Notizbuch: Salon der Republik

16 02 2019

Samstag, 16. Februar 2019

„Salon der Republik“ – das klingt fast wie ein Kosename. So wurde die ostböhmische Stadt Hradec Kralove („Königsgrätz“) zwischen den beiden Weltkriegen genannt. Dies nicht wegen des reichen Erbes an Bauten aus Gotik, Renaissance und Barock. Sondern wegen der modernen Bauten und des urbanen Kulturlebens nach 1918, als die tschechoslowakische Republik gegründet worden war.

Hradec Kralove („Königsgrätz“)

Die Jubiläumsfeierlichkeiten vergangenes Jahr lenkten den Blick auf die moderne Architektur der Ersten Republik, die eine Reise über Prag hinaus nach Ostböhmen zu zahlreichen Bau-Attraktionen lohnt.

Ostböhmisches Museum

Das Ostböhmische Museum in Hradec Kralove, noch zu k.u.k.-Zeiten von 1909 bis 1913 vom Wegbereiter der Moderne, dem berühmten Architekten Jan Kotera entworfen, gilt als eines der bedeutendsten modernen Bauwerke im heutigen Tschechien.

Noch beeindruckender als die äußere Gestaltung ist die Innenausstattung mit kunstvollen Glasfenstern, Mosaiken und edlen Hölzern.

Die Liste der modernen Bauwerke, die Besucher in der Stadt am Zusammenfluss von Elbe und Adler gesehen haben sollten, ist ellenlang. Dazu zählen das Elbkraftwerk im verspielten und das Gebäude einer Bank im eher nüchternen Jugendstil, in dem heute die landesweit bedeutende Galerie der Moderne untergebracht ist, und ein Gebäude am Elbufer mit Philharmonie, Turnhalle, Restaurant und Bank in einem. Dieser Bau stammt wie so manches moderne Bauwerk vom Kotera-Schüler Gocar.

Kirche für die Priester Ambrosius-Gemeinde (oben), Gymnasium

Um nur zwei weitere seiner Schöpfungen zu nennen: die Kirche für die Priester Ambrosius-Gemeinde, die wie ein mächtiges Schiff wirkt, und das Schulareal mit Kindergarten, Grundschule und Gymnasium. Die zwei Flügel des Gymnasiums öffnen sich zur Treppe, die zum Haupteingang hochführt, wie ein aufgeklapptes Buch. Unvergesslich bleibt der weite Blick von der Dachterrasse des Gymnasiums über den Salon der Republik.

Drei Ausflüge von Hradec Kralove zu Architektur-Attraktionen der Ersten Republik sind zu empfehlen. Der erste führt 25 Kilometer nordwestlich nach Horice. Seit über drei Jahren laufen die Restaurierungsarbeiten am hölzernen Badetrakt des Freibades Dachova. Die weiß-gelbe Fassade mit roten Einfassungen des zur Hälfte wiederhergestellten Badgebäudes ist streng geordnet und verspielt zugleich.

Badetrakt des Freibades Dachova

Ausgesprochen heiter wirkt die größte architektonische Attraktion von Pardubice, etwa 25 Kilometer südlich von Hradec Kralove, obwohl sie einem ernsten Zweck dient:  das Krematorium des Architekten Pavel Janak. Das rotweiße Gebäude ist im sogenannten rondokubistischen Stil konzipiert, der in den Anfangsjahren der Tschechoslowakei zum Nationalstil avancierte.

Pardubice: Krematorium

Bis zur nächsten Attraktion sind es nur zehn Kilometer: dem Gocar-Pavillion im Kurort Bohdanec. Der Name ist irreführend, das 1913 erbaute – und 1925 um das zweite Stockwerk erweiterte – Kurmittelhaus ist größer als ein „Pavillon“, wirkt aber nicht monumental.

Gocar-Pavillion im Kurort Bohdanec

Es ist im kubistischen Stil gehalten – mit schrägen Stegen und Gesimsen, unterteilen Fenstern und schmalen Pfeilern. Das Gebäude scheint zu leben, gar zu tanzen. Tschechiens moderne Architektur ist für so manche Überraschung gut.

Dieser Bericht „aus meiner Feder“ ist – mit weniger Fotos – im Osteuropa-Special der Fachzeitschrift touristik aktuell am 4. Februar [Ausgabe 4/2019] erschienen.

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Notizbuch: ITB-Premiere – CityLoop

6 02 2019

Dienstag, 6. Februar 2019

Ganz im Zeichen der Geschäftsreise-Branche steht die Halle 7.1a auf der kommenden ITB Berlin [6. bis 10. März]. Neben dem Kongressformat „ITB Business Travel Forum“ lädt auch der Geschäftsreiseverband VDR wieder zur „Home of Business Travel“ – einem Gemeinschaftsstand wichtiger Serviceanbieter wie AirPlus, Booking.com, Lufthansa oder DERPART. Und mit CityLoop, einem ambitionierten Startup, das sich die ITB als Ort für seinen Premierenauftritt ausgesucht hat.

Auf der Webseite von CityLoop finden Besucher derzeit einen Countdown und ein großformatiges Bild mit einem blauen Tuch, das vermutlich ein Auto bedeckt. Mehr verrät das Unternehmen noch nicht, die Spannung soll bis zur ITB hochgehalten werden. Verantwortlicher Kommunikationschef des Unternehmens ist mein Neffe Oliver Schwartz – Grund genug, einen Versuch zu wagen, das geheimnisvolle Tuch ein wenig zu lüften. Das folgende Interview konnten wir vor kurzem in einem Berliner Café führen:

Das geheimnisvolle Tuch

Horst: CityLoop feiert Premiere auf der ITB. Kannst Du uns etwas mehr zum Unternehmen verraten?

Oliver: CityLoop wird für ein ganz neues Geschäftsreise-Erlebnis sorgen und viele bekannte Wünsche von Unternehmen und ihren reisenden Mitarbeitern und Managern erfüllen! Die ITB-Messe und die „Home of Business Travel“ ist für uns der perfekte Platz um das Unternehmen und unseren Service erstmals in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Bis dahin halten wir in der Tat bewusst die Spannung aufrecht. Ich kann jedoch versprechen, dass sich ein Termin in unserer Lounge auf der ITB und ein Besuch des Vortrags des CityLoop-Gründers Jörg Mayer lohnt.

Wer steht hinter CityLoop? Jungunternehmer oder altbekannte Player der Reiseindustrie?

Weder noch. CityLoop ist ein ambitioniertes Startup, aber Gründer und Management-Team haben sehr viel Business-Erfahrung und können auf zahlreiche erfolgreiche Exits verweisen. Und wir kennen als langjährige Frequent-Business-Traveller die Herausforderungen und Wünsche von Geschäftsreisenden sehr, sehr gut.

Jörg Mayer

CEO Jörg Mayer und ich arbeiten bereits seit fast 15 Jahren zusammen. In der IT-Industrie bei Unternehmen wie der WEB.DE AG oder der Netviewer AG. Aber auch im E-Commerce und Sporthandel bei der 21sportsgroup. Wir sind also Quereinsteiger in der Reiseindustrie – verfügen aber über ein tiefes Verständnis der Sicht unsrer potenziellen Kunden, über ein großes, gewachsenes Netzwerk und das Knowhow im Auf- und Ausbau innovativer Geschäftsideen.

Der Vortrag von Jörg Mayer auf dem Business Travel Forum behandelt auch die Chancen der Sharing-Konzepte für Unternehmen. Kann man den CityLoop-Service dazu zählen?

Ja. Mehr wird aber noch nicht verraten (lacht)! Wichtig ist aber, dass CityLoop keinen konfrontativen disruptiven Ansatz verfolgt wie UBER oder airbnb, die in den letzten Jahren zwar für neue Ideen aber auch für viel Ärger bei etablierten Anbietern und rechtliche Diskussionen gesorgt haben. Unser Service ist ebenfalls sehr innovativ und absolutes Neuland in Deutschland – aber wir werden etablierte Verkehrsmittel wie den Lufthansa-Flieger oder den ICE der Bahn perfekt ergänzen. Wir lösen Probleme und sind keine Bedrohung. Bedrohung sind wir nur für Ärgernisse wie Unzuverlässigkeit, schlechten Service oder hohe Preise.

CityLoop ist nicht nur Mitaussteller auf der „Home of Business Travel“, sondern auch neues Mitglied im VDR. Sind dessen Mitglieder die angestrebten Kunden von CityLoop?

Eindeutig. Für uns ist es wichtig, als außerordentliches Mitglied im VDR den konstruktiven und vertrauensvollen Dialog mit den großen Unternehmen, die über eine professionelle Geschäftsreise-Strategie und Travel-Policies verfügen, zu suchen. CityLoop ist aber auch interessant für Selbständige, Freiberufler und kleinere Unternehmen. Über eine komfortable Smartphone-App werden uns auch diese Zielgruppen nutzen können, die über keine eigenen Reisestellen und Buchungssysteme verfügen.

Wir haben umfassende Erfahrung in der konstruktiven Verbandsarbeit in anderen Branchen und begrüßen sehr, dass der VDR einen offenen und partnerschaftlichen Dialog zwischen den Lösungsanbietern und seinen Mitgliedern ermöglicht und fördert.

Noch einmal zurück zur ITB und den CityLoop-Premieren-Auftritt dort. Es gibt, wie man hören kann, ja noch eine Innovation – ein gläsernes TV-Studio in der Halle 7.1a

Ich baue seit vielen Jahren auf die visuelle Kommunikation und Bewegtbild. Das ITB-Team der Messe Berlin war spontan sehr aufgeschlossen gegenüber unserer Idee, mit Experteninterviews und Diskussionsrunden direkt aus der Halle 7.1a zu berichten und senden. Direkt gegenüber der „Home of Business Travel“ und in unmittelbarer Nähe zum ITB Business Travel Forum werden wir daher ein gläsernes Fernsehstudio aufbauen und die drei Fachbesuchertage lang aufzeichnen, berichten und senden.

Das Ganze heißt „Business Travel TV-Studio“ und soll Trends, Innovationen und Herausforderungen der Geschäftsreise-Branche eine neue, zeitgemäße Plattform und zusätzliche Reichweite verschaffen. Das Projekt wird mit TV-Profis rein journalistisch durchgeführt. CityLoop ist der Initiator, lässt der Redaktion aber alle Freiheiten für hochwertigen Content. Dies unterstreicht auch die Kooperation mit der Redaktion BizTravel und die offizielle Unterstützung durch den VDR. Alle Experten, Politiker, Aussteller und VDR-Mitglieder sind als Interviewpartner und Diskussionsteilnehmer willkommen!    

Die CityLoop Travel GmbH hat ihren Hauptsitz im baden-württembergischen Walldorf, direkt am Hauptsitz von SAP. Der Gründer und CEO Jörg Mayer hat zuletzt die 21sportsgroup zu einer der erfolgreichsten europäischen Sporthandels-Plattformen mit über 130 Millionen Euro Umsatz aufgebaut und jüngst an ein Investoren-Konsortium rund um „Höhle der Löwen“-Juror Georg Kofler verkauft. Zuvor war er Vorstand und Manager bei Internet- und Telekommunikations-Unternehmen wie Netviewer, 1&1, WEB.DE und Telefonica.

Mein Neffe Oliver Schwartz ist seit fast 25 Jahren kommunikations-verantwortlicher Manager für viele internationale und börsennotierte Unternehmen, aber auch für ambitionierte Startups. Dazu gehören U.S. Robotics, 3Com, Palm, ELSA, WEB.DE, 1&1 und Netviewer. Die letzten sieben Jahre war er Geschäftsleitungsmitglied des E-Commerce Spezialisten IntelliShop AG und Kommunikationschef der 21sportsgroup.

Wer, wie ich, neugierig auf die Premiere von CityLoop auf der ITB ist, findet Infos, Kontaktdaten und die Möglichkeit zur Terminverein-barung unter: www.cityloop.eu , www.business-travel-studio.com








Notizbuch: Zuflucht einer Kaiserin

2 02 2019

Samstag, 2. Februar 2019

Immer wenn irgendwo etwas über die Kaiserin Elisabeth von Österreich erzählt wird, müssen Bilder herhalten, die Sisi [oder Sissi] zeigen, die junge, mädchenhafte Kaiserin. Jeder ältere Deutsche kennt sie aus den drei kitschigen Sissi-Filmen. Doch kaum jemand denkt an die ältere, neurotische Kaiserin, die von ihrem eigenen Hof zutiefst verwundet und Zeit ihres Lebens von Depressionen geschüttelt worden ist. So ist es auch auf Korfu: Vor dem „Sissi-Schloss“ Achilleion  steht wieder die Statue der süßen Sissi und nicht der verhärmten 52-jährigen, die sie war, als sie das Schloss in Auftrag gab.

Auch auf dem Flyer, der zum Besuch des Museums wirbt, ist Elisabeth als junge Königin abgebildet – da war sie 17! Den Palast ließ sie sieben Kilometer südlich der Hauptstadt zwischen 1890 und 1892 im pompejischen Baustil errichten [der römisch ist und nicht griechisch]. Da Heinrich Schliemann durch seine Entdeckung Trojas [1873] in Europa das Interesse an der Antike wieder entfacht hatte, wurde auch Elisabeth davon angesteckt. Ihr Held war Achill [der mit der Ferse!], und so ließ sie  die gewaltige Marmorskulptur „Sterbender Achill“ im Schlosspark aufstellen. Den Sieg des Achilles über Hektor zeigt im Obergeschoss ein großes Fresko, das der Maler Franz Matsch 1892 geschaffen hat. Der Flyer nennt es „Ölgemälde“ und „grandios“ – das erste ist schlicht falsch, über das Adjektiv lässt sich streiten.

Überhaupt lässt sich über die Innenausstattung des Schlosses streiten. Staunend stehen die meisten Besucher im Treppenhaus, laut Flyer „ein einzigartiges Kunstwerk“. Ich finde es überladen und alles andere als geschmackvoll – da ist man vom Hof in Wien eine klarere Handschrift gewöhnt. Dass auch das Äußere des Gebäudes bei näherem Hinsehen aussieht, als habe ein Kind in einen „Klassik“-Baukasten gegriffen – unten dorische Säulen, oben ionische – mag noch auszuhalten sein. Dass die Säulen-Kapitelle auf der Terrasse, über den Köpfen der neun Musen, farbig angemalt sind, entspricht dem historischen Vorbild: Klassisch-griechische Tempel und Statuen waren alles andere als marmorweiß – nämlich durchaus „expressionistisch“ farbig bemalt.

Der Garten – mehr ein Wald – aber, der sich den Hügel hinunter zieht, auf dem das Schloss steht, ist traumhaft schön. Selbst an Tagen, an denen das Schloss vor lauter Besuchern zu bersten droht, finden Spaziergänger hier himmlische Ruhe.

Was im Schloss wirklich an die Kaiserin erinnert, ist spärlich. Ob sie in dem ausgestellten Bett wirklich geschlafen hat? Hat sie am Schreibtisch, der ihr zugeschrieben wird, wirklich gesessen? Vieles von dem, was sie zur Ausstattung des Achilleion von Wien nach Korfu schaffen bzw. in Neapel herstellen ließ, ist verlorengegangen – oder weniger vornehm ausgedrückt: verhökert worden.

Offensichtlich hatte Elisabeth die Absicht, ganz nach Korfu umzusiedeln. Intensiv lernte sie Griechisch. Obwohl er daran gewöhnt war, das seine Gattin nur selten am Hof anwesend war, dürfte Kaiser Franz Joseph von den Umzugsplänen Sissis nicht begeistert gewesen sein: Er musste schließlich alles von seinem Privatkonto bezahlen.  Wenn die – sich zum Teil wiedersprechenden – Quellen stimmen, hat Kaiser Franz Joseph nur einmal Korfu besucht, das Schloss aber nie gesehen. Angeblich hat die Kaiserin nach dem Bezug des Schlosses enttäuscht geäußert, Träume seien immer schöner, „wenn man sie nicht verwirklicht.“ Sechs Jahre nach dem Abschluss der Bauarbeiten, so habe ich in einer Internet-Quelle gelesen, „gab Elisabeth Korfu deshalb auf.“ So kann man es auch ausdrücken. In Wahrheit wurde Elisabeth sechs Jahre nach dem Bau  am 10. September 1898 am Ufer des Genfer Sees ermordet.

1907 verkaufte die Tochter Valerie – nach anderen Quellen die Tochter Giesela – das Achilleion an den deutschen Kaiser Wilhelm II. Der ließ vieles umgestalten und orderte auch die gigantische Bronzestatue des siegreichen Achilles. Nach dem Ersten Weltkrieg machte das Schloss eine wechselhafte Geschichte durch: Lazarett, Kommandozentrale im Zweiten Weltkrieg, Kasino, Drehort eines Bond-Filmes, Kindergarten, Tagungsort eines EU-Gipfels – und seit 1994 als Museum die größte Sehenswürdigkeit auf der Ferieninsel Korfu.





Notizbuch: blau, sandfarben, nordisch…

28 01 2019

Montag, 28. Januar 2019

Als vor knapp einem Jahr die Münchner Hirmer-Gruppe neun der elf Travel Charme Hotels & Resorts übernahm, blieben zwei Vier-Sterne-Häuser übrig: das Bernstein Prerow auf Fischland-Darß und das Kurhaus Sellin auf Rügen. Seit Anfang des Jahres firmieren beide Hotels unter Vela-Hotels.

Die neue Hotelmarke ist eine hundertprozentige Tochter der Primus Immobilien AG mit Sitz in Berlin. Das Bernstein Prerow und das Kurhaus Sellin gehörten schon seit Jahren der Primus AG, die einen bis Ende letzten Jahres befristeten Managementvertrag mit Travel Charme Hotels & Resort geschlossen hatte. Die beiden Hotels werden derzeit renoviert und umgebaut und sollen zu Saisonbeginn wieder Gäste aufnehmen. Dabei wird das Bernstein Prerow nicht mehr als Saisonhotel betrieben, sondern das ganze Jahr geöffnet sein.

Das Kurhaus Sellin [oben] und das Hotel Bernstein [unten] werden pünktlich zur neuen Saison nach gründlichem Umbau wieder eröffnet. Dabei wandelt sich das Bernstein vom Saisonhotel zum Ganzjahreshotel [Fotos: Vela].

Die Stammbelegschaft bleibt ebenso in den Häusern wie die beiden Direktoren Ines Theis (Prerow) und Nikolaus Kleiner (Sellin). Stefan Ader [rechts] , Geschäftsführer der Vela Hotels AG, ist in der Hotellerie kein Unbekannter: 20 Jahre hat der 55-jährige für die Accor Hotels gearbeitet, zuletzt als General-Manager des Mercure Hotels & Residenz Frankfurt Messe und als Areal General Manager der Region Hessen.

Sieben Hotels stehen auf seiner To-do-Liste. Neben den Hotels in Prerow und Sellin gehört dazu der Umbau des Hotels Loev in Binz, der im Herbst kommenden Jahres abgeschlossen sein soll.

So wird es nach dem Umbau aussehen: das Loev in Binz [Foto Eve Image]

Im September 2021 wird nach den bisherigen Plänen das Breeze Suitenhotel Gothequartier Ahlbeck fertig sein. Im zweiten Quartal dieses Jahres wird mit dem Bau des Grandhotel Harzburger Hof begonnen; das einzige Vela-Haus, das nicht an der Ostsee liegt, soll im November 2021 eröffnet werden. Mit dem Bau zweier weiterer Häuser wird ebenfalls noch in diesem Jahr begonnen, die im Juni bzw. September 2022 eröffnet werden: mit den Suiten Resort Boltenhagen und dem Suitenhotel Göhren auf Rügen.

Die Vela-Suiten können Gäste nicht nur buchen, sondern auch kaufen. Gäste, so argumentiert Ader, würden sich damit den Traum einer eigenen Hotelsuite oder Ferienwohnung direkt am Meer erfüllen: „Wer noch weiterdenkt, schafft sich hier eine gute Kapitalanlage in ausgezeichneter Lage.“

Alle Um-und Neubauten werden vom Vela-Style geprägt sein, laut Ader „authentisches und zeitloses Design, moderner und entspannter Lifestyle“. Das Design sei untrennbar mit der Ostsee verbunden, erklärt Viola Kaser, Marketingdirektorin der Vela-Hotels: „blau, sandfarben, nordisch, einfach“. Entsprechend seien Auftreten und Kleidung des Personals. Kaser: „Hier wird es im Service niemanden mit schwarzem Blazer und weißer Bluse geben.“

Mein Bericht ist – mit kleinen Änderungen und anderen Fotos – heute in touristik aktuell [Ausgabe 03/2019] erschienen.





Notizbuch: Licht und Worte

23 01 2019

Mittwoch, 23. Januar 2019

Der Mann gefällt mir. Pep Llambias, Pep ist die mallorquinische Kurzform von Josef. Da steht er vor uns, nicht besonders groß, aber präsent. Ein freundlicher, älterer Mann mit Drei-Tage- oder besser: Drei-Wochen-Bart. Ein Künstler ohne Heiligenschein. Ein Mann, der hin und her wuselt und frei und freundlich von seiner Kunst erzählt.

Pep Llambias ist in Alaró geboren, einer Kleinstadt auf dem Weg von Palma de Mallorca in die Berge. Von der Inselhauptstadt sind es dank eines guten Autobahnanschlusses nur 30 Minuten. „Der Ort ist sehr multikulturell“, sagt Ute Gritschke, auf Mallorca lebende deutsche Kunsthistorikerin, die uns im Auftrag von DER Touristik zu Mallorcas Künstlern führt. Alaró, so erzählt sie, habe „eine relativ lange Tradition als Künstlerdorf“. Der deutsche Maler und Bildhauer Alfred Lichter hat hier 30 Jahre gelebt und gearbeitet. Vor sieben Jahren ist er hier im Alter von 95 Jahren gestorben, am Tag seines Todes soll er noch gemalt haben.

Alaró ist Pep Llambias‘  Geburts- und Heimatstadt, hier steht sein Haus mit großzügigem Atelier. Was hat er nicht schon alles als Künstler gemacht. Er begann als Maler von Natur- und Landschaftsbildern. Später kamen Comics dazu, Fotografie, Schriften. International hat er sich einen Namen als Künstler gemacht, der mit Licht und Worten spielt – so faszinierend, dass wir uns in seiner Werkstatt daran kaum sattsehen können. „Meine Werke sind wie meine Kinder“, sagt er. Und sie sind nie vollendet. Wenn ein Wort-Licht-Gebilde von einer Ausstellung zurück in sein Atelier kommt, wird es weiter bearbeitet, verändert…

Pep Llambias ist auch ein begnadeter Zeichner. „Ich habe ganze Archive voll davon“, sagt er. Ernennt seine Zeichnungen „Werke des Nachdenkens“. Wenn  er mit Zeichnen beschäftigt ist, kann er im Kopf die weiteren Werke, die mit Worten und Licht, vollenden.

 

 





Notizbuch: Toteninsel

18 01 2019

Freitag, 18. Januar 2019

Fünfmal hat Alfred Böcklin, der große Maler des Symbolismus, dieses Motiv gemalt: eine kleine Insel, Gemäuer, Zypressen. Vier der Gemälde sind noch erhalten, denen der Kunsthändler Fritz Gurlitt den Titel „Die Toteninsel“ verpasst hat. Angeblich war das Inselchen Sveti Djordje in der Bucht von Kotor in Kroatien Böcklins Motiv.

Dafür spricht, dass die Insel des Heiligen Georg tatsächlich eine Toteninsel ist: Auf ihr liegt der Friedhof des kleinen Ortes Perast am gegenüberliegenden Ufer. Dagegen aber spricht die Ruine des Benediktinerklosters auf dem Inselchen aus dem 12. Jahrhundert: Es nimmt zwar die gesamte Inselfläche ein, aber die Gebäude sind wesentlich niedriger als das gewaltige Gemäuer, das Böcklin auf seinen Gemälden auftürmt.

Perast ist ein heute heruntergekommener Ort, der nur aus der Ferne romantisch wirkt. Als Stadt der Schiffbauer und Seefahrer erlangte Perast im 17. und 18. Jahrhundert Ruhm. Die hundert Segler starke Flotte kreuzte im ganzen Mittelmeerraum und sogar in der Ostsee.   Zar Peter der Große ließ seine Kadetten in der nautischen Schule in Perast ausbilden, die 1698 von Kapitän Marko Martinovic gegründet wurde. Marija Zmajevic, ein anderer Kapitän aus Perast, baute die Ostseeflotte des Zaren auf und verhalf ihm 1714 als Admiral der baltischen Flotte in der Seeschlacht von Hangö (Hanko, die südlichste Stadt Finnlands) zu einem Sieg über die Schweden.

Der Zar schenkte ihm als Erinnerung die Kriegsflagge, die heute im Marinemuseum zu sehen ist, dem früheren Gebäude der nautischen Schule. Dieses wurde beim Erdbeben von 1979 ebenso schwer beschädigt, wie der direkt am Meer liegende Palast der Familie Bujovic, ein dreistöckiger Barockbau aus dem Jahr 1694.

Vom Reichtum der Peraster Schiffsbauer, Reeder und Kapitäne zeugen auch zahlreiche andere Palais und Paläste, darunter der später als Bischöfliches Palais dienende Palast der Familie Zmajevic mit einem besonders prächtigen barocken Eingang.

77777Schon vor dem Erdbeben, dem zahlreiche Barock- und Renaissancebauten ganz oder teilweise zum Opfer fielen, war die komplett unter Denkmalschutz gestellte Stadt Perast die Geisterstadt, als die sie sich heute – 40 Jahre später – präsentiert. Viele der Wohnhäuser stehen leer. Starke Schäden trug auch das Gassen- und Treppengewirr des an den Hang gebauten Ortes davon. So manche Treppenstufe wird seitdem durch Eisenhaken zusammengehalten.

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Direkt vor Perast liegt eine zweite Insel, Gospa od Skrpjela (auf Deutsch St. Marien auf dem Felsen genannt), ein begehrter Wallfahrtsort. Sie ist durch Aufschüttung von Steinen auf einem Riff künstlich entstanden. Andere Quellen erzählen, dass sie (auch?) durch untergegangene Schiffe, die mit Steinen beladen waren, geschaffen wurde. Wenn die Bewohner der Ortschaften rund um die Bucht von Kotor noch heute am 22. Juli mit ihren Booten zur Insel pilgern und dort Steine ins Wasser werfen, gedenken sie einer Legende. In der Nacht zum 22. Juli 1452 fanden zwei Fischer auf dem Riff ein Marienbild. Es erhielt seinen Ehrenplatz in der Pfarrkirche von Perast, verschwand aber dreimal vom Hauptaltar und kehrte jedes Mal auf geheimnisvolle Weise zum Riff zurück.

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Deshalb wurde die Insel aufgeschüttet und auf ihr eine Kapelle errichtet. An ihrer Stelle entstand 1630 eine Kirche zu Ehre der Muttergottes. Diese wurde 1722 zu einem großen, kuppelgekrönten Barockbau erweitert. Der Hauptaltar trägt seitdem das berühmte Madonnenbild „Gospa od Skrjela“, das zur Gründung der Insel geführt haben soll. In Wahrheit ist es aber eine von Lovro Dobriceric aus Kotor 1452 geschaffene Ikone. Der heimische Barockmaler Tripo Kokolja hat die Wallfahrtskirche mit 68 opulenten Bildern ausgestattet, darunter die zehn Meter lange Komposition „Tod der Gottesmutter“. Wertvollster Schatz der Kirche sind 2000 silberne Votivtafeln aus dem 17. bis 19. Jahrhundert mit meist drastischen Schifffahrtsszenen – allesamt Schenkungen von aus Seenot erretteten Seefahrern.





Notizbuch: Nonnen hinter Gittern

14 01 2019

Montag, 14. Januar 2019

Sie ist es gewöhnt, übersehen zu werden. Schon seit Jahrhunderten. Denn sie versteckt sich unscheinbar und bescheiden im Gassengewirr der Altstadt von Palma, Mallorcas Hauptstadt. Dabei ist die Klosteranlage Santa Clara es wirklich wert, gesucht und besucht zu werden.

Die Anlage an der Carrer Santa Clara ist noch nicht einmal so klein, aber wenn das Eingangstor verschlossen ist, kann sie leicht übersehen werden. Das Kloster ist ein wie aus dem Baukasten zusammengesetzter gotischer Bau, die schlichten, klaren Formen – nur der Turm wirkt ein wenig zierlicher – haben nichts gemein mit der Pracht hochgotischer Kirchenbauten.

Santa Clara ist das älteste Kloster der Insel, 1256 gegründet und seitdem immer bewohnt. Heute lebt noch gut ein Dutzend Nonnen in dem Kloster – Klarissinnen, die in strenger Klausur und in Armut leben und ein Schweigegelübde abgelegt haben. Im Normalfall bekommt sie niemand zu Gesicht. In der Klosterkirche sitzen sie auf einer Empore hinter Gittern.

Aber berühmt sind die Nonnen des Klosters. Wegen ihrer Kekse. Aber auch bei deren Verkauf zeigen sie sich nicht. Die Kekse werden in einem Seitengebäude verkauft. Auch hier sind die Nonnen hinter Gittern. Wenn man in dem kleinen Raum im Inneren des Gebäudes klingelt, öffnet sich ein Drehgestell. Man sagt seinen Wunsch, bekommt die Summe gesagt und legt das Geld in das Karussell. Wenn es wieder erscheint, liegen darin die köstlichen Kekse.

Ich habe den Verdacht, dass die Nonnen gar nicht mehr selbst backen, sondern backen lassen. Als wir das Kloster besichtigten, erschien auf dem Hof ein Lieferwagen. Ein junger Mann trug Keksschachteln ins Gebäude. So wie er schleppte, waren diese mit Sicherheit nicht leer…