documenta war ich im April in Athen. Dort traf ich im kleinen, aber feinen Herakleidon Museum, das sich den Themen Wissenschaft, Kunst und Mathematik widmet, Eleni Nomikou, die Chefin [rechts], und Elpida Mezilli, ihre Assistentin. Beide brennen für ihre Aufgabe.

Peter Becker, ein Uralt-Freund. Nicht uralt an Lebensjahren, sondern unsere Freundschaft reicht weiter zurück, als wir uns an deren Beginn erinnern können. Im Mai trafen wir uns wieder, um Pläne zu schmieden. Dass sie sich nicht realisieren ließen, lag nicht an uns.

Nach 53 Jahren besuchte ich im Juni mal wieder Paros, die wunderweiße Kykladeninsel. Mit mir reiste Maria Menzel, eine Kollegin. Es waren spannende Tage eines gemeinsamen Projekts. Für solche Begegnungen lohnen sich alle Mühen des Selbständigseins.

Eine meiner interessantesten, ertragreichsten Dienstreisen in 45 Jahren führte mich im Juli in die Grimme-Heimat nach Nordhessen. Im Tierpark Sababurg traf sich auf Uwe Kunze – so brav-bürgerlich heißt dieser späte Hippie. Mit einem Bein steht er in Deutschland, mit dem anderen in Schweden. Uwe unterhält im Tierpark ein waschechtes Lappen-Lager mit zahlreichen Rentieren. Er ist Chef der Firma Renrajd Vualka.

August: Nächtliche U-Bahn-Heimfahrt nach einem Spargelessen bei Kristiane Klemm, früher Institut für Tourismus der FU Berlin: Prof. Dr. Horst Kleinert, der frühere Studienleiter, umrahmt von zwei Ex-Studentinnen. Rechts Margherita Bozzano, links Gabi Hartmann. Vor vielen Jahren hat Gabi, eine liebe Freundin, halbtags in meinem Redaktionsbüro mit  gearbeitet und danach viele Jahre beim Deutschen Seminar für Tourismus auch meine Presseseminare betreut.

Der Deutsche Reiseverband [DRV] lud im September eine Schar Journalisten – darunter auch mich – nach Ras Al Khaimah ein, dem diesjährigen Austragungsort der DRV-Jahrestagung. Solche Journalisten-Vorreisen haben Tradition. Mit von der Partie: Heidi Diehl, meine Lieblingskollegin. Das schreibe ich NICHT, weil ich den einen oder anderen Beitrag für ihre Reiseseiten in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ schreiben darf.

65 wurde er im Oktober, aber er sieht aus wie Anfang 50: Prof. Dr. Jörg Soller, Fachleiter des Dualen Studienganges BWL/Tourismus an  der Hochschule für Wirtschaft und Recht [HWR] Berlin. Hier bespricht er gerade mit Studierenden eine Hotel-Machbarkeitsstudie. Wegen meiner Lehraufträge begegne ich ihm nicht nur einmal im Jahr, sondern häufig – ich wage zu sagen: zur gegenseitigen Freude.

Aus Anlass seiner Programmvorstellung war ich im November mit dem Reiseveranstalter Öger Tours in Ägypten. Dort hat dieser Berber-Junge, 10 Jahre und stolz, großen Eindruck auf mich gemacht.

Zwei, die dafür sorgen, dass die Reisebranche das Thema Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verliert: Lucienne Dam [von links, stellv. Vorsitzende der Nachhaltigkeits-Initiative Futouris e.V., Umweltmanagerin von TUI Cruises und diesjährige EcoTrophea-Preisträgerin] und  Anja Renner, Senior Manager Projekte & Kommunikation bei Futouris. Ein Schnappschuss auf dem Abschiedsabend zur DRV-Tagung in Ras  Khaimah am 9. Dezember.





Notizbuch: die Trophäe

21 12 2017

Donnerstag, 21. Dezember 2017

The Winner is – TUI Cruises. Und so nahm eine strahlende Lucienne Damm, Umweltbeauftragte der Firma, die begehrte und durchaus heiß umkämpfte EcoTrophea des Deutschen Reiseverbandes [DRV], von Prof. Dr. Harald Zeiss entgegen. Der in der Branche sehr beliebte Professor der Hochschule Harz ist Vorsitzender des DRV-Ausschuss Nachhaltigkeit. Mit einem sympathischen Versprecher rief er die Preisträgerin auf: „Ich möchte Lucienne Damm auf die Bühne drücken…“ Das Drücken blieb er dann auch nicht schuldig.

                         DRV Jahrestagung 2017 Copyright DRV

Die Preisverleihung war vorletzter Programmpunkt der diesjährigen Tagung des DRV im Emirat Ras Al Khaimah. Dazu schreibt der Verband in einer Pressemeldung: Das Kreuzfahrtunternehmen hat die sechsköpfige Jury mit seiner Initiative zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen auf Kreuzfahrtschiffen überzeugt und sich damit im Wettbewerb von insgesamt 21 Umweltprojekten durchgesetzt. Der renommierte Preis wurde schon zum 31. Mal verliehen. Ziel des Preises ist, „damit auf Initiativen und Projekte in der Reisebranche aufmerksam zu machen, die einen wirkungsvollen Beitrag zu Umwelt- und Naturschutz leisten und sich für soziale Belange vor Ort einsetzen“ [DRV].

Und: Die Jury merkte besonders positiv an, dass die Gäste und Mitarbeiter direkt einbezogen und für die Thematik sensibilisiert werden und so der bewusste Umgang mit vorhandenen Ressourcen verbessert wird. Gerade auf Kreuzfahrtschiffen, wo die Gäste rund um die Uhr aus einem besonders großen kulinarischen Angebot wählen können, ist die Zubereitung von Lebensmitteln eine große Herausforderung. Aufgrund höchster Hygieneanforderungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes können nicht immer alle Lebensmittel wiederverwertet werden. Lebensmittelreste sind somit unvermeidbar. Doch mit ersten Maßnahmen konnte beispielsweise in einem Buffetrestaurant auf einem der Flottenschiffe innerhalb der vergangenen Monate die Abfallmenge bereits um rund 20 Prozent reduziert werden.

Wie wird dies erreicht? Zuerst werden die Lebensmittelabfälle im Lager, in der Produktion, am Buffet sowie die Tellerreste gesammelt, gewogen, gemessen und exakt dokumentiert. Danach mit einem Abfall-Analyse-Tool ausgewertet und die Potentiale zur Vermeidung identifiziert. Diese Resultate werden in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst. So werden die Mengen an Speisen etwa nur nach Bedarf und Verbrauch und nicht auf Verdacht produziert.

Die Ergebnisse der Initiative kommen der gesamten Kreuzfahrtbranche zugute. Foto: TUI Cruises

Die Reduzierung von Lebensmittelabfällen auf Kreuzfahrtschiffen und die Sensibilisierung von Gästen und Crew stehen im Mittelpunkt des im Herbst 2016 gestarteten Projekts. TUI Cruises ist hier gemeinsam mit der Nachhaltigkeitsinitiative Futouris e.V. sowie der Unterstützung von United Against Waste e.V., einer Initiative gegen Lebensmittelverschwendung, aktiv. „Die Ergebnisse der Initiative werden der gesamten Kreuzfahrtbranche zur Verfügung gestellt, so dass TUI Cruises auch einen Impuls für andere Unternehmen setzt“, betont Prof. Dr. Harald Zeiss. Weitere Informationen gibt es hier: www.tuicruises.com