Notizbuch: im Osten schlechtes Image

27 02 2017

Montag, 27. Februar 2017

Zum Osteuropa-Special von touristik aktuell [das schon vor drei Wochen erschienen ist, aber das Thema brennt mir immer noch unter den Nägeln…] habe ich viele Reiseveranstalter, die großen und die kleineren Spezialisten, befragt. Ich wollte nicht nur die Neuigkeiten zur Saison erfahren, sondern auch wissen, was sie an ihren osteuropäischen Destinationen zu kritisieren haben. Hier das erstaunliche Ergebnis [wie es auch in touristik aktuell veröffentlicht worden ist]:

In einem Punkt sind sich die Anbieter von Reisen nach Osteuropa einig: Das Angebot ist meist erheblich besser, als der Ruf der Destinationen vermuten lässt. Die Länder haben also ein Imageproblem. „Wir wünschen uns von unseren osteuropäischen Nachbarländern mehr Imagewerbung in Deutschland“, sagt denn auch Constanze Köhler, Leiterin des TUI Produktmanagements Europas Osten.

Ins gleiche Horn stößt Diana Ruttar, Produktmanagerin Osteuropa von Wikinger Reisen: „Länder wie Albanien und Rumänien kämpfen leider noch immer mit einem negativen Image.“ Sie würde es begrüßen, wenn die Fremdenverkehrsämter noch stärker an einer Verbesserung arbeiten würden“. Das dürfte den Destinationen eigentlich nicht schwer fallen, denn – so Diana Ruttar – „Gäste, die diese Ziele besucht haben, sind stets begeistert.“

„Bis dato gibt es nur schwache Marketingaktivitäten, eine Verstärkung von Werbemaßnahmen wäre wünschenswert“, kritisiert Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer der DER Touristik Köln, „zudem fehlt es an langfristigen Tourismuskonzepten, einhergehend mit schwacher Unterstützung der Branche seitens der staatlichen Tourismusbehörden.“ Konkrete Kritik äußert Jörg-Dietrich Meltzer, für Russland zuständiger Area-Manager von Studiosus: St. Petersburg boomt, gerade auch bei Kreuzfahrtreisen, ist aber dem Ansturm von den Kapazitäten her – etwa bei Besichtigungen – nur begrenzt gewachsen.“ Außerdem wünscht sich Meltzer „mehr Flugverbindungen von Deutschland nach Russland“.

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Budva: Montenegro in der Kritik

Auf Montenegro schießt sich Wolfgang Schneider ein, Produktmanager Ost- und Südosteuropa & Kaukasus von Ikarus Tours: „Die Flugverbindungen sollten verbessert werden: Au-ßerhalb des Charters haben wir weiterhin ein sehr begrenztes Flugangebot.“ Denn „der Direktflug ab/bis Frankfurt ist nur mit Montenegro Airlines möglich, die Maschinen sind klein und daher schnell ausgebucht.“ Austrian Airlines habe „leider überhöhte Preise und ist daher kaum eine echte Alternative im Veranstalter-Bereich“.

„Rumänien habe „einen nahezu unerschöpflichen Reichtum an Natur- und kulturellen Highlights“, findet Dertour-Produktmanager Matthias Klar, dies spiegele auch die Nachfrage nach Rundreisen wider. Klar: „Leider hakt es nach wie vor an der Infrastruktur.“ Auch die Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis der Hotels an der Schwarzmeerküste fallen laut Klar im Vergleich zu den anderen Destinationen ab.

img_0085Nicht osteuropäischen Destinationen, sondern der EU gibt Jochen Szech, Geschäftsführer von Go East Reisen, einen Rat: „Sie sollte sich schnellstens auf ein pragmatisches Visumsver-fahren einigen und ihr jetziges Verfahren unverzüglich überarbeiten.“

Denn dies führe zu großen Problemen im Deutschland – und im Outgoing-Tourismus, da Länder wie Indien, China und Russland „nachziehen und die Visumbedingungen verschärfen.“





Notizbuch: Berliner Lächeln

22 02 2017

Mittwoch, 22. Februar 2017

Die Chemie scheint zu stimmen. Die bisherige Wirtschaftssenatorin gab in Pressekonferenzen zum Berlin-Tourismus immer die eiserne Lady. Ramona Pop von den Grünen dagegen, die neue Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, ist dem Geschäftsführer von visitBerlin, Burkhard Kieker, an Charme durchaus ebenbürtig. So wurde auf der Pressekonferenz zur Berliner Tourismus- und Kongressbilanz für das Jahr 2016 so viel gelächelt wie schon lange nicht mehr. Das Gespann Pop/Kieker signalisierte: Wir werden das Kind Berlin-Tourismus schon schaukeln. Und dies auch in schwierigen Zeiten.

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Moderat hat sich der Berlin-Tourismus im vergangenen Jahr entwickelt. Die Übernachtungen der Berlin-Besucher sind um 2,7 Prozent auf mehr als 31 Millionen gestiegen. „Es gibt nur zehn Städte in der Welt mit über 30 Millionen Übernachtungen“, betonte Kieker durchaus mit Stolz. Die Zahl der internationalen Gäste lag zum ersten Mal über der Fünf-Millionen-Marke. Die meisten Auslands-Besucher kamen aus Großbritannien [Kieker: „Das sind noch nicht die Brexit-Flüchtlinge!“], gefolgt von US-Amerikanern und Spaniern.

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Zum ersten Mal befindet sich auch Israel unter den Top-10 Ländern, aus denen die meisten Übernachtungen gezählt wurden. Mit 54,4 Prozent haben die deutschen Gäste nach wie vor den größten Anteil an den Übernachtungen. Mehr als 240.500 Menschen in Berlin gibt der Tourismus Lohn und Brot.

„Berlin hat sich in einem schwierigen internationalen Umfeld als Top-3-Destination in Europa behauptet“, freute sich Burkhard Kieker. Aber um weiterhin erfolgreich zu sein, müsse die Anbindungen für interkontinentale Besucher verbessert werden. Sprich: Der Flughafen BER muss endlich her.

Nicht die Easy-Jetter bilden das Gros der Berlin-Touristen. Kieker: „Die 40- bis 60-jährigen sind die Kernzielgruppe.“ Der klassische Berlin-Besucher ist im Durchschnitt 39,3 Jahre alt. Im Schnitt bleiben die Gäste 2,4 Tage, Besucher aus dem Ausland bleiben mit 2,8 Tagen wie-derum länger als die deutschen Berlin-Urlauber. Die drei wichtigsten Gründe für eine Reise in die deutsche Hauptstadt sind die Sehenswürdigkeiten, das Kunst- und Kulturangebot sowie Stadtbild und Architektur. Mehr als die Hälfte aller Besucher kommt wegen Kunst und Kultur. Oder andersherum betrachtet: 40 bis 60 Prozent der Nutzer von Kulturangeboten sind Touristen. „Die deutsche Hauptstadt hat als Kultur- und Veranstaltungsort im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen eine herausragende Bedeutung“, betonte die Wirtschaftssenatorin.

Wirtschaftssenat und visitBerlin hüten noch einen anderen Schatz: Ein Viertel aller Übernachtungen wird durch Kongressbesucher generiert. Es reisten im vergangenen Jahr mehr als 11,5 Millionen Teilnehmer zu rund 137.500 Veranstaltungen in die deutsche Hauptstadt.

Soweit die Bilanz. Das alles hätten die Berlin-Werber auch via E-Mail verkünden können, deshalb benötigt man keine Pressekonferenz – wären da nicht Kiekers kluge und auch humorvolle Anmerkungen, die allein die Anreise lohnen. Vom Auftritt der Wirtschaftssenatorin dagegen war ich – bis auf ihr Lächeln – enttäuscht. Ich hatte nicht nur die Ankündigung eines neuen Tourismuskonzepts erwartet, sondern konkrete Eckpunkte, Forderungen an die Akteure, Erklärungen in einer flammenden Rede, wie sich rotrotgrüne Tourismuspolitik von der bisherigen unterscheiden soll.

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Klar, Ramona Pop ist noch neu im Geschäft. Sonst wäre ihr der Fauxpas nicht passiert, das derzeit so populäre Couchsurfen mit „Verwandtenbesuchen“ gleichzusetzen. Frau Senatorin, das ist etwas ganz anderes. Wer als Couchsurfer reist, kommt bei wildfremden Menschen unter, dies meist kostenlos. Das aber ist bei den meisten nicht der Grund zum Couchsurfen, sondern das Eintauchen in das Leben der Einheimischen, soziale Kontakte, Stadtführungen von Insidern, das Leben im Kiez.

vb3Noch etwas fiel mir an Ramona Pop – außer ihrem Lächeln – auf: Während der Kommissarische Vorstand des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg in der gebührenden Langatmigkeit [diese ist systemimmanent] Zahlen vortrug, widmete sich die Wirtschaftssenatorin ausgiebig ihrem Handy.

Das geht gar nicht.

Den Hinweis, dass unsere Kanzlerin das auch macht, lasse ich nicht gelten. Ramona Pop ist nicht die Kanzlerin. Noch nicht.





Notizbuch: studierte Weltenbummler

15 02 2017

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die „Studierten Weltenbummler“ starten in die nächste Runde. Die alljährliche Vorbereitung des Messeauftritts der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) auf der ITB Berlin läuft bereits seit August 2016 auf Hochtouren. Und ich mische da – beratend – mit.

Dual Studierende des 5./6. Semesters des Fachbereiches BWL/Tourismus überneh-men wie auch die Jahre zuvor die Standgestaltung und -betreuung, das Marketing, die Pressearbeit sowie die Finanzierung. „Lediglich die Rahmenbedingungen sowie Hilfestellungen haben wir von unseren Dozenten erhalten, die mit ihrer jahrelangen Erfahrung das ITB-Projekt betreuen“, sagt Mariana-Theresa Jürgens, die Sprecherin der Pressegruppe.

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Das sind sie – die studierten Weltenbummer

Das Projekt läuft unter dem Motto „studierte Weltenbummler“, das von ehemaligen Tourismusstudenten ins Leben gerufen wurde und auch in diesem Jahr fortgeführt wird. Jürgens: „Der Namenszug studierte Weltenbummler ist sogar werberechtlich geschützt.“

Auf der ITB Berlin werben die Studierenden für die Tourismusbranche sowie für alle dualen Bachelor- und Masterstudiengänge, die an der HWR angeboten werden.

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Oben: die Marketinggruppe [links im Bild: AUMA-Referent Hendrik Hochheim]. Unten: ein Teil der Pressegruppe [dritte von links: Mariana-Theresa Jürgens, die Sprecherin]

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„Das duale BWL/Tourismus-Studium zeichnet sich dadurch aus, dass parallel zur Vermittlung betriebswirtschaftlicher und touristischer Kenntnisse im Rahmen eines Hochschulstudiums eine fachspezifische Ausbildung in einem touristischen Betrieb stattfindet“, betont die Sprecherin der Studierenden, „diese vermittelten Kenntnisse sollen dann direkt während der Praxis¬einsätze angewendet werden.“ Die Vorbereitung des Messestands schafften „somit einen Praxisbezug auch in der Theoriephase und bietet uns Studierenden die Möglichkeit, einzigartige Erfahrungen für unser späteres Berufsleben zu sammeln“ [Jürgens].

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Ein Foto aus dem Votrjahr: zwei Studentinnen mit Schärpe

Während in den Vorjahren die Pressemeldungen auf Papier gedruckt und in einer Pressemappe den Journalisten überreicht worden, werden sie diesmal auf einen Stick gezogen, der wiederum in eine niedliche kleine Box gepackt wird. Diese werden vor der Eröffnungspressekonferenz [Dienstag, 7. Februar, 10 Uhr Palais am Funkturm] und auf Rundgängen der Pressegruppe während der ITB verteilt. Zudem liegen sie im Pressefach „Studierte Weltenbummler“ in Halle 5.3 aus.
Zu finden sind die Studierten Weltenbummler auf der ITB Berlin in der Halle 11.1 am Stand 312 oder verteilt auf dem Messegelände mit ihrem unverwechselbaren Erkennungszeichen, der roten Schärpe mit dem Schriftzug „studierte Weltenbummler“.





Notizbuch: die Kakerlaken im Reid’s – Bericht über eine angenehme Reise

12 02 2017

Samstag, 11. Februar 2017

Es gibt Luxushotels, die sind und bleiben Legenden, ganz gleich, welcher Company sie gerade gehören und wer als Generalmanager oder Generalmanagerin dem Haus vorsteht. Das Hotel Vier Jahreszeiten in München gehört dazu, selbstverständlich das Oriental in Bangkok und auch Reid’s Palace in Funchal/Madeira. Da war ich jetzt für ein paar Tage und erinnerte mich lebhaft an meinem ersten Besuch in diesem Luxushaus vor 30 Jahren. Im Mittelpunkt der Reminiszenz steht eine Diskussion mit dem damaligen Chef über – Kakerlaken.

Eingeladen hatte unseren Pulk von Reisejournalisten das Unternehmen DER Touristik, und zwar beide „Zweige“: das Kölner Unternehmen [ITS, Jahn Reisen und TRAVELiX] und die Frankfurter Firma [Dertour, Meier’s Weltreisen, ADAC Reisen]. Nicht nur Pressesprecher und Pressesprecherinnen waren mit von der Partie, sondern auch ein paar Chefs – allen voran Rolf-Dieter Maltzahn [Geschäftsführer Köln] und Matthias Rotter [Geschäftsführer Frankfurt].

Die Informationsreisen von DER Touristik gehören zu den interessantesten und angenehmsten, die ich kenne. Das hat mit den Zielen und angebotenen Ausflügen zu tun und mit den Mitarbeitern der Firma: Die Pressesprecher zählen zu den besten, die man in der Branche finden kann [und, diese Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen: zu den charmantesten; das gilt auch für die männliche Neuerwerbung in Köln, Martin Schlupp]. Und die Bosse geben nicht die Unnahbaren und machen nicht auf Halbgötter im Management, wie es bei einigen anderen Reiseveranstaltern durchaus üblich ist. Kurz: Wie immer war auch diese Reise ein erfreulicher Höhepunkt im Jahresablauf, dies gleich zu Beginn des Jahres.

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Von rechts: Matthias Rotter [Geschäftsführer Frankfurt], unser Guide und Dietmar Malcherek, Bereichsleiter Mittelmeer der DER Touristik Frankfurt

hotelUnd dann noch dieses Hotel. Das über 100 Jahre alte Traditionshotel gehört heute zur Belmond-Gruppe. Es ist vornehm und mit Stilmöbeln ausgestattet. Vasen, Mobiliar, die Vitrinen mit Bildern berühmter Besucher, das alles ist kostbar. Aber nichts ist aufdringlich, kein Pritzprotz, wie viele andere Luxusherbergen ihn zur Schau stellen. Reid’s Palace ist ein wohltuend altmodisches Hotel. Das gilt irgendwie auch für das Personal. Der Concierge Aguiar Nunes steht seit fast 52 Jahren im Dienst des Hauses. Seine erste Schicht war am 4. November 1965.

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Der Concierge Aguiar Nunes

Vor 30 Jahren habe ich in dem Hotel eine Woche verbracht. Inzwischen hat das fünfstöckige alte Hauptgebäude ein sechsstöckiges neues Nebengebäude erhalten. Aber beide Gebäude sind höhenmäßig versetzt, das neuere Gebäude erstreckt sich Richtung Meer den Steilhang hinunter. Ich wohnte im fünften Stock im Altbau und wollte zum Frühstück in den untersten [oder war es der zweite?] Stock im Neubau. Ich irrte umher und lernte dabei ein paar Kolleginnen und Kollegen aus der Pressegruppe kennen, die ich noch nicht kannte und die auch suchend und frühstückshungrig umherirrten.

img_0009Als ich nach dem Frühstück die Lobby suchte, sprach mich ein Herr an und meinte auf Eng-lisch, er würde mir gerne den Weg zeigen. Er war ein sehr freundlicher Mann mit einem ge-winnenden Lächeln; er trug Jeans, ein Hemd im „Holzfällerlook“, ein einfaches blaues Jackett. Ein Gast? Ein Mitarbeiter? „Und was machen Sie denn so?“ fragte ich ihn eine Spur zu vertraulich. Seine Antwort: „I am the general manager of this house“. Oh. Der GM Ciriaco Campus, ein Italiener, ist ein bescheidener Mann. Das passt zu dem Hotel. Er erzählte mir, dass er 240 Mitarbeiter beschäftigt. Das Haus hat 158 Zimmer und Suiten.

Vor 30 Jahren hatte ich ein weniger freundschaftliches Gespräch mit dem damaligen GM, einem Schweizer. In unserem Zimmer waren die Schränke mit Schrankpapier ausgelegt – und unter denen raschelte und krabbelte es: Kakerlaken [laut Wikipedia KEIN Zeichen von Unsauberkeit oder mangelnder Hygiene]! Übrigens nicht die großen asiatischen Viecher, sondern die kleineren Südeuropäer. Kakerlaken kenne er nicht, sagte der Hotelchef. Und er dachte nach: „Kakerlaken… Kakerlaken? Ach sooo: Schwabenkäfer!“ Als wir später ins Zimmer zurückkamen, wäre uns eine Gasmaske recht gewesen. So sehr war gegen die Kakerlaken gesprüht worden. Aber es krabbelte nicht mehr.

Zurück in die Gegenwart: Die Zimmer und Suiten in dem Luxushaus sind ziemlich verschieden und preislich sehr gestaffelt. Ich habe einmal die Probe gemacht: Für die Zeit vom 13. bis 16. Mai, also für drei Nächte, zahlen zwei Personen im Doppelzimmer zwischen 1.400 und 3.300 Euro. Nun gibt es preiswerte Buchungswege, z.B. Buchungsportale – oder Reiseveranstalter. So findet sich das Hotel im aktuellen Dertour deluxe-Katalog Europa (Sommer 2017), sieben Nächte im Classic-Doppelzimmer einschließlich Frühstück und 30 Euro Spa-Gutschein sind pro Person ab 1.148 Euro zu buchen, wenn die Buchung bis 45 Tage vor Anreise erfolgt. Dazu kommen noch die Flugkosten.

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Ausblick aus meinem Zimmer

Für Normalsterbliche unbezahlbar sind die Präsidenten-Suiten, von denen eine George Bernard Shaw gewidmet ist, die andere dem früheren britische Premierminister Winston Churchill, der sich ab 1950 mehrfach in dem Hotel erholte und malte. Auch Charlie Chaplin war Gast und die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Und wer darf in dem Kreis solch illustrer Gäste nicht fehlen? Richtig: die Sissi, von mir respektlos Sissi überall genannt – die Kaiserin Elisabeth von Österreich.





Notizbuch: Hellas jubelt

8 02 2017

Griechenland jubelt. Die Griechenland-Veranstalter jubeln. Der Grund: Hellas ist wie ein Volkswagen – und läuft und läuft.

So optimistisch wie diesmal ist die Reisebranche wohl noch nie in eine Griechenland-Saison gestartet. „ Wir rechnen damit, dass dies das Trendziel des Sommers 2017 wird“, sagt Florian Fleischer, Leiter des TUI Produktmanagements Griechenland. Er hat guten Grund zum Optimismus: Mit einem Buchungsplus von 41 Prozent ist Griechenland bei den Hannoveranern zum Saisonauftakt Favorit. Auch Sabine Näcker vom Griechenland-Produktmanagement der Veranstalter-Marken Thomas Cook und Neckermann-Reisen stellt mit Genugtuung „ein ordentliches Buchungswachstum“ bei den Hellas-Buchungen fest. „Alle griechischen Destinationen liegen im Plus“, betont Oliver Grosse-Kleimann vom Alltours Produktmanagement. „Im Pauschalgeschäft erleben wir einen wahren Ansturm auf Griechenland“, staunt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer DER Touristik Köln, „fast alle griechischen Ziele wachsen überdurchschnittlich.“

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So rechnen denn alle Griechenlandanbieter mit einem Plus am Ende der Saison, auch Schauinsland und FTI, JT-Touristik oder ETI, Attika-Reisen und Dertour. Da stehen auch die Anbieter von Studienreisen nicht zurück, deren Buchungssaison häufig anders verläuft als bei den großen Sortimentern. Thomas Graune, Area Manager bei Studiosus: „Wir verzeichnen aktuell ein hohes zweistelliges Buchungsplus und führen das u. a. auf einen Nachholbedarf zurück.“ Auch Steffen Keese, Produktmanager bei Gebeco, liefert den Grund für den momentanen Erfolg gleich mit: „In den Medien laufen deutlich weniger schlechte Nachrichten aus Griechenland.“

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Für die Produktmanager kommt der Erfolg nicht von ungefähr. Unisono heißt es in der Branche: Griechenland ist im internationalen Vergleich nicht nur gut, sondern sehr gut aufgestellt. „Der Tourismus in Griechenland befindet sich auf einem sehr respektablen Kurs: Die Branche weiß um ihr großes volkswirtschaftliches Gewicht“, fasst es Jan Frankenberg, Bereichsleiter Produkt und Hoteleinkauf der DER Touristik Köln, zusammen. Und: „Beim Thema Servicequalität spielt Griechenland in einer Liga mit Spanien.“

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Es sind vor allem die Massenziele, die beim Boom Masse machen: Kreta, Rhodos, Korfu. Auch Kos, in den Vorjahren wegen der Flüchtlingskrise von vielen Urlaubern gemieden, ist wieder gut im Geschäft. Da die großen Inseln die Nachfrage nicht befriedigen könnten, haben jetzt auch kleinere Inseln wie Paros, Naxos, Santorin und Mykonos größere Chancen als in den Vorjahren. „Das ist das größte Griechenland-Angebot aller Zeiten“, frohlockt Florian Fleischer von der TUI. Sie hat allein auf Kreta, Rhodos und Kos das Angebot um 40 Prozent erweitert. Auf der Beliebtheitsskala aller weltweiten TUI Ziele liegt Griechenland bei den Gästen auf dem zweiten Platz hinter Spanien. Auch bei Alltours hat sich Hellas zum zweitstärksten Sommerziel entwickelt.

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Bleiben bei solch einem Aufgebot noch genug Flugsitze und Hotelbetten für die Konkurrenz? „Wir haben vorgesorgt“, heißt es sinngemäß bei fast allen Häusern. Aber wegen der guten Nachfrage „werden die Hotels in diesem Jahr schneller ausgebucht sein“, warnt Lothar Münzenthaler, Produktleiter Dertour, „hier heißt es: schnell sein!“ Ein Last Minute-Geschäft wird es kaum geben.

Diesen Bericht habe ich im Auftrag von touristik aktuell recherchiert und geschrieben. Er ist in leicht veränderter Fassung – und ohne  Fotos – in Ausgabe 4/2017 der Fachzeitschrift erschienen.





Notizbuch: Max Brown

24 01 2017

Dienstag, 24. Januar 2017

Max Brown – das ist kein Freund oder guter Bekannter. Das ist der [Fantasie-]Name einer kleinen, aber feinen Hotelkette. Sie macht vieles anders als andere Hotels.

img_0009Wer Vinyl-Schallplatten liebt, wird als Gast des neuen Max Brown Ku‘Damm überrascht. In seinem Zimmer findet er eine kleine, aber feine Sammlung von schwarzen Scheiben vor, die er gleich auf einem Koffer-Plattenspieler abspielen kann. Ein Basketballkorb an der Wand ist für die, die sich zur Musik tüchtig bewegen wollen.Die Max Brown Hotels schaffen solche Ausstattungs-Details durch Kooperationen. Die Platten stammen vom Label Unique Records, der Plattenspieler von Crosley. Im Shop in der Lobby können Gäste neben Postkarten und anderen Souvenirs diese Dinge auch gleich kaufen.

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Als noch junge Hotelgruppe starteten die Max Brown Hotels 2015 und im Vorjahr mit zwei Hotels in Amsterdam, dem Max Brown Canal District und dem Max Brown Museum Square. Der Name Max Brown ist übrigens eine Fantasieschöpfung ohne jeden realen Bezug. Das erste deutsche Haus wurde im Vorjahr im japanischen Viertel in Düsseldorf eröffnet, das Max Brown Midtown mit 65 Zimmern.

Die Häuser der Gruppe liegen immer in Wohngebieten, „immer zentral, aber nicht mittendrin“, wie es eine Sprecherin formuliert. So auch das Berliner Haus. Bis zum Spätherbst vergangenen Jahres war es als Domus eines der gestande-nen, eingefahrenen West-Berliner Hotels. Die Stammgäste sind überrascht, wie sehr die Um- und Ausbauten das Haus zum Positiven verändert haben. Die 70 Zimmer in vier Größen von 15 bis 30 Quadratmetern sind alle ähnlich ausgestattet, mit Eichenböden, weißen Wandpaneelen und Fensterläden sowie Design-Teppichen.

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In Zimmern gibt es keine Minibars, dafür den Shop im öffentlichen Bereich. Die Bäckerei dort soll bald auch außer Haus verkaufen. Der Social Space umfasst das gesamte Erdgeschoss und hat sogar Platz für einen großen Billardtisch. Er soll wie die Bar auch die Nachbarschaft des Hotels anziehen. Derzeit feilen die Hotelmacher an einem Unterhaltungskonzept für Gäste und die lokale Community, zum Beispiel Film- und Spieleabende, Kulturveranstaltungen und Partys.

Das Frühstück ist immer inklusive. Auch hier geht Max Brown in Berlin einen neuen Weg: Es wurde ein Vertrag mit Benedict geschlossen, einer israelischen Kette von Frühstück-Restaurants. Das Berliner Benedict, das erste außerhalb Israels, bietet ein überwältigendes Angebot an Frühstücksvariationen, von israelischem Shakshuka über veganes Müsli bis zum hausgemachten Cashew-Joghurt.

Solche Lösungen denkt sich die Mannschaft der inhabergeführten Europe Hotels Private Collection aus. Zu deren Portfolio gehören auch die SIR hotels mit Häusern in Amsterdam, Berlin, Hamburg und auf Ibiza sowie das Parkhotel in zwei Grachtenhäusern und der Concept Store X BANK in Amsterdam.

Dieser Bericht von mir ist in der Ausgabe 2/2017 von touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: Begegnungen

16 01 2017

Montag, 16. Januar 2017

Die Monate reichen nicht aus. Wenn ich nur ein Foto pro Monat nehme, sind es ja schon zwölf Bilder. Und ich habe noch lange nicht alle Menschen, die mich letztes Jahr beeindruckt haben, vorgestellt. Wie bitte? Wovon ich rede? Von meinem Jahresrückblick. Ich hasse Jahresrückblicke. Und mache doch jedes Jahr einen. Diesmal aber anders: Nicht Länder und Ereignisse spielen diesmal die Hauptrolle, sondern Menschen.

Appell an die Mitmenschen, die meinen, sie gehörten unbedingt in diese Aufstellung, sich aber nicht wiederfinden: Dieser Jahresrückblick erhebt nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit. Ich begegne so vielen Menschen, die ich nicht mehr vergesse und mit denen ich in Kontakt bleibe. An die ich denke. Die ich mag. Aber ich musste eine Auswahl treffen. Und: Manche Geschichten will ich auch nicht erzählen. Also:

Januar

1
Ich war wieder mal in Timmendorfer Strand. Von Silke Szymoniak, Marketingchefin der Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH, habe ich leider kein besseres Bild. Silke und ich kennen uns noch aus Sylter Zeiten. Ich arbeite gerne mit ihr zusammen. Eine nettere Auftraggeberin kann ich mir nicht wünschen. Silke, das war ein Kompliment.

Februar

2
Sabine Neumann und ich haben auf Malta recherchiert. Über die Insel hat uns Mariella Buhagiar Bose geführt. Was für eine Frau! Voller Wissen, lebendig, warmherzig. Schade, dass solche Reisen immer nur ein paar Tage dauern…

März
3
ITB 2016, meine 44. Pausenlose Begegnungen, Wiedersehen, Gespräche von Minutendauer. Auch sie habe ich wieder getroffen: Elena Kountoura, die [stellvertretende] Tourismusministerin Griechenlands. Fünf, zehn Minuten gibt sie mir, zu kurz, um uns wirklich zu begegnen. Obwohl sie einer Partei angehört, die nun wirklich nicht die meine ist, schätze ich sie sehr.

April

4
Ich treffe sie nur zweimal im Jahr, einmal in Dubai auf dem Arabian Travel Market, und einmal sozusagen im Laufschritt [„Wir sehen uns!“] auf der ITB. Und jedes Mal freue ich mich wie ein Schneekönig. Die Kollegin Kendra Mietke hat sich hier für den Besuch einer Moschee entsprechendes Gewand übergeworfen. Ist sie jetzt nicht noch schöner?

Mai

5
Kaum ein Reiseland hat mich in den letzten Jahren so begeistert und so Besitz von mir ergriffen wie Vietnam. Das lag an den Menschen! Das ist Lan Anh. Wir sind in Kontakt geblieben. Wenn wir uns schreiben nennt sie mich „Mein Großvater“. Am Anfang war ich deswegen pikiert. Jetzt bin ich stolz darauf.

Juni

6
Altan Tarakci, Türkei-Produktmanager von Öger Tours, bei der Programmvorstellung seines Unternehmens in Hamburg. Er ist von einer Gattung, die es heute kaum noch gibt: ein Bauch-Touristiker. Wer weiß, was ich meine, wird mir zustimmen. Wer den Begriff nicht kennt, wird ihn auch nicht verstehen, wenn ich versuche, ihn zu erklären…

Juli

7
Programmvorstellung von Studiosus in München: Das ist der Pressesprecher Dr. Frano Ilic. Ein sympathischer Mann. Und für mich der zweitbeste Pressesprecher der gesamten Reisebranche.

August
8
Das sind meine allerallerbesten Freunde, nur wissen sie’s nicht: Kerstin und Hans-Jürgen Klesse. Bei und mit ihnen habe ich in Düsseldorf meinen Geburtstag gefeiert, einen runden… Zwei tolle Menschen.

September

9
Einschulung meines jüngeren Enkels, Philip. Wie die Zeit vergeht…

Oktober

10
Besuch in Athen, wieder einmal. Ich könnte dazu fünf Fotos bringen und habe mich für dieses entschieden: Das ist mein geliebter Professor Dimitrios Pandermalis, Gründer und Präsident des Akropolis-Museums.

November

11
Noch einmal Öger Tours, noch einmal Programmvorstellung. Diesmal in Antalya. An der Spitze des Unternehmens steht eine Frau: Songül Rosati. Was für eine Mischung: schön, charmant, stark, taff und gleichzeitig – Songül, sieh mir diese Bemerkung nach – zart und verletzlich.

Dezember

12
Wow, was für ein Jahresausklang: Auf der Reise nach Orlando habe ich Alena Zielinski kennen gelernt. Sie wird es nicht mehr hören und lesen können, weil ich es ihr so oft gesagt habe: Ihr Lächeln kann Berge versetzen.

So, und wer sich jetzt falsch dar- oder gar bloß-gestellt findet, schreibe mir eine E-Mail. Text und Foto sind schnell ausgetauscht. Ich habe noch 36 weitere zur Hand.