Notizbuch: Darauf kann ich verzichten!

29 03 2020

Was mich bei der Corona-Krise nervt [6]

Sonntag, 29. März 2020

Ich warte und warte. In kleinen Schritten klettere ich auf der IBB-Warteliste weiter. Ich befinde mich in der freiwilligen Selbstisolation. In dieser Situation könnte ich auf die Warteschlange der IBB verzichten.

Ich kann in meiner Selbstisolation auch gerne verzichten auf

  • …Serdar Somuncu, wenn er in seiner – für mich ohnehin kaum erträglichen – „Blauen Stunde“ in Radioeins aus Goethes „Faust“ liest,
  • …Schreiben des Finanzamts mit einer dreistelligen Forderung,
  • …Stellungnahmen eines demokratiefeindlichen AfD-Abgeordneten, der unsere Kanzlerin hinter Gitter wünscht,
  • …auf einen Gesundheitsminister [rechts], der die Überzeugung vertritt, am leichtesten sei noch auf Kulturereignisse zu verzichten,
  • …Böse Gedanken, die ich habe, was ich den AfD-Abgeordneten an den Hals wünsche,
  • …Ideen des Ärztekammer-Präsidenten Klaus Reinhardt, der vorgeschlagen hat, die Senioren aus Sicherheitsgründen in Heime zu sperren,
  • …auf das Gejammer über die Umstellung von Winter- auf Sommerszeit, die ja sooo gesundheitsschädlich sei,
  • …auf das neueste Lied der „Ärzte“ zur aktuellen Situation – mit zusammengeschustertem Text und grauenhafter Musik,
  • …auf die „Lebenshilfen“, die sich in WhatsApp breitmachen – wie Gedichte, „lustige“ Bilder, Meinung von Hausärzten, Ausarbeitungen von Verschwörungstheoretikern und Fakes der Corona-Leugner,
  • …auf die stündlich per Facebook eintreffenden Aufforderungen, etwas zu posten – Fotos vom Meer, Kinderbilder undsoweiter…

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Notizbuch: Krieg wird es immer geben

27 03 2020

Wie die Corona-Krise meine Gedanken beeinflusst [6]

Donnerstag, 26. März 2020

Wenn ich von meiner Arbeit an den „Kriegsbriefen meines Vaters“ aufblicke und auf den Rasen vor meinem Wohnzimmer schaue, sehe ich – eine Absperrung. Der Sandkasten ist abgesperrt. Eine Vorsichtsmaßnahme in der Corona-Krise. Meine Gedanken beginnen zu kreisen…

Ich könnte den lieben langen Tag heulen. Nicht, weil ich mich in meiner – wegen meines Alters – selbst gewählten Isolation einsam fühle. Sondern weil ich die schrecklichen Bilder aus Italien vor mir habe, aus Spanien, jetzt auch aus New York. Die Bilder von den Lastwagen, die in Italien allnächtlich Särge abtransportieren, die Bilder von Spaniern, die auf den Krankenhausfluren sterben, die Bilder von den vor den Krankenhäusern in New York bereitstehenden Kühlwagen. Und, um noch einmal daran zu erinnern, die Bilder aus dem Flüchtlingscamp Mori auf Lesbos.

Bei allem Leid, das ich sehe, bei allen wirtschaftlichen Problemen kleiner und großer Firmen, von denen TV und Zeitungen berichten: Als Reisejournalist schaue ich noch genauer hin, wenn ich von Destinationen höre, die nicht mehr bereist werden dürfen, und von Firmen, denen das Ausbleiben der Urlauber die Luft zum Überleben nimmt. Das einst pulsierende Dubai [Foto: Burj Khalifa]: eine Geisterstadt. Die deutschen Ferieninseln: verwaist. Die Grenzen von Finnland bis Italien, von Russland bis zu Frankreich: geschlossen.

Nichts wird nach der Corona-Krise so sein, wie es einmal war. Das ist gut so, sagen viele Mitmenschen. Sie hoffen, dass die Entschleunigung, die Krisenmaßnahmen so mit sich bringen, auch danach anhält. Und dass auch die aufkeimende Solidarität zur Nach-Krisen-Alltäglichkeit heranreift. Ich bin da skeptisch. Gut, beim Spaziergang durch den Park hat fast jede[r] Entgegenkommende beim Ausweichen einen Spruch auf den Lippen oder zumindest ein Lächeln. Aber ob das bleibt?

Was bleiben wird, da bin ich sicher, sind die Fortschritte, die zur Zeit digital gemacht werden. Heute sichert uns die Digitalisierung das Überleben, im übertragenen und im tatsächlichen Sinn. Wir kommunizieren, wir bleiben in Verbindung, wir erledigen unsere Arbeit im Homeoffice. Portale, die Hilfestellung bieten, schießen wie Pilze aus dem Boden. Was sich die kulturelle Szene da so einfallen lässt, ist verblüffend. Da laden Museen zum digitalen Rundgang, da gibt ein Startenor auf Malta von seiner Wohnung aus ein Konzert. Die Beispiele ließen sich seitenlang fortsetzen.

Aber machen wir uns nichts vor: Die Digitalisierung sorgt auch für die Perfektionierung von Kriegswaffen. Die Bilder kennen wir schon seit Jahren: Da drückt im fernen Amerika ein Soldat auf einen Knopf, um in einem arabischen Land einen vermeintlichen oder echten Terroristen auszuschalten – Kollateralschäden in Form von sechs Kindern eingeschlossen. Kriege wird es leider immer geben, jetzt halt digital.

„Es gibt nie wieder Krieg!“ verriet mir mein Vater [Foto: beim Briefe schreiben], als er 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft kam. Ich glaubte ihm, denn er war ja Fachmann, Soldat. Ein Jahr später erblickte ich die sich über die ganze Titelseite der „Aachener Nachrichten“ erstreckende, in dicken Lettern gesetzte Titelzeile: „Krieg in Korea“.





Notizbuch: im Neuland

23 03 2020

Wie die Corona-Krise mein Leben verändert – und selbst das Leben der Kanzlerin [5]

Montag, 23. März 2020

Ich fühlte mich an Boris Becker – den ich von ganzem Herzen nicht mag – erinnert: Bin ich schon drin? Bin ich nicht drin? Doch, jetzt bist Du drin. Aber ich höre mich doppelt. Klar, Du bist ja auch zweimal drin. Lehrveranstaltung digital.

Eigentlich sollten die Studierten Weltenbummler der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) am 13. März präsentieren, was denn die Studierenden der einzelnen Gruppen mit ihren Dozenten als Ersatz-Lehrveranstaltungen nach Absage der ITB auf die Beine gestellt hatten. Aber: Hochschule dicht, umsteigen auf Digital-Unterricht. Das hat auch irgendwie geklappt, aber da wohl das halbe akademische Deutschland ins Programm Adobe Connect drängte, wurden immer wieder Studierende aus dem Programm rausgeworfen. Auch ich, da ich Gast im Programm der Fachleiterin Tourismus war.

Die folgende Grafik zeigt, wie’s bei solchen Digital-Meetings zugeht. Köstlich.

Auch bei der Notenbesprechung der Dozenten ein paar Tage später gab’s ähnliche Probleme. Aber auch diese ließen sich lösen. Die Erkenntnis setzt sich in mir fest, dass eine Pandemie in Zeiten vor der Digitalisierung eine noch größere Katastrophe gewesen wäre. Klar, in vermisse den Blick-Kontakt mit meinen Mit-Dozenten und besonders die Anwesenheit „meiner“ Studies in ihrer ganzen Buntheit. [Liebe Studierende – das war ein Kompliment!]

Also: Daumen hoch für die Digitalisierung. Noch mehr als sonst kommuniziere ich digital mit meinen Kindern, mit Freunden und Freundinnen.  Auf ein verabredetes Kaffeestündchen via Skype mit einer bestimmten Freundin freue ich mich besonders. Denn als all die Einschränkungen wegen der Corona-Krise spruchreif wurden, schoss es mir durch den Kopf: Jetzt kannst Du Dich mit ihr nicht mehr verabreden. Wann siehst Du sie wieder? Geht doch.

Ich bin davon überzeugt, dass sich das Rad nicht mehr zurückdrehen lässt. Mittlerweile hat der letzte technikfeindliche Unternehmer eingesehen, dass er ohne Digitalisierung – sprich Homeoffice – schon längst pleite wäre. Selbst die Kanzlerin hat das betreten, was sie vor kurzem noch „Neuland“ genannt hat. Und dass sogar eine Videokonferenz der EU-Regierungschefs Erfolge bringen kann, ist ein kleines Wunder.

Ich bin begeistert vom Ideenreichtum der Kulturschaffenden: Wohnzimmerkonzerte, virtuelle Museumsführungen, Lesungen im Internet statt vor Publikum. Vieles davon wird auch nach der Krise bleiben. Nach der Krise? Wie viele Posts werde ich bis dahin zum Thema Corona-Krise noch geschrieben haben?





Notizbuch: Klatsch & Klatschen

21 03 2020

Wie die Corona-Krise das Leben verändert [4]

Samstag, 21. März 2020

Ich mag sie nicht mehr sehen. Im Zehn-Minuten-Takt poppen sie auf meinem WhatsApp-Account auf: die Beiträge zum Thema Corona-Virus. Gedichte, Ratschläge, Erfahrungsberichte, Fotos, Videos und Zeichnungen. Optimistisch, pessimistisch, verschwörerisch, esoterisch…

Ich schreibe allen Absendern, „Freunden“ und Freunden, sie mögen das bitte unterlassen. Bei manchen bewirkt das gar nichts. Sie schreiben lustig weiter. Dazu kommt noch mein Facebook-Account mit dem Dauerthema Corona. Ich mache mit meinen Beiträgen ja auch mit… Aber ich hüte mich davor, meinen Mitmenschen Ratschläge zu erteilen. Bis auf einen: Bleibt doch bitte mal zuhause. Den entsprechenden Aufruf,  eine ganze Seite im heutigen „Tagesspiegel“, habe ich ins Fenster geklebt.

Mein Daueraufenthalt in meiner kleinen Wohnung ist freiwillig. Er wird auch durch meine Kinder ermöglicht, die untereinander einen Einkaufsdienst organisieren. Heute hat mich meine Tochter mit einem riesigen, liebevoll zusammengestellten Einkauf gerührt. Ein Blümchen war dabei [große Freude], und auch drei Rollen Toilettenpapier [hätte auch so noch gereicht].

Gerade habe ich das Schreiben unterbrochen: 19 Uhr. Ich bin raus auf den Balkon – und tatsächlich klatschten viele Bewohner der „Künstlersiedlung“ als Dank an Ärzte und vor allem an das Pflegepersonal für unermüdlichen Einsatz. Ich weiß, sie können sich dafür nichts kaufen – aber ein Hauch von Solidarität tut allen, den Klatschern und den Beklatschten, gut. Der Nebeneffekt: Vielleicht denken alle nach der Krise daran, die Lebensretter endlich mal anständig zu bezahlen.

Mit dem Alleinsein komme ich gut klar. Ich putze. Ich schreibe mails. Ich befasse mich endlich mal wieder mit den „Kriegsbriefen meines Vaters“ [später dazu mehr]. Und einmal am Tag mache ich meine stramme Runde. Wenn ich an den gesperrten Kinderspielplätzen vorbeikomme, mache ich mir Gedanken, wie es den Eltern mit kleineren Kindern ergeht. Und wir stehen erst am Anfang der Krise und ihrer Folgen.





Notizbuch:  Die Stunde der Scharlatane

19 03 2020

Wie die Corona-Krise unser aller Leben verändert [3]

Donnerstag, 19. März 2020

Alle fünf Minuten erreicht mich ein Post, in dem mir die Aussage eines Wichtigtuers weitergeleitet wird, es gebe diesen Virus nicht. Es ist die große Stunde der Scharlatane. Das ist unverantwortlich.

Besonders ein pensionierter Arzt – kein Wissenschaftler! – und mandatsloser Ex-Politiker tut sich da hervor. Sein Geltungsdrang ist zum Fremdschämen. In seiner Argumentation übertrifft er alle Klimaleugner. Er soll schon über eine Million likes haben – obwohl ihm Parteifreunde wie der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach und prominente Wissenschaftler vehement widersprechen. Aber „die Leute“ folgen ihm. Was da an Scharlatanerie so blüht, ist hanebüchen.  Ein Beispiel: Die Corona-Krise, so ein Hirngespinst, sei nur eine Sache der Einstellung. Wer mental die richtige Einstellung habe und nicht an das Virus glaube, werde auch nicht davon erfasst. Eben so gehört. Das – parton für die drastische Formulierung – kotzt mich an.

Damit ist auch das Rätsel gelöst, warum die Kanzlerin gestern diese Rede gehalten hat. Ich bin kein Merkel-Fan. Aber ich bin froh, dass wir diese Frau [noch] haben. Was ihr nach der Rede vorgeworfen wurde, ist ihre Stärke: Ruhe, Besonnenheit, Aussitzen [auch mal zuviel]. Nein, Kanzlerin Merkel war nicht aufgeregt, schon gar nicht hysterisch. Deshalb lief es mir bei dem, was sie sagte, kalt den Rücken runter.

Warum die Rede? Sie hatte zwei Gründe. Erstens wollte die Kanzlerin wollte mit ihrer Rede sagen: Spinnt Ihr? Die Lage ist tod-ernst. Hört nicht auf die Scharlatane. Wir stehen erst am Anfang. Wie viele Eurer Lieben Ihr verlieren werdet, liegt in Eurer Hand.

Zweitens will die Regierung, von der man halten kann, was man will, nicht italienische Zustände haben. Dort werden nach Aussage vieler Ärzte und führender Virologen Alte mit Vorerkrankungen und wenig Hoffnungen nicht behandelt. Weil die Kapazitäten fehlen. Darüber bin ich empört. Kein Wunder: Ich bin ALT.





Notizbuch: Der Arbeitsdruck ist fort…

18 03 2020

…und das Honorar auch. Wie die Corona-Krise auch mein Leben verändert [2]

Fenster habe ich noch nicht geputzt. Aber mich endlich mal wieder mit dem Projekt „Kriegsbriefe meines Vaters“ befasst. Angst habe ich nicht, noch nicht. Aber es ist ein merkwürdiges Gefühl, in Ruhe darüber zu entscheiden, was ich als nächstes tue. Der Arbeitsdruck ist fort. Mir ist bewusst, was das auf der anderen Seite bedeutet: Ich erhalte in den nächsten Wochen kein Honorar mehr.

Oder sollte ich schreiben: in den nächsten Monaten? Der Präsident des Robert-Koch-Instituts hat heute davon gesprochen, dass uns die Corona-Pandemie noch Monate in ihren Klauen halten wird. Das löst ja bei vielen Menschen irrationale Ängste aus. Ich war heute im Supermarkt nebenan – das ist mehr ein auf Supermarkt getrimmter Tante-Emma-Laden. Ich habe dort noch nie so viele alte Menschen – bin ja selbst einer! – auf einmal gesehen. Und es gab in der Tat kein Klopapier mehr.

Bei meinem strammen Spaziergang bei schönstem Frühlingswetter ist mir so einiges aufgefallen: Auffallend viele Väter waren wieder mit Babys oder Kleinkindern unterwegs. Irgendwo saßen vier Mädchen, vielleicht elf, zwölf Jahre alt, auf einer Decke ohne Mindestabstand zusammen und machten Picknick. Ein Paar unterhielt sich anregend, dabei saß jeder – brav Abstand haltend – auf einer eigenen Bank. Zwischen zwei Bäumen ist eine Hängemappe gespannt, und eine Mutti und ihr Püppi schlafen glückselig darin…

Apropos Bäume: Mein Freund, der Baum, ist noch nicht aus dem Winterschlaf erwacht. Er hat nicht mitbekommen, dass ringsherum der Frühling ausgebrochen ist. Übrigens finde ich jedes Jahr die Blumen am Straßenrand bewundernswert, die sich vom Autogestank und Straßendreck nicht unterkriegen lassen und ihre Pracht nach dem Motto zeigen: Jetzt erst recht! Vielleicht für uns alle ein Vorbild?

Verantwortung, das fordern Politiker jetzt von uns. Und da gibt es zweifelhafte Portale, die unverantwortliche Thesen wie die eines Dr. Wolfgang Wodarg verbreiten – mit der pseudojournalistischen Begründung: Man muss doch alle Meinungen hören. Das ist ein Totschlagargument. Der Doktor, dessen Selbstbewußtsein offensichtlich dadurch angeschlagen ist, dass er keine politischen Ämter mehr hat und niemand mehr auf ihn hört, leugnet die Corona-Gefahr. Unfassbar! Das ist ein Fall für Juristen.





Notizbuch: Horst allein zu Haus

17 03 2020

Wie die Corona-Krise auch mein Leben verändert [1]

Dienstag, 17. März 2020

Mein täglicher ToDo-Zettel hat sich in Zeiten der Corona-Krise verändert. Habe ich früher Erledigungen wie „nachfragen: wo bleiben Antworten des Tourismusministers“ notiert, schreibe ich heute „Fenster Küche putzen“ oder „Hans-Dieter schreiben“. Mein Leben hat sich wie das aller Mitmenschen ohne Zweifel in den letzten zwei Wochen geändert. Noch ist es in einer Art Ferienmodus.

Eine Stunde länger schlafen kann  ich nun. Kurz vor der ITB war ich nahezu am Rande meiner Kraft, jetzt darf ich aufatmen. Meine kleine Wohnung, bislang permanent vernachlässigt, bringe ich jetzt nach und nach auf Vordermann. Und soziale Kontakte, die ich notwendigerweise wegen des Arbeitsdrucks schleifen lassen musste, werden jetzt aufpoliert.

Das geht natürlich nur per email, WhatsApp oder Skype. Alle Termine und Verabredungen habe ich längst abgesagt. Schon abgemachte oder geplante Reisen habe ich direkt nach der ITB-Absage storniert. Jetzt sitze ich da, wo ich immer sitze, wenn ich nicht auf Reisen bin: im Homeoffice. Horst allein zu Haus.

Das könne ich noch wochenlang durchhalten, erzählte ich in den letzten Tagen Freunden und meinen Jungs. Ich habe ein gepflegtes, aktuelles Archiv und nicht zuletzt ein im wahrsten Sinne des Wortes weltumspannendes Netzwerk. Nur: Die Auftraggeber fallen nach und nach aus. Zeitschriften stellen erst mal ihre Printausgaben ein, Pressestellen von Reiseveranstaltern brauchen keine Content-Lieferungen mehr, neue Auftraggeber sind nicht in Sicht.

Immer wieder werde ich von Freunden und Verwandten daran erinnert, was mir selbst natürlich bewußt ist: das ich wegen meines Alters zur Risikogruppe gehöre. Soll/darf ich noch selbst in den Supermarkt? Meine Kinder haben mir angeboten, dies für mich zu erledigen. Aber ist das nötig?

Um für diese Fälle Geld parat zu haben und nicht meine EC-Karte weggeben zu müssen, wollte ich eben Geld abheben. Aber die benachbarte Post hat dicht gemacht. Zur Not gibt es ja noch die angekündigte Nachbarschaftshilfe. Aber: Muss ich wirklich ohne jedes Krankheitssymptom eigene Lebensmittel-Einkäufe streichen?

Nicht gestrichen habe ich heute das, was ich „strammen Marsch“ nenne – ein Spaziergang im forcierten Tempo durch den schon frühlingshaften Park am Erlenbusch. Viele Menschen waren unterwegs, auffallend viele Eltern mit kleinen Kindern. Spontan habe ich mit einer süßen, kleinen Dame, vielleicht eineinhalb Jahre, Fußball gespielt. „Ach Mäuschen“, dachte ich, „wenn Du wüsstest…“