Notizbuch: Das coolste Hostel der Welt

18 10 2019

Das BaseCamp Bonn ist die ideale Location zum Feiern und Tagen

Freitag, 18. Oktober 2019

Die Bundesstadt Bonn, einst recht spießige Hauptstadt der Bundesrepublik, „könnte den Titel als langweiligste Großstadt Deutschlands verlieren“. So hieß es bei der Beurteilung der Location, in der jetzt die Jahrestagung der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten [VDRJ] stattfand. Die Rede ist vom BaseCamp Bonn. Das ist kein Hotel und kein Campingplatz, sondern das „coolste Hostel der Welt“, wie es in der Eigenwerbung heißt.

„Oder ist das nur eine schamlose Übertreibung“, wird dort gefragt. Nö, kann ich nur sagen, seit ich im BaseCamp Young Hostel im Süden Bonns die VDRJ-Tagung mitgemacht habe. So etwas habe ich noch niue gesehen. Schließlich ist die Location „der erste und einzige Indoor-Vintage-Campingplatz der Galaxie“ [Eigenwerbung]. In einer ehemaligen gigantischen Lagerhalle können bis zu 12ß Personen übernachten – in 13 Retro-Wohnwagen, zwei Bahn-Schlafwagen, vier US-Airstreams, zwei VW-Transportern, einem Trabbi oder einer Seilbahngondel übernachten.

Eine Film- und Bühnengestalterin hat die Halle und deren Wohn- und Schlafgelegenheiten arrangiert und gestaltet, mit historischen Requisiten ausgestattet und um passende, möblierte Vorgärten erweitert. Seit diesem Monat steht vor der Halle die „Bönnsche Bimmel“, eine 110 Jahre alte Straßenbahn. In ihr kann künftig geheiratet werden. Denn die Bahn dient auch als Außenstelle des Standesamtes.

Wem das Übernachten dort zu unbequem ist, kann auch im benachbarten Bonnox-Hotel wohnen.. In dem einfachen, aber akzeptablen Haus war früher die Verwaltung der Firma untergebracht, die jene Halle für ihre Produkte genutzt hat. Das einzige, was mir an der Location BaseCamp Bonn nicht gefallen hat, war die Verpflegung. Das Frühstück war ziemlich karg, und was mittags als „Rheinische Erbsensuppe“ angeboten wurde, war halt ein Großküchen-Produkt. Das habe ich schon zigmal besser gegessen – ich stamme aus dem Rheinland.

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Notizbuch: das Bäderdreieck

9 10 2019

Was Besucher in Marienbad, Franzensbad und Karlsbad erwartet

Donnerstag, 9. Oktober 2019

Seit Alain Resnais‘ Film „Letzes Jahr in Marienbad“ ist der Kurort in Westböhmen Legende. Dabei ist keine einzige Szene des Films in Marienbad gedreht worden. Populär war das Bad, das mit Franzensbad und Karlsbad zum sogenannten Tschechischen Bäderdreieck gehört, schon lange vor dem 1961 herausgekommenen Film.

„Die drei Kurorte blicken auf eine jahrhundertelange Bädertradition, die die Region zu einem der berühmtesten Kurgebiete der Welt machte“, erklärt Claudia Wagner, seit über einem Vierteljahrhundert Geschäftsführerin des Kur- und Wellness-Spezialisten Fit Reisen, deren Beliebtheit.

Dass das Tschechische Bäderdreieck bei Best Agern besonders gefragt ist, hat nach ihrer Einschätzung drei Gründe: eben die lange Tradition, die gute Erreichbarkeit von Deutschland aus und die Tatsache, dass in den drei Bädern fast überall Deutsch gesprochen wird. Die Kurorte bieten sich für Kuren und Wellnesssaufenthalte an, ebenso für Kurzreisen und Wochenendtrips.

Die Bäder punkten durch hohen medizinischen Standard, durch die „Kombination von traditionellen Kurmitteln und modernen Heilmethoden“ (Wagner) und freundliches Personal.  Alle drei Kurorte besitzen weitläufige Kurparks, Kolonnaden und Wanderwege, sind aber höchst unterschiedlich.

Prächtig wie ein Schloss: das Hotel Nove Lazne

Kaum ein deutscher Veranstalter, der Kur- und Erholungsreisen anbietet, hat Marienbad (Marianske Lazne) nicht im Programm. Der mondäne Kurort lockte schon königliche Hoheiten wie Englands König  Edward VII. und den österreichische Kaiser Franz Joseph I., viele Dichter und Musiker wie Goethe und Chopin und andere berühmte Zeitgenossen an. 40 Mineralquellen entspringen in Marienbad. Manche der vielen meist perfekt restaurierten Jugendstilhotels gleichen eher Schlössern als Hotels. Den Vogel schießt das prächtige Fünf-Sterne-Haus Nove Lazne ab.

Franzensbad (Frantiskovy Lazne) ist der kleinste und ländlichste der drei Kurorte. Hier sind die Häuser weniger prächtig, aber das gibt dem Bad einen Schuss Gemütlichkeit. Anders als Marienbad und Karlsbad sind hier die Wege eben. Deshalb ist das direkt an der Grenze zu Deutschland gelegene Bad bei älteren Best Agern besonders beliebt , die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die bedeutendste Attraktion ist das familienfreundliche Aquaforum. Der größte und attraktivste Aquapark der Region gehört zum renommierten Vier-Sterne-Hotel Pawlik.

Größte Attraktion in Franzensbad ist das Aquaforum

Karlsbad (Karlovy Vary) liegt weiter östlich, von hier aus bietet sich daher ein Tagestrip nach Prag an. International hat sich der mit seinen Promenaden und Kolonnaden am Ufer des Flusses Tepla urban wirkende Kurort als Austragungsort jährlicher Filmfestspiele einen Namen gemacht. „Besonders beliebt ist hier die Karlsbader Trinkkur“, sagt Claudia Wagner.  Das Heilwasser entspringt aus 15 Quellen. Die weltweit in Fachkreisen bekannte Balneologin Dr. Milada Sarova besitzt hier ein eigenes Hotel, das Vier-Sterne-Haus Prezident, das vor sechs Jahren völlig neu gestaltet wurde – ein Musterbeispiel dafür, wie die Kurbäder im Tschechischen Bäderdreieck mit der Zeit gehen.

Kurpromenaden und Kolonnaden prägen Karlsbad

Die Hauptindikationen:

Marienbad: Nieren- und Harnwegsbeschwerden, Erkrankungen des Bewegungsapparats und Atemwegsbeschwerden.

Franzensbad:  Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, gynäkologische Beschwerden, Bluthochdruck und weiteren Herz-Kreislauf-Beschwerden, Diabetis.

Karlsbad: Erkrankungen des Verdauungssystems, Stoffwechselstörungen, Beschwerden am Bewegungsapparat, Parodontose.

Mein Bericht im „Best Ager“-Special von touristik aktuell am 23. September erschienen

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Notizbuch: Trip über die Grenze

7 10 2019

Was Gebeco mit Korea vorhat

Montag, 7. Oktober 2019

Der Name des Reiseveranstalters Gebeco war – und ist immer noch – Programm. Er bedeutet: Gesellschaft für Begegnungen und Cooperation. Gebeco ist vor 41 Jahren in der Zeit des kalten Krieges gegründet worden. Zur Überwindung eines noch existierenden Relikts aus dieser Zeit will Gebeco jetzt beitragen: Zum ersten Mal in der Geschichte plant das Unternehmen, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea auf dem Landweg zu überqueren – gemeinsam mit einer Reisegruppe am 30. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Details dazu unten. Erst einmal etwas „Warenkunde“. Der bei Gebeco am stärksten wachsende Bereich sind Reisen in Kleingruppen mit maximal 16 Teilnehmern. So finden sich im neuen Piccolo-Katalog des Spezialisten für  Studien- und Begegnungsreisen unter 199 Kleingruppen-Reisen 17 neue. „Wir haben mehr Kleingruppen-Reisen als viele Kleingruppen-Reiseveranstalter“, betont Gebeco-Chef Ury Steinweg.

Japan ist gefragt bei Gebeco-Kunden [Foto: Gebeco]. Auch Vietnam [unten] steht hoch im Kurs

Die Kleingruppen-Angebote sind zusätzlich auch in den Länderkatalogen dargestellt, die das Groß der zwölf neuen Kataloge für das Jahr 2020 ausmachen. Mit 700 Reisen zu 3.500 Terminen startet die TUI-Tochter in das nächste Reisejahr. Wie Steinweg betont, sind „86 der Reisen komplett neu“. 200 Mitarbeiter in Kiel produzieren die Reisen, die im diesem Geschäftsjahr 60.000 Gäste und einen Umsatz von 119 Millionen Euro brachten. Gebucht wird im Schnitt zwei bis neun Monate vor dem Reisetermin.

Zu den gefragtesten Fernreisezielen für 2020, darunter 54 komplett neue,  gehören Japan, Vietnam, China und südliches Afrika. Im Nah- und Mittelbereich werden – unter anderem – die Destinationen Rußland, Jordanien, Israel und Marokko gerne gebucht. Neu im Portfolio sind Bulgarien und Norwegen. Steinweg [Foto links] hat auch „ein steigendes Interesse für außergewöhnliche Regionen wie den Balkan und den Kaukasus“ entdeckt.

Zum Angebotsfächer von Gebeco-Erlebnisreisen und Dr. Tippes Studienreisen gehören auch Erlebnis-Kreuzfahrten, der Bereich Bestpreis-Reisen mit größeren Gruppen, der laut Steinweg ausgebaut wird, 125 Privatreisen und die Aktiv-Reisen mit weltweit 22 Rad- und 73 Wanderreisen. 13 dieser Reisen sind neu, darunter die 13-tägige Kleingruppen-„Wanderreise Japan“.

Wasser ist Leben

Jedes Jahr konzipiert der Veranstalter auch Reisen unter einem Jahresthema. „Wasser ist Leben“ lautet das Thema des kommenden Jahres. Zwölf neue Tigges-Studienreisen folgen diesem hochaktuellen Thema durch 27 Länder, z.B. in der Kombination Jordanien und Israel oder Uganda und Ägypten.

Heute lege man das Gewicht „mehr auf Nachhaltigkeit“ (Steinweg). So ist Gebeco Mitbegründer der brancheninternen Nachhaltigkeitsinitiative Futouris. Das Portfolio enthält 56 besonders nachhaltige Reisen, die sich durch kleinere Hotels, interessante Begegnungen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auszeichnen. Den Reisekunden, so Steinweg, sei „Nachhaltigkeit wichtig, aber nicht buchungsentscheidend“.

Norwegen ist neu im Programm

Damit sich Kunden und Reisebüroexpedienten, für Gebeco besonders wichtige Vertriebspartner, in dem Mammut-Reiseangebot leichter zurechtfinden, hat Gebeco zwei Neuerungen eingeführt. Um mehr Transparenz zu schaffen, wird bei allen Reisen die Mindest- und die durchschnittliche Teilnehmerzahl angegeben. Zudem hat Gebeco 15 verschiedene Labels entwickelt. Bei Reisen mit dem „Naturerlebnis“-Label „tauchen Reisende mit allen Sinnen in die Natur ein“ (Steinweg). Das Label „Die besondere Reise“ markiert Reisen, die abseits touristischer Routen einem speziellen Thema folgen. Ury Steinweg: „Dies können die Kolonialarchitektur in Mexiko oder die Kulturschätze sein und Ausgrabungsstätten von Vietnam und Kambodscha.“

Nord- und Südkorea auf einem Trip

Zur Reise, die Nord- und Südkorea auf einem Trip vereint: „Mit diesem historischen Ereignis wollen wir am 3. Oktober 2020  zusammen mit unseren Reisenden und unseren koreanischen Gastgebern den Traum einer friedlichen Wiedervereinigung mit Leben füllen“, sagt Ury Steinweg. Die Grenzüberschreitung ist Teil einer feierlichen Zeremonie, die exklusiv für Gebeco Reisende anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Wiedervereinigung organisiert wird. Sollte die Grenzüberschreitung auf dem Landweg aus politischen Gründen zu dem Zeitpunkt nicht möglich sein, erfolgt die Überquerung per Flug via China. [beide Fotos: Gebeco]

Ein Volk, eine Geschichte, eine Sprache aber zwei Staaten, getrennt von einer der am schärfsten bewachten Grenzen der Welt: Dies gehört für Deutsche der Vergangenheit an, für Koreaner ist es gegenwärtige Realität. Doch der Traum, eines Tages gemeinsam in einer wiedervereinten Nation zu leben, verbindet Nord- und Südkoreaner. Die friedliche deutsche Wiedervereinigung gibt vielen Koreanern Anlass zur Hoffnung. „Diese Hoffnung und das gemeinsame Schicksal der Trennung hat uns inspiriert das Reiseprojekt Korea zu starten“, so Steinweg. Und: „Das Projekt beinhaltet für mich alle Elemente, die mich bereits in der Gründungsphase von Gebeco zu Zeiten des Kalten Krieges inspiriert haben.“ Die allerersten Gebeco-Reisen führten in die Länder der ehemaligen Sowjetunion, die zu diesem Zeitpunkt für Reisende kaum zugänglich waren.

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Notizbuch: vom glühenden Temperenzler zum Reisegiganten

24 09 2019

Blick zurück: der unaufhaltsame Aufstieg des Thomas Cook

Dienstag, 24. September 2019

Insolvent ist die britische Reiseorganisation Thomas Cook. Was aus den deutschen Firmen der Gruppe wird, weiß im Moment niemand so recht. Auf jeden Fall ist der Markenname Thomas Cook schwer beschädigt. Um ihn zu stärken und zu erhalten, haben zigtausend Mitarbeiter und Vertragsunternehmen weltweit – Carrier, Hotels, Destinationen – hart gearbeitet. Vergeblich. Nur wenige wissen, dass das weltweite Reiseimperium an Anfang eine One-Man-Show war. Ein Blick zurück.

Man schrieb das Jahr 1841, als der Drucker und Verleger Thomas Cook eine folgenreiche Idee hatte. Der 37-jährige war ein glühender Anhänger der damals bedeutenden Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsbewegung in Großbritannien. Bei einem langen Fuß weg zu einem Treffen der Temperenzler überlegte er, für das nächste Meeting einen Eisenbahntransport zu organisieren. Und so wurden am 5. Juli 1841 in einem offenen „Vergnügungszug“ 570 Briten von Leicester nach Loughborough und retour befördert. Das war die Geburtsstunde der Pauschalreise.

Thomas Cook fand Gefallen an der Vermittlung von Reisen. Mit seiner Reiseorganisation ging es rasch bergauf. Zur Industrieausstellung 1851 in London transportierte er schon 165.000 Besucher. 1865 erfand Thomas Cook den Hotel-Coupon, 1873 die Circular Note, Vorläufer der Reiseschecks. Dazwischen liegt die Einrichtung des ersten Reisebüros in Deutschland, es wurde am 3. Mai 1869 in Köln eröffnet; die Stadt hatte damals 129.000 Einwohner.

Mit der Jungfernfahrt der „Oceanic“ begann 1870 die Ära der Schiffsreisen bei Thomas Cook. Dabei wurde zum ersten Male Ägypten besucht. 1880 erhielt John Mason Cook, der Sohn des Firmengründers, vom Khediven von Ägypten – eine Art Gouverneur, Ägypten war damals eine Provinz des Osmanischen Reiches – sogar das Monopolrecht für den gesamten Passagierverkehr auf dem Nil. Die Ergatterung von derartigen Monopolrechten war ein Geschäftsprinzip on Thomas Cook. 1870 übernahm die Firma die Alleinvertretung für Reisen zu den Passionsspielen in Oberammergau. Diese wurden schon damals gerne von amerikanischen und britischen Touristen besucht. 1898 kaufte Thomas Cook die Vesuv-Drahtseilbahn, um den Neapel-Touristen einen besseren Service bieten zu können.

Kundenzeitschrift von Thomas Cook aus dem Jahr 1922

Selbst königliche Hoheiten nutzten die Dienste des britischen Reiseagenten. Es gab die „Sonderabteilung für Prinzen“, die erst 1955 [!] aufgelöst wurde. Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. mit einem Gefolge von nicht weniger als 100 Personen ins Heilige Land aufbrach, organisierten Thomas Cook und Sohn diese Reise. Und es war 1919, als Thomas Cook mit einem umgebauten Nachtbomber die Ära der Flugreisen einläutete.

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Notizbuch: Göta-Dämmerung

21 09 2019

Viertägige Reise auf dem Göta Kanal von Göteborg bis Stockholm

Samstag, 21. September 2019

Beweglich müssen sie schon sein, die Passagiere, die sich mit der „Juno“ auf die viertägige Fahrt über den Götakanal von Göteborg nach Stockholm – oder umgekehrt – begeben. Die Rederi AB Göta Kanal besitzt drei Kanalschiffe, von denen die „Juno“ das älteste ist: Baujahr 1874.

Wer eine normale Doppelkabine mit Doppelstock-Bett bucht, hat nur 2,1 Quadratmeter Platz – weniger als in Schlafwagen-Abteilen und kaum Raum für größeres Gepäck. Das kann dann in einem gesonderten Raum untergebracht werden. Die King Size-Kabinen – von denen es nur wenige gibt – sind ein wenig größer. Von Deck zu Deck führende Treppen sind steil. Auf jedem Deck gibt es Toiletten und nur eine Dusche, Geduld ist also bei der Morgentoilette gefragt. Ich habe mich im Bademantel auf eine Bank in der Sonne vor die Duschkabine gesetzt. In einem Fall wartete ich geschlagene 30 Minuten, bis die Mitreisende wieder erschien. Die Dauerdusche hat sie auch nicht schöner gemacht.

Aber das sind schon genug der Unannehmlichkeiten auf der Kreuzfahrt, die die meisten Teilnehmer ihr Leben lang nicht vergessen. Schon nach einer knappen Stunde setzt die Entspannung ein, die während der ganzen Fahrt anhält. In der Sonne sitzen und zusehen, wie Schwedens schönste Landschaften vorbeiziehen, ist ein Genuss. Mann kommt ins Nachdenken, ins Träumen. Einen besseren Platz zum Meditieren kann ich mir nicht vorstellen.

 

Die 190 Kilometer lange Strecke führt nicht nur durch den legendären Göta Kanal, sondern auch durch mehrere Seen, die dieser verbindet. Darunter ist der Väner-See, den größte Schwedens und drittgrößten in Europa.

Auf den eigentlichen, 1832 geschaffenen Kanalstrecken ist das Ufer buchstäblich zum Greifen nahe. Über 50 Schleusen sind zu überwinden, darunter eine handbediente und regelrechte Schleusentreppen sowie das System nördlich von Linköping, dessen 15 Schleusen die Schiffe um 30 Meter heben oder senken. Eine Scleuse ist 135 Meter lang und damit die größte Skandinaviens.

Was haben wir unterwegs nicht alles gesehen. Zweimal überquert der Kanal eine Straße, einmal kreuzt er die Eisenbahnlinie Göteborg-Stockholm. Auch die kleinste Fähre Schwedens haben wir passiert, sie überquert in Töreboda den Kanal. An der Schleuse von Forsvik wurden wir – wie es bei vielen Reisen über den Göta Kanal schon zur Tradition geworden ist – von der religiösen Familie Kindbom mit Fahnen, Blumen und Gesang empfangen.

Begrüßung durch die [sehr religiöse]Familie Kindbom

Zweimal überquert der Göta Kanal eine Straße

Die Schleusen sind für die Passagiere, übrigens maximal 58, begehrte Fotomotive, für die Besatzung aber Schwerstarbeit. Diese ist erfrischend jung, nur der souveräne Kapitän Albert fällt mit seinen 71 Jahren aus dem Rahmen, ist aber offensichtlich auch jung geblieben.

 Liebling aller Passagiere ist die 25-jährige Studentin Tin-Tin, die auf Schwedisch, Englisch und Deutsch jeden Tag das Programm vorstellt. Wenn ihr eine Vokabel fehlt, lächelt sie so charmant, dass männliche wie weibliche Best Ager, die das Gros der Passagiere stellen, dahinschmelzen – und sie lächelt oft.

Und da gab es noch den kleinen Oskar, einen Jungen aus China, der mit seiner Familie in Schweden leben und deshalb Schwedisch spricht. Er ließ keine Gelegenheit aus, Tin-Tin anzuhimmeln, Pflückte ihr Wiesenblumen und folgte ihr, soweit das möglich war, auf Schritt und Tritt. Die zwei verstanden sich prächtig.

Geradezu liebevoll werden vor den Mahlzeiten, zu denen der Kellner Jonas mit einem Gong lädt, die Tische gedeckt. Und was tief unten im Bauch des Schiffes gekocht und oben serviert wird, kann sich sehen lassen: Die zwei Gänge mittags und drei Gänge abends entsprechen dem hochpreisigen Premium-Produkt „Reise auf dem Göta Kanal“. Daß Alkohol an Bord teuer ist, versteht sich bei Schweden von selbst. Wir – eine ganz kleine Journalistengruppe und eine zauberhafte PR-Beraterin – ließen es uns trotzdem schmecken. Das bargeldlose Bestellen trug natürlich dazu bei, der Versuchung zu erliegen…

In der Küche und im Maschinenraum

Ein paar Ausflüge werden kostenlos angeboten, bis auf einen durchaus romantischen Spaziergang zur ehemaligen Wikingerstadt Birka mit ihrem Weltkulturerbestatus allesamt nicht der Renner. Aber die ziemlich reizlose Festung von Karlsborg oder das aufgelassenen Vreta-Kloster sind willkommene Anlässe, sich mal die Füße zu vertreten.

Die Kreuzfahrtsaison auf dem Göta Kanal beginnt Mitte Mai und endet schon Anfang September. Es können auch Teilstrecken gebucht werden. Anbieter sind unter anderem Eberhardt-Travel, TUI-Wolters und Nordic Holidays. Wichtig: Bei der Buchung im Reisebüro sollte angeben, wer über 1,75 Meter groß ist – damit die Reederei unter den unterschiedlich langen Kabinen eine mit einem passenden Bett aussuchen kann.

Als wir dann in Stockholm ankamen und das Schiff, das uns ganz vertraut geworden war, verließen, machte die Mann- und Frauschaft genau das, was sie auch beim Einschiffen in Göteborg getan hatte: Sie stellte sich in Reih und Glied auf. Nur gab es beim Abschied deutlich mehr Umarmungen und Wangenküsse als bei der Begrüßung. Und Tin-Tin lächelte.

Dieser – mein – Text erscheint in kürzerer Fassung und mit weniger Bildern am Montag, 23. September, im Special „Best Ager“ in touristik aktuell





Notizbuch: Sollers Abschied

17 09 2019

Der Leiter des Fachbereichs Tourismus der Hochschule für Wirtschaft und Recht [HWR Berlin] geht in den [Un-]Ruhestand

Mittwoch, 18. September 2019

Keine zwei Wochen mehr – und eine Epoche geht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht [HWR Berlin] zuende: Prof. Dr. Dr. habil Jörg Soller, Professor für Tourismusbetriebswirtschaft und Fachleiter des Dualen Studiengangs BWL/Tourismus geht in den Ruhestand. Oder anders und besser formuliert: Aus Altersgründen verlässt er den Hochschulbetrieb. Um sich richtig zur Ruhe zu setzen – dafür ist er viel zu jung.

Ich weiß nicht mehr, wann wir uns kennengelernt haben, aber wie: Auf einem feucht-fröhlichen, durchaus lustigen Berlin-Abend im Adlon am Rande eines Tourismusgipfels. Kristiane Klemm, Wissenschaftliche Leiterin des – damals noch existierenden – Instituts für Tourismus der Freien Universität, machte uns miteinander bekannt. Schon bald darauf hatte ich einen sich Jahr für Jahr wiederholenden Lehrauftrag an der HWR auf meinem Schreibtisch.

Jörg Soller hat sich natürlich viele Gedanken über seine Zeit als Hochschul-Prof. gemacht. Wenn ich auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicke, sehe ich viele Entwicklungen und Impulse, die wir gemeinsam initiiert und umgesetzt haben.

Ich hatte eine fantastische Zeit, habe Chancen bekommen, wurde gefordert und gefördert und konnte innerhalb der Tourismusbranche viel bewegen und erreichen.

Auf diese Zeit sei er stolz, schreibt Jörg Soller in seinem Abschiedsbrief an die Branche, Weggefährten, Freunde und Studierende. Vor allem bin ich dankbar für das Kennenlernen von vielen interessanten Menschen, die Begegnungen mit Ihnen, den wunderbaren Momenten und wertvollen Gesprächen. Es sei ihm stets um mehr als den Studiengang BWL/Tourismus gegangen: Durch meine Wahlfunktionen konnte ich die HWR Berlin – insbesondere den Fachbereich 2 Duales Studium Wirtschaft und Technik – mit prägen und darüber hinaus unsere Studierenden für die Übernahme von Managementfunktionen in der Tourismuswirtschaft befähigen. Es sei eine tolle Aufgabe, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten, sie zu führen und zu lehren, aber genauso interessant ist es, von ihnen zu lernen. Für ihn, so Soller, sei das stets eine positive Herausforderung und große Freude zugleich gewesen.

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Was bleibt? Das gute Gefühl etwas bewegt zu haben und einen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der HWR Berlin und des Tourismus gehabt zu haben.

Was kommt? Auch dazu nimmt Prof. Soller Stellung: Ich werde weiterhin im Aufsichtsrat der H-Hotels AG und für das Institut für Tourismus Berlin e.V. tätig sein sowie meine Kenntnisse und Erfahrungen in der Unternehmensberatung DICON und das Hotel4Youth einbringen. Auch werde ich meine Leidenschaft des Publizierens im touristischen Fachverlag „Erich Schmidt Verlag“ in Berlin weiter fortführen und in den Fachverbänden unserer Branche tätig sein. Natürlich hat sich Jörg Soller auch vorgenommen, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Ab dem 1. Oktober übernimmt Prof. Dr. Regina Baumgärtner die Fachleitung des Studiengangs BWL/Tourismus. Gemeinsam mit der neuen Kollegin Prof. Dr. Sandra Rochnowski wird sie, davon ist Soller überzeugt, unseren Studiengang hochengagiert führen und dabei auch Akzente zur weiteren positiven Entwicklung unseres Studiengangs setzen.

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Notizbuch: geschluckt, aber nicht verschluckt

14 09 2019

Wie es dem Anbieter Windrose Finest Travel unter dem Dach von FTI geht

Samstag, 14. September 2019

Mit 26 neuen Vorschlägen für Individualreisen und sieben neuen „Lebensart“-Gruppenreisen, dargestellt in den beiden optisch hervorragend gestalteten Travel Books „Individualreisen“ und „Gruppenreisen“, startet der Veranstalter Windrose Finest Travel in die neue Saison. Den wenigsten Kunden wird bewußt sein, dass die Edel-Marke seit zwei Jahren zur mächtigen FTI-Gruppe gehört, deren Image nicht gerade dem eines Luxusveranstalters entspricht.

Windrose-Chef Stephan Braun neben einem Werbebanner

Produkte wie die von Windrose produzierten Reisen – edel, mit das Beste, was es auf dem Markt gibt, hochpreisig – , nennt man High End. „High End Reisen wachsen überproportional“, betont der Windrose-Geschäftsführer Stephan Braun mit Stolz. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet Braun mit einem „deutlich zweistelligen Wachstum“. In der Zwischenbilanz beträgt das Plus bei „Lebensart“-Gruppenreisen 16,7 Prozent, bei den Deluxe Individualreisen 15,7 Prozent.

Interessant: Der Umsatz, der über den Stationären Vertrieb, also über Reisebüro generiert wird, beträgt 60 Prozent vom Gesamtumsatz. „Wir werden den Reisebüro-Vertrieb weiter sehr stark ausbauen“, erklärt Braun das Ziel der Aktionen. Etwa 400 bis 500 Reisebüros verkaufen regelmäßig Windrose-Produkte, darunter „50, die richtig Gas geben“ (Braun). Der Einsatz lohnt sich: Schon bei der ersten Buchung – Durchschnittspreis einer Buchung: 8.100 Euro – zahlt der Veranstalter zehn Prozent Provision. Der Umsatz über Reisebüros stieg im noch laufenden Geschäftsjahr 2018/2019 um knapp 38 Prozent.  Dieser Erfolg fällt Windrose nicht in den Schoß. Mit einem wahren Feuerwerk an Events wendet sich der Veranstalter beispielsweise zur Zeit und in den kommenden Wochen an den stationären Vertrieb. Damit will der Luxus- und High End-Veranstalter bestehende Reisebüro-Kontakte vertiefen und neue Vertriebspartner hinzugewinnen.

Schon vorletzte Woche startete ein Buchungswettbewerb, der bis zum 15. Oktober läuft.  Die fünf umsatzstärksten Reisebüros gewinnen je eine Freikabine für zwei Expedienten auf der Star Clipper für eine zehntägige Segelkreuzfahrt von Phuket nach Singapur. Gemeinsam mit dem Tourism Board Barbados und Silversea Cruises hat Windrose für heute zu einem „Finest Places“-Abend in Hamburg unter dem Motto „Taste of Barbados“ eingeladen. Am 14. und 15. November findet das Event „Windrose Behind The Scenes“ in Berlin statt. „Wir wollen wir uns den Expis persönlich in unseren Räumen in Berlin vorstellen und über Trends sprechen und Tipps für die Beratung am Counter geben“, erklärt Windrose-Geschäftsführer Stephan Braun. Danach gibt’s ein nobles Dinner  und am zweiten Tag noch „eine große Überraschung“, die der Windrose Chef natürlich noch nicht verrät. Zum Start des neuen Geschäftsjahres werden den Agenturen zudem zahlreiche neue eLearnings und Webinare angeboten.

Windrose führt so etwas wie ein Eigenleben unter dem FTI-Dach. „Es gibt eine klare Trennung“, versichert Braun, das zeigt sich schon am Firmensitz: FTI hat den Hauptsitz in München, der vor 46 Jahren gegründete Veranstalter Windrose durfte mit seinen 50 Reise-Designern in Berlin bleiben. Windrose ist laut Braun „soviel Autonomie geblieben wie möglich“. Die Synergien werden im Hintergrund wirksam. Brauns Urteil nach zwei Jahren: „Die Strategie ist richtig.“ Mit anderen Worten: FTI hat Windrose Finest Travel geschluckt, sich aber daran nicht verschluckt.