Kurznotiz: die Erinnerung

25 09 2017
Montag, 25. September 2017
Was machen die denn da? Das sind Tourismus-Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin [HWR], und zwar vom ITB-Vorbereitungsteam ist das die Pressegruppe. Und? Pennen die? Und langweilen sich?
Die Geschichte hinter diesem Spaßfoto: Einmalig ist, dass diese jungen Leute schon seit Jahren ihren ITB-Auftritt – sozusagen als Unterrichtsstoff – selbst vorbereiten. Sie entwerfen und organisieren den Stand, eine Marketinggruppe sorgt für dessen „Markteinführung“, eine Pressegruppe sucht den Kontakt mit Journalisten, ein „Finanzchef“ kümmert sich ums Geld, eine Social Media-Gruppe bedient alle möglichen Medien mit aktuellen Informationen. Und dann gibt es noch zwei Projektleiter zur Koordination der Arbeiten.
Und eine seit Jahren eingefrührte Marke gibt es auch: Studierte Weltenbummler.
Stolz wie sie auf diese Arbeit sind, die volles Engagement und viel Kreativität erfordert, haben die Studies die Berliner Presse zu einem Gespräch geladen. Der Termin: 4. Oktober, 11 Uhr. Um keine langweiligen Einladungen zu verschicken, haben sie eigens ein kleines Video gedreht.
30 Einladungen hatten sie verschickt, bis heute mittag haben nur drei der Eingeladenen reagiert. Gewiss nicht die feine englische Art. Aber anstatt sauer zu sein, haben die Studenten dieses Spaßfoto geschossen – und mit einem Erinnerungstext an die saumseligen Kolleginnen und Kollegen verschickt. Tenor: Wir warten auf Ihre Rückmeldung.
Seitdem hagelt es Absagen. Schade!
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Notizbuch: Paros und der Wein

23 09 2017

Samstag, 23. September 2017

Vier Weinproduzenten arbeiten auf der kleinen Kykladeninsel Paros. Weinproduzent, das klingt bombastisch. Aber es sind kleine Betriebe wie der 1910 gegründete Familienbetrieb,  den Savas Moraitis schon in der vierten Generation leitet.

Familienbetrieb in vierter Generation: Moraitis Winery

Für Urlauber lohnt sich ein Besuch im Betrieb der Familie Moraitis in Naoussa:  Da die alten Geräte zur Weinproduktion erhalten sind, ist Moraitis Winery so etwas wie ein Weinmuseum.  Größte Attraktion sind mehrere kleine, mit Porzellan ausgekleidete Kammern, in denen der Wein früher fermentiert wurde.  Nach vorne waren die Kammern geschlossen, es gab nur je eine Öffnung oben und unten. Diese Methode wurde bis in die frühen 70-er Jahre angewandt. Die Porzellanwände zeigen noch Spuren des Rotweins.

Wie ein Weinmuseum wirkt der Betrieb, weil alte Geräte zwar ausrangiert, aber nicht weggeworfen wurden

Paros hat  eine lange Weingeschichte, sie geht zurück auf die erste Zivilisation der Kykladen um 3.200 v. Chr. – „ohne Unterbrechung“, wie Savas betont. So etwas wie Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er darauf hinweist, dass es die Reblaus-Infektion, die in fast allen Weinanbaugebieten Europas verheerende Schäden angerichtet hat, auf Paros nie gegeben hat. Der Weinanbau auf der Insel ist aber nicht unproblematisch: Die Grundstücke zum Weinanbau sind alle klein, weil das Land sehr teuer ist.

150.000 Flaschen Wein werden pro Jahr produziert, ein Drittel davon für den Export

150.000 Flaschen Wein produziert Moraitis Winery im Jahr – Weißwein, Rotwein [der in Griechenland immer von weißen und roten Trauben hergestellt wird] und süßen Malvasia. Ein Drittel wird exportiert, in die USA, nach Kanada und in diverse europäische Länder, auch nach Deutschland. Da die Weinkellerei auch Weinproben anbietet, können sich Besucher direkt vor Ort von der Qualität der Moraitis-Weine überzeugen. In den Restaurants und Tavernen auf Paros finden sie dann ihren Lieblingswein wieder.

Savas Moraitis [Foto: Maria Menzel, auf dem kleinen Foto oben zu sehen]





Quickie: bewusste Wortwahl

20 09 2017

Mittwoch, 20. September 2017

Ja ist er denn von allen guten Geistern verlasssen? Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Springer-Vorstandschef, wettert gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Da spricht er von „Staatsrundfunk“ und „Staatspresse“. Wörtlich: „Wir erleben im Netz nach wie vor eine mit öffentlich-rechtlichen Geldern finanzierte Flut textbasierter Gratisangebote, nichts anderes als eine gebührenfinanzierte digitale Staatspresse“. Und dann die Bemerkung: „…das wäre eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea“.

Diese Wahl der Polterworte war kein Ausrutscher. Sie war bewusst. Und das ist unverzeihlich für einen Mann, der sein Geld mit dem Wort verdient. Ich schäme mich fremd für diesen Pressemann.

 





Notizbuch: Rentiere in Hessen

15 09 2017

Freitag, 15. September 2017

Das Lapplandlager heißt „Björkträsk“. Es liegt im nordhessischen Tierpark Sababurg, der an sich als zweitältester Tierpark Europa schon einen Besuch wert ist. „Der Birkenwald hier, der auch in Lappland das Landschaftsbild prägt, ermöglicht es uns, Rentiere in bestmöglicher Annäherung an den natürlichen Lebensraum zu halten“, sagt Uwe Kunze. Er ist sozusagen der Cheflappe.

Im Rentierwald im Tierpark Sababurges liegt das authentische Lapplandlager mit Nomadenzelten, Lagergestellen, Vorratshütten und Feuerstellen. „Da unsere Familie ihre Wurzeln sowohl in Deutschland, als auch im samischen Rentierzuchtgebiet Nordschwedens hat, dort lebt und eigene Rentiere hält, informieren wir aus erster Hand über die einmalige  samischen Rentierkultur“, sagt Uwe Kunze, der mit seiner Frau Brigitte die Firma Renrajd Vualka unterhält. Renrajd nennt man den Zug der Rentierschlitten-Gespanne und der Trag-Rentiere. Vualka ist der südsamische Begriff für “sich auf den Weg machen“. Brigitte stammt aus der Schweiz, dieser Akzent ist nicht überhören. Beide sind seit 40 Jahren verheiratet und haben mehrere Kinder. Da die Familie auch im samischen Rentierzuchtgebiet Nordschwedens lebt und dort eigene Tundra-Rentiere hält, hat sie von dort ihre Kenntnis im Umgang mit dieser nordischen Hirschart nach Nordhessen mitgebracht.

Die Rentiere im Tierpark Sababurg, durchaus mächtige Exemplare, sinbd sanft, sie stoßen nicht mit ihren mächjtigen Geweihen, sie beißen nicht und spucken nicht oder was Besucher sons noch befürchten könnten. „Wir wollen einen Einblick in die Einmaligkeit der samischen Rentierkultur gewähren und somit sensibel und wissend machen, damit das letzte europäische Ursprungsvolk am Nordrand unseres Kontinents überleben kann,“ sagt Uwe.


Auf der Internetseite seines Unternehmens [www.renrajd.com] schreibt er: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unsere Gäste für das Leben mit der Natur und dem dazugehörenden Kontakt zu Tieren zu begeistern. Das Erfahren von Zusammenhängen des natürlichen Miteinanders, sowohl der Tier und Pflanzenwelt, als auch unserer menschlichen Existenz, ist Voraussetzung für einen behutsamen Umgang mit unserem Lebensraum. Dazu gehört auch die Offenheit gegenüber anderen Kulturen.“

Die Sami, so habe ich ebenfalls der Website von Renrajd Vualka entnommen, sind das letzte Ursprungsvolk Europas. Ihre genaue Herkunft ist umstritten, man vermutet ihren Ursprung jedoch in den Weiten Nordasiens. Früher als Jäger lebend, folgten sie später den Rentierherden nomadisierend und errichteten nachweislich bereits vor 9 800 Jahren (z.B. im schwedischen Arjeplog) feste Wohnplätze (siehe auch Felszeichnungen bei Alta in Nordnorwegen und bei Messlingen /Ruändan im schwedischen Härjedalen). Nach der Halbdomestizierung des Rentieres folgte man den Tieren auf den alten Herdenwegen, jährlich wiederkehrend, von den Sommerweiden auf dem Kahlfjäll (Tundra) zu den Winterweiden in die geschützteren Wälder (Taiga). Die Zurückdrängung der Sami und deren Kultur, früher durch die Staatenbildung der jeweiligen Länder und die sich nach Norden ausdehnende Neubevölkerung und Neusiedler, erreichte ihren Höhepunkt im dem Verbot der samischen Religionausübung und des Ursprungsgesanges Joik (höre Musik: Joik von Jon-Henrik Fjällgren) durch christliche Missionare. Es folgten bis zum heutigen Tag schikanöse Besteuerungen (teilweise für einen Familienverbund in drei Staaten), Entfremdung der eigenen Kultur, indem man Samikinder in speziellen Schulinternaten von den Familien trennte, Diskriminierung und Entrechtung.

Von den heute 70 000 Sami gibt es 40 000 in Norwegen, 20 000 in Schweden, 6 000 in Finnland und 2 000 in Russland. Ungefähr 10 000 der Sami leben heute von der Rentierzucht. In Schweden verdienen z.B. gegenwärtig ca. 2 500 Familienbetriebe ihren Lebensunterhalt ausschließlich damit. Diese sind wiederum in 51 sogenannten Samebyar (Rentierzuchtgemeinden) aufgeteilt. http://www.renrajd.com:  Entsprechend der Siedlungsgebiete der Sami unterscheidet man zwischen den Gruppen der Bergsami (Rentierzucht), der Waldsami (Rentierzucht) und der an der nordnorwegischen Küste lebenden Seesami (Fischfang). Allen Gruppen dient außerdem die Jagd, das Kunsthandwerk (sameslöjd) und zunehmend auch der Tourismus als Erwerbsmöglichkeit.

Wunderschönes Kunsthandwerk bieten Brigitte und Uwe Kunze auch in Björkträsk an. Ich bedaure, dass ich nichts gekauft habe – als Souvenir einer hochspannenden Pressereise durch Nordhessen.

 

 





Kurznotiz: Klischees

12 09 2017

Dienstag, 12. September 2017

Das mit der „Russischen Seele“ sei doch auch nur ein Klischee, schrieb mir kürzlich eine Freundin. Ich hatte in einem Bericht über meinen doofen Sturz in Russland geschrieben, ich hätte sie auf diese Weise entdeckt – die russische Seele.

Nur ein Klischee? Ja und nein. Natürlich gibt es nicht  d i e  russische Seele. Wenn ein Journalist, der nicht erst seit gestern schreibt, diesen Begriff gebraucht, weiß er, wie angreifbar er ist – und wie zutreffend. Gemeint ist die Seite an „den Russen“, die sich den Mitmenschen zuwendet. Die Herzlichkeit. Die Bereitschaft zu helfen. Und die Bereitschaft zur Kommunikation, so sehr sie ab und zu auch vom Alkohol beflügelt werden mag.

Mein Vater, der bis 1949 in russischer Kriegsgefangenschaft war, hat mir erzählt, dass Russen – so grausam und so tapfer sie auch kämpften – durchaus in Tränen ausbrechen konnten, wenn sie ein Baby weinen hörten [ohne eingreifen und helfen zu können].

Das habe ich gemeint.

Wir in Berlin haben auch so ein Klischee: Schnauze mit Herz. Der Begriff ist stimmig und abgenutzt zugleich. Aber jedermann und jedefrau versteht, was gemeint ist: Dass sich viele Berliner trotz der üblichen Ruppigkeit ein großes Herz bewahrt haben.





Notizbuch: …patsch

9 09 2017

Das ist die Geschichte einer merkwürdigen Reise. Ihr Ziel: Sotchi in Russland. Und das alpine Tal Rosa Khutor. Wie ein Sturz eine Meinung verändern kann…

Das ist der Artikel zum Thema in der Tageszeitung Neues Deutschland vom 9.9.2017

Der Sturz – ND vom 9.9.2017

 





Notizbuch: Kanzlerkandidaten im Pool

6 09 2017

Fast jede Woche – früher hätte man gesagt: flattert mir eine Umfrage auf den Schreibtisch, heute müsste man sagen: taucht eine Umfrage auf dem Bildschirm auf. Manche sind interessant, manche so überflüssig wie ein Kropf. So wie die folgende, aber sie ist wenigstens unterhaltsam: Was würden Sie tun, wenn Ihnen Frau Merkel oder Herr Schulz im Hotelpool begegnet?

Hallo Herr Schulz, Grüß Gott Frau Merkel: Insgesamt entscheiden sich über 70 Prozent der Deutschen dafür, höflich zu grüßen. Dabei würden sieben Prozent nur Frau Merkel grüßen, vier Prozent sagen nur Martin Schulz Hallo und über 60 Prozent würden beide Politiker ansprechen.

Aber: Fast ein Viertel der Deutschen würde die Gelegenheit nutzen, um Dampf abzulassen: Insgesamt 24 Prozent würden mal so richtig ihre Meinung sagen!

Eine freundlichere Geste ist ebenfalls populär: Jeder Fünfte (22 Prozent) der Befragten würden höflich um ein Selfie bitten. Dabei zeigt sich: Angela Merkel wäre das beliebtere Fotomotiv als Martin Schulz. Fotos in Badekleidung von einem Wahlkampfkandidaten – dieses seltene Motiv würden 21 Prozent der Deutschen wagen, heimlich aufzunehmen.

Fast ein Fünftel der Deutschen (19 Prozent) würde den Politikern nach dem Schwimmen ein Frotteetuch zum Abtrocknen anbieten. Dabei würden fünf Prozent das nur bei Frau Merkel tun, drei Prozent nur bei Herrn Schulz.

Einigen Deutschen (15 Prozent) wäre die Situation zu bunt: Sie würden Reißaus nehmen und den Poolbereich verlassen.

Soweit die Überflüssigwieeinkropf-Untersuchung. Die Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, ein international agierendes Marktforschungsinstitut mit Sitz in Köln. An der Umfrage nahmen 2.051 Personen teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.