Notizbuch: Hochspannung!

25 08 2016

Donnerstag, 25. August 2016

Was fällt einem so ein zum Thema Energie? Energiewende. Erneuerbare Energie. Vielleicht auch Energie Cottbus. Mir seit neuestem die „Energie-Route Lausitzer Industriekultur“. Denn ich habe mit Antje Boshold gesprochen. Sie ist Projektkoordinatorin dieser touristischen Kulturroute.

DSCN6767Was ist das, eine touristische Kulturroute? Antje Boshold hat – wie bei jeder fachlichen Frage – eine klare Antwort. „Eine touristische Kulturroute zeigt einen prägenden Teil unseres kulturellen Erbes“, sagt sie, „und garantiert besondere Erlebnisse.“ Mehr noch: „Sie verspricht, dass Besucher an allen Stationen willkommen sind – und sie bildet eine Grundlage für regionales Storytelling.“
Die elf Stationen der Route Lausitzer Industriekultur unter dem Motto „Vorsicht Hochspannung! Betreten erlaubt“ sind eingeteilt in „Highlights“, „Sehenswert“ und „Geheimtipp.“ Zu den letzteren zählen die Biotürme in Lauchhammer, die Gartenstadt Marga und das Elektroporzellanmuseum Margarethenhütte. Sehenswert: Das sind die Brikettfabrik LOUISE, Das Erlebnis-Kraftwerk Plesse, das aktive Kraftwerk Schwarze Pumpe und der aktive Tagebau Welzow-Süd. Natürlich gehören die IBA-Terrassen und das Besucherbergwerk F60 zu den Highlights. Es gesellen sich dazu die Energiefabrik Knappenrode und das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus. Zehn Stationen liegen in Brandenburg, nur das Elektroporzellanmuseum Margarethehütte in Sachsen. „Unsere Botschaft ist“, sagt Antje Boshold, „die Industriekultur ist das kulturelle Rückgrat der Lausitz, die sich vom Bergbauland zum Seenland wandelt.“

Margarethenhütte

Margarethenhütte

Margarethenhütte. Foto: Kathrin Winkler

Wie sind die Stationen ausgewählt worden? „Jede Station der Energie-Route muss über die Latte der Kriterien eines zweistufigen Auswahlverfahren springen“, erklärt Antje Boshold. Zu den fachlichen Qualitätskriterien, die erfüllt werden müssen, zählt das Thema „Energie“, zu dem die Station passen muss, es muss sich um einen Originalschauplatz oder einen bedeutsamen Ort handeln, Ausstrahlungskraft und Symbolkraft sind verlangt sowie die touristische Erschließung. Hürde zwei: Touristische Servicekriterien wie Öffnungszeiten, Infrastruktur und Angebote, Information und Service müssen erfüllt sein.

Brikettfabrik LOUISE_Jürgen Ruh

Brikettfabrik LOUISE, Foto Jürgen Ruh

„Alle Orte sind auf Besucher eingestellt“, versichert Antje Boshold, „man klingelt da nicht vergeblich.“ Anbieter von Erlebnistouren zu Stationen der Energietoute sind das excursio Besucherzentrum in Welzow und iba-aktiv-tours Großräschen. Die Energie-Route ist Teil des Lausitzer Seenlandes und „ein Premium-Produkt der Dachmarke Lausitzer Industriekultur“ (Boshold). Die Projektkoordination ist beim Tourismusverband Lausitzer Seenland angesiedelt. Übrigens liegen alle Stationen an regionalen Themen-Radwegen, z.B. an der Niederlausitzer Bergbautour oder an der Kohle, Wind & Wassertour. Und sie sind Teil der Europäischen Route der Industriekultur – mit 19 Regionalen Routen in 43 Ländern und über 1000 Standorten.

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Kunstmuseum Dieselkradtwerk Cottbus. Foto Marlies Kross





Notizbuch: heiteres Rheinland

19 08 2016

Freitag, 19. August 2016

Ein paar Tage war ich in einer anderen Welt: in Düsseldorf. In Nordrhein-Westfalen. Im Rheinland also. Obwohl der Radius meiner Ausflüge nicht groß war, habe ich eine beeindruckende Sehenswürdigkeit nach der anderen entdeckt. Ein fantastisches Reiseland ist dieses Deutschland.

Das Glücksgefühl, mal wieder im Rheinland zu sein, wo ich die ersten 30 Jahre meines Lebens verbracht habe, begann schon mit der Busfahrt von BerlinLinienBus: Der Fahrer war hörbar ein Rheinländer.

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Als eine ältere Dame den kurzen Aufenthalt in Dortmund oder sonstwo [ich weiß es nicht mehr genau] nutzte, um zur Toilette zu flitzen, fuhr der Fahrer ohne sie los. Denn niemand hatte ihm Bescheid gesagt. Als er mit dem Bus schon den ZOB verlassen hatte, wurde er auf den fehlenden Passagier aufmerksam gemacht. Seine Reaktion: „Dann drehen wir noch eine Runde. Das ist für Sie kostenlos.“ Und begrüßte dann die verlorengegangene Passagierin: „Schön,. Dass Sie wieder da sind.“ Ein Rheinländer halt. Wenn ich mir vorstelle, wie ein Berliner Busfahrer die Dame zusammengefaltet hätte…

Düsseldorf. Mit meinen Freunden in die Altstadt, zum Uerige. Schnell hatte ich neue Freunde gefunden. Motto: Eure Freunde sind auch unsere Freunde. Rheinland!

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Düsseldorf, Spaziergang entlang der Rheinpromenade [keine Ahnung, ob die auch so heißt]: volle Cafés, heitere Menschen, Straßenkünstler, eine Mädchenbande beim Junggesellinnen-Abschied [die Braut hochschwanger]. Drei Mädels aus Weißrussland, die Musik machen. Alles ist heiter. Und die Architektur gefällt mir ausnehmen gut.

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Nächster Tag: Ausflug zu Bruder und Schwägerin nach Beuel. Im überfüllten Zug: Heiteres Gequatsche – jeder mit jedem. Ich sag’s noch einmal: Rheinland! In Brühl haben wir das Schloss von außen bewundert, sind durch den weiten, zum Teil wilden Schlossgarten spaziert und haben dann das Max-Ernst-Museum besucht. Übrigens: ein Traum von einem Museum, ein Traum vom Œuvre eines Künstlers. Durchaus heiter. Der Mann ist ja auch im Rheinland zur Welt gekommen.

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Nächster Tag. Ausflugsfahrt mit meinem Freund Hanns-Jürgen Klesse. Zuerst haben wir das Ensemble von Schloss Benrath bewundert [Barock und Klassizismus vom Feinsten] und sind durch den Schlossgarten spaziert.

Mit der Fähre über den Rhein. Dort liegt die Zollfeste Zons, ein kleiner Ort mit intakter Stadtmauer, Festungsturm, anheimelnden Gassen und gemütlichen Gaststätten. Kurz: ein gefundenes Fressen für einen Reisejournalisten. Ich also hin zur Touristinfo, den Bericht über dieses wundervolle Städtchen schon im Kopf. Aber da wurde ich ausgebremst: Montag geschlossen.

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Das geht gar nicht. Ich habe schon das Gejammer von Personalnot und Geldmangel im Ohr. Das zählt für mich alles nicht. Es ist provinziell, einfallslos und – geschäftsschädigend.

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Auf der Rückfahrt nach Düsseldorf sind wir über Neuss gekommen. Der Anblick des Münsters traf mich – ohne jede3 Übertreibung – wie ein Pferdetritt. So etwas habe ich noch nie gesehen: eine romanische Kirche, die in die Höhe strebt, leicht in der Architektur und lichtdurchflutet. Das passt wiederum ins heitere Rheinland.

Ich gebe zu: Ich bin nicht mehr objektiv.





Notizbuch: meine Runde

7 08 2016

Sonntag, 7. August 2016

Der Name ist hochtrabend – und hat seine Bedeutung längst verloren: Künstlerkolonie Berlin. Das ist eine Wohnsiedlung in Berlin-Wilmersdorf, die von 1927 bis 1930 für verarmte oder nicht aureichend abgesicherte Künstler und Schriftsteller erbaut worden ist. Die drei Wohnblocks stehen unter Denkmalschutz.

Es sollte auch noch ein vierter Block gebaut werden, was aber erst nach dem Krieg 1952 realisiert wurde. Entsprechend schmucklos sind die Bauten und, na ja: mit vielen Macken behaftet.

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Da wohne ich. Von beiden Seiten der Wohnung schaue ich auf Grün. Und obwohl ich nur drei Minuten von der Stadtautobahn entfernt wohne – s. Foto unten -, höre ich nur Vogelgezwitscher.

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Am Breitenbachplatz beginnt mein [fast] täglicher Rundgang – ein Spaziergang im Eiltempo, um meinen Kreislauf etwas in Schwung zu bringen. Noch keine hundert Meter weiter beginnt bürgerliche, durchaus idyllische Wohnbebauung:

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Und dann bin ich schnell am Erlenbusch, einem [kleinen] Landschaftspark mit herrlichen alten Bäumen, Büschen, weiten Wiesen:

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Auf dieser Bank würde ich gerne mit [m]einem Schatz sitzen. Aber, na ja, ich muss ja weiter – Stichwort: Der Kreislauf sollte auf Trab. [Käme er aber auf der Bank wohl auch…]

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Am Ende des Parks liegen das berühmte Restaurant/Café „Eierschale“ und die U-Bahnstation Podbielski-Allee, die fast aussieht wie ein Schlösschen.

Hier beginnt eine vornehme Gegend der Residenzen und Villen:

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…und auch so etwas steht herum:

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Und dann geht es zurück durch den Park. Ich bin fix und fertig – und glücklich





Notizbuch: unterwegs – das Sterben der Reiseseiten

3 08 2016

Mittwoch, 3. August 2016

Das bundesweite Sterben der Reiseseiten hat jetzt auch meine Lieblingszeitung erfasst, den „Tagesspiegel“. Als ich das bemerkte, habe ich einem der beiden Chefredakteure, Lorenz Maroldt, folgende Zeilen geschrieben – Auftakt zu einem abstrusen Briefwechsel:

Lieber Herr Maroldt, morgen werden Sie wieder im Checkpoint den Zustand der Welt beklagen, vor allem den in Berlin: Gut so, ich glaube – um Berlinerisch zu reden – , da kann man nicht meckern. Wie ein Roter Faden zieht sich durch Ihre Texte ein Mit-Grund für den schlechten Zustand der Welt, vor allem in Berlin: die schlechte Kommunikation oder genauer: die mangelnde Kommunikations-Bereitschaft.
Auch wenn einer meiner Lieblingssprüche ist: Haben Sie schon einmal einen Wegweiser gesehen, der mit Ihnen zum Ziel läuft? – werfe ich Ihnen vor, dass Sie selbst keinen Deut besser sind. Konkret: Wo ist der Reiseteil hin? Soll der durch die großflächige Berichterstattung im Sonntagsteil ersetzt werden? Wohin sind dann die kleineren Berichte, die Reisemeldungen, bis letzten Sonntag eine der Stärken der Berichterstattung im Reiseteil des Tagesspiegels?
Klar, da wurde wieder eingespart. Nur kein Wort darüber verlieren. Die Leser werden sich schon beruhigen. Die sind ja eh zu blöd, um unsere Entscheidungswege zu verstehen… Das finde ich sehr enttäuschend von Ihnen.
Freundliche Grüße Horst Schwartz*
*Leser seit 44 Jahren – und gelegentlicher Autor des Blattes. Letzteres ist aber NICHT der Grund für dieses Schreiben

3333Gibt es nicht mehr: Solche Kurzberichte zu einem bestimmten Thema machten – auch – den Wert der Reiseseiten im „Tagesspiegel“ aus

Nun hat ja ein Chefredakteur etwas anderes zu tun als einem verärgerten Leser zu antworten. Als antwortete mir eine Mitarbeiterin, die ich mal xyz nennen will:

Lieber Herr Schwartz,
wir sind dicker geworden – trotz Veränderungen des Reiseteils.
Bisher hatte der Sonntag 6 Seiten, die Reise 3, Mobil 1 = 10 Seiten.
Vergangenen Sonntag hatte unser Magazin 12 Seiten = plus 2 Seiten.
Selbst wenn es künftig 10 Seiten wären: Wir arbeiten am „Sonntag“ derzeit mit mehr Redakteuren als zuvor. Lesen Sie die Artikel, etwa die Fotosafari von Deike Diening, die Geschichte über den Unternehmer Fromms oder das kulinarische ABC von Eckart Witzigmann – nicht nur diese lohnen die Lektüre und bieten besten Journalismus.
Bitte bleiben Sie uns auch weiterhin gewogen, und ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich anstelle von Herrn Maroldt antworte. Herzlich, xyz

001Auch Vergangenheit: Reisemeldungen im „Tagesspiegel“

Liebe Frau xyz, ich bin auch dicker geworden. Aber ich bin nicht stolz darauf.
Zu Ihrer Antwort: Sie ist beliebig – so als käme sie von der Pressestelle der DHL, bei der man sich beschwert, das ein Paket gar nicht angekommen ist. Die teilen einem dann auch mit, wie sehr das Volumen ihres Paketversandes gewachsen ist – ohne zu sagen, wo sich den nun, verdammtnochmal, das Paket befindet. So verfahren Sie auch. Sie loben den Tagesspiegel für seinen Sonntagsteil. Lassen aber meine zwei Kernfraggen unbeantwortet:
1. Warum wird der Reiseteil, wie er bisher war – in seiner Mischung aus großen Berichten, kleineren Berichten und viel aktuellen Meldungen – überhaupt abgeschafft?
2. Warum hat die Chefredaktion das nicht kommuniziert – z.B. in einem kleinen Passus im Sonntagsteil?
Die Fotosafari ersetzt doch keinen Reiseteil. Und das ABC des Meisterkochs – beliebig. Überlassen Sie Ihren Lesern, ob sich die Lektüre lohnt. Und unter „bestem Journalismus“ in einem Sonntagsteil verstehe ich etwas anderes als diese Schickimickibeiträge. Und ich weiß, wovon ich rede.
Aber danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, mir zu schreiben. Jetzt habe ich wieder einen interessanten Beitrag für meinen blog. Mit freundlichen Grüßen Horst Schwartz

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In der Beilage „Sonntag“ gibt’s eoine Prise Reise v- „unterwegs“

Lieber Herr Schwartz,
welche Beiträge wünschen Sie sich statt „Schickimicki“? Warum passt in einen „Unterwegs“-Teil keine aufwändig recherchierte Namibia-Geschichte?
Ich sehe, Sie haben ein Reiseblog, da kennen Sie sich doch in der Welt des Reisens aus.
Bitte schreiben Sie doch etwas freundlicher, ich bin mehr an einem wertschätzenden Austausch interessiert.
Beste Grüße, XYZ

Liebe Frau xyz, ich bin Reisejournalist seit 44 Jahren, seitdem ich nach Berlin kam, um Leiter der Reiseredaktion der Zeitschrift „test“ zu werden. Und seitdem bin ich auch Abonnent des „Tagesspiegel“. Sie müssen verstehen, dass dies mit sich bringt, dass man an bestimmten Rubriken hängt. Bei mir war es der Reiseteil. Und der ist nun futsch – ohne jede Erklärung.
Ich habe nicht gesagt, dass die Namibia-Geschichte nicht in einen „Unterwegs“-Teil passe. Nur halte ich die Umstellung auf diesen Teil für den falschen Weg.
Gut, das mit dem Schickimicki war vielleicht übertrieben. Das ist in der Tat persönliche Geschmacksache. Ich halte ein solches Thema einfach nicht für die Welt des Reisens. Als Zusatzthema: ok. Als einziger Reisebeitrag: schade um den Platz. Aber bitte, das ist wirklich nur mein persönliches Empfinden. Den Schickimicki-Vorwurf nehme ich für diesen Beitrag ausdrücklich zurück.
Ich hoffe, dass ich jetzt freundlich genug war. Ich wollte nicht unfreundlich sein, und ich wollte Sie nicht verletzen. Vielleicht bin ich zu verärgert, um „freundlicher“ zu schreiben. Denn ich fühle mich von Ihnen gar nicht wertgeschätzt. Meine zwei Kernfragen haben Sie immer noch nicht beantwortet.
Ich schlage vor, wir beenden jetzt diesen wertschätzenden Austausch, der uns nicht gelingen will.
Halt, eins will ich noch anmerken: Ich liebe den Tagesspiegel, nach wie vor. Ich brauche ihn. Die Redakteurinnen und Redakteure machen einen guten Job. Nur fallen manchmal Entscheidungen, die ich einfach nicht verstehe…
Herzliche Grüße Horst Schwartz

Seitdem herrscht, wie von beiden Seiten gewünscht, Funkstille. Der Reiseteil bleibt futsch. Der „Sonntag“-Teil war letzten Sonntag auf sechs Seiten geschrumpft. Eine Seite davon war „unterwegs“. Thema: eine Testfahrt ins Umland mit einem VW-„Bus“. Titel: „Bulli für Anfänger“. Autorin: meine Brieffreundin, die blendend schreibt. Na, denn gute Reise…





Notizbuch: Beim Singen vergessen sie das Leid

29 07 2016

Freitag, 29. Juli 2016

„Die Menschen singen gemeinsam, strahlen, lachen, haben Freude“ – so beschreibt Joachim Nickel die Stimmung in dem Chor, den er in Timmendorfer Strand ins Leben gerufen hat. Dort singen Einheimische, Urlauber und Geflüchtete voller Freude gemeinsam, „weil Singen auch sprachliche Grenzen überwindet“ (Nickel).

Von Anfang an hatten der Marketing-Manager im Ruhestand den Chor LaTiDo unkonventionell und unbürokratisch geplant: An den wöchentlichen Gesangstreffen kann jeder daran teilnehmen, das kostet keinen Cent, und Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. „Nur mitsingen muss man“, schmunzelt Nickel. Er und eine Bekannte, die mit ihm auf die Idee mit dem internationalen Chor kam, haben als Chorleiterin Uli von Welt gewonnen, die in der Lübecker Bucht keine Unbekannte ist: Sie hat als Sängerin, Sprecherin, Schauspielerin, Gesangslehrerin und Vocalcouch auf sich aufmerksam gemacht. „Sie hat etwas, was die wenigsten Menschen haben: Dynamik“, gerät Joachim Nickel ins Schwärmen, „Aus jedem ihrer Worte spricht die Botschaft: Wir können das.“

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Die Gesangstreffen finden jeden Donnerstag für eineinhalb Stunden in der Grund- und Gemeinschaftsschule GGS-Strand oder im Ostsee Gymnasium Timmendorfer Strand. „Wir haben bei der Verwirklichung unseres Plans keinerlei Wiederstand gehabt, weder von der Gemeinde noch von der Schule“, freut sich Nickel über den gelungenen Start. Wer kommt zu den Chortreffen? „Kinder, Jugendliche. Mütter mit Kindern, ältere Leute“ – von sieben bis 70.

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Ein Drittel der Teilnehmenden sind Geflüchtete aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea. Gesungen wird in allen Sprachen der Teilnehmer des Chores – arabische Lieder, französische Chansons oder Pop-Lieder. Beim Singen vergessen sie das Leid, das sie erfahren haben. Eine Sprachbarriere gibt es nicht. Nickel fasst die Choridee in einem Wort zusammen: „Unglaublich“.

Den Bericht finden Sie auch unter http://timmendorfer-strand.de/de/news/category/pressemitteilungen/





Notizbuch: „Nicht nur der Preis zählt“ – Studiosus mit empfindlicher Klientel

26 07 2016

Dienstag, 26. Juli 2016

Die Studienreisen-Klientel reagiert anders als klassische Badetouristen. Und empfindlicher, wie Studiosus-Geschäftsführer Peter-Mario Kubsch jetzt bei der Präsentation von zwei Jahreskatalogen betonte.

kubschBeispiel Sri Lanka: Dass sich die Insel derzeit so gut verkaufe, liege nicht nur am Nachholeffekt nach dem Ende des Bürgerkriegs, sondern „auch daran, dass Indien nicht so gut läuft“. Seit 2012 gehen nach den Nachrichten über Vergewaltigungen die Buchungen für den Subkontinent zurück. „Wir stellen immer wieder fest: Nicht nur der Preis zählt“, sagt Kubsch, „unsere Kunden denken auch stärker über Politik nach oder die Stellung der Frau“.

Eindeutige Verlierer bei Studiosus sind derzeit Nordafrika und der Nahe Osten. Die Buchungen für Studienreisen in die Vereinigten Arabischen Emirate gehen zurück, Marokko wird nur halb so gut gebucht wie gewohnt, Tunesien „kommt fast zum Erliegen“ (Kubsch). Das alles habe „nichts mit Sicherheitsbedenken zu tun, sondern mit Sympathie“.

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„Fast zum Erliegen“: Tunesien

Mit 16 neuen Fernreisen geht Studiosus ins Rennen um die Gunst des Studienreise-Publikums im Reisejahr 2017. Allein sechs der Reisen führen durchs südliche Afrika. Neu sind unter anderem eine 18-tägige Natur-Studienreise mit Schwerpunkt auf der Tierbeobachtung und eine Wanderreise, die Südafrika mit dem Königreich Lesotho kombiniert. Das südliche Afrika erfährt auch im aktuellen Reisejahr „eine starke Wiederbelebung“, Ausgebaut wurde für 2017 auch das Angebot für Australien, Indochina, Sri Lanka und Kuba.

Kuba liegt als großes Boomziel auf Platz eins der diesjährigen Gewinner. „Alle wollen noch einmal den Soziaslismus life erleben“, erklärt Kubsch den Run auf die Insel, „deren Hotelkapazitäten voll sind und deren touristische Infrastruktur überlastet ist“. Auch der Iran, “in den letzten zwei, drei Jahren explosionsartig gewachsen“, ist ein solches Boomziel, aber dort hält die Entwicklung auf dem Hotelsektor der Nachfrage stand.

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Boomziele: Kuba [oben] und Iran. Fotos: Studiosus

Pavilion over the Tomb of Hafez in Shiraz, Iran

Pavilion over the Tomb of Hafez in Shiraz, Iran

Für die sehr unterschiedliche Preisentwicklung hat Kubsch einleuchtende Erklärungen. Dass Kuba im kommenden Jahr zehn Prozent teurer wird, überrascht nicht. Aber wieso wird das gut gebuchte südliche Afrika sechs Prozent preiswerter? Kubsch: „Vorteilhafter Wechselkurs.“ Und „viele neue Kapazitäten und gesunkene Nachfrage“ drücken den Preis für Chinareisen im kommenden Jahr um 16 Prozent.

41 Reisen, 15 mehr als dieses Jahr, enthält der Katalog „small & small“ für Studiosus-Kunden, „denen Badeurlaub zu langweilig ist, Studienreisen aber zu anstrengend“ (Kubsch). „Auszeit mit Kultur“ lautet denn auch die Unterzeile des neuen Kataloges, dessen Reisen von kleinen Gruppen und familiären Hotels geprägt sind. Neu diesmal sind die Ziele Sardinien, Schottland, Myanmar und Iran. Im Oktober liefert Studiosus weitere Studienreise-Kataloge für 2017 aus: Europa-Angebote, Reisen für Singles & Alleinreisende, Familienurlaub und Städtereisen.

„Das schmeckt mehr nach Urlaub“, sagt Holger Baldus, Produktleiter der Marke Marko Polo – die ebenfalls zur Studiosus-Gruppe gehört – zu seinem Angebot, „wir sind Mainstream im besten Sinne.“ Gereist wird bei Marco Polo in kleinen Gruppen mit durchschnittlich 18 Teilnehmern. Dabei stehen Kultur- und Naturhighlights der Destinationen auf dem Programm, der Studienreise-Charakter ist im Vergleich zu Studiosus deutlich zurückgefahren.

IMG_000521 neue Rundreisen enthält der Katalog für Erlebnis- und Entdeckerreisen, den Marco Polo jetzt mit dem Katalog für Minigruppen 2017 vorgelegt hat. Anfang Oktober erscheinen zwei weitere Kataloge: Young Line Travel und Individuelle Reisen ohne Gruppe. Die neuen Erlebnis- und Entdeckerreisen führen durch Südafrika, China, den boomenden Iran und Südthailand.

Drei neue Reisen bietet der Minigruppen-Katalog an, und zwar nach Costa Rica, Südindien und Kambodscha/Vietnam. Die Gruppen sind maximal zwölf Personen groß, aber „auch schon mal neun“ (Baldus). Übernachtet wird ausschließlich in kleineren Unterkünften mit besonderem Flair. Baldus: „Uns ist ein wichtiger Punkt, dass die Reiseteilnehmer den Gastgeber persönlich kennenlernen können.“

Im Jubiläumsjahr – Marco Polo ist schon seit 60 Jahren auf dem Markt – liegt die Nachfrage laut Baldus „deutlich im Plus“. Besonders beliebt sind Kuba, das südliche Afrika und Südostasien. Jahrelang, so erzählt Baldus, habe Marco Polo bei Reisebüroexpedienten mit dem Image zu kämpfen gehabt, ein besonders teurer Veranstalter zu sein. „Seit der Neuausrichtung vor zwölf Jahren sind wir das längst nicht mehr“, versichert Baldus. Im Gegenteil: Marco Polo ist der preiswertere Anbieter der Studiosus-Gruppe. Eine zehntägige Marokko-Reise ist bereits ab 1199 Euro buchbar.

[Dieser blog-Eintrag basiert auf zwei Berichten von mir in der aktuellen Ausgabe von touristik aktuell, Ausgabe 29-30, Seite 6]





Notizbuch: Danke für nix!

23 07 2016

Samstag, 23. Juli 2016

500 Polizisten – das ist nur die Zahl der Sicherheitskräfte, die man an ihrer Uniform erkennen konnte – schützten den heutigen Christopher Street Day in Berlin. Von hysterischer Angst vor einem Attentat gab es keine Spur. Nein, wegen des Amoklaufs in München wollte man den schon traditionellen Umzug nicht absagen. Denn seine Botschaft ist wichtiger denn je: gleiche Rechte für alle.

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Eine Zahl wurde zum CSD-Umzug bekannt: Auf des Basis des Paragrafen 175 wurden Deutschland etwa 100.000 homosexuelle Männer polizeilich erfasst – und 50.000 wurden verurteilt. Der sogenannte Schwulenparagraf stammte aus der Kaiserzeit, wurde durch die Nationalsozialisten verschärft und bestand bis 1994. Noch einmal: bis 1994.

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10Seitdem ist viel geschehen. Aber doch nicht allzu viel. Oder zumindest nicht genug, um die Rechte der Schwulen, Lesben und Transgender optimal durchzusetzen.

Deshalb laute das Motto des diesjährigen Umzugs: Danke für nix. Die Berliner Tageszeitung Morgenpost findet das „provozierend“. Geschenkt.

„Wir gemeinsam müssen uns dafür engagieren, dass diese Stadt und dass unser Zusammenleben wirklich ein offenes, tolerantes und freies Zusammenleben ist“, betonte der Regierende Müller bei seiner Eröffnungsrede. Der Politiker lobte die Fortschritte, die Homosexuelle in den vergangenen Jahren erkämpft hätten. Doch „der CSD fordert zurecht ein, dass wir uns gemeinsam engagieren gegen Diskriminierung, Intoleranz, gewalttätige Übergriffe, gegen Homophobie und Transphobie.“ Es waren noch mehr Politiker beim Umzug vertreten, auch Parteien und Parteigliederungen. So warnten Schilder, die mitgeführt wurden: „Achtung: Parteien auf PR-Tour“.

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Der CSD-Umzug war geteilt: Im ersten Teil war es still und die politischen Botschaften standen im Blickpunkt, im zweiten, größeren Teil ging es laut und schrill her, wie gewohnt. 21 Fußgruppen waren unterwegs und 51 Wagen. Eine Gruppe hat mich besonders beeindruckt: Sie trug eine riesige Fahne, zusammengesetzt aus den Flaggen der 70 Staaten – von A bis Z, Afghanistan bis Zimbabwe -, in denen es ein Verbrechen ist, gay zu sein. In sieben Ländern wird das mit dem Tod bestraft.

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