Notizbuch: Die Schulz-Story

16 12 2017

Es gibt Interviews, die ich im Nachhinein als Sternstunde bezeichne. Das kommt nur selten vor. Und es soll ja eigentlich gar nicht vorkommen. Denn Journalisten sollten neutral recherchieren, Sympathie oder Antipathie dürfen keine Rolle spielen. Das ist Theorie – und eine Illusion. Das letzte Mal, dass ich also gegen die Regeln verstieß, war mein Interview mit Nizar Rockbani, einem der drei Gründer der Meininger Hostals. Jetzt plant das Trio eine neue Hotelgruppe. Der Name: Schulz.

Stinknormal und typisch deutsch: der Familienname Schulz. Eignet der sich für eine Hotelmarke? „Aber klar“, sagt Nizar Rokbani, einer der drei in der Branche schon legendären Gründer der europaweit erfolgreichen Meininger-Häuser, einem Hybridprodukt zwischen Hostel und Hotel. Diese Hotels wurden 1999 „mit viel Herzblut und wenig Budget“, wie Rokbani sagt, gegründet und konnten sich schnell zu einer europäischen Kette mit 18 Hotels in fünf Ländern entwickeln. Das Hybridprodukt hat „das Budget Nischensegment maßgeblich entwickelt und bestimmt“ [Rokbani]. Zum Zeitpunkt des Unternehmensverkaufs hatten die Gruppe einen Jahresumsatz von 50 Millionen  Euro mit insgesamt 8.500 Betten. Derzeit entwickelt sich  Meininger global mit dem Ziel, in den kommenden Jahren 50 Hotels zu eröffnen.

Nach dem Verkauf der Gruppe 2011/2012 durfte das Trio zwei Jahre lang kein Konkurrenzhotel eröffnen. „Aber es war uns schnell klar, dass wir wieder ins Hotelgeschäft gehen“, berichtet Rokbani, „wir sind gerne Gastgeber, aber wir wollen nichts Elitäres.“ So erfanden Rokbani, zuständig für das operative Geschäft, und seine Mitstreiter Sascha Gechter (Expansion und Finanzen) und Oskar Kann (Neuentwicklung, Bau und Instandsetzung), das Schulz Konzept. Das ist eine Tribid-Mischung aus den drei wachstumsstärksten Gastgeber-Bereichen Hostel, Boutique-Hotel und Ferien-Apartments. Rokbani: „Wir wollten ein deutsches Hotel, verbunden mit deutschen Werten, wie das Land sich bei der Fußball-Weltmeisterschaft gezeigt hat“: gastfreundlich, verbindlich, zuverlässig.

Das erste Schulz-Hotel entsteht zur Zeit an der East-Site-Gallery – „wo denn auch sonst“, sagt der Mitgründer, „das ist neue deutsche Geschichte“. Das Haus mit markanter 100-Meter Front soll Ende kommenden Jahres eröffnet werden. Die 345 Gästezimmer sind in vier Typen unterteilt, die meisten davon sind Vier-Bett-Zimmer. Das hängt mit dem vom Gastgeber-Trio erwarteten Gästemix zusammen:  je fünf Prozent Familien und Business-Gäste, zehn Prozent Backpacker, 30 Prozent Aktiv-Touristen und 50 Prozent Gruppen – „zum Beispiel Bildung, Studenten, Chöre…“ Charakter und Werte, so heißt es in einer Präsentation des Konzepts, „verbinden die Gäste von Schulz, nicht Budget, Herkunft, sozialer Hintergrund oder Reisemotiv“.

Es wird im ersten Schulz-Haus eine Bibliothek in Zusammenarbeit mit einer Buchhandlung geben, einen Aufenthaltsraum mit dem Namen „Regenwald“, einen Waschsalon und eine große Gemeinschaftsküche „wie früher bei Partys, wo sich alles in der Küche abspielte“, wie es sich der Hotelgründer vorstellt. Das Frühstück wird multiethnisch angerichtet, das Hochleistungs-Wi-Fi kostenlos angeboten.

Fünf Prozent des Gewinns werden in ein soziales Projekt fließen, in eine vom dreifachen Familienvater Rokbani mitgegründeten Freie Schule mit – das ist dem Hotelchef wichtig – gesellschaftlicher Durchmischung. Zudem darf jeder Mitarbeiter fünf Prozent seiner Arbeitszeit in soziale Dienste investieren. „Natürlich wollen wir Geld verdienen“, sagt Nizar Rokbani, „aber das ist zum sozialen Engagement kein Widerspruch.“ Und ebenso natürlich will die Gruppe expandieren, aber nicht so massiv wie einst die Meiniger-Gruppe. Derzeit sucht das Trio auf dem Hamburger Markt.

In einer kürzeren Fassung ist mein Bericht am 11. Dezember im Hotel-Special von touristik aktuell erschienen.

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Notizbuch: Lady in Pink

12 12 2017

Montag, 11. Dezember 2017

Für die einen war sie eine Augenweide, für die andere ein Dorn im Auge. Ihr Fingerspitzengefühl für PR-Aktionen fanden die einen amüsant, die anderen nervend. Und was ihre Markenfarbe Pink betraf, trugen die einen sie zum Beispiel bei Sommerfesten herzlich gerne – Schal in Pink, Kostümjacke in Pink, oder auch nur ein Kuli in Pink-, die anderen lehnten solche Be- oder Verkleidung ab, weil sie sich in eine gigantische Markenstrategie eingespannt fühlten. Nein, Jasmin Taylor konnte es nicht allen recht machen.

Fest steht: In der Reisebranche gibt’s jetzt einen Farbtupfer weniger. Jasmin Taylor und ihr Reiseveranstalter JT Touristik hatten etwas Glamour in die sonst so bemerkenswert glanzlose Reisebranche gemacht. Was gab es früher für rauschende Feste zu ITB-Tagen, Abendereignisse, die man besuchen „musste“. Die Lady in Pink hat versucht, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Auch wenn es vielleicht viele nervte, dass das Fest erst richtig anfing, wenn die B- und C-Prominenz abfotografiert war. Und ihre Sommerfeste,  ja selbst nur die Informationsabende für Reisebüros – mit denen sie es übrigens überdurchschnittlich gut konnte -, waren durchgestylt. Wasserbälle im Pool, Servietten, ja selbst die Kleiderbügel der Gästegarderobe trugen die Farbe Pink.

Jasmin Taylor; die Berliner Villa dient ihr als Wohnhaus und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Arbeitsplatz. Was wird daraus – aus dem Haus und aus den Arbeitsplätzen?

Was wird aus dem allen jetzt? Aus der Villa, in der Jasmin Taylor wohnt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten? Die Gründerin der Firma wird das Unternehmen jetzt verlassen. Wenn man dem Insolvenzverwalter glauben darf – ich habe da meine prinzipiellen Bedenken –, bleibt die Firma erhalten, wie sie ist. Und die Mitarbeiter behalten angeblich ihren Arbeitsplatz. Wenn man mich fragte, ob ich das glauben könne, würde ich mit einer Gegenfrage antworten: Glaubst Du an den Weihnachtsmann?

Nicht nur mir wird Jasmin Taylor als strahlender Mittelpunkt der [nicht nur] Berliner Reiseszene fehlen. Ich weiß nicht, ob ihre Legende – soweit ich sie kenne – stimmt: mit 17 aus dem Iran nach Deutschland geflohen, Abitur in Bonn und danach mehrere Jahre in den USA, Heirat mit einem Mister Taylor, Studium: Bachelor in Psychologie und Management sowie Master in Human Relations. 2002 Gründung eines Online-Reisebüros und 2009 Gründung des Reiseveranstalters JT Touristik. Der der 135 Ziele Schwerpunkt lag und liegt auf den Vereinigten Arabischen Emiraten.

In Dubai wurde Jasmin Taylor in einem Hotel mit diesem Kuchen, der ihr Konterfei trug, überrascht

Dort, in Dubai, war ich zweimal oder dreimal mit Jasmin Taylor. Es waren wundervolle Gespräche an den Abenden oder beim Tagesausflug in eines der Nachbar-Emirate. Ich habe eine warmherzige und kluge Frau kennengelernt, die einen köstlichen Humor besitzt. Wir sind nicht eng, aber immerhin so etwas wie befreundet.

Ich weiß, dass sie viel Gutes tut, ohne das daraus PR entsteht. Laut Wikipedia ist sie Initiatorin der Organisation SIS – Strong Independent Sisters. Das Projekt unterstützt geflüchtete Frauen aus Ländern wie Eritrea und Syrien u. a. durch kostenlose Sprachkurse und Coachings dabei, sich in Deutschland ein selbstständiges Leben aufzubauen.

Mensch, Jasmin, mach’s jut! Und: Hoffentlich bis bald…





Notizbuch: Eröffnung im Freien

8 12 2017

Freitag, 8. Dezember 2017

Sicherheit, Digitalisierung, Nachhaltigkeit – da sind einige der Themen auf der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Reiseverbandes [DRV] im Emirat Ras Al Khaimah. Es ist die 67. Zum Auftakt zog DRV-Präsident Norbert Fiebig eine positive Bilanz. Die Überraschung bei der Flugpauschalreise laut Fiebig: „Griechenland verzeichnet im Reisejahr 2016/2017, das gerade zuende gegangen ist, nochmal ein Plus von 30 Prozent.“ Damit ist Hellas die zweitstärkste Reisedestination auf dem deutschen Quellmarkt.

Ägypten, so freute sich der DRV-Präsident, „ist auf dem Weg zur alten Stärke“. Das Land verzeichnete – freilich auf geringerem Niveau – im gerade abgelaufenen Reisejahr ein Plus von 55 Prozent. Fiebig: „Das sehen wir sehr gerne!“ Die USA dagegen musste ein Minus von 17 Prozent hinnehmen. Die Türkei war zweistellig rückläufig. „Sie hat in den letzten zwei Jahren 50 Prozent verloren“, klagte der DRV-Präsident im Pressegespräch zum Auftakt der Jahrestagung. Aber der deutsche Markt brauche die Türkei nach wie vor: Trotz aller Verluste liegt die Türkei auf Platz drei der Hitliste der deutschen Pauschalurlauber – nach Spanien und eben Griechenland.
Ein kurzer Blick auf den Trend des bevorstehenden Winters: Die Kanaren legen weiter zu, und die Ägypten-Anbieter freuen sich auch im Winter über einen zweistelligen Zuwachs.

Die Pressekonferenz fand im Anschluss an die Eröffnung der Tagung statt, die – ein Novum – im Freien vollzogen wurde, dies buchstäblich im Schatten der Wohntürme des Waldorf Astoria.

Ruhe vor dem [An-]Sturm: DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger, DRV-Präsident Norbert Fiebig und Haitham Mattar, CEO der Ras Al Khaimah Development Authority [von links]

Prophezeite dem Emirat Ras Al Khaimah auf der Eröffnungsveranstaltung der DRV-Jahrestagung eine große touristische Zukunft: Stefanie Berk von Thomas Cook. Das freute natürlich Haitham Mattar.





Notizbuch: Ras Al Khaimah punktet

6 12 2017

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Wenn es derzeit so häufig heißt, Ras Al Khaimah sei „das neue Dubai“, ist das maßlos übertrieben. Gut, das viertgrößte Land der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) besitzt mit  Marjan Island auch eine vier Kilometer lange künstliche Insel und auch eine stattliche Zahl von Fünf-Sterne-Hotels und Resorts. Und im Dienstleistungs-Sektor arbeiten die wenigsten der 345.000 Einheimischen, sondern Arbeitnehmer aus aller Welt. Damit ist aber schon Schluss mit den vergleichbaren Gemeinsamkeiten. In Ras Al Khaimah gibt es weder heruntergekühlte Shopping Malls und gigantische Freizeitparks noch ein solches Gewimmel dicht an dicht stehender Wolkenkratzer wie in Dubai.

Auf 64 Kilometer addieren sich die Strände des Emirates – hier der Stand des Waldorf Astoria

Strände und Berge sind das touristische Kapital der aufstrebenden Destination. Die Strände mit feinem, weißem Sand erstrecken sich über insgesamt 64 Kilometer. So ist es nicht verwunderlich, dass außer den Stadthotels alle Häuser ein großzügig bemessenes Strandareal besitzen. Für Badevergnügen ist also gesorgt –  wenn die Gäste im Winter anreisen. Der Sommer ist in der Destination Nebensaison, von Mitte Mai bis Mitte September klettern die Temperaturen mühelos über 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten. Dann fahren die Hotels auch ihr Animationsangebot deutlich zurück.

Mit Hochdruck wird in den Bergen an einer Aussichtsplattform gebaut

Durchschnittlich zehn Grad kühler ist es in den Bergen. Die bizarre Bergwelt liegt nur einen Katzensprung von der Hauptstadt entfernt und ist ein Muss für jeden Urlauber. Die abenteuerlustigen unter ihnen haben Spaß an der Via Ferrata, dem „Eisenweg“, dessen drei Parcours verschiedener Schwierigkeitsgrade letztes Jahr unterhalb des Gebirgsgipfels Jebel Jais in eine Steilwand gehauen wurden. Jebel Jais ist mit 1.934 Metern der höchste Berg der VAE. Mit Hochdruck wird gerade an einer Aussichtsplattform gearbeitet, die einen traumhaften Blick auf die Bergwelt und ihren Gipfel gewährt.

Noch diesen Monat ist er für eine Sensation gut: An diesem Berg wird die längste Seilrutsche der Welt eröffnet. Über einem Karabinerhaken werden die Wagemutigen mit der Zipline verbunden und rasen dann mit einer Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern ins Tal. Die genaue Länge der Zipline wird erst am Eröffnungstag verraten. Sie muss über 2,2 Kilometer betragen, denn das ist die Länge des bisherigen Weltrekordhalters in Puerto Rico.

Ein ziemliches Sammelsurium ist das private Bin Majid-Museum

Zum Portfolio der Destination gehören auch Golf, Wassersport jeglicher Art, Wüsten-Ausflüge, Falken-Shows, Kamel- und Pferdereiten und  – nicht gerade sehr spektakuläre – Zeugnisse der 7000-jährigen Geschichte des Landes. Dazu zählen beispielsweise traditionelle Tänze dreier Stämme, das Nationalmuseum, die Mohammad Bin Salem Moschee ohne Minarette, eine der ältesten der Emirate, und das private Bin Majid-Museum mit hunderten, wenn nicht tausenden Sammlungsstücken aus mehreren Jahrhunderten.

Faszinierende Falken-Vorführungen gehören zu den gut gebuchten Ausflügen

Etwa 730.00 Gäste besuchten letztes Jahr das Emirat, davon gut 90.000 aus Deutschland, ein Plus von 24 Prozent. Die Ras Al Khaimah Tourism Development Authority hat ehrgeizige Pläne: Bis Ende 2018 soll die Besucherzahl die Eine-Million-Marke erreichen. Bis 2025 sind 2,9 Millionen Besucher eingeplant.

In leicht geänderter Form – aber mit anderen Fotos – ist mein Bericht am Montag dieser Woche in der DRV-Ausgabe von touristik aktuell erschienen

 

 

 

 

 

 

 





Notizbuch: die Wabe

3 12 2017

Sonntag, 3. Dezember 2017

Der Name ist irreführend. Die WABE – ich schreib‘ den Namen im folgenden Text klein – ist ein Oktogon. Eine Bienenwabe aber hat sechs Ecken. „Trotzdem ist der Name wohl darauf zurückzuführen“, vermutet Marc Lippuner, seit einem knappen Jahr Leiter der Wabe. Da hat man sich früher bei der Namensfindung einfach vertan. Das ist aber schon das einzige, das man kritisieren könnte.

Als gelernter Wessi war ich erst ein einziges mal zu einem Konzert in der Wabe. Das bedaure ich sehr, denn nun bin ich hellauf begeistert – vom Konzert, von der Idee, die hinter der Wabe steckt und von deren Umsetzung.

Sie wurde 1986 auf dem Gelände einer städtischen  Gasanstalt  erbaut und ist die größte kommunale Kultureinrichtung des Bezirks Prenzlauer Berg/Pankow. Sie gehört zum Kulturareal im Ernst-Thälmann-Park und liegt an der Kreuzung Danzigerund Greifswalder Straße, von meinem Wilmersdorfer Kiez aus also jotwede.

Es ist unglaublich, mit wie wenig Festangestellten in der Wabe das Programm gewuppt wird: Das sind zwei Mann für die Veranstaltungstechnik und Marc Lippuner als Leiter. In der Wabe finden Konzerte von Rock über Jazz oder Neue Musik bis hin zu Klassik statt, es werden Liederabende, Chorkonzerte, Lesungen mit Musik, Tanzveranstaltungen, Performances und Musiktheateraufführungen angeboten. „Unser Haus steht sowohl professionellen Musikerinnen und Musikern als auch Amateurinnen und Amateuren offen“, sagt Marc Lippuner, „so kooperieren wir regelmäßig mit den Pankower Musikschulen, und auch Newcomerbands bekommen bei uns Auftrittsmöglichkeiten.“

More Town Soul xMAS Special

Für die Programmplanung zeichnet Lippuner, der auch für die Geschäftsführung sowie das Marketing zuständig ist, allein verantwortlich. Lippuner: „Ich bekomme viele Anfragen, so dass ich hier auswählen muss, was zu uns ins Programm passt.“ Darüber hinaus spricht er auch gezielt Künstlerinnen und Künstler an, ob sie sich einen Auftritt in der Wabe vorstellen können. Der 39-jährige handelt aus Überzeugung: „. Ich bin der Meinung, dass eine kommunale Kultureinrichtung zu dieser Vielfalt auch verpflichtet ist, um so viele Zielgruppen wie möglich anzusprechen.“

An veranstaltungsfreien Tagen steht der Raum z.B. Tanzgruppen oder der Volkshochschule für Proben und Kurse zur Verfügung. Das setzt Flexibilität bei der Bestuhlung voraus. Unbestuhlt fasst der Saal bis zu 400 Personen. Bei Bestuhlung gibt’s zwischen 120 und 220 Sitzplätze. So kamen dieses Jahr schon über 25.000 Besucher, die  Kursteilnehmer nicht mitgerechnet. „Nicht jedes Konzert ist ausverkauft, auch wenn das natürlich wünschenswert ist“, sagt Lippuner, „wegen des vielfältigen Programms haben wir kein Stammpublikum und sind deshalb darauf angewiesen, dass die Künstlerinnen und Künstler ihr Publikum mitbringen.“ Seine Aufgabe sei es „natürlich auch, Zuschauer zu gewinnen, die eben jene Künstlerinnen und Künstler entdecken sollen.“

Klangbezirk

So ist es mir wiederfahren. Meine Facebook-Freundin Josephine – die ich als Studentin an ihrer Hochschule kennengelernt habe und die auch schon zur ITB Berlin in unserem Büro mitgeholfen hat -, lud mich zu einem Konzert ihres Acapella-Chores Soundshake ein. Die Veranstaltung hieß ChorKlangBezirk, mitgewirkt haben das Vokalquartett Klangbezirk, der Jazzchor Blue Wednesday und eben Soundshake.

Soundshake

Mit „Ich war begeistert“ ist der Abend erbärmlich beschrieben: Ich war hingerissen. Die CD von Soundshake, die ich mir an dem Abend gekauft hatte, höre ich rauf und runter. Und ich muss mir Abende freischlagen, damit ich ab und zu die Wabe besuchen kann – völlig unabhängig vom Programm. Ein größeres Kompliment kann ich dieser Kultureinrichtung nicht machen. Mein Entschluss für 2018 steht fest: Ich werde weniger arbeiten. Indianerehrenwort.

 

 

 





Notizbuch: Ögers First Lady

23 11 2017

Donnerstag, 23. November 2017

Ich kenne nur wenige Frauen, die es in der harten Welt der Touristik bis ganz oben geschafft haben. Eine davon ist Songül Göktas-Rosati, Chefin des Reiseveranstalters Öger Tours. Von Glamour-Gestalten wie – die von mir sehr geschätzte – Jasmin Taylor ist sie weit entfernt.  Sie stellt ihr Licht eher unter den Scheffel. Songül Göktas-Rosati, der ich schon mehrfach begegnet bin [auf Programmvorstellungen in Berlin, Hamburg, Antalya und jetzt Ägypten], ist freundlich, ja herzlich und charmant. Wenn sie mit einer Pressegruppe reist, fügt sie sich mehr als andere CEOs, die ich kenne, in die Gruppe ein. Aber sie lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die nötige Durchsetzungskraft für ihren Job hat.

Jetzt also Ägypten. Die Renaissance dieses Reiselandes schlägt auch auf die Buchungen des Reiseveranstalters Öger Tours durch: Ägypten war in diesem Geschäftsjahr das zweitbeliebteste Reiseziel. Das zur Wintersaison 2017/2018 verdoppelte Flugprogramm brachte ein Gästeplus von 60 Prozent. Für den Sommer 2018 wurde ein wiederum verdoppeltes Flugprogramm mit 158 wöchentlichen Abflügen aufgelegt. Öger bietet 35 Hotels an, davon alleine 24 in Hurghada. Auch die Nilkreuzfahrten nehmen wieder Fahrt auf: Vier Schiffe kreuzen im Auftrag von Öger.

Ägypten kommt wieder

Im „Orient“-Programm mit eigenen Katalog finden Urlauber neben Ägypten auch Marokko mit 13 Hotels, Tunesien mit drei neuen von insgesamt 32 Häusern und die Vereinigten Arabischen Emirate mit 37 Hotels, davon fünf neu ins Programm aufgenommenen.

Bulgarien, derzeit zweitwichtigste Destination des Veranstalters, ist mit besonders vielen Hotels im „Aqua“-Katalog (hausinterne Bezeichnung: Rutschenkatalog) vertreten. Der Anfang Dezember erscheinende Katalog enthält 50 Häuser, davon sechs neue. Um in das Angebot aufgenommen zu werden, muss ein Hotel mindestens fünf Wasserrutschen besitzen. Die wenigsten davon sind Kinderkram: Über 400 Rutschen für Erwachsene werden angeboten. Ganz viele davon hat Volker Bromund, Chef der Öger-Abteilung Publishing & Content, persönlich gertestet. Ich stelle den Öger-Rutschenkönig kommende Woche hier im blog vor.

Bei allem Kummer, den ihr der Programm-Schwerpunkt Türkei bereitet, ist Öger-Chefin Songül Göktas-Rosati glücklich über die letzten Entwicklungen: Die Zufriedenheitsrate der Türkei-Urlauber ist gestiegen, der Anteil der Familien macht 30 Prozent aus, die Buchungen der Wiederholer liegt bei 15 Prozent. Um das Türkei-Geschäft zur nächsten Saison tüchtig anzukurbeln, haben sich die Produktmanager – die das Türkei-Programm der gesamten Thomas Cook-Gruppe verantworten – einige Neuerungen einfallen lassen. Stammkunden werden sich über das Angebot „Mein Zimmer“ freuen, das zum Preis von 30 Euro in 38 Häusern gebucht werden kann und das Wunschzimmer verspricht. „Versuchsweise“, wie Göktas-Rosati erklärt, wurde zum Thema „Barrierefreies Reisen“ eine verkaufsfördernde Broschüre mit 20 türkischen Hotels für Reisebüros aufgelegt und „von diesen gut angenommen“. Neu ist auch die Möglichkeit, einen persönlichen deutschsprachigen Guide zu buchen, der beim gemeinsamen Ausflug nicht mit Tipps geizt. So führt ein Guide namens Süleman in Antalya nicht nur zu klassischen, sondern auch versteckten Sehenswürdigkeiten. Ein Renner dürften die 13 neuen Hotels für Individualisten werden, die unter dem Stichwort „klein & familiär“ jetzt zum Türkei-Programm gehören.

Antalya: bis 500 Flüge wöchentlich

Das umfasst 303 Hotels in sechs Reiseregionen, vier Rundreisen und neun Blaue Reisen. Neu sind Kinderfestpreise ab 99 Euro. Das Flugprogramm wurde um 20 Prozent aufgestockt. Ab 20 deutschen Flughäfen bietet Öger bis zu 500 wöchentliche Flüge nach Antalya. 110 mal pro Woche wird Izmir angesteuert. Sein Flugangebot nach Bodrum, Dalaman und Gazipasa nennt der Veranstalter „stabil“. Neu sind Vollcharter ab Berlin und Baden-Baden, und mehr Flugsitze werden kommendes Jahr ab Hannover, Köln, Stuttgart und München verkauft. Songül Göktas-Rosati: „Wer die Türkei kennt, kommt zurück.“

Der fachliche Text von mir über Ögers neues Programm ist in touristik aktuell in der Ausgabe 44/2017 vom 13. November erschienen.





Notizbuch: Wikinger in Bewegung

15 11 2017

Ja, ja, ich weiß: Journalisten müssen [möglichst] objektiv bleiben. Reisejournalisten fällt das nicht leicht. So leiste ich mir Lieblings-Destinationen und auch Lieblings-Touristiker. Das allerdings darf die Berichterstattung nicht verfälschen. Einer der Lieblings-Touristiker heißt Daniel Kraus. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von Wikinger Reisen

Daniel Kraus ist ein offener Mensch, uneitel, durchaus bodenständig. Ich würde ihn sogar bescheiden nennen. Denn Daniel Kraus steuert sein Unternehmen mit großem Erfolg durch schwierige, gar stürmische Zeiten. „Ohne Bewegung läuft bei uns nichts“, charakterisiert er  das Angebot seines Unternehmens. Das war in diesem Jahr mit seinen Wander- und Wanderstudienreisen, Trekking-Trips, Radurlaub und aktiven Fernreisen, wie gesagt, äußerst erfolgreich. Über 62.000 Gäste buchten diese Angebote, und mit einem Umsatz von 108 Millionen Euro wird die 100-Millionen-Grenze geknackt. Die Top 3 der gebuchten Reiseziele: Spanien, Italien und Deutschland. Griechenland zählt mit einem Plus von 26 Prozent zu den Gewinnern. Und die Türkei? „Die ist out“, sagt Daniel Kraus; zur kommenden Saison ist diesem Ziel keine einzige Katalogseite gewidmet.

Zum Renner entwickelten sich die Wanderstudienreisen, die unter dem Begriff „Natur & Kultur“ zur Saison 2017 zum ersten Male einen eigenen Katalog erhielten: Sie wuchsen um 18 Prozent. „Auch zur Saison 2018 mixen wieder 99 geführte Wanderstudienreisen Besichtigung und Bewegung“, betont Kraus, „das trifft den Zeitgeist.“  Neu sind zur Saison 2018 unter anderem eine Wanderstudienreise durch Nordgriechenland, eine weitere, die Estland, Russland und Finnland kombiniert sowie kanarisches Inselhopping mit den Stationen La Palma, Teneriffa und Gran Canaria.

Zur kleinsten Wüste der Welt [Foto: Wikinger]

Auch lockere Einsteigerangebote „für gelangweilte Badeurlauber“ (Kraus) unter dem Siegel „aktiv & entspannt“ liegen im Trend: Der Verkauf stieg um 20 Prozent. „Das ist das Richtige für Morgenmuffel“, macht der Wikinger-Chef seinen Kunden diese Angebotsvariante schmackhaft. Sechs Kataloge mit 153 Reisen hat Wikinger Reisen an die Reisebüros ausgeliefert. Neu im Katalog „Fernreisen aktiv“ ist die kleinste Wüste der Welt, Carcross Desert in Kanada. Im Fernreise-Angebot sind auch 25 Radreisen, zum Beispiel in Kolumbien und auf Madagaskar. In diesem Zusammenhang nennt Wikinger eine interessante Zahl: „30 Prozent der Radurlauber wählen für ihre Tour E-Bikes. Nordirland und das französische Baskenland sind neue Destinationen beim „Wanderurlaub individuell“, der 15 Prozent aller Buchungen ausmacht. Hier wählen die Wikinger-Kunden die Termine flexibel und können auf der Reise ihr eigenes Tempo bestimmen. Die Quartiere sind vorgebucht, der Gepäcktransfer ist garantiert.

Neues Angebot: Lernen im Vorbegehen [Foto: Wikinger]

Ein Katalogbeileger unterbreitet ein neues Angebot, das als kleine touristische Sensation gewertet werden darf: zehn Reisen für Singles und Alleinreisende, bei denen Paare – und auch enge Freunde – ausgeschlossen sind. „In den kleinen Wikinger-Reisegruppen sind traditionell viele allein reisende Naturfans unterwegs, jetzt erhalten sie eigene Touren“, freut sich Daniel Kraus. Ziele sind unter anderem Teneriffa, Mallorca, Rhodos und Thassos, aber auch Sylt und der Schwarzwald.

Und noch eine Neuerungen: „Lernen im Vorbeigehen“ nennt Wikinger eine ebenfalls neue Produktlinie: Wandersprachreisen. Dabei werden leichte Touren mit kurzen Spracheinheiten gemischt. Ziele sind Teneriffa, Mallorca und Ischia.