Notizbuch: Palaverland

11 07 2018

Mittwoch, 11. Juli 2018

Es ist gute Sitte des Deutschen Reiseverbandes, ein paar Monate vor der jeweiligen Jahrestagung eine Schar Journalisten in die jeweilige Destination einzuladen. So sollen sie Land und Leute kennenlernen und den Tagungsteilnehmern vorab erzählen, was sie erwartet. Diesmal war es Kalabrien. Ich war wieder – wie schon in mehreren Jahren – dabei. Mein Urteil: herrliche Landschaften, anheimelnde Städtchen, gastfreundliche Menschen. Nur eine Schwäche haben – zumindest – die Funktionäre. Es wird zu viel geredet. Oder sagen wir es salopp: palavert.

Blick in den Duden: palavern – sich lange in wortreichem, meist überflüssigem Gerede ergehen. Ein Beispiel: Da sollen wir um 9 Uhr am Bus sein. Alle sind da. Aber der Bus fährt nicht. Es wird geredet und geredet. Deutsche DRV-Funktionäre und italienische Gastgeber. Italiener unter sich. Noch einmal andere Italiener und die von vorhin. Wer kein Italienisch kann, wird nie erfahren, warum so lange palavert wird. Und wer des Italienischen mächtig ist, verrät es nicht. Wenn wir Glück haben, führt der Bus um 9:30 Uhr. Und so kam es, dass wir am ersten Abend erst gegen ein Uhr nachts, am zweiten Tag um 1:30 Uhr nachts im Hotel ankamen. Das Palavern hat die Tagesordnung wie ein Dominospiel stürzen lassen.

Hier das Ergebnis der Reise, wie es in meinem Bericht am Montag dieser Woche – allerdings mit nur einem Bild – in touristik aktuell erschienen ist:

Kalabrien ist im Aufbruch. In Tropea beispielsweise, wo der Wandel im Tourismus am deutlichsten spürbar ist, sind in den letzten beiden Jahren 100  B&B-Quartiere entstanden. Da trifft es sich gut, dass die süditalienische Region jetzt Austragungsort der diesjährigen Auslandstagung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) ist. Kalabrien, viele Jahre von der großen Politik vernachlässigt, braucht dringend mehr Touristen, um den Anschluss an den viel bekannteren Norden des Landes nicht zu verlieren. Neben der Landwirtschaft ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle, Industrie gibt es kaum. Letztes Jahr reisten 63.000 deutsche Touristen nach Kalabrien – zu wenig, aber immerhin fast 30 Prozent mehr als 2016. „Der deutsche Markt ist für uns der wichtigste,“ betont Gerardo Mario Oliverio, Präsident der Region Kalabrien.

Malerische Orte – hier das Städtchen Scilla – säumen die Küste Kalabriens. Unten: Tropea

Die Tagungsteilnehmer werden schnell den Zwiespalt entdecken, in dem sich die Tourismusregion Kalabrien befindet. Da es nie Massentourismus gegeben hat, ist das Land noch unverdorben. Die Gastfreundschaft ist überwältigend. Andererseits hapert es oft an der Infrastruktur, viele Straßen sind marode, es fehlt an Radwegen und vor allem am Küstenschutz.  Hier wird nachgebessert: 100 Millionen Euro sollen in die touristische Erschließung kleinerer Dörfer fließen, und  150 Millionen Euro wird der Ausbau des kalabrischen Abschnitts des Magna Grecia-Radweges kosten; Magna Grecia nannten die Römer den südlichen Teil Italiens mit bedeutenden griechischen Ansiedlungen. Von diesen zeugen auch viele Funde im Archäologischen Museum von Reggio Calabria, dem Austragungsort der DRV-Tagung. Stars sind die beiden  nach ihrem Fundort benannten, überlebensgroßen Bronzestatuen von Riace aus klassisch-griechischer Zeit.

Bild oben links: Gerardo Mario Oliverio, Präsident der Region Kalabrien [links], setzt auf den deutschen Markt. Rechts im Bild: DRV-Präsident Norbert Fiebig. Im Hintergrund eine der beiden Bronzestatuen von Riace.

Ob der DRV sich auf eine perfekte, reibungslose Organisation der Tagung verlassen kann, wird erst die Praxis zeigen – zum Beispiel bei den vielen Transfers. Da die Hotellerie in Kalabrien ziemlich kleinteilig ist, werden die Teilnehmer in mindestens 14 verschiedenen Hotels untergebracht. Wie der DRV mitteilt, läuft es mit den Anmeldungen so gut, dass sogar noch weitere Hotels unter Vertrag genommen werden.

Kalabrien-Urlauber sollten mobil sein, denn die Region hat mehr zu bieten als Sonne und Strand. 700 Kilometer Küste stehen zur Verfügung und alle nur denkbaren Wassersportmöglichkeiten. Mit drei Nationalparks, einem Regionalpark, verschiedenen Reservaten und einem Meeresschutzgebiet ist Kalabrien die Region Italiens mit dem größten Anteil an geschützten Gebieten. Wandern, Trecking, Mountainbiking, Canyoning und Rafting, das Aktivitätsangebot lässt kaum einen Wunsch offen.

Zum Dreiklang, der Kalabrien zu einer Destination für Wohlfühltourismus macht, zählen neben Natur und sportlichen Aktivitäten das gute Essen. Es muss ja nicht gleich die Villa Rossi in Santa Cristina d’Aspromonte sein, in der Gourmetkoch Nino Rossi [kleines Foto]Traummenüs kredenzt. In fast jedem Ort machen ausgezeichnete Restaurants dem für dieses Jahr ausgerufenen „Jahr des italienischen Essens“ alle Ehre.

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Wer sich auf kulinarische Entdeckungsreise begibt, findet Spezialitäten, die es nur in Kalabrien gibt: die roten Zwiebel, die auch zu süßer Marmelade und mildem Schnaps verarbeitet werden, die Zitrusfrucht Bergamotte, aus der nicht nur Parfümöle gewonnen werden, sondern deren gesundheitsförderndes Fleisch in Form von Saft angeboten wird. Das pittoreske Fischerdorf Pizzo ist berühmt, weil dort das kalorienmächtige Tartufo-Eis serviert wird. Dem ist sogar ein eigener Zielgebietsworkshop gewidmet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Notizbuch: Waffensammlung

7 07 2018

Samstag, 7. Juli 2018

Mit gemischten Gefühlen habe ich das Fürstliche Zeughaus Schwarzburg besucht, ohne Zweifel einer der Höhepunkte der Pressereise durch das Schwarzatal in Thüringen. Es ist erst im Mai dieses Jahres [wieder-]eröffnet worden. Beeindruckend sind sie, die ausgestellten 4.000 Waffen und Ausrüstungsgegenstände – Schwerter und Helme, Pistolen, Büchsen und vieles mehr. Bei aller beeindruckender Pracht sollten Besucher nicht vergessen, dass es sich bei den Waffen um – Tötungsgeräte handelt, mahnt der Museumsdirektor.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts gab es eine Rüstkammer auf der Schwarzburg. Das heutige Zeughaus ist hundert Jahre jünger. Als die militärische Nutzung der Waffen im 18. Jahrhundert nicht mehr gegeben war, wurde daraus eine fürstliche Schausammlung. Voller Stolz präsentierte das Fürstenhaus diee Sammlung, die rasch eine Touristenattraktion wurde. Das blieb sie auch, nachdem Günther Victor von Schwarzburg-Rudolfstadt und Schwarzburg-Sonderhausen 1918 als letzter deutscher Fürst abgedankt hatte.

Fürstin Anna erhielt lebenslanges Bleiberecht – bis die Nazis sie 1940 gegen eine finanzielle Entschädigung zum raschen Ausdruck zwangen. Sie wollten aus der Schwarzburg ein Reichsgästeheim machen. Die Abriss- und Umbau- und Ausbau-Arbeiten wurden 1942 eingestellt, weil sie zu teuer wurden. Da war das Zeughaus schon geschlossen und die Waffensammlung im Keller der Heidecksburg in Rudolfstadt eingelagert.

Wie die Sammlung vor den Russen gerettet wurde, ist eine eigene, [zu] lange Geschichte. Ein Teil der Sammlung wurde auf der Heidecksburg ab 1962 gezeigt. Heute ist das Zeughaus eine Außenstelle des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg.

„Das ist das originale Gebäude und die originale Sammlung“, erklärt Dr. Lutz Unbehaun, Direktor des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg bei seiner Führung nicht ohne Stolz, „das ist einzigartig im deutschsprachigen Raum“.

Was haben die Menschen nicht alles an Waffen erfunden, um sich gegenseitig vom Diesseits ins Jenseits zu bringen. Die rasante Entwicklung der Waffentechnik lässt sich im Zeughaus gut verfolgen. Nicht wenige der Waffen sind reich verziert und kostbar ausgestattet. Die Prunkrüstungen der Fürsten gleißen im Sonnenlicht. [Rekonstruierte] Fahnen verleihen der Zeughaus-Halle eine fast heitere Atmosphäre.

„Uns muss bewusst sein, dass das alles Gegenstände zum Töten sind“, sagt der Museumsdirektor. Damit – bei aller Pracht der Sammlung, bei aller Kostbarkeit – dies ins Bewusstsein der Besucher dringt, wurde zur Mahnung in der museumsdidaktisch hervorragenden Ausstellung ein eigener Raum eingerichtet. Eine Schauwand zeigt einen Jungen, ein Kind, mit Uniform, Pickelhaube unbd Gewehr – harmlos im Vergleich zu den Filmen, die auf mehreren Videowänden laufen. Sie zeigen kleine und kleinste US-Amerikaner beim Schießen mit echten Waffen, angefeuert und von ihrem Eltern bei Treffern gelobt. Was für eine Welt!





Notizbuch: Von Blau zu Grün

30 06 2018

Samstag, 30. Juni 2018

Fernbus bin ich schon gefahren, ehe die Liberalisierung 2013. Damals galt der Fernbus noch als Transportmittel für arme und alte Leute. Heute ist das ganz anders: Fernbusse sind zur preiswerten Reisealternative für jedermann geworden.

Fünf Jahre ist es jetzt her, dass zum ersten Mal ein Flixbus über deutsche Straßen rollte, und zwar auf der Kurzstrecke von München nach Nürnberg. Heute ist das Unternehmen unbestrittener Marktführer auf dem Fernbus-Reisemarkt, und das nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in einer Handvoll europäischer Länder. Flixbus hat sich sogar aufgemacht, den US-Markt zu erobern und dem Platzhirschen Greyhound den Kampf anzusagen.

Die drei Gründer und Erfinder von Flixbus,  André Schwämmlein [Foto], Daniel Krauss und Jochen Engert, sitzen noch heute in den Chefsesseln des Unternehmens. Die Geschäftsidee kam ihnen 2011 auf der Rückfahrt von einem gemeinsamen Skiurlaub. Sie hatten von der bevorstehenden Regulierung des Fernbusmarktes gelesen. Wie wäre es, ein Busunternehmen aufzuziehen, ohne einen einzigen Bus zu kaufen? Sondern mittelständische Busunternehmen mit der Bedienung der Strecken zu beauftragen und die Fahrten über ein Internetportal zu planen, zu koordinieren, zu überwachen und zu bewerben? Zwei Jahre hatten die Jungunternehmer Zeit, ihre Pläne zu konkretisieren – und vor allem, hochkarätige Investoren zu gewinnen. Und als die Liberalisierung Anfang 2013 kam, war Flixbus am Start.

In den ersten zwei Jahren war Blau die dominierende Farbe der Flixbus-Busse

Das war ein rasanter Start. Schon zwei Jahre später fusionierte Flixbus mit dem größten Konkurrenten Mein Fernbus. Auch Postbus wurde geschluckt. Andere Anbieter wie das der Bahn gehörende Traditionsunternehmen Berlin Linien Bus blieben auf der Strecke. Rollten die Busse bis dahin blau lackiert durch Deutschland, wurde sie nach der Fusion grün lackiert.

Nach der Fusion mit Mein Fernbus wurden die Fernbusse grün lackiert

„Europa wird grün!“ verkündete damals André Schwämmlein. Wie hartnäckig das Führungstrio die Europa-Pläne verfolgte, ahnte niemand. Heute ist Flixbus Marktführer auf europäischen Inlandnetzen in den Benelux-Ländern, in Dänemark, Italien und Kroatien. Das internationale Streckennetz von Flixbus bietet tägliche Verbindungen zu 1.700 Zielen in 27 Ländern. Europaweit kooperiert Flixbus mit 250 Buspartnern, die auf 1.600 Bussen 7.000 Fahrer einsetzen. Der Firmenwert wird auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Über 500 Ziele werden in Deutschland angesteuert. Jetzt kommen 140 neue Haltestopps hinzu – Todtnau im Schwarzwald beispielsweise oder Nossen in Sachsen. Eine solch rasche Expansion bringt auch Probleme mit sich: In vielen Destinationen fehlt es an geeigneten Haltepunkten, von ZOBs ganz zu schweigen. Und die Vertragsunternehmen suchen händeringend Busfahrer.

Flixbus unterhält einen Stab von 200 Entwicklern, um das Angebot auszubauen und zu verfeinern. Neuerdings lassen sich Plätze in den Bussen reservieren. Zubringer-Linien zu den Flughäfen München, Stuttgart, Memmingen, Leipzig, Memmingen und Hamburg sind schon an der Tagesordnung oder werden spätestens im Sommer realisiert. Verhandlungen mit Airlines sollen dazu führen, dass künftig nur noch ein Ticket für Buszubringer und Flug ausgestellt wird.

Seit kurzem hat Flixbus das Angebot auf die Schiene ausgedehnt: Einmal am Tag verkehrt der Flixtrain zwischen Hamburg und Köln und zwischen Berlin und Stuttgart. Es ist damit zu rechnen, dass die Frequenzen schon bald erhöht und auch neue Linien in Betrieb genommen werden. Für Flixbus liegt das  der Hand: „Ein Zug ist für uns nichts anderes als ein großer Bus“, sagt ein Sprecher des Unternehmens.

Mein Beitrag ist – mit nur einem Foto – in der Ausgabe 24-25/2018 von touristik aktuell am 25. Juni erschienen





Notizbuch: Aus Gästen werden Freunde

25 06 2018

Montag, 25. Juni 2018

Eine deutsch-italienische Liebesgeschichte. “Im September 2014 bin ich auf einer Dienstreise nach Tropea gekommen”, erzählt Christina Woeste, “ich arbeitete damals für eine kleine Agentur in Deutschland, die Ferienhäuser in Süditalien vermietet.” Auf dieser Dienstreise hat sie Michele kennengelernt: “Wir haben uns verliebt, und im November 2015 beschloss ich, mit ihm in Tropea zusammenzuziehen.”

Und dann kam, womit Christina nicht gerechnet hatte: “Die größte Umstellung für mich waren die schier unglaublichen bürokratischen Hürden, die es hier zu meistern gilt.” Allein um Wohnsitz und Krankenversicherung anzumelden, hat Christine Monate gebraucht. Aber: “Zum Ausgleich habe ich jetzt eine atemberaubende Landschaft vor der Haustür und wunderbare, herzliche Menschen um mich herum.”

 

Christina – die ich leider nicht gefragt, wie ihr Hund heißt – und Michele beschlossen, ein Bed and Breakfast in ihrer und einer angemieteten Wohnung aufzumachen. “Das Ganze brachte sehr viel mehr Arbeit mit sich, als wir anfänglich gedacht hatten”, sagt Christina, “von Ostern  bis Allerheiligen stehen wir jeden Tag früh auf, um das Frühstück vorzubereiten und anschließend die Zimmer zu reinigen.” Aber es macht auch “sehr viel Spaβ, so viele Leute aus aller Welt  zu treffen, und nicht selten werden unsere Gäste auch unsere Freunde.”

Tropea (VV) - German tourist operator, Christina Woeste, living in Calabria

In den letzten drei Jahren hat Christine “einen gewaltigen Wandel im Tourismus” festgestellt: “Bis vor einigen Jahren kamen hauptsächlich Deutsche, Schweizer, Österreicher und einige Engländer oder Franzosen nach Tropea; sie blieben für mindestens eine Woche und unternahmen mit dem Auto auf eigene Faust Ausflüge in die umliegenden Orte und das Hinterland.” Die Krise in der Türkei, Ägypten und Tunesien hat das Reiseverhalten vieler Europäer  und auch der Italiener selbst verändert: “Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen Urlaub in Italien, da es als sicheres Urlaubsland gilt.” Auch dank der Billigflieger führte dies auch in Kalabrien zu steigenden Touristenzahlen aus Norditalien, aus ganz Deutschland, aus den osteuropäischen Ländern und sogar aus Kanada und den USA.

Viele Touristen, die nach Kalabrien reisen, bleiben nicht für den gesamten Urlaub im selben Ort, sondern machen eine Rundreise durch ganz Italien, wie die Kanadier und US Amerikaner, oder sie übernachten in verschiedenen Orten in Kalabrien, um möglichst viel von Land und Leuten zu entdecken. “Ich bin der Meinung, das Kalabrien das perfekt Reiseziel für Individualtouristen ist”, zieht Christina Woeste Bilanz. Und: “Wenn Kalabrien in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle im Europäischen Tourismus einnehmen und nicht länger nur ein Nischenprodukt bleiben will, ist es unbedingt erforderlich, private und öffentliche Anstrengungen zu bündeln und gemeinsam einen Plan für die Zukunft zu erstellen.” Den scheint es nicht zu geben.

 

 

 





Notizbuch: kein Stillstand bei Universal

17 06 2018

Sonntag, 17. Juni 2018

Harry Potters Welten, atemberaubende Achterbahnen, viele Menschen mit Übergewicht, SpongeBob und Genossen, Parade am Nachmittag – als ich vor eineinhalb Jahren die beiden nebeneinander liegenden Universal Vergnügungsparks in Orlando besuchte, kam ich aus dem Staunen kaum heraus. Da dabei das Kind im Manne geweckt wurde, dachte ich noch oft an die Park-Attraktionen. Gerne würde ich noch einmal hinfahren und sehen, was sich inzwischen getan hat. Das ist für 18 Monate unglaublich viel.

Stillstand ist Rückschritt. Nach diesem Motto werden die Universal Parks & Resorts in Orlando zügig ausgebaut. So werden im Vergnügungs-park Universal Studios Florida zwei neue sogenannte Rides angeboten: rasante, mitunter buchstäblich atemberaubende Fahrten durch eine Themenwelt, unterfüttert durch raffinierte Video- und Geräuscheffekte: „Fast and Furious Supercharged“ und „Race Through New York mit Jimmy Fallon“.

Dabei existiert in dem Park wie im unmittelbar benachbarten Universal’s Islands of Adventure schon ein Überangebot an Attraktionen von Achterbahnen bis zum SpongeBob-Land, das man in jeweils einem Besuchstag gar nicht mehr alles genießen kann. Schon die Harry Potter Welten in beiden Parks, die detailgetreu den Buch- und Filmvorlagen nachgebaut sind, verlangen stundenlange Aufmerksamkeit – das Schlagestehen vor dem Butterbier-Stand im Dorf Hogs-meade noch gar nicht mit gerechnet.

Und da gibt es auch noch den Citywalk, eine den Parks gegenüberliegende Promenade mit Geschäften und abwechslungsreicher Gastronomie. Dort sind gerade zwei Attraktionen mit klingenden Namen eröffnet worden: „Toothsome Chocolate Emporium“ und „Savory Feast Kitchen“. Doch damit nicht genug: die Universal Parks & Resorts haben in diesen Tagen in der Nähe der beiden bewährten Themenparks noch einen dritten eröffnet: Volcano Bay ist ein Wasserpark mit Rutschen, Pool, Ruhezonen und Regenwald. Der Park rühmt sich, anders und besser zu sein als jeder andere Wasserpark in der Welt. Originell ist ein Armband, mit dem man sich virtuell in die Warteschlange vor einer Attraktion einreihen und die Wartezeit mit anderen Attraktionen und Aktivitäten überbrücken kann.

Nur schwer zu überblicken ist das Angebot an Parktickets für Einzelreisende, Paare und vor allem Familien, wobei der Eintrittspreis pro Park  sinkt, je mehr Parkbesuche ein Kombiticket umfasst. Auch von deutschen Reiseveranstaltern angebotene Hotels locken wiederum mit Sonderkonditionen, zum Beispiel Einlass vor der normalen Öffnungszeit oder Schnellzugang zu Attraktionen vorbei an den Warteschlangen. Das Hotelkonzept, mit dem Loews Hotels und das Universal Orlando Resort kooperieren, ist überzeugend. Fünf völlig unterschiedliche Hotels mit insgesamt 5.200 Zimmern gruppieren sich um die drei Vergnügungsparks: Sapphire Falls Resort mit einem Hauch von Karibik, das nur dreieinhaöb Sterne besitzt, aber erstaunlich komfortabel ist,  das ebenfalls eher im niedrigeren Preissegment operierende Cabana Bay Beach Resort, und drei ausgesprochene Luxushäuser – das Hard Rock Hotel, Loews Royal Pacific Resort und Loews Portofino Bay Hotel.

Sapphire Falls Resort

Noch im Sommer soll ein weiteres Hotel hinzukommen: Universal’s Aventura Hotel mit 600 Zimmern. Zwei weitere Häuser im Budget-Bereich sind als „Universal’s Endless Summer Resort“ in der Planung: Surfside Inn and Suites mit 750 Zimmern (geplante Eröffnung: Sommer 2019) und Dockside Inn and Suites mit 2.050 Zimmern (Eröffnung 2020).

 





Kurznotiz: Wasser predigen…

16 06 2018

Samstag, 16. Juni 2018

…und Wein trinken! Wie verlogen ist das denn? Als ich heute in der Mai-Ausgabe des „journalist“ blätterte, der Verbands-Zeitschrift des Deutschen Journalisten-Verbands, entdeckte ich dieses „Advertorial“. Der Hinweis ist keine zwei Milliometer groß, kaum zu lesen und geschickt platziert. Man mag solche Advertorials anrüchig finden, aber mancher Verlag kommt ohne diese Art sublimer Lesertäuschung nicht über die Runden. Aber hier ist eine Grenze überschritten – und das in der Zeitschrift der Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten. Schämenm Sie sich, Kollege Daniel [Chefredakteur des „Journalist“].





Notizbuch: Lebensträume

13 06 2018

Dienstag, 13. Juni 2018

„Lebe Deinen Traum“ – was für ein schönes Motto für einen Lesergeschichten-Wettbewerb. Den hatte sich die Tageszeitung Neues Deutschland [nd] einfallen lassen. Zum 16. Mal rief sie zu diesem Wettbewerb auf. Über 100 Leserinnen und Leser reichten ihre Geschichten ein,  zehn kamen in die Endauswahl, wurden dem Publikum vorgelesen und von diesem bewertet – ein bemerkenswertes Beispiel für gelungene Leser-Blatt-Bindung.

Ich war bei der Vorleseaktion dabei – und baff über das hohe Niveau der zehn Beiträge. Sie wurden abwechselnd vom nd-Verlagsleiter Olaf Koppe und von Heidi Diehl [Foto unten] vorgelesen, der Reiseredakteurin und Betreuerin der Leserbriefe. Nur einen Beitrag las die Autorin selbst vor, dies außer Konkurrenz – den er hieß „Drömerei“ und war auf Platt geschrieben. Die Autorin der Geschichte heißt Linda Schöttle – und ist 14 Jahre alt.

Den dritten Preis des Wettbewerbs gewann eine 13-jährige, Lisa Dokutschajew; sie schrieb die köstliche Geschichte über die Sehnsucht nach einem Haustier „Mein neuer Freund mit Fell“.

Linda Schöttle [oben] und Lisa Dokutschajew

Den zweiten Preis ergatterte Werner Laube mit der Geschichte eines Lebenstraums: „Mein Traum von Spitzbergen“. Gewonnen hat den spannen Wettbewerb gewann ein 80-jähriger, der jung gebliebene Ludwig Stern aus Potsdam.

Werner Laube [oben] und Ludwig Stern, der Sieger [unten]

Hier seine Geschichte mit dem Titel „Wer zum Wandern geboren, taugt nicht zum Gärtnern“:

Nachdem ich einige Jahre in Gemeinschaftsunterkünften und Studentenheimen verbracht hatte, kam ich bei einer Wanderung mit meiner Kinderwandergruppe um den Lankower See an einem herrlichen Garten vorbei. Noch nach 50 Jahren sehe ich das Bild deutlich vor mir, als wäre es gestern gewesen: Auf einem Hügel stand, mit Blick auf den See, ein schlossähnliches Haus mit Säulen am Eingang im Schatten einer riesigen Eiche. Vom rosenumrankten Gartentor führte ein Weg durch Blumen der verschiedensten Farben zum Haus empor. Im Wasserbecken planschten Kinder, eine Frau saß in ihrer Nähe, und ein Mann schaukelte inmitten von Kirschbäumen in einer Hängematte. Aus der Entfernung sah es so aus, als bräuchte er nur den Mund zu öffnen, um sich an den Kirschen zu laben. Und über allem wölbte sich ein strahlender blauer, wolkenloser Himmel.

 

Vielleicht hatten mich kurz vorher meine Schützlinge mit den Fragen: „Wie weit ist es noch?“, „Wie lange dauert es noch?“, „Wann machen wir eine Pause? geärgert, denn plötzlich dachte ich daran, wie schön es wäre, dort oben in der Hängematte zu liegen oder Kirschen zu pflücken, statt, um die Worte meiner Frau zu verwenden, „mit fremden Kindern sinnlos durch die Gegend zu laufen.“

 Kurz darauf musste mein damaliger Chef seinen Wohnort wechseln und bot mir für 3000 Mark ein Zweifamilienhaus und für 1000 Mark tausend Quadratmeter Land zum Kauf an. Als ich meiner Frau davon erzählte und sie fragte, ob wir zugreifen sollten, antwortete sie: „Mit jedem anderen, aber nicht mit dir!“ Denn sie kannte mich zu diesem Zeitpunkt schon genügend lange. Es blieb beim Traum.

 

Als Jahrzehnte später ein neuer Chef sehr kurzfristig seinen Wohnort verlassen musste und Probleme hatte, seinen Garten loszuwerden, brauchte ich keine Frau mehr zu fragen und übernahm fürn Appel und n Ei einen sehr gepflegten Garten mit einem stabilen Gartenhäuschen. Weniger für mich, mehr für meine Enkel.

Das Gartenhaus lag weder auf einem Hügel, noch hatte es einen Blick auf einen See, aber auch neben ihm stand eine Eiche und zwischen den Kirschenbäumen konnte man mit Leichtigkeit eine Hängematte anbringen.

Weder mein Sohn, noch ich hatten Erfahrungen im Umgang mit einem Garten. Aber seine Frau war auf dem Lande groß geworden, und solange sie der Meinung war, dass Gartenarbeit schlank macht, gab es keine größeren Probleme. Da sie nicht schlank wurde, blieb, nachdem sich mein Sohn eine Zecke eingefangen hatte und sich deswegen nicht mehr in den Garten traute, schließlich alle Arbeit an mir hängen. Es ist erstaunlich, was alles getan werden muss, bevor man sich mit reinem Gewissen zwischen zwei Kirschbäumen  in eine Hängematte legen kann, welche Gefahren einem Laubendach unter einer großen Eiche bei Sturm drohen und wie empfindlich die Pflanzen sogar auf kleine Verfehlungen reagieren. 

Da ich gegen den Gebrauch von Giften bin, fressen alles, was unter der Erde wächst, die Wühlmäuse, alles darüber die Nacktschnecken und die Kartoffelkäfer. Die Vögel verhindern, dass einem die Kirschen in den Mund wachsen. Nicht einmal von Raubvogelattrappen lassen sie sich beeindrucken. Die frechsten Spatzen ruhen sich sogar auf diesen Attrappen aus.

Und der Eichenbaum, der mich seinerzeit so nachhaltig beeindruckt hatte, bereitet mir die meisten Sorgen. Ständig fallen Äste auf das Dach, und ständig müssen die Eicheln aufgesammelt werden, damit der Rasen sich nicht in einen dichten Wald verwandelt. Und wenn sich dann wochenlang strahlend blauer, wolkenloser Himmel über dem Garten ausbreitet, kann man nicht zum See oder ans Meer fahren, weil die Blumen es übelnehmen würden. Deswegen habe ich seit zehn Jahren ausgeträumt. Wer zum Wandern geboren, taugt nicht zum Gärtnern.