Notizbuch: Magnum reist mit

27 09 2016

Dienstag, 28. September 2016

Die Frauen der Reisegruppe, die durch Vietnam und Kambodscha tourt, sind sich schnell einig: Gerhard Gottschalk ist ein attraktiver Mann. Sie vergleichen den Allgemeinmediziner, den alle nur Doc nennen, mit Tom Selleck in seiner Rolle als Privatdetektiv Thomas Magnum.

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Aber das war nicht der Grund, weshalb der Veranstalter Tour Vital den Doc in den Kreis der 400 Ärzte aufgenommen hat, die für das Unternehmen Reisen begleiten. Das sind etwa 40 Rundreisen in 30 Ländern des Kölner Veranstalters, zu dessen Portfolio auch Wellness- und Kurarrangements sowie Kreuzfahrten gehören. „Anders als das Klischee vermuten lässt, ist die Idee dahinter nicht, zerbrechliche, kranke Menschen auf ihrer letzten Reise zu beglei-ten“, betont Oliver Nitzsche, Abteilungsleiter Einkauf. Es geht dem 2008 gegründeten Veranstalter, der seit gut drei Jahren hundertprozentig zur Thomas Cook Gruppe gehört, „um agile Best Ager, die in den häufig exotischen Reisezielen die Sicherheit einer ärztlichen Betreuung schätzen – aber nicht davon ausgehen, den Arzt tatsächlich zu gebrauchen“ (Nitzsche). „Wir sind führender Veranstalter für diese Reiseform“, sagt der Abteilungsleiter voller Stolz, „wir haben ein paar Jahre Vorsprung.“

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Bei Reisen zu Ferndestinationen – hier Vietnam – haben manche Urlauber gerne einen Arzt dabei. Aber gesund müssen die Reisenden schon sein!

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„Die Gäste müssen in der Lage sein, aus dem Bus aus- und einzusteigen und Fußwege von einer Stunde zurückzulegen,“ sagt Gerhard Gottschalk. Der Preis für die ärztlich begleiteten Reisen ist über den Daumen gepeilt hundert Euro höher als für eine normale Rundreise. Bis zu 30 Prozent dieser Arrangements werden über Reisebüros gebucht. Im Schnitt nehmen 15 Gäste an einer Rundreise teil. Der begleitende Arzt – so auch Gerhard Gottschalk auf unserer Reise nach Vietnam und Kambodscha – läuft in Jeans und T-Shirt in der Gruppe mit und greift nur helfend ein, wenn es wirklich einmal zwickt und zwackt.

Als sich beispielsweise beim abendlichen Zusammensitzen im zauberhaften Hafenstädtchen Hoi An bei mir plötzlich und heftig eine Migräne ankündigt, hat der Doc flugs ein schnell wirkendes Medikament zur Hand – und der Abend ist gerettet. „Ich bin so etwas wie die rechte Hand des Reiseleiters“, sagt er, „wir Ärzte, die für Tour Vital mitreisen, dürfen auch gar keine Therapie machen“. Doch zur Soforthilfe und gegen kleine Wehwehchen hat der Arzt eine Tasche mit Medikamenten, Blutdruck- und Fiebermesser und Verbandszeug dabei. Aber noch viel wichtiger ist der Medical Report, der für jedes Reiseland zusammengestellt wird. Darin steht beispielsweise, welcher Arzt in welcher vietnamesischen Stadt Deutsch oder Englisch spricht, welches Krankenhaus zu empfehlen ist, wie im Ernstfall ein Krankentransport am klügsten abgewickelt wird. Gespickt ist der Medical Report, der permanent aktualisiert wird, mit Notfall-Adressen und –Telefonnummern.

Mehr noch: Einmal im Jahre treffen sich die von Tour Vital beschäftigen Arzte zum Erfah-rungsaustausch. Sie erhalten für ihre Reiseteilnahme kein Honorar, müssen aber auch nichts zahlen. Wenn das Programm fürs nächste Reisejahr zusammengestellt wird, äußern die Me-diziner ihre Reisewünsche, die aber nicht immer alle erfüllt werden. „Die neuen Ärzte wer-den am ehesten in Indien oder China eingesetzt“, weiß Gerhard Gottschalk aus Erfahrung. Er selbst ist ein alter Hase und darf sich das Reiseziel Vietnam mit Erfolg wünschen.

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Für alle Fälle…

Das ist auch kein Wunder. Zum fachlichen Wissen gesellt sich bei ihm soziale Kompetenz. Bei den Reisegruppen bleibt der Arzt kein Außenseiter. Er macht jede Wanderung mit und jeden Museumsbesuch, er schwitzt wie die anderen Reiseteilnehmer auch, er feilscht auf Märkten und freut sich über die Herzlichkeit der Vietnamesen. Wenn er in abendlicher Runde gebeten wird, etwas über seine Erlebnisse als Arzt zu erzählen, greift er auf Ereignisse zurück, die er als Notfall- und Sportmediziner erlebt hat, als Betriebsarzt oder in seiner 30-jährigen Erfahrung als Rennarzt oder auf Ambulanzflügen. Auf einer ärztlich begleiteten Reise für Tour Vital ist er dem Ernstfall noch nie begegnet.

Mein Bericht ist – minimal abgeändert – in der Ausgabe 38/2016 vom 26. September der Zeitschrift touristik aktuell erschienen.





Notizbuch: zum grünen Wald

25 09 2016

Sonntag, 25. September 2016

Seit 44 Jahren´, seitdem ich in Berlin lebe, zieht es mich immer wieder an den Grunewaldsee. Früher, als meine jetzt großen Kinder klein waren, ging’s dorthin zum Baden. Später wurde das Jagdschloss das Ziel. Und natürlich immer wieder der See, der sich in einer knappen Stunde umrunden lässt. Übrigens: Wer keine Hunde mag, sollte den See meiden wie die Pest.

Der Grunewaldsee ist Hundeauslaufgebiet, dies – keineswegs unumstritten – praktisch das ganze Ufer, soweit es nicht zum Schutz der Natur eingezäunt ist. Früher gab es eine ausgewiesene Hundebadestelle dem sogenannten Bullenwinkel gegenüber, der früheren FKK-Badestelle. Der Bullenwinkel ist eine Gemarkungsbezeichnung. Als ich nach Berlin kam, dachte ich, das sei ein typisch Berliner Spitzname, weil Ende der 60-er Jahre die Polizei – die „Bullen“ – die Nacktbadestelle immer wieder gewaltsam geräumt hatte. Erst Anfang der 70-er Jahre wurde das Nacktbaden an Berlins Seen salonfähig. Verrückte Welt!

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Menschen dürfen übrigens in dem See seit einem Dutzend von Jahren nicht mehr baden, weder nackt noch verhüllt. Zu viele Schadstoffe! Wegen der Strömung im See war das Schwimmen früher nicht ungefährlich. Zweimal habe ich in meinen Badejahren gesehen, wie aus dem See Ertrunkene geborgen wurden…

Traumhaft schön liegt das Jagdschloss Grunewald am Seeufer. Es ist das älteste erhaltene Schloss der Stadt. Als es Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt wurde, war es ein Wasserschloss. Es hieß „Zum grünen Wald“, woraus „Grunewald wurde. Das Schloss liegt übrigens im Ortsteil Dahlem des Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, während der See zum Ortsteil Grunewald des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf gehört.

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Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Jagdschloss dem Zeitgeist entsprechend im Barockstil umgebaut. Seit etwa 85 Jahren ist das Schloss Museum. Heute besitzt es – was vielen Berlinern und Berlin-Besuchern har nicht bewusst ist – eine große Sammlung von Gemälden von Lucas Cranach d.Ä. und seinem Sohn, Lucas Cranach d.J. Auch deutsche und niederländische Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts ist ausgestellt. Aufwendig ist das Innere des Jagdschlosses im Renaissancestil restauriert worden. Herrlich ist im Erdgeschoss der wiederhergestellte Schlosssaal. Martialisch ist ein Teil der Jagdwaffen, die in einem Seitenflügel des Schlosses im Jagdzeugmuseum zu sehen sind.

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Und da ist noch ein paar Gehminuten vom Schloss entfernt Paulsborn, früher ein Gehöft und später das Forsthaus des Grunewalds. Das wunderbar nostalgische Gasthaus im Stil der Neorenaissance wurde 1905 erbaut.





Notizbuch: Dionysos

22 09 2016

Donnerstag, 22. September 2016

Wenn ein Pater, dessen Lebensaufgabe es ist, die Menschheit mit gutem Wein zu beglücken, ausgerechnet Dionysos heißt, ist das mehr als ein Zufall. Dionysos ist der Gott des Weines. Unser Dionysos ist Abt des Klosters Chrysorrogiatissa auf Zypern, des Klosters der „Heiligen Jungfrau des Goldenen Granatapfels“.

Das Kloster liegt 40 Kilometer von Paphos entfernt an einem Berghang. Ein Mönch namens Ignatius hat es 1152 gegründet, das heutige Gebäudeensemble stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ignatius, so erzählt man sich heute auf der Insel, habe damals eine wundervollbringende Ikone der Jungfrau Maria gefunden, die er in die Berge trug und um die herum er das Kloster baute. Kein Geringerer als der Evangelist Lukas soll die Ikone gemalt haben. Ihm wird auch die Christus-Ikone zugeschrieben, die ebenfalls im Kloster zu sehen ist. Das Kloster ist berühmt für seine Ikonensammlung und seine Restaurationswerkstatt sowie für die Fresken in der Klosterkirche.

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cccAbt Dionysos ist ein stattlicher Mann mit einem Rauschebart und schönen, klugen Augen. Er hat seine Stimme verloren und spricht mit hoher [Speiseröhre-]Ersatzstimme. Er spricht schnell und viel, zeigt uns Artikel über ihn und das Kloster und führt uns dann in sein Allerheiligstes [also gut: in das Zweitallerheiligste nach der Ikonensammlung]: den Weinkeller.

Aber dort wird längst kein Wein mehr gekeltert, das hat die EU dem Kloster untersagt.

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Dionysos hatte den traditionellen Weinbau des Klosters erst 1984 wiederbelebt, wie überhaupt der Weinbau im griechischen Teil der Insel erst in den letzten Jahrzehnten eine Renaissance erfuhr. 6000 Jahre ist der Weinanbau auf Zypern alt. Einst hatte Richard III die Insel besetzt, um an deren hervorragende Wein zu gelangen. Doch im vergangenen Jahrhundert verkam die Weinproduktion zur einer Quelle von Billigexporten verschnittenen Weins in Ostblockländer. Erst in den 1990-er Jahren blühte sie wieder auf. Heute sind es junge Winzer und kleine Betriebe, die den Ton angeben. Aber der Ton ist nicht mehr zu überhören. Die Weinstöcke auf Zypern sind übrigens die einzigen in Europa, an denen nicht die Reblaus knabbert!

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Auf die EU ist Dionysos nicht gut zu sprechen, weil sie seine Weinproduktion unterbunden hat. Warum? Das habe ich nicht verstanden. Aber wahrschenlich hat Abt Dionysos das selbst nicht verstanden. Das Kloster lässt jetzt die Trauben seiner – durchaus inselberühmten – Weinberge außerhalb keltern. Aber die alten Geräte sind noch da. Ich habe Dionysos geraten, die Räume in ein Museum umzuwandeln.

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Notizbuch: Wenn ich ein reicher Mann wär’…

18 09 2016

Sonntag, 18. September 2016

Am besten hat mir auf der diesjährigen abc, der art berlin contemporary, der Imbisswagen gefallen. Aber der war kein zeitgenössisches Kunstwerk. Das spricht dagegen – gegen die abc oder gegen mich. Ein paar Gedanken zum Thema…

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Kein Kunstwerk: der Imbisswagen

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe das, was man contemporary art nennt, Kunst der Gegenwart. Nicht alles, aber doch vieles. Deshalb renne ich auch immer hin zur abc, dieses Jahr war es die neunte. Das Ambiente gefällt mir: Station Berlin, der frühere riesige Postbahnhof am Gleisdreieck, der bis in die 90-er Jahre eine der Lebensadern der Stadt war. Die Besucher: Selten treffe ich irgendwo in der Stadt so viele nette, mir sympathische Leute [und auch gleichzeitig auch so viele hochnäsige…] Die Bewirtung: entschieden verbessert. Die diesjährige abc kam mit deutlich kleinerer Fläche aus als ihre Vorgängerinnen. Mangelndes Angebot oder deutsche Qualitätssteigerung?

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Viel Baumaterial ist ausgestellt…

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…und Kunstwerke aus Pappe und Holz

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Wenn ich eine [Verkaufs-]Ausstellung besuche, stelle ich mir vor, ich sei ein reicher Mann. Wenn ich reich sage, meine ich reich. So reich, dass Geld nicht die geringste Rolle spielt. Und dann stelle ich mir vor, ich würde das eine oder andere Kunstwerk kaufen und in meiner Wannseevilla mit 24 Räumen aufstellen. Und dann würde ich, wie jedes Mal, ein Fest geben und mit Familien und Freunden meine Neuerwerbungen genießen.

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Der kreisende Löffel

Viel Baumaterial war ausgestellt auf der abc, mehrere Werke aus Karton. Auf einem kleinen Tisch drehte sich ein Löffel, von einem Magneten unter dem Tisch gesteuert, um ein angebissenes Brot. Interessante Objekte, zum Teil hochinteressante. Aber nichts hat mich angesprochen. Wenn ich ein reicher Mann wäre, wäre ich ohne Kauf eines Kunstobjektes heimgegangen.

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Interessant. Hat mich aber nicht angemacht

Jetzt grüble ich: Liegt’s an der abc? Liegt es an mir? Ich glaube, es liegt doch an der abc.





Notizbuch: der Crash – das neue Programm im Chamäleon

15 09 2016

Donnerstag, 15. September 2016

Ganz neue Töne erklingen im Berliner Theater Chamäleon, Deutschlands einziger namhafte Bühne für Neuen Zirkus. Jetzt ist das Theater in den Hackeschen Höfen wohl auch die einzige Bühne in Deutschland mit einem 3DSoundsystem. Das wurde zur neuen Inszenierung UNDERART der schwedischen Kompagnie Cirkus Cirkör von den Firmen Neumann.Berlin und Sennheiser installiert.

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Seit Anfang September laufen in dem wunderschönen Jugendstil-Saal des Chamäleons schon sogenannte Previews, die offizielle Premiere ist am 22. September. Der Untertitel der Show ist programmatisch: Ode to a Crash Landing. Der Sturz, der Karriere und Leben beenden könnte, die Verletzungen körperlich und an der Seele, das mühselige Wiederaufstehen, das Kraft kostet und auch Kraft gibt – das ist die Geschichte der Ode to a Crash Landing. Es ist die Geschichte des Regisseurs von UNDERART und Direktors des Cirkus Cirkör, Olle Strandberg. Vor über zehn Jahren verunglückte er als junger Artist bei einem Dreifachsalto.

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Bei der Vorstellung des Programms [von rechts]: Olle Strandberg, Anke Politz, künstlerische Leiterin des Chamäleon, Wolfgang Fraissinet, Geschäftsführer von Neumann.Berlin [der das neue 3D-Soundsystem hervorragend erklärte] und Chamäleon-Geschäftsführer Hendrik Frobel.

Er brach sich den vierten und fünften Halswirbel und verletzte sich das Rückenmark. Eben sprang er noch hoch in die Luft, Sekunden später war er vom Hals abwärts gelähmt. Aber Olle gab den Kampf nicht auf.

Und davon erzählt die aktuelle Inszenierung im Chamäleon. Fünf Artisten wirken mit neuer, anderer Akrobatik, manchmal Absurdes berührend, oft atemberaubend. Zwei Musiker spielen live auf der Bühne ihre Kompositionen. Dazu das neue, AMBEO genannte 3D Audio-System. Bei der Pressevorführeng waren Ausschnitte zu sehen und zu hören, die hungrig auf mehr machten. Auf die Premiere bin ich gespannt.





Notizbuch: Lebers Lebenswerk

11 09 2016

Sonntag, 11. September 2016

Berlin ist so reich an [Kunst-]Schätzen, dass ich immer wieder von Künstlern fasziniert bin, von denen ich – offen zugegeben – bislang nie etwas gehört habe. Jetzt hat das Märkische Museum wieder so einen Schatz gehoben: Werke aus 50 Schaffensjahren des Malers, Grafikers und Bildhauers Wolfgang Leber. Wer die Ausstellung zum 80. des Künstlers – noch bis zum 25. September – besucht, kommt aus dem Staunen so schnell nicht mehr heraus.

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Lebers Lebenswerk ist in dem verwinkelten Gebäudekomplex des Märkischen Museums gar nicht so leicht zu finden. Doch das überaus freundliche Museumspersonal [davon zum Schluss mehr!] hilft gerne weiter. Und dann öffnet sich eine Kette versteckter Räume mit einer klug kuratierten Ausstellung von kleinen Ölgemälden und großformatigen, von Aquarellen, Holz- und Steinarbeiten, kleinen Skulpturen und vielem mehr.

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Fast auf jedem Bild steht eine Figur im Mittelpunkt , oder mehrere. Die Figuren erinnern mich in ihren Proportionen an Oskar Schlemmer. Sie werfen Schatten, aber sie haben keine Gesichter. Sie bleiben anonym. Dies nicht nur in der Großstadt – das ist Berlin, Lebers ewiges Thema – sondern auch in Wohnungen.

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Nur einen kleinen Kritikpunkt habe ich: Die Schilder zu den Werken sind so klein, dass ich sie nur lesen kann, wenn ich ganz nahe an das Kunstwerk herangehe. In der Nationalgalerie wäre jedes Mal die Alarmanlage losgegangen. Denkt doch bitte auch mal an so alte Männer wie mich, liebe Ausstellungsmacher.

Voller Bilderglück bin ich dann noch genüsslich durch Berlins Geschichte spaziert, die im Märkischen Museum auf so wunderbare, überzeugende Weise festgehalten ist. Ich liebe dieses Museum, das ich schon oft besucht habe. Ich würde, wenn ich etwas zu sagen hätte, diesem Museum einen Preis verleihen: für das mit Abstand [!] freundlichste, ja herzlichste Personal aller Berliner Museen.

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aaaaaDiese Herzlichkeit kam uns auch entgegen, als ich vor ein paar Jahren mit meiner kleinen Freundin Pepi das Museum besuchte. Sie war damals vier. Die Museumsmitarbeiter machten sie auf die Spielzeugsammlung aufmerksam, auf Leierkästen.

Mit großen Augen bewunderte Pepi Rüstungen und Waffen. Als ich sie nach dem Rundgang fragte, was ihr denn am besten gefallen habe, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Der genagelte Mann.“ Gemeint war ein mittelalterliches Kruzifix.

 

Wie mir die Pressestelle der Stiftung Stadtmuseum Berlin mitteilte, wurde die sehenswerte Leber-Ausstellung jetzt bis zum 3. Oktober verlängert. http://www.stadtmuseum.de/ausstellungen/wolfgang-leber





Notizbuch: Daniel, dynamisch

6 09 2016

Dienstag, 6. September 2016

Daniel Esavandi – genauer: Dr. Daniel Esavandi, denn Daniel hat als Arzt promoviert – ist einfach ein wunderbarer Mensch. Ich empfand von der ersten Minute an so etwas wie Freundschaft für ihn, als wir uns im Flughafen trafen.

Damals war er noch einer der Manager von JT Touristik, dem Unternehmen seiner Schwester Jasmin Taylor. Auf Einladung von JT und im Auftrag von touristik aktuell flog ich mit ihm zum Arabian Travel Market nach Dubai. Ich war damals zum ersten Male in Dubai und zum ersten Male auf dem quirligen ATM. Daniel half mir mit Informationen, machte mich mit wichtigen Informanten bekannt und führte mich so langsam ein in das Lebensgefühl der arabischen Welt. Und wir hatten gute Gespräche beim Shisha-Rauchen [eine von Daniels Leidenschaften; ich rühr‘ die gutriechenden Dinger nicht an…]

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Daniel Esavandi arbeitet jetzt in Poznan, Posen, und zwar als CEO des von ihm gegründeten Unternehmens TOP Touristik pl. „Wir sind wahrscheinlich das erste Unternehmen für dynamic packaging in Polen“, sagt der Boss. Die Firma ist – schätze ich – seit etwa vier Monaten in Polen online und buchbar. Esavandi ist mit dem Start zufrieden. „Wir sind der erste Veranstalter, der voll dynamisch arbeitet“, betont er, „auch die Verfügbarkeitsanfrage für Hotel und Flug ist nur bei uns voll automatisch, andere Veranstalter arbeiten manuell.“ Esavandi: „Es gibt große Herausforderungen, vor allem, was die Technik angeht.“ Aber „die Polen sind tüchtig, und das motiviert uns.“

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Das Geschäftsmodell funktioniert auch, weil vor allem Billigflieger wie Ryanair und Wizzair sehr aktiv sind und von polnischen Flughäfen viele Strecken anbieten – Warmwasserziele wie die Kanaren, griechische Inseln, Zypern, Malta… Und natürlich Städte wie London, Paris oder Barcelona. Emirates und Qatar Airways fliegen seit ein paar Jahren Warschau an, das gibt Esavandi und seinem fünfköpfigen Team „die Möglichkeit, Dubai und die Nachbaremirate zu promoten“. Außerdem hat TOP Touristik Thailand, Mauritius und Sri Lanka im Portfolio.

Zur Zeit sind 13 Länder und 40 Destinationen im Angebot. 2000 Hotels sind im Verkauf, Esavandi steuert bis Ende 2017 10.000 Hotels weltweit an. „Für das erste Jahr haben wir uns 5.000 Kunden als Ziel gesetzt.“