Notizbuch – SCHULTERBLICK: Das Lächeln beim Verlassen des Schiffs

30 01 2023

Wie mein 17-jähriger Enkel unsere gemeinsame Mittelmeer-Kreuzfahrt auf der riesigen AIDAcosma empfunden hat

Was für ein Lob! Die Marketingleute von AIDA werden sich die Hände reiben: „…ich meine 6000 Leute, das muss man sich erstmal vorstellen. Und trotzdem haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen es geschafft, dass jeder das Schiff mit einem Lächeln im Gesicht wieder verlässt.“ Das sagt mein Enkel Henrik [17] über eine Kreuzfahrt auf dem Riesenschiff AIDAcosma. Er ist heute im maritimen Familienmagazin „Mein Meer“ erschienen. Henrik schreibt:

Dieses surreale Gefühl, wenn der Urlaub endlich da ist, das habe ich noch nie stärker erlebt  als vor dieser AIDA-Reise. Wenn man dieses Riesenschiff aus der Ferne schon aus dem Nichts ragen sieht und sich denkt: „Wow, was ein Klotz“. Auf der AIDAcosma war das natürlich sehr extrem, ich meine 6000 Leute, das muss man sich erstmal vorstellen. Und trotzdem haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen es geschafft, dass jeder das Schiff mit einem Lächeln im Gesicht wieder verlässt. 

Die Kombination vom Opa, dem kleinen Bruder und mir selbst (17) ist ja auch mal was Interessantes, besonders das Leben in der Kabine zu dritt war ein Abenteuer. Wenn zwei von drei Beteiligten schnarchen, ist das für die dritte Person schwer auszuhalten, da tat mir Philip schon manchmal leid. Doch lange geschlafen wurde ja eh nicht, der Wecker war jeden Morgen auf 8:30 gestellt, damit wir uns durch die Massen beim Frühstück  kämpfen  und  unseren Lieblingsplatz am Heck des Schiffes noch ergattern konnten.

Von der Reeling zu schauen, zuzusehen, wie das Schiff geschmeidig durch das Wasser gleitet, löst in mir immer ein beruhigendes Gefühl aus. Die Weite des Meeres zu sehen, ohne Land am Horizont, alles ist friedlich… Das hatte man natürlich nur an Seetagen, sonst lag das Schiff ja im Hafen. Doch zumindest die Kinder und Jugendlichen haben die Seetage den Landausflügen häufig vorgezogen und sich riesig gefreut, mit allen anderen wieder auf dem Schiff zu sein, neue Leute kennenzulernen und zu „chillen“, wie man so schön sagt. 

Wie mein Opa die Seetage fand, war eine andere Sache, das müsstet ihr ihn selber fragen. Doch für Teenager war es ein Paradies, ob es der Whirlpool ist, oder das Volleyball Turnier im Dunkeln, vielleicht ja auch die ein oder andere Urlaubsromanze,  wovon  es  laut  den  Betreuern  ja  so  einige  geben soll. Doch dadurch ist natürlich ein  wehmütiges  Gefühl  entstanden,  ich  spreche  natürlich  nur  für  mich  selbst: Ich musste mich entscheiden, jetzt etwas mit seinen neuen Freunden zu machen und das Leben eines Teenagers zu leben, oder etwas mit Opa zu machen, ohne den man ja nicht hier wäre. Doch als ich ihn beim täglichen Abendessen, welches wir immer zusammen hatten, von meinen Bedenken berichtet hatte, sagte er mir, dass es für Großeltern nichts Schöneres gibt, als die Enkel glücklich aufwachsen zu sehen, wie sie ihr Leben leben und neue Bekanntschaften machen. Das habe ich ihm dann ausnahmsweise mal geglaubt, und wir haben ein ziemlich guten Rhythmus zwischen Familienzeit und Zeit mit Freunden gefunden, wie ich finde. 

Das beschreibt die Reise meiner Meinung nach auch einigermaßen genau, Urlaub soll etwas Erholendes für jeden sein, es geht nicht darum, sich zu stressen und alles möglichst zu schaffen, sondern einfach mit dem Flow zu gehen und im Moment zu leben.

Henrik Völkl

 





Notizbuch – KIEK MA: Zeit für Gespräche

21 01 2023

Wir vom Redaktionsbüro Schwartz sind auf der ITB Berlin wieder mit eigenem Büro vertreten

Die diesjährige ITB ist meine 48. Unterbrochen ist diese Kette nur durch die ITB-Pausen in den Coronajahren, die virtuelle ITB nicht mitgezählt. Wieder hat das Redaktionsbüro Schwartz GbR in der Pressehalle, Halle 6.3, ein Büro: Büro Nr. 6.3/122.  Sabine Neumann und ich stehen bereit und nehmen Terminwünsche gerne entgegen. Hier die möglichen Gesprächsthemen:

Kennenlernen/Wiedersehen: Das ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe solcher Messen – dass man/frau sich endlich mal kennenlernt oder endlich, endlich mal wiederseht. Das erfordert keine großen Zeitfenster. Aber aus solchen Begegnungen erwachsen oft [berufs-]lebenslange Beziehungen. Also!

Aufträge: Wer eine Pressemappe benötigt, regelmäßige Zuarbeit zu Pressemeldungen und Pressedienste benötigt, sich einen Bericht über sein Angebot wünscht oder gar eine lebendige Reportage – der ist beim Redaktionsbüro Schwartz gut aufgehoben: Wir haben noch Kapazitäten.

Pressereisen: Einladungen zu Pressereisen im Detail zu besprechen – dieses Thema hat Tradition im ITB-Redaktionsbüro. Dabei macht es keinen Unterschied, ob wir die Idee zu einer individuellen Pressereise haben oder Veranstalter und/oder Destination zu individuellen oder Gruppen-Pressereisen einladen wollen.

Coaching: Vom Umgang mit der Presse, Schreibwerkstätten, Krisen-PR, effektive Pressereisen und nachhaltige Pressekonferenzen – das sind nur einige der Themen, zu denen wir Coaching anbieten. Die ITB ist ein guter Ort, um den individuellen Zuschnitt der Schulungen zu besprechen. Das gilt auch für die drei virtuellen Einzel-Crashkurse, die ich anbiete: die „Schreibwerkstatt“ und kürzere Kurse zu Pressereisen und Pressekonferenzen.

Porträt-Vorgespräche: für die Porträtreihe VON ANGESICHT ZU ANGESICHT im blog www.schwartzaufweiss.wordpress.com suche ich immer neue Gesprächspartner. Entweder habe ich im Vorfeld der ITB angefragt oder interviewbereite Gesprächspartner und -partnerinnen kommen auf mich zu. Mit diesen sind kurze Vorgespräche und Terminvereinbarungen angesagt.

Neun Jahre habe ich die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift „test“ mit einem Stand auf der ITB vertreten. Danach habe ich mehrere Jahre sozusagen im backoffice des Österreich-Standes einen täglichen [!] ITB-Pressedienst für die Österreich-Werbung geschrieben. Das erste eigene ITB-Büro war klitzeklein und wurde im Laufe der Jahre immer größer. Viele Jahre haben wir freie Mitarbeit für die ITB-Tage angeheuert und selbst an den „Tagesberichten“ der ITB-Pressestelle der Messe Berlin mitgewirkt. Jetzt, nach der großen Corona-Pause der ITB gehen wir es ruhiger an – Zeit für Gespräche.





Notizbuch – SCHULTERBLICK: Kunstwerke mit Schere, Papier und Farbe

14 01 2023

Jens Jacob Sabber war ein außergewöhnlicher Künstler auf der dänischen Insel Bornholm

Jens Jacob Sabber lebt es von 1938 bis 2005. Was hat er nicht alles gemacht, ehe er sich der Kunst des Scherenschnitt hingab. Nachtwächter war er schon und Lehrer in einem Kindergarten, aber auch Theatermaler am Königlichen Seminar in Kopenhagen. In den 1970-er Jahren kam er nach Bornholm und hat dort jahrelang gemacht, was viele Menschen für alles andere als Kunst halten: Scherenschnitte.

Wer sich der sogenannten Psaligraphie verschreibt, muss in unseren Breiten Autodidakt sein, denn die Kunst des Scherenschnitts wird an keiner Hochschule gelehrt. Sie gilt immer noch als Jahrmarktsgaudi.

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Wer jemals Sabbers  Werke kennengelernt hat, ist schnell vom Gegenteil überzeugt. „Die Schere“, so sagt der Meister, „fordert nicht zu naturalistischer Darstellung auf, sondern zu fantasievollen Mustern.“ Das waren bei ihm meist Dämonen und Trolle mit asiatischem Einschlag, obwohl Sabber nie in Asien gewesen ist. Unbewusst nahm er asiatische Motive auf, wenn er seine Figuren aus weißem Papier ausschnitt.

Und dann geschah etwas für Scherenschnitte Ungewöhnliches: Sabber bemalte sie mit Aquarellfarben, Gouache und Acrylfarben, denn er war auch noch Maler und Zeichner; in dieser Eigenschaft hat er an mancher Ausstellung teilgenommen.

Wer den Künstler bei der Arbeit beobachten wollte, musste sich mühsam sein – von einer überdimensionalen Schere gekrönten – Haus bei Kelseby auf Bornholm suchen, in dem er mit seinen zwei Kindern, 14 Katzen und drei Hunden lebte. Im Sommer hat der Scherenschnitt-Künstler in der Galerie Solberg in Rønne gearbeitet.

Am 26. Januar findet eine Veranstaltung zu Sabber und seinen Werken statt – s. das Ankündigungsplakat.

 

 





Notizbuch – BLITZLICHT: Blick auf die Ursachen

7 01 2023

Gangway-Team Neukölln:  Gründe für Gewalttätigkeit vor allem junger Männer sind vielfältig

Zum Thema „Gewalt in der Silvesternacht“ ist schon fast alles gesagt. Nur noch nicht von jedem. Politiker in Wahlkampf-Startlöchern kochen ihr Süppchen. Den Spruch „si tacuisses, philosophus mansisses“ haben sie nicht verinnerlicht, von mir frei übersetzt: „Hättest Du doch die Klappe gehalten, hätte niemand gemerkt, wie doof du bist…“ Die Presse mischt tüchtig mit. Da haben es besonnene Stimmen schwer, gehört zu werden.

Zu diesen Stimmen gehört das Gangway-Team Neukölln – also jenes Teams, das exakt mit den Jugendlichen arbeitet, die uns alle mit ihrer Gewalt so erschreckt haben:

Was in der Silvesternacht in Neukölln passiert ist, macht uns traurig und ist inakzeptabel. Die Angriffe auf die Feuerwehr und den Rettungsdienst sind schockierend. Es ist nun wichtig, mit den jungen Menschen, die wir kennen, über das Geschehene zu sprechen. Wenn Gewalt gegen Menschen stattfindet – zumal in einer Intensität, die potenziell lebensgefährlich ist – müssen Grenzen aufgezeigt und Konsequenzen gezogen werden.

Darüber hinaus ist der Blick auf die Ursachen notwendig, um zukünftig solche Gewaltausbrüche zu vermeiden. Ereignisse wie in der Silvesternacht sind aus unserer Erfahrung weder ein “Neukölln-spezifisches” Problem, noch liegen die Wurzeln in der Flucht- oder Migrationsbiografie der Menschen. Dieses Bild wird jedoch gerade (und nicht zum ersten Mal) durch Medienberichte und „Fachmeinungen“ gezeichnet: Die Ereignisse der Silvesternacht seien Ausdruck eines Integrationsproblems bestimmter ethnischer Gruppen, welche basierend auf ihrer kulturellen und ethnischen Herkunft “unsere” Werte ablehnen würden. Ablehnung von und Gewalt gegen Polizei und Feuerwehr – als Vertreter*innen des Staates – sei begründet in ihrer Herkunft und Identität.

Die Gründe, warum Menschen — und vor allem junge Männer — gewalttätig werden, sind vielfältig und kein Phänomen, das sich nur bei Menschen mit einer Migrationsbiographie wiederfindet. Gewalt gibt es in verschiedensten Bereichen: im Fußball, in Beziehungen, auf Demonstrationen, auf der Straße und in der Schule. Und es gibt strukturelle Gewalt in staatlichen Institutionen und durch Behörden. Gewalt ist, so platt sich das anhören mag, ein gesamtgesellschaftliches Problem und fordert daher Lösungsansätze, die mehr als eine bestimmte Gruppe innerhalb der Gesellschaft umfassen.

Jugendgewalt ist vor allem männlich

Betrachtet man Fälle von körperlicher Gewalt, fällt eine Gemeinsamkeit ins Auge: Es sind vorwiegend Männer und männliche Jugendliche, die diese ausüben. Wollen wir die Ergebnisse der Silvesternacht nachhaltig besprechen und Lösungsansätze finden, sollten wir das Thema Männlichkeit in den Vordergrund stellen. Warum sind es gerade männlich sozialisierte Menschen, die Gewalt ausüben? Das gesellschaftliche Bild eines Mannes ist bis heute durch Stärke, Durchsetzungsvermögen und (beruflichen) Erfolg geprägt, zum Beispiel in der Politik, im Sport oder auch in der Popkultur. In vielen Gewalthandlungen wird auch deutlich, wie wenig viele Männer mit Gefühlen wie Überforderung, Angst, Wut, Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und Ohnmacht umgehen können.

Komplexe Lebenswelten

Die jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, werden mit einem tradierten, aber gesellschaftlich weit verbreiteten Bild von Männlichkeit groß. Doch dieses Bild ist für sie sehr schwer oder gar unmöglich zu erreichen. Hierbei spielt das Thema Migrationsbiographie und Integration tatsächlich eine Rolle, jedoch in einer anderen Form. Neukölln gehört zu den finanziell schwächsten Bezirken Berlins. Die Chancen auf einen gesellschaftlichen Aufstieg sind gering, wenn man in Neukölln groß wird. Hinzu kommt: Junge Menschen mit einer Migrationsbiographie erleben permanent Zuschreibungen, die sich auf ihre vermeintliche Herkunft beziehen. In der Mehrheitsgesellschaft und in staatlichen Behörden begegnen ihnen regelmäßig rassistische Stigmatisierungen. Persönliche Diskriminierungen und strukturelle Benachteiligungen gehören zu ihrem Alltag. Die oft hohen Anforderungen der Eltern an sie sind widersprüchlich: Einerseits erwarten diese von ihren Kindern, dass sie die Chance nutzen, die sie ihnen durch ihre eigene Migration eröffnet haben und „erfolgreiche Deutsche“ werden. Andererseits sollen sie die kulturelle und nationale Identität der Eltern beibehalten und weitertragen.

Die Presse mischt tüchtig mit

Die Herausforderungen und Hindernisse, mit denen junge Männer in Neukölln (und anderswo) leben, sind also vielfältig. In dieser Situation versuchen sie, eine für sie funktionierende Identität zu entwickeln – und werden damit oft allein gelassen. Weder die Eltern noch die Mehrheitsgesellschaft schaffen es, die jungen Menschen in ihrer Komplexität wahrzunehmen und entsprechend differenziert zu unterstützen.

Dies führt zu Frustration, Wut, einem Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Die Unfähigkeit, mit diesen Gefühlen umzugehen, sie zu artikulieren und sie in ihr Verständnis von Männlichkeit zu integrieren, kann dazu führen, dass Gewalt für sie zu einem Weg wird, diesen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, um eine Art von Selbstwirksamkeit und Macht zu spüren.

Haltung als Chance

Die Analyse von Gewaltursachen ist wichtig, um die richtigen pädagogischen Maßnahmen zu finden und auch die vielen anderen jungen Menschen nicht aus dem Auge zu verlieren, die trotz ähnlicher Erfahrungen eben nicht mit Gewaltausbrüchen gegen Andere reagieren, aber psychisch und physisch nicht weniger belastet sind.

Deswegen beschäftigt sich ein Teil unserer alltäglichen Arbeit genau damit. Mit unserer kritisch akzeptierenden Haltung bieten wir den jungen Menschen einen Raum, Diskriminierungserfahrungen aufzuarbeiten, Selbstwirksamkeit zu erleben, positive Lebensperspektiven zu erarbeiten und gleichzeitig auch die Konsequenzen von delinquentem Verhalten zu begreifen. Gerade männliche Jugendlichen, die wir zum Teil jahrelang begleiten, finden in uns ein Gegenüber, mit dem sie über Gefühle wie Angst, Frustration oder Wut sprechen können. Gemeinsam arbeiten wir daran, Wege zu finden, wie sie damit umgehen können. Wir bewegen uns mit unserer Arbeit durchaus in einem Spannungsfeld, denn zur kritischen Akzeptanz gehört eben auch, ihnen sehr deutlich zu spiegeln, welches Verhalten absolut inakzeptabel und nicht tolerierbar ist. Erfolg und Nachhaltigkeit von Verhaltensänderungen hängen dabei letztlich immer davon ab, wie stark gegenseitiges Vertrauen gewachsen ist und wie belastbar die aufgebauten pädagogischen Beziehungen sind.

Was in der Silvesternacht geschehen ist, kann nicht rückgängig gemacht werden und zieht Konsequenzen nach sich. Die Frage ist, wie sich solche Ereignisse in Zukunft vermeiden lassen können. Wir wünschen uns dafür, dass das Zusammenspiel von gesellschaftlichen Männlichkeitsanforderungen, Diskriminierungserfahrungen und sozialer Benachteiligung im Vordergrund der Debatte steht. Wenn die Gesellschaft und die Pädagogik die jungen Männer in ihrer Komplexität wahr- und annimmt, lassen sich gemeinsam Wege und Lösungsansätze finden, wie diese mit ihren Emotionen umgehen, ohne gewalttätig zu werden, und so ein selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben führen können. Dazu allerdings braucht es einen langen Atem – nicht nur von uns.

Die Selbstdarstellung von Gangway e.V. [auf der Internet-Seite www.gangway.de]: Gangway – das ist Straßensozialarbeit mit jugendlichen und erwachsenen Menschen in Berlin. Rund 75 Sozialarbeiter*innen arbeiten in 23 Teams: 14 Teams machen klassische Straßensozialarbeit mit Jugendlichen, 2 Großteams arbeiten mit Erwachsenen im öffentlichen Raum und 7 Teams unterbreiten streetworkergänzende Angebote in den Bereichen [Aus]Bildung & Arbeit, Haft und [Jugend]Kultur. Wir gehen dahin, wo sich unsere Adressat*innen treffen: auf öffentliche Plätze und Straßen. Wir orientieren uns an den Interessen und Bedürfnissen, machen Vorschläge zur Realisierung und fungieren als Partner und Sprachrohr.

Unser Ziel ist es, die Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Wir finden Lösungen für die Probleme der Jugendlichen und Erwachsenen, helfen ihnen bei Behörden und Ämtern, bei der Arbeitssuche und vermitteln bei Konflikten in der Schule, mit den Eltern oder anderen Angehörigen. Gangway e.V. wurde 1990 gegründet, wird vom Senat und den Bezirksämtern gefördert und durch Spendengelder unterstützt.





Notizbuch – BLITZLICHT: Der Streit um die Elgin Marbles

5 01 2023

Werden die geraubten Parthenon-Kunstwerke von den Briten den Griechen nun zurückgegeben oder nicht?

Die Meldungen widersprechen sich. Werden die von den Briten geklauten Marmorteile des Parthenontempels den Griechen nun zurückgegeben oder nicht? In einer Woche meldeten die Medien: ja! Dann hieß es wieder: auf gar keinen Fall. Jetzt ist wieder von einer ständigen Leihgabe der Beute die Rede.

Durch meine Wortwahl bekunde ich schon, auf welcher Seite ich stehe: eindeutig auf der Seiten der Griechen.  Als ich 1963 oder 1964 zum ersten Mal in Londons Britischem Museum die sogenannten Elgin Marbels sah, war ich fasziniert: Was für eine Pracht, was für fantastische Marmorarbeiten.

Seitdem beschäftige ich mich immer wieder mit einem der größten Kunstraube der Geschichte. Der geschah so:

Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin, war von 1799 bis 1803 Uhr Großbritanniens Botschafter an der Hohen Pforte des Osmanischen Reiches in Istanbul. Damals war Griechenland noch osmanisches Territorium. Lord Elgin holte vom osmanischen Sultan Abdülhamid II. die Erlaubnis ein, die Gebäude auf der Athener Akropolis zu untersuchen. In der entsprechenden Verfügung stand der Satz, man solle Elgins Helfern nicht widersprechen, „wenn sie einige Steinblöcke mit Inschriften oder Figuren darauf mitnehmen wollen“. Aber gewiss hätten die Türken es dem cleveren Engländer nicht erlaubt, ab 1802 und über seine Zeit als Botschafter hinaus bis 1812 wertvolle Marmorskulpturen des Parthenontempels nach England zu verschiffen: Teile des herrlichen Parthenonfrieses, Teile des Ost- und des Westgiebels des Tempels und diverse Metopen. Das sind in dorischen Friesen Einzelbilder mit zwei oder drei Figuren zwischen zwei Triglyphen; so werden wiederum Schmuckplatten mit mehreren Rillen genannt. Außerdem ließ Lord Elgin eine der Karyatiden mitgehen, jener wundervollen Frauenfiguren des Erechtheion-Tempels.

Noch zu Lebzeiten des Earls ging ein Shitstorm über ihn nieder. Lord Byron nannte ihn einen Kulturbarbaren, Fürst Pückler-Muskau bezeichnete Lord Elgins Tat als „Schändung des Parthenons“. Der Lord verkaufte seine Beute ein paar Jahre später an das Britische Museum [kleines Bild unten], übrigens erzielte er nur die Hälfte dessen, was er selbst für den Transport ausgegeben hatte. Und noch ein übrigens: Vor etwa 15 Jahren wurden auf Skulpturen des Parthenon Spuren blauer Farbe entdeckt – Beweis für die schon lange aufgetretene These, das der vermeintlich strahlend weiße Marmortempel bunt bemalt war. Das gilt auch für andere Bauwerke und Skulpturen, die griechische Baumeister und Bildhauer  vor 2500 Jahren geschaffen haben.

Lord Elgin blieb Zeit seines Lebens bei seiner Argumentation, in Griechenland seien die Kunstwerke dem Untergang geweiht gewesen, wenn er sie nicht gerettet hätte. Die Diskussion über eine Rückgabe ist nie abgerissen. Als griechische Kultusministerin hat Melina Mercouri die Restitution lautstark gefördert und öffentlichkeitswirksam beim Anblick des Parthenonfrieses im Britischen Museum geweint; als Gelernte und berühmte Schauspielerin [„Sonntags nie“] war das für sie eine leichte Übung. Auch George Clooney sprach sich 2014 in einer Londoner Pressekonferenz anlässlich der Premiere seines Film Monuments Men [die Geschichte einer kleinen Abteilung der US-Armee, die zum Schutz von Kunstgütern während des Zweiten Weltkrieges eingesetzt war] für eine Rückgabe des Parthenonfrieses aus. Da verstieg sich der Wirrkopf Boris Johnson, damals viel belachter Bürgermeister Londons, zum Vorwurf, der berühmte Schauspieler und Regisseur verfolge „eine Agenda der Beutekunst wie einst Hitler“.

Ein vom British Museum immer wieder geäußertes Argument ist seit 2009 mit der Eröffnung des neuen Akropolis Museums in Athen vom Tisch: Athen habe gar keinen Platz, denkmalgerecht und geschützt die Elgin Marbels auszustellen. Voller Stolz und siegesgewiss hat mir der damalige Präsident des Museums, Dimitris Pantermalis, 2011 bei meinem ersten Besuch des Museums im dritten Stock den in voller Länge aufgebauten Parthenonfries [Foto oben] mit den freigehaltenen Lücken für die Elgin Marbles gezeigt. Später sind diese Lücken mit Gipsabgüssen der in London befindlichen Originale geschlossen worden.

Bei den Recherchen zu diesem blog-Post habe ich erfahren, dass Dimitris Pantermalis letzten Herbst gestorben ist. Ich hatte den weisen, feinsinnigen Archäologen, den ich mehrmals im Museum getroffen habe, in mein Herz geschlossen. Unvergessen ist, dass er mir mal erlaubt hat, eine der Karyatiden zu streicheln, die gerade im Museum unter einem Plastikzelt mit Laserstrahl gereinigt wurden. Ich bin traurig.

Der Professor hätte sich über die Nachricht gefreut, dass sich kürzlich in London zwei wichtige Männer über die Rückgabe der Elgin Marbels unterhalten und diese nicht mehr völlig ausgeschlossen haben: George Osborne, früherer Finanzminister Großbritannien und Vorsitzender des Britischen Museums, und der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Doch schon bald ruderte das Britische Museum zurück: Keineswegs werde die großartige Sammlung auseinandergerissen. Die Begründung: Sie erzähle eine einzigartige Geschichte „über das uns allen gemeinsame Menschsein“. Warum diese Geschichte nicht auch an ihrem Ursprungsort, in Athen, erzählt werden kann, ließen  die Briten offen. Neuester Stand: Gerüchte machen die Runde, nun würden die Briten doch das Kunstgut herausrücken und nach Athen verfracghten – als ständige Leihgabe…





Notizbuch – VON ANGESICHT ZU ANGESICHT: Der Mann mit dem Fahrradverstand 

2 01 2023

     Christian Tänzler, Pressesprecher von visitBerlin, ist seit fast 28 Jahren mein guter Freund

Womit fange ich nur an bei meinem Portrait über Christian Tänzler? Bei unserer Freundschaft, die bis zur Grabesrede reicht, die er einmal für mich halten wird? Bei den geknickten Herzen, die er eine Zeit lang rundum hinter sich hinterließ, weil er partout keine Kinder in die Welt setzen wollte? Oder damit, dass Christian ein Fahrrad-Freak, nein vielmehr: ein Fahrrad-Narr ist? Also gut, beim Fahrrad. Bei seinem Fahrradverstand. Der fällt den Leuten meist als erstes ein, wenn Christians Name fällt.

Ich witzle immer, Christian sammle Fahrräder wie andere Leute – ich zum Beispiel – alte Kameras. In seiner Wohnung hingen sie an den Wänden und von der Decke herunter… Nichts davon wird stimmen. Aber wahr ist folgende Geschichte, der Ausschnitt einer Erzählung über Christian aus meinem Reise-Erinnerungsbuch „…nur schade, dass sie hinkt!“ mit dem Titel „Alles was rund ist“. Der Untertitel: „Mit dem fahrrad-vernarrten Christian auf Kreta“. Der Text:

Wehmütig schaut Christian dem Mädchen nach. Aber es ist weniger die Maid, nach der ihm verlangt, als ihr Fahrrad. Viel lieber als mit dem Mietwagen würde mein Freund mit dem Fahrrad die Insel Kreta erkunden. Und das bei gefühlten 40 Grad. Christian hilft mir, meinen »Kreta«-Reiseführer von DuMont zu aktualisieren… Heute steht die Melidoni-Höhle auf dem Recherchenprogramm. In weiten Serpentinen führt eine durchaus steile Straße aus dem Tal hinauf zur Höhle. Und wen treffen wir dort? Die junge Dame mit dem Fahrrad. Sie komme aus der Schweiz, verrät sie uns. Fit ist sie offensichtlich, hübsch, schlagfertig und lustig. Wir kommen ins Gespräch.

Christian ist jungen Damen durchaus zugetan. Aber ich habe den Verdacht, dass er dabei eine Bedingung stellt: Die Dame muss (fast) so fahrradversessen sein wie er. Denn das ist er in der Tat. Ich habe noch nie einen Menschen kennengelernt – außer den 7-Tage-Profis natürlich -, der einen solch ausgeprägten Fahrrad-Tick hat wie Christian. Und es ist leicht, ihn auf dieses Thema zu bringen. Wenn irgendetwas rund ist, was ins Blickfeld gerät – ein Sonnenuntergang, ein Autorad, eine Kirchenkuppel –, ist Christian bei seinem Lieblingsthema.

Und jetzt die holde Schweizerin. Nein, Christian fragt nicht nach ihrem Namen oder nach ihrer Telefonnummer. Sondern er vergewissert sich, dass sie ein Rad der Marke »Trek« fährt. Und beide diskutieren darüber, wie herrlich es sei, mit dem Rad Kreta zu durchqueren (bei 40 Grad). Bald ist das Gespräch zu Ende. Und die sportliche Dame düst die Serpentinen hinab. Christian schaut ihr nach, wehmütig…

So gesehen ist das Kinderbild von Christian irreführend: Er müsste eigentlich auf einem Kinderfahrrad sitzen. Christian ist jetzt stellvertretender Bundesgeschäftsführer des ADFC, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs [Bundesverband] e.V., im Bundesverband zuständig für Tourismus und Dienstleistungen. „Was dieser Status bedeutet, war mir vorher nicht bewusst“, sagt er. Er hat jetzt Einfluss, er kann etwas bewegen. Aber Christian ist kein Machtmensch, darum ging es ihm nicht bei diesem hochkarätigen Ehrenamt: „Menschen und Inhalte interessieren mich“, versichert er. Konkret heißt das: Verkehrswende. Zwischenfrage: Wie gut gelingt sie in Berlin? „Die Voraussetzungen sind gut“, schätzt der Radexperte, „die operative Umsetzung ist aber schlecht“. Tröstend fügt er hinzu: „Wir schaffen es aber, dass Berlin noch Fahrradstadt wird.“

Wenn Christian Tänzler Urlaub macht, ist er aktiv. Und das heißt fast immer: Das Fahrrad muss mit, ganz gleich, ob‘s die Anden sind oder das Alpenvorland. Wenn ich mich recht erinnere, hat Christian sich sogar einmal den Wunsch erfüllt, bei 40 Grad im Schatten über Kreta zu radeln… Eine weitere Freizeit-Aktivität ist Kanu fahren, großes Interesse gilt auch der Architektur, der Kultur im weitesten Sinne und gutem Essen und Trinken. Durch seine Pressesprecher-Jobs [dazu später mehr] ist er zu einem regelrechten Gastro-Experten geworden.

Im kommenden Monat wird Christian 61 Jahre alt. Er ist immer noch ein sehr attraktiver Mann und hat sich etwas bewahrt, was ich an meinen Mit-Männern so schätze: das Jungenhafte. Der Mann ist agil, aktiv und gesund, aber er sagt, er spüre das Alter an nachlassender Kondition. Und gewisse Veränderungen gingen ihm einfach zu schnell. Andererseits genießt Christian seinen unglaublichen Erfahrungsschatz, sein großes Netzwerk [Zitat: „Touristiker sind eine Familie“] und die Gelassenheit, die ihn mehr und mehr prägt: „Ich finde Unaufgeregtheit gut.“ Ich glaube, jeder Mann und jede Frau kann ihn gut leiden, nur selten höre ich über ihn kritische Bemerkungen. „Es ist ein absolutes Privileg, so viel Wertschätzung zu erfahren“, sagt er.

Christian Tänzler hat in Hannover und Köln Wirtschaftsgeographie, Betriebswirtschaft und Landesplanung studiert. Mehrere Jahre lang arbeitete er im Produktmanagement von Reiseveranstaltern und kam schließlich im Herbst 1995 zum Deutschen Seminar für Tourismus [DSFT]. Da habe ich ihn kennengelernt: Er hat mehrere Jahre meine Seminare zum Thema Pressearbeit im Tourismus betreut. Ich habe ihn von Anfang an sehr gemocht, und wir hatten sofort guten Kontakt.

In diese Zeit fällt eine nette kleine Geschichte: Ich war mal zu einer bunten Runde in seine Wohnung eingeladen und sagte zu dem Mann, der neben mir saß: „Was ist Christian für ein netter Mann! Ich mag ihn sehr. Und du?“ Die Antwort: „Ja, ich auch, ich bin sein Bruder.“ Der Bruder heißt Andreas, ist ein paar Jahre älter, und beide hängen sehr aneinander.

Sieben Jahre lang war Christian dann Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der TMB Tourismus Marketing Brandenburg GmbH in Potsdam und später zusätzlich noch Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Potsdam Tourismus Service. In dieser Zeit haben wir viel miteinander gearbeitet, denn ich habe Pressemeldungen für den von Christian herausgegebenen TMB-Pressedienst geschrieben.

Vor genau 17 Jahren wechselte Christian Tänzler zur Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM), wo er zuerst für die überregionalen und internationalen Medienkontakte zuständig war und dann als Pressesprecher fungierte. Seine heutige Position lautet „Pressesprecher und Leiter Interne Kommunikation der Berlin Tourismus&Congress GmbH.“

Wenn ich sage, dass er zu meinen besten Freunden zählt oder gar der beste Freund ist, heißt das nicht, dass wir uns oft sehen, tagelang rumhängen und alles Mögliche oder Unmögliche unternehmen. Unsere Beziehung besteht in Treffen in sehr unregelmäßigen Abständen – und dann in langen, auch lustigen, auf jeden Fall von uns beiden hochgeschätzten Kneipengesprächen.

Christian ist ein glücklicher Mensch, nicht zuletzt, weil er seine große Liebe [wieder-]gefunden hat. Da gab es durchaus unruhige Zeiten, in denen sich seine verschiedenen Partnerinnen auch bei mir ausweinten. Es waren allesamt beeindruckende Frauen, die sich aus ein und demselben Grund von Christian trennten: Er wollte partout kein Kind mit ihnen haben. „Da gab es verschiedene Phasen und Gründe“, sagt er heute dazu. Die erste Grund war das Unglück in Tschernobyl. In der zweiten Phase wollte er, wie er es ausdrückt, „leben und mir die Welt ansehen“. Christian zur dritten Phase: „Da konnte ich mir nicht richtig vorstellen, mit der jeweiligen Frau Kinder in die Welt zu setzen.“ Die vierte Phase ist schnell erklärt: zu alt.

Noch etwas verbindet mich mit Christian: Vor fast zwei Jahrzehnten haben wir abgemacht, dass er einmal an meinem Grab die Rede halten wird. Es wird eine lustige Rede sein und gewiss auch eine liebevolle. Wenn sie nicht lustig ist, steige ich auf oder ab [je nachdem, wo ich mich befinde…] und lese dem Freund die Leviten.

 





Notizbuch – KIEK MA: Wie das Lied aller Lieder entstand

23 12 2022

Heiligabend 1818: Aus einer Notlage heraus entstand „Stille Nacht, heilige Nacht“

Kleinen Weißen Mausezähnchen verdanken wir das berühmteste aller Lieder: das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Und das kam so:

In Oberndorf an der Westgrenze des Salzburger Alpenvorlandes stand zu Beginn des vorvorigen Jahrhunderts eine Pfarrkirche, deren Orgel altersschwach und reparaturbedürftig war. Als kurz vor Heiligabend des Jahres 1818 Mäuse auch noch den Blasebalg anknabberten, gab sie ganz ihren Geist auf-

Deshalb schrieb Franz Xaver Gruber, Lehrer im benachbarten Ort Arnsdorf und nebenberuflich Organist in Oberndorf, das Lied, dass er gerade vertonte, nicht für Orgel sondern für Gitarrenbegleitung. Die Textvorlage zu seiner Komposition hatte ihm Joseph Mohr, damals Hilfspriester in Oberndorf, geliefert. Am Heiligen Abend 1818 erklang in Oberndorf zum ersten Mal das Lied, das noch heute Millionen Menschen in aller Welt die Tränen in die Augen treibt.

Rührung überkommt auch viele Besucher der Stille-Nacht-Gedächtniskapelle, die in den 30-er Jahren des vorigen Jahrhunderts mitten im Ort Oberndorf errichtet worden ist. Sie erinnert an die Schöpfer des Weihnachtsliedes, hat aber mit der historischen Stelle, der alten Pfarrkirche also, nichts zu tun. Denn der heutige Ort Oberndorf ist noch recht neu und in weiten Teilen erst in den Jahren 1900 bis 1906 angelegt worden. Der alte Ort lag ein Stück flussabwärts an einer Stelle, die jahrhundertelang so stark von Hochwasser heimgesucht wurde, dass man sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zum Abbruch entschloss.

 

Dem Abbruch fiel auch die alte, dem heiligen Nikolaus geweihte Pfarrkirche zum Opfer, an die heute nur noch die einfache Stille-Nacht-Gedächtniskapelle erinnert – und die von der alten Kirche übernommene Innenausstattung.

Oberndorf: Hier gibt es ansprechende Souvenirs – auch an die Schöpfer des Weihnachtsliedes





Notizbuch – UNTER DIE HAUT: Porträt eines Mitläufers

16 12 2022

Wie in zwölf Schritten das Buch mit den Kriegsbriefen meines Vaters an seine Frau, meine Mutter, entstanden ist

Dreizehn Reiseführer habe ich geschrieben, von denen keiner mehr auf dem Markt ist. Aber Reiseführer sind etwas anderes als die beiden Bücher, die ich in den beiden Lockdowns verfasst habe – das Buch mit den Kriegsbriefen meines Vaters an seine Frau [„Meine liebe Mutti“] und das Buch mit kurzen Geschichten aus meinem langen Reiseleben [„…nur schade, dass sie hinkt!“]. Reiseführer sind zwar kompliziert, gehen den Verfassern aber nicht unter die Haut. Vor allem das Buch mit den Kriegsbriefen ist mir dagegen nahe gegangen. Es hat – für Außenstehende unmerkbar – mein Leben verändert.

Und das kam so: Jahrelang habe ich die etwa 500 erhaltenen Briefe meines Vaters ungelesen in einem Karton von Umzug zu Umzug mitgeschleppt. Ich wusste: Sie sind da. Aber besonders interessiert haben sie mich nicht. Bis ich vor ein paar Jahren begann, mich in sie einzulesen. Die Hälfte der Briefe ist in wundervoller, klar lesbarer Handschrift verfasst, die keine Ahnung davon aufkommen lässt, unter welch grausamen Umständen sie geschrieben worden sind. Die andere Hälfte ist absolut fehlerfrei mit Schreibmaschine getippt. Wieso mein Vater Zeit und Gelegenheit fand, die Briefe zu schreiben, habe ich nicht eruieren können.

Natürlich habe ich intensiv nachgeforscht. Aus dem Bundesarchiv habe ich Unterlagen meines Vaters angefordert, die erst nach weit einem Jahr eintrafen. Das „Forum der Wehrmacht“ hat mir , militärische Begriffe und Zusammenhänge zu begreifen. Einige wenige Informationen waren in meinem Gehirn abgespeichert, das einwandfrei funktioniert, was zeitlich auch noch so weit entfernte Situationen betrifft. Nur zweimal hat mein Vater von Krieg und Gefangenschaft erzählt. Beim ersten mal war ich noch ein Kind. Beim zweiten Mal waren es lange, intensive Gesprächsabende, an denen ich meinem Vater Gesellschaft leistete, als meine Mutter in einem Sanatorium war.

Aber die Gretchenfrage habe ich, viel zu jung für solch ein Unterfangen, nie gestellt. Und ich kann sie auch heute nicht beantworten. Meine Einschätzung nach jahrelanger Arbeit, unentwegtem Studium der Briefe und vielen schlaflosen Nächten: Er war kein Judenhasser einer vermeintlich überlegenen „Herrenmensch“, aber er hielt „den Führer“ für einen begnadeten Strategen. Und nahm die Pflicht, als Soldat in den Krieg zu ziehen, bitterernst. Nach seinen Schilderungen verzichtete er beim Zusammenbruch des Reichs darauf, sich selbst in Sicherheit zu bringen, um als Offizier „seine Jungs“ nicht alleinzulassen. Das brachte ihm dreieinhalb Jahre russische Kriegsgefangenschaft ein.

Als ich mich mit den Briefen näher befasste, stieg Rauchgeruch aus dem Briefberg auf. Mein Vater war extrem starker Raucher [und ist auch an Lungenkrebs gestorben]. Um die gut erhaltenen Briefe auf kaum vergilbten Papier nicht zu beschädigen, habe ich immer mit Einmal-Handschuhen gearbeitet. Erster Schritt: Ich habe jeden Brief in eine Prospekthülle getan und durchnummeriert. Im zweiten Schritt habe ich jeden Brief sogfältig gelesen und gelesen und wieder gelesen. Keiner der Briefe ist monothematisch. Immer hat mein Vater mehrere Themen angeschnitten – seine Familie zuhause [eine Liebesgeschichte!], die Bombardierung seiner Heimatstadt Aachen, das Soldatensein, die Russen, Schlachterlebnisse, Läuse, Mücken und andere Qualen, „der Führer“ als Stratege…

So habe ich im dritten Schritt die Inhaltspunkte aller Briefe in ihren Hüllen mit Aufklebern markiert [Foto links]. Die entsprechenden Passagen – vierter Schritt – habe ich kopiert oder abgeschrieben und den von mir konzipierten Buchkapiteln [Schritt 5] zugeordnet. Da kamen viele Tausend Schnipsel mit Zitaten zusammen. Mit einer großen Tabelle [Foto unten] als Erinnerungsstütze [Schritt 6] habe ich dann Kapitel für Kapitel diktiert – das war der siebte Schritt. Ab und zu habe ich Kommentare, meist basierend auf weit zurückreichende Erinnerungen, eingeführt.

 

Der achte Schritt lief parallel: Mit geduldiger Hilfe meines Neffen Oliver Schwartz habe ich mich schlau gemacht. Wie finde ich einen Verlag? Wie funktioniert self publishing?  Schließlich bin ich beim Verlag tredition [tatsächlich mit ‚e‘, nicht mit ‚a‘] gelandet, den ich empfehlen kann. Zum achten Schritt gehörte auch, mit dem Verlag Kontakt aufzunehmen, mich anzumelden und mich beraten zu lassen. Das geschah immer schnell und unbürokratisch – und kostete keinen Cent. Der Verlag ist eine Mischung aus self publishing-Plattform und „echtem Verlag“: Der Autor/die Autorin liefert das Manuskript druckreif ab und mit der von tredition gelieferten Software schon gesetzt. Der Verlag übernimmt Vertrieb, Promotion usw. Umweltfreundlich ist das Prinzip „Print on demandt“: Es werden nur die Bücher gedrückt, die bestellt sind – entweder in den Buchhandlungen [die dieses Prinzip wegen der etwa eine Woche betragenden Lieferfrist gar nicht lieben], via Amazon oder direkt beim Verlag. Das Prinzip hat natürlich einen großen Nachteil: die Lieferfrist. Das hält viele Interessenten von der Bestellung ab, zumal solche Bücher nicht in Buchhandlungen haptisch vorliegen.

Kompliziert war Schritt 9: Die richtigen Schriften finden. Ich zitiere aus den Briefen meines Vaters, gebe aber immer wieder Kommentare dazu, oder genauer und komplizierter: dazwischen, mitten drin. Damit Leser Zitate und Erläuterungen & Kommentare auseinanderhalten, mussten zwei unterscheidbare aber gut zueinander passende Schriften gefunden werden. Auch hierbei half der Verlag, auch eine Bekannte steuerte Vorschläge bei.

Wie das Buch bebildert werden sollte, löste ich im Schritt 10. In der Kiste mit den Briefen hatte ich auch zahlreiche Fotos, Postkarten, Formulare gefunden. Die Auswahl war schnell getroffen. Aber ich besaß beispielsweise keine Fotos meiner bombardierten Heimatstadt, von der Landung der Alliierten in der Normandie und schon gar nicht von Hitler. Diese habe ich im Bundesarchiv ausgesucht, bestellt – und recht teuer bezahlt. Andererseits hat mir der zuständige Archivmitarbeiter schnell, unbürokratisch und kostenlos geholfen, als durch einen Computercrash alle diese Bilder im Orkus verschwunden waren.

Nebenbei: Beim Schreiben eines Buchs kurz vor Toresschluss einen solchen Computercrash zu erleben – das ist ein Albtraum. Gelinde ausgedrückt.

Was für ein Titelbild nehmen? Schritt 11. Ich entschied mich für ein Foto, das meinen Vater mit Stahlhelm zeigt. Zu martialisch, war das Urteil einer lieben Freundin, die aus meinem Bilderschatz ein wunderpassendes Foto auswählte, das meinen Vater beim Schreiben zeigt. Und sie sorgte über eine freundete Agentur dafür, dass die Grafik des Buchcovers perfekt geriet. Den Text für die Rückseite hat sie gemeinsam mit mir verfasst, das war eine der Sternstunden…

Schritt 12: Bei tredition können Autoren und Autorinnen einen Probedruck bestellen – print on demandt macht’s möglich. Obwohl mehrere Freunde – und ich selbst, aber Autoren sind fast immer schlechte Korrektoren eigener Werke – Korrektur gelesen hatten, fand meine Büropartnerin Sabine Neumann beim Schluss-Korrekturlesen in einem Rutsch noch zahlreiche Fehler.

Und dann war das Buch fertig. Im Vorwort des Buches habe ich geschrieben: Was ich nun gar nicht erwartet oder gar erhofft hatte: meinem Vater näher zu kommen und durch die Briefe einen direkteren Zugang zu ihm zu erhalten. Jetzt weiß ich: Ich habe einen ganz anderen Vater kennengelernt, als er bisher in meinem Bewusstsein und in meiner Erinnerung war. Gütiger ist er und liebevoller…

Das Buch ist im Verlag tredition® in drei identischen Fassungen erschienen: als repräsentatives Hardcover [18,90 Euro], als Taschenbuch [13,90 Euro] und als eBook [7,99 Euro]. Wer mag, kann es auch mit persönlicher Widmung bei mir bestellen: HorstSchwartz@outlook.de





Notizbuch – UNTERWEGS BEGEGNET: Das Archäologenpaar, das in die Ewigkeit geblickt hat

10 12 2022

Efi und Jannis Sakellarakis fanden auf Kreta den ersten Beweis für ein Menschenopfer der Minoer

An einem Sommernachmittag des Jahres 1979 unternahm Efi Sakellarakis mit Studenten einen Ausflug zum Hügel Anemospilia am Fuß des Bergs Jouchtas auf Kreta. Dabei machte die kleine Gruppe einen interessanten Oberflächenfund: ein Doppelhorn aus Kalkstein. Neugierig geworden entschloss sich das Paar trotz der heißen der Sommerperiode zu einer sofortigen Grabung.

Diese begann am 9. Juli 1979, schon nach 33 Tagen lag das Drama vor, das sich 37 Jahrhunderte zuvor ereignet hat. Auszug aus meinem Buch „…nur schade, dass sie hinkt!“ Die kretische Erde bebt wie so oft, Wohnhäuser stürzen ein, die  Palastanlagen von Knossos und Phaistos, Malia und Zakros nehmen ersten Schaden. Um das Unheil abzuwenden, kommen in einem Tempel am Fuß des heiligen Berges Jouchtas Priester zu einer Kulthandlung zusammen. Sie beschließen, nicht wie üblich das Blut eines Stieres sondern Menschenblut den Göttern zu opfern, um sie zu besänftigen. Ein junger Mann, wahrscheinlich 17 Jahre alt, ist zu diesem Opfer bereit und legt sich gefesselt auf den Opfertisch. Mit dem Messer, das normalerweise zu Tieropfern genutzt wird, trennt der Oberpriester die Halsschlagader des Opfers durch. Das Blut fängt er, wie es sonst bei den rituellen Stieropfern üblich ist, in einer Schale auf.

Doch die Götter lassen sich durch das Menschenopfer nicht besänftigen. Das Erdbeben zerstört fast alle Gebäude auf Kreta, und auch die großen Paläste fallen in sich zusammen. Der Tempel auf dem Hügel Anemospilia stürzt ebenfalls ein und begräbt unter sich nicht nur den geopferten Jüngling, sondern auch zwei Priester und eine Frau.

Da der Tempel im Gegensatz zu den vier Palästen nicht wiederaufgebaut wurde, ist uns die Opferszene detailgetreu überliefert. Sogar die 40 Zentimeter lange Klinge des Opfermessers war noch scharf – Sakellarakis‘ Blick auf die Ewigkeit. Nicht nur die Wissenschaft diskutiert diese Sensation, sondern auch die Presse berichtet weltweit über das erste bekanntgewordene Menschenopfer der Minoer. Selbst im „Neuen China“ erscheint ein Bericht. Den Ausgräber ärgert seine Berühmtheit: »Es ist nur das Blut, das die Leute anzieht.«

Ein Foto aus vergangenen Tagen: Prof. Jannis Sakellarakis im Gespräch mit mir

Das Buch, in dem die Langfassung dieses Berichts mit über 60 anderen Geschichten aus meinem langen Reiseleben nachzulesen ist, hat der Verlag tredition [mit e!] herausgegeben:

tredition SHOP

 





Notizbuch – VON ANGESICHT ZU ANGESICHT: Der Mann, der immer einen Parkplatz findet

5 12 2022

Ich habe kaum ein Foto von Sascha Peter Nitsche [SPN] gesehen, auf dem er nicht lacht

Seit einer gemeinsamen Kretareise besitze ich zahlreiche Fotos von Sascha Peter Nitsche. Auf fast jedem lacht er. Er lacht auch auf seinen eigenen Fotos. Dieses Lachen, das manchmal vielleicht aufgesetzt wirkt, ist echt. Es kommt von Innen heraus. Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, der mehr Optimismus versprüht als Sascha Peter Nitsche.

„Ich denke positiv“, sagt Sascha Peter Nitsche [Den Namen kürze ich jetzt ab: SPN]. Sein Motto: „Ich finde immer einen Parkplatz!“ Ohne diesen Optimismus hätte SPN es wohl nicht geschafft, in wenigen Jahren ein Imperium rund ums Reisen aufzubauen. Er ist heute einer der buntesten Vögel im Tourismus, bestens vernetzt und jedem beruflichen Kontakt gegenüber aufgeschlossen. Ich glaube, dass ein Großteil seines Verhandlungsgeschicks darin besteht, dass er Dir in die Augen schaut, wenn er mit Dir spricht. Sein immerwährendes Lächeln zeugt von der Suche nach Harmonie, aber SPN sagt: „Ich werde zunehmend kritischer.“

Sein Lächeln – das war wohl schon immer so. Er war ein Sonnrnschein, denn seine Mama versicherte ihm: „Nach Dir hätte ich zehn Kinder haben können…“

Ich mache es kurz, was das Firmengeflecht betrifft [das ich immer noch nicht ganz verstanden habe…] Da ist zuerst einmal die Flaggmarke: solamento reisen, gegründet 2005: Mobile Reiseverkäuferinnen und Reiseverkäufer verkaufen Reisen aus dem – ich sage es mal so: –  solamento-Portfolio und erfahren dabei größtmögliche Unterstützung. So gibt es u.a. die solaAcedemy für Reiseberater. 385 selbständige Reiseverkäuferinnen und Reiseverkäufer haben bislang bei solamento reisen angedockt.

2014 wurde die solaselect Travel GmbH gegründet, laut SPN „ein kleiner à la carte-Reiseveranstalter“. Ein eigenes Firmengebäude baute der findige Unternehmer 2017. Eine weitere Firma, die solasolution GmbH, wurde 2019 ins Leben gerufen. Ursprünglich als „Shop-Konzept stationärer Reisebüros“ [SPN] konzipiert, wurde das Unternehmen als Konsequenz aus der Coronakrise zum Service Center umgebaut. Der touristische Fulfillment-Anbieter, so habe ich es dem eigenen web-Auftritt entnommen, liefert „Dienstleistungen entlang der touristischen Wertschöpfungskette – von Back Office Services über ein Dialog Service Center bis hin zum Direktvertrieb“.

SPN sprüht nicht nur vor Humor, sondern auch vor Ideen. „Die kommen mir beim Rasieren“, sagt er. Und so kommt es, dass ihn seine Mitarbeiter beim Auftauchen neuer Ideen scherzhaft fragen: „Na, hast Du Dich wieder rasiert?“ Natürlich musste sich auch das kleine Imperium von SPN dem Überlebenskampf stellen, den die Corona-Pandemie 2020 ausgelöst hatte. In einem Punkt hat sie solamento entgegengearbeitet. „Die Zeit hat mir in die Hände gespielt“, sagt der Chef, „die hybriden Arbeitsplätze sind jetzt gelernter Alltag, das macht es zumindest einfacher.“ Interessant ist, dass die Selbständigkeit, früher der Hauptdiskussionspunkt, heute kein Thema mehr ist. SPN strahlt einmal mehr: „In diesem Jahr ist solasolution erfolgreich durchgestartet, parallel zu solamento, beide Unternehmen laufen mit Vollgas, sind profitabel und erfolgreich.“ Beide zusammen beschäftigen 56 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Auch Anja Nitsche, die Frau des Chef, arbeitet im Unternehmen mit, SPN sagt: „Sie hält mir den Rücken frei.“ Nächstes Jahr soll eine Holding GmbH gegründet werden, „unter die die drei aktiven GmbHs gehangen werden“ [SPN]. Der Name? Klar: SPN Holding.

Wo SPN da die 2012 ins Leben gerufene Figur Sash Voyage einordnen will, ist mir nicht ganz klar. In mittlerweile fünf aufwendig produzierten Musikvideos nehmen uns der Sänger Sash Voyage alias Sascha Peter Nitsche und sein Gesangspartner Massimo Andretti mit in beliebte touristische Destination. Text und Musik sind nicht ganz mein Geschmack, aber darauf kommt es nicht an: Vielen scheint das Liedgut zu gefallen, sodass jetzt der sechste Song in der Mache ist. SPN: „Ich verrate so viel: Es geht musikalisch in die Karibik.“

Dass dem Unternehmer der Erfolg in die Wiege gelegt worden ist, wie man so schön sagt, glaube ich nicht. Ein kurzer Blick in seine Biografie: Sascha Peter wurde am 23. Juli 1974 in Essen geboren und verbrachte als kleiner Knirps die Jahre 1978 bis 1980 in Libyen. Dort war sein Vater bei einer Baufirma angestellt. „Meine schönste Kindheitserinnerung verbinde ich mit dieser Zeit“, sagt SPN und erzählt: „Perfekte Familie, perfekte Harmonie, Abenteuer. Kennst Du noch die großen Ariel Waschmittel Boxen? Die waren oft rund, und der Plastikdeckel diente zur Simulation eines Lenkrades von meinem virtuellen Auto. So bin ich mit dem Lenkrad und meinem Phantasy Car oftmals am Strand entlang gefahren. Einfache Beschäftigung, die ich nachhaltig im Kopf habe… Es ging auch mit wenig, dazu ohne Abgase, ganz nachhaltig… (hihi).“

Es folgten Schulen, Abitur und Wehrdienst mit abschließender Auszeichnung „vorbildlicher Soldat“. SPN: „Wer hätte das gedacht…“ Die nächsten Stationen: Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann [1996 bis 1999], von 1999 bis Anfang 2003 Arbeit im Lufthansa City Center und Aufstieg vom Callcenter-Mitarbeiter zum Vertriebsleiter, 2001 Gründung einer Marketing-, Coaching- und Sales GbR „für die weitere Unterstützung der Vertriebspartner“ [SPN]. 2004 bis 2005 hat SPN „einem Mitbewerber aufs Pferd geholfen“, wie er es formuliert, „das war dumm, aber im Nachgang eine tolle Lernkurve: Nicht mit allen Menschen kann man per Handschlag Geschäfte machen.“

1999 hätte dem begeisterten Motorradfahrer beinahe ein schwerer Unfall einen Strich durch die Lebens-Rechnung gemacht.  „Mir hat einer die Vorfahrt genommen und nicht nur mein Motorrad war Schrott“, erzählt SPN, „Oberschenkel Trümmerbruch, Speichenbruch und Kahnbein rechts war gebrochen.“ Drei Wochen lag er im Krankenhaus.

2002 heiratete SPN seine,wie er betont, „wundervolle Frau“ Anja [46], die er schon während der Schulzeit kennen gelernt hat. Das Paar hat drei Töchter: Auf dem Bild  von links Nele [19 Jahre], Jette [17] und Ella [12]. Nele hat angefangen, Medizin zu studieren, und das macht sie wohl gut, wie ihr Vater voller Stolz erzählt. Als sie im Februar meine Schreibwerkstatt besuchte, hatte sie sich noch nicht auf ein Studium festgelegt.

All die Sola-Firmen, die CDs als Sash Voyage, die große Familie – SPN leidet nicht unter chronischer Langeweile. Für seine Hobbies bleibt nicht viel Zeit. SPN malt gerne, „nicht nur gegenständlich“ [eines seiner Werke im Foto rechts]. Als Motorradfahrer ist er zurzeit „inaktiv“. Und als Japan-Fan liebt er seinen japanischen Vorgarten.

Bleibt zum Schluss noch die Erklärung, warum SPN mich immer „mein Fisherman’s Friend“ nennt.  Es ist sieben Jahre her, dass Christos Tassakos [s. Foto unten], Sales Director der wunderbaren kretischen Hotelanlage Daios Cove, ein paar Journalistinnen und Journalisten und Geschäftsfreunde zu einer „Landrover Adventure“-Tour über die Insel eingeladen hatte. SPN und ich wurden einem der Autos zugeteilt. Ich war mehr Beifahrer als Fahrer und versorgte SPN ununterbrochen mit „Fisherman’s Friend“-Pastillen, die ich damals mit Begeisterung lutschte, als seien sie ein Aphrodisiakum. Und schon hatte ich meinen Spitznamen weg: „mein Fisherman’s Friend“.