Notizbuch: Kari & die Blogger

29 04 2017

Samstag, 29. April 2017

„Es gibt weit über tausend Reiseblogs in deutscher Sprache. Von Hunderttausenden werden sie gelesen, und PR-Agenturen lieben sie. Eine Reise an die Grenzen des Journalismus.“ Das ist der Vorspann des Reports über das Blogger-Wesen oder – je nach Standpunkt – Blogger-Unwesen. Wie alle Texte, die ich von Katharina Wilhelm kenne, ist der Bericht gut recherchiert und gut geschrieben.

Reiseblogs, so heißt es in dem FAZ-Report „gibt es mittlerweile über tausend“. Und: „Einige sind Dauerbrenner, ansonsten tauchen im Monatstakt neue auf, deren Leser- und Klickzahlen phasenweise nach oben schnellen.“ Ein an anderer Stelle zitierter Ausschnitt aus einem Blog sei „ein Exempel dafür, was einen auf Reiseblogs erwartet: Hypersubjektivität, Regeln, die weitgehend nur von denen bestimmt werden, die die Website gestalten, sowie Themen und Texte, über deren Gehalt und Sinnhaftigkeit gestritten werden kann und die immer unmittelbar präsente Meinung zahlreicher anderer zu diesen Ergüssen.“

Katharina Wilhelm lässt keinen Aspekt dieser komplizierten Materie aus: Wer sind die Blogger? Gibt es gute Blogger und schlechte Blogger? Und was sind gute Blogger und schlechte Blogger? Was schreiben sie und wie reisen sie? Wovon leben sie? Wer sind ihre Fans und Follower? Auch diese, ihre eigene Frage beantwortet die Autorin: „Ist das der neue Journalismus mit Mitmachfunktion, in dem es keine seriöse Berichterstattung mehr gibt, sondern nur noch PR-generierte Themen, die in Bilder- und Meinungsfluten münden – aus denen sich die Unternehmen dann ihren optimierten Kundenzugang errechnen?“

Blogger – irgendwelche, auf irgendeiner Reise – in Aktion

Es ist die beste Blogger-Analyse, die ich bisher gelesen habe. Hier ist sie: http://www.faz.net/aktuell/reise/nicht-nur-pr-agenturen-lieben-reiseblogs-14977286.html#GEPC;s2

Aber bitte: Nach dem Lesen zu MEINEM Blog zurückkehren – oder erst diesen zu Ende lesen und dann auf die FAZ klicken. Denn ich möchte Katharina Wilhelm ein wenig skizzieren. Übrigens: Kari nennt sie sich selbst, und so nennen sie auch ihre Freunde. Kari…

Es war in Belgrad. Eine kleine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten war zur Eröffnung eines Hotels geladen. Das Programm war fantastisch, die Betreuung durch eine PR-Agentur vorbildlich. Kari war unter den Eingeladenen. Sie fiel mir auf, nein, nein, nein, nicht weil sie so hübsch war. Sondern weil sie anders war als so manche andere Nachwuchsjournalistin – weniger eiteitei, weniger Aufmerksamkeit erheischend, mit beiden Füßen auf der Erde stehend. Und als wir uns alle nach dem Abendessen zur gemütlichen Runde niederließen, machte Kari sich noch auf, um Downtown das Nachtleben der Belgrader Jugend zu erkunden.

Schnappschuss von einer Hoteleinweihung in Belgrad. Dabei habe ich Katharina Wilhelm kennengelernt

Der Bericht dazu steht auf ihrer Internet-Seite: http://www.kariwilhelm.de/ Dort erfährt man noch mehr über die junge Dame und ihr berufliches Leben. Über sich selbst schreibt sie:

Geboren und aufgewachsen bin ich in Pirmasens am Rand des Pfälzer Waldes. Schon in der vierten Klasse gab ich als Berufswunsch „Schriftstellerin auf Reisen“ an. Seit 2009 schreibe ich nicht mehr nur für mich, sondern zunächst auf lokaler Ebene unter anderem für die Rheinpfalz, dann zunehmend bevorzugt für Reiseressorts – unter anderem für die Welt in Berlin, die Süddeutsche Zeitung in München und die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Frankfurt.

Vier Jahre lang habe ich zudem in Hamburg Ethnologie und Germanistik studiert. Seit Oktober 2016 habe ich mich an der Goethe-Universität in Frankfurt nur auf die Ethnologie beschränkt, die mir ungemein bei meinen Reisen zu spannenden, aber fremden Orten und Kulturen hilft. Auf mein Lieblingsreiseziel konnte ich mich noch nicht festlegen. Mein Ziel ist die Welt und alles, was in ihr ist, und ich habe noch so vieles davon nicht gesehen.

Katharina [Kari] Wilhelm

Kari lebt „zweigleisig“: Studium und Arbeit. Sie besitzt den Bachelor of Arts [Note 1,1], der Titel: „Kommunikation in der medizinischen Entwicklungszusammenarbeit – eine Analyse deutscher und kenianischer Wege bei der gemeinsamen Projektarbeit im postkolonialen Kontext“. Uff. Jetzt macht sie ihren Master im Fach Ethnologie. Der Arbeitstitel: „Sporterziehung und Wertevermittlung im urbanen Kenia am Beispiel der Nichtregierungsorganisation NGUVU Edu Sport e.V.“ Noch einmal uff…Das dritte uff entlockt mir die Tatsache, dass die Kollegin polyglott ist: Sie spricht neben Deutsch Englisch fließend, Italienisch und Französisch konversationssicher, und sie besitzt Grundkenntnisse in Russisch, Spanisch und – Kiswahili.

Als Praktikantin und/oder freie Mitarbeiterin hat Katharina Wilhelm für die Stuttgarter Nachrichten gearbeitet und die Rheinpfalz, für Focus, die Welt, die Süddeutsche und eben die FAZ Auch für mehrere Specials in touristik aktuell, die ich betreut habe, hat sie Berichte geschrieben. Sie ist eine „Häkchen-Journalistin“: Ihre Berichte machen keine Arbeit, eigentlich muss man nur Häkchen dran machen…

Dass mir diese Aufzählung von Leidenschaften und Leistungen zu einer Art Lobeshymne geraten ist, liegt nicht an mir. Aber es ist nicht [nur] ihre Leistung, die mich stolz macht, sehr stolz sogar, mit Kari befreundet zu sein.





Notizbuch: Cittadella [Gozo]

27 04 2017

Donnerstag, 27. April 2017

Jahrelang, gefühlt schon ein Jahrzehnt lang, war die Cittadella von Gozos Hauptstadt Victoria Baustelle. Wer die Stadt jetzt besucht, wird seinen Augen kaum trauen. Weggeräumt sind die Baumaschinen, nicht mehr zu sehen die vielen Sperr- und „Vorsicht“-Schilder, aufgehübscht die Fassaden der Häuser rund um die Kathedrale Mariä Himmelfahrt. 14 Millionen Euro wurden verbaut, davon 85 Prozent aus EU-Töpfen. Damit sind die Chancen der Zitadelle gestiegen, in die Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten aufzusteigen. Der Antrag ist schon fast 20 Jahre alt.

Das alte Wasserreservier der Festungsanlage ist zu einem modernen, interaktiven Besucherzentrum umgestaltet worden. Liftanlagen erleichtern Urlaubern mit Handicap den Besuch. Moderne Beleuchtungsanlagen, natürlich den EU-Vorschriften entsprechend hochgradig energieeffizient, tauchen Gebäude und Gelände abends in ein anheimelndes Licht. Die Regierung des Archipels von Malta besitzt ein eigenes Ministerium für Gozo. Und dieses hofft, dass sich das Areal der Zitadelle zu einer originellen Event-Location entwickelt.

Das Zeug zur Touristen-Attraktion hat es allemal. Anlass für die Schönheitskur war eigentlich eine Rettungsaktion. Der Felsen, auf dem die Zitadelle und die mittelalterliche Burg als ihr Vorläuferbau errichtet wurden, erwies sich als zu weich. Ein Teil der Mauer aus dem Mittelalter stürzte ein. Der Felsen musste stabilisiert werden. Das aber setzte jahrelange Untersuchungen voraus. Mit den Baumaßnahmen wurde die einen Kilometer lange Festungsmauer wiederhergestellt.

Ursprünglich hieß die Hautstadt der Insel Rabat. 1887, als Malta und Gozo unter britischer Kolonialherrschaft standen, wurde sie zu Ehren des Goldenen Kronjubiläums der britischen Königin Victoria umbenannt. Die Einheimischen gebrauchen aber immer noch den alten Namen. Die Stadt hat übrigens nur 6.200 Einwohner. Ein wenig groß ist sie ja schon für so wenige Menschen, die Kathedrale von Victoria. Das überrascht ja immer wieder auf Malta und Gozo: Die wie Kathedralen aussehenden, überdimensionierten Kirchen in den Ortschaften sind ja eigentlich nur Dorfkirchen.

Mariä Himmelfahrt aber ist eine Bischofskirche. Es ist ein erhebendes Gefühl, die Treppenanlage zur Kathedrale hochzusteigen. Vor dem Eingang grüßen zwei Papststatuen, links Pius IX. und rechts Johannes Paul II. Kirchenfassade und Inneres sind im Barockstil gehalten – aber im Barock der wohltuenden, nicht überladenen Art. Mit Staunen blicken Besucher im Inneren hinauf in die gigantische Kuppel. Aber diese ist nur gemalt, also eine optische Täuschung. Den Bauherrn war das Geld ausgegangen.

Nur ein paar Schritte von der Kathedrale liegt noch innerhalb der Festungsmauer das kleine, gemütliche Restaurant Ta Rikardu, ein Muss für jeden Zitadelle-Besucher.

Die Speisekarte ist nicht sehr umfangreich, aber Speisen und Getränke sind köstlich und nicht teuer. Und alles stammt aus Rikardus eigener Landwirtschaft aus Gozo: der Wein, der Käse und die Spezialität der Schänke: die Kaninchen.

Meinen Beitrag über die Cittadella von Victoria habe ich zuerst in dem – von mir betreuten – Malta-Special von Touristik aktuell [Ausgabe 12 vom 3. April 2017] veröffentlicht.





Notizbuch: Craft Beer

21 04 2017

Freitag, 21. April 2017

Nicht nur der Geschmack ist unverwechselbar. Sondern auch die Namen sind’s auch. Stone IPA, Ruination IPA und – besonders witzig – Arrogant Bastard Ale. Die Rede ist von Craft Beer. Diese drei Sorten und noch einige mehr werden in Berlin für ganz Europa gebraut. Und auch an Ort und Stelle ausgeschenkt. Stone Brewing hat das Zeug, eine der größten gastronomischen Attraktionen Berlin zu werden.

Der Reihe nach. Craft Beer ist, vereinfachend gesagt, Bier mit Aroma. Sehr vereinfachend gesagt. Es schmeckt nach Früchten, Schoko, Bananen und wasauchimmer. Der Geschmack kommt von entsprechend gezüchtetem Hopfen. Die Bewegung entstand in den USA. Und schwappt nun über den großen Teich.

Greg Koch und Steve Wagner heißen die beiden Gründer der Stone Brewing Company mit Sitz in kalifornischen Escondido. Letztes Jahr wurde eine zweite Brauerei in Richmond/Virginia gebaut. Gleichzeitig wurde der Plan realisiert, mit der Firma Stone Brewing World Bistro and Gardens den Berliner und europäischen Markt zu erobern. Aber Greg Koch, der Macher, wäre nicht Greg Koch, wenn er für den Coup nicht eine außergewöhnliche Location gewählt hätte: den Marienpark in Berlin-Mariendorf.

Wenn man hundert Berliner nach dem Marienpark fragt, wissen 99 [noch] nicht, was gemeint ist. Der Marienpark ist das Gelände des früheren Gaswerks Mariendorf. Davon zeugen beeindruckende Bauten, die unter Denkmalschutz stehen: ein Gasometer [vom Ende des 19. Jahrhunderts], zwei Kugelgasbehälter [von 1968], ein moderner [hässlicher] 48 Meter hoher Wasserturm [vom Ende der 1969-er Jahre] und ein wunderschöner alter, 29 Meter hoher Wasserturm [von 1900], Dazu eine Reihe alter Industriebauten, die fast alle um 1900 entstanden sind. Ein paar kleine und mittelständische Firmen haben sich schon im Marienpark niedergelassen. Und jetzt Stone Brewing.

Die Ausmaße der Brauerei und der Gastronomie sind gigantisch. 1200 Gäste fassen Außen- und Innenbereich. Die Haupthalle ist 2400 Quadratmeter groß. Steine, Holz, Pflanzenverleihen ihr einen gemütlichen Charme. Die Beleuchtung ist raffiniert, die Musik – live oder vom Band – ebenfalls. Und die Bedienung ist kompetent, jung, pfiffig und fröhlich. Die Zutaten zum Essen, das vorzüglich ist, kommen aus der Region.

Der Gastronomieleiter Wojtek Czech zu Beginn der Brauereiführung

Spannend sind die Führungen durch die Brauerei, die 45 Minuten dauern und mit einer kleinen Bierprobe enden. Sie kosten übrigens pro Person nur drei Euro. Danach schwirrt den Teilnehmern der Kopf vor lauter Biernamen, Hopfensorten, Produktionsabläufen… Aber eines wissen sie danach definitiv: Die 25 Millionen Euro hat Greg Koch in Berlin gut angelegt.





Notizbuch: …wie geschnitten Brot

17 04 2017

Montag, 17. April 2017

„Zypern bietet als Insel große Vielfalt, hohe Sicherheit und eine sehr gute Infrastruktur, sowohl im Verkehr als auch in der Hotellerie.“ Dieser Satz stammt nicht aus einer PR-Broschüre, sondern ist das Urteil eines nüchtern abwägenden Produktmanagers. Florian Fleischer von der TUI hat das formuliert.

Florian Fleischer legt nach: „Ein Großteil der Hotels hat in den letzten zwei Jahren sehr viel in Renovierungen und Erweiterungen investiert und auch technisch mittlerweile ein sehr hohen Niveau erreicht.“ Zudem macht laut Fleischer „ein verbessertes Flugangebot aus Deutschland heraus das Urlaubsland zusätzlich attraktiver“.

Während seine Mitbewerber ihm in allen anderen Punkten zustimmen und alle auch den Service loben (Attika: „meist überdurchschnittlich“), gehen die Meinungen bei der Fluganbindung auseinander. Zwar räumt jeder Produktmanager ein, dass sich „die Fluganbindung im Vergleich zu 2016 verbessert hat“ (Oliver Grosse-Kleimann von Alltours).

Aber nicht alle sind zufrieden. „Unsere größte Baustelle sind die Flugkapazitäten nach Zypern“, sagt beispielsweise Steffen Keese von Gebeco, „für den Gruppenbereich stehen schlichtweg zu wenig Kapazitäten zur Verfügung, denn die Nachfrage ist durchaus da.“ Britt Brück, Produktmanagerin bei Wikinger Reisen, kritisiert speziell die Lufthansa: „Gruppenflüge mit der Lufthansa werden oft nicht zu den gewünschten Daten und/oder Zeiten bestätigt.“ Folge: „Verschiebung auf ungünstigeren Verkehrstag oder unbeliebte Zeiten.“

Dass die Destination Zypern keine größere Probleme bereitet, belegen die Buchungszahlen: Sie sind „sehr erfreulich“, wie es Thomas Graune von Studiosus auf den Punkt bringt. Nicht nur bei dem Studienreise-Veranstalter liegen sie im zweistelligen Plus, sondern auch – um nur einige Beispiele zu nennen – bei Jahn-Reisen, bei ITS, bei der TUI. ETI meldet eine Steigerung von 40 Prozent zum Vergleichszeitpunkt im Vorjahr, Ikarus Tours gar von 50 Prozent. Wegen des guten Zwischenergebnisses plant ETI eine aktuelle Erweiterung des Portfolios. Von Buchungsrückgängen erzählt kein einziger Veranstalter.


Zypern verkauft sich also am Counter wie geschnitten Brot. Die Veranstalter haben die berechtigte Hoffnung, dass sich die Zahlen wieder ein Stück dem Ergebnis von 2011 nähern, damals flogen 158.000 Deutsche nach Zypern. Danach kam der große Einbruch. Im Vorjahr stieg die Zahl der Ankünfte deutscher Gäste von 112.000 im Jahr 2015 auf 124.000. Das ist ein Zuwachs von 10,5 Prozent. Im Gesamtergebnis schnitt Zypern noch besser ab: Die Gesamtzahl der Gäste kletterte um knapp 20 Prozent auf 3.186.000.





Notizbuch: Athen, mon amour

11 04 2017

Dienstag, 11. April 2017

Athen. Das ist – bei allem Lärm und Chaos, bei allem Dreck und aller Unvollkommenheit – immer so etwas wie Heimkommen. Aber jedes Mal ist die Ankunft anders. Und ich war schon dreißigmal oder öfter hier, ich habe nicht gezählt. Diesmal habe ich einen Tag lang gefremdelt. Aber dann war ich angekommen. Ein paar Impressionen:

Mit dem Hinflug mit Aegean Airlines, deren Mitarbeiter sich noch große Mühe geben, den Flug so angenehm wie möglich zu gestalten, fing meine Athen-Reise schon gut an. Neben mir saß Marie, eine junge Dame von einer Schönheit, die von innen heraus strahlt. Sie flog nach Kos, wo sie für den Robinson Club als Physiotherapeutin arbeitet. Sich mit ihr zu unterhalten war eine Wonne, die Zeit verging – buchstäblich – wie im Fluge. Marie sprach übrigens reinstes Hochdeutsch, obwohl sie aus Stuttgart stammt. 


Von meinem Hotelbett blicke ich über die schlafende Stadt auf die hell erleuchtete Akropolis in ziemlicher Entfernung. Der Parthenon-Tempel ist seit einem halben Jahrhundert für mich das schönste Gebäude der Welt. Ihn zu sehen, nur an ihn zu denken, löst in mir ein Glücksgefühl aus.

Spaziergang durch Athens Seitengassen, vorbei an Parks und Plätzen. Die Athener nehmen ihre Stadt viel mehr in Besitz als die Berliner.

Viele Bettler sehe ich. Aber sie sind nicht aggressiv. Manche wollen etwas bieten für das Almosen. Eine Packung Papiertaschentücher oder einen Kuli.

Athener haben es nicht so mit dem Platz lassen, dem Ausweichen, dem Rücksichtnehmen. Ist die Metro voll, wird rücksichtslos hineingepresst, wie man es von japanischen Bahnen kennt. Nur dass es hier keine „Poschieber“ gibt. Mitreisenden Platz machen, die aussteigen wollen? Wozu denn das? So musste ich nach der Ankunft beim Transfer vom Flughafen nach Athen in der Metro mit Koffer und Laptop eine Station weiter fahren als gewollt. Mir gelang es nicht auszusteigen. Stur wie eine Gruppe Esel bewachte eine Gruppe Griechen den Ausgang. Einer Familie ging es ebenso.

Das Foto ist schätzungsweise 35 Jahre alt: Mein Sohn Alexander, meine Tochter Kirstin und ich auf der Akropolis. Seitdem habe ich den Parthenon-Tempel nicht mehr ohne Gerüst gesehen

Und dann abends ein Kellner in einem ziemlich verlassenen Restaurant am Rand eines Parks. Er brachte schwuppdiwupp Wasser und Nüsse. Unter den wackelnden Tisch schob er ein Stück Pappe. Und fragte, ob er den TV-Kanal wechseln solle. Noch zweimal kam er beim Essen an den Tisch, um zu schauen, ob alles ok sei. Übrigens: Er sprach gutes Englisch.

Heute im Café. In meiner Nähe sitzt eine typische Griechin – ich meine, eine Frau mit einer Nase, wie man sie schon aus antiken Darstellungen kennt. Auf dem Schoß hat sie einen süßen kleinen Fratz. Mir geht das Herz auf. Der Kleine entdeckt mich, und ein Lächeln hält in seinen Augen Einzug. Wir lächeln und winken uns gegenzeitig zu. Ist das ein Junge, frage ich die Mutter. Ja, sagt sie. Und wie alt ist er? Heute genau ist er ein Jahr geworden. Stolzer kleiner Grieche.

Fragt man einen einzelnen Athener etwas, antwortet er auffallend freundlich, mitunter richtig herzlich. Aber so einige kennen die Straßen ihrer Stadt nicht. Stadtplan im Koffer, wie praktisch, Akku des Handys abgestürzt. Das bedeutet: nach dem Weg zum Hotel fragen. Ich wurde dreimal in die falsche Richtung geschickt – obwohl das Hotel an einer breiten Straße, an einer Avenue, liegt. So absolvierte ich mit dem Koffer so etwas wie einen Marathonlauf. Bis mich ein freundlicher Taxifahrer ansprach, auf Deutsch („ich war in Wuppertal“), und mir den richtigen Weg wies.

Jugendzentrum von Athen. Auch hier habe ich ein interessantes Gespräch geführt – Bericht darüber später

Einige Termine habe ich heute gemacht und gute Interviews geführt. Im Doku-Zentrum der Documenta war ich auch und habe meine Akkreditierung und Unterlagen erhalten. Ein Ausstellungsgelände, eines von 40, habe ich dann besucht. Über die Documenta werde ich später schreiben [nach dem Bericht in touristik aktuell]. Ansonsten: Kein Documenta-Plakat ist in der Stadt zu sehen, keine Aufsehen erregende Street Art, kein Flyer, der in den Straßen verteilt wird, kein Prospekt oder Programm im Hotel. Die Documenta, so mein Eindruck, findet hinter verschlossenen Türen statt. „Die ist geheim“, witzelt eine griechische Uralt-Freundin, die ich sozusagen zwischen Suppe und Kartoffeln getroffen habe.

Heute abends saß ich im Restaurant im achten Stock des Hotels und blickte über das Athener Häusermeer. Die Dämmerung verzauberte und veränderte die Szenerie. Am liebsten hätte ich den Kellner gefragt, ob er mich mal kneifen könne: Ich wusste nicht, ob ich wach war oder träumte. Athens Roof-Restaurants sind zu Recht berühmt in der Welt. Ich genoss den Blick – und wurde immer trauriger. Ich habe heute erfahren, dass eine Athener Geliebte aus uralten Zeiten vor ein paar Jahren an Krebs gestorben ist.

Und dann kam die Rechnung. Sie war falsch. Hat man versucht, mich über den Tisch zu ziehen??? Das geht gar nicht.





Notizbuch: Malta auf Rekordkurs

6 04 2017

Donnerstag, 6. April 2017

Malta ist auf der Erfolgsspur. Nach fünf Jubeljahren lagen auch im Vorjahr die Zahlen ausländischer Besucher auf Rekordniveau. Knapp zwei Millionen Ausländer reisten im Vorjahr ins kleinste EU-Land. Das sind 10,5 Prozent mehr als 2015.

Traditionell lagen die Deutschen nach den Briten und den Italienern auf Platz drei der Statistik: Mit 157.000 Urlaubern – auch hier beträgt die Steigerung 10,5 Prozent – ist der deutsche Quellmarkt eine verlässliche Stütze im Malta-Tourismus.

Die Erfolgsstory setzt sich in diesem Jahr fort. „Die Buchungen liegen für alle drei Marken, TUI, Airtours und 1-2-Fly, über dem Vorjahr,“ erklärt Robin Wilbertz, Leiter TUI Produktma-nagement Malta. Und Steffen Keese, Product Manager Südeuropa von Gebeco, freut sich: „Die Nachfrage hat deutlich angezogen.“ Viele Veranstalter melden gar ein zweistelliges Buchungsplus. Einreisezahlen von Januar dieses Jahres, gewiss nicht der attraktivste Reisemonat, spiegeln die positive Tendenz: Die internationalen Gäste nahmen im Vergleich zum Januar 2016 um gut 21 Prozent zu, die der Deutschen um 20 Prozent. „Unsere Maltabuchungen sind mehr als zufriedenstellend“, bringt Kevin Ach es auf den Punkt, Senior Produktmanager Neckermann Reisen für Südeuropa und Nordafrika.

Mehr als zufrieden sind die Veranstalter auch mit dem Fremdenverkehrsamt Malta. „Wir arbeiten bereits seit Jahren sehr erfolgreich zusammen“, lobt Stefan Walter, Senior Product Manager Malta von FTI, die Malta-Werber. Ähnliche Töne schlagen auch die Produktmanager der Mitbewerber an.

Auch in einem anderen Punkt liegen sie auf einer Wellenlänge: in ihrer Kritik am Flugangebot. „Die Fluganbindung ab Deutschland könnte ausgebaut werden“, klagt Christina Link vom Alltours-Hoteleinkauf, „insbesondere mangelt es hier an Direktflügen.“

Das sieht man auch bei der TUI so. Wilbertz: „Eine größere Auswahl an Direktflügen wäre wünschenswert.“ „Schade ist, dass Air Malta ihre Verbindung ab Frankfurt eingestellt hat,“ beklagt sich Zsuzanna Szabo, Produktmanagerin von Dertour, „erfreulich ist, dass die Condor Malta mit in ihr Programm aufgenommen hat.“ Omid Haghighat von JT Touristik hofft, “dass die neue Anbindung mit Condor das jetzige Wachstum noch weiter unterstützen kann.”

Bleibt noch das Kapitel Hotels. Auch hier hält sich die Kritik in Grenzen. “Wenn ich mir etwas wünschen dürfte: Ein, zwei Boutique-Hotels, die man für Gruppen nutzen kann, wären schick“, sagt Thomas Graune, Area Manager von Studiosus. „Auf den Inseln gibt es verschie-dene Hotelkategorien, die die Nachfrage von einfach bis luxuriös abdecken“, fasst Claudia Ortel, Produktmanager Wikinger Reisen, die Hotelsituation zusammen, „die Häuser, die ich bis jetzt auf Malta kennengelernt habe, entsprechen den Erwartungen unser Gäste.“

Mein Bericht ist in leicht geänderter Fassung – aber mit anderen Fotos – im Malta-Special der Zeitschrift touristik aktuell in der Ausgabe 12/2017 [vom 3. April] erschienen.





Notizbuch: das letzte DSFT-Seminar

29 03 2017

Donnerstag, 30. März 2017

Der Zahn der Zeit, wer kennt ihn nicht?! Er nagt auch an mir. Im besten Fall lässt er mich klüger werden. Ohne Not und ohne Streit mit dem DSFT höre ich dort mit diesem Jahr auf. Drei Jahrzehnte und länger war ich dort Dozent, in erster Linie für das Thema „Pressearbeit im Tourismus“. Ungezählte Touristiker sind dort „durch meine Hände gegangen“, viele treffe ich immer wieder im Laufe des Jahres.

Das letzte Seminar findet am 27. und 28. November statt. Dazu schreibt das DSFT im Seminarprogramm: „Nur perfekt recherchierte, konzipierte und formulierte Pressemeldungen haben im Zeitalter der Informationsüberflutung eine Chance beachtet zu werden. Deshalb erhalten Sie in diesem Seminar das Basiswissen zur optimalen Themenfindung sowie zur Kontakt- und Verteilerpflege. Sie trainieren, Pressemeldungen professionell zu verfassen. So wird das Kommunikationsinstrument Pressearbeit Teil Ihrer Marketingstrategie!“

Das letzte Presseseminar fand 2015 statt

Mehrfach im Jahr, zuletzt aber nur einmal jährlich fand ein Intensiv-Seminar für Quereinsteiger statt; meine Aufgabe war immer am vorletzten Tag [der letzte war immer den Prüfungen vorbehalten] das Thema „Pressearbeit im Tourismus“.

Geschafft! Die Intensivgruppe im Dezember 2016

Dritter Seminartyp: die Schreibwerkstatt, unter Mitwirkung von Sabine Neumann. Bei diesem Seminar, das nicht mehr durchgeführt wird, hat auch immer die geniale Anke Kuckuck [Foto unten] mitgewirkt, Fachfrau für alles, was mit Texten zusammenhängt.

Zum Schluss noch ein Blick in den Giftkoffer. Eine Zeitlang waren mal kiloschwere „Steinmännchen“ modern wie dieses „Pressegeschenk“ aus der Schweiz… [oben]. Preiswert und passend war dieses Pressesouvenir [rechts]: eine Nuckelflasche. Damit machte vor 25 Jahren ein Reiseveranstalter auf seine Reisen für Familien mit gerade geborenen Babys aufmerksam.

Wer mehr erfahren will, sollte das Seminar am 27. und 28. November buchen. Informationen gibt es unter: http://www.dsft-berlin.de/